Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Fanboy Bruce Wayne

Beware the Gray Ghost

Titel: Beware the Gray Ghost

Regie/Drehbuch: Boyd Kirkland/Dennis O’Flaherty & Tom Ruegger (Story), Garin Wolf & Tom Ruegger (Teleplay)

Erschienen: 1992 (The Animated Series S01E18)


Nicht Zorro hat Bruce Wayne dazu inspiriert, ein maskierter Vigilant zu werden, sondern der Gray Ghost (dt. das Graue Phantom). Nie gehört? Dabei war er für den jungen Bruce der Serienheld schlechthin. (Jedenfalls im Animated-Universe.) Ein cooler Typ mit Hut, Umhang und einer seltsamen Brille, der Schurken wie dem Mad Bomber das Handwerk legt. Begeistert verfolgte Bruce die Sendung zusammen mit seinem Vater. Jahre später, terrorisiert ein Unbekannter, der sich ebenfalls Mad Bomber nennt, Gotham City.

Der junge Bruce als Gray Ghost-Fan

Da fällt Batman die Serie seiner Jugend ein, doch als er sie im Archiv einsehen will, ist sie verschollen. Also sucht er den ehemaligen Gray Ghost-Schauspieler Simon Trent auf, um ihn um Hilfe zu bitten. Der Alte ist jedoch arbeitslos, finanziell ruiniert und ohne Selbstvertrauen. Es braucht einige Überredungskunst, bis sich Trent darauf einlässt, ein echter Verbrechensbekämpfer zu werden – selbstverständlich im Gray Ghost-Kostüm.

Autogrammstunde.

Diese Folge ist in vielerlei Hinsicht interessant wie liebenswürdig. Zum einen ist da der Aspekt der Hommage an die den Pulp-Fiction-Helden  The Shadow, der als Vorbild für Batman diente. Der Stil der alten Serials wird mustergültig aufgegriffen und mit der Zeichentrickserie enggeführt. Zum anderen bekommt der Charakter Bruce Wayne Tiefe verliehen, indem wir ihn als begeistertes Fernseh-Kind erleben und auch später als einen wahren Fanboy, der sich in der Bathöhle einen Schrank mit Gray Ghost-Merchandise einrichtet.

Schließlich wird Wayne sogar zum Wohltäter für den Schauspieler Trent, indem er ihn am Ende wieder dem Publikum in Erinnerung ruft und zu einer zweiten Karriere verhilft. Kurzum: Eine perfekte Episode, in der am deutlichsten wird, wie viel Nostalgie in dieser Serie mitschwingt.

>> Liste der Batman-TAS-Episoden

Thrillkiller: Batman zurück in den 60ern

Batman: Thrillkiller

Titel: Thrillkiller/Thrillkiller ’62

Autor/Zeichner: Howard Chaykin/Dan Brereton

Erschienen: 1997/1998 (#1-3, One-shot), dt. Carlsen 1999


Was wäre, wenn … es zuerst Batgirl und Robin gegeben hätte, Bruce Wayne nur Detective bei der Polizei wäre und der Joker eine Frau? Davon geht Thrillkiller aus. Die vierteilige Elseworlds-Story spielt in den Jahren 1961 bis 1962. Das dynamische Duo mischt „knüppelschwingende Bullen“ auf, die gegen Studentenproteste vorgehen, legen sich aber auch mit der Unterwelt und korrupten an – wogegen aber Papa Gordon bei der Polizei vorgehen muss.

Wir sehen, wie Bruce Wayne zu Batman wird, einer ambigen moralisierenden Figur, die einerseits protestierende Studenten in die Bibliothek verdonnert und andererseits der Polizei den Rat gibt, sich nicht wie die Gestapo zu verhalten. Das war’s aber auch schon in Sachen Charaktertiefe. Robin, der eine bemüht europäische Herkunft erhält („Richard Graustark“?!), wird zum größten Waschlappen der Story; einzig sein Kostüm mit der College-Jacke überzeugt. Dass Barbara Gordon zur Batgirl geworden ist, nachdem sie ihre Mutter in einer fledermausförmigen Blutlache hat sterben sehen, wirkt ebenso konstruiert wie die Erklärung, warum sie Wayne Manor bewohnen darf.

