Joker

Joker wird zum Dienstleister

batman #37 1946

DC Comics

Titel: The Joker Follows Suit

Autor/Zeichner: unbekannt/Jerry Robinson

Erschienen: 1946 (Batman #37), Paperback 2004 (Batman in the Forties)


Plötzlich erscheint ein Licht am Himmel über Gotham – doch statt einer Fledermaus ist das Gesicht des Jokers zu sehen. Was steckt dahinter? Der Joker hat ein Serviceunternehmen für Gauner gegründet und dafür Batmans Masche adaptiert: mit dem Jokersignal können Gauner um Hilfe rufen, wenn sie in der Klemme stecken und der Joker kommt dann mit dem Jokermobile oder dem Jokergyro vorbei, um ihnen zu helfen.

Als Batman und Robin einmal den Ganoven per Batplane folgen, hat der Joker einen fiesen Trick auf Lager: Er wirft Pakete ab, die sich um die Tragflächen schlingen und Fallschirme aufspannen, um das Flugzeug zu bremsen.

Später folgt das Dynamische Duo dem Joker in sein Geheimversteck. Er überwältigt sie mit einem starken Wasserstrahl, sperrt sie in einen Käfig und haut mit dem Batmobil ab. Batman und Robin befreien sich auf ziemlich geschickte Weise und folgen dem Schurken im Jokermobil.

Im Finale kommt es zur Verfolgungsjagd. Der Joker versucht, auf einer Straßenbahn abzuhauen, aber Batman kann seine eigene Waffe gegen ihn verwenden. Der Joker fällt zu Boden – und macht sich zum Clown. Batman und Robin lachen ihn aus. Am Ende leuchtet das Joker-Signal durch Oberleitungen und das Bild wirkt, als säße der Joker bereits hinter Gittern.

Eine wirklich fantasievolle Geschichte, herausragend inszeniert vom Joker-(Mit-)Erfinder Jerry Robinson, nur wissen wir nicht, wer sie geschrieben hat. Leider ist diese Story bisher in keiner Joker-Anthologie erschienen.

Später wird der Joker noch einmal versuchen, Batman nachzuahmen: zuerst seine Kostüme, dann seinen Gürtel.

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Joker lässt andere machen

Crime of the Month Club

DC Comics

Titel: Crime-of-the-Month Club

Autor/Zeichner: Dave Wood/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (Batman #110), Paperback 1988/2008 (The Greatest Joker Stories Ever Told/Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Gotham ist nicht nur die Hauptstadt des Verbrechens, auch Batman scheint das Verbrechen geradezu anzuziehen. Denn wie anders kann man es sich erklären, dass überall, wo Bruce Wayne und Dick Grayson auftauchen, eine Straftat verübt wird?

So ist es auch an einem schönen Tag im Mai: Bei einer Blumenausstellung wird eine seltene schwarze Orchidee gezeigt, Wert: 50.000 US-Dollar. Klar, dass die nicht lange zu sehen ist, denn zwei Gauner schnappen sich das Ding. Um sich die Besucher vom Hals zu halten, richtet einer von ihnen einen Kaktus auf sie – einen Kaktus mit giftigen Stacheln wohlgemerkt.

Eine dämlichere und unhandlichere Waffe kann man sich kaum vorstellen. Aber Batman und Robin nehmen die Bedrohung ernst, sehr ernst. Sie nähern sich dem Kaktus mit zwei Lassos, fangen ihn ein und lassen ihn behutsam zu Boden sinken, damit auch keiner der gefährlichen Stacheln abbricht, querschießt und einen Besucher trifft – auf die Idee muss man erst mal kommen.

Wegen dieser diffizilen und anscheinend auch zeitintensiven Operation sind die Verbrecher über alle Berge, sobald die Gefahr gebannt ist. Wer könnte dahinterstecken? Ein Blick ins Archiv bringt die beiden auf eine Spur: Im März haben Räuber ein Gaswerk überfallen und sind mit einem Ballon davongeflogen – getragen von den Märzwinden. Im April haben sich zwei maskierte Gauner einen Aprilscherz als Ablenkungsmanöver erlaubt.

joker in batman 110

Joker versteigert Pläne.

