Robin

Die zwölf Geschworenen gegen Batman

DC Comics

Titel: Cold Days

Autor/Zeichner: Tom King/Lee Weeks, Tony S. Daniel

Erschienen: 2018 (Batman #51-57), Paperback 2018 (Batman Vol. 8)


Mr. Freeze steht wegen Mordes an drei Frauen vor Gericht. Batman hat ihn gefangen. Am Ende des Prozesses sollen zwölf Geschworene über die Schuld entscheiden – einer davon ist Bruce Wayne. Der Fall ist klar: Freeze hat gestanden, Batman hat herausgefunden, dass nur er dahinterstecken kann. Alle sind für schuldig, nur einer stellt sich quer: Bruce Wayne.

Wen die Story an einen Klassiker der Filmgeschichte erinnert, der liegt richtig: Autor Tom King bedient sich kräftig bei Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men) von Sidney Lumet. Wer den Film gesehenm hat (und jeder sollte ihn gesehen haben), weiß, worauf es hinausläuft: Der Querulant weckt Zweifel und stimmt alle um. Während das im Film sukzessive passiert, handelt King das Ganze in drei Heftkapiteln ab. Am Ende ist es Waynes langer Monolog, der die anderen dazu bringt, ihre Meinung zu ändern.

Das Besondere ist: Es geht hier nicht im Freezes Unschuld, sondern darum, dass die Geschworenen am scheinbar unfehlbaren Batman zweifeln. Und dass es Bruce Wayne selbst ist, der sich in die Jury einkauft, um einen Fehler wiedergutzumachen, den er als Batman begangen hat. Denn Batman ist nach der geplatzten Hochzeit mit Catwoman nicht mehr bei klarem Verstand.

Es ist mal wieder so eine Tom-King-Story geworden, in der mehr geredet, als gehandelt wird. Aber es ist trotzdem eine sehr starke, mitreißende Story, vielleicht sogar seine bisher beste. Noch beeindruckender sind aber die Zeichnungen von Lee Weeks: Ein feiner Strich macht die Figuren ausdrucksstark, die vielen Schatten sorgen (zusammen mit der gedeckten Farbpalette) für eine Film Noir-Stimmung, vergleichbar mit David Mazzucchelli in Year One. Dabei kann man auch vergessen, denn es scheint dann nicht mehr so wichtig, dass der Fall, wer die Frauen wirklich ermordet hat, nicht aufgeklärt wird. Das ist Nebensache.

Der zweite Teil des Bandes Cold Days ist der Beziehung von Bruce und Dick Grayson gewidmet. Batman und Nightwing kämpfen gegen ein paar drittklassiger Schurken, während Nightwing Sprüche klopft und versucht, Batman zum Lachen zu bringen – Aufmunterung in Zeiten von Liebeskummer. Parallel dazu gibt es Rückblenden zur schwierigen Anfangszeit mit Dick und Bruce, wie er versucht, ihn von Gurkensandwiches zu überzeugen. Matt Wagner zeichnet das Ganze in seinem gewohnt naiv-klobigem Stil.

Dann verübt KGBeast einen Anschlag auf Nightwing und Batman jagt dem Attentäter hinterher. Ein Kapitel lang sehen wir, wie der Schurke sich vorbereitet und Nightwing Batman auf die Nerven geht, ein Kapitel lang betrinkt sich der KGBeast mit seinem Vater, während Batman ihn sucht, ein Kapitel lang prügeln sie aufeinander ein. Das ist weder unterhaltsam, noch subtil, sondern schlicht öde und banal. Während der Dialog mit Nightwing nur daraus besteht, dass Batman permanent seinem Geschwätz widerspricht, beschränkt sich der mit KGBeast am Ende fast nur auf Interjektionen (Hm. Gnnn! Ungg! Aggh!). Da bringt es nicht viel, wenn der Autor am Ende noch versucht, mit einem russischen Märchen eine allegorische Meta-Ebene reinzubringen, oder dass Tony Daniel wie immer eine Glanzleistung als Zeichner abliefert: Es bleibt ein stumpfsinniges Stück Comic, das alles zunichte macht, was der Anfang aufgebaut hat.

