Comic

Auf der Couch von Doktor Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: Cycle of Violence (Batman: The Dark Knight Vol. 2) (dt. Angst über Gotham)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/David Finch u.a.

Erschienen: 2012 (Batman: The Dark Knight #10-15)


„Gott, diese Stadt — sie hält einem ständig den Zerrspiegel vor und zeigt uns unsere schlimmsten Ängste.“ (Gordon)

„Das ist Vigilanten-Kriminalität. Wenn du mich verklagen willst … lass mich vorladen.“ (Batman)

„Was wenn ich gar kein Mensch sein will?“ (Bruce Wayne)

Hat einer der Leser den britischen Film Peeping Tom (dt. Augen der Angst, 1960) gesehen? Da spielt Karlheinz Böhm (alias Carl Boehm) einen psychopatischen Voyeur und Frauenmörder, der seine Geisteskrankheit seinem Vater verdankt. Dieser hat seinen Sohn als Versuchskaninchen für Angstexperimente missbraucht. Der Film war damals etwa so provokant wie Hitchcocks Psycho (ebenfalls 1960), fiel bei der Kritik aber wegen seiner Drastik durch und brachte Böhm einen Karriereknick ein.

Wie dem auch sei: Die gleiche Idee hat Gregg Hurwitz für seine erste Dark Knight-Story verwendet. Dort entführt Scarecrow Mädchen, um ihnen die Angst mit Angst auszutreiben – und wiederholt damit Experimente, derer sein Vater ihn einst aussetzte. Wir lernen dabei aber nicht nur Cranes mitleiderregende Vorgeschichte kennen (und was wären Comichelden ohne?), sondern Hurwitz lässt Crane auch in Batmans psychische Abgründe absteigen. So wird der Irre zu Batmans Psychiater.

Durch seine Ermittlungen bei den Kindesentführungen kommt erst Gordon, dann Batman in Scarecrows Gefangenschaft. Batman wird gefesselt, dem Angstgas ausgesetzt (die Maske kriegt der Schurke natürlich nicht ab) und mit unangenehmen Fragen konfrontiert. War seine Entscheidung für die Dunkelheit wirklich unausweichlich? Oder war sie einfach nur der Angst geschuldet? „Was du wirklich fürchtest, ist das Licht“, sagt Scarecrow. Batman oder vielmehr Bruce Wayne wird als ein Mann dargestellt, der Angst vor Nähe und Bindungen hat, weil er fürchtet, erneut jemanden zu verlieren – wie einst seine Eltern. „Batman zu sein ist nicht heldenhaft, es ist eine Krücke“, sagt Scarecrow. „Die Rüstung schützt deine dünne Haut, dein zartes Gemüt.“

Das Niveau steigt

Diese Szenen, eingefangen in albtraumhafte Bilder von David Finch, gehören zu den stärksten dieser Geschichte. Hurwitz lässt sich Zeit, die Charaktere der Figuren auszubauen. Bruce Wayne bekommt mal wieder ein Privatleben, in dem auch eine Frau eine Rolle spielen darf (das war seit dem Reboot von Detective Comics nicht mehr der Fall) und er darf mal wieder als Kind in den Abgrund der Angst stürzen. Dafür schwächelt die Geschichte an anderen Stellen: Dass ein Satz wie „aktiviere Handgelenk-Laser“ ausreicht, um einen entkleideten Batman von Stahlketten zu befreien, nur weil seine Rüstung im gleichen Raum liegt – da hinkt die Glaubwürdigkeit gewaltig. Und dass am Ende Batman die Stadt vor dem Angstgas rettet, indem er sein eigenes Blut (wegen der Antikörper) über den Vergifteten versprüht – auch das ist weit hergeholt.

Dennoch geht mit dem Autorenwechsel auch eine Qualitätssteigerung einher. Nachdem dem Autor/Zeichner David Finch zunächst ein Co-Autor zur Seite gestellt wurde, darf er nur noch zeichnen. Dadurch, dass er auch noch die Tusche selbst erledigen muss, wirken die Zeichnungen wilder als bisher – was die Scarecrows Schrecken gerecht wird. Cycle of Violence ist eine klassische Batman-Story ohne unnötigen Figuren-Ballast mit außerordentlich viel Tiefe. Bisher die beste Leistung in der jungen Serie.