Bei Elseworlds-Geschichten geht es um Verschiebungen. Doch mehr als eine Rochade bietet Thrillkiller nicht. Die Story bleibt flach, konzentriert sich eher auf Liebeleien zwischen den Hauptcharakteren und wird durch sprunghaftes, allzu übereiltes Erzählen nicht besser. Einige Motive der Figuren bleiben unklar, wie etwa warum Batgirl ihr Kostüm ablegt, aber dann zu Robin wird oder warum „Harley Quinn“ eine Mörderin ist. Der blumige Stil der Erzählstimme nervt, die melodramatischen Dialoge heben das Niveau nicht über den Durchschnitt. Die unbeholfene deutsche Übersetzung tut dem Text keinen Gefallen.

Das größte Plus sind die gemalten Panels von Dan Brereton, der sich eines knallbunten, expressionischen Stils bedient. Allerdings wirken seine Figuren oft steif und gleichförmig. Die Gesichter der Figuren sind so ähnlich (Stichwort: Schmollmünder), dass sie meist nur an ihren Haaren oder ihrer Kleidung zu unterscheiden sind. Bei Frauen scheinen nur Oberweite und Dekolleté zu zählen. Naja, immerhin ein paar Hingucker …

Dafür hätte es den Sprung in die 60er wirklich nicht gebraucht.

(Übrigens verließ Elvis die Army bereits 1960 und nicht, wie behauptet wird, 1961.)

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Die Freuden des Freudianers

The Batman of Arkham

Titel: The Batman of Arkham

Autor/Zeichner: Alan Grant/Alcatena

Erschienen: 2000 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne im Jahr 1900 Psychiater und Leiter von Arkham Asylum wäre?

Dann wäre er ein Freudianer, Philanthrop und natürlich auch Batman. In Alan Grants Elseworlds-Story erscheint Wayne als fortschrittlicher Arzt, der – anders als zu der Zeit üblich – seine Patienten nicht wegsperrt und unterdrückt, sondern zu heilen versucht. Bei Killer Croc hat das offenbar funktioniert, nun versucht Wayne sein Glück auch mit Poison Ivy, dem Bauchredner und Two-Face. Die Frage, die ihn dabei beschäftigt ist, was Menschen zu Mördern macht. Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Wie üblich vertritt der Joker die steilste These: „The whole world is a death factory! Sooner or later, everybody dies … What matter if I hasten things along? Some might say I’m doing everybody a favor!“ Gesagt, getan. Der Joker tyrannisiert die Stadt mit seinem berüchtigten Lachgas. Als Batman eine Dosis abbekommt, kann er das Lachen nicht lassen und wird selbst Patient in Arkham. Dort übernimmt Dr. Crane die Leitung, was einer Schreckensherrschaft gleichkommt. Crane macht allen Fortschritt Waynes zunichte, er glaubt an die Macht der Angst. Nicht von ungefähr hat er den Schatten einer Vogelscheuche …

Wie so häufig bei Alan Grant ist auch diese Story voller Grübeleien über Gott und die Welt: „Gotham has always been synonymous with insanity“, sinniert Wayne. „The city has always carried the taint of madness. Is it someting in the water, perhaps … or even in the air itself?“ Für Two-Face ist die Ursache globaler Natur: „The world is an irrational place, doctor. Men fight wars, burn cities, torture each other. How can a product of this madness ever make a rational decision?“

Das gerade einmal 48 Seiten umfassende Buch ist vor allem formal interessant, nicht nur wegen der schön düsteren Zeichnungen von Alcatena, sondern auch weil die Panels in Jugendstil-Ornamenten untergebracht sind. Batman ist in einem Kostüm unterwegs, das an das von 1939 erinnert. Außerdem gibt es eine schöne Variation des Elternmordes – er findet bei einer Zirkusvorstellung statt, in der gerade Clowns das Publikum zum Lachen bringen … Man kann jedes Trauma noch steigern.