Batman ist gerade in der zweiten Hälfte ein unsympathischer Grantler, der besessen seinen Zielen nachjagt und Opfer in Kauf nimmt. Hielt Bruce Wayne zunächst noch eine lange Predigt über Batmans Grenzen, fällt er am Ende wieder in seine Verblendung und Arroganz zurück: „I’m the world’s greatest detective.“ Hilfe nimmt er genauso wenig an, wie er sie gewährt. Wie schon bei seiner ersten Begegnung mit KGBeast überlässt er ihn dem (fast) sicheren Tod. Moralisch höchst fragwürdig. Und man muss sich wie bei seiner Adaption der Zwölf Geschworenen fragen, ob man das Tom King als Hommage durchgehen lassen kann, oder ob es dem Mann an eigenen Ideen fehlt …

>> Batman 2011-2019

Batmans erster Trip ins Wunderland

DC Comics

Titel: Tweedledum and Tweedledee

Autor/Zeichner: Don Cameron/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #74)


Batman und Alice im Wunderland – das gehört einfach zusammen. Ich kann mir noch nicht erklären, warum. Aber angefangen hat es früh. Und nicht erst mit dem Mad Hatter, sondern mit Tweedledum und Tweedledee.

Die beiden, Dumfree und Deever Tweed, sind Cousins, die sich zum verwechseln ähnlich sehen: Beide sind dick, haben Knollennasen und tragen gern lila Anzüge. Und sie sind erfinderische Gauner. Während der eine Pelze raubt, holt sich der andere Diamanten. Als Batman und Robin über einen Übergrößen-Händler herausfinden, dass es sich nur um die Tweeds handeln kann, tappen sie in eine Falle und werden durch elektromagnetische Strahlung festgehalten.

Die Cousins haben sich umgezogen für einen Wohltätigkeits-Kostümball (es geht um Kriegsanleihen), den sie zu überfallen gedenken. Natürlich sind die verkleidet wie für ihre Rollen bei Alice im Wunderland, ein Komplize trägt ein Märzhasenkostüm, der andere eine Hasenmaske und Zylinder – der erste Mad Hatter. Sie gewinnen mit ihren Kostümen den ersten Preis und wollen noch mehr, da springen Batman und Robin wie Springteufel aus einer riesigen Geschenkpackung und schlagen alle zusammen.

Tweedledum und Tweedledee kehren in Batman #24 (1944) zurück. In diesem Heft lassen sie sich in einer Kleinstadt zum Bürgermeister wählen und üben auch das Amt des Richters aus, sie sperren Batman und Robin ins Gefängnis und betrügen die Gemeinde mit einer falschen Goldmine. Mit Alice im Wunderland hat das Ganze nichts zu tun – es ist eine ganz gewöhnliche, überkonstruierte Gaunerei.

Die beiden Widersacher tauchen erst wieder in den 70ern auf und schließen sich 2008 der Wonderland Gang an, in der auch andere Alice-Figuren wie der Mad Hatter zusammenkommen.

Mehr Batman im Wunderland:

Weihnachten mit dem Riddler

DC Comics

Titel: A Christmas Riddle (dt. Ein Weihnachtsrätsel)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Ty Templeton

Erschienen: 1996 (Batman and Robin Adventures #3), dt. Dino 1997 (Batman Adventures #19)


„Eventually I realized I’m just not the club-joining-type.“ (Bruce Wayne)

Bei der traditionellen Weihnachtsfeier des Peregrinator Clubs, einem Bonzen-Verein, dem auch mal Thomas Wayne angehört hat, gibt es eine böse Überraschung: Santa Claus entpuppt sich als Riddler. Während seine zwei Helferinnen die Menge mit Maschinengewehren in Schach halten, kündigt er an, die Identitäten von Batman und Robin preiszugeben.

