Comic

Batman goes Dickens

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DC Comics

Titel: Batman Noël

Autor/Zeichner: Lee Bermejo

Erschienen: 2011 (One-shot)


„Here lies a bat. He died boring predictable and nobody loved him.“

Der geizige Misanthrop, der nach dem Besuch dreier Geister an Heiligabend zu einem guten Menschen wird – diese Geschichte dürfte längst toterzählt sein. Auch Batman ist seinen drei Geistern bereits begegnet, allerdings an Halloween (in Haunted Knight). Doch Lee Bermejo, der sich bislang als Talent am Zeichentisch bewährt hat, meinte, in seinem Erstlingswerk als Autor trotzdem sich diesen alten Hut aufsetzen zu müssen. Und siehe da: das Weihnachtswunder ist ihm gelungen!

Wie schon sein Joker-Band ist auch Noel in einem einzigartigen Stil gestaltet: Realistisch, lebensnah, cineastisch. Gotham erstrahlt ausnahmsweise mal hell, ohne wie am Tag zu wirken, alles leuchtet in warmen Farben. Bermejo hat viel Mühe in Details gesteckt. Auch bewegt sich die Geschichte in einem eigenen, nicht-kanonischen Universum: Batmans Anzug wirkt wie eine selbstgenähte Rüstung, selbst das Batmobil sieht anders, aber durchaus schnittig aus, der Joker hat erneut ein Glasgow-Smile.

Ein Psychogramm des Helden

In so einem erfrischend anderem Setting kann Bermejo die altbackene Geschichte spielen lassen, ohne dass etwas davon angestaubt wirkt. Interessanterweise übernimmt nicht ein Schurke wie etwa der Pinguin die Rolle von Scrooge, sondern Batman. Er ist der hartherzige Fanatiker, der einen alleinerziehenden Vater, der sich als Bote für den Joker verdingt, zum Köder macht und dabei Vater und Sohn gefährdet. Batman ist aber auch einer, der sich selbst ausbeutet, weil er eigentlich mit seiner Husterei krank im Bett liegen sollte, statt auf Jokerjagd zu gehen. Der Vorteil von Noel ist, dass die Story keine Geister im eigentlichen Sinne auftreten lässt, sondern Batman drei bekannten Personen begegnet, die ihn zum Nachdenken bringen: Catwoman, Superman und Joker. Von Geistern spricht lediglich der Erzähler, es handelt sich also um eine Allegorie. Jedoch ist dieser Erzähler so skeptisch und distanziert zu seiner Geschichte, dass auch das darin liegende Pathos ironisch gebrochen wird.

In gewisser Weise kann man Noel auch als zweiten Teil oder Gegenstück zu Bermejos Joker lesen. Während letzteres ein Psychogramm des Schurken ist, ist ersteres eines des Helden. „I guess he’s a necessary evil“, sagt ein Polizist über Batman. Der Held erscheint in einem zweifelhaften Licht. Verständnis zeigt der Erzähler, für ihn ist Batman ein Opfer seines Kampfes geworden:

„He had pretty much resigned himself to the fact that life is a never-ending battle. The darkness of the world had forced him into the shadows, and the only way to combat the monsters was to become one himself. (…) Sometimes, when you work in the dirt, it gets tough after a while to clean yourself off. You get used to the filth. You even start to feel comfortable in it. Then you wake up one day and wonder why everyone else thinks you’re dirty.“

Zum Schluss kommt die Erkenntnis auf dem Friedhof: Lebendig begraben, von einer Schreckensvision geplagt, erkennt Scrooge-Batman, dass wenn er so weitermacht, er nur Schmerzen hinterlassen wird. Also rafft er sich auf und bringt die Dinge wieder in Ordnung.

Wie bei Charles Dickens ist auch Noel eine klassisch-humanistische Weihnachtsgeschichte mit der Prämisse, dass Menschen sich zum Guten ändern können. Daher gibt es auch das typisch romantische Ende, das man aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt, wo alles zu Weihnachten nicht nur besser sondern am besten wird. Aber hier passt alles wunderbar zusammen: der Schrecken und die Erleichterung, die Gewalt und die Erlösung. Verblüffenderweise erzählt Lee Bermejo eine alte Geschichte wie zum ersten Mal.

