
Erste Auftritte von Superman und Batman in Deutschland („Buntes Allerlei“ 42, 1, 11, Aller-Verlag)
Wann kam Batman eigentlich zum ersten Mal nach Deutschland? Das war 1954 – also erst 15 Jahre nach seinem ersten Erscheinen in Detective Comics #27. Der Aller-Verlag hatte in seiner Serie Buntes Allerlei bereits im Vorjahr Superman zum ersten Mal in Farbe auftreten lassen. (Den ersten Versuch unternahm der Supermann-Verlag 1950 mit drei Schwarz-weiß-Heften.)

Erste Superman-Auftritte in Deutschland: „Supermann“ 1-3 von 1950.
Nach einigen Ausgaben sah man dann erstmals Superman mit Batman auf einem Cover: Buntes Allerlei 1 (1954) druckte World’s Finest #66 (1953) nach, darin enthalten ist eine beliebige Batman-Story: „The Proving Ground for Crime“. Anders als bei Superman machte man sich nicht die Mühe, mit Batman mit einem Origin einzuführen. Die Figur darf danach nur noch einmal wiederkehren. Nach einem zweiten Erscheinen in Ausgabe 11 („Die heimlichen Waffen“, The Secret Weapons of the Crimesmith, World’s Finest #68) verabschiedet sich Batman wieder vom deutschen Comicmarkt. Superman folgt bald darauf noch im selben Jahr.
Es ist schon bemerkenswert, wie schwer Comics es in Deutschland vor allem nach dem Krieg hatten. Dabei stammen die Ursprünge des US-Comics eigentlich von hier. Angefangen bei der langen Bilderbogen-Tradition, allen voran die „Bildgeschichten“ Wilhelm Busch, bis hin zu Vater und Sohn von Erich Ohser (E.O. Plauen) von 1934 bis 1937. Aber der Zweite Weltkrieg verhinderte, dass kostümierte Übermenschen, die als gute US-Patrioten auf den Covern und in den Comics gegen Nazis kämpften, es nach Deutschland schafften. Nach dem Krieg hatte man andere Sorgen (unter anderem auch Papierknappheit), und in den 50ern galten auch hierzulande Comics als Schund und Nischenware für Kinder. Und so war das kurze Experiment im Bunten Allerlei auch schnell wieder vorbei.
Neuanfang mit Ehapa
Erst ein Jahrzehnt später, 1966, traute sich der Ehapa-Verlag aus Stuttgart wieder an Superhelden heran. Zunächst mit Superman, ein Jahr später kam Batman dazu. Am 10. Februar 1967 lief der Film Batman hält die Welt in Atem in deutschen Kinos an. (Die TV-Serie kam erst 1989 ins deutsche Fernsehen!) Und in der zweiten Ausgabe von Superman erschien die erste Comic-Story mit Batman-Bezug: „Superboy: Wie Superman und Batman sich erstmals trafen“ (Superboy: „The Origin of the Superman-Batman Team!“, Adventure Comics #275), eine Geschichte, die damals sieben Jahre alt war.

Ehapa Verlag
Von 1967 an war Batman meistens mit einer Geschichte in dem Heft vertreten, manchmal zusammen mit Superman (World’s Finest). Die Auswahl schien chaotisch und willkürlich. Oft waren es uralte Storys aus den 40ern und 50ern, die hier nachgeholt wurden, aktuellere kamen vermehrt erst ab 1968 auf. Das Lettering war noch lieblos mit der Maschine gesetzt, dafür war die Übersetzung umso kreativer: der Joker nannte sich „Spassvogel“, der Riddler war „Mr. Sphinx“.
Auch andere Superhelden erschienen in der Serie, wie etwa Superboy, Supergirl, Robin, Martian Manhunter und Flash (damals noch „Zack“ genannt), der sich mit Superman Wettrennen lieferte. Das Wagnis hatte Erfolg: Die Serie erschien alle zwei Wochen und hielt als Superman und Batman bis 1985 durch.
Lückenhafte Publikation
Erst 1974 erschien die erste deutsche Serie, die nur Batman gewidmet war: Batman Superband, mit acht Storys auf 96 Seiten. Dabei handelte es sich wiederum um Nachdrucke aus der Superman und Batman-Serie, aber später waren auch neuere Storys enthalten, wie Batmans erste Begegnung mit Ra’s al Ghul.

Erfolgreicher Neuanfang mit Ehapa: Erste Batman-Serien in Deutschland. (Ehapa Verlag)
In Batman Taschenbuch (Ehapa 1978-1988) wurden auch Abenteuer aus Serien wie The Brave and the Bold sowie Batman and the Outsiders herausgebracht, letzteres wurde damals noch „Batman Team“ genannt. Auch hier blieb es sprunghaft und lückenhaft. Aber bei fünf bis sechs parallel laufenden US-Batman-Serien (es gab noch Batman Family) war es auch fast unmöglich, mit dem Output mitzuhalten. Später folgten weitere Sammelreihen wie Batman Extra (Ehapa 1980-1985) und Batman Sonderausgabe (Ehapa, 1981-1985).
Nach dem Ende des Batman Taschenbuchs übernahmen im Jahr 1989 die Verlage Hethke und Carlsen das Batman-Business. Hethke brachte Hefte mit Storys aus den regulären Serien heraus und druckte auch das Bunte Allerlei nach, Carlsen machte Paperbacks, in denen meistens ganze, für sich stehende Storys gesammelt waren (ausgenommen der Zehnteiler Knightfall). Ende der 90er versuchte sich auch Ehapa noch einmal für kurze Zeit an Batman-Paperbacks.
Aufstieg und Fall des Dino-Verlags
Erst der Dino-Verlag bemühte sich ab Mitte der 90er um Vollständigkeit und Kontinuität. Zuerst begann es noch mit den Batman Adventures, den Comics zu The Animated Series, ab 1997 wurde in Batman, Batman Special und mehreren Sonderbänden das Geschehen der beiden Hauptserien Detective Comics und Batman (sowie der Nebenserien) monatlich abgebildet. Im Jahr 1999, zum 60-jährigen Jubiläum, druckte der Dino-Verlag zum ersten Mal in Deutschland Detective Comics #27 nach (Batman 37). Weitere Batman-Klassiker der 40er folgten in den Hardcovern der DC-Archiv-Edition.
Das Problem: Dino nahm es etwas zu genau mit der flächendeckenden Versorgung mit Batman und Superman, sodass der deutsche Comicmarkt dem US-amerikanischen immer um Jahre hinterherhing. Um den Abstand aufzuholen, wurden mehrere Hefte in Schubern herausgebracht – „Time Warps“. Das war nicht nur teuer, sondern zahlte sich auch für den Verlag nicht aus. 2001 stellte der Verlag sein Superheldenprogramm ein und wurde von Panini übernommen. Seitdem versorgt dieser Verlag den deutschen Markt zuverlässig mit Batman, Superman und Co., aber auch mit Marvel-Helden. Und das Verrückte: Irgendjemand kauft das alles anscheinend auch. Und liest es. Und sammelt es.
Damit ist Panini auf gutem Wege, Ehapa zu überdauern.
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