Comic

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Batman versus Superman, Teil 29: Enemies Among Us (2006-2007)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 3 (Enemies Among Us/Stop Me If You’ve Heard This One/Metal Men/Nevermore)

Autor/Zeichner: Mark Verheiden, Joe Kelly/Ethan Van Sciver, Ed McGuiness u.a.

Erschienen: 2006-2007 (Superman/Batman #27-36, Superman/Batman Annual #1, Paperback 2007, Gesamtausgabe 2016), dt.


„… today’s stories need angst!“

Der dritte große Sammelband der Serie Superman/Batman enthält vier Storys. Eine erzählt das erste Mal neu, in einer anderen schlüpfen die Helden in Frauenkörper, die dritte handelt von den Metal Men, die vierte enthält einen Kampf der Titelhelden. Beginnen wir mit letzterer.

Enemies Among Us

Der Martian Manhunter greift grundlos Batman an. Dann stellt sich heraus, dass es nur ein unbekannter Formwandler war, der in verschiedenen Erscheinungen auftritt und Chaos stiftet. Schließlich wird klar, dass unbekannte Aliens die Aliens auf Erden dazu aufrufen, die Menschheit zu vernichten. Als auch Superman dem Wahn anheim fällt, will er Batman töten, Kryptonit hält ihn davon ab, aber dann ergreift die dunkle Macht auf Besitz von Batman und er greift Superman an. Es kommt zu einer handfesten Auseinandersetzung, bei der zuerst Superman einstecken muss, bevor er Batman in blutige Fetzen schlagen darf. (Batman überlebt das dank der Alien-Kraft.) Als der Dunkle Ritter wieder zur Besinnung kommt, versöhnt man sich wieder und geht gegen die wahren Schurken, Lex Luthor und Despero vor.

DC Comics

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Das Interessanteste an der Story ist, dass sie von Alfred Pennyworth erzählt wird, während er Tee trinkt. Das hebt etwas das Niveau dieser etwas verworrenen, aber doch banalen Geschichte. Das Problem an dieser Story ist das große Figurenaufgebot: Manhunter, Plastic Man, Green Lantern, Supergirl usw. Man hat eher das Gefühl, ein Justice League-Abenteuer zu verfolgen, als ein klassiches Team-up der World’s Finest. Dadurch kommen die Hauptfiguren etwas zu kurz, der uninspirierte Kampf entschädigt nur wenig dafür.

Stop Me If You’ve Heard This One … (Superman/Batman Annual #1)

In dieser Nacherzählung der ersten Begegnung von Superman und Batman (Superman #76, 1952) arbeiten Superman und Batman bereits als Team zusammen, aber kennen noch nicht ihre Geheimidentitäten. In zivil begegnen sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff: Clark Kent und Bruce Wayne machen zufällig dort zeitgleich Urlaub. Wegen eines Buchungsfehlers müssen sie sich nicht nur (wie im Original) ein Zimmer, sondern sogar ein Bett teilen. Highlight: Bruce klaut Clark die Decke.

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Das war’s auch schon an Höhepunkten. Denn um die etwas altbackene Story ansprechender zu machen, wurde sie aufgepimpt – und das mehr als nötig. Nicht nur, dass Deathstroke ein Attentat auf Wayne zu verüben versucht, es kommen auch noch die bösen Doppelgänger vom Crime Syndicate aus einem Paralleluniversum dazu (Dimensionsriss!). Außerdem noch ein anderer Deathstroke, der sehr an Deadpool erinnern soll (Anspielung auf das Plagiat!). Während des Vorfalls finden Clark und Bruce heraus, mit wem sie sich das Zimmer teilen. Aber so witzig, wie das sein soll ist es leider nicht. Eher eine peinliche Reihe von Kalauern und Klamauk. Dass am Ende noch Mr. Mxyzptlk für alles verantwortlich ist, macht die Sache nicht besser.

Nevermind

Superman und Batman finden sich durch Schurkeneinfluss in den Körpern von Power Girl und Huntress wieder. Bevor ihre Persönlichkeiten von denen ihrer Wirtinnen verdrängt werden, müssen sie zurück in ihre alten Körper finden. Da bleibt keine Zeit für eine umoralische Selbstbegutachtung … Der Titel sagt alles. Ein typisches Füllmaterial wie in Power Girls Brüsten, so leer wie Huntress‘ Ausschnitt. (#Aufschrei etc.)

