Mini-Serie

Final Crisis: Tod durch Überforderung

DC Comics

DC Comics

Titel: Final Crisis

Autor/Zeichner: Grant Morrison/J.G. Jones, Doug Mahnke u.a.

Erschienen: 2008 (Mini-Serie #1-7, Superman Beyond #1-2, Batman 682-683, DC Universe 0, Submit #1, Paperback 2009/2012), dt. Panini 2010


„I’m inside a self-assembling hyper-story!“ (Superman)

„This isn’t just some superhero war, some crisis.“ (Black Lightning)

Zugegeben: Großen Superhelden-Events stehe ich zwiespältig gegenüber. Einerseits hat mich das Konzept, dass alle Helden zusammenkommen, schon immer gereizt. Andererseits hat mich die Fülle an Figuren und Plots zuletzt ziemlich überfordert, genervt und gelangweilt. Trotzdem habe ich mich durchgekämpft. Durch die Crisis on Infinite Earths und auch durch die (viel leichter verdauliche) Infinite Crisis. So glaubte ich mich gut vorbereitet auf Grant Morrisons Final Crisis, die ich eigentlich nur noch lesen wollte, weil ich wusste, dass Batman darin stirbt (oder es zumindest so scheint). Aber falsch geglaubt. Denn Morrison zieht mal wieder alle Register. Alle. Und das macht Final Crisis unlesbar, wenn man nicht jeden Winkel des DC Universums kennt. „Of course, that’s the way it’s always been with DC Universe comic books: you don’t always know everything about everyone, and sometimes you miss stuff, and sometimes you only suss out later what something was really all about“, schreibt DC-Redakteur Jay Babcock in seinem Vorwort und rechtfertigt das damit, dass es in der realen Welt genau so sei. Aber selbst der Meister Morrison gesteht in seinen Memoiren, dass die Handlung „holprig, bedeutungslos und chaotisch“ sei und er „mitunter die Nerven wegschmiss“. So ging es mir beim Lesen auch.

Totale Überforderung

Wer hier durchsteigen will, sollte (bis auf die zuvor genannten Krisen) die Mega-Events 52 und Countdown to Final Crisis lesen, sowie die fünf Ergänzungsbände zur Hauptserie. Da ich dazu keine Lust hatte, habe ich auch nur die Hälfte verstanden – bestenfalls. Worum es im Kern geht: Darkseid und seine Apokolips-Schergen haben die „guten“ New Gods besiegt und sich als Menschen getarnt auf der Erde eingenistet. Von innen heraus vollziehen sie eine Invasion, überrumpeln die Superhelden oder schalten sie aus, und unterjochen die Menschheit. Parallel dazu gibt es noch eine Handlung um das Multiversum und die Monitor-Typen, einem bösen Vampir-Monitor und irgendeine Weltvernichtungsmaschine – hier habe ich den Faden völlig verloren.

Ansonsten gibt es ein Komplott im Green Lantern Corps und drei Flashs laufen einer rückwärts durch die Zeit schießenden Kugel hinterher. Darüber hinaus sieht man Steinzeitmenschen, japanische Möchtegernhelden, Tigermenschen, die auf Riesenkampfhunden reiten, und einen Haufen Supermänner aus Parallelwelten, darunter einen (vermeintlichen) Nazi-Superman sowie ein Superschwein, einen Superpudel und einen Superhasen (wtf?).

Wie Batman stirbt

Batmans „Tod“ verläuft zwar folgerichtig, indem er eine Waffe auf Darkseid abfeuert (Tod folgt auf Prinzipienbruch), aber dafür enttäuschend unspektakulär. Darkseid feuert seine Omega-Strahlen auf ihn ab und ein paar Seiten später sieht man Superman Batmans Überreste tragen (was übrigens die gelungenste Seite des Bandes ist). Naja, das hätte ich mir emotionaler gewünscht. (Die Todessequenz erinnert an Morrisons Story Stein der Äonen/Rock of Ages in JLA #14, 1998, dt. Dino Verlag.) Aber schon am Ende wird angedeutet, dass Batman nicht wirklich tot ist, sondern bloß (warum auch immer) in der Steinzeit gelandet ist. (Abgesehen davon ist mir nicht klar geworden, wie Batman aus seiner Gefangenschaft entkommen konnte, aber egal, er ist halt Batman.) Zwei Tie-ins zeigen, wie er in Darkseids Gefangenschaft sein Leben noch einmal durchlebt, weil seine Erinnerungen gestohlen und ihm neue eingesetzt werden.

