Joker

Der schlechteste aller Batmen

Titel: The Batman Who Laughs (dt. Der Batman, der lacht)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jock

Erschienen: 2018-2019 (The Batman Who Laughs #1-7, The Batman Who Laughs: The Grim Knight #1), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


„I am the worst Batman of all.“ (Batman)

Was von dem Batman-Event Dark Nights: Metal in Erinnerung geblieben ist, ist vor allem eine Figur: The Batman Who Laughs. Der Grund liegt auf der Hand. Es handelt sich um einen bösen Batman, der zum Joker mutiert ist. Mit seiner Lederkluft und dem Reif mit Metallspitzen auf dem Kopf ist er so richtig schön evil, dass man vergisst zu fragen, wie er mit der stacheligen Augenbinde überhaupt etwas sehen kann.

Egal. Scott Snyders Erfindung ist so beliebt, dass er ihm eine Miniserie gewidmet hat. Und auch im Event Year of the Villain und in der neuen Batman/Superman-Serie wird er wieder als Schurke auftauchen. Aber zurück zur Miniserie. Hier bringt er zunächst Batman an dessen Grenzen.

Es beginnt damit, dass Batman Bruce Waynes Leiche findet. Ein älterer, anderer Bruce Wayne, aber definitiv dieselbe DNA. Und es tauchen noch mehr auf – allesamt Bruce Waynes aus Paralleluniversen. Dahinter steckt The Batman Who Laughs. Er will in Gotham ein Notfallsystem übernehmen, mit dem man im Notfall über das Trinkwasser mit einem Gegenmittel versorgen kann. Damit will er die Bewohner von Gotham in die bösesten Versionen ihrer selbst verwandeln – und die Stadt zu dem machen, was sie seiner Meinung nach schon immer bestimmt war.

Der grinsende Schurke tötet zunächst den Joker. Dadurch wird ein Gift freigesetzt, durch das Batman sich in den Joker verwandelt. Und dann hat The Batman Who Laughs auch noch Verstärkung mitgebracht: the Grim Knight, eine mörderische Version von Batman, die um den Gebrauch von Schusswaffen nicht verlegen ist.

Scott Snyder kann’s nicht lassen. Nach 52 Ausgaben Batman, dann noch Batman Eternal, sollte das Metal-Event das Finale seines Epos werden, das er mit Greg Capullo über Jahre erzählt hat. Aber hier legt er nicht nur eine Fortsetzung vor, sondern kehrt mit Zeichner Jock auch ganz zurück zu seinem Anfang, nämlich The Black Mirror. Hier lässt er James Gordon Jr. wieder eine tragende Rolle spielen. Der ist nämlich dank Drogen und Fußfessel auf dem Weg zur Rehabilitation vom psychopathischen Mörder zum guten Bürger. Zusammen mit seinem Vater legt er sich mit dem Grim Knight ein, aber der Senior ist nach wie vor skeptisch, was den Fortschritt seines Sohnes angeht. (Dabei lässt Batman Beyond grüßen.)

Das alles zusammen ist wie immer ziemlich viel Stoff. Wie gewohnt entwickelt Snyder seine Story mit vielen überraschenden Wendungen und schafft es so, über sieben Kapitel, die Spannung immer höher zu schrauben. Das macht nicht immer nur Spaß. Es ist ein anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Comic, man sollte das alles kennen, worauf sich Snyder hier bezieht. Und es ist auch – wie üblich – ein wortreiches. Wie viel der Schurke von sich gibt, um Batman zu erklären, ermüdet gegen Ende sehr. Und wenn alles gesagt ist, muss in einem sehr langem Epilog noch jeder angerissene Gedanke zu Ende gedacht werden, in aller Ausführlichkeit. (Immerhin wird dabei auch erklärt, wie und was er durch den Metallreif sehen kann.)

