Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Wo geht die Heldenreise hin?

DC Comics

DC Comics Titel: The Villain’s Journey (dt. Der Pfad des Schurken)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee u.a.

Erschienen: 2012 (Justice League #7-12), Paperback 2012 (Justice League Vol 2.); dt. Panini 2013


„Die Justice League ist nicht so heldenhaft, wie alle glauben. (…) Sie sind nicht das Team, das sie sein müssten. Das waren sie nie.“ (David Graves)

Nach dem ersten gemeinsamen Abenteuer der Justice League im neuen DC-Universum macht die Erzählung einen Zeitsprung: Einige Jahre später ist die Liga ein eingespieltes Team, das routinemäßig die Welt rettet. Die Menschen lieben ihre Helden, vertrauen ihnen, trauen ihnen sogar zu, ihre weltlichen Probleme wie Wirtschaftskrisen zu lösen und die Bildungspolitik zu reformieren. Begleitet – und beobachtet – wird sie von der Spezialeinheit Argus, angeführt vom Agenten Steve Trevor, der bekanntlich einmal auf der Paradiesinsel gelandet ist, wo er Wonder Woman kennen und lieben lernte. Er muss sich vor der Welt rechtfertigen: für die Handlungen der Justice League, aber auch für sein Privatleben.

Trevor, der Vertraute der JL, wird zur Schwachstelle. Denn ein gewisser David Graves, dessen Familie die Helden vor Darkseid gerettet haben, und der einst aus Dankbarkeit einen Bestseller über die Liga geschrieben hat, ist mittlerweile ziemlich sauer. Seine Familie ist an einer mysteriösen Krankheit gestorben, er selbst ist kurz davor, das gleiche Schicksal zu teilen. Also sucht er Hilfe im Übernatürlichen und mit neuen Kräften ausgestattet, entführt er Trevor und schafft es durch Folter und Erpressung an die Geheimnisse der Liga ranzukommen, um sie auszuschalten. Wie? Indem er sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert …

Im Gegensatz zum Origin wird hier eine halbwegs ordentliche Geschichte erzählt, in der wenigstens Steve Trevor einen Bezugspunkt bildet. Ansonsten wirkt die JL abgeschottet und elitär, wir erfahren, dass ein Versuch, neue Mitglieder (wie den Martian Manhunter) zu akquirieren, gescheitert ist, und man deshalb vorerst keine neuen Rekruten akzeptiert. Das hindert jedoch Green Arrow nicht daran, es dennoch eine Ausgabe lang beharrlich zu versuchen, sich dem Team anzuschließen – vergeblich. Doch es sind auch interne Querelen auszustehen: Wonder Woman fetzt sich mit Green Lantern, Superman mischt sich ein und bekommt einen Tritt von ihr verpasst – und das auch noch vor der Weltöffentlichkeit. Man benimmt sich immer noch so albern wie zu Beginn. Am Ende wird klar: Superman und Diana sind ein Paar.

Wow. Eigentlich wollte ich mich kurz fassen, aber jetzt sind es schon drei Absätze Inhaltsbeschreibung geworden – und ich habe längst nicht alles erzählt. Muss ich auch nicht, denn so plump geradlinig die erste JL-Story war, so überladen und sprunghaft ist die zweite. Statt den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und zu erzählen, wie die Helden zueinander finden und ihre nächsten Aufgaben meistern, forciert Autor Geoff Johns eine etablierte Liga – nur um dann doch ein paar wichtige Episoden (wie die Rekrutierung oder den Kampf gegen Amazo) en passant nachzutragen. Statt eins nach dem anderen in einer organisch zusammenhängenden Geschichte zu erzählen, wird vieles Kommende (wie Pandora, Shazam, Cheetah, Atlantis) bloß angerissen, als wollte man mit einer Fülle von Vorausdeutungen die Neugier der Leser erzwingen. Äußerst unsympathisch, wenn der Autor selbst nicht zu wissen scheint, wohin die Heldenreise geht.