Weitere Arkham-Storys:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman in der Zwangsjacke

The Last Arkham

Titel: The Last Arkham (dt. Wahnsinn in Arkham)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (Shadow of the Bat #1-4), Paperback 1995; dt. 1997 (Ehapa)


Der gefährlichste Insasse des Arkham Asylum, so sagt es uns der Anstaltsleiter persönlich, –  ist Batman. Zu lange habe er sich am Abgrund bewegt, eines Tages sei er abgestürzt. Ein Mord soll ihn hergebracht haben. „Du bist jetzt hier zu Hause“, sagt Jeremiah Arkham zu einem angeketteten Batman. Wie er dort hingekommen ist? Auf der Jagd nach einem Serienmörder ist Batman selbst zum Mörder geworden. Comissioner Gordon überwältigte ihn und ließ ihn in Arkham einliefern. Dort muss der Held nicht nur einen Weg hinaus finden, sondern auch den Fall lösen.

Der mutmaßliche Killer ist Zsasz, der Typ, der seine Opfer mit Narben am eigenen Körper zählt, und der hier seinen ersten Auftritt hat. Der eigentliche Hauptgegner der Geschicht ist jedoch Jeremiah Arkahm, der zweifelhafte Ansichten und Methoden vertritt sowie es wegen seiner Verstocktheit an Kooperationsbereitschaft vermissen lässt. Daneben darf sich Batman auch gegen ein All-Star-Aufgebot der Arkham-Insassen prügeln, was ihm aber auffällig leicht gelingt …

Norm Breyfogle gehört zwar zu den besseren Zeichnern, doch man hat schon bessere Leistungen von ihm gesehen. Zuweilen wirken seine Figuren zu sehr hingeworfen als fein herausgearbeitet; die plumpe Farbgebung ist nicht gerade ein Genuss, aber der Mode der Zeit geschuldet. Die Story selbst hat ihre Schwächen: Batmans Einlieferung ist zwar ein toller Aufhänger, aber lässt es an Logik vermissen. Die Erklärung, warum der Held in Arkham seine Maske aufbehalten darf und folglich anonym bleibt, hinkt ziemlich. Die größte Stärke bleibt die Ausarbeitung der Figur Jeremiah Arkham, der am Ende die Welt – und vor allem sich selbst – mit anderen Augen sieht.

Batman: Dreams in Darkness

Interessanterweise erschien im selben Jahr eine Episode der Batman-Zeichentrickserie (S01E28, „Dreams in Darkness“), in der es ebenfalls darum geht, dass Batman Patient in Arkham ist. Dort ist er allerdings wirklich dem Wahnsinn nah, weil er ein halluzinogenes Gas von Scarecrow (dem „Panikmacher“) eingeatmet hat. Verglichen mit The Last Arkham erzählt diese Episode die bessere Geschichte.

Weitere Arkham-Storys:

Batman am Boden

Batman: I Am The Night

Titel: I Am The Night

Regie/Drebuch: Boyd Kirkland/Michael Reaves

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E49)


„Mit einem müden Körper wird man schon fertig. Aber ein müder Geist ist etwas anderes.“

Batman: I Am The NightBatman ist deprimiert. Grübelnd hockt er in seiner Höhle, ist müde, isst nichts mehr. „Manchmal frage ich mich, Alter Freund, ob meine Arbeit überhaupt irgendeinen Sinn hat“, sagt er zu Alfred. Er habe bloß ein paar Brände gelöscht, ein paar Schlachten gewonnen, aber der Kampf gehe immer weiter. So viel Selbstzweifel, so viel Niedergeschlagenheit sieht man bei Batman selten – besonders in der Animationsserie. In dieser Folge erscheint der Superheld jedoch am schwächsten.

