Superman

Duell unter roter Sonne

DC Comics

Titel: The Showdown Between Luthor and Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1963 (Superman #164)


Lex Luthor hat die Schnauze voll. Während er im Knast sitzt, fliegt Superman frei herum. Und warum? Nur weil Superman eifersüchtig ist auf das Genie! Es muss keinen großen Sinn ergeben, jedenfalls bricht Lex mal wieder aus (indem er eine Maschine zu einem Panzer umbaut). Und dann fordert er Superman zu einem Kampf heraus, bei dem beide die gleichen Chancen haben – ohne Superkräfte.

Man könnte argumentieren, was Lex an Kräften fehlt, hat er im Kopf. Man könnte sagen: Er ist schon so oft gegen Superman gescheitert, dass sich jeglicher weitere Zweikampf erübrigt. Superman muss also keinem noch etwas beweisen, Lex ist in der Bringschuld. Trotzdem willigt Superman ein. Warum eigentlich? Wegen seines Rufs. Superman fürchtet, für einen Feigling gehalten zu werden, wenn er die Herausforderung nicht annimmt. Die naheliegendste Lösung wäre, den flüchtigen Verbrecher wieder zu verknacken. Aber dann gäbe es die folgende Story nicht … Und so bleibt keine andere Erklärung als: Es geht ums Ego.

Um zu einem Planeten mit roter Sonne zu fliegen, baut Superman sogar eine Rakete. Sie fliegen auf einen Wüstenplaneten, bauen sich einen Ring, ziehen ihre Hemden aus und prügeln sich. Superman gewinnt, Lex liegt am Boden. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein.

Doch als Superman Wasser holt, um Lex aus dem K.O. zu holen, lässt dieser einen Kakteenwald wachsen, sodass sie Superman zu erdrücken drohen. Dann rollt er noch einen Felsen auf ihn. Superman kann die Gefahren zwar abwenden, aber als ein Sandsturm ausbricht, verdurstet er fast in der Wüste.

Lex findet eine Stadt mit Menschen, macht sich beliebt, indem er böse Vögel verjagt und verspricht ihnen, mehr Wasser zu besorgen. Obwohl er alte Maschinen wieder instand setzt und fleißig gräbt, scheitert er. Am Ende findet ihn Superman, sie kämpfen noch einmal in einem Ring, Lex schickt einen Tornado und einen Roboterhund auf ihn los, aber Superman wird mit allem fertig, auch im Zweikampf mit Lex.

Doch der lässt sich absichtlich besiegen, damit er mit Superman zu einem Eisplaneten fliegen und den Menschen auf dem Wüstenplaneten Wasser verschaffen kann. Offenbar ist er nicht so ein Mistkerl, wie er gerne wäre. Aber das verrät er Superman natürlich nicht – so viel Ego muss sein.

>> Liste der Superman-Comics

Superman lernt fliegen

Mit Batman und Superman im Kino ist das eine interessante Sache: Wenn Superman groß im Kino war, war es Batman nicht – das gilt auch andersrum. Während der George-Reeves-Ära gab es keinen Batman, während der Adam-West-Ära gab es keinen Superman. Während Christopher Reeve im Kino lief, gab es keinen Batman, während Burton und Schumacher ihre Batman-Filme machten, war Superman nur im Fernsehen präsent, während Christopher Nolan seine Dark Knight-Filme drehte, gab es nur Smallville und Superman Returns, der aber ohne große Resonanz in der Versenkung verschwand.

Diese Geschichte beginnt schon in den 40ern. Im Jahr 1941 debütierte Superman mit 17 legendären Zeichentrickfilmen im Kino, während Batman nur zwei billige Serials bekam, die noch trashiger waren als Adam Wests Auftritte in den 60ern. Die Trickfilme, von denen die ersten neun aus den Fleischer-Studios stammten, waren bahnbrechend – und ein Vorläufer der Batman Animated Series der 90er.

Zu Beginn sehen wir Superman wie ein Komet oder eine Rakete durchs Bild fliegen: „Look, up in the sky! It’s a bird! It’s a plane! It’s Superman!“ Das ist bemerkenswert, denn 1941 konnte der Held noch gar nicht fliegen. Und so heißt es auch im zweiten Vorspann, dass er nicht nur „faster than a speeding bullet, more powerful than a locomotive“ sei, sondern auch fähig, Hochhäuser zu überspringen. Aber das ändert sich in diesem Serial.

