Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Die Mutter aller Krisen

DC Comics

DC Comics

Titel: Crisis on Infinite Earths

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/George Pérez

Erschienen: 1985 (Mini-Serie #1-12), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband #12-13)


„Worlds lived, worlds died. Nothing will ever be the same.“

Einmal alle Helden in einer Geschichte. Das war Marv Wolfmans Kindheitstraum. 1985 bekam er von DC endlich die Gelegenheit dazu: mit Crisis on Infinite Earths. Und dabei hat er auch gleich die Funktion eines Hausmeisters übernommen und einmal das Multiversum entrümpelt von zu vielen Parallelwelten, Helden und auch Continuity-Problemen. Mit der neuen Ordnung sollten die Comics wieder zugänglicher für neue Leser sein. Nach diesem Hausputz begann DC von vorn, Superman und Batman bekamen neue Origins, und die Krise wurde zum Muster für viele weitere Crossover/Events, die darauf folgten und immer wieder aufs Neue das Universum erschütterten, bis nach Jahren wieder mal keiner durchblickte. Alles ist auf Zyklen ausgelegt.

Worum geht es in Crisis? Es gibt zwei Ober-Gurus: Der böse Anti-Monitor aus dem Antimaterie-Universum vernichtet ein Materie-Universum nach dem anderen. Warum? Weil er böse ist und Macht will – das Übliche eben. Der andere Oberguru, der Monitor, versucht seinen bösen Bruder davon abzuhalten und schickt eine hübsche Helferin aus, die ein paar Helden und Schurken versammeln soll, um wenigstens ein paar Welten zu retten. Helden vereinigen sich, Welten überlappen sich, man kämpft gegen Schattendämonen, man kämpft gegen den Anti-Monitor, man kämpft gegen Superschurken, viele Helden und Schurken sterben und auch viele Welten. Die fünf verbliebenen Welten fusionieren zu einer. Ende. Und der Anfang von etwas Neuem.

Im Wesentlichen war’s das. Aber das alles ist auf 350 Seiten so breitgetreten und zäh, dass es abwechselnd furchtbar ermüdet, nervt und langweilt. Eine halbe Ewigkeit braucht es, bis die Handlung richtig in Gang kommt. Zu Beginn sehen wir immer dasselbe: Welten, die von Antimaterie-Wolken vernichtet werden und eine Heulsuse mit lila Haaren, die sich selbst bemitleidet. Später sehen wir unzählige Kämpfe unzähliger Figuren, die alle austauschbar sind. Man hat das Gefühl, in jedem zweiten Panel tummeln sich neue Figuren, die alle mal was sagen müssen, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Hauptsache scheint zu sein, dass sie da sind. Der größte Makel ist, dass die Story zu viel will und zu wenig bietet: viel Lärm um nichts.

Vor allem fehlt ihr ein emotionaler Anhaltspunkt: Es gibt keine Hauptfigur und die handlungstragenden Figuren haben keine Tiefe. Einzig die Tode von Supergirl und Flash (Barry Allen) könnten als Höhepunkte durchgehen, den Rest nimmt man gleichgültig hin. Die gefühlt ein Dutzend Tode und Auferstehungen des Anti-Monitors hätte man sich sparen können. Diese Story scheint einfach kein Ende zu nehmen. Zu allem Überfluss ufert sie auch noch in eine Reihe von Binnenhandlungen aus, die bloß angerissen, aber dann in anderen Serien fortgesetzt werden. (Immerhin weist der Autor auf die Hefte hin, die man dafür lesen muss.)

Am Ende bringt es Superman auf den Punkt: „I was expecting more … satisfaction.“ Crisis mag seinen Platz in der Geschichte der Superheldencomics haben. Es hat dem DC-Universum gut getan, dass es von unnötigem und zum Teil lächerlichem Beiwerk befreit wurde (auch wenn mit den Jahren leider vieles wieder aus der Mottenkiste geholt wurde). Aber die Story, die darum gestrickt wurde, liest sich wie eine Pflichtübung, ein reines Mittel zum Zweck. Daher ist Crisis ein Werk, dass man kennen, aber nicht unbedingt lesen muss. Schon gar nicht ein zweites Mal. Ich habe mich damit eine Woche lang rumgequält und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Wahrscheinlich hätte ich sonst selbst die Krise gekriegt …

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

DC Comics

Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Coverwahn #3

Der Hype um Dark Knight III: The Master Race nimmt Überhand. DC hat bereits 42 Variant Cover angekündigt. Doch auch wenn sehr viele erstklassige Künstler involviert und ein paar tolle Motive präsentiert worden sind, treten beim Betrachten der Bilder jetzt schon Verbrauchserscheinungen ein. Meistens sind es bloß Hommagen an den ersten Dark Knight-Teil. Langsam reicht es. Wie viele Sprünge von Batman mit Robin Carrie Kelley wollen wir noch sehen? Wie viele Variationen der Prügelei mit dem Mutanten-Anführer? Wie viele Sichten auf den Kampf mit Superman? Da ist mal ein minimalistisches Cover wie das von Tim Sale eine willkommene Abwechslung: Silhouette und Symbol in einer dunklen Gasse – und das war’s. Der Mann hat’s immer noch drauf.

