Superman

The Death of Superman: Der erste Trailer

Im Sommer 2018 erscheint die Zeichentrick-Adaption von The Death of Superman, auf Blu-ray, DVD und VoD. Der erste Trailer zeigt die Justice League im Kampf mit Doomsday und wir bekommen Lex Luthor zu sehen. Unterschied zu den Comics: Im Film kämpft die „wahre“ Justice League, während im Comic nur eine C-Besetzung zu sehen war. Und es gibt auch einen optischen Unterschied: Superman trägt ein Kostüm, das mehr an die The New 52-Version von 2011 erinnert – mit Kragen und ohne rote Unterhose.

Ein genaues Erscheinungsdatum steht noch nicht fest.

Supermans Aufstieg, Luthors Fall

DC Comics

Titel: Superman – Up, Up and Away (dt. Auf, auf und davon!)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek, Geoff Johns/Pete Woods, Renato Guedes

Erschienen: 2006 (Superman #650-653, Action Comics #837-840), Paperback 2006; dt. Panini 2007


„You’re the worm in the apple, Superman …“ (Lex Luthor)

Ein Jahr nach der Infinite Crisis: Superman hat keine Kräfte mehr, lebt nur noch als Clark Kent. Wenn’s Ärger gibt, ruft er Supergirl. Lex Luthor hat seine politische Karriere hinter sich und ist von der Justiz freigesprochen worden. Doch seine Firma will ihn nicht mehr wieder, sein guter Ruf ist endgültig ruiniert. Jetzt will er Rache: Er schnappt sich den Sunstone von Krypton, entführt den Kryptonite Man, klaut alles Kryptonit zusammen und will Metropolis vernichten.

Up, up and away ist eine Story, die in zweifacher Hinsicht den Status quo wiederherstellt: Superman bekommt allmählich seine Kräfte wieder (einfach so), er kann zunächst nur springen, bevor er fliegen kann. Er wächst mit seinen Aufgaben. Und Lex Luthor ist kein gewiefter Unternehmer, sondern mehr der Mad Scientist, der sein Genie nur dazu benutzt, alles in Schutt und Asche zu legen, um sein Ego zu pampern. Wir sehen zu, wie der eine wieder aufsteigt und der andere noch tiefer sind.

Luthors Feldzug ist persönlich. Eigentlich wollte er Krebs heilen und den Welthunger bekämpfen, aber er gibt Superman die Schuld dafür, dass daraus nichts geworden ist. Am Ende kommt es zu einem Faustkampf … Und dann noch zu einem unnötig langen Epilog. Aber schließlich ist die Story eine im Großen und Ganzen runde Sache. Es gibt ein gutes Gleichgewicht zwischen Action und Zwischenmenschlichem, man kommt auch ohne Vorkenntnisse gut rein und findet raus, ohne unbedingt weiterlesen zu müssen. Als Extra gibt es Gastauftritte einiger anderer Superhelden.

Up, up and away ist eine solide wie altmodische Superhelden-Story, nur im neuen Gewand. Leider überzeugen die Zeichnungen nicht ganz, was Ausdruck und Einfallsreichtum angeht. Aber alles erfüllt hier ganz seinen bescheidenen Zweck.

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Die letzte Superman-Geschichte

Titel: Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (dt. Was wurde aus dem Mann von morgen?)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Curt Swan

Erschienen: 1986 (Superman #423, Action Comics #583), Paperback 1997, 2006 (DC Universe: The Stories by Alan Moore), 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?); dt. Panini 2010 (Paperback)


„I think I’m going to die, and there’s so much in my life I have to get straight …“ (Superman)

Nachdem die Crisis on Infitite Earths das DC-Universum auf Null gesetzt hat, wurde es Zeit, von Superman Abschied zu nehmen, wie man ihn kannte. Also erschien in den Serien Superman und Action Comics die letzte Story über den Helden – vor dem Reboot (Man of Steel). Doch dabei handelte es sich auch nur um eine „Imaginary Story“, eine „Was wäre wenn“-Geschichte nach der Tradition des Silver Age.

Im Jahr 1997 ist Superman seit zehn Jahren tot. Lois Lane, die geheiratet hat, gibt einem Reporter ein Interview darüber, wie es zum Ende des Helden gekommen ist. Viele Schurken waren bereits erledigt, als eine Kette von Ereignissen in Gang kam: Bizarro begeht Suizid, nachdem er Amok läuft. Toyman und Prankster enthüllen öffentlich, dass Superman Clark Kent ist. Brainiac ergreift Besitz von Lex Luthors Körper. Eine Bande Metallos stürmt den Daily Planet und greift Clark Kents Freunde an. Superman rettet sie in die Festung der Einsamkeit. Brainiac folgt ihm dorthin zum letzten Gefecht.

Niemand kann behaupten, Batman hätte es nicht versucht.

Es kommen noch viele andere Helden und Schurken wie der Kryptonite Man. Doch die meisten Helden können Superman nicht helfen, weil sie von einem Energiefeld abgeschirmt werden (selbst Batman kommt nicht rein, obwohl er mit einem Holzknüppel dagegen schlägt). Viele sterben – selbst Krypto, der Hund mit dem Cape. Am Ende ist der schuld, der bisher gefehlt hat: Mr. Mxyzptlk, der Quälgeist aus der fünften Dimension. Superman tötet ihn. Aber weil Superman nicht töten darf, bringt er sich daraufhin selbst um. Er läuft durch ein Lager mit Goldenem Kryptonit, wodurch er seine Kräfte verliert, und erfriert daraufhin im arktischen Eis.

Aber natürlich ist das eine Lüge: Superman lebt mit Lois Lane als Jordan Elliott (abgeleitet von Jor-El) und hat mit ihr ein Kind, das mit bloßen Händen Kohlenstücke in Diamanten verwandeln kann. Das bedeutet aber auch, dass Superman offenbar nicht darunter zu leiden scheint, seinen Widersacher getötet zu haben.

Eine seltsame Geschichte. Hier geht es darum, vieles zu einem Abschluss zu bringen, aber ohne kanonischen Anspruch. Das heißt, dass wir sehen nur ein mögliches Szenario, das zugleich als Hommage an die Comics aus den 50ern und 60ern dient. Trotz der abgehetzten Handlung findet sich Raum für Komtemplation: Superman geht davon aus, dass er sterben wird, und will noch einiges zum Abschluss bringen, wie etwa Lois seine Liebe gestehen.

23 Jahre später, als Batman starb, erschienen nach diesem Vorbild zwei „letzte“ Batman-Ausgaben: Whatever Happened to the Caped Crusader? von Neil Gaiman und Andy Kubert.

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80 Jahre Superman auf 80 Seiten

DC Comics

Da ist sie endlich: 80 Jahre nach dem ersten Heft ist die 1000. Ausgabe von Action Comics erschienen. 80 Seiten lang ist sie geworden. In zehn Kurzgeschichten wird Superman abgefeiert. Hier geht es um nichts anderes als Heldenverehrung, Mythenbeschwörung, Nostalgie und Retrospektive. Wie bei einer großen Geburtstagsparty sind alle sind eingeladen, um dem Geburtstagskind die Ehre zu erweisen: alle Freunde und Schurken, sowie berühmte Autoren und Zeichner, die in Erinnerungen schwelgen und die Höhepunkte einer Karriere rekapitulieren.

Wir sehen alte Superman-Veteranen wie Dan Jurgens, der bei einer Gedenkfeier Menschen davon erzählen lässt, wie toll sie Superman finden. Der kann den Fame zwar nicht richtig genießen, weil er unruhig wegen einer möglichen Alien-Invasion ist, aber seine Helden-Freunde helfen ihm dabei aus, damit er sich feiern lassen kann. In anderen Storys darf Superman Alltagsheld spielen: Er verhindert zwei Geiselnahmen, bewahrt zwei Züge vor dem Entgleisen und spielt den Müllmann für Weltraumschrott.

Peter Tomasi und Patrick Gleason nutzen ihre rudimentäre Rahmenhandlung dazu, Superman im Wandel der Zeit darzustellen. Es ist bloß eine Aneinanderreihung von Splash-Pages, die auf vergangene Zeiten anspielen, allerdings sieht man eher Hommagen an vergangene Zeiten und eher abseitige Momente als die üblichen Greatest Hits. Und am Ende gibt es eine große Geburtstagstorte. Schön gemacht.

Die derzeitigen Branchen-Stars Scott Snyder und Tom King enttäuschen eher mit ihren nachdenklich-sentimentalen Storys, auch Altmeister Paul Dini kann mit seiner Superman-Freizeitpark-Idee und Mr. Mxyzptlk nicht überzeugen.

DC Comics

Höhepunkt des Heftes ist „The Car“, in der Geoff Johns und Richard Donner (das Team von Last Son) erzählen, was aus dem Auto wurde, das auf dem Cover von Action Comics #1 zu sehen ist. Der Fahrer bringt es ihn die Werkstatt und versucht dem Mechaniker klarzumachen, was damit passiert ist. Dann taucht Superman selbst auf – in seinem allerersten Kostüm – und sagt dem Ganoven, dass er sein Leben ändern solle. Abgesehen von diesem typischen Moralisieren ist die Idee sehr sympathisch und auch grafisch beeindruckend umgesetzt.

Zum Schluss bringt uns Brian Michael Bendis wieder in die Gegenwart. Superman wird von einem neuen Schurken durch Metropolis geprügelt: Rogol Zaar. Er behauptet, Krypton vernichtet zu haben und nun sein Werk mit Superman beenden zu wollen. Kryptonier seien nämlich eine Plage. Doch das ist nur ein erstes Teasing auf das, was da mit The Man of Steel kommen wird, der sechsteiligen Mini-Serie, mit der Bendis seine Superman-Storyline fortsetzt.

Action Comics #1000 liefert, was Superman-Fans mögen und erwarten, also keine großen Überraschungen. Überwiegend bekommt man hier, was man kennt und sich bereits gedacht hat. Schade eigentlich für so ein Geburtstagsgeschenk.

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Traumwelt mit Tücken

DC Comics

Titel: For the Man Who Has Everything (dt. Das Geschenk)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Dave Gibbons

Erschienen: 1985 (Superman Annual #11), Paperback 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years); dt. Panini 2010 (Paperback: Was wurde aus dem Mann von morgen?)


„It’s all wrong.“ (Kal-El)

Was schenkt man einem, der alles hat? Diese Frage stellt sich zu Supermans Geburtstag. Batman, Robin und Wonder Woman kommen am 29. Februar in die Festung der Einsamkeit, doch als sie Superman auffinden, steht er unter dem Einfluss einer außerirdischen Pflanze, die ihn in eine Wunschwelt versetzt – ein Geschenk von Mongul.

Während Wonder Woman sich mit dem Eindringling anlegt, versucht Batman, das Gewächs von Supermans Brust zu holen. Derweil ist Superman in Gedanken auf Krypton. Der Planet ist nicht explodiert, wie von Jor-El vorhergesagt. Kal-El arbeitet als Geologe und hat eine Familie. Doch Autor Alan Moore wäre nicht er selbst, wenn selbst diese Welt perfekt wäre: Politische Unruhen spalten die Gesellschaft, die einen fordern die Freilassung aller Gefangenen aus der Phantomzone, ein Kult, der wohl nicht zufällig an den Ku-Klux-Klan erinnert, strebt eine Rückkehr zu alten Werten an. Seine Cousine Kara fällt einem Überfall zum Opfer.

Superman ahnt, dass diese Welt nicht richtig sein kann. Und das ist bemerkenswert, dass die Wunschwelt so defizitär ist, dass sie sich selbst zerlegt. Der zynische Subtext der Story besagt: Kryptons Explosion ist das kleinere Übel, denn die Welt wäre ohnehin dem Untergang geweiht – durch seine Bevölkerung.

For the Man Who Has Everything gilt als eine der besten Superman-Storys. Und tatsächlich ist sie auch zurecht ein Klassiker. Alan Moore mischt die Continuity mit einer Art dystopischen Imaginary Story, er lässt seine Figuren menschlich erscheinen, er zeigt Sinn für Humor und am Ende bietet er eine gelungene Wendung. Einzig die Tatsache, dass Batman sich so fahrlässig an die Pflanze heranwagt, ohne vorauszusehen, dass sie auch von ihm Besitz ergreift, lässt ihn etwas naiv erscheinen. Aber dafür hat man ja Robin …

Der Comic wurde 2004 in der zweiten Folge der Animations-Serie Justice League Unlimited adaptiert. Einiges wurde verändert: Robin fehlt, aber auch die politischen Unruhen auf Krypton. In der Episode sind es Erdbeben, die den Planeten erschüttern und schließlich zur Explosion bringen, die Jor-El einst vorausgesagt hat. Was Mongul am Ende träumt, wird nur angedeutet, nicht gezeigt, wahrscheinlich um die Geschichte kinderfreundlicher zu machen. Dafür gibt es aber eine schöne Idee: Batman schenkt Superman zjm Geburtstag einfach einen Umschlag mit Geld …

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80 Jahre Superman: Blau, Rot, Gelb

Doc Shaner/Twitter

Was macht den Reiz von Superman aus? Dass er so gut wie alles kann? Fliegen zum Beispiel? Das können aber andere Superhelden auch – und die sind nicht so brave Langweiler wie er. Ich erinnere mich noch an die Szene aus dem Superman-Film, in der Christopher Reeve Lois Lane über die statistische Sicherheit des Fliegens belehrt. Heute verdrehe ich darüber die Augen. So landet man ganz bestimmt nicht bei den Frauen. Superman ist in der Hinsicht kein Vorbild.

Und eigentlich auch sonst nicht: Abgesehen von Lächerlichkeiten wie der Unterhose über den Leggings und der Maskierung mit Brille, ist Supermans größter Makel, dass er keine hat. Er ist ein durch und durch langweiliger Charakter, ohne Ecken und Kanten. Und auch wenn infolge dieser Erkenntnis mein Interesse für ihn abgenommen hat, auch wenn ich seine Abenteuer weniger lese und lieber seinem düsteren Gegenstück Batman den Vorzug gebe – trotzdem bleibt mein Blick immer wieder an ihm hängen.

Warum? Es ist ganz simpel: Es sind die Farben. – Blau, rot und gelb. Sie fallen auf wie keine andere Kombination. Der blaue Anzug, das rote Cape, die roten Schuhe, die rote Unterhose, der gelbe Gürtel und vor allem das rot-gelbe Diamanten-Symbol mit dem S. Diese Kombination der drei Primärfarben ist von so bestechender Klarheit und Einfachheit, dass man es sich nicht anders vorstellen kann. Superman ist langweilig, sein Kostüm ist es nicht.

Doc Shaner/Twitter

Zwar gab es Variationen. Das Kostüm sah am Anfang noch nicht ganz so aus, das Symbol auf der Brust veränderte sich von einem Wappen zu einem Diamanten. Anfangs waren die Stiefel noch blau. Später wurde das Kostüm schwarz, dann blau-weiß, rot-weiß, noch später verschwand die Unterhose und die Stiefel wurden wieder blau. Aber: Im Wesentlichen, in seiner Grundform blieb es immer gleich. Das ist der Superman, wie ihn die meisten kennen – selbst die, die ihn nicht kennen, erkennen ihn jederzeit.

Superman ist ein wahrer Hingucker. Ein Blickfang. Bei mir funktioniert der Dreifarbenmix immer noch wie in der Kindheit. Supermans Look ist aufgregend, es schreit nach Abenteuer und er wird daher nie alt. Und er ist noch viel mehr: nicht nur eine Ikone, sondern auch ein Idol. Superman trägt sein Kostüm mit Würde, er strotzt darin vor Selbstvertrauen. Es ist ihm egal, dass es auf Erwachsene eigentlich seltsam wirkt, dass die Spötter über ihn lachen, er hat es schon so lange getragen, dass es sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt hat. Er ist in dieser klassischen Form tatsächlich nicht mehr wegzudenken. Nicht nur aus den Comics, auch aus dem Film (besonders dank Christopher Reeve) und aus den Kinderzimmern. Selbst Erwachsene tragen das S auf T-Shirts, auch wenn sie gar keine Comics lesen. So lächerlich kann es also gar nicht sein …

Superman ist eine Marke, die man sich zu eigen machen kann. Man erkennt sie schon von weitem. Sie steht nicht für den braven Langweiler, sie steht für Mut, Kraft, Stolz oder auch für was immer man will, solange es positiv ist. Denn Superman strahlt in seiner ganzen blau-rot-gelben Pracht vor allem Optimismus aus. Das ruhige Himmelblau, das leidenschaftliche Rot und dazwischen ein bisschen Sonnengelb. Superman rettet nicht nur den Tag – er ist die Verkörperung des Wohlgefühls: Zuversicht, Sicherheit, Geborgenheit. Und das alles, ohne den Mund aufmachen oder etwas tun zu müssen. Superman ist einfach da. Ein blau-rot-gelber Monolith. Ein Denkmal für das Gute. Was auch immer das für den Einzelnen bedeuten mag.

Doc Shaner/Twitter

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Superman im grünen Bereich

DC Comics

Titel: Kryptonite (dt. Kryptonit)

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke/Tim Sale

Erschienen: 2007-2008 (Superman Confidential #1-5, 11), Paperback 2008, dt. Panini 2008 (Superman-Sonderband 25)


Wie Superman das Kryptonit entdeckte und dabei auch Krypton fand, haben wir bereits erzählt. Aber manche Geschichten, so ein Prinzip von unendlichen Meta-Erzählungen, kann man immer wieder neu erzählen. So dachte es sich Darwyn Cooke, der hier nur als Autor fungiert. Die Geschichte verläuft hier etwas anders: Den grünen Stein hat hier kein falscher Wahrsager, sondern ein zwielichtiger Casinobetreiber mit dunkler Vergangenheit (Jason Gallo). Auf ihn setzt Perry White Lois, Clark und Jimmy an. Lois flirtet mit ihm. Und Superman fällt vom Himmel, als er zum ersten Mal die grüne Strahlung von Kryptonit spürt. Lex Luthor kommt dahinter, dass der Stein Supermans Schwachpunkt ist.

Erzählt wird die Geschichte scheinbar auch aus der Perspektive des Kryptonit-Brockens. Zunächst wirkt es, als hätte er ein Bewusstsein und würde teilnahmslos beobachten, was um ihn herum geschieht. Das sind zunächst menschliche Graumsamkeiten. Außerdem spürt er die Präsenz des Kryptoniers uns sehnt sich nach dessen Nähe. Am Ende stellt sich heraus, dass nur eine außerirdische Instanz steckt. Dieser Historiker zeigt Superman schließlich, wo er herkommt – und so schließt sich doch der Kreis zur Vorlage (Superman #61, 1949).

Über allem schwebt die Frage, die sich Superman selbst stellt: Ist er wirklich unverwundbar oder hat er seine Schwachstelle nur noch nicht gefunden? Bevor er mit dem grünen Stein konfrontiert wird, geht er fast bei einem Einsatz gegen einen Vulkanausbruch drauf. Nachdem er seine erste Kryptoniterfahrung macht, wird ihm nicht nur seine Sterblichkeit bewusst, sondern dadurch auch seine Menschlichkeit. Auch wenn er erfährt, dass er von Krypton stammt und Kal-El heißt, will er am Ende doch nur Clark Kent von der Erde sein. (Nebenbei erfahren wir, dass Superman im Schrank ein paar Clark-Roboter aufbewahrt, die ihm ein Alibi verschaffen, wenn er zufällig als Superman mit Jimmy nach Hause kommt.)

Tim Sale gehört zu meinen Lieblingszeichnern und er bietet auch hier einige eindrucksvolle Panels, aber ich habe den Eindruck, dass er in seinen früheren Werken in besserer Form war. Seine Batman-Werke (The Long Halloween, Haunted Knight) und Superman for All Seasons wirkten mutiger und konsequenter, dieses Comic ist dagegen ziemlich gewöhnlich. Von daher ist es fast schon schade, dass Darwyn Cooke nicht selbst gezeichnet hat. Alles in allem ist Kryptonite kein schlechter Neuaufguss, aber auch kein sonderlich überzeugender. Die Figur des Jason Gallo wirkt deplaziert – und am Ende erweist sie sich auch als überflüssig. Lex Luthor ist nur ein unbeteiligter Beobachter, der sich schließlich nimmt, was er will. Dass er selbst am Tatort auftaucht, lässt ihn aus der Rolle fallen. Aber um Continuity scheint sich Cooke ohnehin nicht groß zu scheren. Auch wenn diese Geschichte bodenständiger und damit moderner sein will, war das Original gerade wegen seiner naiven Abgedrehtheit um einiges sympathischer.

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Alles nochmal, aber anders

DC Comics

Titel: Birthright

Autor/Zeichner: Mark Waid/Leinil Francis Yu

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-12), Paperback 2005; dt. Panini 2005 (Miniserie #1-6), Eaglemoss DC-Collection 2015 (2 Bände)


Fast 20 Jahre lang galt John Byrnes The Man of Steel (1986) als kanonischer Superman-Origin. 2003 erzählte Mark Waid die Geschichte neu. Das Wesentliche bleibt: Es beginnt mit Krypton und dem Kind in der Rakete. Dann sehen wir den jungen Clark Kent bei einem Einsatz in Afrika. Und dann kommt das Übliche: Ankunft in Metropolis, erste Gehversuche als Reporter, erste Einsätze als Superman, Rückblenden nach Smallville. Clark Kent ist in Metropolis ein Außenseiter, der sich damit schwertut, Anschluss zu finden. Er leidet unter seiner doppelten Identität.

Eine wichtige Änderung und gleichzeitig eine Rückkehr zu den Ursprüngen ist die Causa Lex Luthor. Wahrscheinlich beeinflusst von der TV-Serie Smallville haben Clark und Lex wieder eine gemeinsame Vergangenheit in der Jugend. Das war auch schon in den Comics des Silver Age der Fall (Stichwort: Superboy), wurde aber von der Crisis getilgt. Jetzt also doch. Lex ist das missverstandene Wunderkind mit geringer emotionaler Intelligenz, Clark ist der einzige, der Zeit mit ihm verbringt – und man fragt sich, warum eigentlich. Lex weiß alles, kann alles und verliert seine Haare bei einem gescheiterten Experiment. Zehn Jahre später ist er Milliardär und Chef eines Konzerns, der allen weit voraus ist.

Kaum erscheint Superman, versucht der fremdenfeindliche Luthor, ihn zu erledigen und die Menschen gegen ihn aufzuhetzen, indem er sie glauben lassen will, dieser sei die Vorhut einer feindlichen Invasion von Krypton. Plötzlich tapsen Riesenmonster durch Metropolis und böse Soldaten mit S-Symbol unterjochen die Menschen – alles Fake, damit sich Lex selbst als Retter inszenieren kann. Superman will den Schwindel auffliegen lassen, ist aber geschwächt durch Kryptonit …

Auf fast 300 Seiten wird in Birthright breitgetreten, was alle schon gewusst oder geahnt, aber so noch nicht gelesen haben. Nur eben länger, größer und spektakulärer. Fans bekommen alle bekannten Klischees aufgetischt: den über-knallharten Chefredakteur Perry White, den kleinen Loser Jimmy Olsen, der bloß gedemütigt wird und die überaus taffe Reporterin Lois Lane, in die sich Clark sofort verliebt. Sie kennen alle bloß ein Ziel im Leben: die Titelseite (und den Pulitzerpreis). Und dann gibt es natürlich noch lange Erklärungen dafür, warum Superman als Clark Kent niemand erkennt, obwohl er nur eine Brille trägt. Die Brille verändert die Gesichtsform heißt es, Clark lässt die Schultern hängen und spielt einen anderen. Und trotzdem wirkt es forciert (und fast schon selbstironisch), wenn Lois Clark lange ins Gesicht schaut und dennoch nicht drauf kommt, warum er ihr bekannt vorkommt. Ansonsten ist das letzte Drittel reine Action mit vielen Splash-Pages, in denen versucht wird, die großen Momente zu zelebrieren.

Alles schon zigmal gesehen und gelesen. Nur eben nicht so. Und nicht so sperrig gezeichnet wie hier. Vielleicht tragen auch die Zeichnungen dazu bei, dass ich mit Birthright nicht warm geworden bin. Abgesehen von dieser Geschmackssache ist die zwölfteilige Story (die als Paperback ohne Unterbrechung durch Covereinschübe erzählt wird) nur etwas für Neueinsteiger oder richtige Superman-Fans, die nicht genug davon bekommen können, immer wieder dieselbe Geschichte zu lesen.

Sechs Jahre später, nach der Infinite Crisis, als sich das DC-Universum wieder änderte, wurde auch Supermans Vorgeschichte umgeschrieben: in Secret Origin. Doch auch da bleibt der wichtigste Aspekt erhalten: Clark und Lex kennen sich aus Smallville, nur dass Clark schon da als Superboy wirkte.

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Superman stirbt (schon wieder)

DC Comics

Titel: The Death of Superman (dt. Der Tod von Superman)

Autor/Zeichner: Dan Jurgens u.a.

Erschienen: 1992-1993 (Superman: The Man of Steel #17-19, Superman #73-75, The Adventures of Superman #496-497, Action Comics #683-684, Justice League of America #69), Paperback 1993, 2016 (New Edition); dt. Panini 2013 (Paperback), Eaglemoss 2015 (Hardcover)


Es kommt aus dem Nichts: Ein unbekanntes Monster (später Doomsday genannt) bricht aus seinem Gefängnis aus und zerstört alles, was sich ihm in den Weg stellt. Zuerst die Justice League. Dann Superman. Beide sterben. Aber natürlich nicht für immer …

Supermans Tod war 1993 ein großer Hype. Allein schon wegen der Symbolkraft. Es war nicht das erste Mal, dass Superman in den Comics starb. Scheintode und echte Tode in Parallelwelten gab es auch schon vorher. Aber hier wurde der Tod in epischer Breite erzählt, samt riesiger Trauerfeier und geheimnisvoller Rückkehr auf Umwegen. Es tauchten vier angebliche Supermänner auf, schließlich kam der echte im schwarzen Kostüm und mit langen Haaren zurück. Insgesamt umfasst die Saga über 1100 Seiten.

Aber die Story, die ich oben so kurz zusammengefasst habe, gibt nicht viel mehr her: Es ist nichts als eine große Prügelei. Ohne Sinn und Verstand. Doomsday ist kein Charakter, sondern reiner Zerstörungstrieb. Sieht schrecklich aus, macht alles platt, ohne Erklärung und Dialog. Die Liga, die nur aus B- und C-Helden besteht (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd) wird gnadenlos fertig gemacht. Der Kampf mit Superman zieht sich durchs halbe Land bis nach Metropolis. Am Ende gibt es nur noch epische Momente mit Splash Pages, die zum Schluss sogar doppelseitig werden.

Tiefere Bedeutung? Message? Jemand, der zwischendrin etwas Sinnvolles zu sagen hätte? Nein, nein, nein. Einfach nur Gekloppe. Reine Funktion: Superman muss sterben, also lässt man ihn gegen einen fast unbesiegbaren Gegner kämpfen. Das ist ermüdend und langweilig. Und auch etwas ärgerlich, wenn sich am Ende dämlicherweise sogar Lois Lane in den Kampf mit der Bestie einmischen will, um Superman zu beschützen.

Trotz ihrer Stumpfheit hat die Story Spuren hinterlassen, Doomsday wurde zu einem wiederkehrenden Gegner. In Superman: Doomsday ging der Kampf weiter (darin wird auch Doomsdays Herkunft erklärt), dann in Reign of Doomsday und schließlich in Superman: Doomed. Auch im Film war die Todes-Story beliebt: 2007 wurde sie – sehr frei – unter dem Titel Superman: Doomsday als Animationsfilm adaptiert, 2016 floss die Grundidee in Batman v Superman: Dawn of Justice ein und in 2018 soll sie erneut zum Zeichentrick werden, The Death of Superman, der sich diesmal treuer an die Vorlage halten soll (abgesehen von der Justice League, die aus Batman, Superman, Green Lantern, Flash, Aquaman und Cyborg besteht).

Der Tod von Superman war nicht der erste Tod eines Superhelden (siehe Crisis on Infinite Earths), aber er hat damit Schule gemacht. Im Laufe der Zeit bekam so ziemlich jeder große Held seine große Todesgeschichte – mit anschließender triumphaler Rückkehr, versteht sich. Auch Batman wurde kurz nach Supermans Tod von Bane gebrochen (Knightfall), 2009 „starb“ er durch Darkseid (Final Crisis). Manchmal ist die Qualität der Geschichte eben nicht so wichtig wie die Symbolkraft, die von ihr ausgeht.

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Supermans Anfänge im Wandel der Zeit

Ausschnitt aus dem Cover von Action Comics #5 (2012, DC Comics)

Wir kennen die Geschichte in- und auswendig. Wie oft hat man es schon gesehen? Wie oft hat das Baby schon den explodierenden Planeten in einer Rakete verlassen und ist auf der Erde gelandet? Wie oft wurde sie schon erzählt, die Entstehungsgeschichte von Superman? Im Comic, im Film, im Fernsehen.  Unzählige Male wurde sie in 80 Jahren erzählt und immer wieder neu interpretiert. Und jedes Mal hat sie sich wenigstens ein wenig verändert, wurde ausgeschmückt und erweitert oder auch wieder reduziert. Aber in ihrer Grundstruktur ist sie gleichgeblieben: Ein Kind wird von einem sterbenden Planeten zur Erde geschickt, wo es Superkräfte entwickelt und zum Helden wird.

Die bekanntesten und populärsten Superhelden-Geschichten sind die über ihre Entstehung. Es sind Geschichten einer Entwicklung, sie handeln vom Erwachsenwerden. Egal welche Unterschiede es gibt, sie verlaufen im Prinzip immer gleich: from zero to hero. Von normal (oder gar defizitär) zu außerordentlich. Es sind Variationen der Heldenreise, der Ur-Geschichte schlechthin. Deshalb sind Ursprungsmythen die wirkmächtigsten Erzählungen unserer Kultur. Wer das nicht glaubt, sollte mal in den Kalender schauen und sich fragen, warum die Woche sieben Tage hat. Weil es so am Anfang der Bibel steht. Jeder kennt diese Mythen, wenn auch nur rudimentär, weil ihre Wirkung bis heute allgegenwärtig ist. Wir wollen wissen, wie alles begann, weil wir der Welt einen Sinn geben wollen. Und so ist die Bibel – genauso wie alle anderen Mythologien – voller Ätiologien, die alle möglichen Phänomene erklären. Und sei es, warum man am Sonntag frei hat. Solche Geschichten sind anschaulicher als Theorien über den Urknall aus dem Nichts, deshalb funktionieren sie immer noch so gut.

Mit dem „Wo kommen wir her?“ ist auch eng die Frage nach dem Ursprung des Schlechten in der Welt (Mühsal, Leid, Krankheit, Tod) bzw. dem Bösen (Lüge, Raub, Mord) verbunden. Nicht ohne Grund handeln die wirksamsten Schöpfungsmythen unserer Kultur auch vom Sündenfall. Was bei Adam und Eva die Frucht vom Baum der Erkenntnis ist, ist in der griechischen Mythologie die Büchse des Pandora. Der Ursprung allen Übels ist aber nicht die Frau, sondern die Neugier, man kann auch sagen der Urtrieb aller Wissenschaft. Und was daraus entsteht, ist besagte Erkenntnis.

Nicht von ungefähr sind Superhelden oft Wissenschaftler (oder stammen – wie Superman – von solchen ab) und Superschurken Mad Scientists, wahnsinnige und böse Wissenschaftler, die mit ihren Erkenntnissen Leid schaffen und an ihrer Hybris zugrunde gehen. Und auch nicht zufällig sind Superhelden-Origins auch oft mit der Entstehung von Superschurken verknüpft. Besonders in Filmen, wo die Erzählökonomie es verlangt, erfahren wir meistens parallel zur Heldengeschichte, wie die Bösen böse wurden – oft in bester Absicht. Aber auch in Comics haben Schurken häufig einen gemeinsamen Ursprung mit den Helden. Lex Luthor ist mit Clark Kent aufgewachsen, General Zod stammt von Krypton, Brainiac hat die kryptonische Stadt Kandor entführt usw.

Und die Bösen sind meist nichts als die Kehrseite der Guten. Man braucht sie als Gegengewicht, nicht nur dramaturgisch, sondern weil zu einer Schöpfungsgeschichte beide Seiten gehören: Gott und die Schlange. Erst dann ist die Welt im Gleichgewicht. Pandora setzt nicht nur Elend und Tod frei, sondern auch die Hoffnung. Der kleine Kal-El in der Rakete ist so ein Hoffnungsträger inmitten von Zerstörung und Tod. Er wird für die Erde zum Heilsbringer, ein Findelkind wie Moses oder eher wie Jesus, der als Sohn eines Übervaters geschickt wurde.

Action Comics #1 (1938)

Bei den Origins der Superhelden geht es zunächst darum, zu erklären, wie sie „super“ geworden sind. Besonders am Anfang, als Superman der Welt vorgestellt wurde, war es wichtig, eine schier unglaubliche Figur glaubwürdig zu machen. Seine Schöpfer, Jerry Siegel und Joe Shuster, hatten jahrelang Schwierigkeiten, eine so fantastische, so abgehobene Figur in Druck zu bekommen. Und als sie dann endlich ihre Chance bekamen, in Action Comics #1 (1938), wurde die erste Seite der Figur zunächst der Entstehung und Erklärung gewidmet, woher dieser blau-rot gekleidete Mann seine Kräfte hatte. Und als wäre die Story nicht genug, wird noch eine (pseudo-)wissenschaftliche Erklärung hinterhergeschoben.

Supermans noch namenloser Planet

In Action Comics #1 ist am Anfang nur die Rede von einem „distant planet“, der wegen seines Alters vernichtet wurde. Wir erfahren keinen Namen und auch sonst nichts über diesen Planeten. Angedeutet sehen wir nur die Illustration: einstürzende Wolkenkratzer und Rauchwolken. Und eine kleine rote Rakete, die aus dem Rauch aufsteigt. Ein Wissenschaftler, heißt es weiter, habe seinen Sohn in ein eilig zusammengebautes Raumschiff gesteckt und Richtung Erde geschossen. Wir sehen den Mann nicht und auch keine Frau. Der ganzen dramatischen Ur-Szene, die Rettung eines Kindes, der Bewahrung von neuem Leben inmitten einer sterbenden Zivilisation, wird nur ein Panel gewidmet – aber damit wird diese neue Serie ihrem Namen durchaus gerecht. Die Geschichte nimmt sich nicht einmal richtig Zeit, den Namen Clark Kent einzuführen, das passiert ganz nebenbei.

Baby mit Sessel

Nächstes Panel: Das Kind wird von einem Autofahrer gefunden und in ein Waisenhaus gebracht. Auch hier sehen wir keine Personen, nur zwei Scheinwerfer, die die Rakete beleuchten. Wir wissen nicht einmal, wo in etwa das Raumschiff gelandet ist. Egal, weiter: Im dritten Panel sehen wir endlich das Kind, das nur eine Windel trägt – und einen roten Sessel. Zwei Menschen sehen zu, einem Mann fällt vor Erstaunen der Zwicker von der Nase.

Clark Kents Kräfte

Im nächsten Panel stecken gleich drei Bilder, die nicht nur einen Zeitsprung machen, sondern auch zeigen, was der mittlerweile zum Mann gewordene Junge kann: Gebäude überspringen, große Gewichte (wie Stahlträger) heben und schneller laufen als ein Expresszug, ein Caption erwähnt noch die Unverwundbarkeit. Dann wird erklärt, dass Clark (der Name fällt erst jetzt) sich entschied, seine Kräfte zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Ein Panel später sehen wir endlich Superman in voller Montur: blauer Anzug, rotes Cape, gelbes Wappen auf der Brust. Darunter steht seine Gesinnung: „Champion of the Oppressed“, Held der Unterdrückten, wird er genannt. Damit wird auch klar, dass er nicht einfach nur „den Menschen“ hilft oder einer Elite, sondern denen, die seine Hilfe wirklich brauchen. Edlere Motive kann man sich nicht vorstellen.

Die Erklärung für Supermans Kräfte

Warum er so auffällig herumläuft – kein Wort darüber. Stattdessen werden die zwei letzten Panels dafür aufgewendet, um die Kräfte „wissenschaftlich“ zu erklären: Kent (der Nachname fällt erst jetzt) kommt von einem Planeten, dessen Einwohner einen um Millionen Jahre weiter fortgeschrittenen Körperbau hatten als die Menschen. Interessanterweise werden zum Beleg der Überlegenheit zwei (scheinbar) unterlegene Spezies der Erde gezeigt: Insekten, die das Hundertfache ihres Gewichts tragen und Heuschrecken, die weit springen können.

Die erste Seite von Action Comics lässt uns eine Reise vom Großen ins Kleinste machen: Von einem weit entfernten (und zerstörten) Planeten zur Landung auf der Erde, die Überwindung der Beschränkungen der Erde durch Clark bis hin zum Mikrokosmos der Insekten. Diese Verschiebung des Blickwinkels, die Erstaunen auslösen soll, weckt Verständnis für die Figur, die das für Menschen Unmögliche vollbringt. Und während wir beim Umblättern noch den Grashüpfer springen sehen, springt im nächsten Bild schon Superman mitten in die Handlung hinein. Wir wissen nicht viel, vor allem nicht, wie aus einem Waisenkind ein junger Mann mit hehren Idealen werden konnte, aber wir wissen genug, um den komisch gekleideten Typen, der auf dem Cover ein Auto anhebt, zu akzeptieren.

Superman #1 (1939)

Rakete von Krypton

Ein Jahr später bekommt Superman eine eigene, nach ihm benannte Comicserie. Die erste Ausgabe wäre nicht der Rede wert, weil sie eigentlich nur die ersten vier Hefte von Action Comics wiedergibt, aber ganz am Anfang gibt es sechs neue Seiten. Der einseitige Origin wurde durch einen neuen, zweiseitigen ersetzt. Schon hier gibt es einige Abweichungen zur ersten Fassung: Die Rakete (blau-rot statt rot) ist nicht mehr notdürftig zusammengebaut, sondern wird als „experimental rocket-ship“ bezeichnet. Der Planet bekommt den Namen Krypton, aber wir sehen ihn nur noch in der Ferne explodieren.

Der kleine Clark mit Schrank

Auf der Erde findet nicht ein anonymer Fremder das Kind, sondern das ältere Ehepaar Kent. Sie bringen es in ein Waisenhaus und adoptieren es kurz darauf. Im Waisenhaus trägt der Junge einen kleinen Schrank statt eines Sessels, neben ihm liegt ein zerbrochener Balken. Die Geschichte bekommt Humor, denn der Heimleiter ist froh, dass er den Jungen loswird, bevor er noch die Einrichtung zerlegt.

Lektionen fürs Leben von den Eltern

Die Kents bringen den Jungen im nächsten Panel zwei Lektionen bei: Der Vater schärft ihm ein, seine Kräfte geheimzuhalten, die Mutter widerspricht indirekt, indem sie ihn rät, die Kräfte zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Was in Action Comics #1 noch mit bloßem Text gelöst wurde, ist hier nun geerdet in einer Szene, in der die Eltern als Erzieher auf den Jungen einwirken.

„Try again, Doc!“

Die nächste Seite ist den Kräften gewidmet: Clark springt über Wolkenkratzer und Häuserblöcke, hebt ein Auto an (wie schon in Action Comics #1), rennt schneller als ein Zug und ist unverwundbar. Letzteres wird so dargestellt, dass ein Arzt keine Nadel in seine Haut stechen kann. Clark entgegnet lächelnd „Try again, doc!“ und beweist Humor.

Clark am Grab seiner Eltern – und als Superman

Im vorletzten Panel sterben die Kents und Clark fasst den bekannten Entschluss. Letztes Panel: Superman, in der gleichen offensiven Haltung, wird mit dem exakten Wortlaut wie noch vor einem Jahr als „champion of the oppressed“ betitelt.

Zweiter Versuch einer wissenschaftlichen Erklärung für das Unerklärliche

Eine wissenschaftliche Erklärung für die Kräfte fehlt – jedenfalls auf diesen zwei Seiten des Origins. Braucht es auch nicht, denn ein Jahr nach seiner Premiere ist Superman längst etabliert bei den jungen Lesern. Sie wird dennoch an anderer Stelle im Heft nachgereicht, ausgebreitet auf einer ganzen Seite. Wieder lesen wir die gleichen Erklärungen, wieder Ameisen und Grashüpfer, diesmal aber angereichert mit zwei Panels: Eines zeigt eine Stadtkulisse auf Krypton, über die zwei Kryptonier springen, ein anders zeigt den Größenunterschied der Planeten, der die schwächere Gravitation der Erde illustrieren soll. Hier wird ein Widerspruch deutlich. Einerseits wird die körperliche Perfektion der Kryptonier angeführt, andererseits die geringe Erdanziehungskraft. Doch wenn Superman seine Kräfte erst auf der Erde entfalten konnte, warum sehen wir dann Kryptonier über Wolkenkratzer hüpfen?

Superboy (1944)

Superboys erster Auftritt

Zwischen dem kleinen Clark und dem großen Superman gab es in den ersten Jahren eine große Zeitspanne, die nicht erzählt blieb. Da aber das Kind bereits Kräfte hatte und man noch mehr ein junges Publikum ansprechen konnte, wie etwa beim Sidekick Robin, wurde Supermans Karrierebeginn vorverlegt: In seiner Jugend war er schon als Superboy unterwegs.

Leben auf Krypton

Seinen ersten Auftritt hatte der Junge in More Fun Comics #101 (1944, Cover Date 1945). Wieder beginnt die Geschichte ganz am Anfang, diesmal bekommt sie fünf Seiten. Hier erfahren die Leser zum ersten Mal, was sich auf Krypton abgespielt hat. Wir sehen eine hoch entwickelte Zivilisation, wir lernen jetzt auch Supermans leibliche Eltern kennen und erfahren, dass sein Vater Jor-El den Untergang des Planeten kommen sieht, aber niemand ihm glaubt. Erdbeben erschüttern den Planeten, Jor-El will die Kryptonier in Raumschiffen retten, aber Kryptons Politiker wiegeln ab: Erdbeben und Stürme habe es immer gegeben. (Es erinnert ein wenig an die heutigen Leugner des Klimawandels.)

Platz für zwei …

Jor-El ist ein typischer Prophet, der im eigenen Land nicht erhört wird, er ist ein Beinahe-Held der Wissenschaft und Vernunft, der an der Ignoranz scheitert. Dramatische Szenen spielen sich ab: Jor-El will seine Frau mit dem Baby retten, in dem kleinen Raumschiff ist genug Platz für beide, aber Lara will lieber mit ihm sterben. Es stellt sich die Frage, warum eine Mutter freiwillig ihr Kind allein lässt und der Ungewissheit einer Reise durchs Weltall aussetzt. Gerade noch rechtzeitig startet die (gelbe!) Rakete, bevor der Planet explodiert.

Die wissenschaftliche Erklärung für Supermans Kräfte liegt nun in der höheren Gravitationskraft, die auf Krypton wirkt. Und es gibt auch zumindest eine visuelle Andeutung, woher Superman seine Inspiration für sein Kostüm haben könnte: Die männlichen Kryptonier tragen eine Uniform in Primärfarben: Ein blau-rot-geteiltes Oberteil und einen gelben Helm.

Der Fremde und die Kents

Auf der Erde passiert sich eine Mischung der Versionen aus Action Comics #1 und Superman #1: Zwar findet jetzt wieder ein vorbeifahrender Fremder das Kind in der Rakete, wieder sehen wir Clark im Waisenhaus einen roten Sessel heben (mit den zwei erstaunten Zeugen), aber adoptiert wird er dennoch von den Kents. Wir sehen ihn Holzstämme tragen, über eine Scheune springen und schnell laufen. Als ein Mann unter einem Auto eingeklemmt wird, hebt der kleine Clark es hoch (ähnlich wie in Action Comics #1).

Statt Ratschläge von seinen Eltern mitzubekommen, sinniert er selbst, dass er seine Kräfte zwar für gute Zwecke einsetzen, aber diese in seiner zivilen Identität geheimhalten sollte. Clark bekommt sogar ein wenig psychologische Tiefe, seine Superkräfte findet er selbst etwas furchterregend. Daraufhin schneidert er sich selbst ein Kostüm und wird zu Superboy.

The Origin of Superman (1948)

Zehn Jahre nach dem ersten Auftritt (Superman #53, 1948) bekommt die Entstehungsgeschichte noch mehr Raum: Auf zehn Seiten wird noch einmal rekapituliert, wo Superman herkommt und wie er wurde, wer er ist. Die Story beginnt bemerkenswert: Auf dem Cover steht Superman noch lächelnd mit geschwellter Brust da, während hinter ihm seine Rakete durchs Weltall rauscht. Auf Seite eins aber sieht er traurig aus, die Hände über den Kopf geschlagen, während über ihm die Rakete den explodierenden Planeten verlässt. Doch eigenartigerweise sieht man anstelle des Planeten seine leiblichen Eltern lächeln und winken – verkehrte Welt. Denn eigentlich haben Jor-El und Lara keinen Grund zur Freude, auch später in der Geschichte nicht. Und Superman hat keinen Grund zu trauern, denn er bekommt als Kind noch nichts vom Tod seiner Eltern mit.

Auf Seite zwei wird Superman eingeführt, mit all seinen Kräften, also ganz ähnlich wie in den ersten Origins, nur dass hier zuerst die Gegenwart dargestellt wird. „The whole world knows of Superman’s titanic strength!“, heißt es zu Beginn. Was aber Autor Bill Finger nicht davon abhält, dennoch alle Kräfte aufzuzählen. Und es spielt auch keine Rolle, dass Supermans Vorgeschichte bereits erzählt wurde (mindestens dreimal!), er tut einfach so, als ob er die Fragen beantwortet, die Millionen Lesern auf der Seele brennen. Ganz abseitig ist das aber nicht, denn man konnte im Jahr 1948 nicht erwarten, dass die Kinder von damals zehn Jahre alte Superman-Hefte kannten. Hier zeigt sich vielmehr die Notwendigkeit von unendlichen Fortsetzungsgeschichten, hin und wieder den Lesern zu erklären, was bisher geschah – oder in diesem Fall: Wie alles begann.

Wir sehen ähnliche Szenen wie im Superboy-Origin: Es wird gezeigt, wie hoch entwickelt Krypton ist, es gibt die Erklärung mit der Gravitation und die Erdbeben. Allein die Kleidung der Kryptonier ist vielfältiger geworden, trotzdem gibt es wieder Aspekte, die an Superman erinnern: Jeder trägt irgendein Symbol auf der Brust, Jor-El trägt ein gelbes Cape und ein rot-gelbes Ringplaneten-Symbol auf seinen grün-gelben Anzug.

Niemand glaubt Jor-El

Supermans Vater erklärt diesmal ausführlicher, warum Krypton explodieren wird: wegen Uranium im Erdinneren, Krypton ist eine große Atombombe – das versteht im Jahr 1948 jeder Leser. Aber abgesehen davon, dass er ausgelacht wird, will auch schon deswegen keiner zur Erde fliegen, weil die Bewohner so weit mit ihrer Entwicklung zurückliegen. Krypton geht also nicht allein an einer Naturkatastrophe zugrunde, sondern an dem Hochmut seiner Bewohner.

Platz für zwei in der Rakete …

So stirbt eine dekadente Welt: Wie schon in Action Comics #1 und More Fun Comics #101 sehen wir Hochhäuser einstürzen und wie in Superman #1 verlässt die blau-rote Rakete den explodierenden Planeten. Für alle Leser, die sich gefragt haben, was aus der Rakete auf der Erde geworden ist, wird auch eine Erklärung geliefert: sie zerstörte sich selbst.

… Lara bleibt bei ihrem Liebsten.

Der Junge wird von den Kents gefunden, als die Rakete an ihrem Auto vorbeirauscht. Die Kents bekommen Vornamen: John und Mary. Sie bringen das Kind pflichtbewusst ins Waisenhaus gebracht und adoptieren es später.

Die Kents entdecken die Rakete.

Wir sehen aber zunächst, wie das Kind sein Spielzeug zerbricht und sich stattdessen anders vergnügt, indem es einen Arzt anhebt (statt eines Sessels oder Schranks) und sich an eine Deckenlampe hängt. Das zerbrochene Spielzeug kann man durchaus als Symbol lesen: Hier überwindet nicht nur das Kind die (gewöhnliche) Kindheit, die jungen Leser bekommen auch zugleich einen anderen Zeitvertreib vorgeführt. Wer braucht schon Spielzeug, wenn er Supermans aufregende Abenteuer lesen kann?

Clark zerbricht sein Spielzeug und findet neues.

Wir sehen bekannte Episoden aus Supermans Jugend, wie er einen Expresszug überholt und über eine Scheune springt, und eine neue, wie er unter einen Traktor kommt und der Traktor zu Bruch geht und wie er dank Röntgenblick die Brille seiner Mutter findet. Am Ende gibt ihm der Vater auf dem Totenbett die prägenden Ratschläge für sein Leben und Clark beschließt, als beide Eltern tot sind, Reporter zu werden, um mit den Bedürftigen in Kontakt zu bleiben.

Was Superman aber immer noch nicht erfährt, ist, woher er stammt. Auch seine Eltern scheinen kein Wort über die Rakete zu verlieren, die ihn hergebracht hat. Seine kryptonische Herkunft erkennt er ein Jahr später (Superman #61, 1949). Dank einer Zeitreise sieht er endlich selbst, was die Leser längst wissen.

The Story of Superman’s Life (1961)

Superman #146 (DC Comics)

Krypton bleibt ein Thema, das immer wieder ausgeschlachtet wird. Superman kehrt zweimal zu seinem Heimatplaneten zurück. In Superman #146 (1961) wird wieder alles von vorn erzählt, auf dem Cover wird aber (wieder) behauptet, es geschehe zum ersten Mal … Und wenn man es genau nimmt, stimmt das, denn so wurde es natürlich noch nicht erzählt: Jede Version ist anders, auch wenn die typischen Versatzstücke gleich sind.

Schon auf dem Cover wird ein wichtiger Unterschied klar: Kal-El ist kein Baby mehr, als er in die Rakete gesteckt wird. Er kann bereits sprechen. Und er trägt schon ein blaues Oberteil mit roter Unterhose und gelbem Gürtel – was bereits spätere Stilentscheidungen vorwegnimmt. (Was impliziert, dass er im Grunde nur ein Kind im Strampelanzug bleibt.) Auf der ersten Seite sehen wir wieder eine Montage wie schon in Superman #53, nur dass Lara diesmal weint, während sie der startenden Rakete zuwinkt, Jor-El hält sie im Arm. Wieder werden zunächst die Kräfte rekapituliert, von denen angeblich die ganze Welt Bescheid weiß. Und es wird einfallsloserweise sogar genauso inszeniert wie 1948: Superman hebt einen Bus an, eine Atomrakete prallt an ihm ab (vorher war es eine Kanonenkugel), er verhindert ein Verbrechen mit Röntgenblick (und benutzt seinen Hitzeblick), er bekämpft Luthors Roboter und baut Häuser für die Armen.

Alltag auf Krypton

Krypton (diesmal mit roter Sonne) wird weiter ausgeschmückt: Mit einem Wetterkontrollturm, der Smog wegblasen kann, mit exotischen Tieren und Robotern für die Hausarbeit. Jor-El (der immer noch Grün trägt, aber jetzt eine gelbe Sonne auf der Brust) erzählt seinen Wissenschatler-Kollegen von der Atombombe im Planetenkern, wird aber ausgelacht. Die Wissenschaft glaubt an eine kosmische Uhr, die für „endlose Jahre“ Sicherheit vorhersagt. Jor-Els Expertise wird abgetan, er habe zu viele Science-Fiction-Geschichten gelesen, heißt es. (Eine seltsame Selbstreferenzialität: Wie Science-Fiction wohl in einer Welt aussieht, die wahrgewordene Science-Fiction lebt?) Er wird von einem Roboter abgeführt, während er von Weltraum-Archen spricht. (Offenbar hat man auch auf Krypton schon von Noah gehört.) Die technikgläubige Welt geht daran zugrunde, dass sie nicht mehr auf die Vernunft ihrer Einwohner vertraut. Die Zivilisation hat mit ihrer Überheblichkeit ihren Zenit erreicht und muss daher untergehen.

Jor-El wird abgeführt

Der Einzige, der Jor-El glaubt, ist sein Bruder Zor-El, Vater des späteren Supergirl. Jor-El testet seine Rakete zuerst mit dem Hund Krypto. Doch obwohl die Rakete mit dem Hund vom Kurs abdriftet, steckt er seinen Sohn dennoch in eine weitere Rakete. Platz für zwei ist da nicht mehr … Während Krypton explodiert, wird Kryptonit freigesetzt, was für Supermans späteres Leid und Todesgefahr steht.

Kal-El wird aus der Rakete geschleudert, bevor sie explodiert.

Kaum auf der Erde gelandet, wird das Kind aus der Rakete geschleudert, dann explodiert sie. Kal-El bleibt unversehrt, aber Jor-El hat das – anders als zuvor – nicht vorhergesehen. Die Kents (die bereits Jonathan und Martha heißen) legen das Kind vor dem Waisenhaus ab, um es später zu adoptieren. Aber im Waisenhaus fällt seine Stärke noch nicht auf – wieder ein Unterschied zu früher. Dafür darf er bei seinen neuen Eltern sein Potenzial ausschöpfen: Er reißt einen Baumstumpf aus, überlebt den Angriff eines Stiers, bläst ein Feuer aus, macht aus Kohle Diamanten etc. Weil seine Kleidung zerstört wird, machen ihm die Kents neue aus den unzerstörbaren Stoffen, die in der Rakete lagen. Clark assistiert mit Röntgen-Hitzeblick.

Aus dem gleichen Stoff näht Martha das Superboy-Kostüm.  Sechs Seiten werden dem jugendlichen Helden gewidmet. So ziemlich alles wird erklärt, was später eine Rolle spielen wird: Krypto, Krypton und Kryptonit. Die Eltern sterben. Wieder gibt der Vater dem Sohn den letzten Rat – aber der ist überflüssig angesichts all der guten Taten, die Superboy bereits vollbracht hat. Wieder steht Clark am Grab. Smallville nimmt Abschied von Superboy, der zu Superman wird.

The Man of Steel (1986)

DC Comics

Nach der Crisis on Infinite Earths, als das DC-Multiversum zusammenbrach und mehrere Erden zu einer neuen fusionierten, starteten alle Helden von vorn. Batman bekam sein Year One, Superman sein The Man of Steel. John Byrne erzählt in der sechsteiligen Miniserie wieder alles neu. Und diesmal ist sehr vieles anders.

Jor-El mit seinem ungeborenen Sohn

Krypton wird heimgesucht von einer grünen Strahlung aus dem Erdinneren, die Bewohner werden von einer Seuche dahingerafft, die Explosion des Planeten steht bevor. Jor-El ist kein unerhörter Prophet mehr, es gibt keine wissenschaftliche Diskussion, sondern nur noch eine mit seiner Frau Lara, die zuerst skeptisch ist, sich dann aber überzeugen lässt. Krypton ist eine sterile Welt, in der die Bewohner sich nicht mehr sexuell fortpflanzen, sondern künstlich. Jor-El schickt kein Baby durchs All, sondern einen Fötus, der erst auf der Erde geboren wird. Lara ist abgestoßen von der Barbarei der Menschen, aber sieht die Notwendigkeit ein, ihr Kind zu retten. Jor-El sieht Kal-Els Fähigkeiten voraus, die durch die gelbe Sonne hervorgerufen werden.

John Byrne fügt in seinem Sechsteiler vieles zum Origin hinzu. Den Umweg übers Waisenhaus lässt er aber weg. Die Kents tun so, als wäre Clark ihr leibliches Kind. Es gibt wieder die Szene mit dem Stier. Jonathan Kent zeigt dem jugendlichen Clark die Rakete, mit der er gekommen ist. Später erscheinen ihm auch seine leiblichen Eltern als Projektionen, die ihn mit Wissen um die alte Heimat speisen. Wichtig: Ma und Pa Kent werden verjüngt und bleiben dadurch am Leben, als Superman erwachsen ist. Sie sehen, was aus ihm wird – und bleiben emotionale Bezugspunkte in Smallville. Das Konzept von Superboy ist in der Crisis draufgegangen, Clark entwickelt seine Kräfte erst allmählich. Die Jugend von Clark wird in der späteren Miniserie Superman for All Seasons (1998) ausführlich erzählt.

Fast zwei Jahrzehnte lang bleibt The Man of Steel der maßgebliche Superman-Origin.

Neues Jahrtausend, neue Origins

Das 21. Jahrhundert ist voller Superman-Neuanfänge: In den Comics gibt es Birthright (2004), dann Secret Origin (2009), abseits der Continuity erscheinen die Elseworlds-Story Secret Identity (2004) und Earth One (2010). Nach dem Flashpoint-Event wird das DC-Universum wieder auf Null gesetzt. Im Zuge des Reboots von The New 52 (2011) bekommt auch die Traditionsserie Action Comics eine neue Nummer 1 (nur um fünf Jahre später wieder zur alten Zählung zurückzukehren) und Superman einen neuen Origin. Zuletzt widmete sich die Miniserie American Alien erneut den Anfängen.

Und dann gibt es noch Film und Fernsehen: Das neue Jahrtausend begann mit der TV-Serie Smallville, die das Superboy-Thema auf zehn Staffeln streckte (und das noch in die Comics fortgesetzt wurde), bis hin zu dem Film-Reboot Man of Steel (2012). Nach dem Vorbild von Gotham ist im März 2018 eine Fernsehserie namens Krypton gestartet, eine Serie namens Metropolis ist in Arbeit.

Die unendliche Geschichte geht weiter. Immer wieder von vorn.

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