In Episode 9 heißt es, statt dann: „Able to soar higher than any plane“, fliegen sieht man ihn aber eindeutig erst in Episode 10 (Japoteurs), wenn er tatsächlich mit einem Flugzeug mithalten kann, er hält sogar eines vom Absturz ab, indem er es in der Luft bremst und auf dem Boden absetzt.

In Episode 11 ist der Vorspann ganz anders, diesmal misst sich Supermans Kraft nicht mehr an technischen Errungenschaften, sondern an Naturgewalten: „Faster than a streak of lightning, more powerful than a pounding surf! Mightier than a roaring hurricane!“ In der Episode sehen wir Superman wieder nicht fliegen, sondern eindeutig fallen. Er muss sich festhalten, um nicht abzustürzen.

Mild-mannerd news reporter Clark Kent

Die erste Episode beginnt mit Krypton, einem grün leuchtenden Planeten im Weltall. Viel mehr bekommt der Zuschauer von dieser Welt nicht zu sehen, die Story von der hoch entwickelten Zivilisation und dem Wissenschaftler, der sein Kind zur Welt schickt, hört man nur durch den Erzähler. Dann startet eine Rakete im hohen Bogen von Krypton (der Planet explodiert) und landet auf der Erde – und die beiden Bilder erinnern an den fliegenden Superman vom Anfang.

Ein anonymer Autofahrer findet das Kind und übergibt es dem Waisenhaus. Dass Superman Adoptiveltern hatte (wie seit Superman #1, 1940), spielt hier keine Rolle. Man sieht nur ein Bild des Waisenhauses.

Supermans Waisenhaus

Der Ablauf der Cartoons ist immer gleich. Irgendein verrückter Wissenschaftler lässt seine Roboter los, eine Bande stiehlt Gold, ein Monster macht die Stadt unsicher, Lois Lane bringt sich für die Story fast um, Clark Kent wird zu Superman, bannt die Gefahr – und rettet Lois.

Der Mad Scientist hat einen Vogel

In der ersten Episode geht es um einen namenlosen Mad Scientist, der sich dafür rächt, ausgelacht worden zu sein und mit seinem „Electrothanasia-Ray“ die Stadt zerstören will. Keine Forderung, nur eine Frist: Mitternacht. Der Chefredakteur will Clark darauf ansetzen, aber Lois schnappt sie ihm weg.

Superman mit Phallus-Symbol

Und Lois macht das Naheliegendste und zugleich Dümmste als Reporterin: Sie fliegt (selbst!) zum Haus des Irren (woher sie seine Adresse kennt?), um ihn zu interviewen. Doch dazu kommt es nicht: Der Schurke fesselt sie und legt los. Eine Brücke geht zu Bruch, ein Wolkenkratzer fällt zusammen als wäre er aus Gummi, Superman biegt ihn wieder gerade – und das hat mit Sprüngen nichts mehr zu tun, Superman fliegt jetzt tatsächlich!

Superman drückt den Todesstrahl zurück zu der Kanone, verknotet das Rohr und lässt die Maschine explodieren. In freudianischen Kategorien: Superman führt bei seinem Gegner zu einem Samenstau und macht ihn impotent. Trotzdem rettet der Held nicht nur die Maid in Nöten, sondern auch den Bösewicht, und sperrt ihn sogar selbst in den Knast. Superman wird zur Exekutive.

Die Fleischer-Studios produzierten neun Episoden von 1941 bis 1942, danach übernahmen die Famous-Studios acht weitere Folgen, die von 1942 bis 1943 in den Kinos liefen. In letzteren bekommt es Superman nicht nur mit Mumien und Vogelmenschen zu tun, er wird auch zum Instrument von Kriegspropaganda, indem er gegen Japaner und Nazis kämpft.

In „Japoteurs“ werden japanische Saboteure an US-Flugzeugen gezeigt, in „Eleventh Hour“ revanchiert sich Superman in Yokohama an den den Japanern, indem er Kriegsschiffe demoliert, Panzer, Brücken, Züge und Flugzeuge in die Luft sprengt. Sicher gehen dabei einige Menschen drauf – aber das ist nicht zu sehen. Wir sehen auch nicht, ob Superman auf Geheiß des US-Präsidenten arbeitet oder aus eigenem Antrieb heraus. Wir sehen nur, dass Lois und Clark als Kriegsgefangene festgehalten werden und Superman Lois am Ende vor der Exekution rettet.

