Batman (Comic-Serie)

Die erste Comic-Serie, die allein Batman gewidmet ist, erscheint seit 1940.

Harvey Dents schlechtes Gewissen

DC Comics

Titel: Half an Evil

Autor/Zeichner: Denny O’Neil/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #234), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar: Two-Face, der klassische Schurke, der schon 1942 debütierte, tauchte 17 Jahre lang nicht mehr in Batman-Comics auf. Zwischen 1954 und 1971 gab es nur eine kleine Ausnahme, aber die zählt nicht, weil sich da Batman in seinen Erzfeind verwandelt hat (World’s Finest #173).
Denny O’Neil holte Anfang der 70er die alte Garde wieder hervor. Noch vor dem Joker (1973) kam Two-Face dran. Die Story dazu ist allerdings enttäuschend unspektakulär: Zuerst lässt Two-Face einen großen Hot-Dog-Luftballon von einer Parade stehlen (weil bekanntlich nur Würste zwei Enden haben), dann das Tagebuch von Captain Bye (wegen des Namens, der wie das Präfix bi- ausgesprochen wird). In dem Buch steht, wo ein altes Schiff mit Schatz versunken ist, mit dem Ballon lässt es Two-Face nach oben treiben.

Als Batman ihm auf die Spur kommt, wird er hinterrücks von Two-Face ausgeknockt, kommt aber frei, weil er den alten Muskel-Anspannungs-Trick anwendet. Der Schurke haut mit der Beute in einem Paddelboot ab. Das Interessante an der Geschichte ist das Ende: Two-Face wird durch sein Gewissen ausgeschaltet. Weil durch das unvermeidliche Sinken des Schiffs ein Unschuldiger sterben kann, wirft Good Old Harvey seine Münze, sie fällt mit der guten Seite nach oben, Harvey macht kehrt und Batman haut ihn mit einem Schlag um.

Das war einfach. Zu einfach.

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Schnitzeljagd mit vier falschen Batmen

Catwoman im Golden Age (Teil 4)

DC Comics

Titel: The Princess of Plunder

Autor/Zeichner: Jack Schiff/Jerry Robinson

Erschienen: 1942 (Batman #10), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„She … er … she got away … slipped through my fingers …“ (Batman)

In ihrem vierten Abenteuer trägt Catwoman erstmals eine Kombination aus Violett und Schwarz und stiehlt nicht selbst, sondern lässt ihre Handlanger für sich arbeiten. Und das läuft so: Die wohlhabende Marguerite Tone veranstaltet eine Party, bei der sich die Gäste die Zeit mit einer Schnitzeljagd vertreiben sollen: Jeder Gast ist dazu angehalten, bestimmte Gegenstände zu besorgen. Wie gut, dass Bruce Wayne und Dick Grayson bei diesem öden Unsinn nicht mitmachen und lieber eine Runde als Batman und Robin drehen. Eine günstige Fügung, denn Catwoman macht sich das Spiel zunutze, um ihre Handlanger andere, wertvolle Dinge aus Häusern holen zu lassen.

DC Comics

Batman erwischt zwei Einbrecher, durchschaut die Masche, aber lässt sie vorerst laufen. Bei der nächsten Party sollen sich alle Gäste verkleiden – fünf kommen als Batman, ausgerechnet vier davon sind wieder Einbrecher. Der wahre Batman kann sie mit Leichtigkeit überwältigen, doch die Anführerin kommt davon, weil man ihr nichts beweisen kann. (Ihre Männer werden seltsamerweise nicht vernommen.)

So versucht es Catwoman ein drittes Mal, diesmal mit falschen Butlern und tatsächlich klappt es, weil ein Messer in einem Sack Mehl landet. Wie bitte? Ja, wenn man ein Messer in einen Sack Mehl wirft, gibt das eine so große Staubwolke, dass das Dynamische Duo nichts mehr sehen kann und die Verbrecher entkommen können. Jedenfalls im Comic ist das so. Aber warum? Weil die Geschichte nunmal 13 Seiten hat und man sie deshalb nicht schon auf Seite 12 enden lassen kann.