Diese Binnen-Story ist auch in Batman R.I.P. enthalten. Wegen der paar wenigen Seiten, in denen Batman in Action gezeigt wird, lohnt die Lektüre von Final Crisis jedenfalls nicht. Und auch sonst hat es Morrison mit seiner Überbietungspraxis ziemlich übertrieben: zu viele Figuren und zu viel Handlung auf zu wenig Raum, zu sprunghaft erzählt. Comics sollten Spaß machen und keine Qual sein, aber bis auf die Zeichnungen von J.G. Jones und Dough Mahnke hatte ich kaum Freude an diesem Ungetüm von einem Buch. Für mich jedenfalls sind Crossover erstmal erledigt.

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Angriff der lebenden Toten

Titel: Year One: Batman/Ra’s al Ghul (dt. Batman/Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Devin Grayson/Paul Gulacy

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-2), dt. Panini 2006 (Batman Sonderband 5)


„No one, nothing, will die.“ (Ra’s al Ghul)

Nachdem Batman alle Lazarus-Gruben vernichtet hat und Ra’s al Ghul vorerst gestorben ist (in Death and the Maidens, Mini-Serie 2003-2004), werden plötzlich die Toten wieder lebendig und laufen wie Zombies durch Gotham. Batman bekommt einen Brief von Ra’s, den er anscheinend vor seinem Ableben geschrieben hat und in dem er lang und breit erklärt, warum er mit seiner Misanthropie Recht hat und warum die Lazarusgruben wichtig sind für das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod auf der Welt. Parallel bekommen wir zwei Einblicke in Ra’s Frühzeit, sein Year One, als er noch dem Geheimnis des ewigen Lebens nachjagte, zum Beispiel in einem japanischen Pfirsichgarten. Dabei wird deutlich, dass er schon immer besessen und mörderisch war und ihn nicht erst die Gruben zu einem Psycho gemacht haben.

Eigentlich gibt es nicht viel zu erzählen. Die Rückblenden (eine ist der ersten Begegnung mit Ra’s gewidmet) haben keinen großen Mehrwert, die Story wird bestimmt von dem viel zu langen Brief einerseits und ein paar Action-Sequenzen andererseits. Batman kämpft sich durch Gotham, Batman kämpft gegen Ubu (zweimal), Batman löst das Rätsel der Lazarusgrube und erschafft eine neue in der Bathöhle. Der Zweiteiler ist zwar solide gezeichnet, aber die meisten Sequenzen wirken wie Seitenschinderei. Das Werk fühlt sich so leer und leblos an wie eine ausgetrocknete Lazarusgrube.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Infinite Crisis: Die beste aller möglichen Welten

DC Comics

DC Comics

Titel: Infinite Crisis

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Phil Jimenez

Erschienen: 2005-2006 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2006), dt. Panini 2007 (Paperback)


„This corrupted and darkened earth must be forgotten as ours was … so that the right earth can return.“ (Superman von Erde zwei)

„I still can’t tell the heroes from the villains.“ (Superboy Prime)

Der Wachturm der Justice League ist zerstört, Wonder Woman hat den Schurken Maxwell Lord vor laufenden Kameras hingerichtet, Batmans Überwachungssatellit Brother Eye läuft aus dem Ruder, Scharen böser OMAC-Roboter greifen an, Superschurken vereinigen sich und stiften Chaos, im Universum tobt ein Krieg zwischen Rann und Thanagar, bei dem auch das Green Lantern Corps mitmischt. Und dann kommen auch noch fast vergessene Helden zurück: der alte Superman von Erde zwei, Superboy Prime und Alexander Luthor – die drei Relikte der Crisis on Infinite Earths. Sie wollen das Multiversum wiederherstellen, um eine bessere Erde zu erschaffen. Und dafür sind sie bereit, große Opfer zu bringen.

