Detective Comics

Die Comicserie „Detective Comics“ erscheint seit 1937. In Ausgabe 27 hatte Batman 1939 seinen ersten Auftritt. Anfangs handelte es sich noch um eine Anthologieserie, die sich Batman mit anderen Helden teilte.

Hirnchirurg pfuscht am Herzen

Batman: Heart of Hush

DC Comics

Titel: Heart of Hush (dt. Hush – Herz der Finsternis)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2008-2009 (Detective Comics # 846-850, Paperback 2009), dt. Panini Sonderband 2009


„Beware the man who can strike from a distance.“

Ein drittes Mal versucht Hush, seine Rache an Batman zu vollziehen: Rache dafür, dass Bruce Waynes Vater damals bloß seinen Job gemacht hat, als er Tommy Elliots Mutter rettete. In Heart of Hush wird ausführlich die Geschichte nach dem von Tommy verursachten Autounfall erzählt, von der Schreckensherrschaft der Mutter bis zu ihrem unglückseligen Ende. Autor Paul Dini versucht damit, stärker das Rachemotiv herauszuarbeiten, was aber nur leidlich glückt. Wie schon bei Jeph Loeb ist Hushs Hass auf Batman weit hergeholt und nur damit zu erklären, dass der Schurke eben – wie die meisten – verrückt ist.

Als Chirurg hat sich Tommy Elliot weiterentwickelt: Vom Hirnchirurgen hat er sich auf Kardiologie spezialisiert und eine leerstehende Klinik gekauft, in der er ein paar Obdachlose unter Drogen setzt und sie zu seinem Personal macht. Nach einem Vorspiel mit Scarecrow und Venom (Hush lässt immer noch gerne andere die Drecksarbeit erledigen), nimmt er Catwoman gefangen und entfernt ihr Herz, wobei er sie und ihr Organ mit einem komplexen Apparat am Leben erhält (Mr. Freeze hilft dabei). Batman muss sich beeilen. Doch Hush hat auch als plastischer Chirurg dazugelernt und verfolgt noch weitere Pläne …

Die Story, die als Tie-in zu Batman R.I.P. angelegt ist, aber vor den Ereignissen spielt, ist zwar ebenso kurzweilig wie Hushs erster Auftritt, aber bei weitem nicht so furios. Sie ist bescheidener angelegt, aber auch fader. Dass ein Großteil der Story der Vorgeschichte gewidmet ist, beraubt sie der Spannung und lässt den Verdacht entstehen, dass sonst nicht viel zu erzählen war. Das Finale leidet darunter, dass man den Schurken nicht besonders ernst nehmen kann, wie er mit seinen Waffen durch Wayne Manor streift – selbst Alfred kann ihn erledigen, und als noch Robin und Nightwing dazu kommen, ist die Sache ohnehin gelaufen.

Heart of Hush ist ein ziemlich durchschnittliches Vergnügen, auch in visueller Hinsicht: die kantigen Zeichnungen von Dustin Nguyen haben ihren Charme, doch überzeugen sie nicht durchgehend. Außerdem werden zu viele alte Griechen zitiert – lauter kluge Sprüche machen noch kein kluges Buch.

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Ra’s al Ghuls Auferstehung

DC Comics

DC Comics

Titel: The Resurrection of Ra’s al Ghul (dt. Die Auferstehung von Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Grant Morrison, Paul Dini u.a./Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2007-2008 (Paperback 2008), dt. Panini 2008


„Sometimes, looking at the ‚big picture‘ can paralyze you, right? Well I’m tired of analyzing everything to death …“ (Tim Drake)

Wie wir schon öfter festgestellt haben, stirbt in der Welt der Superhelden niemand für immer. Schon gar nicht totzukriegen ist Ra’s al Ghul. Er ist das beste Beispiel für die ständige Erneuerung im Wechsel von Tod und Auferstehung. Selbst nachdem er in Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen) wirklich gestorben ist, war klar, dass seine Wiederkehr nur eine Frage der Zeit war. Doch die Wiedergeburt gestaltet sich schwierig. Ra’s kehrt zunächst als ziemlich übel zugerichtete Mumie zurück.

Um wieder zurück zu alter Frische zu finden, soll sein Enkel, Bruce Waynes Sohn Damian, als Körperspender herhalten. Der Kleine hat verständlicherweise keine Lust, sich für seinen Opa zu opfern – und auch seine Eltern haben etwas dagegen. Während Batman in Asien herumturnt, fällt die League of Assassins über Wayne Manor her, Talia heuert ein paar Killer-Miezen an, die ihn beschützen sollen, Nightwing und Robin helfen aus. Währenddessen will auch ein anderer mächtiger Greis, der bloß Sensei genannt wird, die Auferstehung seines Erzfeindes verhindern.