>> Batman zu Weihnachten

Totengott leistet Sterbehilfe

Batman: The Ankh

Titel: The Ankh (dt. Das Ankh)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/John van Fleet

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-2, dt. 2003, Panini, DC Premium)


„Bitte verzeihen Sie mir, Sir … aber ich finde es beunruhigend, wie Sie von Bruce Wayne in der dritten Person sprechen.“ (Alfred)

Zwei Probleme auf einmal treiben die Polizei von Gotham um: Mehrere Milliardäre wurden entführt und ägyptische Antiquitäten entwendet. Batman kümmert sich um beides – und wie der Zufall es will, sind beide Fälle ein Fall. Denn für beides ist eine Frau verantwortlich, die wegen eines Zaubers seit der Zeit der Pharaonen lebt und nicht altert. Wie man spätestens seit Ra’s al Ghul weiß, ist Unterblichkeit nicht gerade ein anstrebenswerter Zustand. Und so sieht Batman ein, dass seine Kontrahentin eigentlich nur ihr Leben beenden will. Batman – verwechselt mit dem altägyptischen Totengott Amun Anubis – wird zum Sterbehelfer.

Das Ganze ist zwar bemerkenswert grafisch realisiert: John van Fleet (der schon für The Chalice verantwortlich war) bedient sich seiner bewährten Technik, seine groben Zeichnungen wirken wie Holzschnitte und werden mit Fotos collagiert. Dadurch wird The Ankh zu einem ungewöhnlichem Hingucker voller Atmosphäre. Doch Dixons Story bleibt oberflächlich. Leider beginnt er seine Erzählung am chronologischen Anfang im alten Ägypten und braucht zu lange bis er in der Gegenwart ankommt. Spannung kommt so wenig auf, das detektivische Rätsel ist dem Leser von vornherein aufgelöst. Deshalb stellt sich Batman zuweilen dümmer an, als er ist, und ein paar Mumien und Killer Croc müssen die Actiongelüste befriedigen. Zudem sind manche Dialogzeilen von peinlicher Redudanz: „Du bist so jung. So vital. Geist und Körper leben.“ Oder: „Ich will nur noch ruhen … den Schlaf der Toten schlafen … in die Ewigkeit jenseits dieses Schleiers eintauchen.“

The Ankh ist bei weitem nicht Dixons bestes Werk, aber wegen John van Fleets Panels eine halbe Stunde Lebenszeit wert.

>> Batman 2000-2011

Batman sucht den Heiligen Gral

Batman: The Chalice

Titel: The Chalice (dt. Der heilige Gral)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/John Van Fleet

Erschienen: 1999 (One-shot) (dt. 2002, Panini, DC Premium)


„Denk nur, wieviel Gutes ich damit tun könnte. Ich könnte ganz Gotham retten. Ich wäre mehr als ein Mensch. Mehr als Fleisch und Blut.“ (Batman)

Bruce Wayne bekommt eine schwere Bürde auferlegt: Er soll auf den Heiligen Gral aufpassen, also den legendären Becher Jesu. Batman weiß um seine Macht, will sie aber nicht einsetzen. Er tut es dann doch, um eine Beinwunde heilen zu lassen. Leider denkt er dabei nicht daran, dass er auch Orakel einen Gefallen damit erweisen könnte. Egal: Denn kaum hat das Ding seinen Besitzer gewechselt, gibt es Ärger. Eine Geheimgesellschaft bekommt Wind davon, dann auch Ra’s al Ghul  – wie auch immer – und beide versuchen, an das Ding ranzukommen. Wozu aber braucht ein Unsterblicher ein Gefäß, das unsterblich macht?

