Robin

Batman RIP: Verrückt, verscharrt, verraten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman R.I.P.

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Tony S. Daniel

Erschienen: 2008 (Batman #676-683), Paperback 2010


„Are we sure Bruce’s head is okay?“ (Tim Drake)

„What we are about to do will be a work of art.“ (Simon Hurt)

„Did I finally reach the limits of reason?“ (Batman)

Nach den Ereignissen in The Black Glove ist Batman ist besessen von der Suche nach der gleichnamigen Geheimorganisation von Simon Hurt. Er sucht den Joker auf, der darin involviert zu sein scheint, aber nichts preisgibt. Robin, Alfred und auch seine neue Freundin Jezebel Jet zweifeln allmählich an Batmans Verstand, letztere wirft sogar die Theorie ein, dass Batman selbst der Black Glove sein könnte. Doch dann schlägt Simon Hurt, der eine Bande (drittklassiger) Schurken anführt („Club of Villains“), zu: mit dem Codewort „Zur-En-arrh“ löst er in Batmans Kopf einen Mechanismus aus, der ihn ausschaltet. Bruce Wayne landet zunächst ohne Erinnerung auf der Straße und lebt eine Weile als Obdachloser. Schließlich aber aktiviert sich in ihm ein Notfallprogramm, das ihn zum Batman von Zur-En-arrh werden lässt: er näht sich ein lila-rot-gelbes Kostüm und mischt – begleitet von Bat-Mite und sprechenden Gargoyles – die Schurken auf. In Arkham Asylum kommt es zum Showdown mit dem Joker …

Autor Grant Morrison kehrt mit der Story erneut seine Vorliebe für die alten Comicgeschichten hervor: Zur-En-Arrh ist der Name eines Planeten aus der Story Batman – The Superman of Planet-X (Batman #113, 1958). Darin besucht Batman eine Welt, in der Batman ein buntes Kostüm trägt und Superkräfte hat. Morrison schreibt dieses Abenteuer Batmans Black Casebook zu, eine Sammlung obskurer Fälle, und macht den Batman von Zur-En-Arrh zu einer zweiten Identität, die sich der Held zugelegt hat, falls mal jemand seine Persönlichkeit sabotieren wollte. Batman ist eben auf alles, wirklich alles vorbereitet. Zugleich holt Morrison – wie schon in The Black Glove – Bat-Mite aus der Mottenkiste, bei dem zunächst offen bleibt, ob er nur Einbildung (also die versinnbildlichte Stimme der Vernunft) oder tatsächlich ein Kobold aus der fünften Dimension ist. (Falls letzteres, muss man sich allerdings die Frage nach dem Warum stellen.)

Naja. Was soll man davon halten?

Man verliert bei Batman R.I.P. leicht den Überblick. Nicht nur wegen der Fülle an Charakteren, Handlungen und Verweisen, auch weil man nicht weiß, was Realität und was Phantasie ist. Morrison treibt ein wildes Spiel und seine stark fragmentierten und elliptischen Erzählweise macht es nicht leicht, der Story zu folgen. Überflüssig erscheinen hingegen die Einsätze von Talia al Ghul und ihrer League of Assassins sowie des Club of Heroes, einer Vereinigung drittklassiger Batman-Verschnitte (z.B. Knight and Squire), die ebenfalls in The Black Glove eingeführt wurden. Die Motivation von Simon Hurt ist mir unverständlich geblieben.

Am Ende des Bandes (Storyline Last Rites) dreht Morrison noch einmal Wirklichkeit und Imagination durch den Fleischwolf und verweist schon auf sein Crossover Final Crisis: Während Batman irgendwo von den New Gods von Apokolips festgehalten wird, um seine Erinnerungen zu stehlen und sie Klone einer Armee einzusetzen, erlebt der Held sein Leben noch einmal, zuweilen auch in alternativen Versionen. Leider wird der Zusammenhang dieser Story kaum erklärt und dürfte sich erst nach der Lektüre von Final Crisis erschließen. Man hat zwar den Eindruck, an etwas sehr Großem teilzuhaben, aber man wird den Verdacht nicht los, dass der Joker Recht behalten könnte, wenn er zu Batman sagt: „the real joke is your stubborn, bone deep conviction that somehow, somewhere, all of this makes sense!“

Entschädigt für das verwirrende Aufgebot, das Morrison seinen Lesern zumutet, wird man mit den großartigen Zeichnungen von Tony S. Daniel und Lee Garbett. Hier ist alles, wie man es sich von Batman wünscht: ausdrucksstark, dramatisch und detailreich. Immerhin das kann man am Ende sagen: ich kapier’s zwar nicht (ganz), aber es sieht verdammt gut aus.