Schließlich ist Damian aber nicht mehr so wichtig und Batman muss sich entscheiden, ob er seinen Sohn oder seinen Adoptivsohn Tim Drake für Ra’s opfern möchte. Die salomonische Lösung findet sich in anderen Trägern. Und hier hakt die Logik der Story am meisten: Wenn Ra’s einen Körper braucht, der seine DNA trägt, warum ist er zunächst hinter Damian her, wenn es schließlich auch andere Spender tun?

Interessant ist in der Geschichte aber ein Seitenaspekt: Robin Tim Drake, der von Ra’s in Versuchung geführt wird, die Seiten zu wechseln, verhandelt mit Nightwing an der Lazarusgrube die Frage, ob es zulässig ist, die Toten ins Leben zurückzuholen. Spannender als die Keilerei zwischen den beiden ist der Dialog: Tim hat drei Menschen verloren, die ihm wichtig waren (seinen Vater, Spoiler und Superboy), auch Nightwing kennt die Verlusterfahrung, aber die Konsequenz daraus wäre, alle wiederzubeleben – und das wäre untragbar. Der zentrale Satz in der Diskussion: „… in a world where Jason Todd can come back … then why can’t my dad …?“

So bietet The Resurrection of Ra’s al Ghul actionlastiges Schwertkampf-Abenteuer, bei dem Batman zwar eine untergeordnete Rolle spielt, aber dafür eine ungewöhnliche Rüstung tragen darf. Im Mittelpunkt stehen die drei Robins und ihr Verhältnis zueinander. Über das übliche Gut-gegen-Böse-Spiel hinaus werden zwei große Familiendramen geboten, in denen die Charaktere vor allem viele Konflikte untereinander austragen müssen. So sehen wir dabei zu, wie sich Damian von seiner Mutter lossagt – ganz einfach weil Papa Batman der coolere Elternteil ist. Getrübt wird das Lesevergnügen leider etwas durch die stark variierende Qualität der Zeichnungen.

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Batman als Pirat

DC Comics

DC Comics

Titel: Leatherwing

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Alcatena

Erschienen: 1994 (Detective Comics Annual #7, Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories 1996)


„Below the Green Waves the Ocean’s a Grave for them who’s faced Leatherwing.“

„I may one day understand the fathomless depths … but not if I should live a millennium will I understand the wiles of a woman.“ (Leatherwing)

Unter all den Elseworlds-Szenarien ist Leatherwing eines, das unvermeidlich erscheint: Batman als Pirat. Die Analogie bietet sich an: Ein Vigilant für die Sache der Gerechtigkeit. Und so trägt unser Held eine Kopftuchmaske mit spitzen Ohren – warum auch immer. Und sein geheimes Versteck heißt Verspertilio Cay. Es gibt einen Robin namens Robin Redblade, eine Capitana Felina (Catwoman), ebenfalls mit Kopftuchmaske, und einen dauergrinsenden Schurken namens The Laughing Man (Joker). Die Story ist banal: Der Schurke verbündet sich mit der Katzenbraut, um an Leatherwings Schatz ranzukommen. Der Held verliebt sich in die Braut, die Braut fühlt sich betrogen, dann wird sie eines Besseren belehrt und der Joker-Verschnitt erlebt den Tod durch einen Säbel.

Gutwillig könnte man Leatherwing eine klassische Piratengeschichte nennen, eine Reminiszenz an alte Filme und Seefahrerromantik. Kritisch gesehen ist die Story eine Klamotte voller Klischees, eine Kinderfantasie von einem Piratenabenteuer, mit einer an den Haaren herbeigezogenen Romanze und allzunaheliegender Analogien zum Batman-Kosmos. Der größte Kritikpunkt ist aber der, dass diese Story zwar irgendwann erzählt werden musste, aber so vorhersehbar wie die Idee hätte die Umsetzung nicht sein müssen.

Trotzdem wurde die Story 1998 mit The Bride of Leatherwing fortgestetzt (Batman Chronicles #11).

