Batman (Comic-Serie)

Die erste Comic-Serie, die allein Batman gewidmet ist, erscheint seit 1940.

Todbringendes Eis

DC Comics

Titel: Frozen Assets

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1995 (Batman #525), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Mal wieder die Sache mit dem ewigen Leben dank Eis. Mal wieder der Helm. Mal wieder ein Kühlschrank. Mal wieder Poesie.

Mister Freeze verspricht drei alten Menschen, ihr Leben einfrieren zu können, bis die Wissenschaft den Tod besiegt hat. Doch seine Motive sind nicht edel: In Wahrheit schert er sich nicht um ihr Wohlergehen, sondern will nur an ihr Geld. Die drei kennen Freeze’s kriminelle Vergangenheit und trauen ihm nicht. Daraufhin besucht er einen nach dem anderen von ihnen mit der Frostkanone. Als ob es nicht schon reichen würde, dass er Eisberge als Spuren hinterlässt, hat sich Freeze jetzt auch Visitenkarten zugelegt, auf denen „0°“ (null Grad) steht – soll wohl besonders cool sein.

Batman und Robin kommen dem Mörder auf die Spur (wie schnell das immer gehen kann, wenn Schurken so dick auftragen), Batman zerschlägt im Kampf wieder Freezes Helm und setzt ihn in einen Kühlschrank. Ist ihm nicht kalt genug. Aber ein Verlierer muss nehmen was kommt. Dem Schurken ist einfach nicht zu helfen, wenn er nicht aus seinen Fehlern lernt und endlich in bruchsicheres Glas investiert.

(Autor Doug Moench bringt wieder seine Vorliebe fürs Dichten ein, indem er die zwei Handlanger, die Ice und Cube heißen, miteinander reimen lässt. Soll wohl ein Comic Relief sein, nervt aber unglaublich.)

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Eiskalte Rache

DC Comics

Titel: The Glacier Under Gotham

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1984 (Batman #375), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Mister Freeze ist frustriert. Seine Verbrecherkarriere war bisher ziemlich erfolglos. Im Grunde ist er – trotz des Namenswechsels – immer der gleiche Mister Zero geblieben, eine Null. Da halfen auch weder Branchen- noch Stilwechsel. Jetzt will er nur noch Rache. Und die serviert man bekanntlich – Achtung Kalauer! – am besten eiskalt. Gotham City soll eingefroren werden. Weil ihm die Fantasie offenbar nicht genug ist, engagiert er erstmal einen Zeichner, der das Vorhaben erstmal auf Papier inszenieren soll, bevor es in die Tat umgesetzt wird. Da Mister Freeze zwar eine große Eiskanone gebaut hat, die aber immer noch nicht groß genug ist für sein Projekt, nutzt er die Waffe zunächst einmal für einen spektakulären Bankraub. Batman und Robin (Jason Todd) kommen vorbei, folgen der Eisspur und verhindern Schlimmeres, retten zwei Jungfern in Nöten und Batman bekommt einen Kuss als Belohnung.

Eigentlich ziemlich unspektakulär. Freeze legt eine ziemlich erbärmliche Performance hin. Damit man das gleiche nicht über Autor Doug Moench sagen kann, hat er sich die Mühe gemacht, das kurze Abenteuer mit einem Gedicht auszuschmücken, in das die banale Handlung gebettet ist. Das Profane im Kleid des Poetischen – das ist etwas albern und rettet diesen Charakter nicht vor der Unglückseligkeit.

(Das Cover, das Robin im Eis zeigt, hat nichts direkt mit der Geschichte zu tun, deutet aber an, dass Bruce Wayne das Sorgerecht für Jason Todd verlieren wird, aber das ist eine andere Geschichte.)

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Batman wird zum Eis-Zombie

DC Comics

Titel: There’ll Be a Cold Time in the Old Town Tonight!