Wie so oft retten die Zeichnungen über Längen hinweg. Jock, der für seinen schmutzigen, unruhigen und sperrigen Stil bekannt ist, steigert den Horror, den er so gut beherrscht, hier noch mehr. Sein Batman Who Laughs erscheint im Finale wahrhaft schrecklich. Und dann ist da noch ein One-Shot zum Grim Knight, der sehr eindrücklich von Eduardo Risso (Broken City, Dark Night) inszeniert wird – mit vielen Zitaten aus Frank Millers und David Mazzucchellis Year One. Interessant ist zu sehen, wie der kleine Bruce Wayne nach der Ermordung seiner Eltern selbst Joe Chills Waffe aufhebt und eine Karriere als Rächer á la Punisher beginnt.

Nein, Batman kommt nach 80 Jahren wohl nicht mehr heraus aus der Zitate-Hölle. Moderne Storys scheinen nur noch ein Remix von Referenzen zu sein. Und davon handelt auch The Batman Who Laughs. Denn der Schurke holt ständig andere Bruce Wayne-Versionen heran, um dem Batman dieser Welt zu zeigen, dass er der schlechteste aller Batmen ist. Der Held stimmt ihm sogar zu. Am Ende steht aber die Erkenntnis: Selbst der schlechteste Batman ist immer noch besser als der beste Schurke. Mit anderen Worten: Besser als nix. Batman erweist sich dann sogar als so gut, dass er sogar das Joker-Gift aus sich selbst heraus besiegen kann. Aber seine lange Tradition wird Batman wohl nie mehr aus seinem Kreislauf bekommen.

Die Story geht weiter in Batman/Superman. Und in dem Dreiteiler Last Knight on Earth wollen Snyder und Capullo wirklich ihr letztes Wort zu Batman gesprochen haben …

>> Batman 2011-2019

Jokers Schnitzeljagd durch die Staaten

batman #8 1941

DC Comics

Titel: The Cross Country Crimes

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Batman #8), Paperback 2017 (Batman: The Golden Age Vol. 3), 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Als es noch kein Batsignal gab, mussten Batman und Robin per Radio von den Behörden kontaktiert werden. Diesmal kommt eine Einladung aus Washington D.C.: Der Chef des FBI, G. Henry Mover (wer gemeint ist, dürfte klar sein), will das Dynamische Duo ehren – eine Anordnung des Präsident höchstselbst. Da die beiden gerade keine bösen Buben jagen, ziehen sie sich um und fahren los. In der Hauptstadt werden sie mit einer Parade begrüßt.

Doch kaum haben sie Mover die Hand geschüttelt, wird er angeschossen vom Joker. Das ganze Land ist in Aufruhr. 100.000 US-Dollar Belohnung für jeden, der ihn fasst – tot oder lebendig. Dann fordert der Joker Batman und Robin mit einer Radiodurchsage heraus. Als die beiden beim Sender eintreffen, finden sie eine Joker-Karte: „Guess where I am going now, Batman“, steht darauf. Es ist nicht schwer zu erraten, denn der Joker hat New Jersey darunter geschrieben und noch die Umrisse des Bundesstaates eingezeichnet. Allerdings ist das „New“ durchgestrichen …

Und so beginnt eine Schnitzeljagd. Das Dumme ist nur: New Jersey ist groß. Also wo anfangen? Bruce und Dick entspannen erstmal im Theater. Doch dann raubt der Joker auf der Bühne Juwelen. Er hat es nicht eilig, wartet sogar ab, bis Bruce und Dick sich umziehen und auf die Bühne schwingen. Aber er entkommt. Wieder lässt er eine Karte da: diesmal steht Ohio drauf. Dann geht die Reise nach Kansas und Delaware, wobei das D darin wieder durchgestrichen ist.

Batman erkennt des Rätsels Lösung: Zusammen bilden die Anfangsbuchstaben den Namen Joker – falls man am Ende Rhode Island hinzufügt. Und das ist auch der nächste Aufenthaltsort des Clowns.

Der Joker ist hier noch ein skrupelloser und gewiefter Schurke. Andere Gauner schaltet er mit vergifteten Zigarren aus, einen Bus lässt er mit einer falschen Straßenmarkierung in den Abgrund fahren. Es kommt zu spektakulären Verfolgungsjagden in den Gondeln einer Seilbahn und auch auf den Dächern fahrenden Autos. Der Joker narrt Batman und Robin mit einem Dummy, der ihm täuschend ähnlich sieht und unter Strom steht.