DC Comics

Doch die Story nimmt eine seltsame Wendung. Statt das Diebesgut auf dem Schwarzmarkt zu verhökern, versucht Catwoman, sie wieder ihren Besitzern zu verkaufen – und schaltet eine Anzeige in der Zeitung. Das hat nichts mehr mit Verbrechergenie zu tun. Das kann nur als verkappte Einladung an Batman verstanden werden. Der platzt auch gleich zur Tür rein, schlägt die Komplizen zusammen und rettet der Anführerin das Leben, als sich einer gegen sie wendet. Dafür gibt’s dann endlich einen Kuss zur Belohnung. Batman ist daraufhin so erstarrt, dass er die Katze wieder davonkommen lässt. Oder jedenfalls tut er so … Robin bleibt skeptisch. Zurecht. Eine seltsame Beziehung.

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Flashpoint 2: Irgendwas fehlt

Titel: Batman/The Flash: The Button (dt. Das Batman & Flash-Crossover)

Autor/Zeichner: Joshua Williamson, Tom King/Howard Porter, Jason Fabok

Erschienen: 2016 (Batman #21-22, The Flash #21-22), Hardcover 2017 (Deluxe Edition)


„I saw … God.“ (Reverse Flash)

Während Batman das Geheimnis des gelben Smiley-Buttons untersucht, den er in der Bathöhle gefunden hat (siehe DC Universe Rebirth), wird er von Eobard Thawne, dem Reverse Flash angegriffen. Zunächst wird Batman schlimm verdroschen, dann kann er ihn noch ein bisschen hinhalten, bis der gute Flash (Barry Allen) eintrifft. Doch kurz davor verschwindet Thawne mit dem Button, nur um kurz darauf wiederzukehren und zu sterben. Seine letzten Worte: Er habe Gott gesehen.

Batman und Flash gehen dem Rätsel des Buttons nach, steigen auf die kosmische Tretmühle (Flashs Zeitreiselaufband), besuchen Batman Thomas Wayne im Flashpoint-Universum und treffen Jay Garrick, den ersten Flash. Und wieder wird ihnen klar, dass mit diesem Universum irgendwas nicht stimmt, dass irgendetwas fehlt.

The Button ist eine doppelte Fortsetzung: des Specials DC Universe Rebirth und des früheren Events Flashpoint. Es führt zu dem Event Doomsday Clock, in dem die DC-Helden auf Alan Moores Watchmen treffen werden. Obwohl The Button nur ein Bindeglied bildet und nur noch mehr Fragen aufwirft, ist die Lektüre ein großes Vergnügen. Und das nicht nur grafisch, weil Jason Fabok und Altmeister Howard Porter sich großartig ergänzen. Wie schon in Flashpoint bilden Flash und Batman ein gutes Team. Allein Batmans Kampf mit dem Reverse Flash und Batmans Begegnung mit seinem Vater, der ihm sagt, er solle Batman sterben lassen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Der Rest der Story ist noch rätselhaft, macht aber Lust auf mehr. Wenn doch nur Doomsday Clock so gut wird, wie es sich anbahnt … Aber da ist natürlich auch die Sorge, dass man die Watchmen lieber hätte ruhen lassen sollen.

(Es lohnt sich, die Deluxe Editon zu kaufen, denn die hat ein Lenticular-Cover.)

