Autor: Lukas

Journalist, Blogger, Batman-Fan

Der Batchelor von Gotham

DC Comics

Titel: Batmans Marriage Trap

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Novick

Erschienen: 1969 (Batman #214)


„You can lead a batchelor to the altar–but you can’t make him say I do!“ (Batman)

Bei einem Schönheitswettbewerb ist Batman der Hauptgewinn. Während er mit der Schönheitskönigin tanzt, nutzt eine Bande Ganoven die Gunst der Stunde, um Gotham zu plündern. Doch das ist nur der Anfang. Ihr Anführer hat eine Idee: Er will Batman in die Ehe bringen, damit der Held zuhause bleibt und das Verbrechen seine Ruhe hat. Dazu lässt er seine schöne Komplizin Cleo eine Kampagne starten, um für Batmans Vermählung zu werben. Das Argument: Weil Batman der begehrteste Junggesselle Gothams ist, haben es die anderen Männer schwer, eine Frau zu finden.

Obwohl das Problem noch nie zuvor zur Sprache kam und auch niemand weiß, ob Batman nicht doch eine Frau hat, ist die Kampagne ein Erfolg: Schon bald protestiert auf der Straße ein Mob wütender Furien, die alle Mrs. Batman werden wollen. Selbst Batgirl schließt sich dem Haufen an (aber nur, um zu ermitteln). Cleo spielt die Retterin in der Not, um Batman für sich zu gewinnen.

Aber als Batman schließlich in eine Falle der Gauner gerät, um ermordet zu werden, schlägt sich Cleo wirklich auf seine Seite und gesteht ihm ihre Liebe. Und auch Batman gibt zu, dass er sich Hoffnungen gemacht habe, mit ihr eine gemeinsame Zukunft zu haben. Daraus wird leider nichts. Batman bleibt Batchelor.

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Catwoman in Batman: The Animated Series

Catwoman mit Isis (Warner Bros.)

In Batman: The Animated Series ist Catwoman mehr als nur eine Diebin. Eigentlich ist sie nicht einmal eine Schurkin, sondern vielmehr eine tragische Tierschützerin. In der ersten Doppelfolge (The Cat and the Claw I-II, S01E15-16) geht es ihr darum, ein Naturschutzgebiet für Berglöwen zu erhalten. Das Stehlen ist für sie nur Mittel zum guten Zweck.

Gleich zu Beginn erwischt Batman sie zwar bei einem Einbruch, aber sie entkommt. Batman rettet ihre dressierte Katze Isis vor einem Lastwagen. Bei ihrer zweiten Begegnung gibt es dafür zwar den ersten Kuss, aber Batman bleibt ein Prinzipienreiter: Catwoman soll sich der Polizei stellen – so will es das Gesetz. Catwoman ist nicht begeistert und entkommt wieder.

Red Claw

Batman wiederum jagt die Terroristin Red Claw. Sie will in Gotham die Pest loslassen. Weil Red Claw auch dem Katzengehege im Wege steht, werden Catwoman und Batman zu Verbündeten. Doch auch emotional besteht sofort eine Anziehung zwischen den beiden.

Catwoman küsst Batman

Catwoman bedankt sich bei Batman

Als sich Bruce Wayne und Selina Kyle begegnen, ist sie jedoch nicht interessiert … Bruce lässt sich für Abendessen für wohltätige Zwecke versteigern. Selina überbietet alle anderen mit 10.000 Dollar, aber ihr geht es nur um den Tierschutz. Selina hat hier übrigens – im Gegensatz zu den Comics – blonde Haare.

Catwomans Versteck

Zu Beginn der nächsten Episode, Cat Scratch Fever (S01E36), muss Selina Kyle sich vor Gericht verantworten. Wegen ihres Einsatzes gegen Red Claw bekommt sie nur fünf Jahre auf Bewährung. Dafür darf sie nie wieder in das Katzenkostüm steigen. Als sie aber sieht, dass der böse Unternehmer Roland Daggett Katzen und Hunde mit einer neuen Seuche infiziert, um hinterher ein Heilmittel an die Stadt zu verkaufen, wird sie wieder rückfällig.