Autor/Zeichner: Len Wein/John Calnan

Erschienen: 1979 (Batman #308), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Nachdem seine Ansätze als Bankräuber und Kunstdieb gescheitert sind, hat Mister Freeze bei seinem dritten Versuch eine neue Mission: Ewige Jugend durch Frost. Er verspricht sie reichen Leuten, die lassen sich naiverweise von ihm einfrieren, aber weil ihre Hirne dabei Schaden erleiden, werden sie zu Eiszombies, die ihm willenlos dienen. Doch das ist nur Mittel zum Zweck: denn Freeze hat sein kaltes Herz für eine junge, schöne Frau erwärmt: Hildy. (Die steht aber gar nicht auf ihn, sondern benutzt ihn nur.)

Batman kommt dem Schurken auf die Spur und es kommt, wie es auch die Male davor gekommen ist: Er wird auf Eis gelegt. Batman wird also selbst zum Eiszombie! Wer jetzt enttäuscht ist, wie schlecht Batman – im Vergleich zu früher – vorbereitet ist, der irrt. Denn statt Streusand und einer integrierten Heizung hat er Make-up dabei, um sich weiß anzumalen, damit er wie ein Eiszombie aussieht und so Freeze täuschen kann. Fragt sich nur, wann und wie er das schafft – ganz zu schweigen davon, woher er von den Eiszombies weiß. Naja, im Zweifel gilt: weil er halt Batman ist …

Am Ende ist die Lösung ganz einfach: Ein Schlag gegen Freeze’s Helm, den er immer noch trägt, obwohl er schon beim ersten Auftritt als geheilt galt. Der ist nämlich nicht aus Panzerglas, wie seine Eiskammern. Egal: Schicker Anzug übrigens, der nicht nur besser den eiszapfenförmigen Körper betont, sondern in weiß-blau mehr der Eis-Ästhetik enspricht. Aber hilft alles nix, wenn man am falschen Ende spart …

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Mister Freeze fängt bei Null an

DC Comics

Titel: The Ice Crimes of Mr. Zero

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #121), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Got to keep rocking! … It’s … our only chance …“ (Batman)

Bevor Mister Freeze der gefühlskalte Griesgram und kriminelle Dauermelancholiker war, den wir aus The Animated Series kennen und lieben, hat er als lächelnder Mr. Zero angefangen. Zunächst ist er bloß ein Wissenschaftler, der bei der Entwicklung einer Eiskanone mit einem Gas kontaminiert wurde, sodass er nur noch Temperaturen unter Null erträgt. Seitdem muss er einen seinen Anzug tragen, der zwar noch grün-rot ist, aber schon den charakteristischen Glashelm hat. Allerdings erklärt der tragische Unfall nicht seine Vorliebe fürs Verbrechen.

Mr. Zero zieht nämlich getarnt im Eiswagen umher, um Raubüberfälle zu begehen. Batman und Robin kommen ihm sofort auf die Spur, weil kurz nach dem Raub nicht die Polizei kommt, sondern zunächst das Batsignal leuchtet und das Dynamische Duo wie durch ein Wunder sofort am Tatort ist. Naja, egal: die beiden erleben jedenfalls ihr kaltes Wunder, als ihre Verfolgungsjagd von einem Eisstrahl unterbrochen wird.

Beim zweiten Mal werden sie von Zero in Eisklötzen gefangen genommen. Batman befreit sich und Robin, indem er von innen heraus den Klotz bewegt. Mr. Zero muss beim Vereisen zu viel Bewegungsraum gelassen haben. Die Blöcke brechen, dann gibt’s nach althergebrachter Art für den Schurken was aufs Maul. Aber statt Schmerzen spürt er große Freude: Dank der Dämpfe, das Batman aus Leitungen gelassen hat, ist Mr. Zero von seiner Kältesucht geheilt. Eine einfache Dampfkur hätte also alle Verbrechen verhindern können. Batmans Kommentar: „That steam treatment must have changed you back to normal! Now we’ll see if the law can straighten out your distorted mind!“ Wie wir wissen, wird das nicht so gut klappen. Aber immerhin wird erstmal für die nächsten neun Jahre Ruhe sein – bis Mr. Zero als Mr. Freeze zurückkehrt.