Was bisher geschah:

>> Batman 2011-2019

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 4)

DC Comics

Titel: Atlantis Goes to War

Autor/Zeichner: Don Cameron/Dick Sprang

Erschienen: 1943 (Batman #19), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 3)


„… our Nazi friends — who love peace and justice , as we do —„

Manchmal bekämpfen Batman und Robin das Verbrechen. Manchmal aber hängen sie bloß zu Hause rum und langweilen sich. Dann suchen sie das Abenteuer. Eines Tages zum Beispiel beschließen sie, nach der geheimen Unterwasserstation der Nazis im Atlantik zu suchen, um die US-Streitkräfte zu unterstützen. Der Ozean ist zwar riesig und die Soldaten machen einen tollen Job als Aufklärer, aber vielleicht haben Batman und Robin ja Glück …

Batman #19: Atlantis Goes to War (DC Comics)

Und tatsächlich. Kaum sind sie losgeflogen und lesen auf dem Wasser einen schiffbrüchigen Seemann auf, werden sie durch einen Strudel hinabgezogen und landen in – Atlantis. Ja, genau: der sagenumwobenen, untergegangenen Stadt. Dort haben die Nazis Verbündete gefunden. Die Atlantis-Bewohner waren nämlich zu lange nicht mehr an der Oberfläche und haben keine Ahnung, wer wirklich die Bösen sind. Sie glauben ihren Freunden, weil die in der Mehrheit sind – ein ganz klarer Beleg dafür, dass Wahrheit keiner demokratische Entscheidung unterliegen kann. Batman und der Seemann werden zum Tode verurteilt (seltsam für ein friedfertiges Volk), Robin wird gefangen genommen.

Atlantis (Batman #19, DC Comics)

Doch während die beiden an Pfählen durch Sonnenlicht zu schmoren beginnen (wo kommt das eigentlich her?), kann sich Robin auf dem Weg zum Kerker befreien. Dabei stößt er ganz nebenbei einen Wärter in einen sehr tiefen Abgrund, was bestimmt tödlich endet, aber irgendwie keinen zu kümmern scheint. Egal: Robin knockt den kindlichen Herrscher von Atlantis aus und nimmt dessen Rolle ein, weil er ihm zufällig sehr ähnlich sieht. Unter falscher Identität kann er die schöne Schwester des Herrschers von seinem edlen Ansinnen überzeugen, auch wenn seine Maskerade ihn sofort als Betrüger entlarvt und unglaubwürdig macht, dann lässt er Batman und den Seemann befreien. Doch da zeigen die Nazis ihr wahres Gesicht und gehen auf sie los, der Seemann stirbt. Die Atlantis-Bewohner ändern ihre Meinung und die Deutschen bekommen wieder Saures …

Am Ende sehen wir einen Robin mit Liebeskummer: sehnsuchtsvoll schmachtet er der Prinzessin hinterher. Und ganz nebenbei erfahren wir, dass die Nazi-U-Boote mittlerweile von den Atlanteanern bekämpft werden. Super Sache, jetzt wissen wir, warum die USA den Krieg wirklich gewonnen haben. Oder vielleicht hat Captain Kurt Fritzl ja auch recht, wenn er sich die Glatze kratzt und sich fragt: „Sometimes I myself wonder if it is not all a dream!“

Die Geschichte scheint sich selbst nicht recht zu glauben. Zu fantastisch, zu weit hergeholt und letztendlich auch zu albern wirkt das alles. Hier werden nicht nur die Sphären von Batman und der realen Welt vermischt, sondern auch die der Fantasy-Welt – und damit schießt die Story übers Ziel hinaus. Ja, sogar noch mehr als andere. Die üblichen Prügeleien können nicht verhehlen, dass Batman und Robin Nazis eigentlich nur indirekt bekämpfen: indem sie Aufklärungsarbeit leisten. Mehr können Comicfiguren in der „echten Welt“ nun mal nicht ausrichten …

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Der Kuss der Katzenfrau

Catwoman im Golden Age (Teil 3)

DC Comics

Titel: The Batman vs. the Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #3)


„I suppose that’s more or less a call for you to go into action.“ (Dick Grayson)

In ihren ersten beiden Auftritten spielte Catwoman noch eine Nebenrolle. Im ersten Fall trat sie erst sehr spät in Erscheinung und damit auch nur sehr kurz. Erfahren hat man kaum etwas über sie, nicht einmal ihren echten Namen. Ähnlich im zweiten Fall: da stahl ihr der Joker die Show. Ein richtiges Kostüm hatte sie noch nicht. Erst beim dritten Mal bekam sie eine Katzenmaske und ein Verhalten, das ihrer Rolle gerecht wird.

