Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Mad Hatter und die Glücksdroge

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DC Comics

Titel: The Blank Generation, Part 1-2: Corporate Nightmares/A Favorable Wind (dt. Generation Null)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Mark Buckingham

Erschienen: 1998 (Shadow of the Bat #78-79), erschienen in: Road to No Man’s Land Vol. 1 (2015), dt. Auf dem Weg ins Niemandsland Bd. 1 (2017)


Gotham nach dem Beben: Die Stadt ist verwüstet, viele sind tot, andere obdachlos, arbeitslos, mittellos. In dieser Verzweiflung streift der Schurke Narcosis umher und versetzt Menschen durch ein Gas in Glückszustände. Bald will er ganz Gotham beglücken. Der Mad Hatter hat seine eigene Agenda: Er lässt in dem Chaos von zwei Lakaien seine wertvolle Hutsammlung aus den Trümmern bergen und geht dabei über Leichen. Als Narcosis auftaucht, verbündet er sich mit ihm, um an dessen Kopfbedeckung (ein Tuch) heranzukommen.

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Mad Hatter und Narcosis haben verschiedene Interessen. (DC Comics)

Tetch will die Stadt mit dem berauschenden Gas erpressen, doch Narcosis interessiert sich nicht für Geld, sondern nur für Glück. Da knockt ihn Tetch kurzerhand aus, schnappt sich das Tuch und lässt das Gas los, um Gotham einen Vorgeschmack darauf zu geben. Batman taucht mit einem Bat-Monstertruck auf und zerstört den Schornstein, aus dem das Gas entweicht. Narcosis kommt wieder zu sich, geht auf Batman los und bekommt sein eigenes Gas zu spüren. Dann versucht Tetch, Batman mit einem Hut zu kontrollieren, aber der scheint immun dagegen zu sein. Reine Willensstärke scheint zu reichen.

Am Ende lässt man das Gas in einer großen Explosion verschwinden, die den Himmel in bunte Lichter taucht. Als alles vorbei ist, zieht Batman Tetch seinen Zylinder über die Augen und verpasst ihm einen völlig überflüssigen Haken zur Strafe – wohl als Vorgeschmack auf den Knast, den er ihm verspricht.

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Neu aufgelegt: JLA/Avengers

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DC Comics/Marvel

Die Zeit der DC/Marvel-Crossover ist lange vorbei. Zwar gab es seit den 70ern immer wieder Aufeinandertreffen der Helden aus den beiden Comic-Universen (Superman/Spider-Man, Batman/Hulk), doch das letzte ist bereits fast 20 Jahre her: Der Vierteiler JLA/Avengers bzw. Avengers/JLA erschien 2003 bis 2004. Allerdings sind die Verlage seitdem ziemlich geizig, was Nachdrucke all dieser Geschichten angeht.

Nun hat DC eine Neuauflage von JLA/Avengers für März 2022 angekündigt: 288 Seiten im Softcover für 29,99 US-Dollar – allerdings limitiert auf 7000 Exemplare. Der Erlös soll der Hero Initiative zugute kommen, einer Organisation, die prekär lebenden Comic-Künstlern finanziell hilft, etwa bei der Krankenversicherung. (2020 versteigerte die Hero Initiative bereits von Künstlern bemalte Batman-Ausgaben.)

Der Band soll nur über Comic-Shops vertrieben werden. Bei etwa 2000 Comicläden in den USA macht das etwa Exemplare drei pro Laden. Selbst wenn für der Rest der Welt auch etwas abfallen sollte, dürfte es schwierig werden, eine Ausgabe zu bekommen. Bleibt nur: Fragen, vorbestellen, vor dem Laden des Vertrauens campieren oder am besten gleich dort einziehen. (Aber bitte auch dann vorher fragen, sonst könnte es rechtliche Konsequenzen geben.)