Metal Men

Eine Story mit den Metal Men kann nur eines sein: Schrott. Die Metal Men sind ein Haufen Loser, die über ihre Minderwertigkeitskomplexe jammern und sich selbst bemitleiden – und zwar zurecht, denn abgesehen von ihren plumpen, eindimensionalen Charakteren und ihren Unzulänglichkeiten (warum stottert der eine und warum ist der andere dumm, wenn die anderen offenbar besser konstruiert sind?), haben sie eine ziemlich miese Firewall, denn sie drehen gleich bei jeder Gelegenheit durch, wenn sie mal von einem Computervirus befallen werden. In dieser Story versucht ihr Schöpfer, Dr. Magnus, sie als Sicherheitsleute bei Wayne Enterprises unterzubringen. Es dauert keine fünf Minuten, bis sie nicht mehr tun, was sie tun sollen. Brainiac sei Dank. Superman und Batman biegen natürlich alles wieder hin. Aber die Metal Men hat man danach so was von satt …

Bilanz: Verzichtbar.

Verprasste Vermögen

DC Comics

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Titel: Streets of Gotham Vol. 1: Hush Money (dt. Die Straßen von Gotham)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2009 (Detective Comics #852, Batman: Streets of Gotham #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (Batman Sonderband 25, enthält #1-6)


„Gotham City … even in these hard times it’s the home of unlimited opportunity. Of course you’ve got to keep your eyes open.“

„And that’s the formula for doing business in Gotham. You give, you take, you bend and you bleed.“

Der Schurke Hush erweist sich als ewiges Stehaufmännchen: Seine aufwendigen Versuche, Batman zu vernichten, sind gescheitert. Er wäre fast draufgegangen, hat sein gesamtes Vermögen an Catwoman verloren (siehe Heart of Hush). Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch berappelt er sich wieder und unternimmt einen neuen Versuch der Rache. Das Dumme ist nur: Batman ist tot. Oder wenigstens verschollen im Kampf. Daher nimmt sich Hush einfach das, was noch übrig ist: den Ruf von Bruce Wayne. Da Tommy Eliott bereits dessen Gesicht trägt, nimmt er dessen Identität an, verschafft sich Wohlstand und geht dabei über Leichen. In Vietnam wird er zwar von der Bat-Familie gefangen genommen, aber kurz darauf – als Firefly Gotham in Brand steckt – bricht er aus und verpulvert öffentlich als Bruce Wayne Milliarden von Dollar für wohltätige Zwecke. Die Bat-Familie muss das zähneknirschend mitansehen und ihn gewähren lassen. In der Zwischenzeit lässt Black Mask Victor Zsasz und den besagten Firefly in Gotham Chaos stiften. Zsasz bekommt dabei einen neuen Anzug und einen eigenen Schlachthof, um seine mörderischen Fantasien auszuleben.

Die kurzlebige Serie Streets of Gotham hat zwar Batman auf dem Cover, aber legt den Schwerpunkt auf die Schurken und Bewohner von Gotham, wie etwa den Broker, einen Immobilienmakler für Gangster, der mit leerstehenden Gebäuden für sinistre Zwecke seine Seele mitverkauft. Die Tatsache, dass Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt, spielt im ersten Band fast keine Rolle – es hätte ebenso gut Bruce Wayne sein können.

Streets of Gotham verdankt seinen Reiz der ungewöhnlichen Erzählweise: Statt eines durchgehenden Plots mäandert die Geschichte durch mehrere Geschichten, die ineinandergreifen. So bekommt man nicht nur Einblicke in Hushs und Zsasz‘ Innenleben, sondern auch in die dunkle Seele des eigentlichen Protagonisten: Gotham City. Dustin Nguyens Zeichnungen sind sperrig und nicht immer gelungen, entfalten aber hin und wieder einen besonderen Charme – besonders bei den Covern.

>> Batman 2000-2011

Krieg um den Weltfrieden

Batman versus Superman, Teil 28: Injustice – Year One (2013)

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice – Gods Among Us: Year One (Vol. 1-2) (dt. Injustice – Götter unter uns)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Jheremy Raapack, Mike S. Miller u.a.

Erschienen: 2013 (Mini-Serie #1-12, Paperback 2013/2014/2016 Complete Edition), dt. Panini 2013-2014 (4 Bände)


„I am calling for an immediate world-wide ceasefire. All hostilities will stop immediately — or I will stop them. It’s over.“ (Superman)

Das Spiel Injustice ist der wahrgewordene feuchte Traum der Fanboys: Eine Kampfarena für Superhelden und -schurken. Story? Gibt’s zwar auch, muss aber nicht sein. Die Vorgeschichte dazu wird in einer Comic-Mini-Serie erzählt. Wer Comics zu Games verachtet, sollte diesem eine Chance geben: die Story lohnt sich.