Wie schon zuvor geht es um Edelsteine. Catwoman, diesmal mit Katzenkopf, rotem Cape und orangefarbenem Kleid, raubt einen Mann aus, daraufhin wird sie von der Polizei gejagt. Kaum kriegt Batman das mit, wirft er sich gleich in Schale, um sich selbst auf die Suche zu machen – ohne Robin. Der bleibt wie selbstverständlich zu Hause, als wäre es eine Sache zwischen Erwachsenen.

DC Comics

Wieder verkleidet sich „Cat“, wie sie sich selbst immer noch nennt, um an die Juwelen zu kommen, diesmal gibt sie sich als Model bei einer Modenschau aus. Am Ende stellt sich heraus, dass sie nur im Auftrag zweier Männer gehandelt hat, aber dann selbst betrogen wurde. Batman befreit sie – und bekommt dafür zum Dank einen Kuss. Doch kurz darauf stößt ihn Catwoman weg und haut wieder ab. Wie schon beim ersten Fluchtversuch will Robin hinterher und Batman hält ihn zurück. Er hätte es ohnehin nicht geschafft, sagt er. Aber obwohl Robin ihm zu glauben scheint – es wirkt wieder wie eine faule Ausrede. Vor allem, als Batman schwärmt: „It’s too bad she has to be a crook!“ Und auch Catwoman wünscht sich, mit ihm weggefahren zu sein. „That would be sort of … of … nice!!!“

Es ist erst der Beginn einer langen Jagd …

Catwoman im Golden Age:

 

Wiedersehen mit Catwoman und Joker

Catwoman im Golden Age (Teil 2)

DC Comics

Titel: Joker Meets Cat-Woman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #2)


„We’ve met before, haven’t we?“ (Batman)

Breaking News! Der Joker ist gar nicht tot, nach seiner letzten Begegnung mit Batman (siehe Batman #1) wird er im Krankenhaus gesund gepflegt. Kaum hat Batman die Nachricht gelesen, bricht er auf, um den Joker zu entführen und ihn einer Gehirnoperation zu unterziehen, auf dass der Geisteskranke endlich geheilt werde. Doch die Gang Crime Syndicate Inc. hat eigene Pläne: Sie überfällt das Krankenhaus und zwingt die Ärzte, den Joker schnell wieder zusammenzuflicken.

Da taucht Batman auf – und liefert sich eine wilde Verfolgsjagd mit der Polizei. Seltsam, dass er so gewalttätig ist, denkt sich Commissioner Gordon, bei dem man sich fragen muss, warum er Batman überhaupt verfolgt, aber egal: Batman wird erschossen und es stellt sich heraus – das war gar nicht der echte Batman, sondern nur ein Ablenkungsmanöver der Bad Guys.

Zufällig hat die Diebin „The Cat“ alles beobachtet, weil sie gerade als alte Kaugummiverkäuferin verkleidet vor dem Krankenhaus stand. Was sie in dem Aufzug dort wollte, erfahren wir leider nicht. Aus dem Nichts taucht Batman auf, hocherfreut sie zu sehen, trägt er sie auf Händen zu seinem Auto. Zur Polizei bringt er sie wieder nicht: Nachdem sie ihm gesagt hat, was sie über den Joker weiß, darf sie gehen.

Was Batman nicht weiß: der Joker und Cat-Woman haben es auf die Juwelen des Pharao abgesehen. In einem Schloss kommt es zum Showdown: Robin gegen den Joker, Batman schwingt sich zum Schwertkampf herein. Am Ende geht alles in Flammen auf, der Joker bleibt zurück und Catwoman rettet sich einem Sprung ins Wasser. (Normalerweise ist das Jokers Abgang.) Zum Glück aber hat Batman die Juwelen an sich genommen.