Das waren noch Zeiten, als der Joker noch ein ernstzunehmender Gegner war. In den 50ern sollte sich das ändern. Aber nach dem tieferen Sinn dieser Schnitzeljagd sollte man lieber nicht fragen. Und wie geht es eigentlich dem FBI-Chef? War wohl nur halb so wild …

Mehr zum Thema:

Joker: Der finale Trailer

Am 10. Oktober 2019 kommt Joker mit Joaquin Phoenix in die Kinos. Im finalen Trailer sieht man nicht nur neue Szenen daraus, sondern erfährt auch einiges Neues über die Figur: Der Joker heißt zunächst Arthur, geht in Therapie und hat es offenbar nötig: „All I have are negative thoughts“, sagt er. Aber die Therapie wird abgebrochen.

Arthur versucht sich als Comedian in einer Fernsehshow, die Robert De Niro hostet (Anspielung auf den Film The King of Comedy von Martin Scorsese), aber scheitert, da er niemanden zum Lachen bringt und versucht es dann später nochmal mit Clownsmaske.

Am Ende heißt es: „For my whole life I didn’t know if I even really existed. But I do. And people are starting to notice.“ Offenbar setzt der Joker, um Aufmerksamkeit zu bekommen und sich so seiner Existenz zu vergewissern, eine ganze Bewegung in Gang, die sich Clownsmasken anzieht: „We are all clowns“, heißt es auf einem Pappschild bei einer Demo. Erlaubt sich der Film etwa eine sozialkritische oder gar politische Dimension?

Dass Joker bereits auch in Programmkinos beworben wird, deutet bereits darauf hin, dass es sich um einen anspruchsvolleren Film handeln könnte. Mit den Comics soll er laut Regisseur Todd Phillips nichts zu tun haben. Vielleicht wird er nicht mal als Superhelden-Film durchgehen. Das wäre mal ein interessantes Wagnis.

>>> Zum ersten Joker-Trailer

Vorschau auf Animationsserie „Harley Quinn“

Harley Quinn bekommt im Oktober eine eigene Zeichentrickserie auf dem Streamingdienst DC Universe. Die erste Vorschau, die zugleich ein Blick hinter die Kulissen ist, zeigt, dass es eine Serie für Erwachsene sein wird: Knochen brechen, Blut fließt, Köpfe explodieren – und es wird geflucht.

Mit dabei wird natürlich der Joker sein (gesprochen von Alan Tudyk), von dem sich Harley (gesprochen von Kaley Cuoco) immer noch zu emanzipieren versucht, aber auch Poison Ivy, Clayface, Riddler, Batman und Wonder Woman werden eine Rolle spielen.

Harley Quinns Look orientiert sich zunächst an Batman: The Animated Series, dann aber an dem Punk-Stil aus dem Suicide Squad-Spielfilm, der sich auch in den Comics niedergeschlagen hat.

Wo und wann Harley Quinn auf Deutsch erscheinen wird, steht noch nicht fest.

Warum der Joker der perfekte Gegner ist

Viel wurde schon über Christopher Nolans The Dark Knight gesagt – so viel, dass schon alles gesagt ist. Wenn man fragt, was die größte Stärke des Films ist, lautet die Antwort meistens: der Joker. Aber woran liegt das? Jedenfalls nicht nur an der Darstellung von Heath Ledger.

Der Joker erscheint hier als der perfekte Gegner für Batman, weil er ihn an seinem Schwachpunkt trifft, weil er seine Glaubensgrundsätze infrage stellt und weil ihn in einem Kampf herausfordert, bei dem Batman erst zum „Dark Knight“ werden kann.

In diesem Video von „Lessons From the Screenplay“ wird erklärt, wie genau das funktioniert.