Hitler ärgert sich über Superman

In „Jungle Drums“ haben sich Nazis einen Dschungel-Stamm untertan gemacht. Am Ende bringt Superman sogar Hitler persönlich gegen sich auf. Nur die letzte Folge bricht mit dem Schema. Statt Lois Lane ist eine ehemalige Saboteurin die Jungfer in Nöten, die wichtige Dokumente über die Nazis nach Washington bringen soll. Superman hilft ihr dabei – indem er fliegt.

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Superman macht sein Testament

DC Comics

Titel: The Last Days of Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1962 (Superman #156)


„Do good to others and every man can be a Superman.“

Ein Jahr nach dem ersten Tod von Superman soll der Held wieder hops gehen. Das Cover kündigt an: „Not a hoax… not a dream, but real!“ Die letzten Tage von Superman! Jetzt aber wirklich?

Es beginnt alles mit einer grünen Kapsel, die auf die Erde fällt. Superman entdeckt sie, vermutet Kryptonit, Jimmy öffnet sie, Superman liest die Warnung, die auf Kryptonisch darauf steht: Die Kapsel enthält das Virus X, das jeden Kryptonier in 30 Tagen tötet. Superman zerstört die Kapsel mit einem Felsbrocken, aber da ist es schon zu spät.

Superman ist infiziert, es besteht keine Hoffnung mehr. Also beschließt er, die letzten Tage zum Wohle der Menschheit zu nutzen. Doch als er gerade Kanäle in der Wüste schaufeln will, bricht er zusammen. Um Supergirl nicht anzustecken, lässt sich Superman lässt sich in einem verbleiten Glaskasten einsperren. Dann erstellt er eine Liste mit Gefahren, die der Erde bevorstehen und bittet Supergirl darum, sich drum zu kümmern. Es ist sein Testament.

Supergirl bittet die Legion of Superheroes um Hilfe, auch die Super-Roboter helfen mit. Gefahren aus dem All werden gebannt, die Antarktis vom Eis befreit. Superman nimmt Abschied von seinen Freunden und hinterlässt der Menschheit eine Botschaft auf dem Mond: Jeder, der Gutes tut, kann ein Superman sein (P.S. Superman ist Clark Kent).

Obwohl Supergirl auch ihr Bestes gibt, Superman doch noch zu retten (z.B. durch eine Reise ins vergangene Krypton), ist alles vergebens. Nicht etwa, weil Superman wirklich am Virus X stirbt, sondern weil der Grund für sein Leiden ein kleines Stück Kryptonit ist, das Jimmy ohne sein Wissen mit sich herumschleppt. Problem gelöst, alles wieder gut. Ach ja, schnell noch den Namen Clark Kent vom Mond entfernen, dann ist alles wieder beim Alten. (Und Lois und Lana fragen dann auch nicht mehr danach, wo Clark Kent eigentlich steckt.)

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Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

>> Batman 2011-2019

Wenn Krypton nicht explodiert wäre

DC Comics

Titel: Superman’s Other Life

Autor/Zeichner: Otto Binder/Wayne Boring

Erschienen: 1959 (Superman #132), Paperback 1987/2006 (The Greatest Superman Stories Ever Told; Superman: The Greatest Stories Ever Told Vol. 2.)


Batman und Robin wollen sich mit einem Geschenk bei Superman bedanken. Aber was schenkt man einem Mann, der alles hat? Sie schenken ihm ein Was-wäre-wenn-Szenario. Mittels eines Computers zeigen sie ihm auf einem Bildschirm, wie es gewesen wäre, wenn Krypton nicht explodiert wäre. Die Bilanz fällt so ernüchternd aus wie meistens bei solchen Imaginary- oder Elseworld-Storys: Im Grunde liefe es fast aufs Gleiche hinaus.