Lois Lane ist schwanger von Superman. Der Joker entführt sie, klaut eine Atombombe, verkabelt Lois‘ Herz mit einem Zünder. Nachdem er Superman einem Angstgas aussetzt, sieht dieser in Lois Doomsday und tötet sie. Daraufhin wird Metropolis vernichtet, Millionen Menschen sterben. Superman dreht durch, ermordet den Joker und verkündet eine neue Weltordnung: mit Krieg ist Schluss. Schurken werden nicht geduldet. Der selbsternannte Wächter und seine Gefolgsleute erzwingen den Frieden – auch untereinander. Doch Batman ist dagegen und versammelt eine Allianz von Helden gegen die Diktatur von Superman. Dabei macht er sogar gemeinsame Sache mit dem US-Präsidenten. (In The Dark Knight Returns ist es andersrum, da pakiert Superman mit der Regierung.) Es kommt zu Verrat, Enttäuschung und einigen Tragödien. Vertrauen geht verloren, Freundschaften zerbrechen, Existenzen und Identitäten gehen zugrunde, Helden sterben.

Obwohl der Comic das alles sehr abgehetzt und in großen Bildern erzählt, bleibt die Geschichte nicht so oberflächlich, wie es zunächst scheint. Einzelne Kapitel legen den Fokus auf die Konflikte der einzelnen Protagonisten, wie etwa die ethische Grundsatzfrage, wie legitim es ist, Frieden zu forcieren. Es ist der Konflikt der Superhelden: einerseits sollen sie die Menschen retten, andererseits sollen sie sich auch nicht zu sehr einmischen. Sollen sie sich nur um Meta-Bedrohungen kümmern oder auch um Kriegstreiber, Menschenrechtsverletzer und Wirtschaftskriminelle? Und ist Mord gerechtfertigt, wenn man dadurch Massenmord verhindern kann? Die Figuren kommen in Gewissensnöte und verhandeln die Grundfrage. Es ist die Frage nach der Rolle Gottes und der Selbstverantwortung des Menschen. Es geht also um nichts Geringeres als die Theodizee.

Die Idee, Superman als totalitären Herrscher darzustellen, ist nicht neu. Schon Mark Millar hat das in seinem Klassiker Red Son (dt. Genosse Superman) getan, womit er bloß eine Idee aus World’s Finest #247 (1977) aufgegriffen hat. Bei Injustice geht der Faschismus aber auf ein Trauma zurück, den Verlust seiner zweiten Heimat und seiner Frau. Damit wird Superman wie Batman. Auch in seinen Methoden nähert er sich Batman an, indem er darauf setzt, Menschen Angst einzujagen. Batman wiederum ist die Stimme der Humanität, die mahnt, dass er Zweck nicht die Mittel heiligt. Er bleibt der unbestechliche Idealist. Die World’s Finest tauschen die Rollen.

Batman und Superman liefern sich zunächst ein Wortgefecht, in dem die Frage aufkommt, was Batman an Supermans Stelle täte. Batmans Antwort ist einfach: Superman sei der bessere Mensch von ihnen. Aber nach all dem Unheil, das Superman in bester Absicht anrichtet, ändert sich Batmans Meinung. Am Ende läuft alles auf ein Duell zwischen den beiden hinaus. Doch anders als erwartet wird es kein Kampf auf Augenhöhe. Superman wird nicht durch Kryptonit oder rotes Licht geschwächt, Batman nicht durch einen Anzug gestärkt. Der Dunkle Ritter weigert sich, Gewalt anzuwenden, weil er sich sonst nicht zurückhalten könnte. „I don’t think I can beat you without killing you“, sagt Batman. „And I’m not like you. I’m not a murderer.“ Superman tötet seinen Gegner nicht – er bricht ihm bloß das Rückgrat (wie einst Bane).