Schlussfolgerung: Da verübt jemand eine Verbrechensserie, deren Themen sich am Kalender orientieren (vgl. Calendar Man). Hinter so einer spinnerten Idee kann nur der Joker stecken. Und tatsächlich: Der Joker hat eine neue Masche. Er hat den Crime-of-the-Month-Club gegründet, in dem er einmal im Monat unter anderen Gaunern einen geheimen Plan versteigert, der jeweils zu einem Ereignis passt. So macht der Joker ohne Risiko mächtig Kasse – und erspart sich den Ärger mit Batman.

Nächster Fall im Juni: eine Hochzeit. Der Plan ist äußerst genial und raffiniert und jeden Cent der 50.000 Dollar wert: Zwei Räuber verkleiden sich als lebensgroße Tortenfiguren. Wieder sind zufällig Bruce und Dick eingeladen und können das Schlimmste verhindern. Aber weil Batman weiß, dass sich der Joker mit der Niederlage nicht zufrieden geben wird, fragt er sich, welcher wohl Plan B sein wird. Der Held kennt seinen Gegner mittlerweile sehr gut.

Zwei Mal fährt das Dynamische Duo zu Ereignissen, bei denen kein Verbrechen passiert, aber dann erwischen sie den Joker vor einem Kino, wie er gerade die Spenden einer Benefizvorstellung absahnt. Batman muss nur zwei Geldsäcke nach dem Joker und seinem Handlanger werfen und der Fall ist gelöst. Aber wie kam Batman auf das Kino? Ganz einfach: Der gespielte Film heißt „Jupiter’s Bride“, die heißt Juno – und das passt zum Juni. – Keine weiteren Fragen.

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Jokers erster Besuch in der Irrenanstalt

Joker: Crazy Crime Clown

DC Comics

Titel: The Crazy Crime Clown

Autor/Zeichner: Alvin Schwartz/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Batman #74), Paperback 1988 (The Greatest Joker Stories Ever Told)


Zwölf Jahre lang ist es dasselbe Spiel: Der Joker heckt was aus, Batman schnappt ihn und steckt ihn in den Knast. Der Joker bricht aus und das Spiel geht von vorn los. Diesmal ist es anders. Der Joker kommt erstmals in eine Nervenheilanstalt, die allerdings noch nicht Arkham heißt, das kommt später.

Es beginnt mit einem Raub bei Nebel. Der Joker stiehlt einer Frau die Juwelen vom Hals. Doch die Steine waren falsch. Zufällig sind Bruce und Dick dabei, schlüpfen im Schutz des Nebels in ihre Kostüme, aber der Joker entwischt ihnen. Dann stiehlt der Joker einen Haufen wertloser Münzen, und schließlich eine Nachbildung der Mona Lisa. Was soll das?

Kurz darauf noch eine Überraschung: Der Joker liefert die nutzlose Beute bei der Polizei ab. Er kommt vor Gericht, ein Psychiater erklärt ihn erstmals für unzurechnungsfähig und der Joker kommt in die Klapse. Schnell findet Batman heraus, was den Joker dazu bringen konnte: In der Anstalt steckt der ehemalige Banker James Derek, der sich angeblich nicht mehr daran erinnern kann, wo er die Million Dollar versteckt hat, die er einst unterschlug. Der Joker könnte versuchen, das herauszufinden.

Batman & Joker

Batman gewinnt als Gedankenleser Minos Jokers Vertrauen – aber nur scheinbar …

Batman geht undercover: Als Minos, der Gedankenleser, mit Maske und Turban, schleust er sich unter die Verrückten ein, die sich für Newton, Columbus und Batman halten. Gegenüber dem Joker tut der wahre Batman alias Minos so, als könnte er das Geheimnis des Bankers lesen. Doch der Joker ist nicht blöd: Als die beiden ausbrechen wollen, schlägt der Clown ihn bewusstlos, steckt ihn in eine Gummizelle und dreht das Wasser auf.

