Wayne Boring

Was Superman alleine treibt

DC Comics

Titel: The Super-Key to Fort Superman

Autor/Zeichner: Jerry Coleman/Wayne Boring

Erschienen: 1958 (Action Comics #241), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman – Deluxe Edition)


„It was all a jest to amuse you.“

Jeder Junge braucht ein Klubhaus. Und jeder Mann ein Hobbyzimmer. Superman hat seins am Nordpol, in einem Berg: die Festung der Einsamkeit. Hier ist Superman Mensch, hier darf er’s sein. In dieser Festung sammelt er Trophäen und Souvenirs, hütet er seinen interplanetarischen Zoo, erforscht Kryptonit, bastelt Geschenke für Lois, Jimmy und Batman, aber er malt auch und führt Tagebuch.

Wenn Superman schreibt, dann natürlich nicht auf Papier, sondern auf riesige Metallplatten, in die er mit seinem Finger kryptonische Schriftzeichen eingraviert, damit sie niemand lesen kann. Wenn Superman malt, dann sind es surreal anmutende Gestalten, aber sie entspringen nicht seiner Vorstellungskraft, sondern geben ein realitätsgetreues Abbild der Marsoberfläche wieder. Superman, die fantastischste Figur überhaupt, ist ein bodenständiger, konservativer Realist.

Das Einzige, was Supermans Festung nicht hat, sind Gäste und Besucher. Die Festung ist ein Rückzugsort, der nur für Superman erreichbar ist. Er schließt sie mit einem überdimensionalen Schlüssel auf, den niemand heben kann. Doch eines Tages stellt er fest, dass jemand eingedrungen ist – und der Unbekannte droht damit, Supermans Geheimidentität zu enthüllen. Superman versucht herauszufinden, wer dahintersteckt …

Achtung: SPOILER!

Die Auflösung überrascht: Es ist Batman. Und wieso? Einfach so, aus Spaß. Und weil Superman sozusagen Geburtstag hat. Und auch sonst alles. Aber schenkt man so jemandem? Batman schenkt Superman daher ein Rätsel. Superman findet das aber erst lustig, als er ihn selbst reinlegen darf. Am Ende gibt es eine Riesentorte in der Bathöhle, die Batman selbst gebacken hat. Wie er das geschafft hat und wer das alles aufessen soll, wird leider nicht erzählt.

Damit ist The Super-Key to Fort Superman eine Art Vorläufer von Alan Moores For the Man Who Has Everything (1985) – nur dass später das Geschenk weniger harmlos ist.

>> Liste der Superman-Comics

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Superman liebt eine Meerjungfrau

DC Comics

Titel: The Girl in Superman’s Past

Autor/Zeichner: Bill Finger/Wayne Boring

Erschienen: 1959 (Superman #129), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Vor Lois Lane und nach Lana Lang gab es noch eine andere Frau in Supermans Leben: Lori Lemaris. Zunächst erschien sie ihm als Kommilitonin im Rollstuhl, stellte sich aber schnell als Meerjungfrau heraus. Superman will sie sogar heiraten und seine Superheldenrolle für sie aufgeben, aber es kommt ganz anders.

Es beginnt auf dem Campus: Clark Kent rettet sie einmal, als sie einen Abhang hinunterrast, dann noch einmal aus dem Wasser, aber das scheint nur so, denn sie ist ja in ihrem Element und redet mit einem Riesen-Octopus.

Daraufhin träumt der frisch verliebte Clark davon, sie durchs Weltall zu fliegen, ihr Porträt in einen Berg zu meißeln und eine Musikkapelle rund um die Welt zu transportieren, die ein Liebeslied spielt, das er selbst komponiert. Hals über Kopf gesteht er ihr seine Geheimidentität – aber Lori weiß es längst. Kurz verdächtigt er sie der Spionage, aber als ein Damm bricht und Lori ihre Schwanzflosse zum Einsatz bringt, erklärt sie ihm, dass sie aus Atlantis stammt.

