Batman

Vom Doktor zum Dämon: Die Entstehung von Ra’s al Ghul

Titel: Birth of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (One-shot), Paperback 2012 (Batman: Birth of the Demon)


Ra’s al Ghul liegt im Sterben. Ein Bad in einer Lazarus-Grube täte ihm gut, seine Leute versuchen auf der ganzen Welt, eine auszuheben, doch leider kommt ihnen immer wieder Batman dazwischen oder zuvor. Jetzt nimmt sich Talia der Sache an. Als sie und ihr Geliebter in der Sahara aufeinandertreffen, erfahren wir in einer langen Rückblende, wie Ra’s al Ghul wurde, der er ist.

Die Entstehungsgeschichte beginnt vor etwa 500 Jahren in Nordafrika. Ra’s ist da zunächst ein namenloser Arzt, der den kranken Sohn eines Herrschers vor dem Tod retten soll. Nachts im Traum kommt dem Heiler in der Wüste die Eingebung, an der Stelle ein paar tödliche Gifte und Säuren zusammenzumischen und den Sterbenden hineinzulegen. Gesagt, getan: Der Herrscher ist so verzweifelt, dass er für das Wohlergehen seines Sohnes einem Dämon sogar ein Baby opfern (heißt: kaltblütig abschlachten) lässt. (Womit der Heiler aber nichts zu tun hat.)

Birth of the Demon (Cover)

Der Arzt erschafft also die erste Lazarusgrube, der Sohn wird wieder munter, doch nur allzu munter: Gepackt vom Wahnsinn ermordet er die geliebte Frau des Heilers. Obwohl der Vater Zeuge ist, gibt er dem Retter seines Sohnes die Schuld dafür und verurteilt ihn dazu, mit der Leiche seiner Frau in einem Käfig im Wüstensand begraben zu werden – zusammen mit einem Haufen feindlicher Nomaden.

Ra’s al Ghul trifft auf seinen Dämon

Der Arzt entkommt dank fremder Hilfe, flieht zu den Nomaden, von denen er abstammt, verbündet sich mit ihnen und nimmt grausame Rache: Er tötet nicht nur den Sohn des Despoten mit einer falschen Lazarusgrube, er lässt die ganze Stadt niedermetzeln. Dann nimmt er ein Bad in einem echten Heilbad und erklärt sich zum Kopf des Dämons – Ra’s al Ghul.

Nach dem Ende der Rückblende verrät Talia Batman ihr Alter: Sie ist nicht mal 30. (Das widerspricht zwar den Ereignissen in The Lazarus Affair, aber da Birth of the Demon nach dem Reboot der Crisis spielt, gilt diese Version als neue Continuity.) Ihr Vater hat ihre Mutter 1969 in Woodstock getroffen (seltsame Vorstellung, dass Ra’s auf Rock steht, aber vielleicht war er mehr wegen der Röcke da), mittlerweile ist die Mutter aber an einer Drogenüberdosis gestorben. Im Finale kommt es zu einem epischen Kampf zwischen Batman und seinem Erzfeind.

Dennis O’Neil erzählt hier 20 Jahre nach seiner Erfindung von Ra’s al Ghul erstmals die Vorgeschichte des Schurken. Er verleiht ihm Menschlichkeit, aber auch eine tiefe Abgründigkeit. Denn hier wird Ra’s selbst als die Plage, die er später beseitigen will. Die eigentliche Überraschung besteht darin, dass Ra’s in seinen Träumen schon lange von einer drachenartigen Fledermauskreatur heimgesucht wurde – seine Feindschaft mit Batman ist also tragischerweise lange im Voraus angelegt.

Batman im Duell mit Ra’s al Ghul

Es ist eine überaus grausame Geschichte, allerdings von Norm Breyfogle so prächtig inszeniert, dass sie sich angenehmer lesen lässt, als der Inhalt vermuten lässt. Breyfogle ist nicht nur Zeichner, sondern hat auch die Kolorierung selbst übernommen. Im Gegensatz zu den ersten beiden Demon-Bänden (Son of the Demon/Bride of the Demon) ist hier keine typische Comic-Optik mit schwarzen Tuschestrichen zu sehen, sondern eine durchgängig farbig ausgemalte Welt, in der immer wieder kunstvoll ausgestaltete Splash Pages mit Abstraktionen, Spritztechnik und Traum-Collagen für besondere visuelle Anreize sorgen. Die Kunst bekommt so viel Raum wie die Story, sodass die Story umso „epischer“ erscheint.

Birth of the Demon ist wahrscheinlich Breyfogles ambitioniertestes Batman-Comic – und definitiv eine der besten Ra’s al Ghul-Geschichten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Die Rückkehr des grünen Schützen

DC Comics

Titel: Green Arrow by Kevin Smith

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Phil Hester

Erschienen: 2001-2002 (Green Arrow #1-15), 2 Paperbacks 2002/2003, 1 Paperback 20116


Die 90er Jahre waren die Zeit der großen Heldentode: Superman, Ex-Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman, auch Green Arrow (Oliver Queen) mussten dran glauben. Zumindest vorübergehend. Denn eins ist klar: Superhelden sterben nie für immer. Der Tod ist seitdem etwas, das jeden einmal ereilen muss, damit er sich dramatisch opfern und triumphal wiederkehren kann.