 

Batman: I Am The NightNachdem bei einem Polizei-Einsatz gegen den „Jazz-Man“ sich James Gordon eine Kugel einfängt und auf der Intensivstation landet, macht sich Batman Vorwürfe, das Unglück nicht verhindert und vielleicht sogar befördert zu haben. „Wie viele gute Taten kann ich denn schon für mich verbuchen?“, fragt er im Gespräch mit Dick Grayson. „Man verkauft T-Shirts von mir. Ich bin ein wandelndes Klischee geworden. Wie hoch ist denn schon mein Einsatz gegen das Verbrechen?“ Diese T-Shirts und anderes Merchandising werden zuvor in der Folge gezeigt. Batman ist auch in seiner Welt ein Mythos und ein Pop-Phänomen.

Batman: I Am The Night

Batman plagen Zweifel, ob sein Weg der richtige ist und ob er ein anderes Leben führen sollte. Da er Angst hat, mehr Schaden anzurichten als Gutes zu tun, wirft er an seinem Tiefpunkt seine Maske weg. „Wenn man zu lang in den Abgrund blickt, wird man magisch hinuntergezogen.“ Natürlich schafft er es doch, sich zu überwinden. Nicht zuletzt, weil ihn Robin an seine Prinzipien erinnert. Am Ende rettet er nicht nur Gordon vor einem Attentat, sondern erkennt auch, dass er es auch anderen ermöglicht, ein besseres Leben anzufangen.

Den Serienmachern ist diese Episode nicht hoch genug anzurechnen. Sie beweisen Mut zur Melancholie und legen damit einen der besten Beweise dafür vor, dass diese Serie nicht (nur) etwas für Kinder ist.

Batman: I Am The Night>> Liste der Batman-TAS-Episoden

Batman versus Bruce Wayne

Batman: Ego

Titel: Batman: Ego

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2000 (One-shot), Reprint 2007/2008/2017 (Batman: Ego & Other Tails)


„Tell me, Batman, is it true you’re just an underdone potatoe?“ (Bruce Wayne)

Nachdem Batman den Joker wieder einmal besiegt hat, muss er mitansehen, wie der Handlanger sich aus Angst vor Rache erschießt. Der Held gerät in Selbstzweifel und fragt sich, ob er nicht selbst verrückt sei. Als Bruce Wayne erscheint ihm plötzlich eine bösartige Batman-Gestalt, sein Alter Ego, lässt sich von ihm in ein Selbstgespräch verwickeln und – wie einer der drei Weihnachtsgeister – mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren.

Der Held muss sich einige unangenehme Fragen gefallen lassen, die tief an seinem Innersten rühren. Etwa, warum er den Joker leben und dadurch immer mehr Morde zulässt. Oder was an seinem öden Leben als Bruce Wayne sich Leben nennen darf. Schließlich bietet ihm sein Alter Ego an, seine Persönlichkeit so zu spalten wie Two-Face, sodass Bruce Wayne nicht mehr verantwortlich ist für Batmans Taten und so beide frei sein können …

Darwyn Cooke hat zunächst als Storyboard-Zeichner für die Animated Series von Batman und Superman gearbeitet – und das merkt man. Sein schlichter Zeichenstil erinnert stark an den der Serien, vor allem an die Zeichnungen von Bruce Timm (Mad Love) und Scott Beatty (Robin: Year One). Sein cineastischer Erzählstil könnte gut für eine Verfilmung geeignet sein. Dann allerdings ginge der Reiz des Comics verloren. Ein bemerkenswertes Buch, das wegen seiner intimen Introspektion zu den intensivsten Batman-Comics gehört.