Und nun zum Abschluss ein wenig Musik, passend zum Thema Rocken bei Kälte:

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Der Preis des Zweifels

DC Comics

Titel: Face the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Don Kramer, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2006 (Detective Comics #817-820, Batman #651-654), Paperback 2006, Deluxe Edition 2017


„Better than sex. Better than heroin.“ (Harvey Dent)

Vor einiger Zeit fragte mich ein Leser dieses Blogs, der sich über meine Kritiken ärgerte, warum ich überhaupt noch Batman-Comics lese, wenn ich so viel daran auszusetzen hätte. Die Antwort ist einfach: Ich liebe Comics, ich liebe die Figur und daher interessieren mich auch die Geschichten. Leider können bei der Masse davon aber nur die wenigsten richtig gut sein. Was aber macht eine gute Batman-Story aus?

Wie bei vielen Lesern setze ich den Maßstab bei den prägendsten Comics an: The Dark Knight Returns und Year One, bei The Long Halloween und Dark Victory. Die besten Geschichten sind nicht nur spannend oder überraschend, sie werden auch dem Charakter und dem Medium Comic gerecht. So eine Geschichte ist Face the Face.

James Robinson (Autor des Juwels Blades) beschränkt sich auf ein Thema: Nach einem Jahr Abwesenheit (nachzulesen im Event 52, das auf Infinity Crisis folgt) sind Batman und Robin (Tim Drake) wieder zurück in Gotham. In der Zwischenzeit hat Harvey Dent, der chirurgisch und psychologisch von Two-Face befreit wurde, auf die Stadt aufgepasst. Doch kaum ist Batman wieder da, tötet ein Unbekannter Superschurken – und alles spricht dafür, dass Dent wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Obwohl wir einen Gang durch die Rogues Gallery bekommen (Poison Ivy, Scarecrow, Scarface, Killer Croc), bleiben diese Figuren nebensächlich und die Geschichte verliert nie ihren Fokus: das Verhältnis zwischen Batman und Dent. Wir sehen, wie mit jedem neuen Mord und Indiz der Zweifel an der Rechtschaffenheit des Geläuterten wächst – und man wünscht sich, dass Dent doch noch die Kurve kriegt, auch wenn man ahnt, dass der Wandel zum Guten nicht von Dauer sein kann. Der Zweifel sät aber Misstrauen und daraus erwächst das Böse. Der eigentliche Höhepunkt ist Dents Kampf gegen den eigenen Dämon, den er in jedem Spiegel sieht. (Die Rehabilitation von Two-Face ist übrigens eine sehr alte Idee, die schon 1943 in The End of Two-Face durchgespielt wurde, 1996 erneut in Batman Black and White.)

Robinson gibt den Charakteren und der Handlung genug Raum, sich zu entfalten, jedoch ohne Seiten zu schinden. Ihm ist es wert, auch mal die Panels für sich sprechen zu lassen. Auch wenn in einer Sequenz mal nichts passiert. Oder so gut wie. Da wird zum Beispiel eine Seite für eine Sequenz aufgewendet, um zu zeigen, wie Tim Drake einen Bleistift zerbricht – und es wird klar, wie sehr er um seinen toten Vater trauert (siehe Identity Crisis). Ohne Worte wird hier die Tragik der Figur deutlich, was die spätere Adoption durch Bruce Wayne emotional vorbereitet. Auch der Polizei wird die nötige Aufmerksamkeit zuteil: Der wieder als Commissioner eingesetzte James Gordon kann aus Sorge um seine Stadt nicht schlafen, Harvey Bullock bekommt eine zweite Chance, nachdem er der Korruption überführt wurde.

Trotz verschiedener Zeichner wirkt das Werk auch visuell wie aus einem Guss. Es geht nicht allein um ausdrucksstarke Panels mit dynamischen Figuren und überwältigende Bildarrangements, sondern vor allem um eine düstere Grundstimmung, wie man sie von Gotham erwartet. Auch wenn es an Action nicht mangelt: Was Batman ausmacht, wird hier im Stillen zelebriert.