Zwar überleben seine Eltern und kriegen noch ein Kind, aber beide sterben später bei einem Unfall. Es gäbe zwar keinen Superman, aber dafür den Superhelden Futuro. Zwar hätte Kal-El keine Kräfte, er wäre nur ein Sidekick á la Jimmy Olsen, aber dafür trüge er schon das bekannte Superman-Kostüm (das S stünde für „Spaceman“). Und ganz am Ende bekäme Kal-El doch Superkräfte und den Namen Superman.

Bemerkenswert ist, dass auch Lois Lane den Weg in diese Geschichte schafft. Raumfahrer von der Erde, die eigentlich zum Mond fliegen wollten, sind buchstäblich über ihr Ziel hinausgeschossen und auf Krypton gelandet. Lois, wie es ihre liebenswerte Art ist, hat sich (ohne Raumanzug) an Bord geschlichen. Wie man es von ihr ebenfalls kennt, verliebt sie sich in den Helden. Aber das ist auf Krypton Futuro.

Daran offenbart sich ihr ein nicht ganz liebenswerter Charakterzug: Sie steht nicht wirklich auf Superman, sondern bloß auf seine Kräfte – und vielleicht auch den Fame. Im Gegensatz zu Superman fackelt Futuro nicht lange. Kaum hat er Lois getroffen, macht er ihr einen Antrag und fliegt mit ihr zur Erde zurück, weil er ihr jeden Wunsch erfüllt. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Frau schon am ersten Tag für Chaos sorgt. Egal: Lois hat ihn in der Tasche und Kal-El bleibt allein zurück – aber als Superman. (Den Namen hat er sich ganz allein ausgedacht.)

Diese Story, die ein ganzes Superman-Heft füllt, (25 Seiten), zeigt uns also nicht nur, wie es auf Krypton zugeht (kein Krieg, keine Krankheit, Bildung mittels Gedankenübertragung), sondern vor allem, wie Superhelden-Comics funktionieren. Egal, wie es kommt, es endet im Wesentlichen immer gleich. Die Leser können sich auf den Status quo verlassen. Das ist beruhigend und tragisch zugleich, denn es bedeutet auch: immerwährende Langeweile.

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Supermans Tod: Vergebliche Re-Animation

Warner Bros.

Titel: The Death of Superman

Regie/Drehbuch: Jack Castorena, Sam Liu/Peter Tomasi

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Superman ist vor 80 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren gestorben – Anlass genug, die Story nochmal als Animationsfilm zu erzählen. DC folgt damit dem erfolgreichen Rezept, Comic-Klassiker zu verfilmen, statt auf neue Storys zu erzählen. Bereits 2007 hat man Superman vs. Doomsday antreten lassen mit dem gleichen Ergebnis, aber das hatte nur lose, sehr lose mit der Vorlage zu tun. Elf Jahre später bittet man die Fans erneut zur Kasse, um eine zweite Chance zu bekommen: The Death of Superman.

Das Ergebnis? Vorhersehbar. Tatsächlich hält sich der Film eng an die Vorlage. Das Problem ist leider nur, dass die Vorlage nicht besonders interessant ist. Der Film macht ein wenig davon wieder gut, vieles andere macht er wiederum schlechter.

Das Gute: Die echte Justice League darf zuerst gegen Doomsday kämpfen. Während es im Comic eine ziemlich lahme Truppe aus Zweit- und Drittligisten war (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd), kriegen wir hier endlich unter anderem Wonder Woman, Flash, Green Lantern und sogar Batman geboten. Außerdem findet das Finale am Abend statt, was viel dramatischer ist, als im Comic, wo alles im stimmungslosen Tageslicht passiert.

Das Schlechte: alles andere. Am Anfang sehen wir ein steriles, totes Metropolis, in dem nur drei Leute auf der Straße zu sein scheinen, eine beliebige Bande raubt eine Bank aus, Superman hält sie auf. Das ist ein Beginn, der für jeden anderen Superman-Film durchgehen würde, aber hier werden nur Minuten verschwendet, die nichts mit der Story zu tun haben. Die Comic-Story hingegen beginnt mit Doomsdays Hand, die gegen ihre Gefängniswand schlägt – was viel bedrohlicher erscheint. Im Film taucht Doomsday erst sehr spät auf – das zwar sehr wirkungsvoll als Asteroid, der eine Raumstation zerstört, ohne dass Superman hilft, aber trotzdem eine vertane Chance.