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

So packend die Story ist, leider schwankt die Qualität der Zeichnungen stark, da eine Reihe von Künstlern daran mitgewirkt hat. Manche Seiten sind grandios, andere mäßig. Trotzdem lohnt sich die Lektüre sehr, wenn man eine spannende wie hochdramatische Erzählung abseits der Continuity lesen will – auch wenn man das Spiel dazu nicht kennt.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Batman & Robin Eternal 1: Trauma auf Bestellung

DC Comics

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Titel: Batman and Robin Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Scott Snyder u.a./Tony Daniel u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Batman and Robin Eternal #1-12, Paperback 2016)


„The idea of taking someone in the wake of trauma, and transforming them to suit someone else’s will, is utterly abhorrent … But am I guilty of doing just that?“ (Batman)

Das Konzept von Robin hat seine Vor- und Nachteile. Das Gute an Robin ist, dass er Humor in Batman-Comics bringt. Das Blöde ist: Batman soll nicht lachen. Robin soll Batmans Verstärkung sein, aber er lässt ihn schwach erscheinen – und macht ihn verletzlicher. Das Gute an Robin ist, dass junge Leser sich mit ihm besser identifizieren können. Das Blöde ist: ein bunt gekleidetes Kind an der Seite eines düsteren Einzelgänger ergibt keinen Sinn.

Nennen wir es beim Namen: Was Batman mit Robin betreibt, ist eigenlich fahrlässige Kindesgefährdung, wenn nicht gar Kindesmisshandlung. (Frank Miller hat es in seinem vielfach gescholtenen All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder ungeschönt dargestellt.) Und genau darum geht es bei Batman & Robin Eternal, der wöchentlich erscheinenden Nachfolge-Serie des ein Jahr lang laufenden Batman Eternal.

Gleich am Anfang zeigt sich wieder ein Vorteil: Das Gute an Robin ist, dass durch ihn einer da ist, der Batman ersetzen kann, falls er mal wieder tot ist oder verschwunden oder anderweitig verhindert. Wie zum Beispiel nach dem Endgame/Todesspiel mit dem Joker. Während Bruce Wayne seine neue Berufung als Kindergärtner und James Gordon in einem Batman-Kampfanzug mit Hasenohren Superschurken belämpft (Superheavy/Superschwer), müssen sich die drei ehemaligen Robins (Dick Grayson, Jason Todd und Tim Drake) um neue Feinde kümmern, die eigentlich alte Bekannte aus finsterster Vergangenheit sind und mit einem alten Scarecrow-Fall zusammenhängen.

Die Schurkin Mother und ihr Handlanger The Orphan (Waise) wollen Agent Grayson, Red Hood und Red Robin an den Kragen. Und nicht nur denen: auch die drei weiblichen Mitglieder der (erweiterten) Bat-Familie sind im Visier – Bluebird, Spoiler und Cassandra Cain. Die stumme Kämpferin, die in der alten Continuity im Niemandsland zu Batgirl wird und in der New-52-Continuity hier zum ersten mal auftaucht, kämpft an der Seite der anderen Junghelden gegen Orphan, der niemand geringeres als ihr Vater David Cain ist. Hintergrund: Mother formt Menschen auf Bestellung, indem sie Kinder Traumata erleben lässt, entweder durch Angstgas oder durch die Ermordung ihrer Eltern. Batman gerät in Verdacht, bei ihr einen neuen, besseren Robin in Auftrag gegeben zu haben, nachdem er von Dick Grayson enttäuscht wurde. Ist also Bruce Wayne verantwortlich für einen Mord?

Klingt nach großem Drama, ist es aber nicht. Dass Batman & Robin Eternal nur halb so lang (26 Hefte) ist wie sein Vorgänger, lässt sich beim Lesen schnell nachvollziehen. Trotz oder gerade wegen des großen Figurenaufgebots stellt sich wenig Spannung ein. Die Story springt viel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, in den Rückblenden sehen wir Batman mit dem ersten Robin im Einsatz, doch bei all den vielen Handlungsebenen und Figuren geht man beim Lesen verloren. Das einzige, was einen bei Laune halten soll, ist das Rätsel, was Batman sich wirklich hat zu schulden kommen lassen. Aber in der ersten Hälfte wird die Lösung bloß künstlich hinausgezögert und das allein reicht nicht, um Interesse für das Ganze zu wecken. Die Charaktere bleiben oberflächlich. Daher kann es einem auch ziemlich egal sein, wie es im zweiten Band weitergeht.

Im Vergleich zu dem überbordenden Batman Eternal wirkt Batmatn & Robin Eternal ebenso müde wie ermüdend. So könnte man auch über Robin sagen: Der Nachfolger kommt nicht an seinen Vorgänger heran.

