Monat: August 2016

Bullock und Bat-Robocop

DC Comics

DC Comics

Titel: Blood of Heroes (Detective Comics Vol. 8)

Autor/Zeichner: Brian Buccellato, Ray Fawkes, Francis Manapul, Peter J. Tomasi/Fernando Blanco, Francis Manapul, Steve Pugh, Marcio Takara

Erschienen: 2015-2016 (Detective Comics #41-47), Hardcover 2016


„You’ve got to be kidding me … a Joker robot?!“

„Subtlety is not what we do.“

Während Batman (James Gordon) sich mit drei Attentätern in Skelett-Kostümen („La Morte“) herumschlagen muss, die ihm den Reaktor aus seinem Robocop-Anzug klauen. Dann muss er gegen einen viel größeren Joker-Roboter antreten, in dem Jokers Daughter mal wieder das tut, was sie am besten kann: total abnerven. Schließlich gilt es, ein Attentat abzuwenden …

Doch eigentlich geht es weniger um Batman. Die Serie sollte eigentlich „Detective Bullock Comics“ heißen, weil hier noch mehr als in den zwei Bänden zuvor ist Good Ol‘ Harvey der Held der Geschichte. Sensation: Wir sehen ihn zum ersten Mal beim Sex! Ja, der grobschlächtige Harvey Bullock bandelt mit seiner ziemlich ansehnlichen Kollegin Nancy Yip an. Doch die ist leider korrupt. Und steckt in Schwierigkeiten mit der Mafia. Also muss sich Harvey etwas einfallen lassen …

Mehr Polizei- als Batman-Comic

Anders als in den Bänden Icarus und Anarky stammen die meisten Zeichnungen nicht von Francis Manapul. Das ist ein großer Verlust, denn seine kraftvollen Panels haben die Bände stets vor dem Abdriften in die völlige Belanglosigkeit gerettet. Die weitaus weniger filigraneren Zeichnungen von Fernando Blanco erinnern stark an den Stil der Polizei-Serie Gotham Central – und das passt natürlich zu der Story, die sich mehr um die Polizisten dreht als um Batman. (Bruce Wayne spielt gar keine Rolle.) Aber auch wenn es löblich ist, einmal einen Randcharakter zu seinem Recht kommen zu lassen, es ist nicht der richtige Ort dafür. Und es ändert nichts daran, dass die Story fade Durchschnittskost ist und ebenso vergessenswert wie ihre Vorgänger.

In der zweiten Geschichte des Bandes trifft Bat-Gordon auf die Justice League. Die holen ihn extra in Gotham ab, damit er ihnen bei einer dringenden Untersuchung (warum eigentlich dringend?) eines Riesenskeletts im Himalaya hilft. Gordons Fähigkeiten als Detektiv sind gefragt. Aha! Hat die Serie doch ihren Titel verdient? Naja, nicht ganz. Was Gordon entdeckt, hätten auch die anderen finden können. Und was für einen Tathergang er daraus ableitet, ist – gelinde gesagt – ziemlich weit hergeholte Spekulation. Aber hey, der alte Hase behält Recht und darf am Ende sogar ein Schlaflied singen …

Das Schluss-Kapitel ist eine Episode aus dem Crossover Robin War, die keinen Mehrwert hat, wenn man nicht den Rest der Geschichte kennt. Höhepunkt: Gordon kämpft gegen Grayson. Sei’s drum.

Eigentlich wollen wir nur wissen, wie die Haupt-Gordon-Story, Superheavy, weitergeht. Bis zur Fortsetzung müssen wir uns aber noch etwas gedulden.