>> Batman 2000-2011

The Cult: Herrschaft des Untergrunds

DC Comics

Titel: The Cult (dt. Der Kult)

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Bernie Wrightson

Erschienen: 1988 (Mini-Serie #1-4), Paperback 1991/Deluxe Edition 2024; dt. Hethke 1989, Panini 2022 (Deluxe Edition)


 „There’s nothing we can do to help Gotham. It’s all over. We’ve lost.“ (Batman)

Fast zehn Jahre lang hat Batman gegen die übelsten Verbrecher und Psychos gekämpft und immer gesiegt – er schien unbesiegbar. Doch dann kommen ein paar buchstäbliche Penner dahergelaufen, überwältigen ihn, nehmen ihn in der Kanalisation gefangen. Und ihr Anführer Deacon Blackfire, ein selbsternannter Messias, schafft es, Batman mit Folter und Drogen zu brechen. Schlechte Aussichten. Während Batman da unten halluziniert und zum Ein-Personen-Kult bekehrt wird, übernehmen die Penner eine Schreckensherrschaft über Gotham. Brutal schlachten sie zunächst alle Verbrecher ab, dann alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Gotham wird evakuiert, selbst die Army wirkt machtlos. Und obwohl Batman es schafft, sich zu befreien, gibt auch er seine Stadt auf …

DC Comics

The Cult zeigt uns einen schwachen Batman. Sein Gesicht sieht meist aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen, er hat Angst zu kämpfen, kurzum: der Held ist hier mehr denn je ein Waschlappen. Selbst der lahme Robin II wirkt dagegen, als stünde ihm das Fledermauskostüm besser. Einerseits nervt das, andererseits sind es Batmans Albträume und Halluzinationen, die die stärksten Eindrücke hinterlassen. Zeichner Bernie Wrightson und Kolorist Bill Wray schaffen es, ein Gefühl von Bedrückung und Horror zu vermitteln. Kunstvolle Einfälle wie ‚zerbrechende‘ Panels verstärken den Effekt. Besonders gelungen sind die gemalten Cover der ersten beiden Einzelausgaben, auf denen Batman in Details nur angedeutet wird.

Autor Jim Starlin hat eine der brutalsten Batman-Stories geschrieben, doch die Gewalt bleibt nicht Selbstzweck. Sie führt Batman an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Da dieser Aspekt der stärkste an der Geschichte ist, sei ihr auch verziehen, dass sie im Finale ziemlich abflacht. (Dass er am Ende wieder zur Pistole greift, wird – anders als in Year Two – leider nicht problematisiert.)

Cover zu The Cult: Deluxe Edition 2024 und Paperback 1991. (DC Comics)

Starlin bietet in seinem Vorwort an, The Cult als eine Allegorie auf die Lobby der Moralapostel lesen könnte, die in den USA gegen Superheldencomics und andere unliebsame Kunstformen vorgehen – eine Rückkehr zu den Anfängen des Comics Codes. Erschreckend, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass man mit Zensur, Verboten und der Vernichtung von Kulturgütern etwas Gutes tun kann. Im Gegenteil: Ein Buch wie The Cult verdient es jedenfalls, wieder neu aufgelegt zu werden.

>> Batman 1980-1989


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Batmans zweites Jahr – mit Knarre

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Titel: Year Two – Fear the Reaper/Full Circle

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Todd McFarlane

Erschienen: 1987 (Detective Comics #575-578)/1990 (One-shot) (Paperback 2002)


Batman war nicht der erste Rächer von Gotham City. 20 Jahre vor ihm machte der Reaper die Straßen unsicher, ein Kerl mit roter Rüstung, Totenkopfmaske und Sicheln an den Händen. Dieser „Sensenmann“ brachte den Tod, metzelte alle – Gauner wie Prostituierte – ohne Unterschied nieder. Nun, in Batmans zweitem Dienstjahr, kehrt er wieder zurück. Klar, dass die Fledermaus mit diesen Methoden seine Probleme hat. Doch bei der ersten Konfrontation zwischen den beiden Rächern bekommt Batman eine derartige Abreibung, dass er beschließt, zu härteren Mitteln zu greifen: der Pistole, die seine Eltern getötet hat.