Während Superman nicht einmal ein Jahr im Grab lag, kehrte Oliver Queen erst nach sieben Jahren zurück. (Immerhin musste er nicht so lange warten wie Hal Jordan oder Barry Allen.) In Quiver, der ersten Storyline einer neuen Green Arrow-Serie, lässt ihn Kevin Smith ganz plötzlich auferstehen: Als Obdachloser, der sich seine Ausrüstung aus Müll zusammengebastelt hat. Ein alter Mann, den er vor einem Überfall gerettet hat, nimmt ihn auf. Es stellt sich heraus, dass Oliver Queen noch in der Vergangenheit lebt. Die vergangenen zehn Jahre sind in seiner Erinnerung ausgelöscht. Er weiß nichts von dem Tod seiner Kameraden, er erinnert sich zuletzt an seine Team-ups mit Green Lantern.

Er befreit die minderjährige Prostituierte Mia Dearden, lehrt einen perversen Politiker Gerechtigkeit und versucht daraufhin herauszufinden, was mit ihm selbst passiert ist. Batman hilft ihm dabei, er trifft auf Aquaman und die Justice League, auf Black Canary und Arsenal (Roy Harper). Schließlich befördert ihn Etrigan (Jason Blood) ins Jenseits, wo ihm Spectre (Hal Jordan) erklärt, was mit ihm passiert ist. Schließlich begegnet er sich auch selbst …

Die Auflösung: Hal Jordan hat Green Arrows Körper aus dessen DNA neu geschaffen, allerdings nur mit bedingter Erinnerung. Und es handelt sich nicht um Oliver Queen selbst, weil er (bzw. dessen Seele) lieber im Jenseits bleiben wollte. Der neue Oliver Queen ist also eine Hülle ohne Seele.

Dieser Umstand bringt ihn in Schwierigkeiten: Ein okkultistischer Serienkiller, der finstere Pläne verfolgt, will den Körper von Queen übernehmen. Am Ende muss der Sohn, Connor, dem Vater aus der Patsche helfen.

Kevin Smith (Daredevil: Guardian Devil, Batman: Cacophony/The Widening Gyre) erzählt seine Story mit viel Text, langen Monologen und Dialogen. Das ist sein Markenzeichen. Das Gute daran ist: Er ist dabei auch sehr witzig. In seinen Dialogen dekonstruiert er das Superheldendasein und macht sich auch über seine Hauptfigur lustig. Zum Beispiel gibt es eine Sequenz, in der Oliver Queen gegenüber Mia so tut, als wären er und Green Arrow zwei verschiedene Personen. Die aber zupft nur an seinem verräterischen Bart und sagt: „Oh please! I’m not a total idiot!“ Und als bei Batman von Arrow-Plane, Arrow-Car und Arrow-Cave die Rede ist, fragt ihn Batman: „Did you ever have an original thought back then?“

Das sind die Passagen, die Spaß machen. Doch auf Dauer wirkt das ganze Gerede dann doch zäh. Die Handlung verliert sich in Erklärungen, unnötigen Abschweifungen (Etrigan, Sandman) und Rückblenden. Wenn dann auch noch der Schurke seine Lebensgeschichte minutiös erzählt, ist die Luft raus. Außerdem ist die Story auch voraussetzungsreich: Man muss eine Fülle von Figuren kennen und zumindest einige Eckpunkte der Vorgeschichte kennen, um sich hier orientieren zu können. Wer in den 90ern DC gelesen hat, sollte sich aber zurechtfinden.

Die letzten fünf Ausgaben erzählen, wie Oliver Queen sich in seinem neuen Leben zu etablieren versucht. Er zieht zusammen mit seinem Sohn Connor los, Mia will sich ihnen als neue Speedy anschließen, aber Oliver weist sie zurück, weil sie zu jung ist und er es nicht verantworten möchte, erneut eine Jugendliche in Gefahr zu bringen. Mia träumt insgeheim davon, ihm näher zu kommen, aber er bandelt wieder mit Black Canary an – und das hat es in sich. Nachdem sie einen Riddler-Raubzug vereitelt haben, fallen sie wild übereinander her …

Zum Schluss bekommen es die Green Arrows mit einem neuen Schurken zu tun: Onomatopoeia. Der Unbekannte mit der schwarzen Maske, der nichts als Lautworte ausspricht, jagt drittklassige Superhelden. Schließlich fällt ihm Connor zum Opfer und es kommt zu ebenso dramatischen wie spannenden Szenen im Krankenhaus … Der Schurke kehrt später in Batman: Cacophony zurück.

Diese letzten Kapitel lesen sich viel flüssiger als die ersten. Im Vordergrund steht zum Schluss die reine Action. Hier wird der Leser für seine Geduld belohnt. Auch ein unerwartet heiteres Wiedersehen wie mit Hawkman, das in Gewalt und Nacktheit ausartet, sorgt für Spaß beim Lesen. Bis auf einige Längen im Mittelteil ist Green Arrow by Kevin Smith eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die Lust haben, einen zweitklassigen Helden erstklassig präsentiert zu bekommen.

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Batman wirbt fürs Lesen

DC Comics

Batman sitzt bei Vollmond am Kamin im Ohrensessel, krault seinen Hund Ace und liest Super Sons. Mit diesem Bild, gezeichnet von Francis Manapul, will DC Comics fürs Lesen werben. Be a Hero – Read a Book, lautet der Imperativ der neuen Kampagne, in der der Verlag in Bibliotheken auftreten möchte und dazu jeden Monat ein neues Werbemotiv präsentieren will.

