Wonder Woman

Big Brother Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman: Red Son (dt. Genosse Superman)

Autor/Zeichner: Mark Millar/Dave Johnson, Kilian Plunkett

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3), dt. Panini 2014


„I offered them utopia, but they fought for the right to live in hell.“ (Superman)

Was wäre wenn Supermans Rakete in der Sowjetunion gelandet wäre? Dann stünde er nicht für jedenfalls nicht mehr für den American Way. Autor Mark Millar hat die wohl kühnste Vision von Superman geschaffen: der ur-amerikanischte Held (neben Captain America) als Kommunist. Der Blaue als Roter. Eine Provokation. Aber nicht bloß eine weitere Dystopie, die irgendwann hätte geschrieben werden müssen, sondern auch eine Story, die wunderbar funktioniert.

Millar hat nicht nur eine Elseworlds-Geschichte geschrieben, sondern auch eine alternative Geschichte. Superman dient zunächst Josef Stalin und übernimmt nach dessen Tod die Führung der Sowjetunion. Obwohl der Bauernsohn sich zunächst gegen Politik sträubt, wird er zum totalitären Despoten. Die Welt wird nach und nach kommunistisch, die USA sind gegen Superman machtlos, bleiben isoliert, spalten sich, leiden unter Armut und Bürgerkrieg. 1963 wird Präsident Richard Nixon erschossen, John F. Kennedy wird sein Nachfolger und treibt das Land weiter in den Ruin, weil er sich mehr für seine Liebschaft zu Norma Jean interessiert.

Der einzige, der den Durchblick hat, ist Lex Luthor. Der geniale Wissenschaftler, der gleichzeitig mehrere Schachturniere spielt und Urdu lernt, um sein Gehirn bei Laune zu halten, hasst Superman auch in dieser alternativen Welt und arbeitet sich jahrzehntelang daran ab, den Diktator auszuschalten – aber gegen die Übermacht ist er erfolglos. Schließlich verbündet er sich mit Wonder Woman und Green Lantern. Parallel regt sich Widerstand in Russland: Batman bekämpft das System als Guerilla mit Pelzmütze und tritt schließlich auch direkt gegen Superman an.

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Batman mit Pelzmütze vermöbelt Superman. (DC Comics)

Big Brother Superman ist alles andere als böse. Auch wenn er für eine andere Ideologie eintritt, bleibt er doch seinen Idealen treu, eine bessere Welt zu schaffen. Allerdings mit zweifelhaften Mitteln, wie etwa totaler Überwachung und der Verwandlung von Aufsässigen in gehorsame Halbroboter. Der Wohlstand der Welt scheint ihm recht zu geben, aber mit den Jahren zweifelt er immer mehr daran, ob seine Herrschaft moralisch tragbar ist. Dieser Konflikt gibt ihm die nötige Komplexität und hält das Interesse an der Figur bis zum Schluss aufrecht.

Red Son ist ein Comic, das alles aufbietet, was man sich wünschen kann: Starke Charaktere, viel Fantasie und Zitate der Superman-Mythologie. Obwohl die Zeichner gängige Motive der Superman-Ikonografie bedienen (z. B. die üblichen Cover von Action Comics #1 und Superman #1), werden die Zeichnungen dem hohen Niveau der Story leider nicht ganz gerecht.

Dafür ist das Ende der Story so grandios, dass man diesem runden Meisterwerk nur applaudieren kann.

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Coverwahn #10

DC Comics

Frank Miller: Dark Knight III #2 (DC Comics)

Der Coverwahn für Dark Knight III: The Master Race ist noch lange nicht am Ende. Denn während die Liste der Variant Cover für Heft eins vollständig ist, folgen jetzt die Titelbilder für Heft zwei (insgesamt werden es acht Ausgaben sein, mit jeweils einem Mini-Comic). Wieder einmal hat Frank Miller einen ziemlich übel mitgenommenen Batman beigetragen: blutend im Regen, eingehüllt in sein Cape. Zwei Werke stammen von Eduardo Risso: eines zeigt Batman als Fassadenkletterer in schwarz-weiß, das andere eine Wonder Woman in Schatten und Hotpants gekleidet, letzteres ist das Cover zu ihrem Mini-Comic (das erste ist Atom gewidmet). Schließlich sehen wir noch ein Variant von Cliff Chiang, das Batman und Robin in einer ähnlichen Situation zeigt wie Jim Lee sie bereits dargestellt hat: nach dem Kampf mit dem Joker in Teil eins.