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Keine Gnade, keine Vergebung

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Titel: Absolution

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Brian Ashmore

Erschienen: 2002 (One-shot) (dt. 2003, Panini, DC Premium)


 „Ich bin Detektiv. Falls ich etwas verehre — ist es die Logik.“ (Batman)

Seit zehn Jahren jagt Batman Jennifer Blake – eine Terroristin, die einen Anschlag auf Wayne Enterprises verübt hat. Immer wieder tauchte Blake unter einer anderen Identität unter – und versuchte dabei, ihr Gewissen reinzuwaschen. Absolution erzählt von Batmans Jagd durch die Welt, doch im Grunde geht es um die Frage, ob ein Mörder von selbst Läuterung erfahren kann. Für den Dunklen Ritter bleibt bis zum Schluss klar: „Keine Wunder. Keine Gnade. Und gewiß … keine Vergebung.“

J.M. DeMatteis‘ Erzählung steckt voller religiöser Motive und Reflexionen. Wir erfahren, dass Batman an keinen persönlichen Gott glaubt, aber an eine Art von transzendenter Macht. Brian Ashmore verleiht mit seinen gemalten Panels der Story eine künstlerische Aura irgendwo zwischen Alex Ross und Dan Brereton. Die Bilder sind realistisch angelegt, doch erscheinen sie oft auch hinter einem traumartigen Schleier zu liegen. Insgesamt ergibt sich eine stimmige, dichte Komposition zwischen Text und Grafik, die Batmans Unterbittlichkeit bei der Verbrecherjagd herausarbeitet und über seine Beweggründe und Methoden reflektiert. Allerdings bleibt dieser Batman statisch: Am Ende bleibt ihm nur die Einsicht, dass er recht hatte.

Verfluchte Stadt

Batman: Haunted Gotham

Titel: Haunted Gotham

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2000 (Mini-Serie #1-4) (dt. 2001, Dino-Verlag, Batman Sonderband)


„Hey, jeder stirbt mal … und in Gotham ist es meistens Mord.“ (Cal)

Denken wir uns ein Gotham, so finster wie es nie eines gab: Abgeschottet von der Außenwelt und heimgesucht von bösen Geistern, Dämonen und Monstern. Das Verbrechen ist an der Tagesordnung, aber gelenkt von übernatürlichen Mächten, gegen die man als Mensch nichts ausrichten kann. Wenn man den Mord an seinen Eltern rächen will, muss man sich was einfallen lassen. Zum Beispiel zur Fledermaus werden – und den Rest kann man sich denken.

Batman kämpft gegen Werwölfe, Zombies und Schlangenmenschen in einem typisch düster-surrealen Szenario, das Kelley Jones mit vielen schwarzen Schatten versetzt. Das kann man mal machen, aber für eine Batman-Story wirkt dieser Ausflug ins Okkulte zu abgehoben. Und vier Teile mit fast 200 Seiten hätte es für dieses Elseworlds-Abenteuer auch nicht gebraucht. Schnell wirkt diese Fülle von Dämonen, Geistern und Monstern ermüdend.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Ein Tag für Batman, ein Comic für Fans

batman gratis comic

Panini Comics

Titel: 75 Jahre Batman

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz, Jeph Loeb, Bill Finger/Neal Adams, Jim Lee, Bob Kane

Erschienen: 29.11.2014 (Panini)


 „Entwickelt euch weiter.“ (Pinguin)

Batman ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Und da er fiktiv ist, muss man ihm nichts schenken. Man ehrt ihn – und die Geschenke bekommen die Fans. Logisch: immerhin erhalten sie ihn auch am Leben. DC hat seinen Fans im Sommer eine Sonderausgabe von Detective Comics #27 spendiert (eine Jubiläumsausgabe mit sieben Stories, unter anderem einer Neufassung von The Case of the Chemical Syndicate). Am 29. November zog Panini nach. Ein Gratis-Comic! Das treibt die treuen Fans scharenweise in die Comicläden. Erst recht wenn es dazu Batman-Pappmasken gibt …

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Batman, der Dämon

Batman: Harvest Breed

Titel: Batman: Harvest Breed

Autor/Zeichner: George Pratt

Erschienen: 2000 (One-shot), dt. Panini 2001 (DC Premium)


Wer Arkham Asylum mochte, wird auch an Harvest Breed seine Freude haben. George Pratt erschafft albtraumhafte Bilder, mit denen er eine beklemmende wie verstörende Atmosphäre schafft, oft weiß man gar nicht, was man darauf erkennen soll. Es ist eine Sphäre von bösen Geistern und Dämonen. Wenn man sie erscheinen sieht, fragt man sich, ob es Realität oder Einbildung ist.