Es ist das erste Mal, dass die Diebin, die bisher nur „The Cat“ genannt wurde, jetzt Catwoman genannt wird. Aber noch sieht sie nicht wie eine aus, stattdessen trägt sie ein gelbes Cape mit Kapuze und ein grünes Kleid. Beim nächsten Mal wird sich das Kostüm deutlich verändert haben …

Catwoman im Golden Age:

Katze trifft Fledermaus

Catwoman im Golden Age (Teil 1)

DC Comics

Titel: The Cat

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #1)


„Lovely girl! What eyes!“ (Batman)

Vor Catwoman gab es the Cat: eine hübsche wie raffinierte Diebin, ohne Katzenkostüm, aber schon verkleidet, eine Unbekannte, aber von Anfang an anziehend für Batman …

Beginnen wir am Anfang: Die erste Catwoman-Story beginnt als erste Robin-Solo-Story. Gleich in seinem dritten Abenteuer darf Dick Grayson sich zunächst alleine behaupten. Bruce Wayne lässt ihn als Kellner auf einer Yacht arbeiten, um eine teure Kette vor Dieben zu schützen. Dick ist sehr aufmerksam, hat auch schon gleich zwei Verdächtige unter den Gästen erspäht, als die Kette plötzlich weg ist – gestohlen von einem Unbekannten.

Kurz darauf treffen Gangster auf der Yacht ein, um die Kette zu rauben, aber sie kommen zu spät, also nehmen sie mit, was sonst noch da ist. Als Dick einen Kampf mit ihnen anfängt, springt er ins Wasser, zieht sich schnell sein Robin-Kostüm an, während er Maschinengewehrkugeln ausweicht. Da trifft auch schon Batman ein, überwältigt die Gauner auf ihrem Boot, Robin hält sie fest.

Aber weil es offenbar niemand eilig hat, passiert plötzlich etwas Seltsames: ein Experiment. Batman lässt vier Gangster auf Robin los, um den amerikanischen Kindern zu zeigen, wie feige sie ohne ihre Waffen sind. Hier ist sich die fiktive Held bewusst, dass er nur eine Comicfigur ist und dass er vor einem Kinderpublikum auftritt! Das ist einzigartig für Batman. Und als auf der nächsten Seite die Verbrecher ihre Lektion bekommen haben und vor Robin erzittern, wendet sich Batman direkt an die Leser, wiederholt seine Botschaft und ermuntert sie, sich dem Kampf gegen das Verbrechen anzuschließen.

Zurück zum Plot: Auf der Yacht sind mittlerweile alle so bedrückt, bestohlen worden zu sein, dass sie eine Kostümparty schmeißen, um sich wieder aufzuheitern. Ein Preis soll verliehen werden für die beste Verkleidung. Als Batman erscheint, geht der Preis an ihn, weil er nicht für den richtigen Batman gehalten wird. Und wieder haben wir es mit einer Selbstreferenzialität zu tun: „An ironical joke takes place!!“ Batman ist mittlerweile so legendär, dass seine tatsächliche Erscheinung nicht mehr für wahrscheinlich gehalten wird. Interessant: Während er sich selbst als das erkennt, was er wirklich ist, erkennen die anderen ihn nicht als echten Batman.

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„Quiet or papa spank!“ Batman und The Cat. (DC Comics)

Erst jetzt kommt die Hauptschurkin ins Spiel: Robin löst einen falschen Feueralarm aus und als alle Gäste losrennen, offenbart sich eine alte Frau als gute Läuferin mit schönen Beinen: „Nice legs for an old woman.“ Batman überwältigt sie, wischt ihr rüde die Schminke aus dem Gesicht („Quiet or papa spank!“ – Ja, er sagt es wirklich.) und nimmt ihr die Kette ab.