>> Batman 2011-2019

Luthor und Joker gründen ein Start-up

Batman versus Superman, Teil 27: Superman and Batman’s Greatest Foes (1957)

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Titel: Superman and Batman’s Greatest Foes

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (World’s Finest #88), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 2 (2001), Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 1 (2016)


„… there’s something bigger behind this jokes!“ (Superman)

„Good partners, I mean, cellmates should never argue!“ (Batman)

Die ersten gemeinsamen Abenteuer der World’s Finest, Superman und Batman, waren bisher Kinkerlitzchen. Hier bekommen sie es endlich mit richtigen, klassischen Schurken zu tun, denn zum ersten Mal machen Lex Luthor und der Joker gemeinsame Sache. Ihr Plan ist so genial, dass die beiden Schurken sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Der Joker lobt Luthors Genie, Luthor lobt Jokers Sinn für Humor. Die beiden gründen ein Unternehmen, eine Fabrik, um genau zu sein. Ganz legal, ganz offiziell. Was sie herstellen, ist zunächst geheim, aber sie beteuern ehrliche Geschäftsmänner werden zu wollen. Also düsen sie gemeinsam im Jokermobil durch die Gegend und lachen über den Witz, den sie auf Kosten der Helden machen.

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Die bleiben nämlich skeptisch. Auch als die Schurken der Öffentlichkeit präsentieren, was sie gebaut haben: die Mechano-Men, menschenähnliche Roboter, die selbst bei starker Hitze und großem Druck schwere Arbeiten verrichten können. Doch selbst als Superman und Batman eine Demonstration sehen, vermuten sie einen Schwindel. Dreimal glauben sie auch, die Schurken auf frischer Tat ertappt zu haben: der Joker fängt einen Mann in einem Käfig, dann versucht er, einen mit seinem Auto zu überfahren, einmal bringt Luthor eine Lawine in Gang. Doch jedesmal erweisen sich die Aktionen als Experimente für die Mechano-Men.

Batman und Superman stehen immer wieder als Idioten da.

Und trotzdem geben sie nicht auf. Auch als Superman sich als Mechano-Man ausgibt und er meint, die Verdächtigen bei einem Raub zu erwischen, stellt sich das Ganze als sauber heraus. Erst beim fünften Versuch haben die World’s Finest Recht: Luthor und Joker geben eine Show mit ihren Mechano-Men, während sie parallel dazu eine Bank ausrauben. Natürlich haben die wachsamen Helden längst alles durchschaut und buchten die Gauner ein. Auf eine Frage kommt aber niemand: Warum der ganze Aufwand, um Geld zu stehlen, wenn man es mit der Erfindung so viel leichter hätte ehrlich verdienen können? (Und woher hatten sie überhaupt die Mittel, die Fabrik und die Roboter zu bauen?) Als Unternehmer taugen sie jedenfalls nichts. Aber hier gilt wohl das Sprichwort: old habits die hard. So genial war der Plan dann doch nicht.

(P.S.: Mit dem Cover hat die Story übrigens nichts zu tun.)

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Auferstehung im Hasenkostüm

DC Comics

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Titel: Superheavy (Batman Vol. 8) (dt. Superschwer)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (DC Sneak Peek #1/Divergence #1, Batman #41-45, Paperback 2016), dt. Panini 2016 (Batman 46ff.)


„… this is the dumbest idea in the history of Gotham City.“ (James Gordon)

„In the beginning, there was nothing … and then, there was Batman. And this was good.“ (Geri Powers)

Nach dem Endgame (dt. Todesspiel) mit dem Joker gilt Batman als verschollen, bzw. tot. Aber weil es schon immer einen Batman zu geben scheint (nach gerade einmal sechs Jahren im Dienst) und man sich ein Gotham ohne nicht mehr vorstellen kann, bringt das Unternehmen Powers International (vgl. Batman Beyond), das kürzlich Wayne Enterprises übernommen hat, einen neuen Batman ins Spiel: einen Kampfanzug. Bedienen soll ihn ein Polizist – und das ist niemand geringerer als Commissioner James Gordon. Ja, genau: Gordon wird der neue Batman. Am Anfang hat auch er Bedenken, um nicht zu sagen, er hält das für Schwachsinn. Der Anzug, so sagt er, sehe nicht einmal Batman ähnlich, eher einem Kaninchen. Zugegeben, das Ding hat sehr lange Antennen, die wie Ohren aussehen, aber der Hase müsste schon auf Steroiden zu sein, um ihn mit dem Panzerkostüm zu verwechseln …

Egal, es sieht cool aus. Vielleicht ist Gordon deshalb schnell überredet und fast ebenso schnell in Form gebracht (mit Training, Implantaten und Rasur) und nach einigen Startschwierigkeiten tritt er gegen seinen ersten Superschurken an: Mr. Bloom, ein dürrer Mensch mit Blumenmaske, der Straßengangs mit kleinen „Samen“ zu Superschurken macht – oder sie tötet. Aber über die Story kann man noch nichts Abschließendes sagen, weil in diesem Band bloß der erste Teil erzählt wird. Da wir über den Schurken kaum etwas erfahren, bleibt er oberflächlich und nur mäßig interessant.