Seit Jahren war Face the Face vergriffen – und es war eine Schande, dass DC es nicht neu aufgelegt hat. Das wurde jetzt mit einer Hardcover-Deluxe Edition nachgeholt. Es war längst überfällig. Denn diese Story gehört zu den besten Batman-Comics der 2000er Jahre. Deswegen liest man überhaupt Batman.

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Hals- und Kreuzbruch

DC Comics

Titel: I Am Suicide (dt. Selbstmord-Trip)

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Mitch Gerads

Erschienen: 2017 (Batman #9-15), Paperback 2017 (Batman Vol. 2); dt. Panini 2018 (Paperback)


„Now, we break his damn back.“ (Batman)

Um Gotham Girl von ihrem Angst-Trauma zu heilen, will Batman den Psycho Pirate herbeischaffen. Doch der Schurke steht gerade Bane auf Santa Prisca zu Diensten. Statt seine Kumpels anzurufen, trommelt Batman eine Bande von Arkham-Insassen zusammen, eine eigene Suicide Squad, bestehend aus Catwoman, dem Bauchredner und drei anderen Nasen, von denen man noch nie gehört hat.

Bane hat es dank Psycho Pirate geschafft, von der Droge Venom runterzukommen. Er fühlt sich so frei, dass er auch ohne Wrestlermaske und Kleidung auskommt, also Batman nackt begrüßt. Batman führt einen komplizierten Plan mit einem Doppelbluff aus, bei dem er hals- und kreuzbrecherisch von einer Situation in die nächste stolpert und sich dabei gegen hunderte von Schergen prügelt, während er gebetsmühlenartig seine Drohung wiederholt, Banes Rücken zu brechen. Doch zunächst darf ihm Bane einmal mit dem Knie ins Kreuz fallen, weil das nun mal sein muss, wenn Batman gegen Bane antritt, aber das ist nur halb so wild und lässt sich nebenbei schnell wieder einrenken.

Viele Doppelseiten ließen das Ganze nach Seitenschinderei aussehen, wenn sie nicht von Mikel Janin stammten. Der Zeichner, der bereits das Batman Rebirth Special gezeichnet hat, behauptet sich hier wieder mal als wahrer Künstler. Seine Figuren sind voller Leben und Ausdruckskraft, seine aufwendig komponierten Seiten strotzen vor Dynamik.

Worum es in I Am Suicide aber eigentlich geht, ist die Beziehung zwischen Catwoman und Batman. Zwei Kapitel lang erstreckt sich ein Briefwechsel zwischen den beiden, bei dem auch erklärt wird, warum Selina Kyle zu Unrecht des Massenmords beschuldigt wird, am Ende bekommen sie ein bisschen Zeit für Liebesspiele auf dem Dach, bevor Catwoman wieder in den Knast zurück muss. Das ist schön erzählt und eröffnet einen weiteren Handlungsbogen.

Wie schon I Am Gotham macht die Fortsetzung kurzweilig Spaß, bietet mächtig Action und sogar Humor, aber ein abschließendes Urteil hängt davon ab, wie es in Teil 3, I Am Bane, zu Ende geht.

>> Batman 2011-2019

Joker und Riddler sind sich nicht grün

„The Riddler is tired of Jokes. The Joker is tired of riddles“, schreibt Tom King bei Twitter. Der Autor der Batman-Serie kündigt damit seine neue Story an: The War of Jokes and Riddles, einen Achtteiler, der am 21. Juni 2017 in Batman #25 beginnt. Die Zeichnungen werden von Mikel Janin stammen.

Die Geschichte spielt ein Jahr nachdem Batman seine Karriere begonnen hat (Zero Year). „A year after he began, Batman thinks he understands the pain and power of Gotham. And the war comes, and he learns he knows nothing.“ Dabei soll Gotham gespalten und zerstört werden. Wie auf einem der Cover zu sehen ist, werden dabei auch viele andere klassische Schurken wie Scarecrow, Mad Hatter, Pinguin und Two-Face eine Rolle spielen.