Die Schurkin offenbart sich als the Cat, von der Batman schon gehört hat. Sie bietet ihm an, sich ihr anzuschließen; sie würden ein tolles Team als König und Königin des Verbrechens hergeben, findet sie. Aber Batman bleibt hart. So scheint es zunächst. Denn als das Dynamische Duo sie mit dem Boot zur Polizei bringen will, lässt er sie über Bord springen. Nicht nur, dass er sie nicht verfolgt, er hindert auch Robin daran, hinterherzuspringen. Am Ende schwärmt er laut von ihrer Schönheit und muss sich selbst daran erinnern, dass er bereits an eine gewisse Judy (Madison) vergeben ist, aber er sehnt sich jetzt schon nach einem Wiedersehen mit der Katzendiebin …

Auch das ist bemerkenswert, weil der unbestechliche Verbrechensbekämpfer hier erstmals mit seinen Prinzipien bricht. Von Anfang an hat die Schurkin eine ganz besondere Wirkung auf Batman. Man kann sagen: In dem Augenblick, in dem er sich seiner wahren Erscheinung selbst bewusst wird, ihn aber andere nicht als wahren Batman erkennen, wird er zu einem anderen Batman, einem Helden mit einer dunklen Seite, die von einer Frau hervorgerufen wird.

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 2)

DC Comics

Titel: The Two Futures

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1943 (Batman #15), Hardcover 2016 (The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„Too bad this war wasn’t settled with fists!“ (Batman)

Was kommt nach dem Krieg? Diese Frage treibt Batman und Robin um. Deshalb suchen sie Professor Ranier auf, einen Historiker, der gerne Vorhersagen macht und die sich in der Regel als richtig herausstellen. Der Professor erzählt (zusammen mit seinen Kollegen Proe und Con) zwei Versionen der Zukunft.

In der einen haben die Nazis und Japaner den Krieg gewonnen, in den USA herrschen die Achsenmächte mit Gewalt und Terror, Menschen werden erschossen und in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Batman und Robin legen sich mit den Nazis an, ein kleiner Junge mit Zwille hilft ihnen, auch bei einer späteren Flucht. Das Dynamische Duo verhaut Nazis, sie befreien Gefangene aus einem KZ, aber trotz aller Bemühungen werden sie angeschossen, gefangen genommen und hingerichtet. „Democracy doesn’t need saving“, sagt Batman am Ende noch trotzig. Solange noch Amerikaner lebten, könne man sie nicht töten.

In der zweiten Version komme es, so der Professor, nicht nur auf Soldaten an, sondern auch auf Zivilisten: „Every man, woman and child must win this war!“ Während die Achsenmächte von den Alliierten geschlagen werden, machen Batman und Robin eine geheime Funkstation der Schurken in den USA ausfindig, verkloppen die Deutschen und Japaner und helfen dabei, einen Luftangriff auf Gotham City abzuwehren. Die Achsenmächte kapitulieren und die freie Welt erstrahlt. Diese Version gefällt den beiden Helden viel besser.

Am Ende wird die Moral von der Geschicht wiederholt: Es komme auf jeden an. Aber wie soll das gehen? Batman und Robin gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie so viele Kriegsanleihen kaufen, wie sie können. Das Dynamische Duo zeigt auf die Leser und ermahnt sie: „It’s your battle … your future … your America!!!“

Bemerkenswert ist, wie stark sich Comics in Kriegszeiten in den Dienst der Propaganda stellen ließen. Obwohl Batman schon lange keine Schusswaffen mehr benutzt, sieht man ihn auf dem Cover lächelnd mit einem Maschinengewehr schießen, Robin hilft beim Nachladen, als wäre Krieg ein Spiel, darunter steht der Satz „Keep those bullets flying.“ Auch wenn es für die gute Sache war: Die Geschichte ist voller Klischees und auch nicht frei von Rassismus, insbesondere die Japaner, die nur als „Japs“ bezeichnet werden, kommen schlecht weg. „Remember Pearl Harbor!“, ruft Batman einem von ihnen zu, während er ihn umhaut. Insofern dient der Comic nicht nur als patriotisches Bekenntnis zur Demokratie, sondern auch als Vergeltungsfantasie für ein nationales Trauma.