Dieser Tabubruch kommt etwas plötzlich und es ist auch nicht ganz klar, warum es nötig ist, so weit zu gehen. Zumal Batman sie kaum benutzt, und dass auch nur so selten wie möglich, etwa um Gegner zu entwaffnen oder um Gordon seine Pistole aus der Hand zu schießen (was etwas sinnfrei ist, weil beide in dieser Situation dasselbe wollen, nämlich den Reaper zu überführen). Auf die Reaper zu schießen ist übrigens sinnlos, da ihn die Rüstung schützt. Konsequenz geht anders. Aber es kommt noch dicker: Da auch die Unterwelt ein Interesse daran hat, den Hardliner mit den Sichelhänden loszuwerden, verbünden sich die Gangster mit Batman und stellen ihm einen Profikiller zur Seite: Joe Chill, den Mörder seiner Eltern.

(mehr …)

Feindliche Übernahme

Detective Comics: Emperor Penguin

Titel: Emperor Penguin (Detective Comics Vol. 3 (The New 52)), (dt. Der Herrscher von Gotham)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok (u.a.)

Erschienen: 2012-2013 (Detective Comics #13-18), Hardcover 2013; dt. Panini 2014 (Paperback, enthält Detective Comics #13-17)


Seit dem Reboot bei DC hat es einige Personalwechsel gegeben: Nach dem ersten Detective Comics Annual hat Autor und Zeichner Tony Daniel die Serie verlassen, um bei Action Comics auszuhelfen. Ab Ausgabe 13 hat John Layman die Autorschaft übernommen, Jason Fabok die Zeichnungen. Um einen Führungswechsel geht es auch in der ersten Storyline des neuen Teams: Der Pinguin wird von einem seiner Handlanger ausgebootet. Nun nennt sich irgendein dahergelaufener B-Gauner „Emperor Penguin“, obwohl er überhaupt nichts von einem flugunfähigen Wasservogel hat.

Aber eins nach dem anderen: Gleich zu Beginn beweist Layman Humor, indem er Batman darüber sinnieren lässt, dass er sich nicht schlecht fühlen müsse, wenn er nachts Menschen die Zähne ausschlage und die Beine breche. Immerhin hat er als Bruce Wayne beachtliche Summen für Chirurgen gespendet. Leider macht die Story den schönen Einstand mit fehlender Logik zunichte. Der Pinguin gibt einen Mord an Bruce Wayne in Auftrag, weil er die Kinderabteilung eines Krankenhauses nach seiner eigenen Mutter statt nach Martha Wayne benennen möchte. Das ist doch arg übertrieben angesichts eines Problems, das der Pinguin mit einem Koffer voll Geld löst. Dieser Gedanke kommt ihm dann auch, nur ist es dann für einen Rückruf zu spät und Bruce Wayne muss selbst gegen die Attentäter kämpfen. Einem klugen Kopf wie dem Pinguin wäre so ein Humbug sonst nicht zuzutrauen.

Im weiteren Verlauf sehen wir Poison Ivy, die Ökoterrorismus gegen den Pinguin betreibt und nebenbei Clayface das Herz bricht. Dann wird die Story unterbrochen von einem Einschub im Rahmen von Death of the Family. Dabei wird deutlich, dass der Joker viele Nachahmer hat, die in verschiedenen Banden durch die Stadt ziehen und in seinem Namen Verbrechen begehen. Der Abschluss des ersten Bandes kommt abrupt: Der Handlanger Ogilvy, der den roten Faden dieser Geschichte bildet, übernimmt plötzlich die Herrschaft, sperrt seinen Arbeitgeber aus und sorgt durch eine Intrige dafür, dass er festgenommen wird. Auch wenn man diesen neuen Kerl ständig gegen den Pinguin intrigieren sieht, scheint die Machtübernahme zu einfach zu gehen.