Darüber hinaus hat DC drei neue Seiten aus Dark Knight III #1 veröffentlicht – sogar in Farbe. Über die Handlung erfährt man daraus nicht viel, aber die Panels können sich sehen lassen.

>> Alle bisherigen Variant Cover zu DK III.

Infinite Crisis: Die beste aller möglichen Welten

DC Comics

DC Comics

Titel: Infinite Crisis

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Phil Jimenez

Erschienen: 2005-2006 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2006), dt. Panini 2007 (Paperback)


„This corrupted and darkened earth must be forgotten as ours was … so that the right earth can return.“ (Superman von Erde zwei)

„I still can’t tell the heroes from the villains.“ (Superboy Prime)

Der Wachturm der Justice League ist zerstört, Wonder Woman hat den Schurken Maxwell Lord vor laufenden Kameras hingerichtet, Batmans Überwachungssatellit Brother Eye läuft aus dem Ruder, Scharen böser OMAC-Roboter greifen an, Superschurken vereinigen sich und stiften Chaos, im Universum tobt ein Krieg zwischen Rann und Thanagar, bei dem auch das Green Lantern Corps mitmischt. Und dann kommen auch noch fast vergessene Helden zurück: der alte Superman von Erde zwei, Superboy Prime und Alexander Luthor – die drei Relikte der Crisis on Infinite Earths. Sie wollen das Multiversum wiederherstellen, um eine bessere Erde zu erschaffen. Und dafür sind sie bereit, große Opfer zu bringen.

Infinite Crisis ist die Fortsetzung der ersten Crisis und macht genau da weiter, wo die Story 1985 endet. Einerseits. Andererseits ist auch unmittelbar davor viel passiert: Insgesamt ein One-Shot und fünf Mini-Serien muss man lesen, um hier ganz durchzusteigen (Countdown to Infinite Crisis, The OMAC Project, Rann–Thanagar War, Day of Vengeance, Villains United, DC Special: The Return of Donna Troy), ganz zu schweigen von den unzähligen Tie-ins (die Omnibus-Edition umfasst über 1100 Seiten). Wer die Mühe scheut, könnte beim Lesen des Haupt-Events schnell frustriert sein. Man wird als naiver Leser zu sehr ins kalte Wasser geworfen, manche wichtigen Ereignisse aus der ersten Crisis werden nacherzählt, anderes wird nur angedeutet, vieles muss man sich zusammenreimen und auch sonst ist das Problem, wie typisch bei solchen Mega-Events, dass auf den Seiten einfach zu viel los ist. Zu viele Figuren, zu viele Wimmelbilder voller Schlachten, zuweilen versteht man nicht mal, wo sich die Story befindet oder was in den jeweiligen Panels passiert. (Allerdings werden immerhin ein paar Ereignisse aus Under the Hood klarer.)

Aber trotz des typischen Mangels des Zu-viel-gewollt liest sich Infinite Crisis unterhaltsamer als ihr Vorgänger – und das nicht nur, weil die Fortsetzung viel kürzer ist. Abgesehen von dem Quatsch drumherum konzentriert sich die Story auf die drei Superman-Gestalten, Batman und Wonder Woman – und das ist der rote Faden, an dem man sich beim Lesen gut festhalten kann. Der alte Superman will seine Lois vor dem Tod retten, Superboy Prime hat ein Ego-Problem und trägt es mit dem Superboy Conner Kent aus und unser Superman steckt in einer Schaffenskrise: „… let’s face it, ‚Superman'“, sagt Batman am Anfang, „the last time you really inspired anyone was when you were dead.“ Doch auch der Dunkle Ritter hat mit persönlichen Problemen zu kämpfen, weil ihm das Instrument seines Kontrollwahns entgleitet und ihm alles zu viel wird: „I can’t breathe. Can’t do this anymore. God … I wish … I wish I could start over.“