>> Batman 2011-2019

Sean Murphy macht sein eigenes Batman-Comic

Batman von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Batman von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Sean Gordon Murphy wird nicht nur der nächste Zeichner von Scott Snyders All-Star Batman werden, sondern auch sein eigenes Batman-Comic schreiben und zeichnen. Wie der Künstler auf Twitter verkündet hat, soll es sich bei dem eigenen Projekt um eine achtteilige Mini-Serie handeln, die außerkanonisch ist. „The Batman book I’m doing alone will be my DK and my Year 100—an Elseworld-like take on Batman. My attempt at an opus“, schreibt Murphy. Ein Titel steht noch nicht fest. Die Story soll so viele Schurken wie möglich enthalten, allerdings in neuen Designs, und auch so viele Regeln brechen wie möglich. Zu seiner Motiviation schreibt Murphy bei Twitter: „Batman is the top of the comic book mountain. It’s my chance to climb it.“

Joker von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Joker von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Sean Murphy ist bekannt für seine Arbeit an Scott Snyders American Vampire und The Wake sowie zuletzt an Mark Millars Chrononauts und Rick Remenders Serie Tokio Ghost. Der Zeichner hat sich bereits im Jahr 2005 mit Batman/Scarecrow: Year One am Dunklen Ritter versucht. Seitdem hat er immer wieder Cover und auch einige Seiten zu Batman beigetragen, wie etwa eine Kurzgeschichte in Detective Comics #27 (2013). Eine Bildergalerie des Künstlers gibt es bei Devianart.com.

Harley Quinn: Vom Sidekick zur Antiheldin

Harley Quinn 1992

Harley Quinns erster Auftritt in Batman TAS (1992) (Warner Bros.)

Die junge Blondine trägt eine Polizei-Uniform. Aber zusammen mit dem Joker hat sie gerade eine Bombe bei einer Polizeiveranstaltung gelegt. Als Batman sie stellt, hat er leichtes Spiel mit ihr: „Ich weiß, was Sie denken“, sagt sie. „So ein Jammer. Wie konnte so ein junges unschuldiges Ding wie Sie nur in so schlechte Gesellschaft geraten?“ Kurz darauf greift sie zu einem Messer, doch da packt Batman auch schon ihre Hand und sie lässt das Messer fallen. Als sie dann allein in Handschellen dasitzt sagt sie zu sich: „Oje! Hätte vielleicht doch lieber auf die Kosmetikschule gehen sollen.“

Harley Quinn 1992

Beruf verfehlt: Harley Quinn 1992 (Warner Bros.)

So verläuft die erste Begegnung zwischen Batman und Harley Quinn, der Freundin und dem Sidekick des Jokers. Das war 1992 in der The Animated Series-Episode „Joker’s Favor“ (S01E22). Harley wird nicht erklärt, sie ist einfach da: In ihrem schwarz-roten Narrenkostüm, ihrem Herren loyal ergeben, lacht sie über seine schlechten Witze. Eine Szene hat sie in dieser Gestalt, eine andere als falsche Polizistin. Doch sie soll noch einige Auftritte in der Serie bekommen. Wer sie wirklich ist, erfährt man erst zwei Jahre später.

Nachdem sie 1993 auch in der Comic-Serie Batman Adventures eingeführt wurde, bekommt Harley Quinn im Jahr 1994 eine Vorgeschichte: Mad Love. Darin ist Harleen Frances Quinzel zunächst eine Psychiaterin, die sich ihren Weg nach oben geschlafen hat, bis sie in Arkham Asylum auf den Joker trifft. Sie fällt auf seinen Charme und seine Lügengeschichten über seine schlimme Kindheit herein (dieses Multiple-Choice-Prinzip wurde im Film The Dark Knight aufgegriffen) und verbündet sich mit ihm, indem sie sich ein Clownskostüm und sich die neue Persönlichkeit, Harley Quinn, zulegt. Die Psychiaterin verfällt dem Psycho.

