Scarecrow

Schmerzfrei, betäubt, gleichgültig

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Gotham Knight

Drehbuch: Brian Azzarello, Alan Burnett, Jordan Goldberg, David Goyer, Josh Olson, Greg Rucka

Erschienen: 2008 (Direct-to-Video)


„I’m making it more colorful, yo …“

Wer oder was ist Batman? Eine mannsgroße Fledermaus? Ein lebender Schatten? Oder ein Roboter? Vier Jugendliche erzählen sich die unglaublichsten Geschichten davon, wie sie ihren Helden erlebt oder ihn sich vorgestellt haben – bis er ihnen persönlich begegnet. Kommt uns das bekannt vor? Ja, die Batman-Serien-Episode Legends of the Dark Knight hatte das gleiche Konzept, hier wie da wird Batman als Urban Legend inszeniert, aber während die Serie auf historische Epochen referierte, funktionierte sie als Hommage besser als diese reine Heraufbeschwörung des Mythos.

„Have I Got A Story For You“, heißt die Story, mit der Gotham Knight beginnt, ein Episodenfilm mit sechs Kurzgeschichten, die lose miteinander verknüpft sind und ebenso lose sich auf die Spielfilme Batman Begins und The Dark Knight beziehen. Bekannte Autoren haben ihren Beitrag geleistet – leider mit mäßigem Erfolg. Begegnungen mit klassischen Schurken gibt es wenige: Batman kämpft gegen Killer Croc, der Scarecrows Angstgas ausgesetzt ist, und gegen den Scharfschützen Deadshot. Ansonsten sehen wir ihm dabei zu, wie er zwei Cops aus einer Schießerei zwischen zwei Mafia-Gangs rettet und ein Kraftfeld ausprobiert, das Kugeln von ihm abprallen lässt – und Querschläger verursacht, die den Falschen treffen.

Das mag alles sehr düster inszeniert sein – und ist daher nichts für Kinder – aber es wirkt ziemlich lahm. Batman wird zu sehr aus der Ferne betrachtet und kommt als Charakter zu kurz. Die einzige Story, die halbwegs Interesse weckt, ist „Working Through Pain“. Wir sehen Batman in der Kanalisation bluten, während er sich an seine Ausbildung in Asien erinnert, als er gelernt hat, den Schmerz auszuhalten. Dass er am Ende verzweifelt, weil er im Müll einen Haufen Schusswaffen findet, hat nicht unbedingt etwas mit der Geschichte zu tun. Das soll von seinem wahren, seelischen Schmerz zeugen, aber diese Andeutung bleibt wie so vieles in diesen Episoden im leeren Raum hängen. Da hilft es auch nicht, dass in der letzten Story der Elternmord nachgereicht wird und kurz darauf Batman Schusswaffen gegenüber doch nicht ganz abgeneigt zu sein scheint. Das passt auch nicht zur Continuity der Nolan-Filme. Gotham Knight ist ein seltsam unentschlossenes und uninspiriertes Werk, das einen gleichgültig zurücklässt.

Die verhinderte Fledermaus

Detective No 27

DC Comics

Titel: Batman: Detective No. 27 (Detective #27)

Autor/Zeichner: Michael Uslan/Peter Snejbjerg

Erschienen: 2003 (One-shot)


 „Did you ever dance with the devil in the pale moonlight?“

Eine Batman-Story ohne Batman. Bruce Wayne sitzt am offenen Fenster und überlegt gerade, wie er am besten das Verbrechen bekämpfen kann, das seine Eltern das Leben kostete, da klopft es an der Tür. Wayne schließt das Fenster, eine Fledermaus fliegt dagegen. „Stupid bird!“, sagt Wayne genervt ohne richtig hinzusehen. Kurz darauf wird er zum „Detective No. 27“, Mitglied einer Geheimgesellschaft, die gegen eine Verschwörung von Südstaatlern kämpft. Einige von denen haben es nicht verkraftet, den Bürgerkrieg verloren zu haben, also ermordeten sie Abraham Lincoln und planen jetzt, den Norden mit einem tödlichen Gift zu vergasen.