Der Joker will abhauen, da hört er Batman herbei eilen. Er zweifelt an seinem Verstand, schaut in der Zelle nach – und da sitzt Bruce Wayne und gibt sich für Batman aus. Ein gewagtes Manöver, aber der Joker fällt drauf rein. Zumindest vorübergehend denkt er, er sei verrückt geworden. Als dann auch noch ein Mann im Batman-Kostüm auftaucht und sich auf Bruce Wayne stürzt, den er für den Joker hält, dreht der Joker wirklich durch.

Joker in Batman #74 (1952)

Joker wird in der Gummizelle fast verrückt.

Der andere Batman war natürlich der Verrückte, der sich nur für Batman gehalten hat. Glücklicherweise hat er hinterher alles wieder vergessen. Und der Joker? Der legt sich in der Gummizelle eine irre Theorie zurecht, warum Bruce nicht Batman sein kann. Am Ende gibt er alles zu und lässt sich wieder ins Gefängnis bringen.

Offenbar findet jeder so ein Verhalten völlig normal. Verständlich: In den 50ern halten Psychiater auch Comics für jugendgefährdend … Erst 22 Jahre später, in Batman #258, wird der Joker in die Anstalt wiederkehren. Die wird dann Arkham Asylum heißen.

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Kampf um Batmans Gürtel

Titel: The Secrets of Batmans Utility Belt/The Joker’s Utility Belt

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1952 (Detective Comics #185, Batman #73), Paperback 1988/2008 (The Greatest Joker Stories Ever Told/Joker: The Greatest Stories Ever Told (nur Batman #73))


Was wäre Batman ohne seinen Gürtel? Diese Sammlung an Werkzeugen und Wundermitteln lässt ihn – wie einen guten Pfadfinder – allzeit bereit für jede Lebenslage sein. Im Jahr 1952 war Gürtel ein großes Thema. Gleich zwei Geschichten widmete Autor David Vern Reed dieser Utensiliensammlung. Die erste hebt hervor, wie wichtig sie für Batman ist.

Bei einem Einsatz geht der Gürtel verloren, ein Junge findet ihn und stopft ihn mit Nüssen voll und steckt ein Chamäleon hinein. Na und? Dann soll sich Batman eben einen neuen machen. Geld genug hat er ja. Aber das ist nicht so einfach: Denn der Gürtel enthält eine kleine Scheibe, die Batmans Geheimidentität als Bruce Wayne preisgibt. Batman hat sie dort untergebracht, damit im Falle seines Todes die Polizei weiß, wenn ein Betrüger sich als Dunkler Ritter ausgeben sollte. Also macht sich das Dynamische Duo auf die Suche nach dem Gürtel.

In der Zwischenzeit macht der sich nützlich: Das Seil darin rettet einem Jungen das Leben, der im Eis einbricht, weitere Utensilien helfen einem Obdachlosen und einem Bauarbeiter. Aber immer wenn Batman und Robin das Ding finden, entwischt es ihnen und wechselt den Besitzer. Zum Schluss landet das Ding bei einem Ledersammler und Gauner knöpfen es ihm ab.

Sie finden die Geheimidentität von Batman heraus, aber da täuschen sie sich, denn Batman hat zuvor im Handgemenge die Gürtel ausgetauscht und ihnen eine falsche Plakette zugespielt. Am Ende machen sich sogar die blöden Nüsse nützlich, um die Gauner zu fassen. Kurz gesagt: Im Grunde ist alles wertvoll, wenn es nur in Batmans Gürtel steckt.

Jokers Werkzeuggürtel

Voll mit Scherzartikeln: Jokers Werkzeuggürtel.

Und dann, in Story Nummer zwei, kommen die Gadgets gegen den Joker zum Einsatz. Das bringt den „Harlequin of Hate“ auf eine Idee: Er macht sich selbst einen Gürtel – allerdings voller Scherzartikel. Explodierende Zigaretten, Juckpulver, Niespulver, ein Handbuzzer, Pillen, die sich in falsche Schlangen verwandeln usw. Alles kommt zum Einsatz und der Joker kommt immer wieder davon.