Schließlich ist auch der Grundgedanke interessant, der Alexander Luthor und seine Anhänger umtreibt: dass die neu geschaffene Erde nach der Crisis keine bessere geworden ist. Zu viele Helden und Unschuldige sind seitdem gestorben (z.B. Superman, Sue Dibny, Blue Beetle oder Maxwell Lord). Die Unbeschwertheit des alten DC-Universums ist dahin. Luthor ist besessen davon, aus vielen neuen Erden die beste aller möglichen Welten zu machen (Leibniz hätte seine Freude), dazu täuscht er seine Verbündeten, Helden werden zu Schurken. Das reicht für ein großes, weltbewegendes Epos – und dieser Kern der Story macht auch Spaß. Wer das viele Drumherum ignorieren kann, wird auf seine Kosten kommen.

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Die Mutter aller Krisen

DC Comics

DC Comics

Titel: Crisis on Infinite Earths

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/George Pérez

Erschienen: 1985 (Mini-Serie #1-12), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband #12-13)


„Worlds lived, worlds died. Nothing will ever be the same.“

Einmal alle Helden in einer Geschichte. Das war Marv Wolfmans Kindheitstraum. 1985 bekam er von DC endlich die Gelegenheit dazu: mit Crisis on Infinite Earths. Und dabei hat er auch gleich die Funktion eines Hausmeisters übernommen und einmal das Multiversum entrümpelt von zu vielen Parallelwelten, Helden und auch Continuity-Problemen. Mit der neuen Ordnung sollten die Comics wieder zugänglicher für neue Leser sein. Nach diesem Hausputz begann DC von vorn, Superman und Batman bekamen neue Origins, und die Krise wurde zum Muster für viele weitere Crossover/Events, die darauf folgten und immer wieder aufs Neue das Universum erschütterten, bis nach Jahren wieder mal keiner durchblickte. Alles ist auf Zyklen ausgelegt.

Worum geht es in Crisis? Es gibt zwei Ober-Gurus: Der böse Anti-Monitor aus dem Antimaterie-Universum vernichtet ein Materie-Universum nach dem anderen. Warum? Weil er böse ist und Macht will – das Übliche eben. Der andere Oberguru, der Monitor, versucht seinen bösen Bruder davon abzuhalten und schickt eine hübsche Helferin aus, die ein paar Helden und Schurken versammeln soll, um wenigstens ein paar Welten zu retten. Helden vereinigen sich, Welten überlappen sich, man kämpft gegen Schattendämonen, man kämpft gegen den Anti-Monitor, man kämpft gegen Superschurken, viele Helden und Schurken sterben und auch viele Welten. Die fünf verbliebenen Welten fusionieren zu einer. Ende. Und der Anfang von etwas Neuem.

Im Wesentlichen war’s das. Aber das alles ist auf 350 Seiten so breitgetreten und zäh, dass es abwechselnd furchtbar ermüdet, nervt und langweilt. Eine halbe Ewigkeit braucht es, bis die Handlung richtig in Gang kommt. Zu Beginn sehen wir immer dasselbe: Welten, die von Antimaterie-Wolken vernichtet werden und eine Heulsuse mit lila Haaren, die sich selbst bemitleidet. Später sehen wir unzählige Kämpfe unzähliger Figuren, die alle austauschbar sind. Man hat das Gefühl, in jedem zweiten Panel tummeln sich neue Figuren, die alle mal was sagen müssen, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Hauptsache scheint zu sein, dass sie da sind. Der größte Makel ist, dass die Story zu viel will und zu wenig bietet: viel Lärm um nichts.