Bruce Waynes Gehirn gelöscht

Aber was ist mit dem echten Batman, was ist mit Bruce Wayne? Den gibt es noch, aber er ist nicht mehr der alte. Überlebt hat er dank des Wundermittelchens, das auch Joker immer wieder regenerieren ließ (siehe Endgame). Doch damit wurde auch Waynes Gehirn gelöscht – und ohne Erinnerungen und Trauma kann er nicht mehr Batman sein. Stattdessen lässt er sich einen Vollbart wachsen und arbeitet in einem Jugendzentrum, wo er eigentlich nicht viel macht, außer mit Julie Madison herumzuturteln.

Fassen wir zusammen: Gordon rasiert sich und steigt in ein Hasenkostüm, um Batmans Erbe anzutreten, und Wayne setzt sich zur Ruhe und hütet Kinder? Ja, er baut ihnen sogar einen Spielgarten aus den alten Trophäen der Bathöhle, die Joker entstellt hat. Überzeugt das? Mäßig. Auch wenn Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo ihr Bestes geben, um ihre Geschichte mit der betonenen Sensibilität für ihre Charaktere zu erzählen, liefern sie mit Band 8 ihrer Batman-Serie den bisher schwächsten ab. Und das liegt nicht nur daran, dass es mehr Gerede als Handlung gibt. Die meiste Zeit über wirkt Superheavy wie ein Urlaub, wie eine Auszeit nach dem aufreibenden Endgame, als müsste sich gerade Bruce Wayne davon erholen. (Auch die Rückblende im Intermezzo, von Brian Azzarello und Jock, wirkt etwas müde.)

Wieder bei Null anfangen

Gordons Wandlung zu Batman ist zu überstürzt. Dafür, dass er am Anfang vehement dagegen ist, lässt er sich doch leicht überreden, und das nur durch das Argument, dass er die Stadt am besten kennt. Er hingegen hält die Idee für reizvoll, dass Batman innerhalb des Systems arbeit. So wird aus dem Vigilanten ein legitimierter Ordnungshüter. Das ist keine neue Idee, das ist eine Rückkehr in Batmans erste 30 Jahre, und da das Wesen des modernen Batman darin besteht, außerhalb des Gesetzes zu operieren, wirkt das wie ein großer Rückschritt.

Die Grundidee der Story besteht darin, Batman wieder auf Null zu bringen, neu anzufangen. Und so wird der erfahrene Polizist James Gordon wieder zum Anfänger. Immerhin ist das nett anzusehen, wie er seinen Kampfanzug und seine Fähigkeiten im Batarang-Werfen austestet. (Bermerkung im Kluscheißermodus: Dass er allerdings einen 1000-Grad-heißen Ofen überlebt, ist dann doch unwahrscheinlich. Zwar mag sein Kostüm ihn schützen, aber wenigsten die untere Hälfte des Gesichts müsste verdampfen. Aber das geht bekanntlich nicht, solange die Story nicht zu Ende ist.) Daher gedulden wir uns noch auf die Fortsetzung, die als Hardcover im September erscheinen soll, und hoffen, dass in der zweiten Hälfte wieder mehr Schwung in die Story kommt.

>> Batman 2011-2019


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„A crazy Two-Face story“

All-Star Batman von Sean Murphy (DC Comics)

All-Star Batman von Sean Murphy (DC Comics)

„Big, crazy stuff“ verspricht Autor Scott Snyder seinen Fans. In seiner im August startenden Serie All-Star Batman versammelt er nicht nur Schurken wie Two-Face, Mr. Freeze, Pinguin, Poison Ivy und Catwoman, sondern auch seine Lieblingszeichner wie Sean Murphy, Jock und John Romita Jr. In einem Interview, das er mit Romita auf dccomics.com gibt, verspricht Snyder: „we’re doing something you’ve never seen in Batman before.“ Große Worte, aber der Superstar hat bisher seine Leser kaum enttäuscht.

In den ersten fünf Ausgaben, die von John Romita Jr. gezeichnet werden, soll es eine „a crazy Two-Face story“geben. Snyder beschreibt sie als eine Art Road Movie:

„I wanted to do a sort of grindhouse Death Race, Fugitive, Running Man, Defiant Ones, out-of-control story. Batman is completely out of his element, desperate to get Two-Face somewhere upstate, and just about every assassin in the DCU is hunting them at the same time. It’s really, really fun.“

John Romita Jr. vergleicht es mit dem frühen Sylvester-Stallone-Film Nighthawks und dem Ausbruchs-Klassiker Flucht in Ketten (The Defiant Ones).