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Ra’s al Ghuls Auferstehung

DC Comics

DC Comics

Titel: The Resurrection of Ra’s al Ghul (dt. Die Auferstehung von Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Grant Morrison, Paul Dini u.a./Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2007-2008 (Paperback 2008), dt. Panini 2008


„Sometimes, looking at the ‚big picture‘ can paralyze you, right? Well I’m tired of analyzing everything to death …“ (Tim Drake)

Wie wir schon öfter festgestellt haben, stirbt in der Welt der Superhelden niemand für immer. Schon gar nicht totzukriegen ist Ra’s al Ghul. Er ist das beste Beispiel für die ständige Erneuerung im Wechsel von Tod und Auferstehung. Selbst nachdem er in Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen) wirklich gestorben ist, war klar, dass seine Wiederkehr nur eine Frage der Zeit war. Doch die Wiedergeburt gestaltet sich schwierig. Ra’s kehrt zunächst als ziemlich übel zugerichtete Mumie zurück.

Um wieder zurück zu alter Frische zu finden, soll sein Enkel, Bruce Waynes Sohn Damian, als Körperspender herhalten. Der Kleine hat verständlicherweise keine Lust, sich für seinen Opa zu opfern – und auch seine Eltern haben etwas dagegen. Während Batman in Asien herumturnt, fällt die League of Assassins über Wayne Manor her, Talia heuert ein paar Killer-Miezen an, die ihn beschützen sollen, Nightwing und Robin helfen aus. Währenddessen will auch ein anderer mächtiger Greis, der bloß Sensei genannt wird, die Auferstehung seines Erzfeindes verhindern.

Schließlich ist Damian aber nicht mehr so wichtig und Batman muss sich entscheiden, ob er seinen Sohn oder seinen Adoptivsohn Tim Drake für Ra’s opfern möchte. Die salomonische Lösung findet sich in anderen Trägern. Und hier hakt die Logik der Story am meisten: Wenn Ra’s einen Körper braucht, der seine DNA trägt, warum ist er zunächst hinter Damian her, wenn es schließlich auch andere Spender tun?

Interessant ist in der Geschichte aber ein Seitenaspekt: Robin Tim Drake, der von Ra’s in Versuchung geführt wird, die Seiten zu wechseln, verhandelt mit Nightwing an der Lazarusgrube die Frage, ob es zulässig ist, die Toten ins Leben zurückzuholen. Spannender als die Keilerei zwischen den beiden ist der Dialog: Tim hat drei Menschen verloren, die ihm wichtig waren (seinen Vater, Spoiler und Superboy), auch Nightwing kennt die Verlusterfahrung, aber die Konsequenz daraus wäre, alle wiederzubeleben – und das wäre untragbar. Der zentrale Satz in der Diskussion: „… in a world where Jason Todd can come back … then why can’t my dad …?“

So bietet The Resurrection of Ra’s al Ghul actionlastiges Schwertkampf-Abenteuer, bei dem Batman zwar eine untergeordnete Rolle spielt, aber dafür eine ungewöhnliche Rüstung tragen darf. Im Mittelpunkt stehen die drei Robins und ihr Verhältnis zueinander. Über das übliche Gut-gegen-Böse-Spiel hinaus werden zwei große Familiendramen geboten, in denen die Charaktere vor allem viele Konflikte untereinander austragen müssen. So sehen wir dabei zu, wie sich Damian von seiner Mutter lossagt – ganz einfach weil Papa Batman der coolere Elternteil ist. Getrübt wird das Lesevergnügen leider etwas durch die stark variierende Qualität der Zeichnungen.