Vor allem fehlt ihr ein emotionaler Anhaltspunkt: Es gibt keine Hauptfigur und die handlungstragenden Figuren haben keine Tiefe. Einzig die Tode von Supergirl und Flash (Barry Allen) könnten als Höhepunkte durchgehen, den Rest nimmt man gleichgültig hin. Die gefühlt ein Dutzend Tode und Auferstehungen des Anti-Monitors hätte man sich sparen können. Diese Story scheint einfach kein Ende zu nehmen. Zu allem Überfluss ufert sie auch noch in eine Reihe von Binnenhandlungen aus, die bloß angerissen, aber dann in anderen Serien fortgesetzt werden. (Immerhin weist der Autor auf die Hefte hin, die man dafür lesen muss.)

Am Ende bringt es Superman auf den Punkt: „I was expecting more … satisfaction.“ Crisis mag seinen Platz in der Geschichte der Superheldencomics haben. Es hat dem DC-Universum gut getan, dass es von unnötigem und zum Teil lächerlichem Beiwerk befreit wurde (auch wenn mit den Jahren leider vieles wieder aus der Mottenkiste geholt wurde). Aber die Story, die darum gestrickt wurde, liest sich wie eine Pflichtübung, ein reines Mittel zum Zweck. Daher ist Crisis ein Werk, dass man kennen, aber nicht unbedingt lesen muss. Schon gar nicht ein zweites Mal. Ich habe mich damit eine Woche lang rumgequält und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Wahrscheinlich hätte ich sonst selbst die Krise gekriegt …

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

DC Comics

Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Identity Crisis: Ein Universum sucht einen Mörder

Identity Crisis

DC Comics

Titel: Identity Crisis

Autor/Zeichner: Brad Meltzer/Rags Morales

Erschienen: 2004-2005 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2005), dt. Panini 2006 (Paperback)


„It’s the first rule of solving a crime. If you want to know who did it, you need to find out who benefits.“ (Batman)

Ein ungewöhnliches DC-Event. In Identity Crisis geht es nicht um das große Ganze, nicht um böse Mächte aus den Tiefen des Universums, nicht um das Heil der Welt. Nein, der Ansatz ist viel bescheidener: Hier findet das DC-Universum zusammen, um den Mörder einer Frau zu finden. Mehr nicht. Und trotzdem ist es diese Besinnung aufs Wesentliche, die die Stärke dieses Comics ausmacht.

Das Opfer ist Sue Dibny, geliebte Ehefrau von Ralph Dibny, dem Dehnungskünstler Elongated Man (eine Art Plastic Man). Sie wird zu Hause von einem Unbekannten umgebracht und halb verbrannt. Die Erschütterung unter den Helden ist groß: Sue war bei allen beliebt. Doch es geht um mehr: Jemand scheint Jagd auf die Angehörigen der Helden zu machen. Die Kostümträger fürchten, dass ihre Geheimidentitäten aufgedeckt sein könnten und dass ihre Liebsten als nächstes dran sind. Nur wer könnte dahinterstecken? Am Tatort findet sich keine Spur. Da können selbst Superkräfte nur wenig ausrichten.

Doch Identity Crisis ist auch kein gewöhnlicher Krimi. Vielmehr ein Drama um die Kehrseite des Heldentums. Immer mehr Abgründe tun sich auf, wenn man erfährt, was einige Mitglieder getan haben, um ihre wahren Identitäten zu schützen. Es geht um edle Motive, niedere Beweggründe, um das Wegsehen und Weghören, eine Vergewaltigung und kaltblütigen Mord, sowie um Wahnsinn und perfides Kalkül. Am deutlichsten wird aber, dass es unter der Oberfläche nicht um Gerechtigkeit und Solidarität geht, sondern um reinen Eigennutz und Verlustangst. Noch mehr zu verraten, wäre zu viel, denn in jedem Teil passieren neue unerhörte Begebenheiten, die es in sich haben.

Es wird zwar vergleichsweise wenig Action geboten, aber dafür ist die Story so voll von Konflikten und sie werden so wunderbar eindringlich erzählt, die Charaktere sind so plastisch und die Superhelden so menschlich, dass es ein wahrer Genuss ist. Meisterhaft ist die Dramaturgie der Panels, hier wird weniger auf Sensationen und Splash Pages gesetzt als auf das Einfangen zwischenmenschlicher Momente – und sei es auf kleinstem Raum. Autor Brad Meltzer merkt man an, dass er in der Kunst des Thrillers geübt ist – und dieser wortlastige Stil tut der Story sehr gut. Und Zeichner Rags Morales ist mit seinen filigranen Zeichnungen der richtige Mann für die Bilder.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, falls die Auflösung am Ende enttäuschen sollte.

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Heldennostalgie

Titel: DC – The New Frontier (dt. Neue Horizonte)

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2004-2005, Absolute Edition 2006, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2005-2006 (DC Premium Bd. 40-41)


„Mankind needs a new road to travel, carved by the heroes of tomorrow.“ (Phantom Stranger)

Die USA der 50er Jahre stecken außenpolitisch im Kalten Krieg, innenpolitisch betreiben sie eine Hexenjagd gegen Kommunisten, Superhelden sind per Gesetz verboten – es sei denn sie arbeiten für den Staat. Wie Superman und Wonder Woman, die beim Konflikt in Indochina aufräumen. Doch die meisten anderen sind im Ruhestand – außer natürlich Batman, der als Outlaw weitermacht und sich dabei auch nicht von Superman stoppen lässt. Und dann ist da noch Barry Allen, der zum Flash wird. Und der Marsianer J’onn J’onzz, der in Gotham als Polizist John Jones arbeitet. Und vor allem der Pilot Hal Jordan, der nach einem traumatischen Kriegseinsatz in Korea in ein Raumfahrtprojekt zum Mars eingespannt wird und nebenbei zur Green Lantern wird. Und was hat eigentlich eine Insel voller Dinosaurier damit zu tun?

Autor und Zeichner Darwyn Cooke (Batman: Ego) wollte mit DC: The New Frontier gleich mehreres erreichen: Superhelden in der Realität verorten, eine Brücke zwischen Golden Age und Silver Age schlagen und den Zeitgeist der 50er Jahre heraufbeschwören. Immerhin letzteres ist ihm gelungen. Wenn das Buch etwas geworden ist, dann konzentrierte Nostalgie. Auch die Zeichnungen des ehemaligen Storyboard-Zeichners für die Batman- und Superman-Animated-Serien sind voller Ausdruckskraft und Dynamik und vereinen das Beste von Bruce Timm und Jack Kirby. Cooke hat ein gutes Gespür für das Erzählen mit Bildern, auch wagt er einige kleine Experimente. Aber seine Geschichte, die sich über 400 Seiten erstreckt, scheitert an ihrer Ambition. Cooke will einfach zu viel. Dass er sich bei Werken wie Watchmen und The Dark Knight Returns bedient, ist dabei nur das geringste Problem.

Patriotismus und Heldenverehrung

Die vielen Schauplätze und Figuren führen dazu, dass in der ersten Hälfte kein roter Faden erkennbar ist und es auch lange Zeit keinen Helden der Geschichte gibt, sondern bloß viele, zu viele Helden, die sprunghaft in kurzen Episoden behandelt werden. Selbst Hal Jordan, der eigentliche Protagonist, geht in der Fülle unter. Klassische Helden wie Superman und Wonder Woman spielen keine große Rolle, selbst Batman nicht, auch wenn er zwei verschiedene Kostüme und sogar einen Robin zur Seite gestellt bekommt. Im Grunde ist The New Frontier nur am Rande eine Superhelden-Story. Vielmehr geht es um die Menschen, also die Wissenschaftler, Soldaten und Reporter. Cooke will in seiner Geschichte darauf hinaus, dass sich Menschen und Superhelden auf Augenhöhe begegnen: die tapferen Soldaten in ihren Uniformen und die Superhelden in ihren Kostümen und Masken. Jeder dient seinem Land auf seine Weise usw. Aber diese Botschaft, die von viel amerikanischem Pathos aufgetragen wird, erdrückt die Handlung erst recht. Auf dem Höhepunkt darf Superman seitenlang eine Ansprache im Independence Day-Stil halten, am Ende hat John F. Kennedy das letzte Wort mit einer weiteren ermüdenden Rede. Und dann gibt es noch die unsägliche Heldenverehrung, die auf den Splash Pages zum Teil an Propaganda-Plakate erinnert.