Interessanter als das Bildergucken ist ein Interview mit Co-Autor Brian Azzarello, bei dem Details zu der Mini-Serie, die am 25. November beginnt, bekannt werden. Allerdings sind es eher formale Details. Azzarello verrät, dass Teil 3 eine Mischung aus Teil 1 und Teil 2 wird, dass die Mini-Comics, die zu jedem Teil beigelegt werden, eigentlich Teile der Haupthandlung waren und ausgegliedert wurden. Außerdem gibt er Einblicke in seine Schreibwerkstatt mit Frank Miller. Ein etwas ausführlicheres Interview, bei dem sich der Autor furchtlos zeigt, findet man bei Comicbookressources.com.

Der Vollständigkeit halber hier die ganze Liste der Zeichner, die ein Variant-Cover beisteuern werden:

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Das war der Batman-Tag 2015

Ausbeute des Batman-Tags 2015

Foto: Lukas Gedziorowski

Ich konnte nicht widerstehen: Zwei Gratis-Comics und eine Joker-Maske, die ich nie aufsetzen werde. Aber hey, es war für lau … Das ist meine Ausbeute vom ersten Internationalen Batman-Tag. Den Gratis-Comic gab es einmal auf deutsch und einmal auf englisch. Obwohl das Titelbild gleich ist, gibt es zwei große Unterschiede. Während die US-Ausgabe das ganze erste Kapitel von Endgame (dt. Todesspiel) enthält, hat Panini bei der deutschen Ausgabe geknausert und die ersten vier Seiten weggelassen. Das ist nicht nur schwer nachvollziehbar, da die Seiten nun mal zur Story dazugehören (und dadurch zu ihren Reiz beitragen), sondern auch sehr halbherzig, da es immerhin darum geht, neue Leser zu gewinnen. Aber offenbar wollte man noch einen Kaufanreiz für das nächste reguläre Batman-Heft schaffen. So viel sei verraten: Der Beginn von Endgame hat es in sich. (Ausführliche Besprechung kommt morgen!)

Der wichtigere Unterschied: Während Panini eine bereits publizierte Story („Look Inside“) mitgegeben hat (aus dem Megaband #1, bzw. Legends of the Dark Knight Vol. 2), hat DC acht Seiten von Batman & Robin Eternal gebracht. In der neuen wöchentlichen Serie, die Batman Eternal im Oktober beerben soll, geht es um Geheimnisse aus der Vergangenheit, die das Verhältnis von Bruce Wayne und Dick Grayson in der Gegenwart belasten sollen. Auf den acht Seiten erfährt man nicht viel, außer dass Batman eine Information vor Robin zurückhält. Das Ganze ist wie immer sehr detailreich und lebendig von Tony S. Daniel gezeichnet. Die Story von James Tynion IV und Scott Snyder scheint – wie schon Batman Eternal – großes Kino zu werden. Aber zunächst muss ich noch die Vorgänger-Story lesen. Drei dicke Bände, das braucht Zeit …

Happy Batman Day!

DC Comics

DC Comics

Heute wird der erste internationale Batman-Tag gefeiert. Fans bekommen ein Gratis-Comic, in dem ein Vorgeschmack auf die neue Story Endgame (dt. Todesspiel) gegeben wird, sowie eine von vier Papiermasken (Batman, Joker, Harley Quinn). Die US-Version des Gratis-Comics, die nicht nur den vollständigen ersten Teil von Endgame enthält, sondern auch die ersten Seiten der neuen wöchentlichen Serie Batman & Robin Eternal kann man kostenlos und barrierefrei auf dccomics.com lesen. Außerdem verhökert DC digitale Batman-Comics zum Sonderpreis.

So, jetzt muss ich aber los: mein Comicladen macht gleich auf. Außerdem ist mein Endgame-Band gekommen und wartet darauf gelesen zu werden. Meine Besprechung könnt ihr hier am Montag lesen.