Ein Serienmörder versucht, die Pforten der Hölle zu öffnen und Batman muss ihn davon abhalten. Die Story ist eigentlich nebensächlich, denn es sind die Bilder, die zählen: die Darstellungen der gotischen Kirche, die unruhigen Farbkleckse.

Der interessanteste Aspekt: Batman sieht sich in seinen Träumen selbst als Mörder. Und auf manchen Bildern wird er selbst als geflügelter Dämon dargestellt. Wieder einmal liegen Schrecken und Erlösung ganz nah beieinander.

>> Batman 2000-2011


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Zero Year: Noch mal von Null an

DC Comics

Titel: Zero Year – Secret City/(Savage City)/Dark City (dt. Jahr Null – Die geheime Stadt/Die dunkle Stadt)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo u.a.

Erschienen: 2013-2014 (Batman #21-24, #25-27, #29-33 (The New 52)); dt. Panini (Batman #27-34), Paperbacks 2015/2016


 „The city lets me be anyone I want.“ (Bruce Wayne)

Besser spät als nie: Nach dem Reboot des DC-Universums musste auch Batman eine neue Entstehungsgeschichte bekommen. Autor Scott Snyder hat sich Zeit gelassen, erst mal ein Mega-Epos wie Court/City of Owls hingelegt, dann eine solide Joker-Story erzählt und erst für die dritte große Geschichte seinen Batman-Origin aufgespart. Zero Year heißt sie – und der Name ist nicht nur eine Reminiszenz an Millers Year One, sondern steht auch für eine neue Zeitrechnung für Gotham.

Red Hood von Greg Capullo (DC Comics)

Snyder hat einen anderen Ansatz als Miller. Er lässt Wayne als Verbrechensbekämpfer nicht klein anfangen, sondern geht gleich in die Vollen: Zu Beginn sehen wir einen Mann der vielen Masken, der gegen die Red Hood Gang kämpft. Diese hat es in sich, hat – ähnlich wie der Rat der Eulen – die Stadtgesellschaft infiltriert und erpresst normale Menschen dazu, als Verbrecher zu arbeiten. Gleichzeitig weiß der Leser, dass der Anführer der Gang später – nach einem Bad in Chemikalien – als Joker wiederkehren wird.

Ein Anti-Year One

Auffälligster Unterschied zu allen bisherigen Origins ist der Stil. Snyder schreibt im Vorwort zu seinem Script (das im ersten Band vielmehr ein Nachwort ist), dass er etwas eigenes, ein Anti-Year One habe machen wollen: „heller, dynamischer, bombastischer, mit Action, Abenteuer und einem Hauch Science-Fiction“. Und tatsächlich spielen viele Szenen bei Tageslicht, sogar mit blauem Himmel und Flauschewolken. Der junge Bruce Wayne ist ein noch größerer Draufgänger als etwa bei The Court of Owls, er flucht ständig und zeigt sogar einmal den Stinkefinger (was leider von den spießigen Amis plump zensiert wird). Wir erfahren, dass er offenbar schon als Kind gerne ausgebüchst ist, um die Stadt unsicher zu machen. Die Vorgeschichte ist allerdings nur stark zerstückelt eingestreut. Waynes erste Initiationsszene, der Mord an seinen Eltern, wird dankenswerterweise spät nachgereicht, seine Ausbildung ausgespart und in mehreren kleinen Einzelepisoden in andere Hefte ausgelagert. (Am Ende von Secret City gibt es einen „Director’s Cut“ mit drei Kurzgeschichten.)