War Games: Tausend Seiten Langeweile

Titel: War Games Vol. 1-2 (früher: War Drums, War Games, War Crimes)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2004-2005; Paperbacks 2004-2006 (5 Bände), 2015-2016 (2 Bände); dt. Panini 2005 (diverse Hefte)


„War is not a game. It’s an abomination. And this must be stopped.“ (Batman)

Die Kurzfassung: Ein Bandenkrieg bricht in Gotham aus, Black Mask übernimmt die Unterwelt.

SPOILER: Stephanie Brown wird zu Robin, wird aber schnell gefeuert und stirbt bald darauf, nachdem sie von Black Mask gefoltert wird.

Bilanz: Zwei Bände mit über 1000 Seiten, auf denen zu wenig Spannendes passiert – verschwendete Lesezeit.

Die ausführliche Fassung:

Tim Drake hat keine Lust mehr. Er hat als Robin hingeschmissen. Ein Ersatz muss her, da steht auch schon die erste Aspirantin auf das Amt des Wunderknaben bereit: Stephanie Brown, Tochter des Schurken Cluemaster, ehemals als Spoiler unterwegs. Kaum bricht sie in die Bathöhle ein und steht im selbstgenähtem Kostüm vor Batman, ist sie engagiert. Bei Tim hat Batman noch gezögert und mit sich gehadert, immerhin war gerade erst Jason Todd im Einsatz draufgegangen. Aber beim ersten Mädchen in der Rolle scheint er keine Skrupel zu haben. Warum, erfährt man später: sie ist bloß Kanonenfutter.

Ja, ich weiß: strenggenommen ist Stephanie nicht der erste weibliche Robin. Vor ihr gab es Carrie Kelley, allerdings nur im alternativen Universum von The Dark Knight Returns (auch wenn sie kürzlich Eingang in den Kanon fand, aber das ist eine andere Geschichte). Spoiler-Robin ist aber die erste in der regulären Continuity. Es ist allerdings bezeichnend: Wenn Robin ein Mädchen wird, dann nur für kurze Zeit. So geht Stephanie Brown leider nur als Fußnote in die Comic-Geschichte ein. Alfred Pennyworth kommentiert das so:

„One has difficulty adjusting to the recurrent personnel changes, what with Robin, and the Robin before her …“

Die Handlung von War Games lässt sich Zeit. Das erste Drittel (ursprüglich War Drums genannt) baut nur allmählich die Geschichte in Gang. Ein Gang-Krieg hier, Mr. Freeze da, eine Pest frisst Menschen auf, der Pinguin macht Waffendeals, Robin darf sich beweisen und wird nach ein paar Tagen gefeuert, während Tim Drake Liebeskummer hat und sich woanders Trost sucht. Kurz gesagt: ziemlich schleppend und belanglos.

Nach diesem zähen Auftakt geht die eigentliche War Games-Story los. Nachdem es bei einem Treffen der Gangster-Bosse zu einer Schießerei kommt, bei der die meisten getötet werden, bricht ein Bandenkrieg in der ganzen Stadt aus. Das Treffen hat Stephanie Brown einberufen, um Batman zu beweisen, das sie das Verbrechen in Gotham beseitigen kann. Falsch gedacht, es endet in einer Katastrophe. Auch für sie. Und auch narrativ. So wird das Lesen selbst zum Kampf.

Der erste Akt von War Games, mit dem der erste Band (500 Seiten!) schließt, ist nichts als eine große Prügelei:

  • Batman vermöbelt Gangster
  • Nightwing vermöbelt Gangster
  • Catwoman vermöbelt Gangster
  • Robin vermöbelt Gangster
  • Batgirl vermöbelt Gangster
  • neue Heldinnen wie Onyx und Tarantula vermöbeln Gangster

Eintönig? Ja, so ging es mir auch. Aber so geht es im zweiten Band (600 Seiten!) weiter. Bis irgendwann endlich der Hauptschurke auftaucht: Black Mask. Zu lange hält man mit ihm hinterm Berg, dann ist er plötzlich da, ohne großen Auftritt – und als Batman dahinterkommt, ist es keine Überraschung mehr, weil der Leser es längst weiß, ohne dass er selbst rätseln musste. Das hätte man eleganter lösen können. Aber immerhin ist Black Mask, ein grausamer, sadistischer wie wortgewandter Schurke, das Einzige an dieser Story, das Interesse weckt.