Clark Kent offenbart sich unbeholfen Lois als Superman. Aber während die Comic-Vorlage hier wenigstens eine Splash-Page für diesen historischen Moment übrig hat, tut es Clark hier in Bibbos Bar, mitten unter Leuten, wo er nicht wirkungsvoll sein Hemd aufreißen kann, sondern nur die Brille abnimmt und Lois die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt. Die Szene hat höchstens Wert in Sachen unfreiwilliger Komik. Danach gibt es nichts zu lachen, denn der Großteil des Films besteht (wie der Comic) aus nichts als stumpfer Prügelei. Selbst Lex Luthor versucht sein Glück in einem Kampfanzug, aber egal.

Ansonsten ist The Death of Superman einer dieser am Fließband produzierten, generischen Zeichentrickfilme, die steif, steril und tot wirken. Da hilft auch alles Blutvergießen nichts. Doomsday ist ein beliebiges Monster, das nicht genug gewürdigt wird, um so gewaltig zu wirken, wie es das in den Comics tut. Der Animation fehlt es an Dynamik und an interessanten Perspektiven. Es scheint, als wäre dieser Film ein weiterer Beleg dafür, wie tot DCs alte Kunst des Zeichentrickfilms ist, wie man sie von Batman: The Animated Series bis heute verehrt. Dabei sollte gerade ein Animationsfilm es schaffen, Comic-Panels zum Leben zu erwecken. Neue Impulse für altbekannte Storys sind von DC bislang nicht zu erwarten. Man geht lieber auf Nummer sicher. Wie langweilig.

Teil 2, Reign of the Supermen, erscheint 2019.

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Lois Lane wird Catwoman – und Superman eine Katze

Catwoman im Silver Age: Teil 1

DC Comics

Titel: The Catwoman’s Black Magic!/Bad Luck for a Black Super-Cat

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Kurt Schaffenberger

Erschienen: 1966/1967 (Superman’s Girlfriend Lois Lane #70-71)


Zwölf Jahre lang war Catwoman aus den Comics verschwunden. Erst im Jahr 1966 tauchte sie wieder auf, zunächst in der Batman-TV-Serie mit Adam West, schließlich auch in den Comics. Ihr Comeback hatte es in sich. In der Serie Lois Lane bekam sie eine 33-seitige Story, die sich über zwei Ausgaben erstreckte und so ziemlich alles bot, was man sich vorstellen kann – mit haarsträubendem Ergebnis.

Catwoman ist hier mehr Superschurkin als je zuvor. Sie verfügt nicht nur über beträchtliche Mittel, sie ist auch eine fähige Erfinderin: Catwoman schwingt einen Catarang (der noch gefährlicher ist als der Batarang), sie beherrscht Katzen, kann Menschen mit einem Ring hypnotisieren, hat ein neues Kitty-Car mit Autopilot, ihr Geheimversteck (Catacombs) gleicht einer voll ausgestatteten Bathöhle mit Raketen, Bomben und dem Zauberstab der Circe, mit dem sie Männer in Tiere verwandeln kann, sie verfügt über einen Kryptonitkäfig und züchtet außerdem chimärenhafte Großkatzen.

An der Aufzählung kann man bereits erkennen, wie viele wilde Wendungen die Story nimmt. Alles beginnt damit, dass der Pinguin aus dem Knast ausbricht und Lois zu einer Vogelausstellung führt, doch dann werden aus Vögeln Tiger, Panther, Leoparden und Ozelots, Catwoman taucht auf und macht Lois zu einer neuen Catwoman, samt Outfit und Gehirnwäsche. Pinguin will Catwoman heiraten und sich mit ihr ein Verbrechensimperium aufzubauen (vgl. Empress of the Underworld), aber sie lehnt ab. Superman und Batman arbeiten kurz zusammen, um den Pinguin zu schnappen, aber die eigentliche Heldin ist Lois. Clark Kent wird die Kleidung von Großkatzen zerrissen, er fürchtet wieder mal um seine Geheimidentität. Catwoman täuscht ihn, gibt sich als hypnotisierte Lois aus, küsst ihn und lockt ihn in die Falle.

Erst verwandelt sie Superman in eine Katze, dann macht sie Lois zu einer Maus, doch als die Superkatze sie angreift, wacht Lois Lane aus der Bewusstlosigkeit auf: Batman und Robin haben Catwoman und ihre Bande gefasst, nachdem Lois aus Versehen gegen eine Kiste mit Erdbeben verursachenden Bomben gekommen und so auf sich aufmerksam gemacht hat. (Wie bitte?)