Der Reiz dieser etwas weit hergeholten Geschichte besteht darin, dass sie zwar in der Welt von Batman spielt, aber alles, was man von ihr kennt, lediglich tangiert. Es gibt einen Elternmord, einen Verbrechensbekämpfer, der inkognito unterwegs ist, einen Alfred und sogar einen Robin, aber ohne dass Bruce Wayne sich je als Batman kostümieren würde. Stattdessen begnügt sich die Story mit Anspielungen und (zuweilen kalauerhaften) Wortwitzen. Der platteste fällt, nachdem Wayne eine Horde von Schurken mit einem Baseballschläger (engl. „bat“) zusammengeschlagen hat: „You swing a helluva stick for a civilian, my friend!“, sagt ein Mitstreiter. „Gonna have to start calling you ‚the Bat-Man‘!“ Ansonsten haben wir einen grinsenden Joker (der jedoch nicht blasshäutig ist), einen Mad Scientist namens Hugo Strange, einen Professor Crane und eine Selina Kyle, genannt „the Cat“. Selbst Superman schaut am Ende vorbei – allein dieser trägt sein typisches Kostüm.

Es wird also viel geboten. Das alles geschieht in einem historischen Kontext (die Haupthandlung spielt – natürlich – im Batman-Geburtsjahr 1939), Autor Michael Uslan hat ans Ende des Bandes sogar ein paar Fußnoten gesetzt, in denen er Bezüge zur Geschichte erklärt. Es ist diese Liebe zur Ausschmückung, die diesen Band so sympathisch macht. Peter Snejbjergs schlichte Zeichnungen, die zuweilen an den Animated-Stil erinnern, sind ebenso detailreich und voller Leben. Es ist ein gewagtes Experiment, Batman aufs Cover zu schreiben und dann keinen zu bieten. Aber auch konsequent. Und allein dafür gebührt den Machern Respekt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Schlachtgetümmel und Etikettenschwindel

DC Comics

DC Comics

Titel: Forever Evil: Arkham War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Scot Eaton, Graham Nolan

Erschienen: 2013-2014 (Batman #23.1: Bane, Arkham War #1-6, Forever Evil Aftermath: Batman vs. Bane #1, Paperback 2014), dt. Panini 2014.


„To know thine enemy, you must become thine enemy.“ (Bane)

„… no matter how these freaks try to convince us otherwise … the sun always rises eventually.“ (James Gordon)

Nachdem das Crime Syndicate die Justice League ausgeschaltet, die Welt verdunkelt und die Schurken befreit hat (siehe Forever Evil), haben die Insassen des Arkham Asylum Gotham übernommen und unter sich aufgeteilt. Batmans Erzfeind Bane wittert seine Chance, befreit mit seiner Privatarmee die Insassen von Blackgate-Gefängnis und versucht seinerseits die Stadt zu erobern, um dort seine Schreckensherrschaft zu errichten. Er paktiert mit dem Pinguin, doch der treibt ein dreifaches Spiel, da er ebenfalls mit Scarecrow, dem Anführer der Arkhamites, und Comissioner James Gordon was am laufen hat. Es kommt zum Krieg. Unter anderem kämpft Banes Venom-Armee gegen eine Schar von Man-Bats. Bane versucht, die tiefgefrorenen Talons zu reaktivieren, doch Scarecrow will sich ebenfalls ihrer bemächtigen – mit einer Mischung aus Angstgas und Mad Hatters Gedankenmanipulation. Als das nicht funktioniert, verpasst Scarecrow sich und seinen Schergen eine Dosis Venom – und die Stadt ist voller Bane-Verschnitte …

Kommt uns das bekannt vor? Ja. Bereits in der ersten The Dark Knight-Story hat Bane die Arkham-Insassen mit einer Mischung aus Venom und Angstgas verköstigt. Abgesehen von dem offensichtlichen Ideen-Recycling stellt sich die Frage, welchen Mehrwert es bringt, jemanden wie Clayface, Killer Croc oder Man-Bat mit Venom vollzupumpen, wenn die doch ohnehin übermenschliche Kräfte haben. Letztendlich keinen, denn Bane macht auch so alle Gegner fertig, sodass er am Ende stolz dastehen kann – in seinem aus The Dark Knight Rises geborgtem Wintermantel.