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Super Sieben mit Startschwierigkeiten

DC Comics

DC ComicsTitel: Origin (dt. Der Anfang)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee

Erschienen: 2011-2012 (Justice League #1-7), Paperback 2012 (Justice League Vol. 1); dt. Panini 2013


„Wir sind kein Team. Und Freunde sind wir auch nicht.“ (Hal Jordan)

Batman trifft auf Green Lantern. Superman kommt dazu. Er kloppt sich ein bisschen mit Green Lantern. Flash kommt dazu. Er kloppt sich ein bisschen mit Superman. Dann kommen einige Paradämonen und man kloppt sich mit denen. Wonder Woman kommt dazu und hilft dabei die Paradämonen zu vermöbeln. Und dann taucht auch Aquaman auf (sorry, der Kalauer musste sein) und hilft mit ein paar Haien dabei, weitere Paradämonen zu verhauen. Zwischendrin wird Victor Stone durch einen Unfall und einen drastischen Eingriff seines Vaters zum Cyborg wider Willen. Und als Darkseid erscheint, vereinen die Streithähne ihre Kräfte und schubsen ihn durch eine Schallröhre zurück nach Apokolips.

So. Das ist die erste Geschichte der neuen Justice League-Serie. Ebenso holprig und planlos wie das erste Zusammentreffen der sieben Helden. Das Verhältnis ist geprägt von Misstrauen. „Erst schlagen, dann fragen“ ist die Devise. Die größten Helden verhalten sich wie pubertierende Kinder. Selbst Batman, der mysteriöse Denker der Gruppe, neigt zum Schwachsinn, als er einmal sogar seine Maske ablegt und sich Green Lantern als Bruce Wayne vorstellt – und zwar kurz nachdem er ihn kennengelernt hat und in aller Öffentlichkeit! Was kann man noch sagen über diesen Anfang? Dass er nicht mehr als viel heiße Luft ist, aufgebauscht mit all zu vielen Splash Pages, die nur übertroffen werden durch doppelte Splash Pages? Dass alles nur schicke Pose ohne Emotion oder Substanz ist? Dass selbst der Witz bemüht wirkt und auf der Strecke bleibt? Das alles könnte man sagen – es wäre aber nicht der Rede wert. Dieser Neustart ist ein Rohrkrepierer.

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Ein schlechter Trip ins Wunderland

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman: Through the Looking Glass

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Sam Kieth

Erschienen: 2012 (One-shot)


„It’s like some insane game …“ (Alfred)

Während Batman über den Mord an einem Politiker nachdenkt, erscheint ihm ein weißes Kaninchen, er folgt ihm in die Kanalisation und trifft – Alice? Nein, sondern seine alte Jugendfreundin Celia. Sie wird zu seiner Führerin durch das Wunderland, in dem bekanntlich allerlei Kuriosa wohnen und den besten Detektiv der Welt an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Denn Batman steht unter Halluzinogenen und bemüht sich, in diesem Zustand einen Serienmörder zu schnappen. Währenddessen versuchen Robin und Alfred, ihren Gefährten wiedereinzufangen …

Es ist nicht das erste Mal, das Alice im Wunderland  für eine Batman-Geschichte Pate stehen muss. Der Mad Hatter verdankt bekanntlich seine Herkunft dem Buch von Lewis Carroll. Und so ist er auch hier der Mann hinterm Spiegel, der Batmans Verstand verwirrt. Allerdings ist die Story so bemüht irre, sind die Figuren so nervig, die Motive so altbekannt, die Witze so platt, dass das Lesen dieses schmalen Bändchens schnell ermüdet. Selbst Zeichner Sam Kieth, der sich bei Secrets und vor allem Arkham Asylum: Madness als fähiger Künstler erwiesen hat, kann dieses Comic nicht retten. Im Gegenteil: Er bietet hier meist bloß krakelige Bilder, durch die alles noch viel schräger wirken soll, die aber tatsächlich nur albern und übertrieben aussehen. Ein Buch so grässlich wie ein schlechter Trip.