Natürlich geschieht das nicht ganz uneigennützig. Nein, DC gibt sogar zu, dass es eigentlich nur eine Werbekampagne für die eigenen Comics ist, ganz besonders für die Labels „DC Zoom“ und „DC Ink“, die sich an junge Leser richten, erst am Ende steht das edle Ansinnen, generell Kinder dazu zu ermutigen, „graphic novels“ zu lesen. Von Büchern im weiteren Sinne, also Belletristik und Sachbüchern, ist nicht die Rede. Das soll nicht heißen, dass Comics keine gleichrangigen Bücher wären. Im Gegenteil. Nur fällt dabei eine Diskrepanz zwischen Slogan und Anliegen auf: Der Slogan kommt universell daher, als hätte er Bildungsanspruch, das Bild aber meint nur: Comics – und zwar vornehmlich von DC.

Das ist bedauerlich. Batman würde sich sehr gut als Werbefigur für Bildung eignen, denn Batman und Bücher haben eine lange Tradition. Der beste Detektiv der Welt wird man nicht durchs Fernsehen. Bruce Wayne hat eine große Bibliothek in Wayne Manor. Allerdings muss man sich fragen, wann er neben Verbrechensbekämpfung, Playboy-Spielen, sowie Batmobile- und Gadgets-Bauen noch Zeit zum Lesen findet. In Bücher schaut er meist nur sporadisch zu Recherche-Zwecken. In der Batman-Serie der 60er hat er dafür sogar ein eigenes Regal in der Bathöhle.

Bat Research Shelf in der Bathöhle

In derselben Serie dient auch ein Bücherregal dazu, die Batpoles, also die Rutschstangen zur Bathöhle zu verdecken. Es schiebt sich beiseite, sobald Batman einen Schalter in einer Shakespeare-Büste umgedreht hat. Der Schuke The Archer zitiert sogar aus Shakespeares Werken. Und dann gibt es da noch den Schurken Bookworm, der Bücher für seine bösen Pläne zweckentfremdet.

Bookworm

In Batman: The Animated Series gibt es eine Bücher-Szene, in der für Bruce Wayne nichts mehr Sinn zu ergeben scheint (Perchance to Dream). Mit Comics wäre ihm das wohl nicht passiert. Aber ein Comic hat man in Wayne Manor wohl nur selten gesehen …

Als Bruce Wayne zu Robin wurde

DC Comics

Titel: When Batman Was Robin

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1955 (Detective Comics #226)


Jeder hat mal klein angefangen. Batman sogar sehr klein: als Robin. Ja, tatsächlich, Bruce Wayne war der erste Robin, lange bevor er Batman wurde. Wir erfahren es zusammen mit Dick Grayson, als Batman ein Paket mit seinem alten Kostüm geschickt bekommt.

Seine Geschichte geht so: Als Kind bewunderte Bruce den Police Detective Harvey Harris, der es mit seinen gelösten Fällen sogar auf die Titelseiten schaffte. Bruce, der damals noch beide Eltern hat, will bei ihm in die Lehre gehen, aber er befürchtet, abgewiesen zu werden. Und weil er davon ausgeht, dass Harris ein verantwortungsvoller Erwachsener ist, der denkt, dass Kinder sich nicht mit Verbrechern anlegen sollten, beschließt Bruce, seine Identität zu verstecken.

Eine Maske hätte zwar gereicht, aber Bruce schneidert sich ein rot-grün-gelbes Kostüm mit einem R auf der Brust. Warum? Das wird leider nicht erklärt. Bruce wird zum Stalker, indem er Harris verfolgt, um ihn zu beeindrucken. Er hilft ihm sogar, einen Verdächtigen zu fassen. Weil Harris ihn für so brillant wie ein Rotkehlchen hält (wer hätte gedacht, dass diese Vögel so schlau sind?), nennt er ihn Robin und nimmt ihn als Schüler auf.

Erste Lektion: absoluter Gehorsam! Jawohl, Sir! Zweite Lektion: keine. Denn Streber-Robin weiß bereits alles aus Kriminologie-Büchern. Selbst Boxen hat er schon gelernt. Also darf Robin seinem Lehrer dabei helfen, Gauner dranzukriegen, die Sammler erpressen, sich versichern zu lassen. Zuerst geht es um Modellschiffe, dann um Uhren und schließlich um historische Fahrzeuge. Robin gibt sein bestes, aber er macht Fehler und am Ende lernt er die dritte Lektion: Er muss noch viel lernen.

Am Ende muss Robin Harris versprechen, erst wieder Verbrechen zu bekämpfen, wenn er voll ausgebildet ist. Robin verspricht es und schickt ihm als Versicherung sein Kostüm. Als Bruce erwachsen ist, bekommt er es per Post zurück – denn Harris hat längst herausgefunden, wer Robin wirklich war. „He was a greater detective than I!“, sagt Batman am Ende.

Was er nicht sagt: Dass Harris auch der bessere Erzieher war. Denn statt dass Bruce Wayne sein Mündel Dick Grayson nachts ausschlafen lässt, damit er fit für die Schule ist, gefährdet er Nacht für Nacht dessen Leben mit gefährlichen Abenteuern, bei denen er regelmäßig fast draufgeht. Diese Vorgeschichte soll zwar den Robin-Mythos erklären, lässt ihn aber noch viel fragwürdiger erscheinen, denn die Moral, die hier den jungen Lesern mitgegeben wird, widerspricht Batmans eigener Praxis.