>> Batman 2000-2011

Coverwahn #9

Nun, da auch Jim Lee sein Cover für Dark Knight III: The Master Race #1 auf Twitter veröffentlicht hat, dürfte die Variant-Flut (vorerst) beendet sein. Der Meisterzeichner (Hush, All-Star Batman) hat leider eines der gängisten Motive und damit eine starke Hommage an The Dark Knight Returns gewählt: Batman und Robin Carrie Kelley. Der Dunkle Ritter ist verletzt nach dem Kampf mit dem Joker, Robin stützt ihn. Es ist ein ausdrucksstarkes Bild, wie üblich bei Jim Lee detailreich und sensibel gezeichnet. Dagegen wirkt das Joker-Gemetzel von John Romita Jr. plump, subtiler hat das Dale Keown gelöst, indem er den Joker bloß mit dem grünen Haarschopf andeutet. Aber auch sein Cover hinterlässt keinen großen Eindruck. Es wirkt einfach zu glatt.

Das Gegenteil davon bildet das Werk Kevin Eastman: In seinem expressionistisch-holzschnitthaften Stil stellt er einen klobigen Batman kopfüber an einem Wasserspeier dar, unter ihm Gotham – der Abgrund. Marc Silvestri inszeniert Batman grazil beim Sprung vom Panzer, als es in den Kampf mit dem Mutanten-Anführer geht. Das Bild hat etwas Anmutiges und Martialisches zugleich.

Schließlich wird noch zweimal Robin geboten: Bei Amanda Conner steht Carrie Kelley im Vordergrund, die unbeschwert mit ihrer Zwille in Richtung Betrachter zielt. Batman legt hier bloß väterlich seine schwere Hand auf Robins Schulter, anders als bei Jim Lee ist der Held hier Beschützer statt Beschützter. Insofern ergänzen sich die Bilder sehr gut. Das Beste kommt aber zum Schluss: Auch Brian Stelfreeze hat Robin gewählt, auch mit Zwille, aber sie zielt auf eine Figur, die bloß als Schatten auf sie fällt: Superman. Das kleine Mädchen lehnt sich mit ihrer harmlosen Waffe gegen den Unbesiegbaren auf. Mensch gegen Übermensch. Eine wunderbar subtile Darstellung des Themas. Eine wahre Offenbarung. Danke dafür.

>> Hier die bisherigen Variant-Cover-Galerien zu DK III.

Rache für Ra’s

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Son of Batman

Drehbuch: Joe R. Lansdale, James Robinson

Erschienen: 2014 (Direct-to-Video)


„I owe my grandfather a death.“ (Damian)

„The psychos are just keep getting younger.“ (Nightwing)

„You can’t fight crime by becoming a criminal.“ (Batman)

Der Film zu Grant Morrissons Comic-Storyline Batman and Son hat bis auf die Grundidee nicht viel mit der Vorlage zu tun: Talia al Ghul klärt Batman darüber auf, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben und übergibt Damian in die Obhut des Vaters – und dann gibt es Kämpfe mit einer Man-Bat-Armee. Doch die Bedingungen sind im Film ganz andere. Der Gegner heißt Deathstroke. Er ist hier ein abtrünniger Anhänger von Ra’s al Ghul, der eines Tages mit einigen anderen der League of Assassins über die Burg seines Mentors herfällt und ihn umbringt. Klein-Damian sticht Deathstroke im Kampf ein Auge aus. Der Attentäter flieht, schwört Rache und zwingt Kirk Langstrom dazu, ein Serum zu entwickeln, dass seine Ninjas in Man-Bats verwandelt.

In der Zwischenzeit kommen sich Batman und Damian näher – eine Beziehung mit Hindernissen, denn der Sohn ist mehr Klugscheißer und Draufgänger als sein Vater. Allerdings fehlen einige Aspekte, die die Story im Comic interessant machen: die Rivalität und den Kampf mit Robin Tim Drake zum Beispiel. Stattdessen gibt es bloß einen kurzen Kampf mit Nightwing. Und Damian kommt auch nicht in den Genuss, einem Schurken den Kopf abzusäbeln – und das obwohl das Blut in dem Film nur so spritzt. (Zurecht ist er erst ab 16 Jahren freigegeben.) Schließlich vermisst man auch Batmans Ausraster, bei dem der Vater seinen missratenen Jungen zur Ordnung ruft. Die Konflikte spielen sich eher auf Sparflamme ab, zu schnell gehorcht der Bengel seinem Vater.

