Superman

Warum Batman niemals Trump wählen würde

President Lex Luthor (DC Comics)

President Lex Luthor (DC Comics)

Die Realität hat die Fiktion eingeholt. Endgültig. Denn die Fiktion kommt nicht mehr hinterher im Trump-Zeitalter. Neulich habe ich einen Cartoon gesehen, in dem das Dilemma eines Cartoonisten beschrieben wird: Die Idee die er hat, wird vom US-Präsidenten schon vorweggenommen, noch bevor der Cartoon veröffentlicht ist. Es wird immer schwerer, sich das Absurde auszudenken – denn es ist längst da. „Ist Fiktion endgültig an die Stelle von Geschichte getreten?“, fragte der Pubilizist Hartwig Tegeler neulich bei Deutschlandradio Kultur und zielte damit auf Superheldenfilme ab: „Spielt Milliardär Donald Trump einen milliardenschweren Superhelden wie Batman oder Iron Man nach? Oder umgekehrt?“

Tegeler geht davon aus, dass Hollywood unser Denken verändere und kritisiert, dass Superhelden einen großen Anteil daran hätten. „Das Problem an solchen Rettungen durch den Superhelden ist eine Vereinfachung von Welt, die in Dauerschleife vor uns abgespult wird und sich in der Wiederholung tiefer und tiefer eingräbt. Vereinfachung trifft im Zeitalter des Postfaktischen, von Fake News oder sogenannten „alternativen“ Fakten auf einen fruchtbaren Boden.“ Superheldenfilme schienen mit Trump in der Realität angekommen zu sein, auch der neue US-Präsident sehe die Welt „superheldenmäßig, schwarz-weiß, Freund-Feind. Und diesen Feind gilt es nicht zu überzeugen, sondern auszumerzen.“

Schlechte Vorbilder für Trump

Ich weiß nicht, ob Tegeler mal einen Superheldenfilm der vergangenen Jahre gesehen hat. Er schreibt jedenfalls, als hätte er das nicht. Oder jedenfalls nicht genau. Denn dann wüsste er, dass gerade Batman und Iron Man die besten Beispiele dafür sind, dass moderne Superhelden schlechte Vorbilder für einen Haudraufpolitiker wie Trump sind. Man muss gar nicht tief in die Comics gehen, um das zu belegen. Bleiben wir bei den Filmen.

Batman bewahrte in Batman Begins die Welt von größenwahnsinnigen, selbsternannten Messias, der die Welt vom Bösen reinigen wollte, indem er eine Stadt zu vernichten drohte. In The Dark Knight wies ihm der Joker als nihilistischer Terrorist die Schranken seines Handelns. Geld, Gadgets und Gewalt brachten Batman nicht viel. Ja, er triumphierte vielleicht am Ende, aber der Joker lebte und lachte zuletzt, weil Batman alles verloren hatte, was ihm lieb und teuer war. Im dritten Teil der Nolan-Trilogie, The Dark Knight Rises, befreit Batman Gotham City von einem Despoten, der die ganze Stadt seiner Willkür unterjocht.

Tony Stark wird Pazifist

„Iron Man“ Tony Stark hingegen ist zwar so wie Bruce Wayne ein Milliardär, am Anfang sogar ein Waffenkonstrukteur, der den Krieg als Show zelebriert, aber schon in der ersten Hälfte seines Debutfilms macht er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Nachdem er einen Anschlag überlebt hat, von Terroristen gefangen genommen wurde und sich befreit hat, schwört er dem Waffenhandel ab. Als Iron Man wird er selbst zur Ein-Mann-Waffe, um die Welt zu befrieden.