>> Batman in den 50ern

Robin Hood macht Batman Konkurrenz

Archer in Wayne Manor

Titel: Shoot a Crooked Arrow/Walk the Straight and Narrow (dt. Batman contra Robin Hood)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E01-02)


„How unoriginal!“ (Batman)

Zweite Staffel, neue Gegner, neuer Einstieg: Ein Bogenschütze bricht mit zwei Handlangern in Wayne Manor ein, betäubt alle Anwesenden mit einem Gas-Pfeil und plündert den Tresor. Kurz darauf verteilt der Schurke das Geld unter den Armen von Gotham. Doch der Archer, dieser Möchtegern-Robin-Hood, der gerne mittelalterliche Kleidung trägt, hat keine selbstlose Agenda. Das ist nur der Auftakt, um sich selbst zu bereichern. Doch zuvor will der Archer in die Bathöhle, um eine Maschine zu zerstören, die angeblich Verbrechen vorhersagen kann.

Die Handlanger des Archers ziehen sich ebenfalls an wie Figuren aus Robin Hood, sie schießen Blitzpfeile, Niespulverpfeile und Pfeile, die um die Ecke fliegen könen, außerdem tragen sie eine Maschine mit sich, auf der Jubel, Buhrufe und Gelächter bei Bedarf abgespielt werden können. Der Archer hetzt Gotham gegen Batman auf, es ist sogar die Rede davon, Batman zu ersetzen. Das kratzt natürlich stark am Mythos. Besonders bitter, dass eine edle Figur wie Robin Hood, Vorbild für Robin, dafür missbraucht wird. Aber Commissioner Gordon versichert den Zuschauern: Für Batman gibt es keinen Ersatz!

The Dark Knight Returns ’66: Alfred als Batman

Tatsächlich lässt sich Batman selbst vertreten: In einer Szene, in der sowohl Bruce Wayne als auch Batman gefragt sind, schlüpft Alfred ins Kostüm, bleibt aber bei Commissioner Gordon auf Distanz, damit man den Unterschied nicht merkt. Den könnte man vor allem an dem Schnurrbart bemerken. Aber wenn sich der Joker schon nicht rasieren muss, dann opfert auch Alfred nicht seine geliebte Barttracht für einen Batman-Cameo. Um die Täuschung perfekt zu machen, spricht er durch einen Stimmen-Imitator. Niemand schöpft Verdacht.

Archer Alfred

Alfred ist ohnehin der Star der Folge: Er beweist hervorragende Fähigkeiten im Umgang mit Pfeil und Bogen, als er sich mit dem Archer duelliert. Da wird ein Pfeil nach dem anderen gespalten. Dann wird er in eine Guillotine gesteckt. Als er am Ende mit Dick Grayson Wilhelm Tell spielen will, kostet es ihn fast den Kopf.

Auch sonst wird in dieser Folge dick aufgefahren: Batman und Robin entkommen gleich zwei Todesfallen, einer davon durch versteckte Sprungfedern in ihren Schuhen. Schließlich kommt das Bat-Boat zum Einsatz und das Finale ist ein Schwertduell auf einem Piratenschiff.

Nebenbei werden wir darüber belehrt, warum Batman in seinem Batmobil durch die Stadt rasen darf: Er riskiert sein Leben, um andere zu schützen, sagt ein Polizist. Aber sonst sei er ein sicherer Fahrer. Ja, mehr noch: In seiner Freizeit gibt Batman sogar Stunden für Fahrschüler. Dafür gibt es sogar Applaus aus dem Off.

>> Liste der Batman-Episoden

Ra’s al Ghul als Gott der Sintflut und Noah

Titel: Bride of the Demon

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Tom Grindberg

Erschienen: 1990 (One-Shot), Paperback 2012 (Batman: Birth of the Demon)


Ra’s al Ghul hat mal wieder Großes vor, diesmal in der Antarktis.

Schritt 1: Batman erledigen. Ra’s schickt seinen besten Mann: Shard. Der lockt zwar Batman in eine fiese Falle, aber wird von ihm schnell besiegt. So schnell, dass sich Shard daraufhin selbst mit einem Gas tötet. Batman macht einen Abzug von dessen Gesicht, damit er sich bei Ra’s einschleichen kann. Paradoxerweise macht erst das Attentat Batman auf Ra’s Pläne aufmerksam. Hätte er das mal lieber gelassen …

Schritt 2: Ra’s sucht sich eine neue Partnerin. Das geht ganz einfach: Man geht zu einer gealterten Schauspielerin, die gerne wieder jung wäre, man steckt sie in die Lazarus-Grube und sie ist einem sofort ergeben. So ergeben, dass sie einen sofort heiratet, sich schwängern lässt und sogar einen wahnsinnigen Weltzerstörungsplan unterstützt.

Schritt 3: Welt zerstören. Ra’s al Ghul holt sich dafür den Klimaforscher Carmody. Dessen Sohn stirbt im Eifer des Gefechts, Ra’s verspricht ihm, ihn wiederzubeleben, wenn er ihm hilft, die Atmosphäre zu zerstören und den Treibhauseffekt so zu verstärken, dass sich das Klima erwärmt, die Pole schmelzen und die Menschheit ausstirbt.