Als Batman ihn in einer Maskenausstellung konfrontiert, stellt er fest, dass sein eigener Gürtel spinnt: Statt Gas kommen aus seinen Kapseln Riesenblumen, statt Rauch platzen Fahnen heraus, die ihn verspotten. Der Joker hat ihm seinen Scherz-Gürtel angelegt. Später fällt Batman aber nicht auf den Fake-Korken in der Champagner-Flasche herein, als er ein Schiff taufen soll.

Der Joker wirft die Flasche selbst, es entsteht eine Rauchwolke und der Schurke entführt das Dynamische Duo. Auf einem Laufband, das in einen Ofen führt, lässt er Robin laufen, da greift sich Batman Jokers Gürtel und wendet dessen eigene Waffen gegen ihn – und zwar so ziemlich alle. Commissioner Gordon macht den Joker im Knast zum Vorarbeiter in der Gürtelfabrik. Er habe ja bereits Erfahrung …

14 Jahre später diente die Story als Vorlage für die ersten Joker-Episoden der Batman-TV-Serie: „The Joker is Wild“/“Batman Is Riled“ (dt. Die Demaskierung).

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Joker lässt Batman Gags schreiben

Batman #67 (1951): Joker

DC Comics

Titel: The Man Who Wrote the Joker’s Jokes

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #67), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Der Joker steckt in einer Schaffenskrise. Ihm sind die Ideen für seine Gaunereien ausgegangen. Nur noch eine bleibt: Sich bei anderen zu bedienen. Wenn auch die Comedians im Showgeschäft professionelle Gagschreiber engagieren, warum sollte der Joker darauf verzichten? Damals war der Joker noch nicht der eitle Künstler mit Berufsethos – er war ein Geschäftsmann. Trotzdem war er auch Idealist genug, dass es stets auch darum ging, Batman zu blamieren. Geld allein reichte nicht.

Der Joker veranstaltet ein Casting und wählt am Ende drei Favoriten aus. Erster Streich: Ein überdimensionaler Kartoffelsack bei einer Parade. Man kann sich nichts Schöneres vorstellen, was man bei einer Parade in Übergröße präsentiert. Der Joker entkommt, aber einer seiner Komplizen ist zu langsam, wird geschnappt – und mit ihm die Beute.

Zweiter Streich: Joker raubt einen Kamera-Laden aus, setzt den Laden in Flammen, als Batman und Robin sich darin befinden. Der Schurke wirft ihnen Eselkostüme aus Asbest hin, um den Flammen zu entkommen. Sie ziehen sie an, überleben – aber landen als Esel („jackasses“) in der Zeitung. Trotzdem: Wieder keine Beute für den Joker.

Der dritte Streich ist viel ausgeklügelter: Joker lockt Robin in einem Liebestunnel (!) eines Freizeitparks in die Falle, entführt ihn und erpresst Batman, sich einen witzigen Raubzug zu überlegen. Er hat 24 Stunden Zeit. Batman führt den Joker in eine Kaugummi-Fabrik und verspricht ihm, sich von ihm festkleben zu lassen. Nachdem der Schurke mit seiner Bande den Tresor geplündert hat, kippt Batman den Kaugummitank über ihnen aus.

Merke: Gags kann man ruhig andere schreiben lassen. Aber Pläne sollte man lieber selbst schmieden. Sonst geht der Witz auf eigene Kosten.

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Der falsche Hush

Hush hält Joker gefangen. (Warner Bros.)

Titel: Batman: Hush

Regie/Drehbuch: Justin Copeland/Ernie Altbacker

Erschienen: 2019 (Direct-to-Video)


ACHTUNG: SPOILER!!!

Man nehme alle großen Schurken, verstricke sie in eine Verschwörung gegen Batman, packe eine Liebelei mit Catwoman hinein und würze das Ganze mit Superman und einem alten Freund aus Bruce Waynes Jugend. Richtig gemixt kommt Hush heraus – eine der besten Batman-Storylines des 21. Jahrhunderts.

