Monat: August 2016

Batgirl: Sex and the Gotham City

Das ging schnell: Nicht einmal ein Monat nach dem Erscheinen des Animationsfilms Batman: The Killing Joke haben die Screen Junkies das Ding in einem Honest Trailer abgefertigt. Die Kritik ist vertraut: die erste Hälfte, das dazugedichtete Intro mit Batgirl, ist überflüssig aus verschiedenen Gründen. Der Sex mit Batman wird hier als „falsch auf verschiedenen Ebenen“ genannt. Aber auch die Machart wird verhöhnt: der  Animationsstil gleiche einer „fan-made flash animation“, die Stimmen wirkten so leblos, als hätte man den Darstellern mit Waffengewalt gedroht. Aber seht und hört selbst.

Das Schöne an missratenen Filmen ist, dass daraus stets die besten Honest Trailer werden.

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Der eingebildete Batman

Titel: Mask (dt. Die Maske)

Autor/Zeichner: Bryan Talbot

Erschienen: Legends of the Dark Knight #39-40 (1992), dt. Panini 2015 (Special Comicfest München)


„Am I really insane? Mad as a hatter? Bats in the belfry?“ (Bruce Wayne)

Kaum hat Batman ein paar Einbrecher verdroschen, wird ihm plötzlich unwohl. Er verliert das Bewusstsein und findet sich einige Zeit später in einem Krankenhaus wieder. Dort erklärt man ihm, dass er sich die Sache mit Batman bloß eingebildet habe. In Wirklichkeit ist Bruce Wayne ein Alkoholiker, der sich in eine Fantasiewelt flieht, um seine schlimme Kindheit zu verdrängen. Und tatsächlich plagen Bruce Wahnvorstellungen: seine Ärzte erscheinen ihm als Schurken wie Joker, Two-Face und Catwoman. Immer wieder durchschreitet er als Batman Alpträume … Was ist hier los? Ist alles nur Einbildung oder ist das bloß perverse Manipulation? Aber wer steckt dann dahinter?

Batmans wahre Maske

Batman erkennt seine wahre Maske.

Bryan Talbot erzählt mit dem Zweiteiler Mask eine Batman-Story, die es in sich hat: Einerseits inszeniert er einen beklemmenden Alptraum, indem er Batman durch eine dystopische Hölle irren lässt, andererseits ist die Geschichte auch eine kritische Studie der Figur Batman, die nicht nur psychologisch in die Tiefe geht, sondern auch die kulturhistorischen und mythologischen Hintergründe der Fledermaus ergründet. Dabei fallen auch solche schonungslosen Sätze wie: „You see the world as meaningless chaos. You feel that you need to impose order. It’s a fundamentally fascist impulse that many people share.“ Hier wird das Konzept von Batman regelrecht auseinandergenommen.

Batmans mythologischer Ursprung.

Fledermäuse und der Teufel: Batmans mythologischer Ursprung.

Zusammen mit den ausdrucksstarken, abgründig-düsteren Panels und der einfallsreichen Seitenarchitektur ist eine der beeindruckendsten Batman-Storys entstanden, die man unbedingt gelesen haben sollte. Es ist einer der seltenen Momente, in denen man Perfektion genießen darf.

Batman stürzt ab

Billiges Selfmade-Kostüm und kein Gadget-Gurt: Batman stürzt ab.

Anmerkung: Die Originalfassung von Batman: Mask kann man in digitaler Form über Comixology herunterladen (ebenso wie jede andere Ausgabe von Legends of the Dark Knight).

Schlechte Gewohnheiten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 1 – Born to Kill (dt. Geboren um zu töten)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2011-2012 (Batman and Robin #1-8), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Sonderband 1)


„You try to murder my son — and expect to live!?“ (Batman)

„Sometimes I think your secrets have secrets.“ (Robin)

Mit dem Auftauchen von Damian Wayne brachte Grant Morrison einst neuen Schwung in das Dynamische Duo. Doch kaum hatten sich Vater und Sohn etwas angenähert, hatten sie ständig irgendetwas anderes zu tun, als ihre Beziehung zu pflegen. Dann starb der Vater, bzw. er verschwand für lange Zeit, Dick Grayson wurde Batman. Und so bot die Serie Batman and Robin ein umgekehrtes Bild: ein heiterer Batman, ein düsterer Robin. Mit der Rückkehr von Bruce Wayne geriet aber selbst das aus dem Fokus. Nach dem Reboot von The New 52 kehrt die Serie zu dem Ursprung zurück: dem Verhältnis zwischen Vater und Sohn.