In diesem Punkt könnte man Tegeler Recht geben: Ja, Superhelden nehmen das Gesetz in die eigene Hand. Das ist ein typisch amerikanischer Western-Topos. Bedenklich, aber Superhelden brechen aus dem System nur deshalb aus, weil das System nicht funktioniert. Aber das macht sie noch nicht zu tumben Wutbürgern. Gotham City braucht Batman, weil die Stadt von Verbrechen und Korruption zerfressen ist, die Welt braucht Iron Man, weil sie sich sonst in den Abgrund hochrüstet. Dass einzelne sich das Recht rausnehmen, selbst die Welt besser zu machen, bleibt dennoch ein moralisches Dilemma der Helden. Am eindrücklichsten haben es die Watchmen vorgemacht, dass die Welt nicht so einfach zu retten ist und dass Helden es schwer haben, nicht als Schurken zu enden. Und heute steht die Doomsday Clock wieder auf kurz vor zwölf … Aber nicht wegen der Superhelden.

Superman gegen Hitler

Im Gegenteil. Superhelden waren von Anfang an Freiheitskämpfer, die sich gegen Unterdrückung und Diktatur wandten. Man darf nicht vergessen: Superman wurde (wie auch viele andere seiner Art) von Juden erfunden, die einen Gegenentwurf zum Übermenschen der Nazis schufen. Superman (übrigens ein Flüchtling und illegaler Einwanderer) hat im Comic einst Hitler vor Gericht gestellt, Captain America hat den Diktator einfach vermöbelt. Rund 60 Jahre später wurde Supermans Erzfeind Lex Luthor Präsident der USA, die Helden setzten ihn bald darauf ab, anderhalb Jahrzehnte später ist mit Donad Trump tatsächlich ein industrieller Schurke an der Macht und regiert wie ein Faschist.

Warum ist es soweit gekommen? Weil zu viele Menschen die Welt schwarz-weiß sehen? Vielleicht. Aber sie tun es bestimmt nicht wegen Superheldenfilmen oder -comics. Gerade diese Helden haben – seit etwa 30 Jahren im Comic und seit 17 Jahren auch im Kino – immer wieder die vielen Graustufen aufgezeigt: vom Film X-Men, der im KZ beginnt und wo ein Holocaust-Überlebender zum Rassisten wird, bis hin zu Captain America: Civil War, wo sich Superhelden die Frage gefallen lassen müssen, welche Folgen ihre Taten nach sich ziehen. (Ein ähnliches Thema, wenn auch schlechter umgesetzt, hat auch Batman v Superman). „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ – das hat das Publikum schon früh bei Spider-Man gelernt. Donald Trump hat das nie verinnerlicht.

Das Problem ist jetzt: In der Realität gibt es keine Superhelden, die einen wie Trump ausschalten könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden sie sich wahrscheinlich zunächst mit ihm arrangieren, so wie sie es mit Lex Luthor getan haben. Man kann nur hoffen, dass das Böse eines Tages sich selbst vernichtet. Dass das Gute triumphiert. Das ist die Hoffnung, die Utopie und das Heilsversprechen, das Superhelden immer wieder vermitteln.

Batman v Superman: Nominiert für 8 Goldene Himbeeren

Batman v Superman

Schlecht gegen Schlechter: Batman v Superman

Hat dieser Film nicht schon genug Prügel bezogen? Durch einen Spießrutenlauf muss er noch durch: Batman v Superman: Dawn of Justice wurde für die Goldene Himbeere (Golden Raspberry Awards, kurz: Razzies) nominiert – und das gleich achtmal in sieben Kategorien:

  • Schlechtester Film
  • Schlechtester Regisseur
  • Schlechtestes Prequel, Remake, Rip-off oder Sequel
  • Schlechtestes Drehbuch
  • Schlechtester Hauptdarsteller: Ben Affleck und Henry Cavill
  • Schlechtestes Filmpaar: Ben Affleck und Henry Cavill
  • Schlechtester Nebendarsteller: Jesse Eisenberg als Lex Luthor

Öfter ist in diesem Jahr bloß Zoolander 2 nominiert worden, nämlich neun Mal.

Suicide Squad blieb dafür weitgehend verschont: Allein für das schlechteste Drehbuch und den schlechtesten Nebendarsteller (Jared Leto als Joker) hat es gereicht.