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Elseworlds: Batman – Holy Terror

DC Comics

DC Comics

Titel: Holy Terror

Autor/Zeichner: Alan Brennert/Norm Breyfogle

Erschienen: 1991 (One-shot)


„Now I find out that the God I’ve thought I loved is responsible for my parents‘ deaths!“ (Bruce Wayne)

Was wäre wenn … die USA ein Commonwealth-Staat unter der britischen Krone geworden wären? Dann gäbe es dort ein theokratisches Regime, in dem unliebsame Minderheiten im Namen Gottes unterdrückt werden. Doch eine Sache bliebe gleich: Die Waynes würden ermordet werden und Bruce würde zu Batman werden, um sie zu rächen.

Das ist die Prämisse von Holy Terror, dem zweiten Elseworlds-Abenteuer, aber dem ersten, das das Logo trägt. Es ist nicht irgendeine Geschichte. Für ein Superhelden-Comic geht es darin sehr politisch und kirchenkritisch zu. Waynes Eltern sind nicht zufällig gestorben, sondern wurden von einem geheimen Gericht verurteilt, weil sie Menschen medizinisch geholfen haben, die von der Kirchen diskriminiert und verfolgt werden: Homosexuelle, die man misshandelte, um sie umzupolen, verzweifelt Frauen, die sich bei Selbstabtreibungsversuchen umbringen, Prostituierte.

Was Bruce Wayne später entdeckt, ist ebenso schauderthaft: Die Kirche macht Menschenversuche, um eine Superarmee zu generieren, mit der sie den Rest der Welt unterjochen will. Doch die Opfer gehen dabei drauf oder nehmen anderweitig Schaden. Wir sehen gebrochene Versionen von Flash und Aquaman, am Ende muss ein kryptonitverseuchter Superman als gekreuzigter Märtyter herhalten. Und der Schurke, der die Versuche aus Spaß an der Freude durchführt, ist auch noch ein konvertierter Jude – holy shit!

Da verzeiht man es dem Autor, dass er sich nicht um eine plausible Erklärung kümmert, warum Bruce Wayne ausgerechnet ein Fledermauskostüm anzieht, und auch das überraschend versöhnliche Ende, das eine Mission als Kompromiss zwischen Friedenspredigt und Jihad (so wörtlich!) vorschlägt. Holy Terror ist gewagt. Es hat eine klare Botschaft: die Trennung zwischen Gott und Religion, zwischen Staat und Kirche. Und allein deshalb ist es bemerkenswert.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Wiedersehen mit Joe Chill

Batman: The Dark Knight #0

Titel: Chill in the Air (dt. Schuld in der Luft)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Tom DeFalco

Erschienen: 2012 (Batman: The Dark Knight #0), Paperback 2013 (Batman: The Dark Knight Vol. 2)


„Wir wissen, wo es anfängt … aber wissen wir, wo es endet?“

Bruce Wayne sucht den Mörder seiner Eltern. Er glaubt an einen geheimen Sinn dahinter, eine Verschwörung von Feinden der Familie Wayne, an den Rat der Eulen – doch am Ende ist es nur ein armer Säufer, Joe Chill, der nur die Perlenkette von Martha Wayne haben wollte, um sich eine Flasche Schnaps zu kaufen.

Wir sehen den jungen Bruce zornig, besessen auf ein Ziel hin arbeitend, seine ganze Ausbildung durchläuft er, um sich am Mörder seiner Eltern zu rächen, er ist zum Mord bereit. Schließlich aber hat er Mitleid und zieht Erbarmen aus dem Anblick der Erbärmlichkeit.

Die Kurzgeschichte ist eine solide Ergänzung zum Batman-Origin und Bindeglied zwischen Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie dem Jahr Null. Besonders gelungen sind die ersten Seiten, auf denen die herabfallenden Perlen zu Regentropfen werden und der junge Bruce vor den leeren Kleidern seiner Eltern auf dem Boden kniet. Man hat die Szene ähnlich schon (zu) oft gesehen, so eindrücklich aber selten.