Dabei geht er so vor, wie selten jemand im Comic: indem er kurz nachdenkt. Was man über Batman weiß: Er ist relativ jung, ein Mann zwischen 28 und 40, und er hat viel Geld oder einen reichen Sponsor, um sich Batmobile leisten zu können. Da diese Beschreibung auf einige in dem Club zutreffen, verdächtigt der Riddler einige Unschuldige.

Doch als Batman und Robin eintreffen, erkennen sie, dass sich andere Gauner am Safe zuschaffen machen. Die ganze Show, die der Riddler auch im Fernsehen übertragen lässt, ist nichts als Ablenkung. Doch der wahre Horror beginnt, als plötzlich alle Weihnachtsbäume im Saal anfangen zu brennen.

Der Riddler vernichtet also beinahe Weihnachten, um sich selbst zu beschenken. Was hat er stattdessen zu bieten? Verkleidungen, Täuschungen, Ablenkung, ein paar flotte Sprüche. Aber leider nicht mal ein richtiges Rätsel … Schade.

>> Batman zu Weihnachten

Ra’s brennt für Batman

Titel: The Lazarus Affair

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Irv Novick

Erschienen: 1980-1981 (Batman #330-335)


Lucius Fox wird von einer Gang angegriffen, der sein eigener Sohn angehört. Bruce Waynes Sekretärin stiehlt Geschäftsdokumente. Ein Konkurrent namens Gregorian Falstaff unterbietet Wayne bei mehreren Aufträgen, um ihn in den Ruin zu treiben. Was geht hier vor? Spätestens als Talia al Ghul unangekündigt in der Bathöhle auftaucht und Batman um Unterschlupf bittet, dürfte die Sache klar sein, aber Batman stellt sich dumm und spielt das Spiel mit.

Robin ist davon nicht begeistert. Während Batman mit Talia nach Asien reist und sich mit einer Horde Mutanten prügelt, ermittelt Robin mit Catwoman auf eigene Faust. Die Teams treffen sich auf Infinity Island, wo es zum Showdown mit dem mysteriösen Strippenzieher kommt. Wie gesagt: Wer das ist, liegt auf der Hand. Aber Marv Wolfman zieht die Auflösung so künstlich in die Länge, dass es fast schon komisch ist.

(Noch absurder: Batman trägt auf der Reise nach China einen Rucksack voller Tischtennisbälle mit sich, die er beim Grenzübertritt in einen Anzug steckt und so auf dem Wasser einen treibenden Körper simuliert. Damit schlägt er die Chinesen sozusagen mit ihren eigenen Waffen.)

Natürlich – ACHTUNG: SPOILER!!! – steckt hinter all dem Ra’s al Ghul. Wieder mal ist das ganze Theater nur ein Versuch, Batman auf seine Seite zu ziehen, indem er alles an sich reißt, was Bruce Wayne besitzt. Eigenartigerweise scheint der Schurke mehr Zeit in Bekehrungsversuche zu stecken als in sein eigentliches Projekt: die Welt von der Menschheit zu befreien. Batman muss sich entscheiden, ob seine Freunde getötet werden sollen oder er zu Ra’s Verbündeten wird. Er tut so, als würde er überlaufen. Robin und Catwoman werden daraufhin zum Steineklopfen ins Bergwerk geschickt.

Das Prinzip ist das altbekannte: Talia führt Batman in die Falle, dann betrügt sie ihren Vater. Das Neue: Wir erfahren, dass Talia selbst nicht mehr so jung ist, wie es scheint, dass sie schnell nachaltert und immer wieder durch Handauflegen von ihrem Vater verjüngt wird. Im Gefecht wird sie getötet und in der Lazarusgrube wiederauferweckt. Ra’s al Ghul landet schließlich selbst darin, springt brennend wieder heraus und als er noch einmal darin landet, explodiert die ganze (vulkanische) Insel und versinkt im Meer.

Das Pikante an der Story: Selina Kyle hat kürzlich erst mit Bruce Wayne Schluss gemacht. Dass er jetzt wieder von Talia becirct wird, gefällt ihr natürlich nicht so sehr. Aber Bruce bleibt eisern: Nach den gescheiterten Romanzen der letzten Zeit ist er für Talia nicht bereit. Schließlich behält Robin recht: Talia ist nicht zu trauen und Bruce muss verrückt sein, sich immer wieder auf sie einzulassen. Aber er kann einfach nicht anders.