64 Extra-Seiten

JLA/Avengers hat eine lange Geschichte: Ursprünglich sollte das Crossover bereits Anfang der 80er herauskommen. Gerry Conway schrieb den Plot, Roy Thomas das Skript, George Pérez soll 1981 bereits 21 Ausgaben gezeichnet haben, doch dann wurde das ganze Vorhaben wegen Differenzen zwischen den Redakteuren gestoppt. Erst 20 Jahre später wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Diesmal schrieb Kurt Busiek (Marvels) das Skript,  George Pérez fing noch mal von vorn an zu zeichnen. Die Serie erschien in vier Teilen (auch in Deutschland bei Panini als JLA/Die Rächer), bekam einen Sammelband und wurde seit 2008 nicht mehr nachgedruckt.

Die Neuauflage soll 64 Extra-Seiten enthalten, darunter auch die Vorworte von Stan Lee und Julius Schwartz sowie ein neues Nachwort von Kurt Busiek. Und wer weiß, vielleicht könnten sogar die 21 unveröffentlichten Seiten von Pérez dabei sein – wenn man ein wenig träumen darf.

Weitere Batman/Marvel-Crossover:


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Neue Comicserie: „Batman: Fortress“

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DC Comics

Ein unbekanntes Alien-Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein und stürzt den Planeten ins Chaos: Stromausfälle, Zusammenbruch der Kommunikation, Unruhen. Wo ist Superman, wenn man ihn braucht? Nicht da. Batman muss zunächst das Verbrechen in Gotham aufhalten, das der Blackout verursacht hat, dann trommelt er die Justice League zusammen.

Batman: Fortress heißt die Geschichte, die uns Gary Whitta (Rogue One: A Star Wars Story) und Darick Robertson (The Boys) erzählen wollen. Die Miniserie soll acht Ausgaben umfassen und am 24. Mai 2022 starten. DC verspricht „a brutal and shocking 8-issue adventure that will challenge everything you think you know about Superman“.

Weitere Comic-News:

Mad Hatter in Batman: The Animated Series

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Jervis Tetch als Mad Hatter mit Alice. (Warner Bros.)

Jervis Tetch war ein Räuber, ein Hutsammler, ein Hobby-Neurologe und IT-Techniker, aber eins war er nicht: ein Hutmacher. Vor allem ging schnell der Bezug zum Vorbild aus Alice im Wunderland verloren, der nur beim ersten Auftritt des Mad Hatters 1948 vorhanden war. Das ändert sich in Batman: The Animated Series. Gleichzeitig wird zum ersten Mal ein Charakter aus der bisher eindimensionalen Figur.

Tetch ist hier zunächst ein (britischer) Wissenschaftler, der für Bruce Wayne arbeitet (Episode Mad as a Hatter/Der Verrückte Hutmacher S01E27). Von seiner direkten Vorgesetzten wird er unter Druck gesetzt, Resultate zu liefern. Mittels seiner Geräte bringt er Ratten Manieren bei, dann überträgt er die Gedankenkontrolle auf Menschen.

Auslöser ist die Liebe: Tetch schwärmt für seine Sekretärin, die junge Alice. Doch die ist bereits vergeben und interessiert sich nicht für ihren älteren Chef mit dem Überbiss, sondern hat einen Verehrer in ihrem Alter. Kurz überlegt Tetch, ihre Liebe mit seiner Technik zu erwirken, aber er lässt es, denn er will keine seelenlose Marionette.

Als Alice von ihrem Freund sitzen gelassen wird, wittert Jervis seine Chance und führt sie aus. Um sie zu beeindrucken, zieht er sich an wie der Mad Hatter aus Alice im Wunderland, weil es sein Lieblingsbuch ist und ein Plakat vom Hutmacher in seinem Labor hängt. Eine seltsame Masche, aber er setzt dabei auch seine Karten zur Gedankenkontrolle ein, sodass Jervis und Alice etwa im Restaurant vorzugsweise behandelt werden. Als ihn zwei Räuber angreifen, steckt er ihnen zwei seiner Karten in die Stirnbänder und befiehlt ihnen, von der Brücke zu springen – was Batmans Aufmerksamkeit erregt.

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Batman im Wunderland: Grinsekatze und Kaninchen. (Warner Bros.)