>> Batman 2011-2019

Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019

Jugendliebe, Höllenärger

DC Comics

DC Comics

Titel: The Dark Knight: Golden Dawn (dt. Dunkle Dämmerung)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Jason Fabok

Erschienen: 2011 (Batman: The Dark Knight #1-5, Vol. 1; Paperback 2012)


 „Da wo ich herkomme, Lady — kommt Macht aus einem selbst!“ (Batman)

Kurz vor dem DC-Reboot „The New 52“ wurde die Serie The Dark Knight gestartet. In den ersten fünf Ausgaben muss Batman einen Fall lösen, der ihn mal wieder mit der Hölle selbst konfrontiert. Batman sucht nach seiner verschwundenen Jugendfreundin Dawn Golden. Dabei bekommt er Ärger mit Killer Croc, der auf Entzug von einem Venom-Verschnitt ist, sowie dem Pinguin. Richtig brenzlig wird es allerdings, als noch der Dämon Etrigan, Ragman und die Höllenfürstin Blaze dazu kommen. Denn Dawns Vater hat, wie sich herausstellt, mit der Hölle zu tun gehabt …

Öh … war noch was? Ach ja, Gordon muss sich mit einem internen Ermittler herumschlagen, der es – warum auch immer – auf den Comissioner abgesehen hat. Sonst war’s das aber. In Golden Dawn tummeln sich zu viele Figuren, sodass keine zu ihrem Recht kommt. Die Beziehung zwischen Bruce und Dawn wirkt erzwungen, aber kommt ohne Tiefe aus, sodass einem das Schicksal der Frau nicht unbedingt nahe geht. Und letztlich sind Dämonen eindeutig nicht Batmans Fachbereich – deshalb gehören Stories über Höllentypen meistens zu den schwächeren … So reiht sich auch der Auftakt von The Dark Knight in die Tradition der Entbehrlichen ein.

>> Batman 2000-2011

Der Mythos ist Teil des Konzepts

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Titel: Legends of the Dark Knight (dt. Die Legende lebt)

Regie/Drehbuch: Dan Riba/Robert Goodman, Bruce Timm

Erschienen: 1998 (The New Batman Adventures S01E19)


„Die Geschichte ist doch faul.“

Wer oder was ist Batman? Ein Mensch oder ein Flugsaurier? Ist er etwa schon alt und ist Robin ein Mädchen? Mit diesen Fragen setzt sich Legends of the Dark Knight auseinander. In dieser Episode der New Batman Adventures diskutieren drei Kinder über Batman. Zwei von ihnen erzählen eine Geschichte, die sie über Batman gehört haben: Eine entspricht im Stil dem farbenfrohen Golden Age, in dem Batman und Robin noch lächelnd eine Spaßmacher-Version des Jokers mit spielerischer Leichtigkeit in einem Setting von überdimensionalen Musikinstrumenten bekämpfen. Die andere ist eine Dystopie, in der Batman mit einem Panzer gegen die Mutantenbande vorgeht und sich dann in einem Schlammloch mit ihrem Anführer prügelt. Diese Szene stammt aus Frank Millers The Dark Knight Returns – sogar die Sprüche sind aus dem Comic übernommen. Am Ende werden die Kinder mit dem Batman ihrer Gegenwart konfrontiert, der Firefly zur Strecke bringt.

Diese Hommage an die vielen Batman-Inkarnationen zeigt nicht nur, dass jeder eine andere Vorstellung von diesem Helden hat und sich seine Lieblingsversion aus einer langen Tradition aussuchen kann, sondern auch, dass zum Konzept des Dunklen Ritters auch die Mythenbildung gehört. Batman ist ein Mysterium – und als solches profitiert er auch davon, dass die Leute ihn nicht kennen, sodass sie ihn entweder bewundern oder fürchten. Geschichten verselbständigen sich zu Legenden, das Konzept Batman wächst über Maske, Kostüm und Logo hinaus. Auch als Pop-Ikone ist Batman keine feste Größe, sondern der Mode (und auch dem Markt) unterworfen, er macht viele Veränderungen durch, wird immer wieder neu erfunden und der Zeit angepasst. Diese bescheidene Serien-Episode macht das deutlicher als alle bisherigen. Man muss den Machern der Serie hoch anrechnen, dass sie sich auch immer wieder selbstreflexiv mit ihrem Helden auseinandergesetzt haben.