(Hinweis: Offiziell erstreckt sich The Lazarus Affair nur über vier Ausgaben (Batman #332-335), die Handlung beginnt allerdings schon in Ausgabe #330.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Weihnachten mit Batmans Doppelgänger

DC Comics

Titel: A Parole for Christmas

Autor/Zeichner: Bill Finger/Charles Paris

Erschienen: 1948 (Batman #45)


Der Sträfling Ed Rogers darf wegen guter Führung für Weihnachten raus aus dem Knast. Er will seine Frau und seinen kleinen Bruder besuchen. Doch auf dem Weg dorthin versuchen zwei Ganoven, ihn umzubringen. Als Batman und Robin das verhindern stellen sie fest: Rogers sieht aus wie Bruce Wayne!

Sie bringen den bewusstlosen Doppelgänger in die Bathöhle und Bruce Wayne besucht als Rogers dessen Familie. Niemand schöpft Verdacht. Rogers hatte seiner Frau erzählt, dass er an einem geheimen Navy-Projekt arbeite. Doch als plötzlich die Polizei vorbeikommt, weil sie ihn für einen Überfall verdächtigt, kommt die Wahrheit raus, dass er ein Häftling ist.

Es geht zurück in den Knast. Robin bürgt für ihn, es geht wieder raus. Als Batman noch einen Anschlag vereiteln muss, lässt sich Bruce Wayne als Rogers einbuchten, um herauszufinden, wer dahintersteckt. Er muss einen Ausbruch verhindern. Dank eines zusammenfaltbaren Kostüms kann er als Batman auftreten.

Am Ende schlägt er die Gauner mit den Waffen des Festes: Ein brennender Weihnachtsbaum versperrt den Flüchtigen den Weg, eine Weihnachtskugel landet im Gesicht des Anführers. So viel Zerstörung muss sein, damit der echte Ed Rogers wieder zurück zu seiner Familie kann. Seine Bewährung wird verlängert – und auch seine Lüge ist vergeben.

>> Batman zu Weihnachten

Weihnachten mit Catwoman

Titel: A Christmas Tale

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1947 (Batman #39)


Diesmal reiten Batman und Robin auf der Katze und grüßen Santa Claus, der mit seinem Schlitten in die andere Richtung fliegt. Aber auch wenn sie in der Geschichte tatsächlich über Catwoman triumphieren (wie immer), bleibt ihr Batman sein Leben schuldig. Aber der Reihe nach.

Kurz vor Weihnachten entführt Catwoman (die hier wieder blond ist) drei Katzen. Der Grund ist nicht klar: Weder sind die Katzen besonders (einer fehlt sogar der Schwanz), noch sind ihre Besitzer reich. Aber ein Blick in die Zeitung verrät, dass Catwoman wahrscheinlich hinter den Juwelen her ist, die in einer Katzenmumie aus dem Museum stecken. So berechenbar ist es dann auch.

Catwoman benutzt die schwanzlose Katze, um ihr einen falschen Schwanz mit einem Betäubungsgas ankleben zu können, damit überwältigt sie die Wachen. Im Museum bringt Catwoman sogar Batman und Robin zu Fall, indem sie einen Säbelzahltiger auf sie stößt. Als einer ihrer Komplizen die Knarre zückt, wehrt sie ihn mit der Peitsche ab – und rettet Batman so das Leben. Sie sagt zwar, dass sie keine Mordanklage riskieren will, aber insgeheim fragt sie sich: „Why did I save him? Maybe I am soft … oh … I’m all confused!“

Um die anderen beiden Katzen zu kriegen, verkleiden sich Batman und Robin als Santa Claus und Elf und ziehen weiße Schnee-Kostüme an (die sie bereits in World’s Finest #7 getragen haben). Wieder einmal verrät eine Katze Catwoman, sie wird gefasst und die Katzen kehren zu ihren Besitzern zurück.