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 1)

DC Comics

Titel: Swastika Over the White House

Autor/Zeichner: Don Cameron/Jack Burnley

Erschienen: 1942 (Batman #14), Hardcover: The Golden Age Omnibus Vol. 2 (2016)


„Imagine … beaten by their own swastika!“ (Robin)

Als die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, machte sich das auch in den Superheldencomics von DC bemerkbar. Aber auch wenn schon im März 1941 die Konkurrenz Captain America gegen Hitler kämpfen ließ, griffen Superman und Batman nicht in den Krieg ein. Jedenfalls nicht direkt. Zunächst warb Batman auf dem Cover von Batman #12 für Kriegsanleihen, während er einen Armee-Jeep steuerte, in Batman #13 sah man ihn beim Fallschirmspringen. Doch erst eine Ausgabe später sollte er tatsächlich mit Nazis zu tun kriegen, wenn auch nur in Gotham City.

DC Comics

Seltsamerweise weist das Cover zu Batman #14 keinen Kriegsbezug auf, stattdessen sieht man den Pinguin. In einer der Geschichten wird schon im Titel „Swastika Over the White House“ das Schlimmste heraufbeschworen. Ein junger deutscher Spion namens Fritz Hoffner gibt sich als Reporter aus, um insgeheim Informationen über US-Militäranlagen zu sammeln und Sabotage-Akte zu verüben. Er berichtet an einen gewissen Count Felix, der sich in einem Antiquitätenladen versteckt und Monokel und Undercut trägt. Über ihm schwebt eine Deckenlampe in Form eines Hakenkreuzes. Die Schurken sprechen eine seltsame Mischform aus schlechtem Englisch und Pseudo-Deutsch („Himme! It iss too late! Step on der Gas!“).

Das Ziel: Das Weiße Haus soll Adolf Hitlers US-Hauptquartier werden. Doch zunächst soll Fritz dabei helfen, Batman ausschalten. Batman und Robin vollführen gerade akrobatische Kunsstückchen für die Kamera, als die Nazis mit einem Maschinengewehr vorbeifahren. Kein Problem für das Dynamische Duo. Auch als später Fritz versucht, einen Kameramann zu töten, eilen sie zur rechten Zeit zur Hilfe.

Batman und Robin machen den Swastika-Leuchter zur Waffe gegen Nazis. (DC Comics)

Beim dritten Mal werden Batman und Robin jedoch von den Nazis überwältigt (das geht erstaulich einfach) und in einem brennenden Auto auf Treibstofftanks losgelassen. Man kann sich denken, was gerade noch in letzter Sekunde passiert. Und da sich die Nazis auch nicht mehr die Mühe machen, nachzusehen, können die beiden Helden den Schurken in ihr Geheimversteck folgen und sie spielerisch überwältigen – indem sie sich am Hakenkreuz-Leuchter durch den Raum schwingen, Teile davon als Wurfgeschoss benutzen und das Ding schließlich auf die Bösen fallen lassen. Symbolträchtiger geht’s wohl kaum: Die Nazis werden sozusagen mit ihrer eigenen Waffe geschlagen.

Super Sache: Batman und Robin decken dabei auch andere Nazi-Verstecke auf.

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In der Ego-Schleife

DC Comics

Titel: I Am Bane (Batman Vol. 3)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch (u.a.)

Erschienen: 2016-2017 (Batman #16-20, 23-24, Batman Annual #1), Paperback 2017


„I’m Batman because I’m Batman.“

Nachdem Batman bei Bane eingefallen ist und ihm den Rücken gebrochen hat (siehe I Am Suicide), kommt jetzt die erwartete Retourkutsche. Und die läuft wie folgt:

Tag eins: Bane erhängt drei Robins.
Tag zwei: Bane nimmt Catwoman, James Gordon, Duke Thomas und Tyger als Geiseln.
Tag drei: Batman lässt sich von Bane verprügeln. (Schon wieder.)
Tag vier: Um sich den Psycho Pirate zurückzuholen, prügelt Bane sich durchs Arkham Asylum.
Tag fünf: Batman lässt sich von Bane verprügeln (schon wieder), gewinnt aber, durch einen Nasenbruch.