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>> Liste der Batman: The Animated Series-Episoden

Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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Der Zorn des Lesers

DC Comics

DC Comics

Titel: The Wrath (Detective Comics Vol. 4), (dt. Der Anti-Batman)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #19-24, Detective Comics Annual #2), dt. Panini 2014 (Batman #21-22, #24-25), Paperback 2015 (enthält Detective Comics #21-24)


 „What is it about this town and cutting off faces anyway?“ (Bullock)

Ernsthaft? Da müssen wir sechs Hefte lang mitansehen, wie ein gewisser Ogilvy, irgendein dahergelaufener Niemand, ein Handlanger, den Pinguin ausbootet und dessen Imperium übernimmt (und sich schwachsinnigerweise „Emperor Penguin“ nennt) und dann ist nach einer kurzen Prügelei mit Batman – zwei Hefte später – wieder Schluss mit der Geschichte? Der Pinguin kommt frei, weil er mal eben einen Richter bedroht, und er rettet zufälligerweise Batman das Leben. Der gute alte Deus ex machina darf mal wieder aushelfen, wenn dem Autor keine originelle Lösung eines Problems einfällt. Blöd nur, dass Batman durch den Glücksfall als unfähig dargestellt wird.

Ach ja, und vorher entfesselt Ogilvy eine Seuche mit dem Man-Bat-Virus, Zsasz wird zum Man-Bat, aber das ist Autor John Layman nur eine Ausgabe von Detective Comics wert. Dieses Problem ist schneller abgehandelt, als es aufgebaut wurde: Langstrom nimmt das Mittel selbst und fertig. Wie es mit Man-Bat weitergeht, wird jeweils an den Heft-Enden in kleinen Episoden nachgereicht. Bemerkenswerter Weise sind sie es, die den interessantesten Teil des vierten Detective-Comics-Bandes bilden. Langstroms Frau nimmt nämlich ebenfalls das Man-Bat-Serum und wird zur Mörderin, es kommt zum Kampf – und zu einer unerhörten Auflösung, was es mit der Beziehung zwischen den beiden auf sich hat.

Es ist ein befremdliches Erzählverfahren, das Layman seinen Lesern zumutet. Ohne richtig einzuführen – weder in Charaktere noch Themen – sind die Fälle immer schon da und werden viel zu schnell erledigt. Negativ fällt das vor allem in Titelgeschichte – The Wrath – auf. Der Schurke erscheint gleich zu Beginn in seiner Metallrüstung, sagt, was er will – nämlich Polizisten zu töten, und schon setzt er seinen Plan auch um. Geheimnis und Spannung? Völlig überschätzt!

Parallel muss Bruce Wayne sich buchstäblich mit dem Industriellen Caldwell rumschlagen, weil dieser Waynes Firma übernehmen will. Und weil ein Karatekampf langweilig ist, prügeln sich beide eben in einem Ring, der einem Balkon ohne Brüstung gleicht. (Als ob Batman sich nicht schon oft genug nachts in Lebensgefahr begeben hätte.) Der eigentliche Kampf Batman gegen Wrath ist ein High-Tech-Krieg, bei dem sich zunächst beide in ihren spacigen Gleitern durch Gotham jagen und am Ende als zwei Iron-Men miteinander kloppen. Und weil das wieder alles sehr schnell vorbei geht, gibt’s im Epilog noch einen Ausblick auf eine Kooperation zwischen Caldwell und Ogilvy im Knast …

Zwei Einzelstorys bilden abgeschlossene Geschichten: In einer taucht die in Detective Comics Annual #1 eingeführte Mio (eine alte Bekanntschaft aus Asien) wieder als Attentäterin auf und verschwindet wieder – das alles übrigens nur, um Ra’s al Ghul mal eben kurz als Mann im Schatten einzuführen. In der zweiten Story geht es um einen Mörder, der die Persönlichkeit seiner Opfer annimmt. Hier darf sich Harvey Bullock mal kurz verlieben, aber kaum ist die Beziehung zu einer Psychiaterin eingeführt, ist sie auch schon wieder vergangen. Bullocks Frage, was diese Stadt es nur mit dem Abschneiden von Gesichtern hat – eine Anspielung auf Detective Comics #1, wo dem Joker ebendies widerfährt – liest sich wie ein Eingeständnis der Planlosigkeit der Autoren.