DC Comics

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ASAS

DC Comics

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Fledermaus, Katze und Fleischklops nach Shanghai-Art

Shanghai 1930: Eine geheimnisvolle Schriftrolle des Schicksals bestimmt den Herrscher der Stadt. Catwoman klaut sie, dann greift Bane zu, schließlich behält Batman das letzte Wort. Diese drei DC Nation-Web-Videos, The Bat Man of Shanghai, zeigen eine fulminant animierte und spektakulär inszenierte Anime-Version des Dunklen Ritters, der mit Leuchtstäben kämpft und sich in einen Schwarm von Fledermäusen auflösen kann. Bane ist ein so übertrieben riesiger Muskelberg, dass er als fassadenkletternder King Kong inszeniert wird, Catwoman macht in weiß-roten Kostüm und mit Puschelschwanz eine klasse Figur. Dieser dreitelitige Kurzfilm verdient einen Ehrenplatz in den Batman-Annalen.

Coverwahn #2

DC hat noch mehr Cover für Dark Knight III – The Master Race veröffentlicht. Hauptzeichner Andy Kubert zaubert uns erneut eine noire Sicht auf den Dunklen Ritter als Fassadenkletterer, was vor dem roten Hintergrund besonders cool kommt, Eduardo Risso lässt Batman selbst rot glühen, als Dämon, der sich von einem Gargoyle stürzt. Lee Bermejo setzt auf eine Actionszene mit Robin, ein weiteres Cover von Kubert zeigt Carrie Kelley in Gefangenschaft (ein Ausblick auf Ausgabe #2), Klaus Janson hingegen enttäuscht mit Batman, Superman und Robin im Profil und Halbschatten – lahm. Meine Favoriten kommen von Rafael Albuquerque und Tyler Kirkham. Beide haben (wie schon Jae Lee und Sean Murphy) eine Reminiszenz an The Dark Knight Returns gezeichnet: Bei ersterem verprügelt Batman den Mutantenanführer im Schlammloch, bei letzterem sieht man den Antihelden mit blutigen Fäusten vor seinen Anhängern stehen – der Himmel knallrot. Höchstdramatisch. So haben wir’s gern.

Identity Crisis: Ein Universum sucht einen Mörder

Identity Crisis

DC Comics

Titel: Identity Crisis

Autor/Zeichner: Brad Meltzer/Rags Morales

Erschienen: 2004-2005 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2005), dt. Panini 2006 (Paperback)


„It’s the first rule of solving a crime. If you want to know who did it, you need to find out who benefits.“ (Batman)

Ein ungewöhnliches DC-Event. In Identity Crisis geht es nicht um das große Ganze, nicht um böse Mächte aus den Tiefen des Universums, nicht um das Heil der Welt. Nein, der Ansatz ist viel bescheidener: Hier findet das DC-Universum zusammen, um den Mörder einer Frau zu finden. Mehr nicht. Und trotzdem ist es diese Besinnung aufs Wesentliche, die die Stärke dieses Comics ausmacht.

Das Opfer ist Sue Dibny, geliebte Ehefrau von Ralph Dibny, dem Dehnungskünstler Elongated Man (eine Art Plastic Man). Sie wird zu Hause von einem Unbekannten umgebracht und halb verbrannt. Die Erschütterung unter den Helden ist groß: Sue war bei allen beliebt. Doch es geht um mehr: Jemand scheint Jagd auf die Angehörigen der Helden zu machen. Die Kostümträger fürchten, dass ihre Geheimidentitäten aufgedeckt sein könnten und dass ihre Liebsten als nächstes dran sind. Nur wer könnte dahinterstecken? Am Tatort findet sich keine Spur. Da können selbst Superkräfte nur wenig ausrichten.

Doch Identity Crisis ist auch kein gewöhnlicher Krimi. Vielmehr ein Drama um die Kehrseite des Heldentums. Immer mehr Abgründe tun sich auf, wenn man erfährt, was einige Mitglieder getan haben, um ihre wahren Identitäten zu schützen. Es geht um edle Motive, niedere Beweggründe, um das Wegsehen und Weghören, eine Vergewaltigung und kaltblütigen Mord, sowie um Wahnsinn und perfides Kalkül. Am deutlichsten wird aber, dass es unter der Oberfläche nicht um Gerechtigkeit und Solidarität geht, sondern um reinen Eigennutz und Verlustangst. Noch mehr zu verraten, wäre zu viel, denn in jedem Teil passieren neue unerhörte Begebenheiten, die es in sich haben.