Doch allen Mangelerscheinungen zum Trotz sind die größten Veränderungen wie der Einsatz von Deathstroke nachvollziehbar und sorgen dafür, dass Son of Batman ein dichteres, stimmiges Ganzes bildet, wohingegen Grant Morrisons Vorlage ziemlich ausfranst. Damian wird mehr in die Story integriert, weil ihn ein klassisches Rachemotiv antreibt, und auch Deathstroke hat seine Gründe, gegen die Familie al Ghul vorzugehen. Leider ist der Film nicht ganz frei von Blödsinn. Zum Beispiel wenn etwa in der ersten Szene Ra’s al Ghul Gewehrkugeln mit dem Schwert abwehrt, obwohl er von Feinden umzingelt ist und sie einfach nur alle auf einmal auf ihn schießen müssten, um ihn umzulegen. Oder wenn später Deathstroke auftaucht und seinen Soldaten Einhalt gebietet, weil er selbst seinen Feind töten will. Von solchen Logiklöchern abgesehen ist Son of Batman eine kurzweilige Unterhaltung mit reichlich Action und knackigen One-Linern, was sowohl Comicleser als auch -nichtleser bei Laune halten dürfte.

Batman and Son: Der Enkel des Dämons

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Son/The Black Glove (dt. Batmans Sohn/The Black Glove)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Andy Kubert, J.H. Williams III, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2006-2008 (Batman #655-658, 663-669, 672-675, Paperbacks 2007 (Batman and Son), 2008 (The Black Glove), beide Storylines 2012/2014), dt. Panini Paperback 2010/2011


„All this comic book stuff is way too highbrow for me.“ (Bruce Wayne)

„If there’s one thing I hate … it’s art with no content.“ (Batman)

„There’s a new Robin now.“ (Damian)

Nach dem Tod ihres Vaters Ra’s (in Death and the Maidens, dt. Der Tod und die Mädchen) macht Talia al Ghul sich ihre eigene Man-Bat-Armee, die in London einfällt und die Frau des Premierministers entführt. Als Batman das zu verhindern versucht, macht ihm Talia klar, dass er einen Sohn hat: Damian. Weil sie gerade damit beschäftigt ist, das Erbe ihres Vaters fortzuführen, indem sie die Welt terrorisiert, gibt sie Damian in Batmans Obhut. Doch der Kleine ist nicht nur aufsässig gegen seinen Vater, Alfred und Robin, sondern auch eine Tötungsmaschine, die mit dem Schwert kurzen Prozess mit seinen Gegnern macht.

Batman hat einen Sohn? Das kommt uns doch bekannt vor! Richtig: In Son of the Demon (1987) hatte Batman tatsächlich ein engeres Verhältnis mit Talia, aus dem ein Kind hervorging. Doch das war keine kanonische Geschichte, eher ein Was-wäre-wenn-Szenarion – noch bevor es Elseworlds gab. Grant Morrison hat mit seiner ersten Batman-Story im neuen Jahrtausend diese alte Geschichte wieder ausgekramt und wörtlich genommen.

Es hat sich gelohnt: Damian ist ein kleiner Satansbraten, den man gerne haben muss, obwohl er nervt. Abgesehen von dem herrlichen Humor der Dialoge macht es Spaß, Batman einmal auf ganz andere Art an die Grenzen seiner Fähigkeiten gehen zu sehen – nämlich als überforderter Erzieher. Damian legt schnell das alte Robin-Kostüm an, allerdings ohne die grüne Schuppenunterhose, dafür aber mit cooler Kapuze, und stiehlt in der Rolle dem streberhaften Langweiler Tim Drake die Show. Es amüsiert zu verfolgen, wie der Kleine Wayne Manor aufmischt. Dass die Story nach vier Kapiteln in einem schnellen Showdown in Gibraltar etwas abrupt endet, ist zwar bedauerlich, aber es handelt sich bloß um den Auftakt zu etwas Größerem: Talia hat Pläne …