Leider macht Detective Comics nach vier Bänden immer noch keinen Spaß, John Layman schafft es nicht, gegenüber dem ebenfalls schwachen Tony Daniel das Niveau zu heben. Die Stories sind zu sprunghaft, zu verworren, zu sehr ineinander geschachtelt – und vor allem ohne nennenswerte neue Ideen. Von Detektivarbeit ist ebenfalls nicht viel zu sehen. Ganz abgesehen von Bruce Waynes Privatleben: Zu Beginn des Reboots hatte er noch eine Freundin, doch schon lange hat er weder einen Gedanken noch eine SMS an sie verschwendet – oder sich mit einer anderen getröstet.

Eine Chance geben wir der Serie noch. Und vielleicht noch eine, denn in Band 6 darf wieder mal ein neues Kreativ-Team dran. Offenbar hält es die Künstler nicht lange bei DCs Hauptserie. Und das ist kein gutes Zeichen.

>> Batman 2011-2019

The Goddamn Batman

All Star Batman

Titel: All Star Batman & Robin, the Boy Wonder

Autor/Zeichner: Frank Miller/Jim Lee

Erschienen: 2005-2008 (#1-10); (Paperback 2009, #1-9)


„I love being the goddamn BATMAN.“

Es ist wohl eines der umstrittensten Batman-Comics der vergangenen Jahre. Spätestens seit Frank Millers Fortsetzung von The Dark Knight Returns (The Dark Knight Strikes Again), sorgte er mit seiner neuen, eigensinnigen Fassung von Robins Entstehungsgeschichte für Aufsehen und Entrüstung. Denn es ist nicht nur eine neue Story, die der Altmeister hier erzählt, es sind auch neue Charaktere.

Miller stellt Batman als Draufgänger dar: Er ist eitel, protzt gerne, gibt sich meist gutgelaunt, es sei denn, man begeht ein Verbrechen oder man kratzt an seinem Ego – was für ihn fast einem Verbrechen gleich kommt. In eine Prügelei stürzt er sich gerne mit irrem Gelächter, dann wird er zum Sadisten, fügt seinen Opfer üble Verletzungen zu und lässt sie länger leiden als nötig. Batman ist mehr denn je ein zweifelhafter Charakter, der auch von seinem Sidekick bloßgestellt wird. Batman erscheint hier verrückter als der Joker.

Cheesburger statt Ratten

Dick Grayson hingegen, gerade erst traumatisiert vom Tod seiner Eltern, wird nicht nur zu Batmans unfreiwilligem Begleiter, sondern auch zu dessen Mitstreiter im Kampf gegen das Verbrechen. Darauf hat der gerade erst einmal zwölfjährige Junge überhaupt keine Lust: „How lame is that?“ Aber Batman hat ihn offenbar längst dazu auserkoren und zwingt ihn in die Rolle hinein – mit höchst fragwürdigen Methoden. Ein Beispiel: Um ihn abzuhärten lässt er den Jungen allein in der kalten Bathöhle, wo er sich selbst mit Ratten versorgen soll. Wie gut, dass Alfred mit einem Cheesburger vorbeikommt …

Für Grayson ist Batman nur ein armer Irrer, der mit seiner verstellten Stimme einen auf Clint Eastwood macht. Das Batmobil? „Totally queer.“ Batman daraufin beleidigt: „Shut up.“ Es sind diese höchst seltsamen Dialoge und Monologe, die frischen Wind in diese Geschichte bringen. Einer der Höhepunkte ist der legendäre, vielzitierte Wortwechsel:

Grayson: „Who the hell are you anyway, giving out orders like this?“

Batman: „What, are you dense? Are you retarded or something? Who the hell do think I am? I’m the goddamn Batman.“