Zu loben ist Jason Faboks realistischer, klarer Zeichenstil, der seinen Figuren sehr lebendig erscheinen lässt. Bereits bei Mr. Freeze’s Entstehungsgeschichte im Batman Annual #1 ist Fabok positiv aufgefallen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Tony Daniel, könnte man seine Striche auch als etwas zu brav tadeln.

>> Batman 2011-2019

Batman: Death of the Family

DC Comics/Panini

Deutscher Titel: Der Tod der Familie

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock

Erschienen: 2012 (Batman #13-17, Detective Comics #16-17 (The New 52)), dt. Panini 2013 (Batman #15-19), Paperback 2015


„… the ugly truth of it, kiddies, is that deep down, beneath it all … Batman loves me more than he loves you.“ (Joker)

Er ist wieder da: Ein Jahr nachdem sich der Joker vom Dollmaker hat das Gesicht abschneiden lassen, kehrt der Clown zurück, um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Batman und Co. zu führen. Die Geschichte beginnt stark: Kaum, dass Bullock seinem Chef Gordon von bösen Omen erzählt, die auf ein großes Unglück hinweisen, gibt es auf der Polizeiwache Stromausfall, der Joker bricht ein und während Gordon mit seinen Leuten buchstäblich im Dunkeln tappt, geht der Joker herum und bricht einzelnen Beamten das Genick. Kurz darauf geht das Licht an, Batman erscheint – und das Joker-Gesicht ist aus der Asservatenkammer verschwunden.

Was der Joker vorhat, ist lange Zeit nicht klar: Er reinszeniert seine ersten Aktionen wie die angekündigten Morde, übertrifft sich dabei selbst an Grausamkeit und Unberechenbarkeit, aber er entführt auch Alfred Pennyworth. Abgesehen von der üblichen Katz-und-Maus-Jagd, die der Joker mit Batman spielt, muss sich der Held die quälende Frage stellen, ob der Clown dessen wahre Identität kennt. Für den Joker ist das alles eine große Abrechnung mit seinem Rivalen, er will ihm vorführen, wie es wirklich um ihr Verhältnis steht und wer seine wahre Familie ist.

In der Wiederholungsfalle

Wieder einmal versteht es Autor Scott Snyder, seine Story packend zu erzählen. Schon allein die erste Seite ist großartig: Gotham in einer Regennacht, ein Lieferwagen am Steg vor dem Gotham River, die roten Lichter gehen an, er setzt zurück und fährt der Stadt entgegen, das Ortsschild spiegelt sich in der Windschutzscheibe, wir wissen nicht, wer drin sitzt – und doch ahnen wir es. Wie schon bei The Court/The City of Owls überraschen auch hier viele unerwartete Wendungen, die das Motiv des Jokers bis zuletzt offen halten. Das Finale ist ähnlich schaurig wie die Labyrinth-Sequenz bei The Court of Owls, nur dass hier Arkham zur Kulisse für den Wahnsinn wird. Zeichner Greg Capullo wird dieses Mal unterstützt von Jock, der mit seinen unruhigen Strichen schon verstörende Bilder für The Black Mirror geschaffen hat.

Bei aller Kreativität, die man von Autor Scott Snyder sonst kennt, steckt er hier jedoch in der Wiederholungsfalle: Die ganze Geschichte ist gespickt mit Zitaten der Batman-Tradition, von The Killing Joke über The Man Who Laughs (bzw. Batman #1 von 1940) bis hin zum titelgebenden A Death in the Family. Es gibt einen Auftritt als Red Hood im ACE-Chemiewerk, es gibt eine Szene an Gothams Wasserreservoir und es gibt auch eine Anspielung auf das Töten eines Rotkehlchens mit einem Breicheisen … Hier zeigt sich die Schizophrenie des Reboots: Einerseits will man Fans bedienen, andererseits Neueinsteiger gewinnen. Doch mit all den Anspielungen wird deutlich, dass ein Neubeginn nicht möglich ist, wenn 25 Jahre Comic-Geschichte vorausgesetzt werden. Dies ist kein Reboot, denn offenbar behalten die alten Geschichten nach wie vor ihre Gültigkeit. Andererseits frage ich mich, ob Fans nicht eher gelangweilt als erfreut darüber sein könnten, dass hier nichts Neues erzählt wird.