Wer jetzt noch behauptet, DC habe im vergangenen Jahr einen guten Film herausgebracht, der kann gleich in Donald Trumps PR-Team für „alternative Fakten“ anheuern. Aber einmal Spaß beiseite: Wahrscheinlich bekommt Batman v Superman nur so viel Dreck ab, weil seine Fallhöhe so groß war. Wer so hohe Erwartungen weckt und sie dann enttäuscht, bezieht nun mal die meisten Prügel.

Die Goldenen Himbeeren werden am 25. Februar 2017 verliehen – am Tag vor den Oscars. Abgeholt werden sie selten.

Batmans neue Super-Freunde

DC Comics

DC Comics

Titel: I Am Gotham (Batman Vol. 1) (dt. Ich bin Gotham)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch, Mikel Janin, Ivan Reis u.a.

Erschienen: 2016 (Batman #1-6, Batman Rebirth #1), Paperback 2017, dt. Panini 2017 (Paperback)


„Who’s going to catch you in Gotham?!“

Jede Stadt hat ihre Beschützer: Metropolis hat Superman, Gotham hat Batman – aber was, wenn über Gotham plötzlich ein Flugzeug abgeschossen wird, es auf die Stadt zurast und kein Superman helfen kann? Dann ist Batman ziemlich aufgeschmissen. Mit technischen Tricks kann er vielleicht das Schlimmste verhindern, aber nicht mehr sich selbst retten. Doch in so einer Situation tauchen aus dem Nichts zwei fliegende Superhelden auf und gehen Batman zur Hand: sie nennen sich „Gotham“ und „Gotham Girl“ und tragen diamantförmige Symbole mit einem G in Frakturschrift auf der Brust.

Nicht gerade einfallsreich, zugegeben. Und der beste Detektiv der Welt kommt auch schnell hinter die Masken der beiden Neulinge und stattet ihren Eltern als Matches Malone einen Besuch ab. Wie dem auch sei: die Geschwister Gotham haben die nobelsten Absichten – und Batman vertraut ihnen auch ohne große Erklärungen über ihre Herkunft und Beweggründe. Er verlässt sich wohl auf seinen Instinkt. Und so arbeitet das Dynamische Trio zusammen mit dem Azubi-Robin Duke Thomas, der noch Dauerdienst in der Bathöhle schieben muss, bevor er ins gelbe Kostüm steigen darf. (Wer Duke ist, erfährt man im Prolog von Batman Rebirth #1, mit dem der Band beginnt, der aber auch in Batman Vol. 10: Epilogue und Detective Comics Vol. 9: Gordon at War enthalten ist.)

Passend zum Zeitgeist der Realität haben die Helden vor allem mit Terrorismusbekämpfung zu tun: in Gotham sind Selbstmordattentäter mit Bomben unterwegs und verbreiten die Botschaft der Furcht. Auch Solomon Grundy darf mal wieder beim Chaos mithelfen. Dahinter stecken aber Hugo Strange und der Psycho Pirate (siehe Crisis on Infinite Earths) – aber was Strange vorhat, das wird hier noch nicht geklärt.

Der neue Batman-Autor Tom King (der neben Grayson auch die grandiose Irak-Kriegs-Serie Sheriff of Babylon geschrieben hat) legt mit I Am Gotham einen furiosen Start hin: einfallsreich und voller Humor, die Tradition im Blick, aber auch stets ironisierend. Damit erweist er sich als würdiger Nachfolger von Scott Snyder. Allein das erste Kapitel, in dem Batman das Flugzeug umzulenken versucht, ist auch dann äußerst spannend, wenn man weiß, worauf es hinausläuft. Weitere Highlights: Alfred im Batman-Kostüm und eine Reihe geschrotteter Batmobile. Zeichner David Finch (Batman: The Dark Knight und Forever Evil) liefert eine solide Arbeit mit typisch klaren Linien und einigen prachtvollen Splash-Pages hin, auch wenn die Mimik seiner kraftstrotzenden Figuren nicht immer überzeugt. Er ist kein so einfallsreicher Künstler wie sein Vorgänger Greg Capullo.