Infinite Crisis ist die Fortsetzung der ersten Crisis und macht genau da weiter, wo die Story 1985 endet. Einerseits. Andererseits ist auch unmittelbar davor viel passiert: Insgesamt ein One-Shot und fünf Mini-Serien muss man lesen, um hier ganz durchzusteigen (Countdown to Infinite Crisis, The OMAC Project, Rann–Thanagar War, Day of Vengeance, Villains United, DC Special: The Return of Donna Troy), ganz zu schweigen von den unzähligen Tie-ins (die Omnibus-Edition umfasst über 1100 Seiten). Wer die Mühe scheut, könnte beim Lesen des Haupt-Events schnell frustriert sein. Man wird als naiver Leser zu sehr ins kalte Wasser geworfen, manche wichtigen Ereignisse aus der ersten Crisis werden nacherzählt, anderes wird nur angedeutet, vieles muss man sich zusammenreimen und auch sonst ist das Problem, wie typisch bei solchen Mega-Events, dass auf den Seiten einfach zu viel los ist. Zu viele Figuren, zu viele Wimmelbilder voller Schlachten, zuweilen versteht man nicht mal, wo sich die Story befindet oder was in den jeweiligen Panels passiert. (Allerdings werden immerhin ein paar Ereignisse aus Under the Hood klarer.)

Aber trotz des typischen Mangels des Zu-viel-gewollt liest sich Infinite Crisis unterhaltsamer als ihr Vorgänger – und das nicht nur, weil die Fortsetzung viel kürzer ist. Abgesehen von dem Quatsch drumherum konzentriert sich die Story auf die drei Superman-Gestalten, Batman und Wonder Woman – und das ist der rote Faden, an dem man sich beim Lesen gut festhalten kann. Der alte Superman will seine Lois vor dem Tod retten, Superboy Prime hat ein Ego-Problem und trägt es mit dem Superboy Conner Kent aus und unser Superman steckt in einer Schaffenskrise: „… let’s face it, ‚Superman'“, sagt Batman am Anfang, „the last time you really inspired anyone was when you were dead.“ Doch auch der Dunkle Ritter hat mit persönlichen Problemen zu kämpfen, weil ihm das Instrument seines Kontrollwahns entgleitet und ihm alles zu viel wird: „I can’t breathe. Can’t do this anymore. God … I wish … I wish I could start over.“

Schließlich ist auch der Grundgedanke interessant, der Alexander Luthor und seine Anhänger umtreibt: dass die neu geschaffene Erde nach der Crisis keine bessere geworden ist. Zu viele Helden und Unschuldige sind seitdem gestorben (z.B. Superman, Sue Dibny, Blue Beetle oder Maxwell Lord). Die Unbeschwertheit des alten DC-Universums ist dahin. Luthor ist besessen davon, aus vielen neuen Erden die beste aller möglichen Welten zu machen (Leibniz hätte seine Freude), dazu täuscht er seine Verbündeten, Helden werden zu Schurken. Das reicht für ein großes, weltbewegendes Epos – und dieser Kern der Story macht auch Spaß. Wer das viele Drumherum ignorieren kann, wird auf seine Kosten kommen.

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Die Mutter aller Krisen

DC Comics

DC Comics

Titel: Crisis on Infinite Earths

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/George Pérez

Erschienen: 1985 (Mini-Serie #1-12), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband #12-13)


„Worlds lived, worlds died. Nothing will ever be the same.“

Einmal alle Helden in einer Geschichte. Das war Marv Wolfmans Kindheitstraum. 1985 bekam er von DC endlich die Gelegenheit dazu: mit Crisis on Infinite Earths. Und dabei hat er auch gleich die Funktion eines Hausmeisters übernommen und einmal das Multiversum entrümpelt von zu vielen Parallelwelten, Helden und auch Continuity-Problemen. Mit der neuen Ordnung sollten die Comics wieder zugänglicher für neue Leser sein. Nach diesem Hausputz begann DC von vorn, Superman und Batman bekamen neue Origins, und die Krise wurde zum Muster für viele weitere Crossover/Events, die darauf folgten und immer wieder aufs Neue das Universum erschütterten, bis nach Jahren wieder mal keiner durchblickte. Alles ist auf Zyklen ausgelegt.

Worum geht es in Crisis? Es gibt zwei Ober-Gurus: Der böse Anti-Monitor aus dem Antimaterie-Universum vernichtet ein Materie-Universum nach dem anderen. Warum? Weil er böse ist und Macht will – das Übliche eben. Der andere Oberguru, der Monitor, versucht seinen bösen Bruder davon abzuhalten und schickt eine hübsche Helferin aus, die ein paar Helden und Schurken versammeln soll, um wenigstens ein paar Welten zu retten. Helden vereinigen sich, Welten überlappen sich, man kämpft gegen Schattendämonen, man kämpft gegen den Anti-Monitor, man kämpft gegen Superschurken, viele Helden und Schurken sterben und auch viele Welten. Die fünf verbliebenen Welten fusionieren zu einer. Ende. Und der Anfang von etwas Neuem.