Alle Mühe ist jedoch vergebens, als Alice und ihr Freund wieder zusammenfinden. Dann entführt er Alice und bringt sie in einen Vergnüngspark im Wunderland-Stil. Dabei macht er aus ihr dann doch die Marionette, indem er sie in die Titelrolle zwingt. Batman kämpft gegen lauter willenlosen Menschen in Rollen aus dem Wunderland: Walross, Zimmermann, Kaninchen, Grinsekatze und die Herzkönigin. Durch die Gedankenkontrolle haben sie Superkräfte.

Mit dieser Episode erhält der Mad Hatter erstmals eine Vorgeschichte und Persönlichkeit – wie auch andere bis dato unterbelichtete Batman-Schurken (Two-Face, Clayface und Mister Freeze).

Alternative Traumwelt für Bruce Wayne

In Perchance to Dream erschafft der Mad Hatter eine Traumwelt für Bruce Wayne, in der seine Eltern noch leben und er nicht mehr Batman ist. Was es damit auf sich hat, wird erst am Ende klar, als die Illusion zerbricht und Bruce Wayne gegen Batman kämpft. Der Hatter erscheint, als Bruce Batman die Maske vom Gesicht reißt, und erklärt ihm, er sei auch nur eine Konstruktion. Indirekt zitiert er aus Alice Hinter den Spiegeln, als er die Meta-Frage stellt: „Are you the dreamer, or merely part of somebody else’s dream?“

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Hinter Batmans Maske steckt der Mad Hatter. (Warner Bros.)

Bruce befreit sich aus dem Traum, indem er sich von einem Turm stürzt. Nachdem er erwacht, offenbart ihm der (wahre) Hatter, er habe Batman ein perfektes Leben erschaffen wollen, damit er sich aus seinem heraushält. Eine überraschende Wendung: Statt Rache will der Hatter eine Win-Win-Situation schaffen.

Interessanterweise haben sich die Autoren von der Comicstory  Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991) inspirieren lassen (wo die Auflösung aber eine ganz andere ist), die ist wiederum inspiriert von Alan Moores For the Man Who Has Everything. Hier hat man Mad Hatter also neue Fähigkeiten angedichtet, die in die Richtung von Matrix und Inception vorausweisen (wobei diese vom Roman Simulacron-3 inspiriert sind, der später als Welt am Draht und als The 13th Floor verfilmt wurde).

Hatters Sorgenpüppchen

In The Worry Men (Die Sorgenpüppchen, S01E65) arbeitet der Hatter ebenfalls zunächst hinter den Kulissen: Er verteilt an die High Society Gothams kleine Puppen, die Sorgen vertreiben sollen, wenn man sie sich unters Kopfkissen legt. Tatsächlich aber brachte er die Reichen damit nur dazu, ihm ihr Geld zu geben.

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Mad Hatter verkauft Sorgenpuppen. (Warner Bros.)

Am Ende erklärt Tetch, er habe danach dem Verbrechen abschwören wollen: Er wollte sich eine Insel kaufen, um dort einen Laden für Sonnenhüte aufzumachen: „Aber Inseln, selbst die kleinsten kosten Geld! Sehr viel Geld!“ Und so manipulierte er einen „Eingeborenen“, der die kleinen Figürchen herstellte, um sie mit seinen Mikrochips auszustatten. Dieser treibt dann in einem „Eingeborenen“-Kostüm mit Lendenschurz etc. das Geld ein und kämpft mit Batman.

Im Finale schickt der Hatter noch eine Reihe Roboter auf Batman los, die wie seine klassischen Gegner aussehen: Riddler, Pinguin, Harley Quinn und Joker.

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Albtraum für Schurken: Batman als Sorgenpuppe. (Warner Bros.)

Als Tetch wieder in Arkham ist, liegt ein Batman-Püppchen unter seinem Kopfkissen, das ihn von einem ehrlichen Lebenswandel träumen lässt – es scheinen sehr unruhige Träume zu sein.