Allerdings ist die Story etwas zu sprunghaft, ein paar Seiten mehr hätten ihr gut getan, dafür endet sie im Grunde schon nach fünf von sechs Kapiteln, der Schluss ist bloß ein etwas sentimentaler Epilog, der für die Trauerbewältigung von Gotham Girl verschenkt wurde. Und vor allem liest sich I Am Gotham nicht so sehr wie eine abgeschlossene Geschichte, sondern bloß wie ein Auftakt zu Größerem: Darin angelegt sind bereits das Crossover Night of the Monster Men sowie die Fortsetzungen I Am Suicide und I Am Bane. Wie gut die Stücke zusammenpassen, werden wir später beurteilen müssen.

Mehr zum Thema:


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Injustice 2: „The Lines Are Redrawn“

Am 16. Mai 2017 erscheint das Game Injustice 2. In diesem Trailer wird weniger auf Kämpfe gesetzt (worauf es natürlich im Wesentlichen ankommen wird), sondern erzählt, was bisher geschah. Außerdem kämpft Batman gegen Robin und wir sehen Darkseid.

Der Stellvertreter und der Schwächling

DC Comics

DC Comics

Titel: Truth Hurts (Batman/Superman Vol. 5) (dt. Fremde Freunde)

Autor/Zeichner: Greg Pak/Ardian Syaf

Erschienen: 2015-2016 (DC Sneak Peak Batman/Superman #1, Batman/Superman #21-27), Paperback 2016; dt. Panini 2016 (Batman/Superman Bd. 6, enthält #21-24)


Batman und Superman sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Batman ist eigentlich James Gordon in einer Robo-Rüstung (siehe Superheavy/Bloom), Superman ist zwar immer noch Clark Kent, nur dass es jetzt jeder weiß, aber er hat den Großteil seiner Kräfte verloren. Jetzt rennt er herum im T-Shirt und schützt seine Knöchel mit den Fetzen seines Capes.

In dieser Ausnahmesituation treffen die beiden Helden aufeinander. Beide werfen einander vor, nicht das zu sein, was sie vorgeben zu sein. So kommt es erstmal zum Kräftemessen. Oder anders gesagt: Clark bekommt mächtig Keile von Robo-Bat. Man vertraut einander nicht, aber man arbeitet trotzdem zusammen. Was cool ist: Clark leiht sich Bruces Bat-Motorrad, sprüht es aber kurzerhand rot an. Aber sonst ist Superman eben alles andere als super.

Ach so, da ist ja noch Handlung: Der Untergrundherrscher Ukur will eine Miniatursonne stehlen, die er als Energiequelle nutzen will, aber die genauso gut als Massenvernichtungswaffe genutzt werden kann. Superman steigt hinab in die Unterwelt, legt sich mit Monstern an, trifft auf Aquaman und am Ende rettet er gemeinsam mit Aushilfs-Robocop-Batman die Welt. Das heißt: eigentlich nicht, denn am Ende klauen einfach andere Schurken die Bombe.

Auch dieser Batman/Superman-Band bietet die Bewährte Mischung aus 08/15-Dramaturgie und ganz soliden Zeichnungen.

>> Batman & Superman in World’s Finest

Kein Batman beim Gratis Comic Tag 2017

Panini Comics

Panini Comics

Eine schlechte Nachricht für Batman-Fans: Beim nächsten Gratis-Comic-Tag, am 13. Mai 2017, wird es kein Batman-Comic geben. Damit bricht Panini eine Tradition. Stattdessen wird ein Heft erscheinen, das mit Harley Quinn, Superman und Wonder Woman für DC Rebirth werben wird. Wonder Woman soll sogar eine komplette Story bekommen – passend zum anstehenden Kinofilm, der am 15. Juni erscheinen wird. Und Harley Quinn ist ohnehin schon ein Publikumsliebling. Superman muss wohl noch stärker beworben werden. Aber Batman scheint es nicht nötig zu haben. Für den zahlen die Leser offenbar schon genug.