 

Brutstätte des Wahnsinns

Arkham Asylum : Madness

DC Comics

Titel: Arkham Asylum: Madness

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2011


„… the people here are actually very sad, and that can happen to any of us …“

„This place is killing me.“

„These very walls are the perfect recipe for madness.“

In diesem Comic hat Batman mal Pause. Stattdessen wird ein Tag in Arkham Asylum aus der Sicht der Angestellten gezeigt. Man erfährt, dass in der Anstalt nur die Insassen die gleichen bleiben, während das Personal verheizt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, haben meist keine Wahl, weil sie verschuldet sind und sie ihr Leben notdürftig bestreiten müssen. So nehmen sie die Angst und den Frust in Kauf, den Arkham mit sich bringt: Entweder man stirbt dort oder man kündigt früher. Hier dient eine alte rostige Wanne außerhalb des Geländes, wo die Angestellten ihre Raucherpausen machen, als Insel der Glückseligkeit.

Hauptfigur ist die Krankenschwester Sabine, die den Job durchzieht, um für ihren Sohn zu sorgen. Wegen Personalmangels muss sie nach einer Tagesschicht auch noch eine Nachtschicht übernehmen. Der Antagonist ist, wie kann es anders sein, der Joker höchstselbst. Wir sehen ihn alte Schachteln von antiken Scherzartikeln sammeln. Man kann sich denken, dass er sich dieses Hobby nicht ohne Grund gesucht hat. Denn jede Box erzählt die Geschichte einer Grausamkeit am Personal. Zum Schluss spielt der Joker mal wieder den Narren, der die Heldin mit unbequemen Fragen quält. Gastauftritte gibt es von einem beängstigend-ungeheuerhaften Killer Croc im Wassertank, Poison Ivy, Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat. Und dann ist da noch eine zu langsam gehende Wanduhr, die blutet … – ein Symbol für die Gesamtsituation.

Sam Kieth findet einen ganz eigenen Weg, den Irrsinn zu verbildlichen. Er benutzt verschiedene Zeichen- und Maltechniken sowie Bildstile, vom cartoonhaft Überzeichneten bis zum Hyperrealistischen. Manche Panels sind Gemälde, andere wirken wie skizzenhafte Vorstufen. Die Virtuosität zeigt sich am meisten beim Finale, wenn der Joker in jedem Panel auf eine andere Art dargestellt ist: mal kantig, mal cartoonhaft, stets wie eine Karikatur seiner selbst. Selten war mehr Abwechslung als in diesem Comic. Man kommt nicht umhin, die Optik mit der zu vergleichen, die Dave McKean für Grant Morrisons Arkham-Story gefunden hat. Auch wenn es zuweilen Ähnlichkeiten gibt, bewahrt sich Sam Kieth einen ganz eigenen Zugang zum Thema Irrsinn und schafft es so, eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung zu erschaffen. Arkham Madness verdient einen Platz im Regal gleich neben Morrisons Klassiker.

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Weitere Arkham-Storys:

Entenmörder Bruce Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Secrets (dt. Geheimnisse)

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2007), dt. Panini 2007 (100% DC)


„Some secrets can destroy … and some can change your life.“ (Batman)

„We both have secrets that eat us up inside — secrets we’ll never share, ones we think are special but are probably worthless crap.“ (Joker)

Der Joker ist frei, entlassen aus Arkham. Er scheint rehabilitiert zu sein, hat ein Buch geschrieben, tritt im Fernsehen auf. (Kommt uns das bekannt vor?) Aber der Schein trügt wie immer: Es ist alles nur Show und Teil eines neuen kranken Spiels mit Leichen – und Batman. Dieses Mal sind die Medien involviert. Der Joker bringt gestellte kompromittierende Bilder in Umlauf, um Batmans Ruf zu ruinieren. Damit die Maschine läuft, erpresst der Joker einen Chefredakteur, der auch ein ehemaliger Freund von Bruce Wayne ist. Jeder hat Geheimnisse. Bruce Wayne plagen Albträume, weil er als Kind einmal aus Versehen eine Ente erschossen hat …

Die Story mag ihre Lücken, ihre Sprünge und Ungereimtheiten haben – aber bei Sam Kieth ist das nebensächlich. Den Autor interessiert vielmehr das Verhältnis zwischen Batman und Joker. Einmal mehr unterzieht er es einer Analyse, wobei er da weitermacht, wo Alan Moore mit The Killing Joke aufgehört hat. Bei Moore stellt Batman fest, dass eines Tages einer der beiden den anderen töten werde. In Secrets sagt der Joker: „They know your secret: That you hate me enough to kill me.“ Außerdem spielt Kieth auf den Witz an, der bei Moore beide zum Lachen gebracht hat, sowie auf das Cover von The Killing Joke.