Von daher müsste es ein Leichtes sein, den Comic von Jeph Loeb und Jim Lee zu verfilmen. Theoretisch. Denn wie Animationsversuche von The Killing Joke zeigen, stellt ein Klassiker als Vorlage noch längst keine Garantie für einen guten Film dar. Und so ist es leider auch hier.

Ivy küsst Catwoman …

Batman: Hush ändert zunächst den ersten Gegner: Statt Killer Croc tritt Bane auf. Die Änderung leuchtet nicht ein, wahrscheinlich hat man einfach nur auf den bekannteren Namen gesetzt, auch wenn Bane deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt – was übrigens auch im Film bemerkt wird. Auch wenn es interessant wäre, nicht immer nur die üblichen Verdächtigen zu zeigen, ist diese Änderung noch zu verschmerzen.

Ivy küsst Superman.

Am Ende fehlt die Jason-Todd-Szene, was verständlich ist, denn Red Hood ist in den Filmen längst etabliert und die Szene hätte keinen Effekt mehr. (Der Film spielt auch unmittelbar nach Death of Superman.) Auch andere kleinere Änderungen (Batgirl statt Huntress, Catwoman stürzt Lois vom Dach) sind akzeptabel.

Doch im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass sogar das Herzstück des Comics fehlt: Die Rückblenden in Bruce Waynes Jugend mit Thomas Elliot, im Comic wunderbar von Jim Lee inszeniert, existieren nicht. Dadurch wird Thomas zu einem sehr oberflächlichen Charakter reduziert. Und das hat einen Grund …

JETZT KOMMT DER SPOILER!

Denn Thomas ist gar nicht Hush, sondern Riddler. Im Comic stellt sich dieser zwar als graue Eminenz heraus, aber hier bleibt Thomas Elliot tot und der Riddler ist der wahre Bösewicht. Entweder wollte man es sich leicht machen, um Zeit zu sparen, oder man wollte auch den Comiclesern eine Überraschung bieten.

So ehrenwert der Trend erscheinen mag, dem Riddler zu mehr Ernsthaftigkeit zu verhelfen: Gelungen ist der Versuch nicht. Denn dadurch wird Hush nur zu einem billigen Gimmick einer typischen Schurken-Aktion. Ohne persönliche Vendetta wirkt die Verschwörung hohl. Und dementsprechend langatmig wirkt die scheinbar nicht enden wollende Prügelei im Finale. Nicht mal Batman nimmt den Riddler ernst.

Batman küsst Catwoman – und zwar oft …

Ansonsten wird in dem Film nicht nur geprügelt, sondern auch viel geküsst. Das liegt natürlich vor allem an der Liebesgeschichte. Batman offenbart sich Catwoman, aber am Ende scheitert die Beziehung. Batman will Riddler vor dem Feuer retten, Catwoman hindert ihn daran, der Riddler stürzt in den Tod. Erst dadurch wird deutlich, dass die beiden zu verschieden sind, um ein Paar zu sein. Das wiederum ist ein viel stärkeres Ende als im Comic, wo es bloß um Batmans mangelndes Vertrauen geht.

Trotzdem gilt: Hush sollte lieber gelesen werden. Den Film kann man sich sparen.

Batman: Hush (Warner Bros.)

Batman: Hush (Warner Bros.)

>> Liste der Batman-Filme

Magische Superwesen und wo sie zu finden sind

Batman Damned (Hardcover)

DC Comics

Titel: Batman Damned

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2018-2019 (Mini-Serie #1-3), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


In meinem Batman-Regal überragt es alle anderen Comics. Zum Auftakt seines Black Labels spendiert DC seinen Lesern für Batman Damned ein Überformat. So viel sind Lee Bermejos Prachtgemälde allemal wert. Und auch die 30 US-Dollar, die der Sammelband kostet. Wie schon bei früheren Arbeiten hat auch hier wieder Brian Azzarello (Joker, Batman/Deathblow, Luthor) den Text dazu beigetragen. Das stört etwas die Augenweide, die die Bilder darstellen. Aber gut, wenn er schon mal da ist, kann man ihn auch lesen.