Snyder erklärt auch, wie sich seine Serie von den klassischen Titeln unterscheiden wird, die in der Initiative DC Rebirth neu gestartet und besetzt werden: Tom King soll in Batman klassische Action in Gotham gegen Schurken bieten, James Tynion IV widmet sich in Detective Comics den jüngeren Helden, die von Batman und Batwoman ausgebildet werden. Für jeden Geschmack soll etwas dabei sein: „There’s a Bat book for everybody right now.“

Bei Comixology gibt es nähere Informationen zu den ersten Rebirth-Titeln, die man dort auch vorbestellen kann. Im Batman Rebirth-Special (32 Seiten) soll es um den Calendar Man gehen, in Detective Comics und Batman sollen neue Schurken auftreten.

Coverwahn #14

Ein Nachtrag zum irrsinnigen Variant Cover-Output: Die wenigen Themen-Cover zum Film Batman v Superman: Dawn of Justice, die ich zuvor vorgestellt habe, waren nur der Anfang. Hier kommt der Rest, aufgeteilt nach Motiven. Oben sehen wir klassische Kampfszenen. Auffällig ist, dass Superman stets in der überlegeneren Position ist, mal schwebt er über Batman, mal hat er tatsächlich im Duell die Oberhand. (Das ist nicht selbstverständlich, wie man an Greg Capullos sadistischem Variant für Dark Knight III sehen kann.)

In dieser Galerie nehmen die Motive stärker Bezug auf den Film: Das erste Cover zeigt die erste Begegnung nach der (ziemlich lahmen) Verfolgungsjagd mit dem Batmobil. Zwei Cover stellen Wonder Woman als Vermittlerin oder Schlichterin dar, in einem greift sie mit dem Schwert in den Kampf ein, wobei es so aussieht, als wollte sie Batman davon abhalten, Superman den Gnadenstoß zu verpassen. Auf dem letzten ist sie allein zu sehen, was in diesem Kontext ziemlich sinnfrei ist.

Die letzten drei Motive zitieren die Traumsequenz, in der Batman in einem dystopischen Szenario gegen die Allianz von Superman und Darkseid kämpft. Batman erscheint hier als Outlaw im Ledermantel mit Maschinengewehr. Im Film wirkt die Szene fehl am Platz: sie hat nichts mit der Handlung zu tun, stiftet Verwirrung und soll prophetisch auf die kommenden Justice League-Filme verweisen. Das gelingt nur holprig. So wie vieles andere in diesem Film. Aber die Cover können sich sehen lassen.

Wonder Woman schützt Wunderknaben

Batman versus Superman, Teil 26: Die World’s Finest von Erde 2 (2015)

DC Comics

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Titel: Worlds‘ Finest Vol. 6 – The Secret History of Superman and Batman (dt. Das Vermächtnis von Erde 2)

Autor/Zeichner: Paul Levitz/Jed Dougherty

Erschienen: 2015 (Worlds‘ Finest #27-32, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Paperback)


„It’s hard to imagine history working out so differently…“ (Lois Lane)

„Looking back, they were a perfect partnership: night and day, cynicism and optimism, and yet so alike.“ (Lois Lane)

Nachdem wir uns an dem alternativen Batman von Erde eins erfreut haben, schauen wir uns heute einmal an, was auf Erde zwei los ist. Während die Helden auf Nummer eins noch in den Anfängen stecken, sind sie auf Nummer zwei weiter fortgeschritten. In der Serie Worlds‘ Finest (man beachte das Apostroph hinter dem s statt wie früher davor), die bislang für das Team-up zwischen Power Girl und Huntress missbraucht wurde, wird die gemeinsame Vorgeschichte von Superman und Batman nachgetragen. Dennoch macht sich die Serie dadurch nicht um den traditionsreichen Namen verdient.