Superheldencomics haben selten eine ausgefeilte Story, aber das ist einfach nur eine primitive Dauerschlägerei. Autor Tom King versucht das zu kaschieren, indem er die beiden Hauptfiguren in Rückblenden gegenüberstellt (die beiden sind ja so ähnlich!) und darüber hinaus viel schwadronieren lässt. Dabei übertreibt er mit dem Stilmittel der Wiederholung, vor allem mit den „I am“-Konstruktionen. Nicht nur, dass mehrmals „I am Bane“ fallen muss, damit es auch der Letzte kapiert, wie bedeutungsschwer dieser Satz sein soll, natürlich muss auch der Held am Ende entgegnen: „I am Batman.“ Herrje! Das wäre cool, wenn es nicht so aufgeblasen nichtssagend wäre.

Und dann das Arkham-Kapitel. Einen ganzen Tag lang, exakt 24 Stunden, vermöbelt Bane so ziemlich jeden Insassen (bis auf den Riddler, der einfach mal so nebenbei in zwanzig Sekunden ein Schloss von Mister Miracle knackt, na klar). Tom King referiert damit (auch explizit) auf Grant Morrisons und Dave McKeans Arkham Asylum, allerdings ist es dort ein Wortgefecht, in dem sich Batman mit sich selbst auseinandersetzen muss, bei Bane ist es bloß eine hohle Gewaltorgie.

Man muss sich fragen, warum auch die schmächtigsten Schurken sich Bane in den Weg stellen. Der Grund ist klar: Damit sie auch mal im Bild sind. Seit einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, gibt es diese Mode bei Batman, dass man den Fan-Service in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht mehr um eine gute Geschichte, es geht darum, den Lesern möglichst viele bekannte Gesichter vorzuführen, eine Reihe der üblichen Verdächtigen aus der Rogues Gallery. Begonnen hat dieser Trend mit Jeph Loebs The Long Halloween und Dark Victory, ging dann nach ähnlichem Prinzip weiter mit Hush, wurde aber in jüngster Zeit von David Finch in The Dark Knight (Knight Terrors) ad absurdum geführt.

Superheldencomics werden damit zu einer Endlosschleife, in der die 80 Jahrzehnte Tradition totzitiert werden. Tom King-Vorgänger Scott Snyder hat das auch schon gemacht, am deutlichsten in Death of the Family, in dem die ganze Joker-Comicgeschichte recycelt wurde. Bei Tom King kommt aber noch hinzu, dass er nicht nur andere Werke (Year One, Vengeance of Bane, Arkham Asylum) zitiert, sondern auch noch sich selbst – und das auch noch in Rückblenden. Damit wird der Abschluss seiner ersten Batman-Trilogie zu einer reinen Ego-Parade.

Und dann gibt es noch Kapitel sechs: Bruce Wayne macht Selina Kyle einen Heiratsantrag. Vorher reflektiert er noch mit der (inzwischen wieder geheilten) Gotham Girl über das Heldentum und Ängste. Schließlich kommt er zu dem Entschluss, dass er sich seiner Furcht stellen muss. Also bietet er Selina einen Verlobungsring an. Das ist immerhin schön inszeniert und emotional. Was draus wird? Mal sehen.

Als Zugabe gibt es am Ende noch zwei Kurzgeschichten: Einen Mordfall, den Batman mit Swamp Thing löst, sowie „Good Boy“, die neue Geschichte des Bat-Hundes Ace. Dafür hat Tom King den Eisner-Award bekommen. Hunde kommen halt immer gut an. Auch wenn man auch hier nicht das Gefühl hat, etwas Neues und unbedingt Lesenswertes geboten bekommen zu haben …

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