Der Joker als Spieler

Immerhin gelingt es Snyder beim Finale in Arkham, ein neues Szenario zu schaffen – auch wenn er sich im Prinzip bei Grant Morrisons Arkham Asylum (1989) bedient. Hier wie da wird Batman vom Joker in das Tollhaus geführt, begegnet der Reihe nach seinen alten Gegnern und muss sich vom Joker anhören, dass sie seine eigentliche Familie sind. Und damit rührt der Erzschurke am wichtigsten Thema: Batman braucht seine Gegner mehr als seine „Familie“. Dem Leser leuchtet das ein. Und es gibt zu bedenken, ob drei Robins und ein Batgirl wirklich nötig sind …

Snyder schafft es bei aller Wiederholung dem Joker drei neue Aspekte abzugewinnen. Erstens spielt der Joker die Rolle des Hofnarrs, der Batman die bittere Wahrheit zuträgt. Zweitens ist er ein Spieler, der das Spiel um seiner selbst Willen treibt und dem es egal ist, wer hinter Batmans Maske steckt, weil die Maske zum Spiel gehört – ebenso wie Jokers Gesicht. (Allerdings deutet das auch schon Grant Morrison an …) Drittens – und das ist das Wichtigste – erscheinen Batman und Joker nicht wie Antipoden, sondern wie Gleichgesinnte, Seelenverwandte, also wie zwei Seiten einer Medaille. Nicht nur das Symbol des zweiköpfigen Löwenbabys zeigt das, auch Harley Quinn spricht es explizit aus, als Batman im Chemietank feststeckt: „Maybe you’ll be the next one. Like I always thought you would. Maybe you’ll come back like he used to be, back then … beautiful.“ Batman als der neue Joker? Am Ende ist es sogar die ganze Bat-Familie, der der Joker wenigstens für kurze Zeit seine Fratze aufsetzt.

Ein großes Lesevergnügen

Warum sich der Joker hat sein Gesicht abschneiden lassen, bleibt jedoch bis zum Schluss offen. Vielleicht weil so das Gesicht zur Maske wird, im Gegensatz zu Batman, dessen Maske das Gesicht ist. Vielleicht ist es aber auch trivialer: Weil er der Joker ist, weil er verrückt ist – und um der furchteinflößenden Figur noch mehr Schrecken abzugewinnen. Damit am Ende nur noch ein faulender Lappen Fleisch an seinen Kopf getackert ist, den die Fliegen umkreisen. Das ist so drastisch, dass ich mich frage, wie man das noch steigern will. Aber vielleicht muss es das auch nicht. Zu kritisieren ist allerdings, dass der Joker nicht den Mitgliedern der Familie ihre Gesichter abgeschnitten hat, sondern die Tat nur inszeniert. Das erscheint angesichts seiner sonstigen Skrupellosigkeit inkonsequent. Aber offenbar wollten die Autoren so viel Grausamkeit den Helden gegenüber ihren Lesern nicht zumuten.

Trotz aller Kritik ist Death of the Family ein großes Lesevergnügen. Nur die Einbindung von Detective Comics, wo es um die Nacheiferer des Jokers geht, hätte man sich sparen können. Besser ist es, nicht der chronologischen Ordnung zu folgen, sondern den dritten Batman-Band am Stück zu lesen. Wer alle Stücke der Story haben will, dem sei zusätzlich der Sammelband Joker: Death of the Family empfohlen.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

Gefällt dir dieser Beitrag? Was ist er dir wert? Lass es mich wissen und hilf mir, die Kosten für diese Seite zu decken (8 Euro im Monat, 96 Euro pro Jahr). Vielen Dank.

€1,00