Am Ende wird die Schurkin wieder sentimental: Unter einem Mistelzweig will Catwoman Batman küssen, aber als er darauf nicht reagiert, macht sie ihm ein noch dreisteres Angebot: Batman soll sich ihr anschließen, zusammen könnten sie die Unterwelt beherrschen und „king and queen of crime“ sein. Batman bleibt hart, Catwoman will ihm daraufhin die Augen auskratzen – ach ja, das Fest der Liebe …

Mehr zum Thema:

Batman aus dem Computer

DC Comics

Titel: Digital Justice (dt. Im Netz des Jokers)

Autor/Zeichner: Pepe Moreno

Erschienen: 1990 (One-Shot), dt. Carlsen 1991


Als es das Internet gerade losging und Pixar mit den ersten computeranimierten Filmen begann, kamen auch die ersten digital gezeichneten Comics auf den Markt. Darunter auch Batman: Digital Justice. „Computer generated“ steht auf dem Cover und im Vorwort wird das Buch als Zeichen für den technischen Fortschritt gewertet. Zugleich heißt es darin auch, dass „state of the art“ heutzutage schnell veraltet sei. Das gilt vor allem für dieses Comic-Experiment.

Digital Justice mag für 1990 Avantgarde gewesen sein, aber es reicht nur ein Blick auf die Seiten, um zu verstehen, warum es bei einem Batman-Comic dieser Art geblieben ist. Aus heutiger Sicht sind die Bilder lächerlich primitiv: Häuser, Autos und Gegenstände wirken billig wie in den ersten Computerspielen, allein die Gesichter wirken halbwegs glaubhaft, allerdings auch maskenhaft steif, und überall sieht man ausgefranste Pixel-Kanten.

Das alles mag gut gemeint sein, aber es ist leider furchtbar schlecht gemacht. Das Bisschen Story, was sich der Künstler Pepe Moreno dazu überlegt hat, geht in der toten Atmosphäre der Grafik unter: Im digitalisierten Gotham der Zukunft (Megatropolis) herrscht ein böser Virus über die Menschen – der Joker. Fliegende Polizeiroboter laufen Amok, schießen immer wieder grundlos Menschen tot. Der Polizist Jim Gordon, Enkel des ehemaligen Commissioners, geht der Sache nach. Aber als er als Polizist scheitert, lässt er sich von einer Statue dazu inspieren, zum neuen Batman zu werden.

Die Hälfte der rund 100 Seiten muss man darauf warten. Dann geht alles recht flott: Er bekommt einen Robin, kommt in die alte Bathöhle, erfährt, dass der alte Batman noch als Programm weiterexistiert, während Alfred ein Roboter ist. Zusammen besiegen sie den digitalen Joker in einem digitalen Krieg, der so abstrakt ist, dass nicht annähernd nachvollziehbar, geschweige denn spannend ist, was da eigentlich passiert.

DC Comics

Das Aussehen des Joker ist auf das Wesentliche reduziert, sein Gesicht aus einigen simplen geometrischen Formen zusammengesetzt. Warum, sieht man beim Gesicht des digitalen Batman: Das soll zwar realistischer sein, ist aber so unbeholfen gezeichnet, dass man sich fragt, wie man jemals so eine Grafik bei DC hat durchgehen lassen.

Nein, es ist nicht einmal aus nostalgischer Sicht dem Comic etwas abzugewinnen. Es wirkt alles so leblos wie eben von einer toten Maschine erdacht und gemacht. Bestimmt war das damals „state of the art“, aber man wird den Eindruck nicht los, dass dieses Buch mehr sein will, als es sein kann. Als DC 17 Jahre später das Experiment mit dem Digitalen erneut wagte (The Clown at Midnight, Batman #663, 2007), sah das Resultat nicht wirklich überzeugender aus – auch wenn die Technik deutlich weiter war. Es zeigt sich: Computergenerierte Comics werden noch lange Science Fiction bleiben. Das ist auch völlig okay so, denn Papier und Bleistift reichen völlig aus. Auch wenn mittlerweile viel am Rechner passiert, braucht es immer noch den „Human Touch“.