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Bruce Waynes mörderische Nachbarn

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DC Comics

Titel: The Neighborhood (Detective Comics Vol. 1)

Autorin/Zeichner: Mariko Tamaki/Dan Mora, Viktor Bogdanovic u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1034-1039), Hardcover 2022


Zwischen Joker War und Future State versucht Bruce Wayne sich als Mittelloser durchzuschlagen. Statt Wayne Manor muss der verarmte Milliardär nun in ein Reihenhaus in der Stadt ziehen, allerdings ein sehr schönes Reihenhaus, ein Altbau, mitten in einer gutsituierten Nachbarschaft. Doch kaum hat er seine Nachbarn kennenlernt, wird eine von ihnen –  Sarah Worth – entführt und ermordet. Bruce gerät unter Verdacht. Und ihr Vater, Roland Worth, ein Schwergewicht, dem halb Gotham gehört, sinnt auf brutale Rache …

Während Batman, Huntress und Oracle den wahren Mörder jagen und dabei auf Lady Clayface treffen, wird Bruce Wayne zwischenzeitlich festgenommen und Mr. Worth jagt die Polizeiwache in die Luft. Spätestens hier ist jegliches Verständnis für den trauernden Vater ebenfalls vernichtet. Erst recht verblüfft es, als er nach seiner Festnahme wieder freigelassen wird. Aber wir wissen ja: Geld gewinnt immer – wenn es auch verrückt macht. Intelligenter wird die Story dadurch aber nicht.

ACHTUNG SPOILER!

Und leider bringt Worths fanatischer Kampf gegen Batman weder Mehrwert noch Erkenntnis. Der Mörder ist ein bloß ein x-beliebiges Monster, das von Menschen Besitz ergreift und aus reiner Bosheit tötet. Wie öde. Aus der potenziellen Gesellschaftskritik an der High Society wird eine banale Horrorstory.

Autorin Mariko Tamaki (die erste Frau seit Devin Grayson, die über längere Zeit an einer Batman-Serie schreiben darf und die erste für Detective Comics) legt eine sympathisch erzählte Geschichte vor, die zwar Detective Comics ihrem Namen wieder gerecht werden lässt, aber leider hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Verdächtig ist es immer, wenn so verschwenderisch mit Platz umgegangen wird wie hier. Zwar freut es das Auge, wenn die Zeichner Dan Mora und Victor Bogdanovic (dessen Stil sehr an Greg Capullo erinnert) sich mit prächtigen Splash Pages austoben dürfen, aber es bestätigt auch den Eindruck, dass hier nicht viel zu erzählen ist.

Etwas mehr Tiefe gewinnt das Ganze durch die Backup-Storys, mit denen wieder an die alte Anthologie-Tradition von Detective Comics angeknüpft wird. Hier bekommen Nebenfiguren wie Huntress, Pinguin aber auch Lucius Fox ihre kleine Bühne, am Ende wird dann die Vorgeschichte des Monsters nachgereicht, was niemand braucht.

Doch auch das rechtfertigt keinen Preis von 30 Euro. Nicht mal 20. Und schon gar nicht zwei kostbare Stunden Lebenszeit.

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Vier Todesfälle und zwei Hochzeiten

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DC Comics

Titel: Double Jeopardy/Twice Dies the Batman

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Irv Novick

Erschienen: 1980 (Batman #328-329), erschienen in Tales of the Batman: Marv Wolfman Vol. 1 (2020)


Ein Mann namens Carl Ternion schickt Batman einen Film, indem er seinen Prozess nachstellt, in dem er vom Mord an einem gewissen Anton Karoselle freigesprochen wird. Dann behauptet Ternion, er sei aber schuldig – er habe Karoselle sogar zweimal ermordet. Batman könne nichts dagegen tun. („Ha! Ha! Ha!“)

Batman ist genauso irritiert wie wir es sind. Es stellen sich die üblichen Fragen: Wer ist das? Was soll das? Und was wäre Batman ohne prahlerische Schurken, die ihm alles unter die Nase reiben?