Bruce hat es immer noch schwer, seinen Sohn Damian in den Griff zu bekommen und ihn nicht nur Gehorsam zu lehren, sondern ihm auch den Tötungstrieb abzugewöhnen. Aber der Kleine kann das Morden nicht lassen. Als Ersatzhandlung zersäbelt er Trainingsroboter und zerquetscht Fledermäuse und Glühwürmchen. Alte Gewohnheiten sind bekanntlich schwer abzulegen.

Da taucht plötzlich ein neuer Killer auf, der – wie so üblich – ein alter Vertrauter ist: Morgan Ducard, Sohn von Henri Ducard, einem von Batmans Ausbildern. Als Nobody tötet er nicht nur Verbrecher, sondern hat es auch auf Batman abgesehen. Warum? Das Geheimnis liegt in der gemeinsamen Vergangenheit. Auch da ging es um Vater-Sohn-Beziehungen, Eifersucht und Ersatzfamilien. Da Nobody wie Damian über Leichen geht, versucht er den Jungen auf seine Seite zu ziehen, um sich an Batman zu rächen. Damian wird abtrünnig und es kommt zu einem sehr blutigen Kampf, bei dem Batman selbst in Versuchung gerät, seine Grenze zu überschreiten.

Autor Peter J. Tomasi erzählt seine Geschichte höchst einfühlsam und lässt sich viel Zeit, um die schwierige Beziehung zwischen Bruce und Damian darzustellen. Batman erscheint hoffnungsfroh, er beginnt damit, seine eigene Vergangenheit zu bewältigen und nicht mehr nur sich damit selbst zu peinigen. Er will seine Versäumnisse mit Damian nachholen, aber die Erziehung wird zum Kampf gegen Talias schlechten Einfluss. Der Kleine ist eben ein geborener Killer – und die Story verliert diesen Grundkonflikt nie aus den Augen. Darin besteht die große Stärke: Fokus auf das Wesentliche.

Die Erzählung profitiert auch sehr von den Zeichnungen von Patrick Gleason, der mit seinen klaren Strichen ausdrucksstarke Figuren und extreme Kampfszenen schafft und mit seinen vielen Schatten selbst in Tag-Sequenzen für eine düstere Grundstimmung sorgt. Wegen der häufigen Splash Pages wirkt es zwar manchmal wie Seitenschinderei, aber die Seiten sind zu prachtvoll, als dass man sie missen möchte.

Born to Kill ist ein Hochgenuss auf jeder Ebene, vergleichbar mit der Batman-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo. Tomasi überbietet nicht nur die ersten Bände von Grant Morrsion, er legt auch eine beeindruckende Nebenserie vor, die die Ärgernisse von Detective Comics und Batman: The Dark Knight vergessen lassen.

Lästern über Arkham-Spiele

Spiele sind nicht mein Ding. Ich lese lieber Comics und schaue Filme. Warum? Weil man damit schneller eine durch eine Geschichte kommt als in Games wie in der Batman: Arkham-Reihe. Durch Gotham zu fliegen, mit dem Batmobil zu fahren und sich durch Arkham zu prügeln mag am Anfang ganz nett sein, aber der Effekt verbraucht sich schnell. Keine Frage: Die Spiele sind toll gemacht. Aber eben was für Spieler. Eine ironische Zusammenfassung der Trilogie Batman: Arkham Asylum, Arkham City und Arkham Knight bieten die Honest Game Trailers.

Quickly, Robin! To the crosswalk!

IGN.com hat einen neuen Trailer zum nächsten Animationsfilm Batman: Return of the Caped Crusaders veröffentlicht. Der Film setzt die Batman-TV-Serie der 60er Jahre fort, die damaligen Darsteller Adam West und Burt Ward sprechen hier die Hauptrollen. Im Trailer sehen wir, wie sich die klassischen Schurken Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman vereinen, um das Dynamische Duo auszuschalten. „Holy unholy alliance!“, sagt Robin dazu. Dabei soll das Abenteuer sogar ins Weltall führen. Wie üblich ist Batman hier kein Vigilant, der über dem Gesetz steht und nach Gutdünken Leute verdrischt, sondern ein lupenreiner Spießer, der nicht einmal bei Rot über die Straße geht.