>> Batman 1990-1999

Batmans Angstgegner

Scarecrow, Version 1

Warum nicht einfach „Vogelscheuche“? Das war dem deutschen Übersetzer wohl nicht furchteinflößend genug, als er den Namen „Scarecrow“ übertrug. Daher wurde „Panikmacher“ draus, zumindest in den ersten Folgen. Der Name ist reißerisch, wirkt aber bemüht – und wird aber der Sache nicht ganz gerecht. Denn Panik ist etwas anderes als Angst.

Nothing to Fear

Scarecrow bekommt in Batman: The Animated Series vier ganze Folgen gewidmet. Anders als bei Two-Face, Clayface und Ra’s al Ghul hat er keine Doppelfolge, in der sein Werdegang ausführlich geschildert wird. Gleich in der dritten Episode (Nothing to Fear, dt. Kein Grund zur Panik, S01E03) der ersten Staffel hat Scarecrow seinen ersten Auftritt. Er ist ein Außenseiter, der sich mit Angstgas-Angriffen an der Universität rächen will, ausgestoßen worden zu sein. Seine Vorgeschichte, die in einer kurzen Rückblende erzählt wird, entspricht größtenteils der Comicvorlage: Jonathan Crane ist schon als Kind besessen davon gewesen, anderen Angst einzujagen und hat als Psychologie-Professor seine Experimente an der Uni übertrieben, als er Menschen zum Beispiel mit Ratten einsperrte.

Wie Scarecrow Batman sieht.

Ein interessanter Charakter ist Crane dadurch nicht. Eher ein typischer Irrer, der lauthals lacht, wenn er Rache nimmt. Etwas einfallslos und unmotiviert. Interessant aber ist Batmans Reaktion auf das Angstgas. Ihm erscheint sein Vater, Thomas Wayne, der den Sohn eine Enttäuschung nennt. Obwohl hier Gelegenheit gewesen wäre, Batmans Kindheitstrauma erstmals nachzuerzählen, wird es nur angedeutet.

Thomas Wayne als Albtraum

In einer dramatischen Szene auf einem Luftschiff befreit sich Batman von seiner größten Angst – der Versagensangst – und sagt den legendären Satz: „I am vengeance. I am the night. I am Batman!“ Auf Deutsch klingt das allerdings nur halb so cool …

Scarecrow, Version 2

Batman ist in der ersten Scarecrow-Folge allein unterwegs. In Fear of Victory (dt. Nur ein Narr kennt keine Furcht, S01E24) ist allerdings Robin dabei – und diesmal ist er es, der sich seinen Ängsten stellen muss. Wieder schlägt Scarecrow an der Uni zu, diesmal aber bei den Sportlern. Es handelt sich nicht um einen weiteren Racheversuch, sondern um schnödes Gewinnstreben. Crane braucht Geld für seine Experimente, also wettet er auf Sport-Ereignisse, die er mittels Angstgas beeinflusst. Diese Motivation ist seltsam angesichts der Tatsache, dass er noch in der ersten Folge einen Haufen Geld abgefackelt hat. Offenbar ist ihm der Idealismus abhanden gekommen.

Dick Graysons Mitbewohner ist von dem Gas betroffen, dann auch Dick selbst. Das Finale findet in einem Stadion statt. Scarecrow will ein Fläschchen mit seiner Substanz auf das Publikum fallen lassen, um Batman mit einer Panik abzulenken. Doch dazu kommt es nicht, weil Robin seine Ängste überwindet.

Batman mit Zwangsjacke in Arkham

Beim dritten Mal denkt Scarecrow wieder im größeren Maßstab. In Dreams in Darkness (dt. Das Experiment mit der Angst, S01E28) will er Gothams Trinkwasser mit dem Angst-Serum kontaminieren, um eine Massenpanik auszulösen. Doch die Folge beginnt nicht mit dem Schurken, sondern mit Batman – als Patienten in Arkham. Batman trägt eine Zwangsjacke und wird für verrückt gehalten. In Rückblenden rekapituliert er, wie es dazu kommen konnte. Die Episode bedient sich bei der Comic-Story The Last Arkham.