Aber dieses Comic ist mehr als nur ein Origin. Denn interessant wird es erst, als ein Dritter die Beziehung auf die Probe stellt: Batman. Mad Love beschreibt eine gestörte Dreiecksbeziehung. Harley gibt sich Joker bedingungslos hin, in masochistischer Selbstaufgabe, aber der Joker interessiert sich nur dafür, wie er Batman möglichst spektakulär und witzig inszeniert umbringen kann. Das wiederum macht Harley eifersüchtig und sie beschließt, Batman zu beseitigen, um ihren Mr. J. wieder ganz für sich zu haben. Aber dabei unterschätzt sie die Eitelkeit ihres Geliebten – und seinen Wahnsinn.

Die Story ist von Paul Dini und Bruce Timm so mustergültig erzählt (in Wort und Bild), so witzig, einfallsreich und dynamisch, dass sie bis heute als eine der besten Batman- und Joker-Storys gilt. Nicht von ungefähr wurde sie mit dem Eisner- und Harvey-Award ausgezeichnet. Ein unerreichter Klassiker. Im Jahr 1999 wurde der Comic sehr werkgetreu, wenn auch leicht entschärft, für eine Episode der New Batman Adventures adaptiert (S01E21).

Batman: Harley Quinn #1 (1999, DC Comics))

Batman: Harley Quinn #1 (1999, DC Comics))

Harley Quinn war so beliebt, dass DC im gleichen Jahr die Figur auch in die Haupt-Continuity der Batman-Comics aufnahm, während Gotham gerade im No Man’s Land (dt. Niemandsland) in Trümmern lag. Die Figur bekam einen neuen Origin – der im Wesentlichen der alte blieb. Mit dem Unterschied, dass sie von Poison Ivy Superkräfte bekam. Die Story, die in Batman: Harley Quinn #1 von ihrem Erfinder Paul Dini erzählt wird, hat nicht annähernd den Charme und die Qualität von Mad Love. Man kann nicht einmal sagen, es wäre das Gleiche, nur ein wenig anders. Die Geschichte ist lieblos wie eine Pflichtarbeit runtererzählt, als wäre sie für ein Publikum, das die Figur bereits kennt, und nicht mehr große Erklärungen braucht. Nicht nur die Charaktere beeindrucken, auch der Plot drumherum bleibt kaum im Gedächtnis. Ganz zu schweigen von der uninspirierten visuellen Inszenierung. Allein das Cover von Alex Ross verdient es, eingerahmt zu werden.

Trotzdem setzte Harley Quinn ihre Erfolgsgeschichte fort – und emanzipierte sich vom Joker: Von 2001 bis 2003 bekam sie ihre eigene Serie. Nach dem DC-Reboot von The New 52 im Jahr 2011 wurde die Figur radikal überarbeitet: Das Harlekin-Kostüm wurde eingetauscht gegen einen wilden Punk-Look. Schwarz-rot gefärbte Haare, ein Kragen, ein Korsett, knappes Höschen, Kniestrümpfe, ein Riesenhammer als Waffe. „I’m more like a collage now“, sagt sie in Detective Comics #23.2 (2013). „A mosaic.“ So wird sie Teil der Suicide Squad, einer staatlich gelenkten Eingreiftruppe von Mördern, die gezwungen werden, dem Wohl der Menschheit zu dienen. Aus der Superschurkin ist eine Antiheldin geworden.

Detective Comics #23.2 (DC Comics)

Detective Comics #23.2 (DC Comics)

Die neue Entstehungsgeschichte „Harley Lives„, die in Detective Comics #23.2 erzählt wird, fügt Harleen eine schwierige Jugend hinzu. Harleen muss sich als Kind von ihrer wenig aufmunternden, chaotischen Familie absetzen. Deshalb strebt sie umso mehr eine akademische Karriere an. Zunächst klappt es mit dem geordneten Leben, doch es reicht ihr nicht: sie will über das Normale hinausgehen. Als sie den Joker trifft, lässt sie wieder das Chaos ins Leben. Um die Irren zu verstehen, wird sie selbst zu einer von ihnen. Die entscheidende Änderung: um sie zu seinesgleichen zu machen, wirft der Joker sie in den Chemietank, der ihn einst selbst schuf. So bekommt sie einen dauerhaft blassen Teint.