(Im Deutschen geht der Reiz leider flöten. Dort heißt es: „Bist du schwer von Begriff? Blöde oder so? Was glaubst du, wer ich bin? Mann, ich bin Batman.“)

Die Phrase wird im Laufe des Bandes zum Running Gag. Leider neigt Miller aber auch sonst stark zum Wiederholen: Immer wieder heißt es „Shut up“ hier und „Shut up“ da, nicht nur bei Batman übrigens, das wirkt schnell ermüdend. Der große Autor Frank Miller war schon mal reduzierter und einfallsreicher in der Wahl seiner Worte. Die Story zu beurteilen fällt schwer, da sie nicht zu Ende erzählt ist. Die ersten zehn Kapitel wirken aber sehr gedehnt (vor allem am Anfang), sprunghaft und wenig stringent. Der eigentliche Plot – die Suche nach dem Mörder der Graysons – gerät bei all dem Figuren-Aufgebot zur Nebensache: Wir sehen Superman, Green Lantern, Wonder Woman, Black Canary, Batgirl, Joker etc., ohne dass sie viel zur Geschichte beizutragen hätten. Witzig wird es, wenn Batman über all seine Superhelden-Kollegen vom Leder zieht und keiner dabei gut wegkommt: Superman ist zu blöd um erkennen, dass er fliegen kann, Green Lanterns Ring ist bei Hal Jordon bloß verschwendetes Potenzial usw. Trotz aller Angeberei ist Batman keinen Deut besser, immerhin bezeichnet er sich selbst als halbverrückt.

Ironische Helden-Dekonstruktion

Allen Hardcore-Fans sei deshalb gesagt: Die ganze Sache kann nicht ernst gemeint sein. Nur mit Ironie kann man den Band genießen, dann aber ist er für einige Lacher gut. Da er sowohl seine Meilensteine Year One als auch The Dark Knight Returns zitiert, stellt All Star Batman einerseits eine Art Verbindungsglied zwischen Anfang und Ende dar, andererseits treibt es die 1986 begonnene Dekonstruktion der Superhelden auf eine neue Höhe. Hier wird das gesamte Konzept des kostümierten Vigilantentums veralbert und in Frage gestellt – und damit auch sein Publikum mit seinen Erwartungen. Denn im Grunde geht es darum, dass Kerle und Frauen mit Astralkörpern irgendwelche Typen aufmischen, die es verdient haben. Der Sinn dahinter ist zweitrangig, Hauptsache, es sieht cool aus.

Das wird auch in den Zeichnungen von Jim Lee deutlich. Im Gegensatz zu Millers Texten erscheint hier alles zu glatt und perfekt, besonders die idealtypischen Frauen. Der eigentliche Hingucker ist jedoch die sechs Seiten (!) umfassende Splash-Page der Bathöhle. Mit diesem nicht endenwollenden Mega-Panorama hat er ein rekordverdächtiges Centerfold für Fanboys geschaffen. Auch das eine ironische Pose: Während Batman damit protzt („Pretty cool, huh?“), dürften die Fans davon ähnlich begeistert sein wie Robin. Ja, Frank Miller mag verrückt geworden sein, aber sein All Star Batman ist ihm weit unterhaltsamer und kurzweiliger geraten als sein unsäglicher zweiter Dark Knight. Und vor allem ist es sein witzigster Zugang zum Dunklen Ritter.

Die Fortsetzung Dark Knight: Boy Wonder, in der die Geschichte zu Ende erzählt werden soll, wurde bereits vor Jahren angekündigt, die Leser warten bis heute darauf. Oder eben auch nicht.

(Anmerkung: Die US-Paperback-Ausgabe umfasst nur die ersten neun Hefte der Serie, die jüngste deutsche Ausgabe enthält alle zehn.)