Ansonsten tut Snyder, was er schon bei Death of the Family getan hat: er bedient sich bei der Tradition. Batmans erster Auftritt ist angelehnt an das Cover von Detective Comics #27, das Kostüm mit den lila Handschuhen erinnert an Bob Kanes ersten Entwurf, Synder zitiert auch Frank Millers Dark Knight bis hin zum „Goddamn Batman“ (eine Stelle, die im Original leider zensiert ist). Wie schon bei Miller muss Wayne auch hier als Verbrechensbekämpfer zunächst einen herben Rückschlag erleiden, bevor er auf die Idee kommt, einen anderen Ansatz in Betracht zu ziehen. Und ebenfalls wie bei Miller spricht er die heiligen Worte im Angesicht der Büste von Thomas Wayne: „Yes, father. I shall become a bat.“ Auch der Sturz des jungen Bruce in die spätere Bathöhle inklusive einer traumatisierenden Begegnung mit ihren Bewohnern ist altes Traditionsgut (vgl. Shaman). Allerdings bemüht sich Snyder nicht so akribisch darum, die Herkunft des Kostüms und der Gadgets zu erklären. Der Schwerpunkt der Story liegt auf der Herausforderung, der sich Batman stellen muss.

Gotham wird zum Niemandsland

Denn die Episode mit der Red Hood Gang ist nur der Auftakt. Snyder hat den Riddler zu Batmans erstem klassischen Oberschurken ausgewählt – und das ist kühn, weil dieser bisher nur eine Nervensäge aus der zweiten Reihe gewesen war. Die Zeit dürfte vorbei sein: Edward Nygma ist ein größenwahnsinniger Klugscheißer, der die ganze Stadt terrorisiert und schließlich auch von der Außenwelt abschottet und in ein dystopisches Niemandsland verwandelt (kommt das jemandem bekannt vor?) – es beginnt das Jahr Null für Gotham. Batman muss sich mit Gordon und Lucius Fox verbünden, um dieses auch technisch begabte Genie zu bekämpfen und die Stadt zurückzuerobern. Endlich kommt der Riddler zu seinem Recht als ernstzunehmender Gegner. Und ganz nebenbei belebt Snyder auch Doctor Death als Handlanger wieder – einen der ersten Batman-Schurken aus Detective Comics #29, hier allerdings in einer monströsen Erscheinung.

Das Ganze ist ein dicker Brocken für eine „erste“ Batman-Story. Snyder kann offenbar keine Geschichten in kleinerem Maßstab mehr denken, alles muss den Helden immer an den Rand des Äußersten führen. Das Problem an diesem Verfahren ist, dass es sich schnell verbrauchen wird, weil das Extreme schwer zu überbieten ist. Aber Snyder muss – wie schon zuvor – sowohl neue als auch alte Leser bei Laune halten. Daher versucht er einen Spagat zwischen Tradition und Innovation, bietet aber statt Spektakel meist nur viel Getöse.

Die Jagd nach dem Riddler gestaltet sich zu abstrakt, zu technisch, zu theoretisch; es ist zu schwierig für den Leser, die einzelnen Probleme nachzuvollziehen, warum der Riddler so schwer aufzuspüren ist. Hier zählt vor allem die Action. Aber die lässt leider die Raffinesse der Eulen-Story vermissen. Was den Riddler motiviert, bleibt bis zum Schluss offen. Dass er schließlich so leicht zu besiegen ist und es selbst seine Roboter besser wissen, ist alles andere als überzeugend. Und dafür, dass Gotham für ein paar Monate vor die Hunde geht, wird die Zeit zu schnell abgehandelt. Das alles macht Zero Year zwar kurzweilig unterhaltsam, aber zu keinem neuen Klassiker.

Das Konzept von Snyders Stories, vielleicht von Batman-Stories überhaupt, bringt einmal Alfred auf den Punkt, als er über Batmans Rolle für die Menschen (und damit auch für die Leser) spricht:

„They want to be transported, Bruce. Transported to a world where bigger truths are at work, and anything — anything — can happen. A world where the impossible is possible. Batman can be something like that for them, Bruce. (…) Someone who defies every damn rule of logic that governs their lives.“

>> Batman 2011-2019


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Catwoman in Rom

Catwoman: When in Rome

Titel: Catwoman: When in Rome (dt. Damals in Rom)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2017 (DC Comics Graphic Novel Collection 112)


„Cat. Woman. That last part about the ‚woman‘ is pretty important.“ (Catwoman)

Während Batman in Dark Victory den Hangman-Killer jagt, reist Selina Kyle nach Rom, um herauszufinden, ob Carmine „The Roman“ Falcone wirklich ihr Vater ist, wie sie vermutet. Mit dabei ist Edward Nygma, der Riddler, der ihr dabei helfen soll, das Geheimnis zu lüften. Der aber erweist sich dabei ziemlich untauglich, sondern nutzt nur jede Gelegenheit, sich an seine Auftraggeberin ranzuschmeißen. Die aber träumt und halluziniert nur von Batman, während sie in Wirklichkeit mit einem blonden italienischen Auftragskiller anbandelt. Ach so, und ganz nebenbei gerät die Dame in Nöte, weil die italienische Mafia hinter ihr her ist.

Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man einer so heißen Braut mit Idealmaßen beim Baden, Räkeln und Nacktschlafen zusehen kann? When in Rome wirkt wie ein einziger feuchter Traum von Comic-Nerds, die sehen wollen, wie Catwoman endlich von Batman flachgelegt wird. Natürlich gibt sie – ganz die Emanze – die Unnahbare. Es ist die dick aufgetragene Erotik, die der Geschichte ihre Spannung verleiht. Bereits in The Long Halloween machte das doppelte Knistern zwischen Bruce und Selina/Batman und Catwoman einen Reiz aus, hier werden die damit verbundenen Sehnsüchte regelrecht ausgeweidet.

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Dark Victory: Bullen am Strick

Batman: Dark Victory

Titel: Dark Victory

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1999-2000 (Mini-Serie #0-13)


Seit dem Tod seiner Eltern ist Bruce Wayne allein, seit Harvey Dent zu Two-Face geworden ist (vgl. The Long Halloween), kämpft auch Batman allein gegen das Verbrechen. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja immer noch Comissioner Gordon, der gute Polizist. Doch seinesgleichen geht es an den Kragen: Ein Jahr nach dem Ende des Langen Halloween, als der Serienmörder Holiday an Feiertagen Mafiosi erschoss, treibt nun ein weiterer Mörder sein Unwesen. Ein gewisser Hangman knüpft Polizisten und Ex-Polizisten auf – wieder an Feiertagen. Die Rätsel, die der Unbekannte im Stil des Galgenmännchen-Spiels hinterlässt, weisen wieder auf Harvey Dent hin …

Der Nachfolger des Epos The Long Halloween macht es Neueinsteigern nicht leicht. Man muss den ersten Teil gelesen haben, um auch den zweiten zu verstehen, der um einiges komplexer aufgebaut ist. Es gibt sehr viele alte und neue Charaktere, viele Settings und viel Neben-Handlungen wie die Flucht mehrerer Arkham-Insassen und das Familiendrama um die Mafiosi Falcone. Wieder einmal wird hier die Schurken-Parade aus dem ersten Teil aufgefahren. Dennoch behalten Jeph Loeb und Tim Sale ihren selbstgesetzten Qualitäts-Standard bei – und das obwohl sie dieses Mal auch die Entstehungsgeschichte von Robin miteinbauen.

Glücklicherweise ist diese aber auf das Nötigste beschränkt und Robin bekommt eine düstere Erscheinung, der ihn sympathisch und nicht wie sonst nervig erscheinen lässt. Die Engführung von dem jungen Bruce Wayne und Dick Grayson gehört zu den besten Sequenzen des Bandes: Die Szene, in der Grayson das Schlafzimmer der Waynes betritt, wird gespiegelt mit einer Rückblende, in der der junge Bruce sich fast genauso verhält. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen sein, formal gelungen ist es allemal.

Ebenso bemerkenswert ist das visuelle Konzept der Cover, die immer einen andere Figur (meistens Schurken) eingefärbt vor einem schwarzen Hintergrund zeigen. Die letzte Seite der Kapitel zeigt jeweils Jim Gordon vor einer Pinnwand, auf der immer andere Beweismittel zu sehen sind. Das hat den Effekt, dass der Leser so zum Co-Ermittler wird. Allerdings ist es nicht leicht zu erraten, wer der Mörder ist. Doch darum geht es sowieso nicht primär, sondern wie immer um Bruce Wayne, seine Sorgen und Ängste. Diesen Charakter definiert das Dream-Team Loeb/Sale als einen einsamen Rächer, der eigentlich nur Freunde und Mitstreiter sucht.

>> Batman 1990-1999