Und auch Grant Morrison hat welche, wie man an den vielen Ideen sieht, die er in seine ersten Storys gesteckt hat. Der größte Teil des Bandes enthält auch die Storyline The Black Glove, die den Rahmen um die Damian-Story bildet. Batman muss gegen drei Pseudo-Batmen kämpfen, die Gotham terrorisieren. Es handelt sich um Polizisten, die in einem Geheimprogramm dazu ausgebildet wurden, Batman einmal zu ersetzen. Währenddessen stirbt das Original fast an einem Herzinfarkt. Dabei halluziniert er vom ersten Robin, Joe Chill und Bat-Mite, wir erfahren von einem seltsamen Meditationsritual, dem Thögal, dem sich der junge Bruce in Nanda Parbat unterzogen hat, später ließ er sich als Batman für zehn Tage in einer Isolationskammer einsperren, um durch Bewusstseinsveräderung herauszufinden, wie der Joker tickt.

Eine Binnen-Story führt die böse Geheimorganisation The Black Glove ein, die später noch in Batman R.I.P. wichtig sein wird. Obwohl der Dreiteiler visuell sehr interessant und vielseitig aufbereitet ist, mutet die Handlung etwas seltsam an: Batman fliegt mit Robin auf eine karibische Insel, weil dort ein gelangweilter Bonze namens Simon Hurt ein paar drittklassige kostümierte Helden versammelt. Es ist unbegreiflich, warum Batman an so einem Quatsch teilnehmen sollte – hat er nichts besseres zu tun? Als er da ist, muss er zusammen mit den anderen (die alle auf ihre Weise Batman-Verschnitte sind) einen Serienmörder fassen, der sie einen nach dem anderen tötet.

Privat ist Bruce Wayne ebenfalls gut damit beschäftigt, Bekanntschaft mit Jezebel Jet zu machen – eine Frau, der er sogar seine Geheimidentität offenbart. Ein Kapitel ist der Zukunft gewidmet: Wir sehen Damian Wayne als Batman gegen einen der falschen Batmen kämpfen, während Comissioner Barbara Gordon ihn jagt. (Außerdem gibt es eine ungewöhnliche Joker-Story in Prosa, die mit computergenerierten Bildern illustriert ist, aber der werde ich mich ein andermal gesondert widmen.)

Es wird also viel Stoff geboten. Typisch Grant Morrison, der Mann für die großen Epen. Aber die Fülle überfordert den Leser: leider ist die Handlung zu zersplittert, eine klarere Struktur wäre wünschenswert gewesen. Beurteilen kann man das Ganze eigentlich nur im Rückblick, wenn man noch weiter gelesen hat. Eins ist klar: Es ist eine zum Teil eine anspruchsvolle, zuweilen verwirrende, aber weitgehend unterhaltsame Lektüre. Besonders der erste Teil mit Damian ist gelungen und auch die Rahmenhandlung mit den Fake-Batmen hat ihre Reize. Die grandiosen detailreichen und vitalen Zeichnungen von Andy Kubert, J.H. Williams III und Tony S. Daniel machen den Band auch zu einem visuellen Genuss.

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Ein erster Blick auf Bad Blood

DC hat den ersten Trailer zum Animationsfilm Batman: Bad Blood veröffentlicht, der nächstes Jahr auf DVD und Blu-ray erscheinen soll. Darin werden erstmals die Charaktere Batwoman und Batwing vorkommen, und auch Nightwing und Robin (Damian Wayne) sind wieder dabei. Für böses Blut dürfte die schwer bewaffnete Rächerin sorgen, von der sich auch Batwing Bashing gefallen lassen muss. Bad Blood ist die Fortsetzung zu Son of Batman und Batman vs. Robin. Das Drehbuch stammt von J.M. DeMatteis, der bereits den jüngsten der Filme geschrieben hat (außerdem hat er die Prequel-Comics zu Justice League: Gods and Monsters verfasst). Ein genauer Starttermin für Bad Blood steht noch nicht fest.

Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

DC Comics

Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Coverwahn #2

DC hat noch mehr Cover für Dark Knight III – The Master Race veröffentlicht. Hauptzeichner Andy Kubert zaubert uns erneut eine noire Sicht auf den Dunklen Ritter als Fassadenkletterer, was vor dem roten Hintergrund besonders cool kommt, Eduardo Risso lässt Batman selbst rot glühen, als Dämon, der sich von einem Gargoyle stürzt. Lee Bermejo setzt auf eine Actionszene mit Robin, ein weiteres Cover von Kubert zeigt Carrie Kelley in Gefangenschaft (ein Ausblick auf Ausgabe #2), Klaus Janson hingegen enttäuscht mit Batman, Superman und Robin im Profil und Halbschatten – lahm. Meine Favoriten kommen von Rafael Albuquerque und Tyler Kirkham. Beide haben (wie schon Jae Lee und Sean Murphy) eine Reminiszenz an The Dark Knight Returns gezeichnet: Bei ersterem verprügelt Batman den Mutantenanführer im Schlammloch, bei letzterem sieht man den Antihelden mit blutigen Fäusten vor seinen Anhängern stehen – der Himmel knallrot. Höchstdramatisch. So haben wir’s gern.

Vom Rotkehlchen zum Rotkäppchen

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Under the Red Hood

Drehbuch: Judd Winick

Erschienen: 2010 (Direct-to-Video)


„Ich hätte mich niemals mit einem Wahnsinnigen verbünden dürfen.“ (Ra’s al Ghul)

Fünf Jahre nach der umstrittenen Storyline Under the Hood wurde der Comic verfilmt, allerdings unter dem Titel Under the Red Hood, was danach auch für den Comicsammelband übernommen wurde. Der Film tut, was Filme so tun: Er lässt viel aus. Man könnte auch sagen: Er verdichtet. Und das tut dem Stoff sehr gut.

Kurz gesagt: Es geht darum, wie das ehemalige Rotkehlchen Jason Todd (Robin II) über den Umweg des Todes zum mörderischen Rächer, dem Rotkäppchen Red Hood, wird. Es beginnt mit dem obligatorischen Robin-Mord durch den Joker. Statt die Story von A Death in the Family nachzuerzählen (Jasons Suche nach der Mutter, Reise in den Libanon etc.) wird hier kurzer Prozess gemacht: Der Joker vermöbelt gerade Robin mit der Brechstange, Batman eilt zu Hilfe, aber er kommt zu spät. Irgendwas hat die Sache mit Ra’s al Ghul zu tun, der offenbar gemeinsame Sache mit dem Joker macht. Und dieser Aspekt ist die wohl beste Entscheidung für den Film: So hat man gleich den Protagonisten eingeführt, der für Jason mit der Lazarus-Grube wiederbelebt. Kein metaphysischer Schicksals-Unsinn wie im Comic ist für die Auferstehung verantwortlich, sondern ganz einfach Ra’s selbst, weil er Schuldgefühle hat, für Jasons Tod mitverantwortlich zu sein. Als Leser und Zuschauer fragt man sich: Warum nicht gleich so?

Der weitere Hauptunterschied ist, dass der Joker eine viel größere Rolle spielt. Nicht bloß als Racheobjekt für Jason alias Red Hood, sondern auch dass Black Mask Joker als Auftragskiller für Red Hood anheuert. Der Joker ist gewalttätiger als je zuvor in einem Animationsfilm, er tötet plötzlich einige von Black Masks Männern – nur mit einem Wasserglas und nur weil er gerade Lust dazu hat. Der Part mit Mr. Freeze wird weggelassen, ebenso die Gastauftritte anderer Helden und Schurken, zum Beispiel Deathstroke. Dafür gibt es ein Attentat einer neuen Gruppe: The Fearsome Hand of Four. Batman und Nightwing kämpfen gemeinsam gegen den Androiden Amazo, der auch schon im Comic vorkommt. Trotz der zusätzlichen Gewalt sind andere Szenen entschärft, zum Beispiel die, in der Red Hood eine Tasche voller Köpfe in eine Gangsterversammlung wirft. Im Comic sieht man, was drinsteckt, im Film muss es Red Hood sagen. Einige Rückblenden, in der Robins Anfangszeit nachgereicht werden, vom Räderklau bis hin zu einer kurzen Begegnung mit dem Riddler, sorgen für die emotionale Tiefe der Charaktere.