Leider sind nicht alle Bezüge Reminiszenzen. Dass der Joker eine Frau durch Manipulation zu seiner irren Helferin macht, erinnert zu stark an Harley Quinn. Und zuweilen wirken auch die vielen Dialoge und Selbstanalysen ermüdend, vor allem wenn sie zur Küchenpsychologie neigen: „You know why you really hate me, why you really want to destroy me?“, fragt der Joker. „Because you have to. Because you project everything about yourself that you hate and fear onto me.“ Interessanter wird es, wenn der Joker auf die Medien referiert: „We fight … because the machine demands it.“ Zwar meint er damit die sensationsgeilen Journalisten seiner Welt, aber man kann das auch als Referenz auf die Comic-Branche verstehen. Batman und Joker müssen kämpfen, weil die Leser es so wollen. Comic-Figuren haben es nicht leicht …

Das Wichtigste zum Schluss: Sam Kieths macht seine Schwächen als Erzähler durch seine Stärken als Grafiker wieder wett. Der Mann ist ein wahrer künstlerischer Anarchist, der alle stilistischen Möglichkeiten durchspielt: vom Realismus über den Expressionismus bis zum Surrealismus. Seine Figuren und Bilder sind meistens drastisch, Batmans ein Meter lange Ohren sind genauso übertrieben wie Jokers Grinsen, die Panels schräg, die Gesichter grotesk verzerrt, manchmal kann man nicht erkennen, was dargestellt werden soll. Das macht das Comic für ungeübte oder konservative Leser nicht leicht verdaulich, aber für Formalisten (und Freunde von Dave McKeans Arkham Asylum) dürfte es ein Genuss ein. Secrets ist vielleicht nicht durchgehend ein Lesevergnügen, aber auf jeden Fall ein Hingucker.

>> Batman 2000-2011

Erbe als Bürde

Bruce Wayne und Terry McGinnis

Bruce Wayne und Terry McGinnis

Titel: Epilogue

Regie/Drehbuch: Dan Riba/Bruce Timm, Dwayne McDuffie

Erschienen: 2005 (Justice League Unlimited S02E13)


„Guess that’s all this is about: Legacies.“ (Terry McGinnis)

„The world does need a Batman. And it always will.“ (Bruce Wayne)

Nach vielen Jahren hat es Terry McGinnis satt, Batman zu sein. Seine Beziehung entwickelt sich nicht weiter, weil er Angst hat, dass seine Freundin gefährdet sein könnte. Als Batman fühlt er sich nur als Kopie von Bruce Wayne. „How can anyone be their own man living someone else’s dream?“, fragt er sich selbst. „How can I skip the curse of Batman?“ Er sucht Antworten bei der alten Amanda Waller. Und tatsächlich ist da etwas dran, dass Terry und Bruce enger zusammenhängen als gedacht.

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Neue Animationsfilme und endlich ein Trailer

Am 15. Mai soll er endlich kommen: der langersehnte erste offizielle Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Im vergangenen Jahr war das Privileg, einen ersten Teaser zu sehen, nur einer kleinen Schar auserwählter auf der Comic-Con San Diego vorbehalten. Jetzt sollen endlich alle Fans in den Genuss erster bewegter Bilder kommen, und zwar zum Kinostart des neuen Mad Max-Films. Bislang wurden wir bloß mit Promo-Bildern von Batman, Superman, Wonder Woman, Aquaman und Lex Luthor abgespeist. Aber so macht man heute eben Marketing: Kleckern statt Klotzen. Deshalb werden jetzt schon Trailer-Premieren angekündigt …