Es wird zwar vergleichsweise wenig Action geboten, aber dafür ist die Story so voll von Konflikten und sie werden so wunderbar eindringlich erzählt, die Charaktere sind so plastisch und die Superhelden so menschlich, dass es ein wahrer Genuss ist. Meisterhaft ist die Dramaturgie der Panels, hier wird weniger auf Sensationen und Splash Pages gesetzt als auf das Einfangen zwischenmenschlicher Momente – und sei es auf kleinstem Raum. Autor Brad Meltzer merkt man an, dass er in der Kunst des Thrillers geübt ist – und dieser wortlastige Stil tut der Story sehr gut. Und Zeichner Rags Morales ist mit seinen filigranen Zeichnungen der richtige Mann für die Bilder.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, falls die Auflösung am Ende enttäuschen sollte.

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Was Sie schon immer über Batman wissen wollten …

… aber bisher nicht zu fragen wagten – Superreporterin Lois Lane hat es gefragt. In dem kleinen Web-Video DC Nation – Tales of Metropolis: Lois sehen wir sie als Role Model einer Journalistin: Unablässig bleibt sie am Dunklen Ritter dran und stellt ihre Fragen, lässt sich nicht abwimmeln, bis sie endlich hat, was sie will. Wir erfahren, welcher der schrecklichste und welcher der peinlichste Schurke gewesen ist, und am Ende stellt sich heraus, dass Lois selbst der beste Sidekick wäre. Aber das wird wohl leider ein Wunschtraum bleiben.

Vom Rotkehlchen zum Rotkäppchen

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Under the Red Hood

Drehbuch: Judd Winick

Erschienen: 2010 (Direct-to-Video)


„Ich hätte mich niemals mit einem Wahnsinnigen verbünden dürfen.“ (Ra’s al Ghul)

Fünf Jahre nach der umstrittenen Storyline Under the Hood wurde der Comic verfilmt, allerdings unter dem Titel Under the Red Hood, was danach auch für den Comicsammelband übernommen wurde. Der Film tut, was Filme so tun: Er lässt viel aus. Man könnte auch sagen: Er verdichtet. Und das tut dem Stoff sehr gut.

Kurz gesagt: Es geht darum, wie das ehemalige Rotkehlchen Jason Todd (Robin II) über den Umweg des Todes zum mörderischen Rächer, dem Rotkäppchen Red Hood, wird. Es beginnt mit dem obligatorischen Robin-Mord durch den Joker. Statt die Story von A Death in the Family nachzuerzählen (Jasons Suche nach der Mutter, Reise in den Libanon etc.) wird hier kurzer Prozess gemacht: Der Joker vermöbelt gerade Robin mit der Brechstange, Batman eilt zu Hilfe, aber er kommt zu spät. Irgendwas hat die Sache mit Ra’s al Ghul zu tun, der offenbar gemeinsame Sache mit dem Joker macht. Und dieser Aspekt ist die wohl beste Entscheidung für den Film: So hat man gleich den Protagonisten eingeführt, der für Jason mit der Lazarus-Grube wiederbelebt. Kein metaphysischer Schicksals-Unsinn wie im Comic ist für die Auferstehung verantwortlich, sondern ganz einfach Ra’s selbst, weil er Schuldgefühle hat, für Jasons Tod mitverantwortlich zu sein. Als Leser und Zuschauer fragt man sich: Warum nicht gleich so?

Der weitere Hauptunterschied ist, dass der Joker eine viel größere Rolle spielt. Nicht bloß als Racheobjekt für Jason alias Red Hood, sondern auch dass Black Mask Joker als Auftragskiller für Red Hood anheuert. Der Joker ist gewalttätiger als je zuvor in einem Animationsfilm, er tötet plötzlich einige von Black Masks Männern – nur mit einem Wasserglas und nur weil er gerade Lust dazu hat. Der Part mit Mr. Freeze wird weggelassen, ebenso die Gastauftritte anderer Helden und Schurken, zum Beispiel Deathstroke. Dafür gibt es ein Attentat einer neuen Gruppe: The Fearsome Hand of Four. Batman und Nightwing kämpfen gemeinsam gegen den Androiden Amazo, der auch schon im Comic vorkommt. Trotz der zusätzlichen Gewalt sind andere Szenen entschärft, zum Beispiel die, in der Red Hood eine Tasche voller Köpfe in eine Gangsterversammlung wirft. Im Comic sieht man, was drinsteckt, im Film muss es Red Hood sagen. Einige Rückblenden, in der Robins Anfangszeit nachgereicht werden, vom Räderklau bis hin zu einer kurzen Begegnung mit dem Riddler, sorgen für die emotionale Tiefe der Charaktere.

Under the Red Hood übernimmt das Beste aus den Comics, verdichtet es und fügt einige neue Ideen hinzu. Daraus entsteht ein in sich stimmiges Ganzes, das auch dank der hervorragenden Animation zu fesseln vermag.