Im Wesentlichen war’s das. Aber das alles ist auf 350 Seiten so breitgetreten und zäh, dass es abwechselnd furchtbar ermüdet, nervt und langweilt. Eine halbe Ewigkeit braucht es, bis die Handlung richtig in Gang kommt. Zu Beginn sehen wir immer dasselbe: Welten, die von Antimaterie-Wolken vernichtet werden und eine Heulsuse mit lila Haaren, die sich selbst bemitleidet. Später sehen wir unzählige Kämpfe unzähliger Figuren, die alle austauschbar sind. Man hat das Gefühl, in jedem zweiten Panel tummeln sich neue Figuren, die alle mal was sagen müssen, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Hauptsache scheint zu sein, dass sie da sind. Der größte Makel ist, dass die Story zu viel will und zu wenig bietet: viel Lärm um nichts.

Vor allem fehlt ihr ein emotionaler Anhaltspunkt: Es gibt keine Hauptfigur und die handlungstragenden Figuren haben keine Tiefe. Einzig die Tode von Supergirl und Flash (Barry Allen) könnten als Höhepunkte durchgehen, den Rest nimmt man gleichgültig hin. Die gefühlt ein Dutzend Tode und Auferstehungen des Anti-Monitors hätte man sich sparen können. Diese Story scheint einfach kein Ende zu nehmen. Zu allem Überfluss ufert sie auch noch in eine Reihe von Binnenhandlungen aus, die bloß angerissen, aber dann in anderen Serien fortgesetzt werden. (Immerhin weist der Autor auf die Hefte hin, die man dafür lesen muss.)

Am Ende bringt es Superman auf den Punkt: „I was expecting more … satisfaction.“ Crisis mag seinen Platz in der Geschichte der Superheldencomics haben. Es hat dem DC-Universum gut getan, dass es von unnötigem und zum Teil lächerlichem Beiwerk befreit wurde (auch wenn mit den Jahren leider vieles wieder aus der Mottenkiste geholt wurde). Aber die Story, die darum gestrickt wurde, liest sich wie eine Pflichtübung, ein reines Mittel zum Zweck. Daher ist Crisis ein Werk, dass man kennen, aber nicht unbedingt lesen muss. Schon gar nicht ein zweites Mal. Ich habe mich damit eine Woche lang rumgequält und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Wahrscheinlich hätte ich sonst selbst die Krise gekriegt …

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Identity Crisis: Ein Universum sucht einen Mörder

Identity Crisis

DC Comics

Titel: Identity Crisis

Autor/Zeichner: Brad Meltzer/Rags Morales

Erschienen: 2004-2005 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2005), dt. Panini 2006 (Paperback)


„It’s the first rule of solving a crime. If you want to know who did it, you need to find out who benefits.“ (Batman)

Ein ungewöhnliches DC-Event. In Identity Crisis geht es nicht um das große Ganze, nicht um böse Mächte aus den Tiefen des Universums, nicht um das Heil der Welt. Nein, der Ansatz ist viel bescheidener: Hier findet das DC-Universum zusammen, um den Mörder einer Frau zu finden. Mehr nicht. Und trotzdem ist es diese Besinnung aufs Wesentliche, die die Stärke dieses Comics ausmacht.

Das Opfer ist Sue Dibny, geliebte Ehefrau von Ralph Dibny, dem Dehnungskünstler Elongated Man (eine Art Plastic Man). Sie wird zu Hause von einem Unbekannten umgebracht und halb verbrannt. Die Erschütterung unter den Helden ist groß: Sue war bei allen beliebt. Doch es geht um mehr: Jemand scheint Jagd auf die Angehörigen der Helden zu machen. Die Kostümträger fürchten, dass ihre Geheimidentitäten aufgedeckt sein könnten und dass ihre Liebsten als nächstes dran sind. Nur wer könnte dahinterstecken? Am Tatort findet sich keine Spur. Da können selbst Superkräfte nur wenig ausrichten.