Um auch noch das Thema Rassismus mitzunehmen, wird die Figur des maskierten, hammerschwingenden Rächers John Henry eingeführt, allerdings ohne dass der Held relevant für die Handlung wäre. Diese Binnenerzählung funktioniert in etwa wie Tales of the Black Freighter in Watchmen, allerdings wirkt sie wie zu viel des Guten. Genauso wie die obligatorische Sequenz mit Spectre, Dr. Fate und Phantom Stranger, die wie üblich von oben herab über das Schicksal der Menschheit räsonnieren.

Superhelden in der Realität?

Auch das Konzept, den Helden einen Platz in der Zeitgeschichte zu geben, geht nicht auf. Die Botschaft „neue Zeiten brauchen neue Helden“ sagt weder etwas über die Realität aus, noch bereichert sie das Superheldencomic. Wenn am Ende alle zusammen gegen eine abstrakte Mega-Gefahr kämpfen, die aussieht wie ein riesiger Kuhfladen und die einem Spacetrips mit Selbsterkenntnis beschert wie in 2001: Odyssee im Weltraum, ist der Erkenntnisgewinn mager – sowohl für das Verständnis der Historie als auch der Gegenwart. Es rechtfertigt nicht die Paranoia des Kalten Krieges gegenüber dem Fremden und es erklärt nicht die Rolle von Superhelden. Wie jeder Versuch, Superhelden und Realismus miteinander zu verbinden, scheitert dieser Ansatz. Und er funktioniert nicht annähernd so gut wie seine Vorbilder.

The New Frontier ist zwar mit Lob und Preisen überschüttet worden, für mich (einem großen Darwyn Cooke-Fan) war es eine bittere Enttäuschung. Immerhin ist die aufwendige Deluxe Edition sehr schön aufgemacht und bietet viele hübsch anzusehende und informative Extra-Seiten. In einem gesonderten Special – ebenfalls in der Ausgabe enthalten – wird der Kampf zwischen Batman und Superman nachgetragen. Die Episode gehört noch zu den besten, auch wenn sie zu stark bei The Dark Knight Retuns abgeguckt ist. Denn immerhin nimmt sie eine überraschende Wendung. Und vielleicht nimmt sie vorweg, welche Rolle Wonder Woman im Film Batman v Superman spielen könnte …

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Der blutige Pfad der Götter

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Justice League Gods and Monsters

Drehbuch: Alan Burnett, Bruce Timm

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


„Technically we’re not the police.“ (Batman)

Es beginnt mit einem Fingertippen, aber er hat das Ausmaß einer Vergewaltigung: Kurz vor der Zerstörung Kryptons, bevor Jor-El seine DNA mit der seiner Frau verschmelzen kann, kommt General Zod dazwischen, der Mann, der für die Katastrophe verantwortlich ist, und schickt sein Erbgut auf die Reise zur Erde. Jahre später wird daraus ein anderer Superman: mit Bart und Ledermantel, überheblich und ohne Skrupel vor dem Leben. Zusammen mit dem Vampir Batman und Wonder Woman (Bekka von den New Gods) bildet er eine alternative, düstere Justice League. Die drei operieren als Eingreiftruppe, die über Leichen geht. Deshalb wird sie von den Menschen kritisiert und gefürchtet. Es stellt sich die Frage, ob sie Segen oder Fluch, Rettung oder Bedrohung sind.

Mit dieser radikalen Neukonzeption ist Justice League: Gods and Monsters ein ambitionierter, weil ernsthafter Animationsfilm mit zwiespältigen Charakteren. Schnell wird klar, dass hier trotz des Zeichentrickstils keine Gutenachtgeschichte für Kinder erzählt wird. Diese Helden metzeln und stechen ab, beißen und saugen Blut, verbrennen ihre Opfer bei lebendigem Leib. Moral ist ihnen ebenso egal wie der Hass der Leute. Doch dann tauchen plötzlich drei Roboter auf, die Wissenschaftler wie Ray Palmer, Victor Fries und Silas Stone töten und es so aussehen lassen, als wäre die Justice League dafür verantwortlich. Als auch Lex Luthor ermordet wird, wendet sich die Regierung der USA gegen ihre Helden …