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Black Mirror: Böse Brut

DC Comics

DC Comics

Titel: The Black Mirror (dt. Der schwarze Spiegel)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2011 (Detective Comics #871-881, Paperback 2011), dt. Panini 2012 (Sonderband)


 „… evil is humanity’s divine spark.“ (Etienne Guiborg/The Dealer)

Erinnern wir uns an das Ende von Year One, als Bruce Wayne in zivil James Gordons Sohn rettet: Das Baby fällt von der Brücke, Wayne springt hinterher und fängt es. Damit ist die Freundschaft zwischen Gordon und Batman besiegelt. Bald darauf zerbricht die Ehe mit Barbara und die Mutter zieht mit ihrem Sohn zurück nach Chicago (vgl. Turning Points). Doch was passiert mit dem Sohn, James Gordon Junior? Dieser Frage hat sich Scott Snyder angenommen. In Black Mirror, der letzten großen Detective Comics-Storyline vor dem Reboot (The New 52), ist Junior das Gegenteil seines Vaters: ein unempathischer Psychopath, der sich an jedem, der ihm blöd kommt, grausam rächt. Nach Jahren sucht er den Vater in Gotham auf, Gordon befürchtet Schlimmes, zunächst scheint er sich zu irren – doch die Zweifel wird er nie los. Autor Scott Snyder spielt mit den Erwartungen der Leser, indem er sie ständig untergräbt. Das erzeugt eine ungeheure Spannung.

Parallel erzählt er von Batman, also Dick Grayson, der Bruce Wayne in Gotham vertritt. Dieser muss zunächst einen Auktionator (The Dealer) aufhalten, der Schurkengimmicks aus Polizeibeständen an Bonzen verhökert, dann muss er den Ursprung eines toten Orca untersuchen, der plötzlich (mit Frauenleiche im Bauch) im Foyer einer Bank liegt, schließlich bricht noch der Joker aus. Die drei Episoden haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, am Ende erschließt sich wenigstens für zwei der Zusammenhang mit dem Hauptplot um James Junior, der es auf seine eigene Familie abgesehen hat und eine neue Generation nach seinem Bilde formen will. Diese Doppelstruktur ist eine eigenartige Erzählweise, die sich auch in zwei verschiedenen grafischen Stilen wiederspiegelt: Die Hefte, in denen Batman die Hauptrolle spielt, sind von Jock gezeichnet, die Gordon-Hefte von Francesco Francavilla. Während Jock sehr kantige Figuren und karge Hintergründe macht, Batman stets von Fledermäusen umgeben ist und der Horror durch zittrige Striche besonders drastisch bei ihm wirkt, pflegt Francavilla einen ruhigeren Stil, der mehr an David Mazzucchelli erinnert, und er koloriert selbst mit knalligen Komplementärfarben.

Diese Stilbrüche sind gewöhnungsbedürftig, aber sie erfüllen ihren Zweck. Zunächst hat man den Eindruck, zwei verschiedene Geschichten zu lesen, bis sich nach und nach beide zu einer zusammenfügen, am Ende wechseln sich die Zeichner alle paar Seiten ab. Beide sind auf ihre Weise große Künstler, Jock besonders bei den Covern, Francavilla beeindruckt am meisten mit einer Doppelseite, auf der sich Gordon in einer Montage an Juniors Kindheit erinnert. Autor Scott Snyder steht beiden in nichts nach: er erweist sich als meisterhafter Erzähler, indem er allen Figuren an Tiefe gerecht wird und dabei auch noch die Stadt Gotham als Protagonisten einführt, der im Hintergrund das Böse aus den Menschen hervorbringt.

The Black Mirror ist eine zutiefst grausame, beunruhigende Geschichte, die trotz ihres Pessismismus sich die Menschlichkeit bewahrt. Dass einige Fragen offen bleiben, bzw. dass Batman die Grenzen der Glaubwürdigkeit überschreitet, kann man da als kleine Makel verzeihen: Für eine Story von so herausragender Qualität und narrativer Innovation kann man bloß dankbar sein.

>> Batman 2000-2011


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Verpufftes Feuerwerk

DC Comics

DC Comics

Titel: Icarus (Detective Comics Vol. 6) (dt. Ikarus)

Autor/Zeichner: Francis Manapul, Brian Buccellato/Francis Manapul, Brian Buccellato u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #30-34, Annual #3), Hardcover 2015; dt. Panini 2015 (Batman #35-40), Paperback 2016


„Subtle isn’t in Gotham’s DNA.“ (Batman)

„They need someone like me … a true detective.“ (Bullock)

Nach 29 meist verzichtbaren Ausgaben von Detective Comics, von denen allein Gothtopia und die Jubiläumsausgabe #27 bemerkenswert waren, gibt DC seinem Stammtitel einen längst überfälligen Neuanfang mit dem Team Manapul/Buccellato. Die Veränderung ist auf den ersten Blick sichtbar und überwältigend. Ihre Art, in Bildern zu erzählen, ist einzigartig. Manapuls Zeichnungen strotzen vor Ausdruck und Dynamik, veredelt werden sie von Buccellatos Farben, der mit seinem Aquarellstil den Panels eine einzigartige farbprächtige Stimmung und die Aura des Künstlerischen verleiht. Die Bildübergänge gleichen häufig einer Kamerafahrt, an einigen Stellen reizen die beiden Erzähler die Möglichkeiten des Mediums aus, mit Zeit und Raum zu spielen, indem sie sie miteinander verschmelzen lassen. Die beiden verstehen ihr Handwerk und setzen neue Akzente – eine Qualität, die sich durchaus mit der von Snyder/Capullo messen lassen kann.