Thomas und Martha Wayne

Dabei wird Batman wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert: Wir sehen Bruce Waynes Eltern in eine dunkle Gasse gehen. Batman will sie davon abhalten, aber es gelingt nicht, sie verschwinden. Dann wird aus der Gasse ein Pistolenlauf und der feuert ihm entgegen. Eine starke Szene. Am Ende gibt es einen weiteren Höhepunkt, wenn Batman seinen schlimmsten Feinde halluziniert. Schließlich aber fällt Scarecrow wieder seinem eigenen Gas zum Opfer und landet somit selbst in Arkham.

Scarecrow, Version 3

Nachdem es in Staffel zwei keine Scarecrow-Folge gibt, kehrt er in der dritten wieder auf (The New Batman Adventures). Der Schurke sieht hier nun ganz anders aus: deutlich düsterer. Sein Gesicht liegt im Schatten, er trägt einen flachen Hut und einen langen Mantel, um seinen Hals ist eine Schlinge eines Galgens gewickelt. Es ist nicht die erste Verwandlung, die er in der Serie durchmacht. Bereits in der zweiten Folge wurde er umdesignt: mit Haaren, schiefen Zähnen und stechenden Augen, die aus dunklen Löchern starren. Scarecrow ist aber in der dritten Staffel so düster, dass er selbst erwachsenen Zuschauern Angst einjagen kann – ein Wagnis für eine Kinderserie.

In Never Fear (dt. Keine Angst, Episode 6) geht Scarecrow (der endlich „Vogelscheuche“ genannt wird) auch andere Wege: Statt Menschen in Angst zu versetzen, hat er ein Gas entwickelt, das ihnen die Angst nimmt. Ganz normale Leute schwingen sich plötzlich wie Wahnsinnige durch Gothams Straßenschluchten oder begehren gegen ihre Arbeitgeber auf.

Besonders kritisch wird es, als Batman selbst dem Gas ausgesetzt wird. Zwar behauptet er, sich im Griff zu haben, aber Robins Eindruck ist ein anderer: Batman fliegt nicht nur tollkühn, sondern schreckt auch vor Mord nicht mehr zurück. Als er einen Gangster mit der üblichen Kopfüber-Methode ausquetscht, schneidet er das Seil los und lässt ihn von einem Hochhaus fallen. Erst Robin muss ihn auffangen. Auch wenn der Gangster überlebt: Vom Vorsatz her hat Batman Mord begangen. Robin begehrt gegen seinen Meister auf: Er fesselt Batman, nimmt ihm den Gürtel ab und macht sich allein auf, Scarecrow aufzuhalten. Doch als beide Absichten scheitern, muss Batman wieder eingreifen.

Scarecrow in Over the Edge

Die Folge ist zwar keine besonders spektakuläre und der Schurke ist selten zu sehen, dafür aber darf er später noch einmal auftrumpfen, mit seinem letzten und zwar kleinen, aber ganz besonderen Auftritt. In Over the Edge ist er für Barbara Gordons Alptraum verantwortlich, der sich durch die gesamte Episode zieht. Batgirl stirbt, Gordon macht Batman dafür verantwortlich und jagt ihn. Scarecrow ist hier nur eine Randerscheinung, aber sein Gas bewirkt die schlimmste seiner Visionen.

Mehr zum Thema:

Batgirls Feuertaufe

DC Comics

Titel: Batgirl – Year One (dt. Batgirl: Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Scott Beatty/Marcos Martin

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-9) Paperback 2003/2013 (Batgirl/Robin Year One); dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


36 Jahre nach dem ersten Auftritt von Barbara Gordon als Batgirl gab es sie nicht mehr. Nach dem Angriff des Joker war sie nur noch als Orakel aktiv – vom Rollstuhl aus versorgte sie Batman und andere Helden mit Informationen. Weil damit eigentlich eine beliebte Figur verschwendet wurde, erzählte man ihre Entstehungsgeschichte noch einmal und zwar ausführlich.