Die coolste Idee allerdings besteht darin, zuvor Bane als Batman auftreten zu lassen. Da er einsieht, dass sich niemand wirklich vor ihm fürchtet, nimmt er die Gestalt der Figur an, die den Schurken am meisten Angst und Respekt einjagt. In stählerner Rüstung erinnert Bane so an den klobigen Batman von Frank Miller. Spätestens wenn Bane in dieser Rüstung sich auch noch auf ein Pferd schwingt, wird die Reminiszenz offensichtlich. Allerdings enttäuscht es, dass der auf dem Cover des Paperbacks (und des letzten Kapitels) angekündigte Kampf zwischen Batman und Bane-Batman so nicht stattfindet. Als am Ende Batman wiederkehrt und Bane vermöbelt, hat letzterer seine Rüstung leider schon abgelegt. Der erfahre Comic-Leser weiß zwar, dass Cover einer eigenen Logik folgen, aber hier wirkt es wie ein Etikettenschwindel. Das ist vor allem schade um den Schauwert. Denn viel mehr hat das Finale, ebenso wie der überwiegende Rest der Story, nicht zu bieten. In Erinnerung bleiben unzählige Splash Pages voller Schlachtgetümmel. Aber diese Erinnerung währt nur kurz.

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Brutstätte des Wahnsinns

Arkham Asylum : Madness

DC Comics

Titel: Arkham Asylum: Madness

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2011


„… the people here are actually very sad, and that can happen to any of us …“

„This place is killing me.“

„These very walls are the perfect recipe for madness.“

In diesem Comic hat Batman mal Pause. Stattdessen wird ein Tag in Arkham Asylum aus der Sicht der Angestellten gezeigt. Man erfährt, dass in der Anstalt nur die Insassen die gleichen bleiben, während das Personal verheizt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, haben meist keine Wahl, weil sie verschuldet sind und sie ihr Leben notdürftig bestreiten müssen. So nehmen sie die Angst und den Frust in Kauf, den Arkham mit sich bringt: Entweder man stirbt dort oder man kündigt früher. Hier dient eine alte rostige Wanne außerhalb des Geländes, wo die Angestellten ihre Raucherpausen machen, als Insel der Glückseligkeit.

Hauptfigur ist die Krankenschwester Sabine, die den Job durchzieht, um für ihren Sohn zu sorgen. Wegen Personalmangels muss sie nach einer Tagesschicht auch noch eine Nachtschicht übernehmen. Der Antagonist ist, wie kann es anders sein, der Joker höchstselbst. Wir sehen ihn alte Schachteln von antiken Scherzartikeln sammeln. Man kann sich denken, dass er sich dieses Hobby nicht ohne Grund gesucht hat. Denn jede Box erzählt die Geschichte einer Grausamkeit am Personal. Zum Schluss spielt der Joker mal wieder den Narren, der die Heldin mit unbequemen Fragen quält. Gastauftritte gibt es von einem beängstigend-ungeheuerhaften Killer Croc im Wassertank, Poison Ivy, Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat. Und dann ist da noch eine zu langsam gehende Wanduhr, die blutet … – ein Symbol für die Gesamtsituation.

Sam Kieth findet einen ganz eigenen Weg, den Irrsinn zu verbildlichen. Er benutzt verschiedene Zeichen- und Maltechniken sowie Bildstile, vom cartoonhaft Überzeichneten bis zum Hyperrealistischen. Manche Panels sind Gemälde, andere wirken wie skizzenhafte Vorstufen. Die Virtuosität zeigt sich am meisten beim Finale, wenn der Joker in jedem Panel auf eine andere Art dargestellt ist: mal kantig, mal cartoonhaft, stets wie eine Karikatur seiner selbst. Selten war mehr Abwechslung als in diesem Comic. Man kommt nicht umhin, die Optik mit der zu vergleichen, die Dave McKean für Grant Morrisons Arkham-Story gefunden hat. Auch wenn es zuweilen Ähnlichkeiten gibt, bewahrt sich Sam Kieth einen ganz eigenen Zugang zum Thema Irrsinn und schafft es so, eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung zu erschaffen. Arkham Madness verdient einen Platz im Regal gleich neben Morrisons Klassiker.

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Weitere Arkham-Storys:

Legends of the Dark Knight: Terror

DC Comics

DC Comics

Titel: Terror

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2001 (Legends of the Dark Knight #137-141, Paperback 2003, Neuauflage 2012 als Prey, zusammen mit der gleichnamigen Story)


 „No one gets away with killing Dr. Hugo Strange.“ (Hugo Strange)

„… I’ve got to shift from prey to predator …“ (Batman)

„… some criminals can be stopped only by the bat. The weird ones, the mad ones … the demons.“ (Batman)

Zehn Jahre nach dem Erscheinen von Prey haben Doug Moench und Paul Gulacy eine Fortsetzung gemacht: Terror. Hugo Strange, der einst im Gotham River verschwand, kehrt wieder zurück: als Mörder im Batman-Kostüm. Er will sich an seinem Peiniger rächen. Dafür befreit er Scarecrow aus Arkham, weil er dessen Angstgas für seinen Plan braucht. Doch Scarecrow, bestärkt in seinem Selbstvertrauen, macht sich selbständig, tötet Strange und macht sich auf, offene Rechnungen an den Menschen zu begleichen, die ihn mit Mobbing zu dem gemacht haben, was er ist. Und der böse schwarze Mann mit den spitzen Ohren steht ganz oben auf der Liste.