Erzählt wird mehr oder weniger die bekannte Geschichte mit einer wichtigen Variation: Intri, eine Kampfbraut von Apokolips, versucht Kal-El und später Clark Kent für ihresgleichen zu gewinnen. Doch auf Krypton verweigert Jor-El den Deal, auch wenn er dafür Krypton vor dem Untergang bewahren kann, später auf Erden beschützt die Amazone Diana alias Wonder Woman den kleinen Clark Kent vor der Entführung. Bruce Wayne wiederum muss mitansehen, wie ein Gauner seinem Vater an den Kragen will, weil Thomas Wayne sich nicht zu Schandtaten verleiten lassen will. Auch hier schreitet Diana ein, um den Jungen zu retten, weil laut einer Prophezeiung auch Batman wichtig werden wird. Das Besondere: der Vater stirbt nicht bei dem Attentat, weil der kleine Bruce Mut beweist. Warum er trotzdem zu Batman wird, wird allerdings nicht erklärt. Nach einem Zeitsprung erfahren wir, dass Bruce Wayne und Selina Kyle (Catwoman) eine Tochter bekommen, die zu Robin wird. Superman verliert seine geliebte Lois. Batman und Superman halten als Freunde zusammen.

Im weiteren Verlauf der Kernhandlung sehen wir, wie Intri immer wieder auftaucht und zurückgejagt wird. Zwischendurch fragt man sich, warum sie trotz ihrer offensichtlichen Inkompetenz immer noch mit der Aufgabe allein betraut wird. Erst nachdem sie tot ist, beginnt die apokoloptische Invasion und der apokalyptische Krieg. Ebenso rätselhaft ist, warum Batman nach dem Ausschlussprinzip davon ausgeht, die Schurkin müsse Kryptonierin sein (obwohl nichts darauf hindeutet) und warum sein selbstgeschmiedetes Kryptonitschwert sie verletzten kann, Dianas Schwert aber nicht und am Ende alle Schwerter gemeinsam die Schurkin töten. Aber wen juckt’s?

Denn erzählt wird diese „secret history“ äußerst dröge und uninspiriert, von einer Lois Lane, die in ferner Zukunft als Red Tornado gegen die Invasoren von Apokolips kämpft und bis dahin ihr Handwerk verlernt hat. Die plumpen Zeichnungen lassen selbst Schauwerte vermissen. Das ist besonders schade, weil man für die Cover fähigere Künstler verpflichtet hat. Aber so ist das häufig: Man lockt Leser an mit verheißungsvollen Versprechen, die nicht eingehalten werden. Daher sei hiermit davor gewarnt, mit diesem öden Comic seine Zeit zu verschwenden.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

DC enthüllt Jokers wahre Identität

DK III #3 (Variant) (DC Comics)

DK III #3 (Variant, Greg Capullo) (DC Comics)

„If I’m going to have a past, I prefer it to be multiple choice!“

Der Satz aus The Killing Joke (Alan Moore/Brian Bolland) war schon immer maßgeblich für den Joker, wörtlich genommen von Heath Ledger im Film The Dark Knight. In Moores Klassiker bekommt der Joker zwar eine Vorgeschichte als gescheiterter Komiker und Gauner wider Willen angedichtet, aber keinen Namen.(Es handelt sich um eine Neuinterpretation von Jokers Origin als Red Hood aus Detective Comics #168, 1951. In Zero Year wird die Geschichte erneut variiert.)

Doch in Justice League #42 (in der Storyline Darkseid War) hat der Möbius-Stuhl Batman den wahren Namen seines Erzfeindes offenbart. Und am 25. Mai 2016, in Justice League #50, sollen auch die Leser erfahren, wer der Joker einst gewesen ist.

Die Enthüllung soll eine Überraschung sein. Doch schon die Ankündigung ist umstritten. Denn bisher gehörte es zum Mythos und zum Schauer des Schurken, dass er keine Identität hatte. Joker ist der Nihilist, der aus dem Nichts kam. In Tim Burtons ersten Batman-Film (1989) heißt der Joker zunächst Jack Napier (so auch in der Animationsserie von 1992-1995) – und stellt sich sogar als der Mörder von Bruce Waynes Eltern heraus. Eine kritisierte, aber von der Erzählökonomie gerechtfertigte Entscheidung. (Ähnlich war es in Batman Begins, wo Ra’s al Ghul zu Bruce Waynes Ausbilder wurde.)

Jedoch im Comic mit der Tradition zu brechen, ist ein Sakrileg. Zwar wird das Interesse enorm sein, aber mit Geheimnissen ist es so: Das Rätsel ist spannender als die Auflösung. Denn am Ende ist das Mysterium entzaubert. Es ist eine Enthüllung, die niemand braucht.

NACHTRAG 1: Weitere Hinweise zu Jokers Identität gibt es in DC Universe Rebirth #1.

NACHTRAG 2: Eine richtige Auflösung wird es im Dreiteiler Three Jokers geben.


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