Wer immer noch keinen Plan hat, wohin die Reise geht, dem sei gesagt, dass Ternion mit Gilda Dent anbandelt, der ehemaligen Frau von Harvey Dent alias Two-Face. Sie hat in der Zwischenzeit noch einmal geheiratet, einen gewissen David, Harveys ehemaligen Assistenten, der aber ermordert wurde. Ternion hat beide gekannt, hat sogar Davids Mörder aufgespürt (Karoselle) und ihn angeblich versehentlich getötet. Gilda heißt das zwar nicht gut, aber es war ja keine Absicht – und sie ist nicht gern allein.

Ternion hat es aber auch auf Batman abgesehen. Zwischendurch tötet er noch einen Handlanger, der eine Frau ins Krankenhaus gebracht hat, weil sie Informantin für Batman gespielt hat. Dann tötet er den plastischen Chirurgen Ekhart, der Ternion das Gesicht operiert hat, aber ihm nur temporär helfen konnte, weil nun die Fassade zerfällt.

Der ewige Münzwurf

Ich spare mir hier die übliche SPOILER-Warnung, denn mittlerweile dürfte jeder kapiert haben, wer hinter Ternion steckt. Die Geschichte hält damit aber sehr lange, länger als nötig, hinterm Berg, selbst als das zweite Kapitel schon den Schurken auf dem Cover hat: Two-Face!

Harvey Dent will also seine Gilda zum zweiten Mal heiraten, wenn auch unter falscher Identität. Aber vorher muss noch Batman dran glauben, denn der kommt ihm immer wieder in die Quere. Doch Batman hat auch die lästige Angewohnheit, Mordanschläge zu überleben, hier etwa Wasserfluten, eine fliegende Granate und ein Feuer. Selbst als Two-Face Batman im Visier eines Gewehres hat, kann er nicht abdrücken, weil er vorher eine Münze werfen muss und das Glück auf Batmans Seite ist. Dann ist da noch das Problem mit dem entstellten Gesicht. Und als könnte es nicht schlimmer kommen, sieht er noch zu, wie Gilda von „Boss“ Maroni entführt wird – dem Mann, der ihn einst entstellt hat und den er zweimal getötet hat.

Zweimal? Ja, denn den ersten Mordversuch hat Maroni überlebt, musste danach aber im Rollstuhl sitzen, dann wurde er zu Anton Karoselle und Two-Face ging durch all die Mühen eines überkomplizierten Plans, um ihn endgültig zu erledigen. Der jetzige Moroni ist natürlich Batman in Gummimaske. Beim Showdown in einem Gerichtsgebäude zeigt ihm Batman einen Film, der ihm die traumatischen Szenen seines Lebens wieder durchleben lässt. Verständlicherweise wird es Gezeichneten zu viel und er will seinen Feind dafür endlich töten. Doch dann sagt Batman tatsächlich schon wieder: Lass die Münze entscheiden! Und Two-Face will es tatsächlich wieder tun! – Wie unzählige Male davor, obwohl er längst eingesehen hat, wie dumm das ist.

Das Klischee wird nur dadurch gebrochen, dass Gilda auftaucht und Harvey ins Gewissen redet. Er solle selbst entscheiden. Schließlich lässt er die Waffe fallen und wird nach Arkham gebracht. Küsschen für Batman, trotz seiner höchst zweifelhaften Methoden.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Zuletzt ist Two-Face in den sicheren Tod gesprungen (Batman #314, 1979). Wie hat er das überlebt? Doch darüber fällt kein Wort mehr, als wär’s nie passiert.

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DCs nächste Krise: „Dark Crisis“

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Cover zu Dark Crisis #1 (DC Comics)

Jedes Jahr verbünden sich alle Superhelden des DC-Universums, um eine ultimative Gefahr abzuwenden,  und alle paar Jahre kommt es zu einer „Crisis“, die das ganze Universum auf den Kopf stellt, Helden oder Schurken sterben lässt, was aber meistens nur zu kleinen Änderungen in der Continuity führt. Nach Crisis on Infinite Earths, Identity Crisis, Infinite Crisis, Final Crisis, Heroes in Crisis kommt in diesem Jahr Dark Crisis.