Das Drehbuch stammt von Michael Jelenic (Teen Titans Go!) and James Tucker (Justice League vs. Teen Titans), Regie führt Rick Morales (LEGO DC Comics Super Heroes – Justice League: Cosmic Clash).

Der Film erscheint am 11. Oktober digital in den USA und am 1. November auf Blu-ray.

Warner Bros.

Warner Bros.

Batman macht Filialen auf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Incorporated

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham, Michel Lacombe, Scott Clark, Cameron Stewart, Dave Beaty

Erschienen: 2010-2012 (Batman Inc. #1-8, Batman Inc. Leviathan Strikes!), Paperback 2012, dt. Panini 2013 (Paperback)


„Batman is everywhere.“ (Bruce Wayne)

Eigentlich ist Batman ein einsamer Kämpfer. Und eigentlich ist er es auch überhaupt nicht. Sehr früh schon wurde er mit Robin zum Teamplayer, bald darauf kam Alfred hinzu, in den 50ern wurde die Bat-Familie erweitert um Batwoman, Batgirl, Bat-Hound und Bat-Mite, später Nightwing, weitere Batgirls, Red Hood, Huntress, Spoiler, Red Robin und andere. Nach Batmans Verschwinden (bzw. „Tod“ in Final Crisis) wurde der Kreis der Familie sogar um einige Reservisten erweitert. Batman ist schon lange kein einsamer Wolf.

Da ist es nur folgerichtig, wenn der Kontrollfreak Batman (nach seiner Rückkehr) sein Netzwerk auf die ganze Welt ausdehnt: Batman Incorporated. Wie Bruce Wayne es bereits als Geschäftsmann längst ist, wird auch Batman zu einem Global Player. Wayne tritt nun öffentlich als Sponsor von Batmans Franchise-Unternehmen auf und lässt Batman-Roboter bauen, während Batman in der Welt herumzieht und Filialen aufmacht: in Japan, Argentinien, Afrika, Australien und sogar in einem Indianer-Reservat. Lokale Helden werden zu Batmen oder wenigstens zu seinen Gefolgsleuten gemacht. Und passend dazu tritt ein neuer Schurke auf, der es auf die Helden abgesehen hat: der mysteriöse Terrorist Leviathan.

Grant Morrison führt mit Batman Incorporated zu Ende, was er mit Batman and Son begonnen hat: eine Mega-Story. Daher ist diese Geschichte nur zu verstehen, wenn man alles seitdem gelesen hat – oder wenigstens den ersten Band (inklusive Black Glove). Denn die Grundidee internationaler Batmen ist bereits im Club of Heroes eingeführt, ebenso wie ein Charakter namens El Gaucho.

Die Geschichte ist aber auch mit dem ganzen Wissen im Hinterkopf typisch Grant Morrison, also voller Charaktere und Nebenhandlungen. Zunächst beginnt es sehr episodenhaft, dann erschließt sich der Zusammenhang, immer wieder aber gibt es irritierende Sprünge, in der mehr hinzugefügt wird, als dem Ganzen gut tut, wie etwa einen Exkurs, in dem die historisch erste Batwoman nachträglich in die Continuity eingefügt wird (als Batmans erste Liebschaft).

Trotz dieses Anspruchs ist Batman Incorporated überwiegend kurzweilig und unterhaltsam zu lesen. Morrison sorgt für reichlich Abwechslung, lässt Bruce Wayne sogar Tango tanzen und nimmt sich in der Indianer-Episode sogar Zeit für reichlich Sozialkritik. Die Story hat einige starke Momente, auch wenn bei dem ganzen Reisen sich beim Lesen manchmal Jetlags einstellen.

Die Zeichenstile variieren stark, sind aber meist solide bis prächtig gelungen. Einzige Ausnahme: Kapitel 8 ist wieder (wie schon die Joker-Story „The Clown at Midnight„) am Computer mit 3D-Technik gezeichnet. Damit soll eine Virtual Reality abgebildet werden, aber die sieht furchtbar leblos und abstoßend aus. Dann schon lieber Arkham Knight auf der PS4 spielen. Comicfiguren müssen handgemacht sein: egal ob gezeichnet oder gemalt, aber auf keinen Fall so.

Ein abschließendes Urteil über Batman Inc. ist nach Band 1 nicht möglich, denn dies ist bloß der Auftakt zu einer größeren Geschichte, die sich noch über zwei weitere Bände erstreckt. Fortsetzung folgt.