Außerdem wurde bekannt gegeben, dass ein neuer Batman-Animationsfilm geplant sei. In welchem Stil und worum soll es gehen? Die Besetzung sagt bereits alles: Adam West und Burt Ward. Zum 50-jährigen Jubiläum der trashigen Batman-TV-Serie der 60er soll der Film herauskommen. Vor kurzem erst ist die gesamte Serie auf DVD und Blu-ray erschienen, seit 2013 gibt es sogar eine Comic-Adaption namens Batman ’66, die es bisher auf 20 Ausgaben gebracht hat (weitere sind geplant). Die Hefte sollen gar nicht übel sein. Ob ein Zeichentrickfilm den Charme der Serie einfängt, ist zu bezweifeln. Nötig ist das jedenfalls nicht.

Bereits am 12. Mai erscheint in den USA der Direct-to-Video-Animationsfilm Batman Unlimited: Animal Instincts. In dem Streifen soll Batman unter anderem mit Flash und Green Arrow gegen Schurken kämpfen, die Tieren nahestehen: Pinguin, Killer Croc, Man-Bat, Cheetah etc. Besprechung folgt.

Zum Abschluss noch ein amüsantes Netzfilmchen: Was wäre, wenn Superman von den Waynes adoptiert worden wäre? Viel Spaß.

Gegen das Geschwür Gotham

DC Comics

DC Comics

Titel: City of Crime (dt. Stadt der Sünde)

Autor/Zeichner: David Lapham/Ramon Bachs

Erschienen: 2005-2006 (Detective Comics #800-808, 811-814, Paperback 2006), dt. Panini 2014.


 „Diese und unzählige andere schreckliche Dinge geschehen heute. Und niemand ist da, um sie zu verhindern.“

„Es gibt keinen Platz mehr für Batman.“

Ich habe noch keine Erklärung dafür, vielleicht ist es meine Neigung zur kleinen Form, aber aus irgendeinem Grund funktioniert Batman besonders gut in Geschichten auf wenigen Seiten. Wie etwa „In der Nacht“, der Prolog des Zwölfteilers City of Crime. Darin wird auf acht Seiten eine einfache Geschichte erzählt, wie Batman einen gefangenen Jungen aus einem Keller befreit, aber die Erzählstimme, die immer wieder Sätze mit „In der Nacht“ beginnt, schafft eine eindringliche Stimmung. Dann kommen so bittersüße Sätze zustande wie: „In der Nacht spritzt Blut und erzeugt Kunstwerke auf dem Asphalt. Die Stadt wimmelt von Pollocks und de Koonings. Die Stadt ist ein Museum.“ Oder: „Man sagt, in der Nacht gäbe es nichts, was da nicht auch am Tag wäre. Ist nicht wahr. In der Nacht gibt es Angst. In der Nacht gibt es Monster.“ Wir sehen eine aus der Finsternis fliegende Fledermaus. Und am Ende, im vorletzten Panel, kurz bevor Batman zur Rettung des Jungen naht, heißt es: „In der Nacht stirbt eine Frau.“ Es wird klar, dass die Nacht in Gotham eine besonders grausame ist. Und dass Batman nicht überall sein kann …

Davon handelt auch City of Crime. Die Erzählstimme, ein fatalistischer Kommentator, bleibt erhalten und charakterisiert diese Stadt, deren Wurzeln, wie sie sagt, in die Hölle reichen. Dabei sehen wir Batman zunächst bei der Alltagsarbeit, nämlich Kleinkriminelle zur Strecke zu bringen – manchmal auch bevor die eigentliche Tat passiert. Die Hauptgeschichte, die David Lapham erzählt, ist außerordentlich komplex: Es geht um Menschenhändler, um schwangere Mädchen, um eine verschwundene Tochter, um eine an Drogen gestorbene reiche Göre – einen Fall, der Batman nahe geht. Irgendwas hat der Pinguin mit der Sache zu tun. Mr. Freeze hält eine junge Frau gefangen, weil er sie als neue Nora ehelichen will. Und dann gibt es Menschen, die nicht die sind, die sie vorzugeben scheinen. Halluzinierende Normalbürger begehen aus Angst Verbrechen. Batman und Robin haben alle Hände voll zu tun, auch die Polizei spielt eine große Rolle (James Gordon allerdings nur eine untergeordnete) – und dann gibt es noch eine Bürgermeisterwahl. Auch wenn das zusammen sehr viel Stoff ist, bei dem es schwerfällt, den Überblick zu behalten, ist City of Crime eine einnehmende Geschichte. Vor allem wegen dieses durchgehenden Erzählstils und seiner ausdrucksstarken Bildsprache.