Aber Moment mal: Gehen dabei auch nicht viele andere Lebewesen drauf? Wird dadurch nicht das ganze Ökosystem Erde zerstört? Ja, sagt Ra’s, ein notwendiges Übel, das man in Kauf nehmen müsse. Aber das Ökosystem werde sich irgendwann wieder erholen. Weil er aber die Regeneration der Erde nicht mehr erleben werde, brauche er einen Erben. Außerdem werde er Exemplare der gefährdeten Arten retten. Ra’s tritt hier als biblischer Gott der Sintflut und neuer Noah in Personalunion auf, ganz nach dem homöopathischen Motto: Wer die Welt retten will, muss sie erstmal zerstören. Bevor es besser wird, muss es schlechter werden. Dass er dabei eigentlich nur das vorantreibt, was er der Menschheit zur Last legt, scheint er nicht zu erkennen. Er hätte einfach abwarten können, bis es von selbst so kommt. Oder er könnte versuchen, das Unheil noch abzuwenden. Aber nein, Ra’s legt in Sachen Vernichtung lieber selbst Hand an und macht sich zum Schuldigen. Skrupel? No way!

Bei Batman ist er dann wieder sehr nachsichtig. Obwohl er ihn zunächst umbringen lassen wollte, gibt er ihm danach noch einige Chancen, sich von ihm aufhalten zu lassen – Erklärung der Pläne inklusive. Talia ist mal wieder wankelmütig gegenüber ihrem Geliebten. Zunächst gibt sie sich ihm gleichgültig gegenüber, dann hasst sie ihn dafür, dass sie für ihn ihrem Vater untreu geworden ist, und lässt es ihn auch handfest spüren. Dann hintergeht sie ihn, dann schlägt sie sich wieder auf seine Seite. Immer dasselbe mit dieser Frau …

Tim Drake reitet den Riesenpenny

Auch wenn die Geschichte nicht immer Sinn ergibt: In dieser Fortsetzung von Son of the Demon fehlt es nicht an Action und Schauwerten. Höhepunkt ist eine Sequenz in der Bathöhle: Der Noch-nicht-Robin Tim Drake springt auf den Riesenpenny und bringt ihn zum Rollen, um die bösen Buben auszuschalten. Dazu gibt es leichtbekleidete Frauen und einen sehr luftig gekleideten Ra’s. Die würden allerdings eleganter wirken, wenn die Zeichnungen nicht so grob wären. Tom Grindberg lässt den feinen Strich eines Jerry Bingham vermissen, und er verwirrt auch beim Lesen mit zum Teil schlecht durchdachten Layouts.

Das alles disqualifiziert Bride of the Demon zwar als Pflichtlektüre, aber eine Katastrophe ist es nicht …

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Der Erste ist nicht immer der Beste

DC Comics

Titel: The Original Batman

Zeichner: Dick Sprang

Erschienen: 1953 (Detective Comics #195)


In Gotham City gibt es ein bestimmtes Gesetz: Es darf nur einen Batman geben. Auch wenn niemand weiß, dass Bruce Wayne Batman ist, und es schwer nachprüfbar ist, wer die Maske trägt, darf niemand sonst als das Original Verbrechen bekämpfen. Doch plötzlich taucht ein zweiter Batman auf, der statt eines Capes zwei steife Flügel hat und das Fledermaus-Symbol nicht auf der Brust, sondern am Gürtel trägt. Dieser ältere Herr namens Hugo Marmon behauptet, der erste Batman zu sein. Denn er hat als Zirkusartist bereits diesen Namen getragen.

Die Geschichte stimmt. Gesetzestreu wie Batman ist, müsste er also aufhören, aber Marmon erlaubt ihm, das Kostüm weiterhin zu tragen. Mehr noch: Er will ihm beweisen, dass das Original besser ist als der Imitator. Zuerst vollführt er einen Hochseilakt ohne Netz zwischen zwei Wolkenkratzern. Doch die Menge ist nicht angetan: Dieser Angeber kann keine Verbrecher bekämpfen!

Also versucht sich Marmon in diesem Gewerbe. Dabei lässt er sich von Gaunern reinlegen. Irgendwelche Typen behaupten einfach nur besorgte Bürger zu sein und Marmon glaubt ihnen jedes Wort. Batman und Robin ahnen Böses, verfolgen den alten Möchtegernhelden und helfen ihm zweimal aus der Patsche, als er durch Ungeschicklichkeit die Bösen entkommen lässt. Da wird Marmon wütend und entzieht Batman seine Lizenz, ein Batman zu sein.

Batman aber weiß sich zu helfen: Er kratzt an dessen Ego. Er wird zum Zirkusartisten, stellt sich dabei ziemlich tollpatschig an, Marmon kriegt das mit und wird sauer. Man tauscht wieder die Rollen: Der Alte geht zurück in den Zirkus, Batman und Robin kümmern sich um die Bösen. Um die Gauner zu täuschen, steigt Batman in das Kostüm des Alten …

Die Geschichte zeigt: Die ersten sind nicht immer die Besten. Thomas Edison erfand nicht die Glühbirne, Google nicht die Suchmaschine und Facebook nicht das Soziale Netzwerk – und trotzdem setzten sie sich durch. So ist es auch mit Batman. Auch er hatte seine historischen Vorläufer: Von Zorro bis hin zu The Shadow. Und auch der erste Batman-Entwurf, als Bob Kane ihm steife Flügel verpasste, war es nicht, der sich durchgesetzt hat. Darum geht es hier zwar nicht explizit, aber indem ein Batman vor dem Batman erfunden wird, wird deutlich, dass er eben kein Original ist – aber auch dass es darauf gar nicht ankommt. Denn der Batman, wie wir ihn kennen, ist vielleicht nicht der Erste, aber einfach der Beste.