Selina und Batman

Selinas eigene Katze, Isis, infiziert ihre Besitzerin. Selina muss daraufhin von Batman gerettet werden. Beste Stelle: Batman befühlt (durch seinen Handschuh) Selinas Stirn und sagt: „Du bist ja ganz heiß.“ Selina: „Endlich merkst du’s.“ Starke Gegner hat Batman hier nicht, nur einen Hund und zwei Handlanger mit Maschinengewehr. Brenzlig wird es allerdings im Finale, wenn Batman durch einen zugefrorenen See schwimmen muss.

Selina Kyle als Katzenfrau

Catwoman pausiert eine Weile. In Tyger, Tyger (S01E42) spielt nur Selina Kyle eine Rolle. Die wird von einem verrückten Wissenschaftler entführt, der sich aus der DNA von Menschen und Tieren Monster herstellt, darunter einen Katzenmenschen (Tygrus) und einen Gorillamenschen. Selina wird zur wahren Katzenfrau. Batman muss das rückgängig machen, bevor es endgültig ist. Dabei duelliert er sich mit Tygrus. Der Katzenmensch will zwar Selina dazu überreden, so zu werden wie er, aber so weit geht ihre Katzennatur dann doch nicht.

In den folgenden zwei Episoden (Catwalk, S02E09) wird Catwoman vom Bauchredner/Scarface manipuliert und darf sich mit der Hilfe von Batgirl an Roland Daggett rächen (Batgirl Returns S02E20). Catwoman will sich beinahe zum Töten hinreißen lassen. Aber die Katze bleibt natürlich brav.

In The New Batman Adventures wird sich Selina Kyle verändern. Aber davon ein andermal.

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Pinguin lässt die Vögel los

DC Comics

Titel: The Penguin Affair, I-III (Pawns/Bird of Ill Omen/Winged Vengeance)

Autor/Zeichnner: Marv Wolfman, Alan Grant/Jim Aparo, Norm Breyfogle

Erschienen: 1990 (Batman #448, Detective Comics #615, Batman #449), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 3)


„Alfred Hitchcock, eat your heart out.“ (Pinguin)

Der Pinguin findet am Straßenrand Harold, einen stummen Mann mit Buckel – ein erfinderisches Genie. Drei Monate später hat Harold eine Technologie entwickelt, mit der sich Vögel kontrollieren lassen. Der Pinguin lässt sie auf Raubzüge gehen, Menschen angreifen und ein Flugzeug abstürzen. Sie hacken auf Batman ein und verfolgen ihn sogar in die Bathöhle und nach Wayne Manor.

Doch da kommt Tim Drake auf die Idee, dass sie von Mikrowellen beeinflusst sind und damit auch abgewehrt werden können. (Auf die Idee, dass der Pinguin das riesigen und auffälligen Aviarium als Hauptquartier nutzen könnte, kommt leider niemand.)

Die Vogel-Angriffe á la Hitchcock dienten nur als Test. Der Pinguin will die Technik nicht selbst nutzen, sondern an den meistbietenden Despoten oder Terroristen versteigern. In der Zwischenzeit entführt er eine verehrte Soap-Schauspielerin und versucht ihre Zuneigung zu erzwingen.

Auch wenn sich die Story über drei Ausgaben erstreckt, wirkt sie nicht sehr ausgereift. Der Pinguin soll zwar ein kriminelles Genie sein, das gerne mit Bruce Wayne übers Internet Schach spielt, aber davon ist hier nichts zu sehen. Vielmehr wirkt er wie ein skrupelloser Massenmörder mit gestörter Selbstwahrnehmung. Nicht einmal die anfänglich beteuerte Solidarität mit dem hässlichen Harold zeigt ihn von seiner menschlichen Seite, denn um Harold schert er sich nur so lange, wie er ihn braucht – danach will er ihn „beseitigen“. (Was aber nicht passiert, denn Harold wird später Batmans Helfer.)

In einer Sequenz sehen wir Batman meditieren. In einer anderen seine Unterhosen über die Hose ziehen. Aber der Rest ist actionreiche Routine ohne Innovation.

