Chuck Dixon

Bane kehrt zurück zu seinen Schöpfern

DC Comics/CBR

DC Comics/CBR

Nach der Wiederkehr von Bane in Tom Kings Storyline „I Am Bane“ bringt DC eine zwölfteilige Mini-Serie über den Schurken heraus: Bane: Conquest soll sie heißen und am 3. Mai in den USA starten. Laut cbr.com sollen dafür die 90er-Jahre Veteranen Chuck Dixon und Graham Nolan verpflichtet worden sein, also jener Autor und Zeichner, die gemeinsam Bane geschaffen haben.

Dixon verspricht das „ultimative Bane-Abenteuer“, in dem der Muskelberg versucht, ein globales Verbrechensimperium aufzubauen und andere Städte als Gotham zu erobern. Mit dabei sein sollen Banes alte Weggefährten erster Stunde: Bird, Trogg and Zombie.

Bane ist der Schurke, der Batman in der Knightfall-Saga das Rückgrat bricht. Seinen ersten Auftritt hatte er in Vengeance of Bane, einer zweiteiligen Miniserie, deren erste Ausgabe 1993 erschien. Im Film wurde er (nach einer misslungenen Interpretation in Batman & Robin) in The Dark Knight Rises von Tom Hardy dargestellt.

>> Liste der Bane-Comics

Batman trifft Punisher

Titel: Batman/Punisher: Lake of Fire; Punisher/Batman: Deadly Knights

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Barry Kitson; Chuck Dixon/John Romita Jr.

Erschienen: 1994 (One-shots)


„As exercise, it isn’t bad. But, it’s getting us nowhere.“ (Punisher)

Wenn man ein paar dieser DC/Marvel-Crossover liest, kapiert man schnell, wie die Sache läuft. Da mich sowohl das Treffen von Batman mit Daredevil als auch mit Spider-Man ziemlich kalt gelassen hat, habe ich auch von den zwei Begegnungen mit dem Punisher nicht viel erwartet. In der Hinrunde verbünden sich Aushilfsbatman Jean-Paul Valley (Knightfall) und Frank Castle gegen den entstellten Schurken Jigsaw. Batman ist verrückt, ihn plagen die üblichen Wahnvorstellungen, der Punisher macht sich schnell selbständig, am Ende gibt’s eine kleine Keilerei, bei der Batman zwar überlegen ist, aber der Punisher doch triumphiert, weil er mogelt. Naja.

In der Rückrunde darf auch mal Bruce Wayne gegen den Mann mit dem Totenkopf auf der Brust antreten – sogar zweimal. Der eigentliche Kampf wird wieder gegen Jigsaw geführt, allerdings bekommt er Verstärkung vom Joker. Am Ende will der Punisher den Clown einfach abknallen, Batman hat was dagegen … Das Ganze ist so banal und auch so sperrig gezeichnet, dass es nicht der Rede wert ist. Einzig die Tatsache, dass man das Heft zweimal um 90 Grad kippen muss, weil die Doppelseiten vertikal ausgerichtet sind, ist ungewöhnlich daran.

Ich denke, die restlichen Crossover dieser Machart kann man sich sparen.

Mehr zum Thema:

Legends of the Dead Earth: Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman als Pirat

DC Comics

DC Comics

Titel: Leatherwing

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Alcatena

Erschienen: 1994 (Detective Comics Annual #7, Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories 1996)


„Below the Green Waves the Ocean’s a Grave for them who’s faced Leatherwing.“

„I may one day understand the fathomless depths … but not if I should live a millennium will I understand the wiles of a woman.“ (Leatherwing)

Unter all den Elseworlds-Szenarien ist Leatherwing eines, das unvermeidlich erscheint: Batman als Pirat. Die Analogie bietet sich an: Ein Vigilant für die Sache der Gerechtigkeit. Und so trägt unser Held eine Kopftuchmaske mit spitzen Ohren – warum auch immer. Und sein geheimes Versteck heißt Verspertilio Cay. Es gibt einen Robin namens Robin Redblade, eine Capitana Felina (Catwoman), ebenfalls mit Kopftuchmaske, und einen dauergrinsenden Schurken namens The Laughing Man (Joker). Die Story ist banal: Der Schurke verbündet sich mit der Katzenbraut, um an Leatherwings Schatz ranzukommen. Der Held verliebt sich in die Braut, die Braut fühlt sich betrogen, dann wird sie eines Besseren belehrt und der Joker-Verschnitt erlebt den Tod durch einen Säbel.

Gutwillig könnte man Leatherwing eine klassische Piratengeschichte nennen, eine Reminiszenz an alte Filme und Seefahrerromantik. Kritisch gesehen ist die Story eine Klamotte voller Klischees, eine Kinderfantasie von einem Piratenabenteuer, mit einer an den Haaren herbeigezogenen Romanze und allzunaheliegender Analogien zum Batman-Kosmos. Der größte Kritikpunkt ist aber der, dass diese Story zwar irgendwann erzählt werden musste, aber so vorhersehbar wie die Idee hätte die Umsetzung nicht sein müssen.

Trotzdem wurde die Story 1998 mit The Bride of Leatherwing fortgestetzt (Batman Chronicles #11).

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Bruce Wayne unter Mordverdacht

Titel: Bruce Wayne: Murderer?/Fugitive (dt. Bruce Wayne – Mörder/Auf der Flucht)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Devin Grayson, Kelley Puckett, Greg Rucka/Rick Burchett, Scott McDaniel u.a.