Dark Knight III: Das verflixte siebte Heft

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III: The Master Race – Book 7

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2016


„Batman is dead? Oh sure … How many times have we heard that before, boss?“ (Batgirl)

Batmans Tod – ja, ein alter Hut. Ein Running Gag. Aber hier lahmt er. Denn abgesehen davon, dass Batman natürlich nicht sterben kann (wir brauchen unseren Helden noch), findet Superman schnell eine Lösung für dieses gravierende Problem: wie gut, dass die nächste Lazarusgrube nie zu weit weg ist. Immerhin wird die Rettungsszene dramatisch eingeführt mit einer schönen Variation des alten Bird-Plane-Superman-Motivs. Superman sieht sich am Rande seiner Möglichkeiten – und dann geht es doch ganz einfach.

Warum ist das so? Weil Frank Miller und Brian Azzarello sich nicht genug Zeit lassen für ihre Geschichte. Probleme tauchen hier schnell auf – und ebenso schnell werden sie wieder gelöst. Nach einer kurzen Badekur ist Bruce wieder da. Neues Problem: Der Schurke Quar will sich an Supermans Sohn Jonathan rächen, doch als Lara das Baby von der Paradiesinsel holen will, stellen ihr sich Mutter Wonder Woman und ihre Amazonen in den Weg. Man wird nicht so recht schlau aus dieser Lara, warum sie so handelt, wie sie es tut.

Im Mini-Comic holt Hal Jordan sich seine abgetrennte Hand wieder, um wieder Green Lantern zu sein – und wird von zwei Hawkmen gerettet. Frank Miller gibt sein Bestes, diese Episode wenigstens ansehnlich zu gestalten. Packend wird sie dennoch nicht.

Zum Schluss sei noch erwähnt: Die Autoren erlauben sich einen weiteren Seitenhieb auf Donald Trump. Der twittert, dass die Kryptonier für den Wiederaufbau Gothams bezahlen müssten. Ein billiger Gag, der nicht funktioniert, weil der Vergleich mit Trumps ursprünglicher Aussage, eine Mauer nach Mexiko zu bauen, stark hinkt. Nicht jeder Zeitbezug ist ein passender Kommentar zur politischen Lage.

Noch zwei Ausgaben stehen bevor. Teil acht soll am 29. März 2017 erscheinen … – wenn es denn klappt. Schade, dass man das Ende nicht deshalb herbeisehnt, weil man wissen will, wie es weitergeht, sondern damit das Trauerspiel endlich abgeschlossen wird.

Die Dark Knight-Saga:

Warum Superman Kanadier sein müsste

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – Secret Identity (dt. Geheimidentität)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/Stuart Immonen

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2004, Deluxe Edition 2016; dt. Panini 2004 (Paperback)


„Life is good.“

„I think I’m supposed to worry too much.“ (Clark Kent)

Der Junge aus Kansas heißt Clark, aber nur weil seine Eltern Kent mit Nachnamen heißen und sich einen Spaß erlaubt haben. Denn Clark lebt in einer Welt, in der es bereits einen Superman gibt – in Comics. Er ist ein normaler Junge, bis auf die Tatsache, dass er in seiner Freizeit gerne in einem Traktor auf einer Schreibmaschine Tagebuch führt. Eines Tages kann er plötzlich fliegen. Und auch andere Superkräfte treten hervor, wie bei Superman. Clark tut, was man eben so mit solchen Kräften tut: Gutes. Bald auch im passenden Kostüm. Die Presse wird auf ihn aufmerksam, er vertraut sich einer Reporterin an, bewahrt jedoch seine Geheimidentität, sie hintergeht ihn und inszeniert schließlich Notfälle, um ihn aus der Reserve zu locken.