Batman gegen Thor

Titel: The Hammer of Thor/The Second Life of Batman/Batman’s Super-Partner

Autor/Zeichner: Bill Finger, Jerry Coleman/Sheldon Moldoff, Dick Sprang

Erschienen: 1959 (Batman #127)


Die Batman-Hefte der 50er waren wahre Wundertüten: Sie enthielten drei Geschichten und manchmal waren sogar alle ganz interessant. So wie in Ausgabe 127, denn darin trifft Batman auf den nordischen Donnergott Thor – und zwar drei Jahre bevor Jack Kirby diese Figur für Marvel Comics erschafft (allerdings hat Kirby bereits 1957 eine Thor-Version bereits für DC geschrieben, in Tales of the Unexpected #16, aber das nur am Rande).

Als es in Gotham gewittert, stoßen Batman und Robin auf einen Typen mit geflügeltem Helm, der mit einem bumerangartigen Hammer eine Bank aufbricht. Das Dynamische Duo will ihn aufhalten, aber kommt nicht gegen ihn an. Thor verschwindet mit der Beute. Batman und Robin treffen auf Henry Meke, den Betreiber eines privaten Kuriositätenmuseums, dem kürzlich eine Nachbildung von Thors Hammer gestohlen wurde.

Kurz darauf schlägt Thor wieder zu, hält zwei Bankräuber auf, um selbst fette Beute zu machen – mit dem Geld will er Vater Odin einen Tempel bauen. Wieder besiegt sie der Gott mit seinem Hammer. Danach erinnert sich Meke plötzlich: Eines Tages hat ein Meteorit den Hammer getroffen und ihn in Thor verwandelt. Als er beim nächsten Gewitter wieder zum Gott mutiert, wirft er den Hammer nach Batman, der duckt sich weg, der Hammer trifft einen Stromkasten, verliert seine Macht und Meke wird wieder normal.

In der zweiten Story, „The Second Life of Batman“, geht Bruce Wayne der Frage nach: Was wäre, wenn seine Eltern nicht ermordet worden wären? Dazu lässt er sich von einem Wissenschaftler eine alternative Welt simulieren, in der er zwar ein guter Athlet ist, aber sonst nur sein Leben genießt. Bei einem Kostümfeier mit dem Thema „Flying Creatures“ (die in Wahrheit Thomas Wayne abgehalten hat), taucht Bruce als Superman auf. Doch ein ungebetener Gast verkleidet sich als „Blue Bat“ (der aussieht wie Batman) und verlangt alles Geld von den Gästen. Zum Glück taucht der echte Superman auf und auch Bruce macht sich nützlich so gut er kann, um die Gauner aufzuahlten.

Doch Blue Bat entkommt, schlägt später Bruce und droht ihm mit noch mehr Prügeln, sollte Bruce nicht von ihm ablassen. Aber Bruce denkt nicht dran. Mit guter alter Detektivarbeit spürt er Blue Bats Geheimversteck auf, zieht dessen Ersatzkostüm an, lockt die Polizei zum nächsten Tatort und überwältigt den Schurken.

Kurz darauf ist der Entschluss gefasst: Er widmet sein Leben dem Kampf gegen das Verbrechen. Das Kostüm behält er, um es zu einem Symbol für Gerechtigkeit umzuwidmen. Nachdem die Simulation beendet ist, kommt Bruce zu dem Schluss, dass er auch unter anderen Umständen dasselbe Leben für sich gewählt hätte. „There’d always be a Batman!“

In der dritten Story bekommen Batman und Robin beim Kampf gegen den Joker Unterstützung von einem neuen Helden: the Eagle, einem Unbekannten in einem Adlerkostüm. Dahinter verbirgt sich Alfred, der durch Zufall Superkräfte bekommen hat. Aber zum Glück nur vorübergehend, denn als Alfred helfen will, geht eigentlich alles nur schief …

>> Batman 1950-1959

Lemire und Sorrentino machen „Joker – Killer Smile“

2019 ist das Jahr des Jokers. Zum Kinofilm mit Joaquin Phoenix erscheinen mehrere neue Titel mit dem Schurken (wie etwa Joker/Harley: Criminal Sanity) und eine neue Anthologie. Außerdem warten wir immer noch auf einen Termin für Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok. Bis dahin kann man sich die Zeit mit einem anderen Dreiteiler vertreiben, der bei DCs Black Label erscheint: Joker: Killer Smile von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino. Der erste Band erscheint am 30. Oktober 2019 und die beiden folgenden sollen im Abstand von zwei Monaten herauskommen.