Und dann ist sie weg. Und Clark ist wieder allein, allein. Warum, wird nicht ganz klar. Lori muss halt zurück zu ihren Leuten. War mehr oder weniger nur ein Studentenaustausch. Wenn auch nur einseitig, um zu sehen, was die Leute an der Erdoberfläche so treiben. Was sie herausgefunden hat und inwiefern das für ihr Volk von Interesse ist – man erfährt es nicht. Im Grunde war sie also doch eine Spionin! Aber wer will es schon so genau nehmen, wenn Liebe im Spiel ist …

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Per Zufall nach Krypton

DC Comics

Titel: Superman’s Return to Krypton

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Wayne Boring

Erschienen: 1960 (Superman #141), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„… it all seems like a strange, incredible dream!“ (Superman)

Krypton ist Geschichte, zerstört, erledigt. Nur noch eine Erinnerung. Aber es ist einfach zu verlockend, es auf sich beruhen zu lassen. Also gibt es Rückblenden. Immer wieder dieses Bild: die Rakete, die von einem explodierenden Planeten startet, um den letzten Überlebenden auf die Erde zu retten. Superman durfte es mal selbst mitansehen. Aber er war unsichtbar und konnte nichts ausrichten. Jahre später reiste er wirklich zurück. Und die Story liest sich so surreal wie eine Kette von Träumen – oder wie ein wilder Trip auf Halluzinogenen.

Superman erforscht im All ein außerirdisches Wesen, das so groß und rund ist wie ein Planet, aber ausgestattet mit Extremitäten und einem Rüssel. Als der Mann aus Stahl dem Alien folgt, durchbricht er aus Versehen die Zeitbarriere, reist in die Vergangenheit und landet auf Krypton. Die rote Sonne raubt ihm die Kräfte. Bald darauf findet er sich auf dem Set eines Science-Fiction-Films wieder und wird wegen seines Kostüms für einen Schauspieler gehalten. Dass er weder im Drehbuch noch im Drehplan steht, scheint niemanden zu kümmern. Superman spielt einfach mit. Der Film ist aber so realistisch, dass ein echtes Raumschiff verwendet wird …

Ähnlich abgedreht geht es immer weiter. Aber zum Kern der Story: Superman trifft seine Eltern. Und er verliebt sich in eine Schauspielerin, die – wie Superman es schon vermutet – die Initialen L.L. trägt: Lyla Lerrol. Superman verliebt sich so sehr in sie, dass für ihn das Universum erst jetzt Sinn ergibt, er will sie sogar heiraten und mit ihr auf dem todgeweihten Planeten sterben. Aber das alles nur so lange, bis sich für den Zeitreisenden eine Gelegenheit bietet, sich zu verdrücken und zur Erde der Gegenwart zurückzukehren. Das geht dann auch so schnell und unemotional wie die Ankunft …

Krypton entfaltet sich als surreale Kulisse: Wir sehen ein Tal der Regenbogen, Juwelenberge, Goldvulkane, doppelköpfige Löwen-Paarhufer, Künstler, die Bilder mit Gedankenkraft herstellen. Superman lernt im Schlaf, wie man Raketen konstruiert, baut einen Roboter, der Stahl verbiegen kann, und verhilft mit einem Gewehrschuss durchs All seinen künftigen Zieheltern dazu, zusammenzukommen. (Als wären sie es sonst nicht.)Erst dann stellt sich die Frage für Superman, ob er das Schicksal ändern kann. Kann er nicht. Versucht es trotzdem. Aber dann kommt Brainiac dazwischen, der Kandor klaut. Und noch eine Verkettung weiterer, absurder Zufälle, die ihn zurückbringen.

Puh … was für ein Trip! Superman kommt es vor wie ein Traum. Und da alle Handlung ohne Wirkung bleibt, war es am Ende wohl auch nicht mehr als das.

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