Batman liegt mit einer Bauchwunde im Rettungswagen, dem Tode nah. Als ein Sanitäter ihm die Maske aufschneiden will, kommt Batman zu sich und flieht. John Constantine findet ihn in einer Gasse, nimmt ihn mit zu sich nach Hause und pflegt ihn gesund. Dort erfährt Batman: der Joker ist tot. Wie ist das passiert?

Hier könnte die Detektiv-Handlung einsetzen. Aber stattdessen lässt Azzarello seinen Batman durch ein Horror-Szenario irren, bei dem er auf Justice League Dark-Charaktere wie Deadman, Spectre, Etrigan, Swamp Thing und Zatanna treffen. Eine besondere Rolle spielt Enchantress, die ihn schon als Jungen heimgesucht hat. Statt zu ermitteln, versucht Batman eher zu begreifen, was überhaupt los ist. Die anderen aber sind nur wenig erhellend, helfen ihm aber gerne aus der Patsche, in die er immer wieder gerät.

Batman Damned #1

Batman im Krankenwagen (DC Comics)

Nein, Batman stellt sich hier sogar sehr dumm an. Dümmer als es sein müsste. Wie er sich von Harley Quinn übertölpeln lässt, geht über naiv hinaus. Der Kluge soll hier John Constantine sein, der die Geschichte mit einem altklugen, mäandernd-assoziierenden Redefluss erzählt. Man weiß nicht so richtig, worauf er hinaus will, man kann nur zwischendrin die wilde Abfolge von popkulturellen Zitaten abhaken, die dann auf Dauer ziemlich ermüdet.

Viel interessanter ist es, dass andere nervige Schwätzer in überraschender Form auftauchen: Spectre als Obdachloser, Etrigan als Rapper, Deadman trägt statt eines roten Kostüms nur seinen gehäuteten Körper zur Schau. Und dann wird auch noch die Geschichte der Waynes mit Ehebruch gewürzt. Eine der stärksten Sequenzen zeigt, wie der junge Bruce eine Spielzeugpistole auf seine Mutter abfeuert – und es gleich darauf bereut.

Am Ende fordert Constantine Batman auf, endlich seine Vergangenheit loszulassen und konfrontiert ihn zugleich mit einem dunklen Abgrund. Dann überrascht Batman Damed doch mit einer interessanten Wendung und es wird deutlich, dass die Geschichte nicht für sich steht, sondern unmittelbar an Azzarellos und Bermejos Joker (2008) anknüpft. Das rettet die Story, aber es hätte dafür all die Überfrachtung mit magischen Superwesen (und wo sie zu finden sind), nicht gebraucht.

Für all diese narrativen Wirren findet Lee Bermejo wunderbar alptraumhafte Bilder, die aus einem guten Horrorfilm stammen könnten. Hyperrealistisch und zugleich wie durch einen Schleier hindurch. Als Fan kommt man auf seine Kosten. Batman und Co. erscheinen hier so, wie es sein sollte: larger than life.

Batman Damned #2

Gotham City in Batman Damned (DC Comics)

Und was sagen die Fans? Bei Amazon regen sie sich über Zensur auf, weil darin Batmans Penis fehlt. Sie zahlen 30 Dollar oder Euro, um Batmans Gemächt in Übergröße zu sehen – und dann das: ein schwarzer Schatten in Batmans Schritt. Na sowas! Ja, DCs Selbstzensur und der vorauseilende Gehorsam sind schrecklich. Wo bleibt da die Kunstfreiheit? Entweder ist das feige oder eine gut kalkulierte Marketing-Masche – in jedem Fall erbärmlich. Vor allem, wenn offenbar niemand ein Problem damit hatte, dass in der Geschichte ständig „fuck“ gesagt und eine Jesus-Figur mit einem Joker-Grinsen entstellt wird. Batman Damned ist eben was für Erwachsene – allerdings nur für verklemmte Amerikaner.