Under the Red Hood übernimmt das Beste aus den Comics, verdichtet es und fügt einige neue Ideen hinzu. Daraus entsteht ein in sich stimmiges Ganzes, das auch dank der hervorragenden Animation zu fesseln vermag.

Under the Hood: Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

Der neue Jason Todd wählt die rote Maske, mit der sein Mörder einst seine Gauner-Karriere begann. Red Hoods Ziel ist klar: Rache. Aber zuvor versucht er, mit drastischen Methoden in Gotham aufzuräumen. Skrupellos tötet er Drogendealer und andere Kriminelle, ruiniert die Geschäfte von Black Mask, indem er etwa dessen Waffen stiehlt. Batman geht Red Hood zu weit. Der Meister versucht seinen Schüler aufzuhalten, aber sein Gegner ist gut ausgebildet. Schnell kommt der Detektiv auf den Trichter, dass es sich um Jason handeln könnte und er befragt einige Wiederauferstandene wie Superman und Green Arrow nach dem Tod. Schließlich, in der Mitte der Story, kommt es zur Offenbarung. Doch viele Fragen bleiben offen, von denen bloß die geringste ist, warum Jason unter der Maske eine weitere trägt.

Batman muss sich von Jason eine Standpauke gefallen lassen, dass er mit seinem halbherzigen Handeln gegen Kriminelle im Allgemeinen und gegen den Joker im Besonderen, weitere Morde zu verantworten hat. Später kämpfen er und Jason doch vereint gegen ein paar von Black Mask beauftragte Attentäter. (Der Attentäter Deathstroke schickt – statt den Auftrag selbst zu erledigen – drei Idioten wie Count Vertigo, Hyena und Captain Nazi vorbei.) Im Finale läuft es auf einen Showdown mit dem Joker hinaus. Und nach einem abrupten und explosiven Ende wird nachgetragen, wie Jason zurück ins Leben fand.

Die Begründung ist hanebüchen und dreist. Und zugleich auch völlig egal. Ob es die Lazarusgrube war oder Magie oder nur ein Scheintod, spielt keine Rolle. Aber dass Superboy-Prime mit ein paar Erschütterungen des Multiversums (siehe Infinite Crisis) das Schicksal wieder einrenkt und dadurch eine mysteriöse Macht Jason aus dem Grab holt, weil dieser nie hätte sterben dürfen, kommt für Fans einer Beleidigung gleich. Jim Aparos alternatives Ende für A Death in the Family zu aus dem Archiv zu kramen und in die Story einzubauen, legitimiert diese Wendung nicht. Auch die Erklärung für Jasons unbemerktes Verschwinden und seine lange Abwesenheit wirkt äußerst bemüht.

Trotz dieses kühnen Schrittes und großen Kunstfehlers ist Under the Hood eine durchaus unterhaltsame Story: Kurzweilig erzählt, grandios gezeichnet und mit ein paar knackigen Dialogen, die zum Teil sogar sehr witzig geraten sind (besonders die Sprüche von Black Mask). Schade ist nur, dass einige Handlungsstränge bloß angerissen, aber nicht zu Ende erzählt werden, zum Beispiel die Sache mit den Waffen, zu denen auch eine Kiste Kryptonit gehört, oder der Anschlag auf Blüdhaven. Auch das Finale endet mit einem Knall, ohne dass man in einem Epilog erfährt, was aus den Figuren geworden ist.

Am besten hat es Hilary Goldstein von IGN formuliert: “ It’s a well-told story, problem is I don’t like the story being told.“

(Die Story wurde 2010 unter dem Titel Under the Red Hood als Animationsfilm adaptiert.)

>> Batman 2000-2011