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Superman als Green Lantern

Titel: Superman – Last Son of Earth/Last Stand on Krypton

Autor/Zeichner: Steve Gerber/Doug Wheatley

Erschienen: 2000 (Zweiteiler)/2003 (One-Shot)


„Ours is a culture founded on fear. We fear each other. We fear our past. We fear the unknown.“ (Kal-El)

Was wäre, wenn Clark Kent auf der Erde geboren und zu Krypton geschickt worden wäre? Dann wäre er nicht Superman, sondern ein Green Lantern geworden. Der Elseworlds-Zweiteiler Last Son of Earth spielt das Szenario durch. Jonathan Kent ist ein Astrophysiker, der im Jahr 1968 als einziger einen Asteroiden auf die Erde zurasen sieht. Weil ihm keiner glaubt, baut er eine Rakete für seine Frau Martha und seinen noch ungeborenen Sohn. Der folgende Teil der Story ist der altbekannte, aber bleibt genauso unglaubwürdig: Statt mit ihrem Kind zu reisen, stirbt Martha lieber bei ihrem Mann. Dabei schießt er es ohne ein Ziel ins Weltall – alleine würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben! (Immerhin gibt Martha später zu, dass es ziemlich abwegig war, bei ihrem Mann zu bleiben.)

Egal: Durch einen glücklichen Zufall fliegt die Rakete in ein Wurmloch und landet auf Krypton. Dort nimmt Jor-El das Kind auf. Damit ist allerdings ein Risiko verbunden. Krypton ist eine sterile Welt, die sich vor dem Fremden und vor physischer Nähe fürchtet. Jor-El zieht den Jungen, den er Kal-El nennt, im Geheimen groß. Kal-El muss einen Spezialanzug tragen, um auf dem Planeten zu überleben.

Superman als Green Lantern (DC Comics)

Eines Tages findet er den grünen Ring, wird Green Lantern, rettet Krypton vor dem Untergang (Explosion), fliegt zu Oa, dann zur Erde. Dort haben nur wenige Menschen überlebt und kämpfen sich in einem dystopischen Mad-Max-Szenario durch. Einige schließen sich dem Diktator Lex Luthor an, aber Perry White, Lois Lane und Jimmy Olsen leisten Widerstand. Kal-El hilft ihnen und entdeckt neue Superkräfte …

Lois Lane als Widerstandskämpferin (DC Comics)

Bereits 1994 wurde Batman zu Green Lantern gemacht. Während damals aber die Story furchtbar abgehetzt erzählt wurde, nimmt man sich bei Superman zwei Teile á 48 Seiten Zeit. Die Geschichte bleibt zwar simpel, kann sich aber so entfalten, dass man an ihr Anteil nehmen kann. Der Aspekt der Angst wird gut herausgearbeitet; der Held kämpft dagegen auf zwei Welten an, die unter jeweils anderen Schreckensszenarien leiden.

Zusammen mit sehr naturalistischen Zeichnungen und lebendigen Farben ergibt sich eine solide Lektüre für Fans alternativer Welten. Allerdings überzeugt Kal-Els Green Lantern-Kostüm nicht wirklich – warum ist es blau-weiß? Und das Logo hätte man auch eleganter gestalten können, ohne dass es aussieht, als wäre die Laterne in die Diamantenform gequetscht worden.

In Last Stand on Krypton geht die Geschichte weiter. Da Kal-El seinen Ring aber schon in Teil 1 aufgegeben hat, hat diese Fortsetzung nichts mehr mit Green Lantern zu tun. Kal-El ist nur noch Superman (sieht aber nicht aus wie auf dem Cover!) und hat zehn Jahre später der Erde Kryptons Technologie beschert. Ein unzufriedener Politiker wirft Kal-El vor, gewisse Techniken zurückgehalten zu haben und verhilft Luthor zu einem Gefängnisausbruch, um an das Wissen heranzukommen. Doch Luthor hat seine eigene Agenda: Er reist nach Krypton, wo Jor-El sich damit unbeliebt gemacht hat, die Flora und Fauna auf den Wüstenplaneten zurückzubringen. Es kommt zum letzten großen Gefecht.

Superman als Red Hulk (DC Comics)

Weil Superman auf Krypton keine Superkräfte hat, wird er mittels roter Kryptonit-Strahlung zu einer Art Red Hulk gemacht. Zusammen mit einer Lois Lane im Kampfanzug und einigen geklonten Supertierchen kann er es mit einem – ebenfalls optimierten – Luthor aufnehmen.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Krypton wirklich zerstört wird und Jor-Els leiblicher ungeborener Sohn mit Lara den Planeten verlässt. Es ist also mal wieder eine Elseworlds-Story, die nur einen Umweg nimmt, um zum bekannten Status quo zurückzukehren. Schon der erste Teil lief darauf hinaus. Ja, mehr noch: Clark ins All zu schießen war letztlich sinnlos, weil die Kents den Aufprall überlebt haben und Krypton ohnehin untergegangen ist. Alles kommt also, wie es kommen muss. Und auch wenn der Weg dorthin kurzweilig unterhält, ist die Unvermeidlichkeit dieses Szenarios zutiefst deprimierend, berechenbar und daher langweilig.