Aber: Ist das mit Batmans bestes Stück wirklich so wichtig? Ihr wollt es trotzdem sehen, schon aus Prinzip? Na gut, hier ist es noch mal in seiner ganzen schattigen Pracht:

Bruce Wayne nackt in Batman Damned (DC Comics)

Bruce Wayne nackt in Batman Damned (DC Comics)

Neu aufgelegt: Batman – The 1989 Movie Adaptation Deluxe Edition

Batman Movie Adaptation 1989

DC Comics

Die 80er-Jahre-Nostalgie nimmt kein Ende. 30 Jahre nach dem Erscheinen von Tim Burtons erstem Batman-Film (1989) legt DC seine Comic-Adaption neu auf. Geschrieben wurde sie von Dennis O’Neil und gezeichnet von Jerry Ordway. 144 Seiten als Hardcover. Für 20 US-Dollar. Die Veröffentlichung ist für den 29. November geplant.

Es kann nur Nostalgie der Grund dafür sein, denn Comics zu Spielfilmen sind so nutzlos wie ein Kropf. Die Filme basieren ja bereits auf den Comics (in diesem Fall bediente man sich bei Strange Apparitions) und wer will schon den Comic zum Film lesen, wenn er sich auch den Film anschauen kann, denn der Film hat ja den Vorteil, bewegte Bilder zu zeigen und auch noch nach etwas zu klingen, während ein Comic zum Film bloß so etwas wie ein in Panels gepresstes Storyboard ist, bei dem nur die Seiten beim Umblättern rascheln.

Batmobile 1989 Movie

Bitte einsteigen: Batmobil 1989.

Solche Adaptionen hat es zu jedem Batman-Film gegeben. Und nie haben sie bleibenden Eindruck hinterlassen. Wer soll das also lesen? Wahrscheinlich dieselben, die sich auch die „Bücher zum Film“ kaufen, in denen man das Drehbuch ausgeschmückt in Romanform nachlesen kann. Braucht auch kein Mensch.

Allerdings geht es auch andersrum: Bereits im vergangenen Jahr sind zu den Comic-Klassikern Mad Love, The Killing Joke und The Court of Owls ebenfalls Roman-Adaptionen erschienen. Heißt also: Comics ohne die grandiosen Zeichnungen von Bruce Timm, Brian Bolland oder Greg Capullo.

Aber zurück zum Comic. Die erinnert nämlich gleich auf Seite eins daran, dass wir es mit einer Film-Adaption zu tun haben: „It’s just a movie for heaven’s sake“, lautet der erste Satz. Wir sehen ein Kinopublikum im halbdunklen Saal sitzen, vor ihm entrollt sich ein Filmstreifen, auf dem die erste Szene zu sehen ist: Die Familie will ins Kino, schafft es aber nicht dorthin.

An einigen Stellen weicht der Comic vom Film ab, weil dem Autor nur das Drehbuch zur Verfügung stand und man kurzfristige Änderungen nicht mehr berücksichtigen konnte. Welche das sind, kann man dann bald selbst herausfinden. Und wen das alles nicht interessiert, kann zumindest die gelungenen Seiten von Jerry Ordway genießen, der geschickt die Atmosphäre des Films einfängt – so gut das eben in diesem Medium geht.

Jokers größte Reinfälle

Batman #66 (Joker)

DC Comics

Titel: The Joker’s Comedy of Errors

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #66), Paperback 2008 (The Joker: The Greatest Stories Ever Told)


Der Joker bricht in einem Elektrizitätswerk ein. Vorher lässt er den Strom abschalten. So weit, so genial. Nur dass er den Fluchtweg über den Aufzug geplant hat, erweist sich als keine so gute Idee – denn der braucht ja Strom … Als Joker und seine Bande die Treppe nehmen, treffen sie auf Batman und Robin. Nur mit Not können sie entkommen. Die Beute bleibt zurück.