Eines der interessantesten Kapitel ist das, in dem Batman undercover in einem Elendsviertel ermittelt: Er nimmt einen Job als Kranführer an und schließt Freundschaft mit einem Hauptverdächtigen. Lange ist kein Batman zu sehen, stattdessen wird ein Gesellschaftspanorama der dort lebenden Menschen aufgefächert – und man fühlt sich zuweilen an Großstadtepen wie die HBO-Serie The Wire (2002-2008) erinnert. Das ist mal eine willkommene Abwechslung (auch wenn der Fanboy leicht nervös werden kann, wenn mal länger als 22 Seiten weder Cape noch spitze Ohren in einem Panel auftauchen).

Leider ist die Auflösung am Ende etwas halbgar. Zu viele Fragen bleiben offen. Lapham legt viele falsche Fährten, sodass einige davon als lose Enden in der Luft hängen. Aber darum scheint es dem Autor nicht zu gehen, am Ende kehrt er zu der Mutter zurück, die ihre Tochter verloren hat. Dieser Einzelfall ist ihm wichtiger als der Plot um die große Verschwörung im Untergrund. Und schließlich geht es ihm nur darum zu zeigen, dass die Stadt Gotham, als City of Crime (oder im Deutschen „Stadt der Sünde“) einem Geschwür gleicht, bei dem auch einer wie Batman es nicht schafft, hinterherzukommen – oder besser gesagt: immer nur hinterherhinken kann.

Man sollte sich auf diese Stadtrundfahrt einlassen. Das kann man auch ganz ohne Vorwissen um die Continuity. Diese Story steht weitgehend für sich.

>> Batman 2000-2011

Vorschau: Neue Batman-Comics von April bis Juli 2015

DC Comics

DC Comics

Harley Quinn und der Riddler, eine Würdigung des Zeichners Norm Breyfogle sowie neues von Erde Eins und dem Dreamteam Snyder-Capullo: Die für die nächsten vier Monate angekündigten Batman-Comics machen viel Vorfreude. Eine Übersicht.

Im April widmet DC dem Riddler einen eigenen Band, in dem seine besten Auftritte gesammelt sein sollen. Auf fast 300 Seiten wird folgendes geboten: Detective Comics #140, #142, #377, #822, #837, Batman #171, #179, #292, #317, #362, Batman: The Riddler #23.2 (Villain’s Month), Brave and Bold #183, Joker’s Asylum II: The Riddler #1 and Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #2.

Im Mai kommt endlich der sechste Band von Scott Snyders und Greg Capullos Batman-Serie. Nein, noch nicht das lang erwartete Endgame (es soll so großartig sein, dass das Warten bis zum Herbst schmerzt), sondern Graveyard Shift. Dabei handelt es sich um eine Resterampe von bisher nicht in Buchform veröffentlichten Heften: Batman #0, #18-20, #28, #34 and Batman Annual #2. Also Lückenbüßer und ein paar Anekdoten aus der Vergangenheit (Stichwort: Zero Year). Wir freuen uns trotzdem drauf, etwas Neues von dem Dream-Team zu lesen.

Eine Woche später soll der zweite Band von Earth One erscheinen. Der alternative Origin von Geoff Johns und Gary Frank erfreute sich großer Beliebtheit und auch ich fand ihn zumindest gut erzählt (wenn auch die Story nicht sonderlich innovativ war). Bin gespannt, wie es jetzt weitergehen soll.