Allerdings erklärt es nicht ihre Mordlust. Denn die ist besonders ausgeprägt. Nur um an bestimmte Kleidungsstücke heranzukommen, schlägt sie willkürlich irgendwelche Leute tot. Schließlich jagt sie Kinder in ganz Gotham mit manipulierten Spielkonsolen in die Luft. Einfach so. Es scheint ihr nicht einmal Spaß zu machen. Aus der Masochistin ist nicht nur eine Sadistin geworden, sondern auch eine Nihilistin, die ihr Mentor und Vorbild Joker längst ist. Mittlerweile gilt sie, laut New York Times, sogar als feministische Ikone, die sich als Misshandlungsopfer von ihrem Peiniger losgesagt hat. Gelobt wird ihre Komplexität und ihre subversive Sexualität, was bedeutet, dass sie eine lesbische Beziehung zu Poison Ivy pflegt. Das hat sogar DC bestätigt:

DC merkte nach einer Weile, dass sich die Suicide Squad-Hefte mit Harley auf dem Cover besser verkauften als die ohne. Die Konsequenz: 2014 bekam sie ihre zweite Solo-Serie. Und die gehört zu den größten Bestsellern des Verlages, zum Teil verkaufte sie sich besser als die traditionelle Batman-Serie Detective Comics. Im gleichen Jahr folgte ein Animationsfilm über die Suicide Squad (allerdings unter dem Titel Batman: Assault on Arkham), in dem Quinn die Hauptrolle – und sogar eine kleine Sex-Szene mit Deadshot bekam (aber die ist nicht weiter der Rede wert).

Es kamen weitere Miniserien dazu, in denen die Antiheldin mit anderen zusammenarbeitete: Harley Quinn and Power Girl (2015-2016) sowie Harley’s Little Black Book (2016). Jüngst hat sie, nach dem Neustart von DC Rebirth, ihre dritte Comicserie begonnen. Daneben ist sie noch für die Suicide Squad tätig – wie man neuerdings auch im Kino sehen kann. Die Darstellerin Margot Robbie trägt im Film auch nicht das alte Harlekin-Kostüm, sondern eine Variante von Punk-Harley, allerdings mit blonden Haaren, die sie übrigens auch in den neusten Comics hat. Auch Robbies Harley nimmt ein Bad in Chemie – allerdings springt sie freiwillig in den Tank, um wie der Joker zu sein.

Harley Quinn #1 (2016, DC Comics)

Harley Quinn #1 (2016, DC Comics)

Demnächst soll Harley Quinn sogar ihren eigenen Spielfilm bekommen. Ob der realisiert wird, hängt allerdings vom Kino-Erfolg des Suicide Squad-Films ab. Die Kritiken sind verheerend, aber immerhin Robbies Darstellung wird gelobt. Und auch ein neuer Animationsfilm mit dem Titel Batman and Harley Quinn ist angekündigt. Die Figur ist längst nicht am Ende.

Aber ehrlich gesagt, wenn ich mir die persönliche Bemerkung erlauben darf: mir geht Harley Quinn auf die Nerven. Schon allein ihre quäkende Stimme in der Animationsserie war schwer zu ertragen, ganz zu schweigen von ihrer bemühten Art. Harley Quinn ist einfach nicht witzig. Den Transfer von der gebildeten Psychiaterin zur naiv-unterwürfigen Mörderin habe ich nie nachvollziehen können. Und auch ihr neueres, görenhaftes Auftreten macht sie mir nicht sympathischer. Was sie trotzdem so erfolgreich macht? Keine Ahnung. Aber es wird wohl nicht nur am Aussehen liegen können …

Lektüretipps für Einsteiger:

(Beide Bände enthalten nicht Mad Love. Davon ist mittlerweile auch eine deutsche Neuauflage bei Panini erschienen.)