Die Story: Nachdem der Joker jahrelang Gotham terrorisiert hat und gegen Batman angetreten ist, hat er einen neuen Gegner gefunden: einen Arzt, der ihn in Arkham behandelt. Der Joker dringt immer tiefer in den Verstand seines Opfers ein und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die Gotham City ins Chaos zu stürzen droht.

Lemire und Sorrentino sind ein Dream-Team der Comics. Zusammen haben sie Green Arrow, Old Man Logan und zuletzt die Horror-Serie Gideon Falls gemacht. Sorrentino ist bekannt für seine sehr düsteren, schattenlastigen Zeichnungen und aufwendigen Layouts, mit denen er die Möglichkeiten des Comics immer wieder neu ausreizt. Mit Joker: Killer Smile verspricht er, neue Höhen zu erreichen.

Lemire, von dem auch das Crossover Justice League/Black Hammer stammt, wird außerdem eine The Question-Miniserie fürs Black Label schreiben: The Question: The Deaths of Vic Sage. Für die Zeichnungen sind die Altmeister Denys Cowan und Bill Sienkiewicz zuständig. Die erste Ausgabe des Vierteilers erscheint am 20. November 2019.

Angekündigt ist ein „philosophical mystery“, die an die Question-Comics von Dennis O’Neil und Denys Cowan anknüpfen: Die Geschichte beginnt im Wilden Westen und erstreckt sich in die gesetzlosen 1930er und soll von einem ungelösten Fall handeln, der zum Tod von The Question geführt hat. Nun, da sich die Geschichte zu wiederholen droht, muss der Gesichtslose versuchen, sich aus dieser Falle zu befreien.

Joker Carpenter

DC Comics

UPDATE: Horror-Filmemacher John Carpenter (Halloween, The Thing) wird den One-Shot The Joker: Year of the Villain #1 mit Anthony Burch schreiben. Zeichnungen stammen von Philip Tan und Marc Deering. Das Heft erscheint am 9. Oktober, umfasst 40 Seiten und kostet 4,99 US-Dollar.

Dämonen der Vergangenheit

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 4

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce Timm, Mike Parobeck

Erschienen: 1995 (Batman Adventures #28-36, Annual #2, The Batman Adventures Holiday Special #1), Paperback 2016


Batman verliert sein Gedächtnis, fällt geistig zurück auf den Stand eines Kindes, Catwoman macht ihn als Catman zu ihrem Verbündeten – und Robin muss nicht nur den Aufpasser spielen, sondern auch Batman dabei helfen, wieder normal zu werden.

Diese dreiteilige Story bildet das Finale der Batman Adventures (bevor sie als Batman & Robin Adventures weitergeht). Verantwortlich für die Amnesie ist Hugo Strange, der hier zur tragischen Figur wird. Denn Stranges Sohn wurde von Gangstern ermordet, nachdem Strange sich geweigert hat, für sie zu arbeiten. Mit seiner Amnesie-Maschine wollte er bloß vergessen.

Es macht viel Spaß, Batman als Kind im Körper eines Mannes zu sehen: Er macht Verbrecherverprügeln zum Spiel, hat einen flotten Umgangston und hält mit seinen Gefühlen nicht zurück. Catwoman gegenüber wird er einmal ungewöhnlich deutlich: „I promise no matter what, I will never be your friend and I will never forgive you and I will hate you for the rest of my life.“

Das ist nicht das einzige Highlight des vierten Bandes: In der Story davor erlebt Bruce Wayne sein Kindheitstrauma erneut, als er mit seiner neuen Liebschaft und ihrem Sohn das Kino verlässt und wieder ausgeraubt wird. Danach verschwindet Bruce, um als Batman den Täter zu fassen. Doch obwohl er erfolgreich ist, will die Frau später nichts mehr mit Bruce zu tun haben. Bitter fällt Batmans Bilanz am Ende aus: „… nobody got hurt“.