Justice League’s Greatest Hits

Wenn die Kinofilme enttäuschen, sollte man sich wieder auf die Geschichten besinnen, auf die es ankommt: die der Comics. DC hat die zehn besten Höhepunkte in der Comic-Geschichte der Justice League/JLA in einem Video zusammengefasst. „Ihr werdet nie glauben, was auf Nummer eins ist …“ Das heißt: vielleicht ja doch. Denn es ist ein Klassiker von Grant Morrison. Von ihm sind übrigens gleich drei Storys in der Liste vertreten. Zu Recht. Denn es sind drei großartige Momente seines legendären JLA-Epos (Ende der 90er erschienen im Dino-Verlag). Da bekommt man gleich Lust, alles wieder von vorn zu lesen.

Suicide Squad: Noch ein Selbstmord

Warner Bros.

Lieber mal wieder ein gutes Buch lesen. (Warner Bros.)

Titel: Suicide Squad

Regie/Drehbuch: David Ayer

Erschienen: 2016


Ist Suicide Squad wirklich so mies, wie die Kritiker behaupten?

Eigentlich wollte ich eine ausführliche Kritik schreiben, aber nach zwei gescheiterten Anläufen merkte ich: mir fehlt die Lust. Deshalb in aller Kürze: Ja, der Film ist reine Zeitverschwendung. Da funktioniert gar nichts. Ein Film wie von Zwölfjährigen für Zwölfjährige. Ein dummes wie ermüdendes Geballer.

Ein austauschbarer Standard-Plot um einen nichtssagenden Schurken, oberflächliche Charakterzeichnung, schwache Einführung der Hauptfiguren, flache und nicht zündende Witze, spannungslose Action, chaotische Erzählweise. Harley Quinn nervt, der Joker enttäuscht, Batman ist bloß Statist. Den Rest kann man vergessen.

DC baut damit sein Extended Universe auf drei kaputten Säulen auf: Nach der hohlen Zerstörungsorgie in Man of Steel, der überladenen Selbstdemontage zweier Helden in Batman v Superman ist Suicide Squad buchstäblich das Selbstmordkommando, das sich entbehrlich macht. Nach drei solchen kapitalen Fehlschlägen besteht kaum noch Hoffnung auf Rettung dieses Filmuniversums. (Ganz zu schweigen von den zuvor erschienenen Reinfällen Catwoman, Superman Returns und Green Lantern.) Auch wenn die Wonder Woman– und Justice League Trailer vielversprechend anmuten und Ben Affleck den nächsten Batman-Film selbst dreht – der Vertrauensvorschuss für diese Filme ist verspielt. Die Vorfreude ist dahin. Kinobesuche werden zu einem Pflichtprogramm, das man über sich ergehen lässt. Es muss sich dringend etwas ändern. Sonst vernichtet DC auf lange Sicht sein Erbe im Film.

Adam West kehrt zurück als Batman

Eine verdrängte Nachricht wird Wirklichkeit: Adam West und Burt Ward kehren zurück in ihre Paraderollen als Batman und Robin. Ja, genau: die lächerlichen Versionen aus der TV-Serie der 60er Jahre und aus dem dazugehörigen Film. Im neuen Film, Batman: Return of the Caped Crusaders, werden sie allerdings nur zu hören sein: zu sehen sind sie bloß als animierte Figuren.

Ein Teaser-Trailer gibt einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Klar: es wird absurd. In dem Video (exklusiv von Entertainment Weekly) liegen Batman und Robin auf einem riesigen Kantinen-Tablett und werden in einen riesigen Ofen befördert. Batman befreit sich und verkündet das Erscheinen des neuen Films: am 11. Oktober digital und am 1. November 2016 auf Blu-ray. Das kann ja heiter werden …

Hammer und Hyänen

Passend zum deutschen Kinostart von Suicide Squad bringt DC einen Trailer zum Game Injustice 2 heraus, in dem die neue Harley Quinn und Deadshot präsentiert werden. Harley sieht – Überraschung – aus wie im Film und hat neuerdings – wie im Comic – ihre zwei Hyänen dabei, die sich auf ihre Gegner stürzen, während sie mit dem Hammer ausholt. Ach ja, das wird bestimmt ein Spaß. Wahrscheinlich ein größerer als der Film. Aber dazu später mehr.

Injustice 2 erscheint im Jahr 2017.