Unterstütze das Batman-Projekt

Gefällt dir dieser Beitrag? Was ist er dir wert? Lass es mich wissen und hilf mir, die Kosten für diese Seite zu decken (8 Euro im Monat, 96 Euro pro Jahr). Vielen Dank.

€1,00

Batman of the Future als Download

Warner Bros

Warner Bros.

Batman Beyond (dt. Batman of the Future) hat als Zeichentrickserie einen so großen Eindruck hinterlassen, dass nach drei Staffel nicht nur ein Film folgte (Batman Beyond – Return of the Joker), sondern auch mehrere Comic-Serien. Mittlerweile ist der Zukunfts-Batman sogar in den Kanon eingegangen. Leider waren von der Zeichentrickserie bisher nur die erste Staffel und der Film in deutscher Fassung auf DVD zu haben. Nachdem Amazon die Batman – The Animated Series online gestellt hat, gibt es jetzt auch Batman of the Future als Download. Alle drei Staffeln, 52 Folgen. Auch diese Serie ist nicht im Prime-Paket enthalten, sondern muss für 2,49 Euro pro Episode oder 16,99 Euro gekauft werden. Außerdem ist sie bloß in SD-Qualität verfügbar. Eine DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung ist bisher nicht angekündigt.

Tote leben länger

Batman: Eye of the Beholder

DC Comics

Titel: Eye of the Beholder

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel/Tony S. Daniel, Steve Scott

Erschienen: 2011 (Batman #704-707, 710-712), Paperback 2011


„Doesn’t anyone stay dead these days?“ (Batman)

Einmal noch. Nur noch einmal müssen wir durch eine Story von Tony Daniel durch. Wer schon länger dieses Blog verfolgt, weiß, dass ich bisher nie überzeugt davon war, dass in diesem Autor-Zeichner ein Doppeltalent steckt. Zeichnen ja, schreiben nein. Allein sein Battle for the Cowl war okay, Life After Death taugte aber nichts – und erst recht nicht seine beiden späteren Detective Comics-Bände Faces of Death und Scare Tactics. Okay, eine Chance geben wir ihm noch: Eye of the Beholder.

Erzählt werden zwei Geschichten: In der ersten muss Batman (Dick Grayson) gegen den Schurken Sensei antreten, der eine chinesische Maske des Bösen in Gotham sucht. Sensei, der Vater von Ra’s al Ghul, müsste eigentlich tot sein (siehe The Resurrection of Ra’s al Ghul), aber … naja … die Familie hat’s nicht so damit, Endgültigkeiten zu akzeptieren. Batman verbündet sich mit der chinesischen Heldin Peacock, die aussieht, als könnte sie beim brasilianischen Karneval auftreten, und dem blinden Kämpfer I-Ching. Außerdem schauen noch die Schurken Riddler und Reaper vorbei, ohne allerdings für Höhepunkte zu sorgen.

Two-Face sucht seine Münze

In der zweiten Story geht es um Two-Face. Der hat seine Münze verloren und geht bei der Suche danach über Leichen. Dahinter steckt ein Plot des Gangsters Mario Falcone und Harvey Dents Frau Gilda (siehe The Long Halloween), der aber weder besonders ausgeklügelt noch interessant ausgeführt ist. Und wieder hat der Riddler etwas damit zu tun, allerdings kommt dieser Schurke nicht zur Entfaltung, da sein Kostüm zwar übersät ist mit Fragezeichen, er aber keine Rätsel stellt.

Noch überflüssiger ist die Erscheinung von zwei Sidekicks: „Riddlers Tochter“ Enigma und Catwomans Zögling Catgirl. Es wird mal wieder zu viel Personal reingepackt, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und Batman stellt sich mal wieder nicht besonders klug an. Gleich dreimal geht er fast drauf: einmal stürzt er in die Tiefe, dann wird er beinahe ertränkt, schließlich bekommt er eine Kugel in den Kopf. Aber auch Dick Grayson ist so hart im Nehmen wie sein Mentor, der sich übrigens lieber anderswo rumtreibt, statt sich um seine Stadt zu kümmern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eye of the Beholder könnt ihr euch sparen. Es sei denn, die Zeichnungen sind euch wichtiger als eine packende Story.