Der Siebenteiler beginnt nach Death of the Justice League (in Justice League #75 im April) und knüpft an an die erste Crisis, indem sie Pariah zurückholt. Diese Figur (Kell Mossa) ist ein Wissenschaftler, der dazu verdammt war, die Zerstörung der Welten durch den Anti-Monitor mitanzusehen, darunter auch seine eigene. Nun will mit der Great Darkness (einer Macht, die Alan Moore in Swamp Thing eingeführt hat) Earth-0 vernichten.

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Cover zu Dark Crisis #0 und Justice League Road to Dark Crisis #1 (DC Comics)

Autor des Events ist Joshua Williamson, der auch schon das Event Infinite Frontier schrieb und derzeit die Batman-Serie verantwortet, Zeichner ist Daniel Sampere. Williamson versichert, dass es in Dark Crisis nicht darum geht, das DC-Universum zu rebooten oder die Geschichte wieder umzuschreiben. Vielmehr sollen die Charaktere und ihre Beziehungen im Vordergrund stehen. Was aber nicht heißt, dass es keine gigantischen Schlachten geben wird, denn das dürfte der Hauptgrund sein, Events zu lesen: viel Superhelden-Action fürs Geld.

Los geht es am Free Comic Book Day (am 7. Mai) mit Dark Crisis #0 FCBD Special Edition, gefolgt vom One-shot, Justice League: Road to Dark Crisis #1 am 31. Mai (48 Seiten, 5,99 US-Dollar). Im Juni 2022 soll dann Dark Crisis #1 erscheinen.

>> Mehr Infos bei DC

Mad Hatters tödliche Hüte

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DC Comics

Titel: The Mad Hatter Flips His Lids

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1987 (Detective Comics #573), enthalten in: Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1 (2018)


Der Mad Hatter ist wieder da – doch was ist das? Da ist ja wieder dieser Rothaarige mit dem Schnauzbart. Eigentlich ist dieser vom Original ersetzt und zum Hochstapler erklärt worden (Detective Comics #510), doch nun tut man so, als wäre das nie passiert. Zurück in den 50ern?

Dazu muss man wissen: Obwohl diese Geschichte offiziell nach der Crisis spielt und zeitgleich mit Frank Millers Year One Batman neu erfunden wird, funktioniert sie nach eigenen Regeln. Wie auch schon Catch as Catscan/The Last Laugh (Detective Comics #569/570) und Fear For Sale (Detective Comics #571) sind die Storys von Mike W. Barr und Alan Davis in einem Retro-Stil konzipiert, der sich als Hommage ans Golden Age versteht.

Wir sehen riesige Requisiten, eine Schnitzeljagd mit extrem weit hergeholten Lösungen und auch wenn Jason Todd hier Robin ist, haut er nach alter Dick-Grayson-Manier einen Hut-Kalauer nach dem anderen heraus. Im Grunde ist die gesamte Geschichte mit dem Wörterbuch geschrieben worden: Hier steckt so ziemlich jede Redewendung drin, die mit Hüten zu tun hat.

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Tip to the hat: Batman und Robin empfangen den Hatter – und klauen ein Auto. (DC Comics)

Anfangs wird Jervis Tetch aus dem Knast entlassen, ein Fahrer aus der Strafanstalt soll ihn zu einer Wunschadresse bringen (gibt es so einen Service wirklich?), doch im Auto sitzen Batman und Robin, die ihm einschärfen, er solle seine zweite Chance nutzen. Kaum setzen sie ihn irgendwo ab, kauft Tetch eine Zeitung und bastelt sich einen neuen Hut (allerdings nur ein Provisorium, um den ersten Hut-Jieper zu stillen). Kurz darauf trifft eine Hutschachtel bei Gordon ein und es beginnt ein neuer Beutezug.