Doch Identity Crisis ist auch kein gewöhnlicher Krimi. Vielmehr ein Drama um die Kehrseite des Heldentums. Immer mehr Abgründe tun sich auf, wenn man erfährt, was einige Mitglieder getan haben, um ihre wahren Identitäten zu schützen. Es geht um edle Motive, niedere Beweggründe, um das Wegsehen und Weghören, eine Vergewaltigung und kaltblütigen Mord, sowie um Wahnsinn und perfides Kalkül. Am deutlichsten wird aber, dass es unter der Oberfläche nicht um Gerechtigkeit und Solidarität geht, sondern um reinen Eigennutz und Verlustangst. Noch mehr zu verraten, wäre zu viel, denn in jedem Teil passieren neue unerhörte Begebenheiten, die es in sich haben.

Es wird zwar vergleichsweise wenig Action geboten, aber dafür ist die Story so voll von Konflikten und sie werden so wunderbar eindringlich erzählt, die Charaktere sind so plastisch und die Superhelden so menschlich, dass es ein wahrer Genuss ist. Meisterhaft ist die Dramaturgie der Panels, hier wird weniger auf Sensationen und Splash Pages gesetzt als auf das Einfangen zwischenmenschlicher Momente – und sei es auf kleinstem Raum. Autor Brad Meltzer merkt man an, dass er in der Kunst des Thrillers geübt ist – und dieser wortlastige Stil tut der Story sehr gut. Und Zeichner Rags Morales ist mit seinen filigranen Zeichnungen der richtige Mann für die Bilder.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, falls die Auflösung am Ende enttäuschen sollte.

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Wahnsinn und Hölle

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Asylum – Living Hell

Autor/Zeichner: Dan Slott/Ryan Sook

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-6)


„Arkham Asylum is not just any institution for the criminally insane. It’s the Ivy League of insanity. A ‚Harvard‘ for Psychopaths.“ (Dr. Arkham)

Wer Batman lesen will, sollte sich vergewissern, dass auch Batman draufsteht. Tut es hier nämlich nicht. Auch wenn Batman auf dem Cover abgebildet ist. Denn in Arkham Asylum: Living Hell ist die Irrenanstalt der Protagonist. Und die Hölle spielt auch eine wichtige Rolle. Leider. Denn wenn ich eines nicht mag, dann sind es Batman-Storys, in denen Etrigan irgendwelche anderen Dämonen bekämpft. Und besonders wenn Batman dabei nicht viel zu melden hat.

So viel vorab. Den roten Faden der Geschichte bildet Warren White, ein Betrüger, der sich für unzurechnungsfähig erklären lässt, um dem Knast zu entgehen. Doch der Richter schickt ihn nach Arkham. Und dort muss White viele Qualen durchstehen. Seine einzige Hoffnung ist tot bevor er es ahnt. Einzig der dicke Riese Humpty Dumpty erweist sich als Freund. Am Ende geht White aus seiner Opferrolle wieder als Schurke hervor. Zwischendrin ufert die Handlung aus: das Personal ist frustriert, die Insassen proben den Aufstand, Two-Face und Joker kommen frei, Poison Ivy versucht es zumindest, Dr. Arkham selbst greift zur Waffe – was halt so in dieser Anstalt passiert.

Naja, und dann gibt es eben noch die Höllenhandlung. Das Böse kommt frei, weil … nun, weil vielleicht doch etwas dran ist an der alten Vorstellung, dass Geisteskranke von fremden Dämonen besessen sind. Oder, wie es in einem deutschen Schlager heißt, Wahnsinn und Hölle hängen schon immer eng zusammen. In Arkham spuken auch Geister von Toten herum. Warum? Wegen der vielen Leichen im Keller von Arkham wahrscheinlich. Ist auch eigentlich nicht so wichtig und auch gar nicht so interessant. Etrigan erweist sich als ziemlich unfähig. Batman ist bloß eine Randerscheinung in dem ganzen Chaos. Und die Zeichnungen? Ganz okay: bei den Freaks ausdrucksstärker als bei den Normalos, bei Batman selbst langweilig und auch sonst eher gewöhnlich. Ansonsten bleibt trotz der Gewaltorgien kaum etwas nachhaltig im Gedächtnis. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass mich solche Dämonen-Geschichten nicht jucken. Gelungenere Anstaltsberichte sind das spätere Arkham Asylum: Madness sowie der unübertroffene Klassiker von Grant Morrison.

