Amazo

Swiss Army Robot

DC Comics

Titel: The Case of the Stolen Super-Powers

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #30), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Das Besondere an der JLA ist die Vielseitigkeit: Jeder Held hat andere Kräfte, die er nützlich fürs ganze Team einsetzen kann. Jeder kommt zum Einsatz. Außer Batman und Superman – die spielen, obwohl sie die prominentesten Mitglieder sind, kaum eine Rolle in den ersten Abenteuern. Sie erscheinen meist nur kurz im Bild, Superman darf höchstens der Deus ex machina am Ende sein. Offenbar ist er zu mächtig und würde damit die anderen in den Schatten stellen. Was aber wäre, wenn ein Gegner alle Kräfte der Liga vereinen würde? Er wäre unbesiegbar …

Darum geht es im dritten Abenteuer: Die Mitglieder der JLA verlieren ihre Kräfte. Zumindest für einen Moment. Gleichzeitig stiehlt der Android Amazo mit genau diesen Kräften Tiere, die lange leben. Die JLA sieht da einen Zusammenhang und macht sich auf, die ältesten Tiere (und auch einen Menschen) der Welt zu beschützen. Interessante Aufteilung: Während Flash und J’onn J’onzz sich zusammen um eine Eule kümmern, nimmt sich Batman einen Elefanten vor – allerdings hat das keine Relevanz für den Rest der Geschichte, weil Batman über keine Superkräfte verfügt. (Seltsam allerdings, dass sich niemand für Supermans Kräfte interessiert.)

Die JLA kämpft weltweit gegen Amazo, am Ende landen alle in Gefangenschaft von Professor Ivo, des Wissenschaftlers, der Amazo geschaffen hat. Der Superroboter, der alles kann, ist aber nur ein Umweg: Ivo will bloß ewiges Leben, daher braucht er die Tiere. Ein ganz schön großer Umweg! Denn in all den Jahren, die er gebraucht hat, um Amazo zu konstruieren, hätte er auch einfach die Tiere einsammeln können. Am Ende geht das mit dem Zusammenbrauen des lebensverlängernden Tranks auch superfix. Warum verschwendet einer, der so sehr auf ein langes Leben bedacht ist, seine Lebenszeit mit Amazo?

Weil es sonst keine Story mit der Justice League gäbe. Die werden am Ende nämlich völlig ihrer Kräfte beraubt und ihrer Erinnerung daran, dass sie Superhelden waren. Nur Green Lantern kann sie retten, indem er seine Gelbschwäche zu seinem Vorteil ausnutzt. Ivo landet für 500 Jahre im Knast, damit es lebenslänglich wird. Moment mal: 500 Jahre? Für was? Diebstahl? Entführung? Gestohlene Superkräfte? Selbst nach US-Recht dürfte die Strafe milder ausfallen. Immerhin ist niemand gestorben.

Aber in Superheldencomics muss ja nicht immer alles Sinn ergeben. Wer Realität will, sollte lieber aus dem Fenster schauen.

Amazo kommt natürlich zurück und wird im Laufe der Zeit zu einem der größten Feinde der JLA. Unter anderem taucht er auch bei Batman auf, in der Storyline Under the (Red) Hood.

Mehr zur Justice League:

 

Fast ohne Schwächen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 1 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2012-2013 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 2013), dt. Panini 2015 (enthält Legends of the Dark Knight #1-9)


„You know what my weakness is? I don’t have one. That’s what makes me better than them. That’s why I’ll always win. No vulnerability.“

„You’re wasting your time looking for rules to this game.“ (Joker)

„I have no effect. I just throw them in one end and the system spits them out the other.“ (Batman)

Ursprünglich war die Serie Legends of the Dark Knight, gestartet 1989, eine Plattform für hochwertige Geschichten aus der Frühzeit von Batman, dann kamen auch vereinzelt Elseworlds-Storys dazu. Darunter sind einige Klassiker wie Gothic, Prey, Venom und Faces. Nach einer fünfjährigen Pause (die gefüllt wurde von Batman Confidential) wurde die Serie 2012 wiederbelebt: als Anthologie von Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren und Zeichner. Das Beste daran ist, dass die Serie nicht an irgendwelche Continuitys gebunden ist, das heißt, die Macher können tun, was sie wollen. Und liest man die ersten Storys, spürt man nicht nur den Vorteil dieser Freiheit, man merkt  ihnen auch die Lust am Erzählen an.