>> Batman in den 50ern

Ra’s al Ghul in The Animated Series

Ra’s al Ghul in Batman: TAS

Batmans erste Begegnung mit Ra’s al Ghul in The Animated Series hält sich weitgehend an die ersten Comics aus den 70ern. Zunächst wird in Off Balance (S01E50) Talia mit der Society of Shadows eingeführt, die in den Comics League of Assassins heißt, allerdings ist hier der Schurke Count Vertigo, eine Figur, die erst 1978 – also nach Ra’s al Ghul – in den Comics auftauchte.

Count Vertigo

Die Story in BTAS weicht stark ab: Die Schattenkrieger stehlen einen Ultraschallbohrer von Wayne Enterprises. Talia hilft Batman, sie wiederzubeschaffen. Count Vertigo, der mittels eines Monokels Schwindel verursachen kann, nimmt beide gefangen. Am Ende besiegen sie den Schurken zwar, aber Talia haut mit der Kanone ab. Allerdings hat Batman vorgesorgt. Schließlich sehen wir, wer Talias Vater ist.

Her mit der Kanone: Talia

Die Episode gehört zu den schwächeren der Serie. Es fehlt sowohl eine spannende Handlung, ein interessanter Gegner als auch eine Anziehung zwischen Batman und Talia. Bemerkenswert: Die Folge beginnt auf der Freiheitsstatue von Gotham – ein Hinweis darauf, dass sich die Stadt an New York orientiert (und schon immer damit gemeint war).

Freiheitsstatue von Gotham

Die Qualität steigert sich in dem Zweiteiler The Demon’s Quest (S01E60-61), geschrieben von Dennis O’Neil, der sich an seinen Skripten für Daughter of the Demon (Batman #232) und The Demon Lives Again (Batman #244) orientiert. Ra’s al Ghul entführt Robin, um Batman zu testen und bietet ihm hinterher Tochter Talia und sein Imperium an. Der Auftakt ist deshalb bemerkenswert, weil die Folge damit beginnt, dass Robin in seinem Studentenwohnheim entführt wird. Der Täter ist ein Mann in einer Maske, die an einen Schakal erinnert. Erst dann wird die Titlecard mit dem Namen der Episode eingeblendet.

Batman gegen Panther

Der Rest der Episode ist sehr ähnlich aufgebaut: Batman folgt der Schnitzeljagd nach Kalkutta, besiegt dort Attentäter, fliegt nach Malaysia (fehlt in den Comics), besiegt einen Panther (in den Comic ein fleckiger Leopard), fliegt nach Nepal, besiegt dort Attentäter und findet Robin.

Ra’s al Ghul mit Maske

Der größte Unterschied: Ra’s al Ghul erzählt Batman schon bei der etwas von seinen Plänen, die Welt zu reinigen. Allerdings bleibt es nur bei Andeutungen. Trotzdem weiß Batman später, dass Ra’s die halbe Menschheit auf dem Gewissen hat, obwohl erst ganz am Ende des zweiten Teils der Schurke seinen Plan erklärt.

Heiter mit Aussicht auf Wahnsinn: Ra’s hat Spaß nach Lazarus-Kur

Ra’s stirbt und wird in der Lazarus-Grotte (so der deutsche Name) wiederbelebt, er dreht durch, will seine Tochter in die Grube werfen, doch sie bringt ihn mit einer Backpfeife zur Vernunft. Sein Plan besteht darin, alle Lazarus-Grotten der Welt zu sprengen und die Menschheit in der Brühe auszulöschen. Ein solcher Plot fehlt in den Storys der 70er. Es bleibt nur bei Andeutungen. Das ist in der Serie besser gelöst, denn da ist ganz klar, was der Schurke will und es gibt nicht nur einen Konflikt um Talia und Ra’s Nachfolge, sondern eine Gefahr für die ganze Welt, die Batman abwenden muss.

Ra’s und Batman beim Duell

Am Ende kommt es zu dem ikonischen Schwertkampf oben ohne in der Wüste aus The Demon Lives Again (Batman #244). Es ist allerdings etwas unelegant gelöst, wie Batman sein Oberteil verliert: Sinnloserweise zerreißen es die Schergen, obwohl sie ihn nur durchsuchen sollen. Im Comic zieht sich Batman einfach aus, was ja auch sinnvoll ist bei einem Duell in brütender Hitze. Kurz: Die Serie übernimmt das Beste aus den Comics und rafft alles zu einer viel stimmigeren Erzählung zusammen.

Talia und Batman küssen sich

Zwei Wiedersehen gibt es in der zweiten Staffel. Avatar (S02E04) ist wieder eine schwächere Episode, in der Ra’s al Ghul eine altägyptische Schriftrolle stiehlt und damit in Ägypten eine Grabkammer sucht, in der er sich ewiges Leben erhofft. Er erlebt dann eine böse Überraschung wie Jack Torrance in Zimmer 237 aus Shining … Die Sache endet in einem Mumien-B-Movie-Finale mit grünen Schlamm-Monstern. Nicht der Rede wert.