Weitere Arkham-Storys:

 

 

DC: The New Frontier

DC Comics

Deutscher Titel: Neue Horizonte

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2004-2005, Absolute Edition 2006, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2005-2006 (DC Premium Bd. 40-41)


„Mankind needs a new road to travel, carved by the heroes of tomorrow.“ (Phantom Stranger)

Die USA der 50er-Jahre stecken außenpolitisch im Kalten Krieg, innenpolitisch betreiben sie eine Hexenjagd gegen Kommunisten, Superhelden sind per Gesetz verboten – es sei denn sie arbeiten für den Staat. Wie Superman und Wonder Woman, die beim Konflikt in Indochina aufräumen. Doch die meisten anderen sind im Ruhestand – außer natürlich Batman, der als Outlaw weitermacht und sich dabei auch nicht von Superman stoppen lässt. Und dann ist da noch Barry Allen, der zum Flash wird. Und der Marsianer J’onn J’onzz, der in Gotham als Polizist John Jones arbeitet. Und vor allem der Pilot Hal Jordan, der nach einem traumatischen Kriegseinsatz in Korea in ein Raumfahrtprojekt zum Mars eingespannt wird und nebenbei zu Green Lantern wird. Und was hat eigentlich eine Insel voller Dinosaurier damit zu tun?

DC Comics

Autor und Zeichner Darwyn Cooke (Batman: Ego) wollte mit DC: The New Frontier gleich mehreres erreichen: Superhelden in der Realität verorten, eine Brücke zwischen Golden Age und Silver Age schlagen und den Zeitgeist der 50er heraufbeschwören. Immerhin letzteres ist ihm gelungen. Wenn das Buch etwas geworden ist, dann konzentrierte Nostalgie. Auch die Zeichnungen des ehemaligen Storyboard-Zeichners für die Batman- und Superman-Animated-Serien sind voller Ausdruckskraft und Dynamik und vereinen das Beste von Bruce Timm und Jack Kirby. Cooke hat ein gutes Gespür für das Erzählen mit Bildern, auch wagt er einige kleine Experimente. Aber seine Geschichte, die sich über 400 Seiten erstreckt, scheitert an ihrer Ambition. Cooke will einfach zu viel. Dass er sich bei Klassikern wie Watchmen und The Dark Knight Returns bedient, ist dabei nur das geringste Problem.

Patriotismus und Heldenverehrung

Die vielen Schauplätze und Figuren führen dazu, dass in der ersten Hälfte kein roter Faden erkennbar ist und es auch lange Zeit keinen Helden der Geschichte gibt, sondern bloß viele, zu viele Helden, die sprunghaft in kurzen Episoden behandelt werden. Selbst Hal Jordan, der eigentliche Protagonist, geht in der Fülle unter. Superman und Wonder Woman spielen keine große Rolle, selbst Batman nicht, auch wenn er zwei verschiedene Kostüme und sogar einen Robin zur Seite gestellt bekommt.

Im Grunde ist The New Frontier nur am Rande eine Superhelden-Story. Vielmehr geht es um die Menschen, also die Wissenschaftler, Soldaten und Reporter. Cooke will in seiner Geschichte darauf hinaus, dass sich Menschen und Superhelden auf Augenhöhe begegnen: die tapferen Soldaten in ihren Uniformen und die Superhelden in ihren Kostümen und Masken. Jeder dient seinem Land auf seine Weise usw. Aber diese Botschaft, die von viel amerikanischem Pathos aufgetragen wird, erdrückt die Handlung erst recht. Auf dem Höhepunkt darf Superman seitenlang eine Ansprache im Independence Day-Stil halten, am Ende hat John F. Kennedy das letzte Wort mit einer weiteren ermüdenden Rede. Und dann gibt es noch die unsägliche Heldenverehrung, die auf den Splash Pages zum Teil an Propaganda-Plakate erinnert.

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Um auch noch das Thema Rassismus mitzunehmen, wird die Figur des maskierten, hammerschwingenden Rächers John Henry eingeführt, allerdings ohne dass der Held relevant für die Handlung wäre. Diese Binnenerzählung funktioniert in etwa wie Tales of the Black Freighter in Watchmen, allerdings wirkt sie wie zu viel des Guten. Genauso wie die obligatorische Sequenz mit Spectre, Dr. Fate und Phantom Stranger, die wie üblich von oben herab über das Schicksal der Menschheit räsonnieren.

Superhelden in der Realität?