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Batman heiratet Lois Lane

DC Comics

Titel: The Bride of Batman

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Curt Swan

Erschienen: 1969 (Superman’s Girlfriend Lois Lane #89)


Superman hat versagt. Er hat zu lange gewartet, gezögert und gezaudert – jetzt ist Lois Lane vergeben. An Bruce Wayne. Kurz darauf kommt die Hochzeit. Und Superman darf nur als Trauzeuge danebenstehen und sich grämen. Hätte er mal … Hat er aber nicht.

Wie konnte es dazu kommen? Bruce und Lois begegnen sich bei einem Kostümfest. Bruce kommt als Achilles, Lois als Johanna von Orleans – inklusive Pferd. Als das Pferd von Möchtegern-Supermen aufgeschreckt wird, dreht es durch und will Lois treten, aber Bruce beschützt sie. Dass dann Superman angeflogen kommt, um das Pferd aus dem Pool zu retten, hilft nichts mehr. Bruce ist ihr neuer Held. Man führt zum Wasserski, macht eine Kutschenfahrt, geht angeln und tanzen. Und Bruce macht ihr nach ein paar Wochen einen Antrag.

Anstandsweise fragt Batman hinterher noch seinen besten Freund Superman, ob er etwas dagegen habe. Superman verneint, aber in seiner Festung der Einsamkeit, in der ein Raum der Lois-Verehrung gewidmet ist, zerschlägt er eine Büste und trauert um die versäumte Chance.

Kurz nach der Hochzeit offenbart sich Bruce Lois gegenüber als Batman. Sie findet es toll. Nur Robin nicht. Aber er wird wieder besänftigt, als er sich um Bruce Wayne Jr. kümmern darf. Der Nachwuchs wird nämlich zu Batman Jr. gedrillt. Die Mutter findet auch das toll und näht ihm ein Kinderkostüm.

Ein wenig Drama kommt erst im zweiten Teil in die Geschichte, als Gangster beschließen, Batman zu töten. Lois stellt sich für einen Versuch zur Verfügung und dabei fliegt auf, dass sie Batmans Geheimnis kennt. Unter Folter nennt sie aber Clark Kents Namen. Der überlebt den ersten Anschlag, beim zweiten (in der Oper) ist Batman dabei und dann wird alles wieder gut.

Allerdings: Auch in dieser Situation erfährt Lois nicht, wer Clark wirklich ist. Und Superman sagt hinterher, er habe Lois nur deswegen nicht geheiratet, um sie nicht zu gefährden. Ja, klar …

Aber das ist natürlich nur eine „imaginäre Geschichte“.

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Die eigenwillige Katze

Titel: Catch as Catscan/The Last Laugh

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1986-1987 (Detective Comics #569-570), Hardcover 2013/2018 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis/Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Eine Katze lässt sich nicht dressieren. Der Joker versucht es trotzdem. Zunächst versucht eine Bande von Typen in gelben Katzenkostümen einen Helm zu stehlen, mit dem man Gedanken manipulieren kann. Batman und Robin vereiteln den Diebstahl, Catwoman hilft ihnen dabei. Denn Catwoman will Batman davon überzeugen, dass sie ihre Laufbahn als Verbrecherin hinter sich gelassen hat. Batman ist skeptisch, sie will das lieber bei sich zuhause ausdiskutieren.

Als ein gelangweilter Joker sieht, dass seine Feinde jetzt zu dritt sind, führt er das Dynamische Trio in eine Falle, nimmt Catwoman gefangen und versucht, sie wieder zum Verbrechen zu bekehren. Sie schlägt sich zunächst auf seine Seite, es kommt zu einem Kampf gegen Batman auf dem Jokermobil, aber als sie töten soll, ist Schluss mit lustig.