Alles weitere ist entbehrlich. Zu viele Charaktere tummeln sich da (Hush! Deadshot! Scarecrow!), die die dünne Story mehr mit unnötigen Schlägereien ausbremsen als sie voranzubringen. Batman wirkt mal wieder sehr unsympathisch, weil herrisch, als er auch noch der Polizei vorschreiben will, was sie zu tun hat, und danach bei ihr in Ungnade fällt. Dabei ist die eigentlich spannende Prämisse, dass der Mann, der an alles gedacht hat, unfreiwillig zum eigentlichen Auslöser der Krise wird. Aber hier wird die Idee verschenkt.

Der Schlussteil, War Crimes, ändert an dem Gesamteindruck wenig: er liest sich wie ein Epilog, der sich noch mehr zieht als das Ende von Herr der Ringe III. Das Finale enttäuscht, Black Mask und Joker gehen in einer Seitengasse wegen einer Nichtigkeit aufeinander los, Batman mischt sich ein, es geht kindisch zu wie auf dem Pausenhof. Da kann auch die überraschende Wendung am Ende nicht mehr helfen. Sie braucht uns ebenso wenig zu jucken wie die über 1000 Seiten davor.

>> Batman 2000-2011

Monströses Desaster

DC Comics

DC Comics

Titel: Night of the Monster Men (dt. Die Nacht der Monster-Menschen)

Autor/Zeichner: Steve Orlando, Tom King, James Tynion IV, Tim Seeley/Riley Rossmo, Roge Antonio, Andy MacDonald

Erschienen: 2016 (Batman #7-8, Nightwing #5-6, Detective Comics #941-942), Hardcover 2017, dt. Panini 2017


„I don’t run from my monsters. I embrace them.“ (Batman)

Vier riesige Monster fallen über Gotham her  und zerstören sinnlos die Stadt. Batman und seine Familie (Batwoman, Nightwing, Clayface, Spoiler, Orphan, Gotham Girl, Duke Thomas) halten sie auf. Dahinter steckt Hugo Strange. Und die einzige Frage, die sich ständig aufdrängt: Warum ruft niemand die Justice League zur Hilfe? Die darf erst am Ende aufräumen helfen. Seltsam.

Das erste Batman-Event im Rebirth-Zyklus enttäuscht durch eine langweilige Prämisse (Riesenmonster? Gähn!) und eine banale Story mit noch banalerem Finale. Hier wurden die bisherigen klassischen Geschichten um Hugo Strange (Batman and the Monster Men, Prey, Strange Apparitions) zu einer vermischt und nur dadurch gesteigert, dass die Monster noch größer, fieser und … monströser gemacht wurden. Aber das führt bloß dazu, dass die Helden zu Katastrophenhelfern werden und vor lauter Action jegliche Psychologie auf der Strecke bleibt, obwohl die Monster angeblich für Batmans Ängste stehen sollen. Da hilft es nichts, dass Hugo Strange ein verrücktes Universalgenie ist und im Batman-Kostüm auf einem Thron aus Psychologie-Büchern sitzt – am Ende siegt der Held, ohne dass es zu einem richtigen Duell gekommen ist.

Grafisch bleibt Night of the Monster Men so durchschnittlich wie seine Geschichte. Was aber irgendwann zu viel wird, ist diese knallbunte Kolorierung, vor allem der penetrante Pink-Stich am Ende. Mit Rebirth will DC ja wieder mehr Optimismus in die Comics bringen, aber das ist eindeutig zu viel des Guten. Es täte den Comics besser, in neue Ideen zu investieren.

Was bisher geschah:

Batmans neue Super-Freunde

DC Comics

DC Comics

Titel: I Am Gotham (Batman Vol. 1) (dt. Ich bin Gotham)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch, Mikel Janin, Ivan Reis u.a.