Auch das Konzept, den Helden einen Platz in der Zeitgeschichte zu geben, geht nicht auf. Die Botschaft „neue Zeiten brauchen neue Helden“ sagt weder etwas über die Realität aus, noch bereichert sie den Superheldencomic. Wenn am Ende alle zusammen gegen eine abstrakte Mega-Gefahr kämpfen, die aussieht wie ein riesiger Kuhfladen und die einem Spacetrips mit Selbsterkenntnis beschert wie in 2001: Odyssee im Weltraum, ist der Erkenntnisgewinn mager – sowohl für das Verständnis der Historie als auch der Gegenwart. Es rechtfertigt nicht die Paranoia des Kalten Krieges gegenüber dem Fremden und es erklärt nicht die Rolle von Helden. Wie jeder Versuch, Superhelden und Realismus miteinander zu verbinden, scheitert dieser Ansatz. Und er funktioniert nicht annähernd so gut wie seine Vorbilder.

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The New Frontier ist zwar mit Lob und Preisen überschüttet worden, für mich (einem großen Darwyn Cooke-Fan) war es eine bittere Enttäuschung. Immerhin ist die aufwendige Deluxe Edition sehr schön aufgemacht und bietet viele hübsch anzusehende und informative Extra-Seiten.

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In einem gesonderten Special – ebenfalls in der Ausgabe enthalten – wird der Kampf zwischen Batman und Superman nachgetragen. Die Episode gehört noch zu den besten, auch wenn sie zu stark bei The Dark Knight Retuns abgeguckt ist. Denn immerhin nimmt sie eine überraschende Wendung.

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Dem Katzenweib geht’s an den Leib

Titel: Catwoman – Guardian of Gotham (dt. Catwoman – Die dunkle Ritterin)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Balent

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2), dt. Dino Verlag 2000 (Batman Sonderband 7)


„… ich kriege immer meinen Mann.“ (Catwoman)

Was wäre, wenn Catwoman die Beschützerin von Gotham wäre und Batman ihr Erzfeind? Dann wäre wohl alles mehr oder weniger so wie sonst auch im Batman-Universum, nur eben andersrum. Aber vor allem wäre alles um einiges mehr sexy und voller Katzen. So könnte man die Antwort zusammenfassen, die Doug Moench und Jim Balent für dieses Elseworlds-Szenario gefunden haben.

Selina Kyle kämpft gegen den Joker, Killer Croc und Two-Face, bis ein gewisser Batman auftaucht und alle Schurken mit seinen überdimensionierten Batarangs umlegt. Warum? Weil er’s kann. Und weil er böse ist. Abgrundtief böse. Und damit daran auch kein Zweifel besteht, sind selbst seine Fledermausohren gezackt und seine Augen rot. Als er entdeckt, dass Selina Kyle Catwoman ist, entwirft er einen teuflischen Plan: Er verführt Selina als Bruce Wayne, um sie später zu ermorden und zu beerben. Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen heiratet Selina Bruce Wayne – obwohl er ihr nicht einmal verraten will, was er eigentlich nachts treibt. Und sie schöpft auch keinen Verdacht. So nimmt der Unfug seinen Lauf. Bis hin zu solchen Sätzen wie: „Er ist wahnsinnig … hat den eigenen Handschuh abgeschnitten, damit ich in den Tod stürze …“

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Gotham After Midnight: Ein herzergreifender Mörder

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham After Midnight (dt. Mitternacht in Gotham)

Autor/Zeichner: Steve Niles/Kelley Jones

Erschienen: 2008-2009 (Mini-Serie #1-12; Paperback 2009), dt. Panini 2008-2009 (DC Premium)


„Gotham City after dark is a dangerous place. Gotham City after midnight is hell on earth.“

„It’s nothing to take a life and everything to save one, Jim.“

Ein neuer Serienmörder versetzt in Gotham in Angst: Midnight, ein Maskierter mit Zylinder und Totenkopfgesicht, reißt Straftätern bei lebendigem Leibe das Herz heraus. Auch andere Schurken wie Scarecrow, Man-Bat, Killer Croc, Joker, Clayface, Catwoman und ein gewisser Axe-Man sind involviert, allerdings auf ungewohnte Weise und unfreiwillig beeinflusst. Batman blickt nicht durch, was es mit Midnight auf sich hat, der ihm stets einen Schritt voraus ist. Parallel dazu verliert Bruce Wayne sein Herz (im übertragenen Sinn) an die Polizistin Detective April Clarkson, eine idealistische Verbrechensbekämpferin, die ebenfalls ihren Vater durch einen Mord verloren hat.