Catwoman spielt in der Story dieses Mal eine größere Rolle als in Prey. Sie wird zum Köder für Batman. Viel interessanter jedoch ist das erotische Spielchen zwischen den beiden. Catwoman macht Batman an – und Batman bekennt sich dazu. Aber zu mehr als einem hauchzarten Küsschen kommt es leider nicht …

Anders als bei Prey handelt es sich bei Terror um eine klassische Batman-Story, ohne den Schwerpunkt auf Bruce Wayne zu legen. Im Vergleich zum ersten Teil ist sie schon fast banal unterkomplex. Und leider löst Scarecrow zu schnell Strange als Antagonisten ab. Allerdings zeigt Strange auch keine neue Facette: immer noch hängt er an seinem Batman-Fetisch fest und spricht gerne zu leicht bekleideten Schaufensterpuppen. Scarecrow, als armer Außenseiter ein Opfer der bösen Gesellschaft, hat auch nicht gerade mehr Tiefe zu bieten. Gulacys Zeichnungen kommen nicht an sein Niveau bei Prey heran, was vielleicht an dem neuen Tuscher liegen mag. Die Körper sind zwar immer noch dynamisch, aber die Gesichter wirken häufig missraten: steif und entgleist. Und so ist Terror nur eine solide Batman-Geschichte im oberen Mittelmaß.

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Schatten und Nebel

DC Comics

DC Comics

Titel: Once Upon a Midnight Dreary (dt. Einst, um eine Mitternacht graulich)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Szymon Kudranski

Erschienen: 2013 (Batman: The Dark Knight Annual #1, dt. Batman: The Dark Knight #22)


 „Ich glaub‘, das nennt man Ironie.“ (Pinguin)

Am Halloweenabend kommen der Mad Hatter, Pinguin und Scarecrow in die Arkham Erziehungsanstalt für Jugendliche. Jeder von ihnen hat eine anonyme Einladung bekommen, die denken, es sei Batman gewesen und vermuten einen Hinterhalt. Da die Anstalt bei Nacht ein gruseliger Ort ist, brechen die drei in Panik aus, versuchen zu fliehen und werden schließlich mit ihren persönlichen Dämonen konfrontiert.

Autor Gregg Hurwitz erweist sich mal wieder als Meister der kleinen Form, Zeichner Szymon Kudranski als Meister von Schatten und Nebel. So wird die Geschichte zu einem schaurig-schönen Nachtstück mit einer guten Portion Ironie. So darf jeder der Schurken mal über Batmans schlechte Angewohnheiten ablästern. „Es gibt vermutlich in ganz Gotham kein Fenster, durch das er noch nicht gesprungen ist“, sagt der Mad Hatter. „Ha! Das wäre doch mal ’ne Idee …“, sagt der Pinguin. „Wir machen ’nen Fensterreparaturservice auf. Wir wären reich.“

Am Ende kommt natürlich alles anders als gedacht – und alles wird gut.

(Die Story ist im Paperback Batman: The Dark Knight Vol. 3 – Mad (dt. Liebe und Wahn) enthalten.)

Auf der Couch von Doktor Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: Cycle of Violence (Batman: The Dark Knight Vol. 2) (dt. Angst über Gotham)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/David Finch u.a.

Erschienen: 2012 (Batman: The Dark Knight #10-15)


„Gott, diese Stadt — sie hält einem ständig den Zerrspiegel vor und zeigt uns unsere schlimmsten Ängste.“ (Gordon)

„Das ist Vigilanten-Kriminalität. Wenn du mich verklagen willst … lass mich vorladen.“ (Batman)

„Was wenn ich gar kein Mensch sein will?“ (Bruce Wayne)

Hat einer der Leser den britischen Film Peeping Tom (dt. Augen der Angst, 1960) gesehen? Da spielt Karlheinz Böhm (alias Carl Boehm) einen psychopatischen Voyeur und Frauenmörder, der seine Geisteskrankheit seinem Vater verdankt. Dieser hat seinen Sohn als Versuchskaninchen für Angstexperimente missbraucht. Der Film war damals etwa so provokant wie Hitchcocks Psycho (ebenfalls 1960), fiel bei der Kritik aber wegen seiner Drastik durch und brachte Böhm einen Karriereknick ein.