Wie schon bei Black and White können sich die Autoren kreativ austoben und dabei kleine, aber feine Meisterwerke schaffen, die sich überwiegend auf die Hauptfigur konzentrieren und so intime Einblicke in sein Seelenleben ermöglichen. Wir sehen Batman saufen und großkotzig reden, wir sehen ihn an dem Sinn seines Kreuzzugs zweifeln, aber wir erleben ihn auch in Momenten absoluter Souveränität, in denen er Herr der Lage ist.

Der Band profitiert von seiner Vielfalt der Stoffe und der Form. Es tut gut, neben etablierten Zeichnern wie J.G. Jones (Wanted) auch extravagante Künstler wie Ben Templesmith zu sehen, dessen Stil an Sam Kieth erinnert. Schade ist jedoch, dass die Geschichten etwas jokerlastig geworden sind. Der Reiz der Autoren, eine Batman-Story mit dem größten Schurken zu erzählen, ist nachvollziehbar, aber es wirkt auf Dauer etwas einseitig. Die besten Geschichten kommen ohne den Joker aus.

Hier die Storys in der Einzelkritik:

1. The Butler Did It: Batman behauptet keine Schwächen zu haben, doch wird eines besseren belehrt. Damon Lindelofs Story (Lost, Star Trek: Into Darkness, The Leftovers) ist wegen seines Spoiler-Titels vorhersehbar, aber profitiert von den selbstgefälligen Äußerungen von Batman.

2. All of the Above: Batman bekämpft Amazo, der in den JLA-Satelliten eindringt. Sehr cool und supersmart. Bei allem guten Willen zur Fantastik erscheint nur unglaubwürdig, dass Batman schutzlos im Weltall überleben könnte. Aber hey: Batman würde sogar Chuck Norris umhauen.

3. The Crime Never Committed: Batman und Robin vereiteln einen Einbruch noch bevor er passieren kann, indem sie dem Täter seine Optionen offenlegen. Etwas zynisch ist Robins Rat am Ende: „Work it out.“ Der Junge hat leicht reden … Die Wayne Foundation scheint dieses Mal nicht einzuspringen, um einen armen Mann von seinem Elend zu befreien.

4. Crisis In Identity: Batman muss den Joker aufhalten, der mit dem Mad Hatter Menschen dazu bringt, sich als Batman verkleiden und bei ihren Einsätzen draufgehen. Sinnlos, aber der Joker sagt es auch selbst, dass sein Spiel keine Regeln hat. Hier sind die oben erwähnten Zeichnungen von Ben Templesmith einen Blick wert.

5. Letters to Batman: Auf der Suche nach dem Joker macht Batman mal eine Pause, um mal all seine Fanpost zu lesen. Dabei sieht er ein, dass seine Mühe nicht vergeblich ist, auch wenn der Joker immer wieder ausbricht, hilft Batman doch immer wieder Menschen, ein besseres Leben zu führen.

6. A Game to Die For: Ein neuer Vigilant namens Praetorian hält den Joker gefangen und muss sich dessen Psycho-Spielchen gefallen lassen. Gewagt ist an dieser Story vor allem der zittrige Zeichenstil, der mit seinen groben, kantigen Linien an den späten Frank Miller erinnert.

7. Batman: The Movie: Ein Schauspieler, der einen Batman-Film drehen soll,  hat Schwierigkeiten, sich in die Rolle hineinzuversetzen. Da kommt der Joker ans Set – und Batman himself. Doch letzterer hat auch keine hilfreichen Tipps zu bieten, wie man ihn am besten spielt. Einzig der Joker reflektiert ein wenig über das Wesen der Story: „The bad guy gets all the best lines.“

8. Together: Two-Face unterzieht sich einer Gehirnoperation, um sich einer Seite zu entledigen. Die typische Schizo-Nummer ist etwas durch.

9. A Slam Bradley Mystery …: Privatdetektiv Slam Bradley (eine Figur, die noch vor Superman von Jerry Siegel und Joe Shuster geschaffen wurde) wird Zeuge eines Mordes, dessen er zu Unrecht beschuldigt wird. Batman geht mit ihm vorschnell und hart ins Gericht, später prügeln sie sich gemeinsam durch. Eine schöne Hommage an die gute alte Zeit der Hardboiled-Helden im kantigen Noir-Stil.

>> Batman 2011-2019