Erschienen: 2016 (Batman #1-6, Batman Rebirth #1), Paperback 2017, dt. Panini 2017 (Paperback)


„Who’s going to catch you in Gotham?!“

Jede Stadt hat ihre Beschützer: Metropolis hat Superman, Gotham hat Batman – aber was, wenn über Gotham plötzlich ein Flugzeug abgeschossen wird, es auf die Stadt zurast und kein Superman helfen kann? Dann ist Batman ziemlich aufgeschmissen. Mit technischen Tricks kann er vielleicht das Schlimmste verhindern, aber nicht mehr sich selbst retten. Doch in so einer Situation tauchen aus dem Nichts zwei fliegende Superhelden auf und gehen Batman zur Hand: sie nennen sich „Gotham“ und „Gotham Girl“ und tragen diamantförmige Symbole mit einem G in Frakturschrift auf der Brust.

Nicht gerade einfallsreich, zugegeben. Und der beste Detektiv der Welt kommt auch schnell hinter die Masken der beiden Neulinge und stattet ihren Eltern als Matches Malone einen Besuch ab. Wie dem auch sei: die Geschwister Gotham haben die nobelsten Absichten – und Batman vertraut ihnen auch ohne große Erklärungen über ihre Herkunft und Beweggründe. Er verlässt sich wohl auf seinen Instinkt. Und so arbeitet das Dynamische Trio zusammen mit dem Azubi-Robin Duke Thomas, der noch Dauerdienst in der Bathöhle schieben muss, bevor er ins gelbe Kostüm steigen darf. (Wer Duke ist, erfährt man im Prolog von Batman Rebirth #1, mit dem der Band beginnt, der aber auch in Batman Vol. 10: Epilogue und Detective Comics Vol. 9: Gordon at War enthalten ist.)

Passend zum Zeitgeist der Realität haben die Helden vor allem mit Terrorismusbekämpfung zu tun: in Gotham sind Selbstmordattentäter mit Bomben unterwegs und verbreiten die Botschaft der Furcht. Auch Solomon Grundy darf mal wieder beim Chaos mithelfen. Dahinter stecken aber Hugo Strange und der Psycho Pirate (siehe Crisis on Infinite Earths) – aber was Strange vorhat, das wird hier noch nicht geklärt.

Der neue Batman-Autor Tom King (der neben Grayson auch die grandiose Irak-Kriegs-Serie Sheriff of Babylon geschrieben hat) legt mit I Am Gotham einen furiosen Start hin: einfallsreich und voller Humor, die Tradition im Blick, aber auch stets ironisierend. Damit erweist er sich als würdiger Nachfolger von Scott Snyder. Allein das erste Kapitel, in dem Batman das Flugzeug umzulenken versucht, ist auch dann äußerst spannend, wenn man weiß, worauf es hinausläuft. Weitere Highlights: Alfred im Batman-Kostüm und eine Reihe geschrotteter Batmobile. Zeichner David Finch (Batman: The Dark Knight und Forever Evil) liefert eine solide Arbeit mit typisch klaren Linien und einigen prachtvollen Splash-Pages hin, auch wenn die Mimik seiner kraftstrotzenden Figuren nicht immer überzeugt. Er ist kein so einfallsreicher Künstler wie sein Vorgänger Greg Capullo.

Allerdings ist die Story etwas zu sprunghaft, ein paar Seiten mehr hätten ihr gut getan, dafür endet sie im Grunde schon nach fünf von sechs Kapiteln, der Schluss ist bloß ein etwas sentimentaler Epilog, der für die Trauerbewältigung von Gotham Girl verschenkt wurde. Und vor allem liest sich I Am Gotham nicht so sehr wie eine abgeschlossene Geschichte, sondern bloß wie ein Auftakt zu Größerem: Darin angelegt sind bereits das Crossover Night of the Monster Men sowie die Fortsetzungen I Am Suicide und I Am Bane. Wie gut die Stücke zusammenpassen, werden wir später beurteilen müssen.

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