Wie dem auch sei: Die gleiche Idee hat Gregg Hurwitz für seine erste Dark Knight-Story verwendet. Dort entführt Scarecrow Mädchen, um ihnen die Angst mit Angst auszutreiben – und wiederholt damit Experimente, derer sein Vater ihn einst aussetzte. Wir lernen dabei aber nicht nur Cranes mitleiderregende Vorgeschichte kennen (und was wären Comichelden ohne?), sondern Hurwitz lässt Crane auch in Batmans psychische Abgründe absteigen. So wird der Irre zu Batmans Psychiater.

Durch seine Ermittlungen bei den Kindesentführungen kommt erst Gordon, dann Batman in Scarecrows Gefangenschaft. Batman wird gefesselt, dem Angstgas ausgesetzt (die Maske kriegt der Schurke natürlich nicht ab) und mit unangenehmen Fragen konfrontiert. War seine Entscheidung für die Dunkelheit wirklich unausweichlich? Oder war sie einfach nur der Angst geschuldet? „Was du wirklich fürchtest, ist das Licht“, sagt Scarecrow. Batman oder vielmehr Bruce Wayne wird als ein Mann dargestellt, der Angst vor Nähe und Bindungen hat, weil er fürchtet, erneut jemanden zu verlieren – wie einst seine Eltern. „Batman zu sein ist nicht heldenhaft, es ist eine Krücke“, sagt Scarecrow. „Die Rüstung schützt deine dünne Haut, dein zartes Gemüt.“

Das Niveau steigt

Diese Szenen, eingefangen in albtraumhafte Bilder von David Finch, gehören zu den stärksten dieser Geschichte. Hurwitz lässt sich Zeit, die Charaktere der Figuren auszubauen. Bruce Wayne bekommt mal wieder ein Privatleben, in dem auch eine Frau eine Rolle spielen darf (das war seit dem Reboot von Detective Comics nicht mehr der Fall) und er darf mal wieder als Kind in den Abgrund der Angst stürzen. Dafür schwächelt die Geschichte an anderen Stellen: Dass ein Satz wie „aktiviere Handgelenk-Laser“ ausreicht, um einen entkleideten Batman von Stahlketten zu befreien, nur weil seine Rüstung im gleichen Raum liegt – da hinkt die Glaubwürdigkeit gewaltig. Und dass am Ende Batman die Stadt vor dem Angstgas rettet, indem er sein eigenes Blut (wegen der Antikörper) über den Vergifteten versprüht – auch das ist weit hergeholt.

Dennoch geht mit dem Autorenwechsel auch eine Qualitätssteigerung einher. Nachdem dem Autor/Zeichner David Finch zunächst ein Co-Autor zur Seite gestellt wurde, darf er nur noch zeichnen. Dadurch, dass er auch noch die Tusche selbst erledigen muss, wirken die Zeichnungen wilder als bisher – was die Scarecrows Schrecken gerecht wird. Cycle of Violence ist eine klassische Batman-Story ohne unnötigen Figuren-Ballast mit außerordentlich viel Tiefe. Bisher die beste Leistung in der jungen Serie.

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Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019

Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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Batmans schlimmster Albtraum

Batman: Over the Edge

Titel: Over the Edge

Regie/Drehbuch: Yuichiro Yano/Paul Dini

Erschienen: 1998 (The New Batman Adventures, Episode 12)


Es ist ein Szenario wie aus einer Elseworlds-Geschichte: Die Polizei stürmt die Bathöhle, das Batmobil wird zerstört, Batman und Robin werden gehetzt und können knapp entkommen. Was ist passiert? Batgirl ist tot, nachdem sie von Scarecrow vom Dach gestürzt wurde, James Gordon entdeckte, dass sie seine Tochter war und nun gibt er Batman die Schuld und sinnt auf Rache. Dabei verbündet er sich sogar mit Bane …

Was wie ein Albtraum klingt, wird mit skrupelloser Brutalität durchexerziert. Mit Abstand ist dies die düsterste Episode der Serie. Aber dafür auch die beste der letzten Staffel. Denn mehr Drama und Tragik steckt in keiner anderen Folge. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl: Das darf doch nicht wahr sein?, fragt man sich. Das Ende soll nicht verraten werden, aber man kann es sich denken, dass es nicht so schlimm sein kann, wie es aussieht. Dennoch nimmt es der Folge nicht die Spannung.

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