>> Batman 2000-2011

The Killing Joke: Lieber beim Comic bleiben

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman – The Killing Joke

Drehbuch: Brian Azzarello

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„This wasn’t supposed to be boring.“ (Joker)

Die Story ist bekannt. Selbst wer The Killing Joke nicht gelesen hat, kennt den Inhalt, die ikonischen Panels oder die wichtigsten Zitate. Ein Klassiker eben. Und vielleicht ist gerade das das größte Problem an dieser Adaption. Es gibt keine Überraschungen. Und obwohl im Wesentlichen der Film sich eng an den Comic hält, fehlt etwas Entscheidendes: die noiresken Zeichnungen von Brian Bolland. Während er realistische, dynamische und ausdrucksstarke Bilder für das Grauen und die Tragik gefunden hat, bleibt die Ästhetik des Films flach, arm an athmosphärischen Schatten, die mit groben Strichen gezeichneten Figuren statisch. Es ist ein Armutszeugnis, dass man es weder geschafft hat, einen Stil zu imitieren, noch einen eigenen zu finden.

Weil die Comicvorlage aber zu wenig Stoff für einen 76-Minuten-Film bietet, hat man einen Prolog drangestrickt. Darin wird Batgirl eingeführt. Eine halbe Stunde lang. Zu viel für eine Binnen-Story, die nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hat. The Killing Joke ist eine Joker-Story. Im Prolog aber geht es um einen x-beliebigen neuen Gangster, einen Emporkömmling, der seinen Onkel erledigt und etwas Persönliches mit Batgirl hat. Ganz nebenbei wird noch eine Liebelei mit Batman eingestreut. Es gibt sogar eine kleine Sex-auf-dem-Dach-Szene, die völlig unvermittelt kommt und kaum der Rede wert ist. Kurz: Diese Vorgeschichte trägt nicht nur nichts Essenzielles bei, sondern bleibt auch für sich genommen belanglos und fade.

Und schließlich bleibt die Kritik am Stoff selbst. Wie schon festgestellt: Der Comic The Killing Joke ist toll erzählt, aber die rührselige Entstehungstragödie des Jokers wirkt spätestens nach Heath Ledger unzeitgemäß. Daher muss man den altbekannten Fall des Red Hood in die Chemikalienbrühe nicht auch noch als Film darstellen. Das hat Tim Burton schon in seinem Batman-Film von 1989 gemacht. Aber na gut, damit sind die drei großen Batman-Klassiker der 80er auch als Zeichentrickfilme zu haben (die anderen beiden sind Year One und The Dark Knight Returns). Wer die Geschichten wirklich genießen will, sollte bei den Comics bleiben. (Jetzt ist klar, warum Alan Moore seinen Namen dafür nicht hergegeben hat.)

Zu loben sind allerdings die Beigaben auf der Blu-ray: Neben zwei Making-ofs zum Film (und einer Vorschau auf Justice League Dark) gibt es auch zwei Episoden von The Animated Series bzw. The New Batman Adventures: Christmas with the Joker und Old Wounds. Nicht in der bestmöglichen Qualität, aber immerhin ein Trostpreis für alle, die keinen Spaß am Hauptfilm hatten. Die alte Serie ist immer noch am besten.

Wer Animationsfilme sehen will, die Comics besser (und freier) adaptieren, sollte sich lieber folgende anschauen:

Loch im Kopf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Dark Knight Vs. White Knight

Autor/Zeichner: Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Patrick Gleason, Guillem March u.a.