Was vielversprechend beginnt, läuft schnell auf das Übliche hinaus, was hochgelobte Superman-Storys ausmacht. Auch wenn Secret Identity einen alternativen Zugang zu dem Stoff versucht, indem sie einen normalen Jungen aus unserer Welt zu Superman werden lässt, stellt sich bald gepflegte Langeweile ein. Denn solche Superman-Comics sind meist Idyllen. Sie stecken voller Harmonie und Familienglück, alle Probleme lösen sich fast von selbst in Wohlgefallen auf.

Auch die Welt von Secret Identity ist eine, in der es am Weihnachtsmorgen schneit, in der Clark schon als junger Reporter einen Buchvertrag nachgeworfen bekommt und nicht nur Bestseller-Autor wird, sondern auch Standard-Werke zu allen möglichen Themen herausbringt. Da gibt es zwar die böse US-Regierung, die ihn verfolgt und einmal sogar in einem düsteren Labor festhält, aber auch das ist ein Konflikt, der schnell in einem Kompromiss beendet wird. Und selbst seine Familie mit seinen beiden Zwillingstöchtern wird perfekt. Am Ende ist das einzige Problem, das sich Clark stellt, ob er sie auf ihre geheimgehaltenen Superkräfte ansprechen soll. Solche Probleme hätte bestimmt jeder mal gerne, der wirklich in dieser Welt lebt …

Keine Frage: Secret Identity ist von Kurt Busiek weitegehend meisterhaft erzählt (auch wenn er am Ende in Gemeinplätze abdriftet) und prächtig von Stuart Immonen gezeichnet (hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben werde). Aber an dem 200-Seiten-Comic haftet der Makel, doch nur das Superman-Klischee zu bedienen. Superman mag ur-amerikanisch sein, die Verkörperung des amerikanischen Traums. Aber es ist eben ein nie zu erreichendes Ideal. Während Batman die düstere Seite Amerikas zeigt, mit seinen Abgehängten, Verbrechern und Gestörten, steht Superman für ein romantisches Amerika, das es wohl nie gegeben hat. Man kann sagen: Batman ist USA, aber Superman ist eigentlich wie Kanada. Schön, nett, fast perfekt – aber verdammt öde.

>> Mehr Superman-Comics

Weihnachtswundertüte

DC Comics

DC Comics

Titel: DC Rebirth Holiday Special

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2016 (One-shot)


Seien wir ehrlich: Am Jahresende stresst man sich ab, damit Weihnachten etwas Besonderes wird – und nicht einfach nur Kommerzscheiße. Aber dann läuft es doch immer auf das Gleiche hinaus: Kommerzscheiße. Davor sind selbst Superhelden nicht sicher. Bevor Superman und Batman gemeinsam mit ihren Söhnen Weihnachten feiern können, muss Superman zunächst den Arnold Schwarzenegger geben, der wie im Film „Versprochen ist versprochen“ nach einem nahezu ausverkauftem Wunschgeschenk für seinen Sohn suchen muss. Nicht einmal mit Supergeschwindigkeit ist das Spiel zu bekommen. Am Ende bekommt er es natürlich doch und die Moral von der Geschicht ist, dass die Kinder zusammen spielen. Es geht nicht um Konsum, sondern um Freundschaft.

Wer’s glaubt.

Denn statt seine Leser zu beschenken, lässt DC sie einen stolzen Zehner latzen, um zu lesen, wie ihre Lieblingshelden Weihnachten feiern. Oder Hanukka. Oder die Wintersonnenwende. In einer Pseudo-Rahmenhandlung mit Harley Quinn eingebettet, werden möglichst viele Kurzgeschichten mit möglichst vielen Helden reingepackt, ganz nach dem Prinzip: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.