Böse Mumie mit Monstern

Obwohl Ra’s Bruce und Talia beinahe umbringt, erbarmt sich am Ende seine Tochter und befreit ihren Vater, als Batman ihn den Behören übergeben will. Die Familie lässt Batman in der Wüste sitzen. Immerhin lässt ihm Ubu eine Flasche Wasser da. Warum sie aber durch die Wüste reiten, wenn sie bereits in Kairo waren und nur zum Flughafen fahren müssten, bleibt das größte Rätsel der Folge.

Talia bedroht Batman

Die Folge Showdown (S02E13) ist eine Ausnahme-Erscheinung. Es handelt sich kaum um eine Batman-Story. Held der Geschichte ist der Revolverheld Jonah Hex und die Haupthandlung spielt im Wilden Westen. In der Gegenwart entführt Ra’s al Ghul einen Unbekannten aus einem Altenheim, Batman und Robin folgen ihm zum Flughafen und hören sich einen Bericht an, den Ra’s ihnen hinterlassen hat. Im Jahr 1883 versucht Ra’s al Ghul mit einem Kriegsluftschiff, die Eisenbahn zu zerstören und sich in Washington zum Herrscher der USA machen zu lassen. Jonah Hex jagt dessen Handlanger Arcady Duvall.

Jonah Hex

Das Steampunk-Abenteuer ergibt nicht wirklich den tieferen Sinn, den es vorgibt: Ra’s al Ghul prangert im 19. Jahrhundert eine Umweltzerstörung an, die kaum nennenswert ist, bläst aber mit seinem dampfbetriebenen Luftschiff selbst mächtig viel Rauch (und CO2) in die Luft. Dann warnt er zwar die Menschen vor dem bevorstehenden Beschuss, lässt aber ohne Rücksicht auf Verluste auf eine Stadt losballern.

Ra’s al Ghul mit Arcady Duvall

Am Ende stellt sich heraus, dass Duvall Ra’s Sohn ist und es um nichts anderes als eine Familienzusammenführung geht. Ra’s schlägt Batman vor, die Klingen ein anderes Mal zu kreuzen und das Dynamische Duo lässt ihn ziehen.

Ra’s al Ghul mit Sohn

Weitere Auftritte in dem Serien-Universum hat Ra’s al Ghul in Superman: The Animated Series („The Demon Reborn“) und in Batman Beyond („Out of the Past“).

Mehr zum Thema:

Die zwölf Geschworenen gegen Batman

DC Comics

Titel: Cold Days

Autor/Zeichner: Tom King/Lee Weeks, Tony S. Daniel

Erschienen: 2018 (Batman #51-57), Paperback 2018 (Batman Vol. 8)


Mr. Freeze steht wegen Mordes an drei Frauen vor Gericht. Batman hat ihn gefangen. Am Ende des Prozesses sollen zwölf Geschworene über die Schuld entscheiden – einer davon ist Bruce Wayne. Der Fall ist klar: Freeze hat gestanden, Batman hat herausgefunden, dass nur er dahinterstecken kann. Alle sind für schuldig, nur einer stellt sich quer: Bruce Wayne.

Wen die Story an einen Klassiker der Filmgeschichte erinnert, der liegt richtig: Autor Tom King bedient sich kräftig bei Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men) von Sidney Lumet. Wer den Film gesehenm hat (und jeder sollte ihn gesehen haben), weiß, worauf es hinausläuft: Der Querulant weckt Zweifel und stimmt alle um. Während das im Film sukzessive passiert, handelt King das Ganze in drei Heftkapiteln ab. Am Ende ist es Waynes langer Monolog, der die anderen dazu bringt, ihre Meinung zu ändern.

Das Besondere ist: Es geht hier nicht im Freezes Unschuld, sondern darum, dass die Geschworenen am scheinbar unfehlbaren Batman zweifeln. Und dass es Bruce Wayne selbst ist, der sich in die Jury einkauft, um einen Fehler wiedergutzumachen, den er als Batman begangen hat. Denn Batman ist nach der geplatzten Hochzeit mit Catwoman nicht mehr bei klarem Verstand.

Es ist mal wieder so eine Tom-King-Story geworden, in der mehr geredet, als gehandelt wird. Aber es ist trotzdem eine sehr starke, mitreißende Story, vielleicht sogar seine bisher beste. Noch beeindruckender sind aber die Zeichnungen von Lee Weeks: Ein feiner Strich macht die Figuren ausdrucksstark, die vielen Schatten sorgen (zusammen mit der gedeckten Farbpalette) für eine Film Noir-Stimmung, vergleichbar mit David Mazzucchelli in Year One. Dabei kann man auch vergessen, denn es scheint dann nicht mehr so wichtig, dass der Fall, wer die Frauen wirklich ermordet hat, nicht aufgeklärt wird. Das ist Nebensache.

Der zweite Teil des Bandes Cold Days ist der Beziehung von Bruce und Dick Grayson gewidmet. Batman und Nightwing kämpfen gegen ein paar drittklassiger Schurken, während Nightwing Sprüche klopft und versucht, Batman zum Lachen zu bringen – Aufmunterung in Zeiten von Liebeskummer. Parallel dazu gibt es Rückblenden zur schwierigen Anfangszeit mit Dick und Bruce, wie er versucht, ihn von Gurkensandwiches zu überzeugen. Matt Wagner zeichnet das Ganze in seinem gewohnt naiv-klobigem Stil.