Lois versucht, die Katze wieder zu Superman zu verwandeln, doch vergebens. Da erinnert der US-Präsident (der Lyndon B. Johnson sehr ähnlich sieht), dass Superman versprochen hatte, noch eine Raumkapsel vom Mond zurückzuholen. Die Katze fliegt hin und prügelt es zur Erde. Dann bringt Lana Lang die Lösung: Sie hat zufällig eine mumifizierte Katzenpfote gefunden, die ihr einen Wunsch erfüllt und aus der Katze wird wieder Superman.

Wow. Das alles auf 33 Seiten. Und das ist nur die Kurzfassung, ich habe vieles weggelassen. Der Auftakt der Figur ist furios, er bringt alles, was die Figur im Golden Age ausgemacht hat, und treibt es mit Science Fiction und Magie auf die Spitze der Absurdität, wie man sie aus der Batman-TV-Serie kennt. Netter Nebeneffekt: Es passiert so viel, man ist so sehr damit beschäftigt, der Handlung zu folgen, dass man gar nicht erst nach dem Sinn des Ganzen fragt. Denn eigentlich will Catwoman bloß Vögel stehlen, um sie zu verkaufen. Alles andere ist bloß Spektakel als Selbstzweck. Sinn ist hier Nebensache.

>> Liste der Catwoman-Comics

Kampf der Supermänner

DC Comics

Titel: Three Supermen from Krypton

Autor/Zeichner: William Woolfolk/Al Plastino

Erschienen: 1950 (Superman #65)


„The planet Earth is not big enough for both you and us!“

In Metropolis schlägt eine Rakete ein, Hochhäuser fallen um, Superman kann sie gerade noch vor dem Einsturz retten. Kurz darauf erscheinen drei Typen mit Superkräften: sie laufen so schnell wie Superman, fliegen und können auch sonst alles, was er kann. Es stellt sich heraus: Die drei Brüder stammen von Krypton. Sie wurden von dort verbannt, nachdem sie versucht haben, die Macht an sich zu reißen. Jor-El hat ihren Plan vereitelt, Krypton zu erpressen, und hat eine Rakete gebaut, um sie ins All zu verbannen.

Jetzt sind sie – wie der Zufall so spielt – auf der Erde gelandet und wollen das Gleiche hier versuchen. Zuerst versetzen sie die Menschen in eine Starre, um ein Labor auszurauben. Unklar, was das soll, denn immerhin haben sie Superkräfte und können sich überall nach Belieben selbst bedienen. Aber immerhin lenken sie Superman ein wenig ab.

Die Drei schlagen ihm einen Deal vor: Wenn er sie im Kampf besiegt, hauen sie ab. Superman geht mit ihnen auf eine unbewohnte Insel, prügelt auf sie ein, wirft Felsbrocken nach ihnen, zerlegt die halbe Insel, aber er kommt nicht gegen sie an. Da kommt ihm eine Idee: Mittels seiner Bauchrednerkunst legt er einem der Brüder Worte in den Mund und hetzt so die anderen beiden gegen ihn auf. Die drei kloppen sich bis zum Umfallen, Superman baut ihnen eine neue Rakete und schickt sie zum Teufel.

Superman kann Bauchreden? Superman kann alles! Einfach alles. Herrje, wie öde. Lustiger wär’s gewesen, das Problem hätte sich von selbst erledigt. Aber in den 50ern galt: Wenn uns keine Lösung einfällt, zaubern wir einfach eine neue Superkraft aus dem Hut.

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Auf einen Kaffee mit Mad Hatter

DC Comics

Titel: New Gotham Vol. 2

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough, Rick Burchett

Erschienen: 2001-2002 (Detective Comics #755-765, Superman #168), Paperback 2018


Polizisten in Gotham begehen Raubüberfälle, darunter auch Renee Montoya. Beeinflusst werden sie durch den Mad Hatter, der verkleidet als Verkäufer mit Drogen versetzten Kaffee an die Polizei verteilt. Aber er stellt keine Forderungen. Er will bloß Chaos stiften. Und auch sonst hat der Schurke nichts Sinnvolles zu sagen.