Interessanterweise trägt der Hatter dann erstmals den 10/6-Hut des Hutmachers aus Alice im Wunderland, den bereits sein Vorgänger getragen hat. Dabei hatte Tetch sich vorher nie auf das Vorbild bezogen, nur der Name war gleich. Dann wechselt er die Kopfbedeckung gegen einen Feuerwehrhelm aus, der Feuer schießt. Dieser Hatter macht keine Gefangenen.

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Neuer Hut steht ihm gut: Mad Hatter. (DC Comics)

Beim zweiten Mal gibt es ein Gefecht in der „Hall of Sports“ mit riesigen Billard-Kugeln. Im Finale kandidiert Bruce Wayne scheinbar als Stadtverordneter, um Tetch anzulocken. Wie das? Damit die Schlagzeile aus der Floskelwolke lauten kann: „Wayne throws hat in political ring“ – da wird der Hatter nicht widerstehen können, beim Kampagnenauftakt aufzukreuzen.

Bei der Party werden Strohhüte verteilt, die Bruce nicht bestellt hat. Kurz darauf machen die Hüte sich selbständig, indem sie als Kreissägen durch die Luft fliegen, gesteuert vom Mad Hatter. Wie durch ein Wunder kommt dabei niemand zu Schaden, bis auf einen Polizisten, der am Arm verletzt wird. Was die Aktion soll, bleibt ohnehin schleierhaft, denn der Hatter will niemanden umbringen, sondern hat es nur auf Wertgegenstände abgesehen. Der Gesellschaft nur zu drohen wäre effektiver, als sie in Panik vor Killerhüten fliehen zu lassen.

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Hut ab vor dieser Hutabwehr: Batman mit Schrotflinte. (DC Comics)

Sei’s drum. Batman kann die Hüte mit einer Schrotflinte abwehren (ohne feuern zu müssen), der Hatter haut ab mit einem fliegenden Raketenzylinder, doch dann steuert Batman die Kreissägenhüte so, dass sie den Schurken zu Fall bringen. Als sich der Hatter am Ende mit einer Pistole wehren will, trifft der Schuss zufällig Robin.

Keine Sorge: Jason geht es bald wieder besser. In der nächsten Ausgabe bringt Batman ihn zu Leslie Thompkins und gibt sich die Schuld. Ein Grund für eine kleine Retrospektive. Hier wird dann Batmans Origin noch einmal in Kurzfassung nacherzählt – ergänzend zum Year One.

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Krieg um Gothams Unterwelt

DC Comics

Titel: Gotham Underground

Autor/Zeichner: Frank Tieri/Jim Calafiore

Erschienen: 2007-2008 (Miniserie #1-9), Paperback 2008


Nach dem Tod von Black Mask (Catwoman #52) entsteht ein Machtvakuum in Gothams Unterwelt – und das will schnell gefüllt werden. Der Pinguin gründet eine Allianz mit anderen klassischen Schurken wie Two-Face, Scarecrow, Mad Hatter und Hugo Strange, doch auch andere melden Ansprüche an wie der Gangster Tobias Whale (eine Art Kingpin-Klon mit Harpune) und Bruno Mannheim von Intergang. Da fällt die Suicide Squad mit Bane und Deadshot über die Iceberg Lounge her und nimmt bei der Gelegenheit auch Matches Malone fest, der daraufhin im Knast von Blackgate landet …

Für alle, die es nicht wissen: Matches Malone ist das andere Alter Ego von Bruce Wayne alias Batman. Das fällt im Knast aber niemandem auf. Dann wird auch noch Victor Zsasz auf ihn angesetzt, ihn zu töten.

Ihr merkt, worauf es hinausläuft: ein Bandenkrieg, jeder gegen jeden. Fast alle aus Batmans Schurkenriege tauchen mal auf und verschwinden wieder, wie etwa Scarface, Firefly, Killer Moth und Lockup sowie ein Haufen neuer Gesichter, die sich hier nicht einzuführen lohnt. Zu allem Überfluss spielt noch Spoiler verrückt. Es kommen ungute Erinnerungen an das öde War-Games-Event hoch.