Für den Leser ist die Story aber ein großer Spaß – wenn er ein Fan des Golden Age sein sollte. Denn obwohl die Geschichte nach dem großen Reboot des DC-Universums erschienen ist (Stichwort: Crisis), ist sie doch nichts als eine Reminiszenz an die gute alte Zeit. Batman und Robin machen ihre Kalauer, der Joker ist ein Chaot und Catwoman sieht mit ihrem Kleid aus wie aus der Zeit gefallen. Alan Davis (The Nail) inszeniert das Ganze mit seinen feinen Strichen und einem eleganten Schwung, alles strotzt nur so vor Dynamik und Ausdruck.

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Batman: White Knight

DC Comics

Deutscher Titel: Batman: Der weiße Ritter

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

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Wozu noch Superman?

DC Comics

Titel: What’s So Funny About Truth Justice and the American Way?

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Doug Mahnke, Lee Bermejo

Erschienen: 2001 (Action Comics #775), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„How does it feel to have your flaws exploited? To be deconstructed? How does it feel to watch dreams die?“ (Superman)

Eine neue Gruppe von Vigilanten macht weltweit kurzen Prozess mit Schurken: The Elite. Viele finden das gut. Aber Superman ist nicht erfreut. Er hält immer noch an seinen Idealen fest, allerdings kann er die Neulinge nicht davon überzeugen. Auch nicht durch vorbidliches Handeln. Man muss die Meinungsverschiedenheit also mit Gewalt austragen. Also reist man ins All.

Zunächst machen die vier Superman fast alle, dann revanchiert er sich, indem er sie im Alleingang erledigt. Nicht nur Cape und Kostüm werden dabei zerrissen, auch das Ego leidet. Superman wird nicht gern hinterfragt. Für einen kurzen Moment denkt man, die selbsternannte Elite hätte ihn doch über die Grenze getrieben, aber dann bleibt er sich selbst doch treu.

Er tötet auch diese Schurken nicht, auch wenn es bedeutet, immer wieder gegen sie zu kämpfen. The Elite profitiert also von Supermans Gnade, die sie an ihm zuvor abgelehnt hat. Supermans Moral:

„Dreams save us. Dreams lift us up and transform us. And on my soul, I swear… Until my dream of a world whre dignity, honor and justice becomes the reality we all share … — I’ll never stop fighting. Ever.“

Superman soll mit dieser 40-seitigen Story eine Rechtfertigung für das neue Jahrtausend bekommen. Beantwortet werden soll die Frage: Wozu braucht es noch einen Superman? Geboten werden aber nur Gemeinplätze ohne neue oder tiefere Einsichten. Autor Joe Kelly betreibt am Rande Medienkritik und baut sogar einen Gastauftritt der „Men in Black“ ein. Allerdings hat er mit seinem Statement eine passende Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 vorweggenommen (die Story ist vom März). Im Nachhinein wirkt die Story damit wie ein Kommentar Richtung US-Regierung. Aber die hat ihn wohl nicht gelesen.

Elf Jahre später erschien mit Superman vs. The Elite eine Zeichentrick-Adaption des Comics.

>> Liste der Superman-Comics

Batman heiratet Vicki Vale (fast)

Titel: The Bride of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1953 (Batman #79)


Sechs Jahre vor der Heirat mit Batwoman (die natürlich nicht wirklich stattfand) sollte Batman bereits die Fotografin Vicki Vale heiraten. Und das kam so: Als der Shah von Nairomi in der Stadt ist, König des Landes mit dem größten Uran-Vorkommen, verliebt er sich in Vicki Vale und macht ihr einen Heiratsantrag. Ihn abzuweisen würde eine diplomatische Krise auslösen. Deshalb denkt sie sich eine Ausrede aus: Sie ist schon mit Batman verlobt.

Batman spielt den Bräutigam. (DC Comics)

Der ist ganz und gar nicht begeistert von der Idee. Spielt aber das Spiel mit. Er lässt sich mit ihr von der Presse fotografieren, tanzt mit ihr in der Öffentlichkeit, besorgt ihr Blumen – und macht sich zum Gespött. Noch schlimmer ist, dass ständig der Shah an ihnen klebt, als wäre er ein Freund. Batman vernachlässigt seine Pflichten als Verbrechensbekämpfer, die Gauner nehmen sich mehr heraus, weil sie glauben, dass er wegen seiner Braut keine Zeit mehr für sie hätte.