Aber dann ist da leider noch die Story. Bruce Wayne versucht mal wieder die Unterschicht zu retten, indem er ein Viertel neu aufpolieren will. Doch dann landet seine Geschäftspartnerin in seinem Haus, ermordet durch eine neue Droge namens Icarus, die einen von innen verbrennen lässt. (Allerdings ist es schwierig von einer Droge zu sprechen, die nicht abhängig macht, weil man sie nur einmal benutzen kann.) Nicht nur Batman macht sich auf die Suche nach den Übeltätern, auch Harvey Bullock. Er vertritt in dieser Geschichte seinen Chef James Gordon, indem er zunächst Wayne auf die Füße tritt und sich dann eine Prügelei mit Batman leistet. Batman wiederum schlägt sich mit einer Biker-Gang und einem Riesenkraken herum. Ach ja, und dann explodiert noch ein seltsam verstrahlter Mensch und schießt wie eine Feuerwerkrakete davon. Am Ende macht sich Batman Vorwürfe, als Detektiv nicht eher die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Doch der Vorwurf sollte eher den Autoren gelten, weil sich ihre Kreativität in der grafischen Aufmachung verbraucht hat.

Am Ende des Bandes, im Annual #3, erfahren wir, wie die Geschichte anfängt. Leider haben es die Autoren hier zu gut gemeint und die Story heillos überladen. Es gibt einen Rückbezug zu den Waffen von The Wrath (vgl. Detective Comics Vol. 4) und einen Auftritt der neuen Bande Bastards of Blackgate. Höhepunkt ist eine Szene, in der Batman als Matches Malone Julian Day Erziehungstipps gibt und ihm rät, sich einen Kalender zu kaufen, damit er den Geburtstag seines Sohnes nicht mehr vergisst (ob das eine gute Idee war?). Nicht, dass man diese Episode gebraucht hätte, aber wenn man sie schon präsentiert, dann hätte man sie auch an den Beginn des Bandes stellen sollen. Im Nachgang ist sie erst recht obsolet. Leider sind in diesem Heft gleich drei verschiedene Zeichner am Werk, was dem Ganzen nicht nur ein uneinheitliches Erscheinungsbild beschert (das ist selten gut), sondern zum Teil auch stark qualitativ schwankt.

So macht Detective Comics trotz des neuen Anstriches weiter wie bisher: mit kurzatmigen Storys, auf die man verzichten kann. Nur reicht es hier, sich an den Bildern zu ergötzen.

Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)

Gegen das Geschwür Gotham

DC Comics

DC Comics

Titel: City of Crime (dt. Stadt der Sünde)

Autor/Zeichner: David Lapham/Ramon Bachs

Erschienen: 2005-2006 (Detective Comics #800-808, 811-814, Paperback 2006), dt. Panini 2014.


 „Diese und unzählige andere schreckliche Dinge geschehen heute. Und niemand ist da, um sie zu verhindern.“

„Es gibt keinen Platz mehr für Batman.“

Ich habe noch keine Erklärung dafür, vielleicht ist es meine Neigung zur kleinen Form, aber aus irgendeinem Grund funktioniert Batman besonders gut in Geschichten auf wenigen Seiten. Wie etwa „In der Nacht“, der Prolog des Zwölfteilers City of Crime. Darin wird auf acht Seiten eine einfache Geschichte erzählt, wie Batman einen gefangenen Jungen aus einem Keller befreit, aber die Erzählstimme, die immer wieder Sätze mit „In der Nacht“ beginnt, schafft eine eindringliche Stimmung. Dann kommen so bittersüße Sätze zustande wie: „In der Nacht spritzt Blut und erzeugt Kunstwerke auf dem Asphalt. Die Stadt wimmelt von Pollocks und de Koonings. Die Stadt ist ein Museum.“ Oder: „Man sagt, in der Nacht gäbe es nichts, was da nicht auch am Tag wäre. Ist nicht wahr. In der Nacht gibt es Angst. In der Nacht gibt es Monster.“ Wir sehen eine aus der Finsternis fliegende Fledermaus. Und am Ende, im vorletzten Panel, kurz bevor Batman zur Rettung des Jungen naht, heißt es: „In der Nacht stirbt eine Frau.“ Es wird klar, dass die Nacht in Gotham eine besonders grausame ist. Und dass Batman nicht überall sein kann …