Sinnlose Gewalt, absurder Höhepunkt

Gotham Underground hat durchaus ein paar spannende und gelungene Sequenzen. Mit den unzähligen Figuren wirkt das Ganze aber aufgeblasen und überfrachtet. Bei diesem Jeder-gegen-jeden ist es eigentlich einerlei, wer am Ende gewinnt, denn keiner dieser Schurken ist auch nur annähernd ein Sympathieträger. Es geht furchtbar brutal zu, die Geschichte ist voller sinnloser Gewalt. So hält man am ehesten noch zum Pinguin, aber eher noch aus Tradition und weil er noch am „nettesten“ scheint. Die Erkenntnis: Gotham ist mit seinen verrückten Schurken zwar übel dran, aber immer noch besser als mit Intergang und anderen Gangstern.

Völlig absurd wird es auf dem Höhepunkt: Als der Pinguin allein dasteht, trommelt er alle dahergelaufenen Leute zusammen, steckt sie in Kostüme klassischer Schurken und sie kommen gegen einen Haufen von Profikillern an. Warum einer etwa in einem Mister-Freeze-Anzug frieren muss, bleibt schleierhaft.

DC Comics

Das Spektakel ist immerhin optisch ansprechend inszeniert. Abgesehen von den üblichen Massenkeilereien gibt es einige starke Einfälle wie ein Kapitel mit Panels, die aussehen wie Puzzleteile und sogar eine erzählerische Funktion erfüllen. Doch ist die im Grunde dünne Geschichte auch ziemlich verschwenderisch gezeichnet, mit vielen großen Panels und wenig Text, eine halbe Ausgabe lang sieht man Batman den völlig unwichtigen Vigilante verprügeln – ein solches Superman-gegen-Doomsday-Ausmaß steht dieser öden Gewaltorgie nicht zu.

Immerhin lässt sich dadurch das Epos schnell lesen. Wer kurzweilige, anspruchslose Unterhaltung fürs Auge sucht, kommt auf seine Kosten. Aber wer es sich spart, verpasst auch nichts. Kein Wunder, dass diese Miniserie seit 2008 nicht neu aufgelegt wurde.

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Neue Comicserie: „The Jurassic League“

Batman mag bekanntlich Dinosaurier. Seit über 70 Jahren steht einer in der Batcave herum, Batman hat gegen mechanische und echte Dinos gekämpft und ist sogar auf einigen geritten. Und wer denkt, das war’s, damit ist der Dinosaurier-Wahnsinn auserzählt, der irrt. Denn immer wenn man meint, es geht nicht mehr bescheuerter, wird man eines Besseren belehrt.

Denn bald wird Batman selbst zum Dinosaurier. Zu einem Allosaurus, um genau zu sein. An der Seite von Superman, dem Brachiosaurus, und einer Triceratops-Wonder-Woman kämpft er für die Jurassic League gegen Darkseid und einen Joker-Dilophosaurus. Steinzeitmenschen gibt es auch. – Muss ich noch mehr sagen?

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Cover zu „Jurassic League“ (DC Comics)

Viel mehr gibt die Pressemitteilung von DC auch nicht her, außer dass uns Co-Autor und Zeichner Juan Gedeon versichert: „Jurassic League is all I want to draw: dinos and epic fights. My own version of a 90s cartoon or videogame. Expect a story about survival, unity and hope where the strong protect the weak in a world where danger lurks in every corner.“

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Joker und Batman in „Jurassic League“. (DC Comics)

Der andere Co-Autor ist übrigens Daniel Warren Johnson, der mit Wonder Woman: Dead Earth ein beachtliches Werk über eine postapokalyptische Amazone hingelegt hat. Vielleicht wird es dann nicht ganz so verrückt, wie es klingt.

Die erste Ausgabe von The Jurassic League soll am 10. Mai 2022 erscheinen und 3,99 US-Dollar kosten. Fünf weitere sollen folgen.

Aber trotzdem bleibt die Frage: Warum eigentlich? Was soll das? Die Antwort liegt nahe: Ich schätze, es liegt daran, dass im Juni Jurassic World: Dominion in die Kinos kommt und DC auch ein Stück vom Dino-Hype haben will.

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