>> Batman 2000-2011

Dark Knight 2: Krieg den Tyrannen

The Dark Knight Strikes Again

Titel: The Dark Knight Strikes Again (dt. Der Dunkle Ritter schlägt zurück)

Autor/Zeichner: Frank Miller

Erschienen: 2001-2002 (Mini-Serie #1-3)


 „It’s a whole new ballgame.“ (Batman)

„We blew it, Barry!“, sagt Bruce Wayne zu Flash. „We spent our whole careers looking in the wrong direction! I hunted down muggers and burglars while the real monsters took power unopposed!“ Die wahren Monster: Lex Luthor und Brainiac, sie beherrschen die Welt. Die USA – ein Polizeistaat, mit einem Präsidenten, der nur ein computergeneriertes Bild ist, geschaffen von Luthor. Gegen dieses System lehnt sich der alte Batman drei Jahre nach seinem Scheintod auf: „We aren’t here to rule. We aren’t here to bring chaos or anarchy. We’re here to end the reign of criminals.“

Das klingt revolutonär – und damit vielversprechend für eine Fortsetzung von The Dark Knight Returns, Frank Millers wegweisendem Meisterwerk von 1986. Zwar ist es auf bestimmte Weise revolutionär: Der Zeichen- und Erzählstil ist ein anderer, aber leider ein wenig überzeugender, ja enttäuschender. Zunächst ist es eine unpersönliche Geschichte: Der Titelheld spielt nur eine marginale Rolle, erst nach 86 Seiten tritt er in Aktion, um Superman zu vermöbeln, und auch danach ist er mehr der Anführer einer Superheldengruppe, der die Fäden im Hintergrund zieht. Die Hauptrolle spielt eigentlich Superman, der hadernde Sklave der Herrschenden. Zunächst hält er Batman für einen monomanischen, megalomanischen Soziopathen. Am Ende stellt er fest, dass es dieses skrupellose, radikale Vorgehen ist, das die Welt retten kann. Der grausamste Held mit der dunkelsten Seele wird zur letzten Hoffnung.

Grundweg unsypathisches Machwerk

So weit, so gut. Doch was sich sonst auf diesen 250 Seiten abspielt, ist oft alles andere als klar. Statt auf eine stringente Story und ausgefeilte Charaktere setzt Miller auf eine chaotische Erzählung ohne roten Faden, mit zu vielen Figuren und Nebenschauplätzen, zugespitzt in einer martialischen Botschaft. Lange genug hat Batman gewartet, die Welt zur Hölle fahren sehen, nun ist seine Geduld am Ende. Er versammelt die gefangenen Helden wie Atom und Flash, wir sehen Green Lantern wiederkehren, den Martian Manhunter sterben und auch Wonder Woman, Captain Marvel und Green Arrow tummeln sich auf den Seiten – ohne dass einer von ihnen in diesem Krieg Wesentliches zu tun oder zu sagen hätte. Zu allem Überfluss sieht man das unentwegte Geplapper von Figuren aus dem Fernsehen die Handlung – sofern vorhanden – kommentieren. Während es im ersten Teil noch eine narrative Funktion hatte, ist es hier nur nerviges Beiwerk, das sich aber stets in den Vordergrund drängt.

Nicht einmal optisch ist der Band ein Genuss: Miller rotzt kindisch-plumpe bis schlampige Zeichnungen hin, in denen er sich kaum die Mühe macht, Hintergründe zu zeichnen, wodurch sich die Handlung wie im luftleeren Raum abspielt und die Panels dadurch steril wirken. Die Farben sind entweder banal-flächig gehalten oder brechen in übertrieben psychedelischen Effekten aus. Ein weiterer Stilbruch zum ersten Teil: Die Figuren Superman und Batman, die im ersten Teil wie Riesen wirkten, sind nun schlanker geraten. Zur Begründung heißt es einmal, Batman habe „an Gewicht verloren“. Aber das ist nur das geringste Problem in diesem grundweg unsympathischen Machwerk.

The Dark Knight Strikes Again ist ein Haufen von Ideen, Szenen und Ansätzen ohne Sinn und Verstand. Stattdessen herrscht ein Rabiatismus vor: Batman hat die Schnauze voll und lässt seine Armee alles platt machen. Genauso verfährt auch Miller. Der einstige Meister hat mit The Dark Knight Returns vielleicht das beste Batman-Comic geschaffen, sein Nachfolger ist mit Abstand das missratenste.

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