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #17-25), Paperback 2012


„In fact, you need this exactly as much as you need a hole in the head!“ (The Absence)

Ein Comicautor hat es bestimmt nicht leicht. Ständig muss er sich irgendwelche Geschichten ausdenken, oft Auftragsarbeiten, schreiben am Fließband – da kann nicht alles gut sein, und manchmal fällt einem auch nichts ein. Leere im Kopf. Aber wie das so ist bei Kreativen: Sie machen auch aus der Not eine Tugend. Wenn man unter Schreibblockade leidet, schreibt man eben darüber. Filme wie Barton Fink oder Adaption zeugen davon. Paul Cornell, der Autor der ersten Batman & Robin-Story in diesem Band, hat die Leere im Kopf einfach wörtlich genommen – und eine Schurkin daraus gemacht.

Die Schurkin hat ein riesiges, kreisrundes Loch im Kopf. Eine Hand passt da durch. Erklärung: Ein Kopfschuss. Und die Abwässer im Gotham River, in die sie nach dem Schuss gelandet ist. Künstlername: The Absence. Oje … Superheldencomics lassen zwar selbst Tote auferstehen, aber dass ein Mensch mit einem riesigen Loch in der Stirn herumläuft (ganz zu schweigen von fehlenden Teilen des Gehirns), ohne dass wenigstens etwas dagegen unternommen wird (Implantate, Genetik, was auch immer), das ist schon sehr absurd. Die Dame sucht nämlich keinen Arzt auf, sie sucht Aufmerksamkeit. Von Bruce Wayne. Der hat nämlich mal mit ihr angebandelt, aber zu ihrer vermeintlichen Beerdigung bloß Rosen geschickt, statt da zu sein. Und so müssen sich Batman (Dick Grayson) und Robin mit der Irren herumschlagen. Dass am Ende dann doch alles anders ist, macht die Story nicht klüger.

Heimkino-Abend mit der Bat-Familie

Dabei fängt es mit dem Dynamischen Duo gut an: Dick Grayson ist das typische Großmaul, das bei seinen Einsätzen ebenso viele Hiebe wie lockere Sprüche austeilt, Damian ist der grimmige Wunderknabe. Am Anfang sind die pointierten Dialoge noch der Lichtblick der Story. Und dann gibt es noch eine schöne Sequenz, in der Bruce Wayne mit der Familie The Mark of Zorro schaut. Dabei wird klar, warum das Schauen des Films kein Trauma, sondern bloß schöne Erinnerungen bei Bruce weckt.

Aber fragt man sich nach dem ersten Teil: Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann. In der dritten Story, einem Wiedersehen mit Jason Todd alias Red Hood (siehe Batman & Robin Vol. 1), taucht die Schurkentruppe The Menagerie auf, die aus Leuten mit Tierköpfen besteht: Löwen, Tiger und – einem T-Rex. Muss ich wirklich weitererzählen? Na gut, machen wir’s kurz: Sie befreien Jason aus dem Knast, er befreit seinen Sidekick Scarlet aus ihren Fängen und kommt mit ihr frei. Höhepunkt: Jason zieht sich bis auf die Haut aus – und, was erstaunlich ist, blitzschnell wieder an. Egal, vergesst es einfach, weiter geht’s.

Die einzige Story, die hier allein der Rede wert ist (ich habe schon zu viele Worte für diesen Band verbraucht), ist die Titelstory. Sie hat einen interessanten Ansatz: Ein neuer selbsternannter Rächer bringt die Angehörigen der Arkham-Schurken um. Dabei verpasst er ihnen Flügel, damit sie sofort als Engel in den Himmel kommen können. Die Idee ist reizvoll, aber in drei Ausgaben hat sie nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Der Autor der Story, Peter J. Tomasi, ist es dann auch, der die Serie nach dem Relaunch/Reboot The New 52 fortführt. Gute Wahl. Trotzdem kann man auf diesen Band verzichten.

(Hinweis: Nicht in diesem Band enthalten ist Batman & Robin #26, die letzte Ausgabe vor dem Relaunch 2011.)

Mehr zum Thema: