Superman

Der deprimierendste Superman aller Zeiten

Heute vor fünf Jahren kam Man of Steel in die Kinos. Zeit für einen Rückblick. Nach seiner Dark Knight-Trilogie produzierte Christopher Nolan einen neuen Superman. Der Held hatte es nötig: Seit Christopher Reeve war es nicht gelungen, einen neuen Film-Superman zu erschaffen, der das Publikum begeistern konnte und im kulturellen Gedächtnis Bestand hatte. Bryan Singers Superman Returns (2006), ein Versuch, an Richard Donners Filme anzuknüpfen, überzeugte – trotz eher wohlwollender Kritiken – nicht wirklich. Nach dem gelungenen Reboot Batman Begins war dieser nostalgische Sprung zurück eine verschenkte Chance. Zu lange klammerte man sich an das Erbe der Klassiker.

Mit Man of Steel sollte alles anders werden. Zack Snyder versuchte, das Dark Knight-Konzept des anspruchsvollen nachdenklichen Superheldenfilms auf Superman zu übertragen. Superman wurde düsterer, das machte sich nicht nur an der Grundstimmung, sondern auch an der Optik bemerkbar. Alles Blaue wurde grau. Und mit den Farben ging auch der Humor flöten. Und eigentlich alles, was man mit Superman verbindet: Hoffnung, Optimismus, Lebensbejahung. Superman tötet – noch bevor er richtig angefangen hat, ist er am Ende. Damit war Man of Steel vielleicht nicht der schlechteste, aber bestimmt der deprimierendste Superman-Film aller Zeiten.

Der Film spaltete Kritiker und Fans. Bei Rotten Tomatoes ist er bei 55 Prozent gelandet, immerhin 75 Prozent der Fans fanden ihn gut, bei IMDb hat er eine Wertung von 7,1 – aber das muss heutzutage nichts heißen. „Man of Steel’s exhilarating action and spectacle can’t fully overcome its detours into generic blockbuster territory“, heißt es bei RT und das trifft in etwa den Kern. Gerade das Finale, bei dem Superman Metropolis in Schutt und Asche legt, schießt übers Ziel hinaus. Mag sein, dass es mit dem Beginn von Batman v Superman alles in einem größeren Kontext Sinn ergibt, aber wie wir wissen, überzeugt dieser Sinn nicht. Es bleibt ein übertriebenes und ermüdendes Spektakel.

Zack Snyder hat als Regisseur kein Gespür für Feinheiten, er macht Filme mit dem Holzhammer. Bildgewaltig, sonst nichts. Und so ist auch nichts an diesem Film hängengeblieben: Weder die Haupt- noch die Nebenfiguren. Das ist schade, denn Henry Cavill macht eigentlich eine gute Figur und auch sonst ist der Film gut besetzt. Aber trotzdem: Keine Szene bleibt besonders in Erinnerung. Bis auf diese eine, bei der ich mich am meisten geärgert habe: Als Jonathan Kent bei einem Sturm ums Leben kommt, weil er einen Hund rettet. Einen Hund. Damit ist wohl alles gesagt.

Die nächste DC-Krise: Heroes in Crisis

Heroes in Crisis #1 DC Comics)

Alle paar Jahre kriegt das DC-Universum die Krise: Crisis on Infinite Earths (1985), Identity Crisis (2004), Infinite Crisis (2005), Final Crisis (2008). In diesem Jahr ist es wieder soweit: Heroes in Crisis heißt eine siebenteilige Mini-Serie, die am 26. September 2018 in den USA startet. Doch dieses Mal geht es nicht um kosmische Krisen, sondern um ganz persönliche. Batman-Autor Tom King und Zeichner Clay Mann erzählen eine Story, in der es vordergründig um einen Mordfall geht (vgl. Identity Crisis), aber tatsächlich darum, wie die Helden mit der Erfahrung von Gewalt umgehen. Im Mittelpunkt stehen die Helden hinter der Maske. Wenn ihnen die Kämpfe zu viel werden, ziehen sie sich an einen Ort namens Sanctuary zurück, eine Art Krisenzentrum für Superhelden. Heroes in Crisis handelt davon, was passiert, wenn Sanctuary versagt und katastrophale Folgen hat. Die Story kreist neben der Dreifaltigkeit aus Batman, Superman und Wonder Woman auch um Harley Quinn und Booster Gold, die vorne auf dem ersten Cover zu sehen sind.

„I feel like I’m part of a rolling generation of people who spent their twenties overseas fighting terrorism“, sagt King. „Millions of people cycle through that machine and come home to America. And I think that sort of experience of violence is shaping who we are as a culture, and as a country. And I want to talk about that. I want to talk about that experience, the experience of what violence can do to a person, to a community, to a nation, to a world.“ King fühle sich verpflichtet, darüber zu sprechen, was Gewalt einer Gesellschaft antun kann. Er wolle einen Sinn für Gemeinschaft von Superhelden und Menschen schaffen.

Tom King hat sich bereits kritisch mit dem Thema Gewalt in seiner Comic-Serie The Sheriff of Babylon (Vertigo) auseinandergesetzt. Darin geht es um einen Mordfall im Irak nach der Invasion der Amerikaner.

Supergirl und der rote Riese

DC Comics

Titel: The World’s Greatest Heroine/The Infinite Monster

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Jim Mooney

Erschienen: 1962 (Action Comics #285), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Superman hat entschieden: Drei Jahre nach ihrer Ankunft auf der Erde ist Supergirl endlich reif, der Welt vorgestellt zu werden. Und ihre Adoptiveltern, die Familie Danvers, dürfen es auch erfahren, wen sie sich da ins Haus geholt haben. Doch noch bevor es zum Bekenntnis kommen kann, rettet Linda sie vor einem Autounfall und offenbart ihre Kräfte.

Daraufhin präsentiert sie Superman der Öffentlichkeit – und alle Welt feiert sie auf eine fast schon grotesk überschwängliche Art. Nicht nur die Präsident Kennedy empfängt sie, auch die UNO ehrt sie, auch Kandor, Atlantis und Aliens von anderen anderen Planeten. Die junge Frau hat noch kaum einen Finger gerührt und wird verehrt wie eine Göttin. Man setzt ihr Denkmäler.

Als Superman sich mal kurz empfiehlt, um irgendwas in der Zukunft zu erledigen, darf sich Supergirl erstmals allein an einer Gefahr beweisen. Ein riesiges rotes Monster aus einer Parallelwelt taucht auf und latscht durch die Landschaft, das Militär kann gegen die roten Beine nichts ausrichten, selbst Supergirl ist machtlos. Was tut sie also? Ruft sie die Justice League? Nein. Holt sie Superman? Auch nicht. Sie schickt eine Nachricht in die Zukunft. Die Legion of the Superheroes empfängt sie, schickt einen Schrumpfstrahler zurück und die Sache ist erledigt.

Auf den letzten drei Seiten wird Supergirl wieder abgefeiert. Militärische Ehren, wieder der Präsident, das Waisenhaus, sie wird überschüttet mit Geschenken. Superman richtet ihr ein Zimmer in der Festung der Einsamkeit ein, wodurch es nicht mehr so einsam dort wird, und schließlich macht er sie sogar zu einer gleichberechtigten Partnerin. Alle freuen sich. Aber so richtig will der Funke nicht überspringen, was das ganze Theater eigentlich soll.

Und niemand redet über den jungen Mann, den Linda in einem Labyrinth zurückgelassen hat, um sich als Supergirl verdrücken zu können. Der ist bestimmt ganz und gar nicht erfreut über die Manieren dieses Mädchens …

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Supermans Cousine: L.L. Nummer 4

DC Comics

Titel: The Supergirl from Krypton

Autor/Zeichner: Otto Binder/Al Plastino

Erschienen: 1959 (Action Comics #252), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„Look again, Superman! It’s me … Supergirl! And I’m real!“

Man muss die Comics des Silver Age einfach lieben. Diese Schlichtheit, diese Naivität und gleichzeitig diese ungehemmte Fantasie, die sich um Naturgesetze nicht schert und sich ihre eigenen schafft. So ist es auch bei der Story von Supergirl – und zwar mustergültig. Plötzlich landet eine Rakete auf der Erde und Supergirl springt heraus – ein blondes Mädchen im Kostüm. Superman hört sich ihre Geschichte an, glaubt ihr, verschafft ihr ein Inkognito und bringt sie in ein Waisenhaus. Keine Action, keine Herausforderung. Manchmal geschehen Dinge einfach so.

Die eigentliche Story ist die Vorgeschichte von Supergirl: Bei der Explosion von Krypton wurde ein großer Brocken weggesprengt, auf dem ein Teil der Einwohner überleben konnte. Aber wie soll das gehen? Ganz einfach: mit dem Stück Krypton kam eine große Luftblase mit. Und weil sie eine Lebensmittelmaschine dabei hatten, konnten sie eine Weile länger durchhalten. Allerdings nur bis das Kryptonit im Inneren des Felsbrockens sie auslöschte. Zwar konnte man die Strahlung aufhalten, weil ein Wissenschaftler zufällig eine Rolle Blei im Labor hatte, mit der man den Boden bedecken konnte, aber letztendlich mussten auch die letzten Kryptonier dran glauben.

Der Rest ist von Supermans Vorgeschichte abgeschrieben: Zor-El schickte seine Tochter Kara in einer Rakete zur Erde. Warum gerade dorthin? Weil man durch ein Super-Space-Teleskop erkennen konnte, dass da ein Superman rumfliegt. Und dank des Space-Radios (das zudem die Sprache übersetzte) konnte man erfahren, dass auch er von Krypton stammte. Warum Zor-El keine größere Rakete für seine Familie bauen konnte, ist nicht überliefert.

Superman erfährt, dass Kara seine Cousine ist. Dann kommt es zum interessantesten Irritationsmoment: Sie wählt das Pseudonym Linda Lee. Superman denkt sich, was jeder Leser denkt: Schon wieder eine L.L.? Nach seiner Jugendliebe Lana Lang und seiner unerfüllten Liebe Lois Lane ist das ein merkwürdiger Zufall. (Parallel zu Action Comics #252 erschien auch Superman #129, in dem Lori Lemaris eingeführt wurde.) Man kann sagen: Die Frauen in Supermans Leben tragen eben alle diese Initialen (warum auch immer). Aber es lässt sich nicht leugnen, dass in der Reihe mit den drei Frauen, die Superman liebte, der Name Linda Lee einen leicht inzestuösen Beigeschmack bekommt …

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Was Superman alleine treibt

DC Comics

Titel: The Super-Key to Fort Superman

Autor/Zeichner: Jerry Coleman/Wayne Boring

Erschienen: 1958 (Action Comics #241), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman – Deluxe Edition)


„It was all a jest to amuse you.“

Jeder Junge braucht ein Klubhaus. Und jeder Mann ein Hobbyzimmer. Superman hat seins am Nordpol, in einem Berg: die Festung der Einsamkeit. Hier ist Superman Mensch, hier darf er’s sein. In dieser Festung sammelt er Trophäen und Souvenirs, hütet er seinen interplanetarischen Zoo, erforscht Kryptonit, bastelt Geschenke für Lois, Jimmy und Batman, aber er malt auch und führt Tagebuch.

Wenn Superman schreibt, dann natürlich nicht auf Papier, sondern auf riesige Metallplatten, in die er mit seinem Finger kryptonische Schriftzeichen eingraviert, damit sie niemand lesen kann. Wenn Superman malt, dann sind es surreal anmutende Gestalten, aber sie entspringen nicht seiner Vorstellungskraft, sondern geben ein realitätsgetreues Abbild der Marsoberfläche wieder. Superman, die fantastischste Figur überhaupt, ist ein bodenständiger, konservativer Realist.

Das Einzige, was Supermans Festung nicht hat, sind Gäste und Besucher. Die Festung ist ein Rückzugsort, der nur für Superman erreichbar ist. Er schließt sie mit einem überdimensionalen Schlüssel auf, den niemand heben kann. Doch eines Tages stellt er fest, dass jemand eingedrungen ist – und der Unbekannte droht damit, Supermans Geheimidentität zu enthüllen. Superman versucht herauszufinden, wer dahintersteckt …

Achtung: SPOILER!

Die Auflösung überrascht: Es ist Batman. Und wieso? Einfach so, aus Spaß. Und weil Superman sozusagen Geburtstag hat. Und auch sonst alles. Aber schenkt man so jemandem? Batman schenkt Superman daher ein Rätsel. Superman findet das aber erst lustig, als er ihn selbst reinlegen darf. Am Ende gibt es eine Riesentorte in der Bathöhle, die Batman selbst gebacken hat. Wie er das geschafft hat und wer das alles aufessen soll, wird leider nicht erzählt.

Damit ist The Super-Key to Fort Superman eine Art Vorläufer von Alan Moores For the Man Who Has Everything (1985) – nur dass später das Geschenk weniger harmlos ist.

>> Liste der Superman-Comics

Take a Walk on the Darkseid

Titel: Darkseid War I-II (Justice League Vol. 7-8)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jason Fabok, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Justice League #40-50), Paperbacks 2016


„With the Mobius chair, I can finally be the Batman that Gotham needs.“ (Batman)

Der Anti-Monitor ist wieder da! Nachdem er die Erde des Crime Syndicates zerstört hat, ist nun die Erde unserer Helden dran. Es kommt zum Kampf mit Darkseid, der ein ähnliches Ziel hat. Einer von beiden geht drauf. Und einige der Helden werden – wie der Zufall es will gleichzeitig – zu Göttern. Zum Beispiel wird Superman zu einem Schwarz-weißen Choleriker. Und Flash wird zum neuen Black Racer, dem Todesbringer. Batman übernimmt den Möbius-Stuhl von Metron. (Fun Fact: Der Stuhl gehörte früher dem Anti-Monitor, der einst Möbius hieß.) Dadurch hat er den totalen Durchblick. Als er fragt, wie der echte Name des Jokers lautet, ist er über die Antwort erstaunt: es sollen drei sein. (Welche, fragt er offenbar nicht mehr.)

Darkseid War ist ein Epos, mit dem Geoff Johns seine Justice League-Serie abschließt. Er greift damit Darkseids Angriff im ersten Band (Origin) auf, bei dem sich die JL formierte, er holt das Crime Syndicate aus Forever Evil wieder hervor und schlägt bestimmt auch ein paar Bögen, die ich verpasst habe. Er holt weit aus, rekapituliert die vergangenen drei Jahrzehnte DC-Geschichte, dichtet eine Darkseid-Tochter herbei, die von einer Amazone geboren wurde etc. Am Ende können all die Figuren, Nebenfiguren und Plot-Fäden nicht über die alte Formel hinwegtäuschen, dass alle mit vereinten Kräften gegen einen übermächtigen Schurken kämpfen. Und ziemlich einfach gewinnen.

So bleibt auch der Abschluss dieser Justice League-Serie eine solide Story, die man nicht unbedingt lesen muss. Es reicht auch, sich die atemberaubenden Zeichnungen von Jason Fabok und Francis Manapul anzusehen.

DC Comics

Ergänzt wird der Darkseid-Krieg durch mehrere One-shots, in denen die zu Götter verwandelten Helden einzelne Auftritte bekommen. In „God Only Knows“ (Justice League: Darkseid War: Batman #1) reist Batman als „God of Knowledge“ im Möbius-Stuhl durch Gotham und nimmt Pre-Crime-mäßig Schurken hoch, noch bevor sie Straftaten begehen. Eine Bande schickt er in die Antarktis, einen Mann, der seine Frau umbringen will, auf die Amazonen-Insel Themyscira. Und er sucht im Gefängnis Joe Chill heim. Da der Mörder seiner Eltern sich nicht reumütig zeigt, offenbart Batman ihm, dass er Bruce Wayne ist. Erst da bekommt er es mit der Angst zu tun.

Immerhin ist diese kleine Episode interessant, um Batman einmal von einer anderen Seite zu sehen: Zum einen abgeklärt und noch skrupelloser, zum anderen auch noch besessener, da er sich vom Stuhl der Erkenntnis beeinflussen lässt und nicht mehr von ihm loskommt.

Brainiac: Wissen ist Macht

DC Comics

Titel: Brainiac

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2008 (Action Comics #866-870, Superman: New Krypton Special #1), Paperback 2009, 2013 (als Last Son of Krypton)


„They call you Superman. Why would they call you that — when you are not a ‚man‘ at all? And ’super‘? There is nothing super about you.“ (Brainiac)

Die Story ist simpel: Brainiac kommt zurück und stiehlt Metropolis für seine Flaschenstadtsammlung, dann entführt er Superman und will die Erde vernichten. Superman verhindert das zusammen mit Supergirl. Wenn uns die Handlung bekannt vorkommt, dann liegt es daran, dass sie bereits ähnlich 1958 in Action Comics #242 erzählt wurde. Diese Story ist eine Art modernisiertes Update mit einigen starken Änderungen.

Brainiac geht es um reine Informationen. Wissen ist Macht, ist seine Devise. Das Leben interessiert ihn nicht, die Erde und ihre Bewohner sind für ihn minderwertig – und auch an Superman ist für ihn nichts super. Das wird ihm zum Verhängnis. Brainiac wird besiegt wie in Krieg der Welten, indem er mit dem Leben selbst konfrontiert wird.

Dank der Zeichnungen von Gary Frank (Superman: Secret Origin, Batman: Earth One) wird der Comic zum Genuss. Kaum einer zeichnet so klar und zugleich so lebensnah, dass jedes Gesicht und jeder Körper wirken, als könnten sie sich gleich in Bewegung setzen. Brainiac bekommt eine Aura verliehen, die an H.R. Gigers Alien erinnert. Das macht den Schurken zu einem unheimlichen Gegner.

ACHTUNG: SPOILER!

Am Ende wird auch Kandor befreit. Nicht nur aus Brainiacs Sammlung, sondern auch vergrößert. (Allerdings am Nordpol, neben der Festung der Einsamkeit.) Und Jonathan Kent stirbt. Superman hegt einen so großen Hass gegen Brainiac, dass er davon träumt, ihn zu Brei zu schlagen. Eine ungewohnte Seite, den friedfertigen Helden so aggressiv zu sehen.

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Noch ein letzter Kryptonier

DC Comics

Titel: Last Son (of Krypton) (dt. Kryptons letzter Sohn)

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Richard Donner/Adam Kubert

Erschienen: 2006-2008 (Action Comics #844-846, #851, Action Comics Annual #11), Paperback 2013; dt. Panini 2013


„You’ve taught humanity to rely on you and not fight for themselves.“ (Lex Luthor)

Superman gilt als der letzte Kryptonier. Eine traurige Figur. Doch das blieb nicht lange so: Da gab es Cousine Supergirl, General Zod und seine Mitstreiter und es gab die ganze Stadt Kandor. Der letzte Kryptonier ist also keineswegs allein mit sich.

In Last Son geht es genau darum: Es kommt ein Kind zur Erde, das offenbar von Krypton stammt. Das Militär nimmt ihn in Obhut, Superman befreit es, dann will sich Lex Luthor den Jungen holen und bringt Bizarro ins Spiel. Letzten Endes ist der Junge nur die Vorhut von Zod, dem Vater des Kindes, der mit den anderen Gefangenen aus der Phantomzone die Weltherrschaft übernimmt. Selbst die Justice League kommt dagegen nicht an.

Superman landet selbst in der Phantomzone, er verbündet sich mit Lex Luthor und anderen klassischen Schurken. Hier beginnt der wahre Spaß. Geoff Johns und Richard Donner (Regisseur der ersten beiden Superman-Filme) entwerfen eine typische All-Star-Story, die alles bietet, was Superman-Fans kennen und lieben: die größten Schurken, Krypton-Backstory, eine vernichtende Alien-Invasion – und das alles dargestellt in vielen großen, atemberaubenden Splash Pages. (Allerdings bin ich kein großer Fan von Adam Kubert, die Zeichnungen seines Bruders Andy sprechen mich persönlich eher an.)

Dabei wird das Rad leider nicht gerade neu erfunden: Lex Luthor geht wieder in seiner Rolle als xenophobes Genie auf, das sich in seinem Kryptonier-Hass bestätigt sieht und Superman die Schuld dafür gibt, nicht den Krebs besiegt zu haben. Superman, so Luthor, sei auch verantwortlich dafür, dass die Menschen sich zu sehr auf ihn verlassen, statt selbst nach Höherem zu streben. Das alles hat man schon oft gelesen.

Leider bleibt die Story auch hinter der Erwartung zurück, dem kryptonischen Jungen, der später Christopher Kent getauft wird, so etwas wie einen Charakter zu geben. Dafür aber bekommt Zod eine ungeahnte Tiefe, als er sich als Mann mit einst noblen Motiven entlarvt.

Anmerkung: Die 2013er Ausgabe enthält auch die Storyline Brainiac von Geoff Johns und Gary Frank.

>> Liste der Superman-Comics

Jeder will ein Held sein

DC Comics

Was macht einen Helden aus? Außergewöhnliche Fähigkeiten? Oder vielmehr außerordentliche Taten? In der bislang unveröffentlichten Superman-Story Too Many Heroes (1945), die in der Jubiläumsausgabe Action Comics: 80 Years of Superman erschienen ist, wollen plötzlich sehr viele den Helden spielen. Denn in der Geschichte von Jerry Siegel und Joe Shuster geht es um Geld. Ein reicher Schauspieler vermacht auf dem Sterbebett demjenigen eine Million Dollar, der sich innerhalb einer Woche als größter Held beweist. Als Testamentsvollstrecker engagiert er Jonathan Trundle, einen der miesesten Anwälte der Stadt, nach dem Zufallsprinzip.

Kaum hat der Daily Planet die Story gedruckt, begehen plötzlich sehr viele Menschen in Metropolis Heldentaten. Kleiner Haken: sie alle sind fingiert. Ein Zoowärter lässt einen Tiger frei, ein Mann wirft einen anderen vor einen Bus, einer stürzt sich von einer Brücke usw. Schließlich aber wird Trundle selbst von der Nichte des Schauspielers gerettet, später erwidert er den Gefallen und wird selbst zum Begünstigten.

Natürlich hilft Superman kräftig mit, dass es dazu kommt. Er legt für den Loser-Anwalt ein gutes Wort beim Richter ein. Und am Ende findet Trundle nicht nur einen Topf voll Gold, sondern auch die große Liebe. Moral: Jeder kann ein Held sein – selbst der größte Versager. Aber die Story ist viel interessanter, weil sie die Frage aufwirft, was Heldentum ausmacht. Wer nur für Geld den Helden spielt, ist ein Betrüger und verdient keine Belohnung. (Allerdings lässt das Polizisten und Feuerwehrleute in einem fragwürdigen Licht dastehen.) Da hat DC jedenfalls für den Jubiläumsband eine schöne Geschichte aus dem Archiv gegraben. Und dankenswerterweise wurde sie unkoloriert und offenbar auch sonst unbearbeitet abgedruckt – am Rand kann man immer noch handschriftliche Anmerkungen lesen.