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Pantheon und Pandämonium

Titel: Justice League: Gods and Monsters – Genesis

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Thony Silas

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-9, digital)


„Monsters aren’t born, they’re made.“

„They’re a disease. And, God help us … we need to find a cure.“

Seit Superman, Batman und Wonder Woman aufgetaucht sind, hat sich die Welt verändert: Skrupellose Übermenschen, die selbstgerecht gegen Kriminelle vorgehen und die mit ihren Blicken einäschern oder ihr Blut trinken – die Menschheit ist verunsichert. In dieser Zeit verkündet der Wissenschaftler Jackson Alpert einen Durchbruch: er hat es in seiner Schweizer Forschungsstation geschafft, aus Menschen zu Übermenschen zu machen: die Forever People. Sein Ziel ist es, die ganze Welt von Krankheit, Tod und Leid zu befreien, leider zu einem hohen Preis. Und dabei versucht er, die drei Superhelden für sich zu gewinnen.

Erst sind sie skeptisch, doch dann entdeckt jeder einen anderen Reiz für sich: Wonder Woman (Bekka) sieht eine Chance für den Weltfrieden. Batman (Kirk Langstrom) will seinen Vampirismus loswerden. Bei Superman (Hernan) kratzen die Übermenschen am Ego: er kann sich nicht mehr als das mächtigste Wesen auf der Welt fühlen. Also unterzieht er sich einer Prozedur, um seine Kräfte noch zu steigern. Doch dadurch wird vieles nur noch schlimmer. Im weiteren Verlauf gibt es nicht nur eine ganze Armee von Supermenschen, die untereinander Krieg führen, sondern auch Alpert wird schließlich zu einem scheinbar unbesiegbaren Über-Gegner.

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Wonder Womans Bewusstseinserweiterung

Justice League: Gods and Monsters - Wonder Woman

DC Comics

Titel: Justice League: Gods and Monsters – Wonder Woman

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Rick Leonardi

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-3, digital)


„I quickly see that this — is no paradise.“ (Bekka)

In den Justice League: Gods and Monsters Chronicles war es Wonder Woman, die am meisten überraschte: mit Coolness, Witz und Leidenschaft lieferte sie in der Reihe mit Batman und Superman die beste Vorstellung ab. Im Comic wird ihre Vorgeschichte erzählt, sie beginnt 1962 in Indien: Eine Schallröhre öffnet sich, eine weißgekleidete Kriegerin kommt heraus, ein Monster hinterher, sie kämpft dagegen und kickt es wieder zurück in die Röhre – und bricht dann zusammen. So kommt Bekka in die Welt, einst ein Mitglied der New Gods. Bekka ist eine Figur, die es im DC-Universum schon seit 1984 gibt, in Justice League: Gods and Monsters wird sie zur Wonder Woman, allerdings wird sie hier noch nicht so genannt. Diese neue Superheldin ist eine sanftmütige Frau, die nach Frieden sucht. Schnell stellt sie fest, dass die Erde während des Kalten Kriegs auch nicht der ideale Ort dafür ist.

Nach einer Weltreise schließt sie sich in den USA einer Hippie-Kommune an. Auch dort ist kein Paradies zu finden: Die Frauen kochen, putzen und bereiten den Männern Freude, während ein Typ namens Doctor Psycho (eine Reinkarnation des klassischen Wonder Woman-Schurken) im Keller neue Drogen zusammenbraut, um das Bewusstsein der Mitbewohner zu erweitern. Leider, so muss Bekka feststellen, dass einige auf ihren Trips hängengeblieben sind und nur noch als Quasi-Zombies dahinvegetieren. Doctor Psycho gelobt, dass er sie heilen wolle. Doch schließlich verfällt auch er der Wahnvorstellung, seine Opfer zu Übermenschen machen zu können. Schließlich muss Bekka gegen Gestalten kämpfen, die den Paradämonen von Apokolips sehr ähnlich sind.

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