Wie man an Anthologien wie Batman: Black and White sehen kann, können Kurzgeschichten kleine Meisterwerke der Verdichtung sein. Aber das DC Rebirth Holiday Special ist bloß eine Weihnachtswundertüte an Banalitäten. Batman spielt Detektiv mit einem Schimpansen (!), um dem Weihnachtsmann ein Rentier wiederzubeschaffen. Der Superhund Krypto bekommt ein Halsband aus Supermans Gürtel. Constantine und Wonder Woman stören einen Hexensabatt. Flash verteilt Geschenke an Waisenkinder. Und so geht es weiter mit Batwoman, den Titans und Green Lanterns.

Mäßig einfallsreich, mäßig lustig, aber immerhin durchgehend solide bis prächtig gezeichnet.

>> Batman 2011-2019

Batman und der Mann ohne Augenlider

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman by Ed Brubaker Vol. 1

Autor/Zeichner: Ed Brubaker/Scott McDaniel

Erschienen: 2000-2002 (Batman #582-586, #591-597, Batman: Our Worlds at War #1), Paperback 2016


„… the bat will always surprise you. That’s just his nature. He’s a nature of determination.“

Die Story dieses Comics zusammenzufassen, ist gar nicht so leicht. Ich versuche es mal so: Ein neuer Schurke erscheint in Gotham: Zeiss, ein Killer mit technisch verbessertem Gehirn. Weil er Batmans Kampftechnik gespeichert hat, kann er dessen Bewegungen vorhersehen und abwehren. Sein Markenzeichen ist eine Brille mit Kamerablenden, die ihm die Augenlider ersetzen. Das ist natürlich noch keine Story. Aber das Problem ist, dass Zeiss zwar der rote Faden ist, aber der Band episodenhaft erzählt ist und dadurch mal mehr und mal weniger mit ihm zu tun hat.

Auf den ersten Blick ist der erste Ed Brubaker-Band eine lose Story-Sammlung: mal geht es um einen ehemaligen Wayne-Mitarbeiter auf Abwegen, mal um zwei Leute, die eine Batman-Doku drehen. Mal geht es um einen Rechtsstreit zwischen Pinguin und Bruce Wayne, mal um eine Fehde zwischen verfeindeten Gangsterfamilien, der Auftragskiller Deadshot tritt auf. Von der Batman-Family haben Robin, Nightwing, Batgirl und Huntress kleine Gastauftritte.

Erst nach und nach kristallisiert sich Zeiss als zentrales Element heraus, aber als Antagonist taugt er nur wenig, weil er nur Handlanger von Gangstern ist – mit Batman verbindet ihn nichts. Überhaupt mäandert die Handlung zu sehr und franst in unnötige Nebenhandlungen aus, wie etwa das Erscheinen eines gestrandeten Aliens, das Batman kurz beschäftigt, aber nichts mit der eigentlichen Story zu tun hat.

Unnötiger Einschub

Nichts hat auch der One-shot Batman: Our Worlds at War mit dem Rest zu tun, der ebenfalls in den Band integriert wurde, da er auch von Brubaker geschrieben wurde. Wer nicht vor hat, dieses Crossover weiterzulesen, sollte auch diese Episode lassen. Überflüssigerweise wurde sie mitten in den Band geschoben, wo sie die Leser von der Haupt-Story ablenkt.

Die meisten Zeichnungen stammen von Scott McDaniel – ein Künstler, der viel zu lange an Batman herangelassen wurde. Er hat einen furchtbar übertriebenen und unübersichtlichen Stil, der die Panels überfrachtet und die Gesichter wie Grimassen erscheinen lässt. Ein zu oft verwendetes Stilmittel: Wenn Batman durch die Luft fliegt, folgt ihm stets ein Schwarm von Fledermäusen.

Insgesamt ist Batman by Ed Brubaker zwar solide geschrieben, aber zu wenig einnehmend erzählt. Durchschnittsware, die bloß deshalb als Paperback neu aufgelegt wurde, damit sich Hardcore-Fans ein weiteres Buch ins Regal stellen können. Lesen muss man es nicht.

>> Batman 2000-2011