Die Comic-Serie gibt auch Figuren Auftritte, die in der Zeichentrickserie nicht vorkommen. Wie etwa Anarky. Der entführt Unternehmer, die seiner Meinung nach schmutzige Geschäfte machen und lässt sie im Fernsehen exekutieren, wenn nicht genug Zuschauer zu ihren Gunsten anrufen. Unter den Geiseln ist auch Bruce Wayne und wieder muss Robin den Tag retten.

Es gibt auch einiges zu lachen: Nicht nur mit dem Trio Mastermind, Perfesser und Mr. Nice, auch als Harley Quinn versucht, als falscher Psychiater verkleidet den Joker kurz vor Weihnachten aus Arkham freizukriegen. Und zum Schluss trifft Dämon Ra’s al Ghul auf den Dämon Etrigan – was wunderbar gezeichnet ist von Bruce Timm. Von ihm stammt auch ein Teil der Weihnachts-Sonderausgabe (Holiday Special), der später unter dem Titel Holiday Knights als Serien-Episode adaptiert wurde.

Batman Adventures Vol. 4 ist damit der stärkste Band der Reihe.

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Noch mehr Harley Quinn beim Black Label: „Harleen“

DC Comics

Die Harley Quinn-Mode geht weiter. Nachdem DC für sein Black Label bereits die Miniserie Joker/Harley: Criminal Sanity angekündigt hat, soll bereits im September eine andere beginnen: In „Harleen“ erzählt Stjepan Šejić (Aquaman) Harley Quinns Vorgeschichte in drei Ausgaben neu. Die Geschichte wurde schon in Mad Love und in mehreren Varianten davon erzählt, aber eben noch nicht so: Harleen Quinzel glaubt, ein Heilmittel gegen Wahnsinn gefunden zu haben und probiert es in Arkham Asylum aus. Aber als sie auf den Joker trifft, verfällt sie selbst dem Wahnsinn und wird zu Harley Quinn …

Wer das langweilig findet, weil es immer noch wie ein müder Aufguss von Altbekanntem ist, dem sei ein Blick auf die ersten Seiten empfohlen, den Šejić ist ein wahrer Künstler.

Die erste Ausgabe von „Harleen“ erscheint am 25. September 2019, die beiden weiteren sollen monatlich folgen.

Neal Adams auf Irrfahrt

batman odyssey

DC Comics

Titel: Batman: Odyssey (dt. Odyssee)

Autor/Zeichner: Neal Adams

Erschienen: 2010-2012 (Batman Odyssey Vol. 1 #1-6, Vol. 2 #1-7) Paperback 2012; dt. Panini 2011-2012 (DC Premium #76/80), Eaglemoss 2016 (2 Bde.)


„You’re acting very mysterious … and weird.“ (Robin)

Batman erzählt Robin eine Geschichte und weiht ihn in ein Geheimnis ein: Am Anfang seiner Karriere hat er noch Pistolen benutzt. Nicht, um zu töten, sondern nur zur Selbstverteidigung. Oder um Leute zu erschrecken, wenn es nötig war. Aber als er auf einem fahrenden Zug einem Terroristen gegenüberstand, der viele Menschen töten wollte, wollte er ihn tatsächlich umbringen – fürs Gemeinwohl. Aber dann kam ihm jemand dazwischen …

Jahre später scheint sich Batman auch nicht viel weiter entwickelt zu haben. Als ein falscher Riddler unabsichtlich ein Mädchen erschießt, rastet Batman aus und will ihn umbringen – und das obwohl sein Batarang die Waffe in die falsche Richtung gelenkt hat. James Gordon versucht ihn davon abzuhalten, aber dann erweist sich das Mädchen doch nicht als tot.