Ebenfalls im Mai kommt Detective Comics Vol. 6 raus. Die Story Icarus stammt von einem neuen Team – Francis Manapul und Brian Buccellato – und soll einen neuen Weg einschlagen. Es wird höchste Zeit. Bislang war der Neustart von Detective Comics eher enttäuschend und wirkte planlos.

Für den 2. Juni ist die Kurzgeschichten-Anthologie Legends of the Dark Knight Vol. 4 angekündigt. Zwei Tage später erscheint bei Panini eine Neuauflage einer alten Legends-Story: Mask (#39-40) soll laut Verlag „eine der psychologisch intensivsten Bat-Geschichten aller Zeiten“ sein. Bruce Wayne wird im Krankenhaus erklärt, dass er sich Batman nur einbildet. Das 48-Seiten-Heft wird auf 999 Exemplare limitiert sein und neun Euro kosten.

Am 7. Juli erscheint ein Sammelband, der sich dem Künstler Norm Breyfogle widmet. Auf über 500 Seiten werden Werke aus den 80ern und 90ern versammelt sein. Breyfogle hat kürzlich einen Schlaganfall erlitten und wegen einer unzureichenden Gesundheitsversicherung wurden Spenden für seine Genesung gesammelt. Wir haben bereits drei seiner Geschichten besprochen.

Außerdem erwartet uns im Juli eine Compilation zu Harley Quinn, der nervigen, aber beliebten Partnerin des Jokers, die ihren ersten Auftritt in der Animated-Serie hatte, aber längst in die Comic-Continuity aufgenommen wurde und sogar eine eigene Serie hat. Im Sammelband werden enthalten sein: Batman: Harley Quinn #1, Joker’s Asylum II: Harley Quinn #1, Batman: Gotham Knights #14, #30, Batman: Black and White #1, #3, Detective Comics #831, #837, Detective Comics: Harley Quinn #23.2 (Villain’s Month), Legends of the Dark Knight 100 Page Super Spectacular #1. Passend dazu erscheint schon am 31. März die Deluxe-Edition des Klassikers Mad Love.

Weitere Highlights:

  • Batman Beyond: Batgirl Beyond (8. April)
  • Batman Noir: Dark Knight Returns (5. Mai)
  • Batman Eternal Vol. 2 (14. Juli)
  • Batman: The Jiro Kuwata Batmanga Vol. 2 (14. Juli)
  • Second Chances (21. Juli, Batman #402-403, 408-416, Batman Annual #11)
  • Gothic Deluxe Edition (28. Juli)

Gipfeltreffen dreier Batmen

Justice League Unlimited: Drei Batmen

Justice League Unlimited: Drei Batmen

Titel: The Once and Future Thing (Parts 1 & 2)

Drehbuch: Dwayne McDuffie

Erschienen: 2005 (Justice League Unlimited, S01E12-13)


„Wow! Batman’s playin‘ good cop.“ – „Everything’s relative.“ (Static/Green Lantern)

Batman, Wonder Woman und Green Lantern jagen einen Zeitreisenden. Zuerst landen sie im Wilden Westen, wo sie auf Jonah Hex treffen (dem wurde bereits die Folge „Showdown“ in Batman: The Animated Series gewidmet, S02E13), anschließend geht es in das Gotham der Zukunft von Batman Beyond. Es kommt, wie es kommen muss: Der klassische Batman trifft nicht nur auf Terry McGinnis, sondern auch auf den alten Bruce Wayne. Das Gipfeltreffen hat einige witzige Momente, etwa wenn Batman seinem alten Ich gegenübersteht und bekennt, dass er nicht damit gerechnet hätte, es so weit zu bringen. Der absolute Hit aber ist dieser kurze Dialog zwischen Batman und Bruce Wayne, als es darum geht, ob der Held aus der Vergangenheit in der Zukunft bestehen kann. Batman: „Are criminals still supersticious and cowardly?“ – Wayne: „Yup.“  – Batman: „Good enough for me.“ Und ab.