Davon handelt auch City of Crime. Die Erzählstimme, ein fatalistischer Kommentator, bleibt erhalten und charakterisiert diese Stadt, deren Wurzeln, wie sie sagt, in die Hölle reichen. Dabei sehen wir Batman zunächst bei der Alltagsarbeit, nämlich Kleinkriminelle zur Strecke zu bringen – manchmal auch bevor die eigentliche Tat passiert. Die Hauptgeschichte, die David Lapham erzählt, ist außerordentlich komplex: Es geht um Menschenhändler, um schwangere Mädchen, um eine verschwundene Tochter, um eine an Drogen gestorbene reiche Göre – einen Fall, der Batman nahe geht. Irgendwas hat der Pinguin mit der Sache zu tun. Mr. Freeze hält eine junge Frau gefangen, weil er sie als neue Nora ehelichen will. Und dann gibt es Menschen, die nicht die sind, die sie vorzugeben scheinen. Halluzinierende Normalbürger begehen aus Angst Verbrechen. Batman und Robin haben alle Hände voll zu tun, auch die Polizei spielt eine große Rolle (James Gordon allerdings nur eine untergeordnete) – und dann gibt es noch eine Bürgermeisterwahl. Auch wenn das zusammen sehr viel Stoff ist, bei dem es schwerfällt, den Überblick zu behalten, ist City of Crime eine einnehmende Geschichte. Vor allem wegen dieses durchgehenden Erzählstils und seiner ausdrucksstarken Bildsprache.

Eines der interessantesten Kapitel ist das, in dem Batman undercover in einem Elendsviertel ermittelt: Er nimmt einen Job als Kranführer an und schließt Freundschaft mit einem Hauptverdächtigen. Lange ist kein Batman zu sehen, stattdessen wird ein Gesellschaftspanorama der dort lebenden Menschen aufgefächert – und man fühlt sich zuweilen an Großstadtepen wie die HBO-Serie The Wire (2002-2008) erinnert. Das ist mal eine willkommene Abwechslung (auch wenn der Fanboy leicht nervös werden kann, wenn mal länger als 22 Seiten weder Cape noch spitze Ohren in einem Panel auftauchen).

Leider ist die Auflösung am Ende etwas halbgar. Zu viele Fragen bleiben offen. Lapham legt viele falsche Fährten, sodass einige davon als lose Enden in der Luft hängen. Aber darum scheint es dem Autor nicht zu gehen, am Ende kehrt er zu der Mutter zurück, die ihre Tochter verloren hat. Dieser Einzelfall ist ihm wichtiger als der Plot um die große Verschwörung im Untergrund. Und schließlich geht es ihm nur darum zu zeigen, dass die Stadt Gotham, als City of Crime (oder im Deutschen „Stadt der Sünde“) einem Geschwür gleicht, bei dem auch einer wie Batman es nicht schafft, hinterherzukommen – oder besser gesagt: immer nur hinterherhinken kann.

Man sollte sich auf diese Stadtrundfahrt einlassen. Das kann man auch ganz ohne Vorwissen um die Continuity. Diese Story steht weitgehend für sich.

>> Batman 2000-2011

Anarky: Alle Macht dem Volke

Batman: Anarky

Titel: Anarky: Metamorphosis

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1997 (Miniserie Anarky# 1-4), Paperback Anarky (1998), (dt. Batman Special #6, Dino, 1998)


„The city needs a new breed of hero. The night needs a new kind of monster.“ (Anarky)

„The future is freedom … and all I ever wanted was to hasten its birth.“ (Anarky)

„I only wanted to bring a little sanity into an insane world.“ (Anarky)

„Dein ganzes Leben ist eine Lüge“, heißt es gleich zu Beginn, während wir den Dämon Etrigan gegen irgendein anderes Monster namens ‚Blasfemy‘ kämpfen sehen. Am Anfang, in der Kindheit, so heißt es weiter, sei das Leben voller Hoffnung gewesen, dann seien die Politiker, die Priester und die Philosophen gekommen und hätten die Menschen mit ihren Lehren desillusioniert. „All eure Götter und Dämonen sind Ausgeburten des Unterbewusstseins. Sie sind nicht wirklich real.“

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Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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