Man-Bat, Ra’s al Ghul und Joker

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Denn in Neal Adams‘ Odyssey passiert so viel, dass man nur schwer folgen kann. Da gibt es einen Man-Bat in der Bathöhle, der offenbar süchtig nach seinem Serum ist, ein falscher Riddler versucht, Dinosaurier-Modelle von Ra’s al Ghul zu stehlen, Talia erscheint und behauptet, Bruce schon als Kind gekannt zu haben, weil Ra’s al Ghul ein Geschäftspartner von Thomas Wayne gewesen sein soll, Ubu wird zu Man-Bat. Ein Neandertaler im Batman-Kostüm taucht aus dem Nichts auf, nur um daraufhin ohne Erklärung wieder zu verschwinden, kurz danach erscheint auch Aquaman und lässt Ubu von einem großen Manta-Rochen töten, dann doch nicht … Der Joker läuft (zusammen mit Doppelgängern?) Amok in einem Museum, wird von Deadman in Besitz genommen und besucht mit Batman Arkham, wo er auf die gesamte Rogues Gallery und den Sensei trifft – und das ist nur die erste Hälfte.

Chaotische Handlung

Was zum Teufel ist hier los? Und vor allem: Was ist mit Batman los? Der benimmt sich, wenn er nicht gerade wild um sich ballert oder jemanden umbringen will, wie ein Idiot. Immer wieder fällt er mit seiner allzu flapsigen Sprache aus der Rolle: Robin nennt er „boy blunder“, sein fliegendes Batmobil hält er für „James Bond cubed“, zu Alfred sagt er „Go to hell, you freak“, immer wieder beschimpft er andere als „jerk“ oder „stupid idiot“, ohne um Tautologien verlegen zu sein. Wenn er die Nerven verliert, wiederholt er sich wie ein Kind: „I hate hate hate the breath in your lungs …“ In der Rahmenhandlung erweist er sich als sehr geschwätzig, viele Sprechblasen sind zum Beispiel seinem Kaffee gewidmet.

Es ist nicht klar, was Neal Adams mit seinem Batman will. Soll das eine Parodie sein oder eine Hommage an Adam West? Versucht er sich daran, Batman zu dekonstruieren, wie es Frank Miller immer wieder getan hat? Tatsächlich erinnert diese Geschichte an die umstrittene Serie All-Star Batman and Robin, the Boy-Wonder von Miller und Jim Lee. Auch darin spricht und handelt Batman nicht so, wie man es von ihm kennt – ganz im Gegenteil, aber das hat System. Hier aber soll manches wohl witzig sein, anderes ist unfreiwillig komisch. Die Story kränkelt daran, dass sich die Ereignisse überstürzen und man sich zu lange fragen muss: Was soll das Ganze? Die Handlung wirkt chaotisch, die Motivation der Figuren schwer nachvollziehbar. Auch als Ra’s al Ghul mittendrin alles erklärt, wird es nicht viel klarer und die Geschichte verliert sich in einem Kampf mit Neandertalern und Dinos im Erdinnern.

Schwache Zeichnungen

Neal Adams ist ein ziemlich unbeholfener und undisziplinierter Autor. Weder Dramaturgie noch Dialoge überzeugen. Ein weiteres Problem ist, dass er zu viele Figuren und Nebenhandlungen in diese Geschichte packt. Gerade das Erdinnere hat es ihm angetan, selbst ägyptische Götter haben bei ihm dort Zuflucht gefunden. Doch auch als Zeichner hat Adams schon bessere Tage gesehen, hier sind die Gesichter manchmal so überzeichnet, dass sie wie Karikaturen wirken, andere sogar entstellt.

Es gibt nur wenige gute Batman-Comics, viele sind Durchschnitt, die schlechten sind meist einfach nur langweilig. Aber Batman Odyssey ist einfach nur schwer erträglich. Eine Zumutung auf über 330 Seiten. Vor diesem Hintergrund besteht für Neal Adams nächste Mini-Serie, Batman vs. Ra’s al Ghul, kein Grund zur Vorfreude.

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