Das Grundprinzip der Story erinnert stark an die beiden Klassiker The Long Halloween und Dark Victory: Auch in Gotham After Midnight wird ein Serienmörder mit einer besonderen Masche gesucht, während einmal die Rogue’s Gallery abgeklappert wird, auch hier finden Schlüsselereignisse an Feiertagen wie Halloween, Weihnachten, Silvester oder Valentinstag statt. Und trotzdem wird genug Neues geboten, was den Kenner bei Laune hält: Da ist zum einen der Hauptschurke, der im Gegensatz zu den anderen genannten Geschichten, in Erscheinung tritt und dabei eine schön theatralisch-düstere Figur abgibt. Da gibt es einen Kampf zwischen einem Riesen-Clayface und einem Batman-Roboter, bei dem ein paar Häuser zerstört werden. Der eigentliche Höhepunkt ist eine herrlich absurde Halloween-Szene, bei der Batman einfach so die Straße entlangflaniert, weil er unter allen Verkleideten nicht auffällt. Dass er dabei auch einen alten Bekannten wiedertrifft, zeugt von einer genialen Selbstironie.

Meister der Übetreibung

Alles in dieser Story ist zu viel, hier werden alle Register der Batman-Orgel gezogen. Gesteigert wird das Szenario von den Zeichnungen: Künstler Kelley Jones übertrifft sich als Meister der Übertreibung. Abgesehen von der üblichen langen Ohren der Batman-Maske, dem meterlangen wallenden Umhang und den vielen Schatten, zeigt sich Batman in fast jedem Panel in einer anderen dramatischen Pose. Jones kreiert beeindruckende Splash Pages, in denen sich Handlung und Symbole verdichten. Außerdem gibt es drei Batmobile, zwei davon mit Raketenantrieb, eines kurioser als das andere, selbst ein motorisiertes Einrad kommt zum Einsatz.

Trotz der Verspieltheit hat die Story eine eigene Ernsthaftigkeit und Dynamik, sodass man sie mit Spannung verfolgt – bis zu einem überraschenden Ende. Da verzeiht man ihr auch die Logiklücken oder langen Monologe von Batman am Ende oder von Alfred, der ermüdend die Moral von der Geschichte ausbreitet. Gotham After Midnight bietet alles, was man von einer Batman-Geschichte erwarten kann. Es ist nicht die stille Klasse von Loeb/Sale, aber das Schrille von Niles und Jones hat auch eine nicht zu verachtende Qualität.

>> Batman 2000-2011

Pantheon und Pandämonium

Titel: Justice League: Gods and Monsters – Genesis

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Thony Silas

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-9, digital)


„Monsters aren’t born, they’re made.“

„They’re a disease. And, God help us … we need to find a cure.“

Seit Superman, Batman und Wonder Woman aufgetaucht sind, hat sich die Welt verändert: Skrupellose Übermenschen, die selbstgerecht gegen Kriminelle vorgehen und die mit ihren Blicken einäschern oder ihr Blut trinken – die Menschheit ist verunsichert. In dieser Zeit verkündet der Wissenschaftler Jackson Alpert einen Durchbruch: er hat es in seiner Schweizer Forschungsstation geschafft, aus Menschen zu Übermenschen zu machen: die Forever People. Sein Ziel ist es, die ganze Welt von Krankheit, Tod und Leid zu befreien, leider zu einem hohen Preis. Und dabei versucht er, die drei Superhelden für sich zu gewinnen.

Erst sind sie skeptisch, doch dann entdeckt jeder einen anderen Reiz für sich: Wonder Woman (Bekka) sieht eine Chance für den Weltfrieden. Batman (Kirk Langstrom) will seinen Vampirismus loswerden. Bei Superman (Hernan) kratzen die Übermenschen am Ego: er kann sich nicht mehr als das mächtigste Wesen auf der Welt fühlen. Also unterzieht er sich einer Prozedur, um seine Kräfte noch zu steigern. Doch dadurch wird vieles nur noch schlimmer. Im weiteren Verlauf gibt es nicht nur eine ganze Armee von Supermenschen, die untereinander Krieg führen, sondern auch Alpert wird schließlich zu einem scheinbar unbesiegbaren Über-Gegner.

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