Batman vereitelt den Plan mit Hilfe von Sasha Bordeaux, seinem neuen Sidekick. Im ersten Band von New Gotham wurde sie als Bruce Waynes Bodyguard eingeführt, im zweiten kommt sie hinter sein Geheimnis und Batman spannt sie gleich mit ein. Mehr noch: Innerhalb eines Monats trainiert er sie zur Vigilantin. Sie bekommt sogar ein Kostüm.

Darin besteht die eigentliche Handlung von New Gotham. Aber sie überzeugt nicht. Schon als Bodyguard nervte Sasha, auch später wird sie weder interessanter noch sympathischer. Dass Batman sie einspannt und dass sie das mitmacht, wirkt unglaubwürdig. Batman behandelt sie (wie immer) wie Dreck, aber sie lässt alles über sich ergehen. Außerdem wird sie noch eifersüchtig, als Bruce wieder mit Vesper Fairchild anbandelt.

In einer zweiteiligen Story bricht Batman mit Lois Lane ins Weiße Haus ein, um von Luthors Kryptonitring zu stehlen, und Superman interveniert. Das ist auch schon das einzige Highlight des Bandes. Der Rest besteht bloß aus Kurzgeschichten über den Alltag in Gotham: Batman kämpft gegen Kleinganoven, James Gordon geht (nach einem Attentat auf ihn) in Ruhestand, die Polizei bekommt einen neuen Commissioner, es wird intern wegen Mordverdacht ermittelt, Bullock hört auf, Sawyer kommt, und Sidekick Sasha trifft auf Huntress.

Das sind Geschichten, die man als Hinführung auf die Storyline Bruce Wayne: Murderer? lesen kann, aber nicht muss. Freunde von Gotham Central könnten ihre Freude daran haben. Allerdings ist der Band (wie schon in Teil 1) meist sperrig gezeichnet und zweifarbig koloriert, was bei Superman sehr bemüht wirkt, allein die Seiten von Rick Burchett (Batman Adventures) bilden eine angenehme Ausnahme.

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Superman und die Mörderpuppen

DC Comics

Titel: The Terrible Toyman

Autor/Zeichner: Don Cameron/Ed Dobrotka

Erschienen: 1943 (Action Comics #64), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„I — the Toyman — will be the only ‚Superman‘ in America!“

Clark Kent geht mit Lois im Park spazieren, da flitzt ein kleiner Superman vorbei. Was ist das? Ein Spielzeug des Toymans. Dieser Erfinder mit goldenen Locken und roter Schleife um den Hals will aber nicht reich werden, indem er Kinder glücklich macht, sondern indem er ohne Gegenleistung die Taschen ihrer Eltern plündert.

Clark Kent mit Spielzeug-Superman (DC Comics)

Der Toyman lässt eine Spielzeugkapelle aufmarschieren, die in einer Bank Gas verströmt, damit er sie ausrauben kann, dann nutzt er ein Miniatur-Feuerwehrauto, um leerstehende Wohnungen zu plündern.  Am Ende entführt er Lois Lane mit einem Miniatur-Schlachtschiff. Er war ihr ohnehin eine Exklusiv-Interview schuldig. Allerdings will er sie mittels Mörderpuppen umbringen, die Gift in ihren Fingern haben.

Natürlich kann Superman alles im letzten Augenblick vereiteln. Aber auch wenn es nur Spielzeug ist, hat er alle Hände voll zu tun. Es wird allerdings nicht so klar, warum der geniale Toyman nicht einfach sein tolles Spielzeug verkauft – er könnte ganz stressfrei reich werden. Einmal wird es halbwegs klar: Er will Superman ausschalten, um selbst Superman zu werden. Ein klassischer Fall von Größenwahn also.

Superman gegen Spielzeug-Nazis. (DC Comics)

Allerdings passiert das Interessanteste gleich zu Beginn: Dass Clark Kent über eine Superman-Puppe staunt, ist nichts anderes als eine Figur, die sich über ihren eigenen Mythos im Klaren wird. Superman hat sich verselbständigt. Superman ist im Jahr 1943 längst eine Marke für Spielzeuge und anderes Merchandising geworden. Seltsam ist nur, dass Superman den Toyman nicht wegen einer fehlenden Lizenz verklagt …

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