DC Comics

Die zweite neue Geschichte im Jubiläumsband ist The Game. Die Comic-Urgesteine Paul Levitz und Neal Adams erzählen von einem Schachspiel zwischen Superman und Lex Luthor. Die Szene erinnert an das Spiel der Erzfeinde und Freunde Charles Xavier und Erik Lehnsherr aus X-Men, aber leider kommt hier weder ein interessanter Dialog zustande noch sonst irgendeine Spannung. Nach wenigen Panels ist Luthor matt, dann fesselt Luthor Superman mit Kryptonitketten (Klischee) und Superman befreit sich sofort daraus dank einer Motherbox von Scott Free (Deus ex machina). Ende der Geschichte. So schnell gelesen wie vergessen. Eine Enttäuschung.

Die dritte neue Superman-Story ist Supersquare, ein zweiseitiger Comic Essay von Gene Luen Yang. Ein Mann, der dem Autor ähnlich sieht, wirft Superman vor, langweilig und lächerlich zu sein. Warum ist Superman so ein Spießer?, fragt er. Aber Superman schweigt. Der Autor antwortet sich selbst: Weil Superman ein Alien, ein Immigrant sei, müsse er sich wie ein mustergültiger Staatsbürger benehmen. Dadurch werde er von den Menschen akzeptiert. Ein interessanter Gedanke, leider etwas einfallslos ausgeführt …

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Doppeldate mit Lois und Clark

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (Batman Vol. 5)

Autor/Zeichner: Tom King/Joelle Jones, Michael Lark, Clay Mann

Erschienen: 2018 (Batman #33-37, Batman Annual #2), Paperback 2018 (Batman Vol. 5)


„I’ll always be second to a child’s idiotic fantasy.“ (Selina Kyle)

Kaum sind Batman und Catwoman verlobt, erleben sie ihr erstes gemeinsames Abenteuer als Paar. In der Wüste von Khadym treffen sie auf Talia al Ghul, wo sie sich Schwertkämpfe mit ihr liefern, wobei Selina länger durchhält als Bruce. Nebenbei erfahren die drei Robins und Duke Thomas erst von Alfred von der Verlobung und fragen sich, wieso Bruce ihnen so etwas vorenthält …

Dann kommt es zum Doppeldate zwischen Bruce, Selina, Superman und Lois Lane. Ein Kapitel lang geht es um die Frage, wer wen anrufen soll, um ein Treffen vorzuschlagen. Ein Kapitel lang sehen wir die vier auf einem Jahrmarkt. Weil das Motto Superhelden lautet, tauschen die beiden Herren und Damen ihre Kostüme: Batman wird zu Superman und umgekehrt. Lois Lane wird zu Catwoman und Catwoman zu Selina Kyle in Lois‘ Kleid. Und so plaudert man über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ehe.

Schließlich ist da noch ein sentimentales Schlusskapitel, in dem eine Episode aus der Anfangszeit von Batman und Catwoman erzählt wird, verbunden mit einer Zukunftsepisode über die letzten Tage des alten Paares.

Der fünfte Band von Tom Kings Batman-Serie ist der bisher ruhigste und nachdenklichste, aber auch der heiterste und emotionalste, aber obwohl ein Spannungsbogen fehlt, unterhält er besser als die meisten vorherigen. Da ist zum einen der Humor, der die Geschichten mit Ironie durchzieht, da sind zum anderen Highlights wie Batman und Superman beim Baseball. Man mag das lächerlich finden, aber Tom King bekommt es gut hin, dass es Spaß macht, ohne weh zu tun.

Und natürlich sind die Zeichungen von vorn bis hinten erstklassig: Mit Joelle Jones darf erstmals eine Frau an Batman ran und man fragt sich, warum das erst jetzt passiert, da mit Selina Kyle auch eine Frau dauerhaft in Batmans Leben tritt. Jetzt müsste man sie nur noch Batman schreiben lassen, aber so weit ist man bei DC wohl noch nicht …

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