Das Team von Robin: Year One verwendet dabei Elemente aus den frühesten Storys aus dem Jahr 1967. Wieder näht sich Batgirl ihr Kostüm zu einem Maskenball der Polizei und trifft auf Killer Moth. Allerdings wird sie nicht auf dem Weg dorthin aufgehalten, sondern kommt dort an und muss feststellen, dass nicht Bruce Wayne, sondern ihr Vater James Gordon entführt werden soll.

Barbara Gordon wird zur Heldin wider Willen – und findet Gefallen daran. Batman ist natürlich gar nicht begeistert. Trotzdem führt er sie (mit Augenbinde) in die Bathöhle (ebenfalls schon in den 60ern vorgekommen) und lässt ihr über Robin trotzdem einige Gadgets und ein Motorrad geben. Allerdings nur, damit sie endlich zur Vernunft kommt und das Ganze wieder sein lässt. Das ist eine seltsame Methode, denn man kann sich leicht denken, dass eine professionelle Ausrüstung erst recht die Lust bei ihr weckt, als Vigilantin weiterzumachen.

DC Comics

Wir sehen Barbara bei den ersten Gehversuchen als Superheldin zu. Und was bei Batman und Robin funktioniert hat, bewährt sich auch hier. Barbaras Fehler und Naivität lassen sie menschlich und sympathisch erscheinen. Ihr Charakter erinnert an die Darstellung aus Batman: The Animated Series. Die Story mit Killer Moth bildet den roten Faden der Handlung. Er erpresst hier keine Reichen, sondern bietet Gangstern Schutz vor Batman an. Dabei verbündet er sich mit dem Pyromanen Firefly, einer abgründig-fiesen Figur. Batgirl sucht Hilfe bei Black Canary.

Einen großen Anteil daran, dass der Comic funktioniert, ist Marcos Martin (The Private Eye, Barrier) zu verdanken. Er hat einen dynamischen und klaren Stil, bei dem kein Strich zu viel ist. Zuweilen erinnert er an den Animated-Style, wie er in den Comics adaptiert wurde. Starker Ausdruck und ungewöhnliche Perspektiven, dazu knallige Farben machen Batgirl: Year One zu einem Fest fürs Auge. Aber auch sonst ist der Band jedem zu empfehlen, der kein Batgirl-Fan ist. (Allerdings nur im Original, die deutsche Übersetzung ist zum Teil furchtbar.)

Mehr zum Thema:

Pinguins spektakuläre Rückkehr – in den Knast

Batman #155

DC Comics

Titel: The Return of the Penguin

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Batman #155)


Sieben Jahre war der Pinguin von der Bildfläche verschwunden – wie Catwoman und Two-Face endete seine Karriere mit dem Golden Age. Als er wieder auftaucht, erfährt man, dass er sich in den Ruhestand verabschiedet hatte. Aber als er hörte, dass er in der Unterwelt nur als Eintagsfliege bekannt ist, beschloss er, seinen Ruf wiederherzustellen und zu beweisen, dass Batman der Versager ist.

Zunächst lockt er Batman und Robin mit einem chinesischen Bat-Signal nach Chinatown, wo er eine Drachenstatue Feuer speien lässt, dann jagt er ein paar Adler auf sie und entkommt auf einem Strauß. Doch das ist nur das Vorspiel; danach fährt er schwerere Geschütze auf: Ein Pinguin-Luftschiff und mechanische Riesenvögel. Der Pinguin trickst Batman aus, indem er ein Ballon-Double von sich schweben lässt. Bruce Wayne und andere Freunde von in Gotham bekommen Pinguine geschickt und am Ende springt der Pinguin aus einem riesigen Kuchen, begleitet von einem Schwarm Krähen.

Der Pinguin versucht, wertvolle Vogelbilder zu stehlen, aber am Ende trickst ihn Robin mit einem Batman-Cape an einem Kleiderhaken aus, jagt ihm Angst ein, treibt ihn in die Enge. Pinguins Rückkehr endet leider sehr schnell wieder im Knast …

>> Liste der Pinguin-Comics