Peinlich: Batman bringt Blumen. (DC Comics)

Noch schlimmer wird alles, als Gauner versuchen, Vicki zu entführen und Vickis Rivalin der Presse ein falsches Hochzeitsdatum steckt. Der Shah lässt eine Parade durch die Stadt ziehen, lässt seine Köche einfiegen und spendiert einen Diamanten – langsam wird’s übergriffig. Und dann befürchtet Robin, dass Batman ihn vernachlässigen wird, wenn er erst einmal verheiratet sein wird. Batman versichert ihm: „You know that nobody can ever seperate us!“

Doch kurz bevor alles eine furchtbare Wendung nimmt, kommt der Shah zu einem Sinneswandel: Die Hochzeit dürfe nicht stattfinden, weil Vicki sich sonst einer Gesichts-OP unterziehen müsse, um als Batmans Frau unerkannt zu bleiben. Aber die Schönheit dürfe nicht verschandelt werden … OK, aber dann wird der Shah also doch Vicki heiraten? Nein, da Batman schon seine Pfoten an ihr hatte, ist das auch vom Tisch.

Puh, Glück gehabt! Nein, nicht ganz: Natürlich ist auch das ein Trick von Batman gewesen. Aber der Einfluss dieses Shah auf die angeblich so freien US-Bürger hinterlässt bei dieser Geschichte einen bitteren Beigeschmack …

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Batman und Catwoman: Die zweite Hochzeit

DC Comics

Titel: The Autobiography of Bruce Wayne!

Autor/Zeichner: Alan Brennert/Joe Staton

Erschienen: 1983 (The Brave and the Bold #197)


Nach der ersten Hochzeit von Bruce Wayne und Selina Kyle im Jahr 1977 wurde sechs Jahre später eine alternative Story erzählt, in der Batman und Catwoman zueinander finden. Allerdings spielt auch diese nur auf Erde II, der Parallelwelt des Golden Age.

Als Bruce Wayne zu Gast ist bei der Hochzeit seiner Freundin Linda Page, gerät er ins Grübeln: Er hat das Versteckspiel als Bruce Wayne satt. Die Playboy-Fassade hat ihm sämtliche Frauen vergrault, die ihn hätten glücklich machen können. Er sieht sich festgefahren. Seine einzigen Freunde sind nur die, die er als Batman hat.

Da schlägt Scarecrow zu. Die Gäste geraten in Panik, sehen Spinnen, Käfer und Schlangen. Als Bruce zu Batman wird, sieht er Linda, Robin und Batwoman verschwinden. Die Illusion wirkt ungeachtet der Tatsachen, auch Alfred verschwindet aus Wayne Manor. Batman sieht nur noch eine, die ihm gegen Scarecrow helfen kann: eine alte Gegnerin – Catwoman.

Selina Kyle hat ihre Amnesie überwunden und büßt für ihre Taten im Knast. Batman bietet ihr Bewährung an, aber sie zieht das Kostüm nur widerwillig wieder an. Wie er sie aus dem Gefängnis bekommt, bleibt offen. Sofort macht sich Catwoman nützlich: Gegen einen weiß angemalten Löwen und später indem sie Batman verarztet. Man kommt sich näher: Sie sieht die Narben auf seinem Rücken, Batman erzählt ihr von seinem Kindheitstrauma.

Selina erzählt ihm ihre Geschichte: Das mit der Amnesie war nur eine Lüge. In Wahrheit war sie vor ihrer Karriere als The Cat unglücklich verheiratet. Der Mann war reich, aber hat sie misshandelt. Nach der Scheidung rähte sie sich, indem sie seinen Safe plünderte. Das gab ihr so viel Genugtuung, dass sie weitermachte. Die Story mit der Amnesie hat sie nur erzählt, weil sie das Leben als Catwoman satt hatte und eine Familie gründen wollte.

Selina will Batman davon überzeugen, dass er nur einer Halluzination anheim gefallen ist, und dass er selbst sein größter Feind ist. Nach dem Tod seiner Eltern habe er sich eine Welt voll Konflikte geschaffen, um nie wieder jemanden an sich heranzulassen. Als auch Selina zu verschwinden droht, legt sie ihre Maske ab, dann macht Bruce es ihr nach. Bald darauf heiraten sie und leben 20 Jahre zusammen.

>> Liste der Catwoman-Comics