Dann verübt KGBeast einen Anschlag auf Nightwing und Batman jagt dem Attentäter hinterher. Ein Kapitel lang sehen wir, wie der Schurke sich vorbereitet und Nightwing Batman auf die Nerven geht, ein Kapitel lang betrinkt sich der KGBeast mit seinem Vater, während Batman ihn sucht, ein Kapitel lang prügeln sie aufeinander ein. Das ist weder unterhaltsam, noch subtil, sondern schlicht öde und banal. Während der Dialog mit Nightwing nur daraus besteht, dass Batman permanent seinem Geschwätz widerspricht, beschränkt sich der mit KGBeast am Ende fast nur auf Interjektionen (Hm. Gnnn! Ungg! Aggh!). Da bringt es nicht viel, wenn der Autor am Ende noch versucht, mit einem russischen Märchen eine allegorische Meta-Ebene reinzubringen, oder dass Tony Daniel wie immer eine Glanzleistung als Zeichner abliefert: Es bleibt ein stumpfsinniges Stück Comic, das alles zunichte macht, was der Anfang aufgebaut hat.

Batman ist gerade in der zweiten Hälfte ein unsympathischer Grantler, der besessen seinen Zielen nachjagt und Opfer in Kauf nimmt. Hielt Bruce Wayne zunächst noch eine lange Predigt über Batmans Grenzen, fällt er am Ende wieder in seine Verblendung und Arroganz zurück: „I’m the world’s greatest detective.“ Hilfe nimmt er genauso wenig an, wie er sie gewährt. Wie schon bei seiner ersten Begegnung mit KGBeast überlässt er ihn dem (fast) sicheren Tod. Moralisch höchst fragwürdig. Und man muss sich wie bei seiner Adaption der Zwölf Geschworenen fragen, ob man das Tom King als Hommage durchgehen lassen kann, oder ob es dem Mann an eigenen Ideen fehlt …

>> Batman 2011-2019

Batman rächt seine Eltern

DC Comics

Titel: The Origin of the Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1948 (Batman #47)


„It’s a desperate move … but I must take it … even if it means the end of Batman’s career!“

Okay, ihr kennt die Story vom jungen Bruce Wayne: sie beginnt mit dem Raubüberfall, bei dem seine Eltern ermordet werden. Bruce schwört daraufhin, das Verbrechen zu bekämpfen. Aber was ist mit dem Mörder seiner Eltern? Wurde er gefasst? Und wer ist das? Und warum hat er eigentlich nicht auch Bruce ermordet, wenn dieser Zeuge war? Die Fragen bleiben neun Jahre lang unbeantwortet. Seltsam eigentlich, weil es nahegliegend gewesen wäre, wenn Bruce zuerst den Mörder seiner Eltern gestellt hätte.

In The Origin of the Batman bekommt der Mörder einen Namen: Joe Chill. Batman und Robin entdecken ihn durch Zufall. Er betreibt ein Lkw-Unternehmen, das Gauner illegal über Staatsgrenzen bringt. Als Batman dessen Foto sieht, erinnert er sich an sein Kindheitstrauma – und zum ersten Mal seit Batman #1 wird die Urgeschichte neu erzählt. Nachdem die Eltern erschossen sind, wendet sich Bruce an Chill und wirft ihm den Mord vor. Chill erwidert: „Stop lookin‘ at me like that!“ Er bekommt Gewissensbisse und etwas in den Augen des Jungen lässt ihn sich zurückziehen.

Batman schwört Rache

Wir sehen wieder, wie Bruce Wayne zu Batman wird, aber der bekannte Text wurde leicht verändert. In der Urfassung (Detective Comics #33/Batman #1, 1939/1940) schwört Bruce betend am Bett, beim Geiste seiner Eltern, ihren Tod zu rächen, indem er den Rest seines Lebens Verbrecher bekämpft. In der Neufassung kommt noch der Schwur dazu, ihrem Mörder Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Als Batman wiederholt er den Schwur.

Batman tritt erstmals verkleidet vor Chill, als er versucht, sich in sein Unternehmen einzuschmuggeln. Aber seltsamerweise stellt er ihn noch nicht. Zunächst wird noch eine unnötige Schleife gedreht, indem Batman ein illegales Casino auf internationalen Gewässern aufmischt. Dabei hatte sich Batman schon entschieden, wie er vor Chill treten will: er demaskiert sich und konfrontiert ihn mit dem Mord. Aber Chill gesteht nicht. Also droht ihm Batman, ihn sein Leben lang zu verfolgen.

Verzweifelt vor Angst sucht Chill Hilfe bei seinen Angestellten, aber nachdem er ihnen erzählt hat, dass er Batman erschaffen hat, erschießen sie ihn. Er stirbt noch bevor er ihnen verraten kann, dass es Bruce Wayne ist. Batman knockt die Gauner aus, Chill stirbt, Fall geschlossen.

Interessant ist, dass Robin hier kaum eine Rolle spielt. Dadurch kann Bruce Wayne seine Geschichte allein abschließen.

Die Geschichte von Joe Chill wird in The Untold Legend of the Batman (1980) nacherzählt. In Year Two (1987) werden Batman und Joe Chill vorübergehend zu Verbündeten wider Willen – und Batman greift zur Pistole. Nach der Zero Hour (1994) wird der Wayne-Mörder wieder anonym. Nach dem Reboot von The New 52 (Batman: The Dark Knight #0) kehrt Joe Chill zurück und Bruce Wayne will sich an ihm rächen, wobei er wieder zur Waffe des Täters greift. Aber natürlich drückt er nicht den Abzug.


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