Die Blamage ist groß, als die Geschichte am Tag darauf auf der Titelseite der Zeitung steht. Aber der Joker lässt sich nicht entmutigen, sondern will aus der Not eine Tugend machen. Er will sich die größten Fehlschläge der Geschichte zum Vorbild für seinen nächsten Raubfeldzug machen. Es beginnen die „Boner-Crimes“. (Hier ganz unschuldig ohne die obszöne Bedeutung, auch wenn das Cover dadurch eine interessane Zweideutigkeit bekommt …)

Zunächst raubt er einen Ozeandampfer aus, der auf Grund läuft, dann macht er sich über ein Schloss her, indem er einen Turm schräg stellt wie den schiefen Turm von Pisa. Spätestens hier fragt man sich, ob mal wieder nicht der Aufwand den Nutzen übersteigt … Der Joker lässt einen Komplizen aus dem Knast ausbüchsen, indem er eine Holz-Pistole einschmuggelt und einen Wärter damit narrt. Dann guckt sich der Joker den ältesten Trick der Welt ab, indem er sich in einem Trojanischen Pferd versteckt.

Aber der große Triumph ist erst vollzogen, wenn sein Erzfeind blamiert ist. Also verwirrt der Joker die Navigation des Batplanes und lässt Batman und Robin nach England fliegen statt nach Kalifornien. Die Geschichte macht die Runde, der Joker freut sich, dass Batmans Ruf dahin ist. Doch dann ist alles ganz anders als gedacht: Batman hat alles längst durchschaut – vor allem, wo Jokers Versteck ist. Tja, das war dann wohl ein Reinfall. Nicht der erste. Und auch nicht der letzte.

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Jokers kleine Literaturgeschichte

Joker in Batman #63 (1951)

DC Comics

Titel: The Joker’s Crime Costumes

Autor/Zeichner: Bill Finger/Dick Sprang

Erschienen: 1951 (Batman #63), Paperback 1988 (The Greatest Joker Stories Ever Told)


Kein Wunder, dass Batman immer gewinnt. Er hat ja nicht nur einen Werkzeuggürtel voller nützlicher Hilfsmittel, sondern auch eine Garderobe mit lauter schicken Bat-Kostümen für jede Gelegenheit. Als der Joker das neidvoll bei einer Ausstellung bemerkt, beschließt er, es seinem Erzfeind gleich zu tun.

Also steigt der Joker für seine nächsten Raubzüge in die Kostüme verschiedener Witzfiguren aus der englischsprachigen Literaturgeschichte: Falstaff (Shakespeare), Mr. Pickwick (Charles Dickens), the Conneticut Yankee (Mark Twain), Old King Cole (ein Kindergedicht), Mr. Micawber (aus Dickens‘ David Copperfield) und Simple Simon (noch ein Kindergedicht).

Entdecke den Fehler … Denn während Batman seine Funktionskostüme anzieht, um sich seiner Umwelt anzupassen, sind die Verkleidungen des Jokers bloß eine Masche, um eine Show abzuziehen. Als Falstaff macht er eine Hamlet-Aufführung zunichte, macht Beute unter den Zuschauern, dann bläst er sein Kostüm mit Helium auf und fliegt davon. Als King Cole lässt er Seifenblasen fliegen, die seine Opfer benebeln; Batman und Robin geraten in zwei klebrige Riesenblasen.

Der Joker legt auch eine falsche Fährte. Einmal vermutet das Dynamische Duo ihn auf einer Opernbühne als Pagliacci, aber in Wahrheit tritt er als Simple Simon bei einer Bäcker-Messe auf. Dort gibt es natürlich lauter Riesentorten, weil in den Comics des Golden Age nun mal alles „larger than life“ sein muss.

In einer Ausstellungshalle stehen lauter Holiday Pies zusammen. Auf dem Kuchen zu „Lincoln’s Birthday“ steht sonderbarerweise ein Riesenpenny wie in der Bathöhle. Der Joker lässt ihn rollen. Batman und Robin verkleiden sich als Santa Claus und Little Jack Horner (noch ein Kindergedicht), bewerfen den Joker mit Pflaumen und er fällt in den „April Fool’s Pie“, der voller Fledermäuse steckt.

Kurz gesagt: Jokers Kostüm-Masche richtet sich gegen ihn. Er wird zum Opfer seiner Farce. Der Witz geht auf seine Kosten. Am Ende wird er auch noch in einem übergroßen Clownsgesicht eingesperrt. Demütigender geht’s nicht. Vielleicht wird er deshalb später zum Massenmörder – als Rache für unzählige Rückschläge.

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