Erschienen: 2002 (alle Serien), Paperbacks 2014 (New Edition), dt. Panini 2003-2004 (2 Bände „Mörder“, 3 Bände „Auf der Flucht“)


„I know he’s a bit of a lady killer …“

„… killer’s don’t go free.“ (Batman)

„… I know that I’m not an easy person to know.“ (Bruce Wayne)

Irgendwann beim Comiclesen kam mir eine Idee: Wäre es nicht cool, wenn Batman mal selbst unter Mordverdacht stehen würde? Wenn er als Bruce Wayne unschuldig hinter Gitter käme, fliehen würde und dann – ganz nach Dr. Richard Kimble-Manier – versuchen würde, den wahren Täter auf der Flucht zu fassen? Doch bevor ich meine Fantasie ausleben konnte, stellte ich nach kurzer Recherche fest: die Idee hatten andere schon vor mir – und DC hat ihr eine ganze Storyline gewidmet, die über 1000 Seiten umfasst.

Sie liest sich so: Als Batman mit seinem Sidekick (und Bodyguard) Sasha Bordeaux von der Patrouille zurück nach Wayne Manor komm, findet er seine alte Freundin Vesper Fairchild tot auf – ermordet. Kurz darauf trifft die Polizei ein und nimmt Bruce Wayne und Sasha wegen Mordverdacht fest. Während Wayne im Knast sitzt und die Aussage verweigert, versucht der Rest der Bat-Familie herauszufinden, wer Bruce den Mord angehängt hat. Nachdem sie herausfinden, dass Vesper Batmans Geheimidentität gelüftet hat, kommen Zweifel auf, ob der Held, der niemals tötet, erstmals eine Ausnahme gemacht haben könnte. Doch kaum haben die Mühlen der Justiz angefangen zu mahlen, bricht Wayne aus dem Knast aus, fingiert für Wayne eine Flucht ins Ausland und erklärt seine zivile Identität für tot. Das macht vor allem Nightwing stinksauer, der Batman seine Meinung mit den Fäusten sagt.

Batmans Lethargie

Aber Batman bleibt stur, geht seinen Weg alleine, erklärt Bruce Wayne für tot, ist nur noch als Batman unterwegs – und tut so, als wäre nichts gewesen. Und das ist der schwer nachvollziehbare Aspekt an Bruce Wayne – Murderer?: Nicht nur, dass Batman sich erneut von seinen Mitstreitern isoliert, er bleibt auch eigenartig lethargisch, wie schon zuvor bei seinem „Urlaub“ nachdem Gotham zum Niemandsland erklärt wurde und nach dem Attentat auf James Gordon. Statt, wie es für den größten Detektiv der Welt üblich wäre, Vespers Mörder zu suchen, übernehmen Nightwing, Robin, Batgirl und Orakel diese Aufgabe und Batman kümmert sich lieber um Nachrangiges wie einen Feuerteufel und Bombenleger, um Drogendealer und einen Pseudo-Engel sowie einen Frankenstein-Typ, der Zombies erschafft. Das alles lenkt zu sehr von der Hauptgeschichte ab, ebenso wie die vielen anderen Binnenhandlungen um Robin, Nightwing, Batgirl, Spoiler, Black Canary und sogar Blue Beetle. Dadurch wird das Epos auf sein Überformat gestreckt und verliert an Stringenz. Dafür hätte man gerne den Ausbruch von Bruce Wayne gesehen. Aber diese Szene wird – völlig unverständlicherweise – ausgespart und bloß in ein paar Sätzen nacherzählt.

In der Fortsetzung (die Fugitive heißt, obwohl Wayne schon länger auf der Flucht ist) fängt sich Batman wieder, indem er sich auf seine Anfänge zurückbesinnt, auf die im ersten Jahr als Vigilant und auch auf seine Begegnung mit Detective Sloan, der dem Jungen Bruce versprochen hat, den Mörder der Eltern zu fassen – aber es nie geschafft hat. Schließlich findet er zu seiner Identität als Bruce Wayne zurück. Doch von seiner Hauptaufgabe wird er zunächst von einem Subplot um Drogen und der Organisation Checkmate sowie einem Intermezzo mit der alten Reizbacke Azrael abgelenkt. In der Zwischenzeit versuchen Nightwing, Robin und Batgirl, das Verbrechen an Vesper zu rekonstruieren. Aber sie hätten sich die Mühe auch sparen können, denn auf den Mörder und seinen Auftraggeber kommt Batman schließlich ganz schnell von selbst. Unnötigerweise bleibt aber auch viel zu lange die Frage bestehen, ob nicht doch Batman selbst den Mord verübt haben könnte. Erst viel zu spät spricht Nightwing aber das Naheliegendste aus, nämlich dass Batman es bestimmt besser angestellt hätte, als seine zweite Identität damit zu gefährden. Auch hier leidet die Geschichte an zu viel unnötigem Beiwerk.

Keine üblichen Verdächtigen

Die Lösung des Falls befriedigt nur leidlich. Die Motivation des Urhebers ist schwer nachzuvollziehen und wird nur oberflächlich erklärt. Auch bleibt unverständlich, warum Batman ihn nicht verfolgt oder wenigstens zur Rede stellt. Wie sonst auch bleibt der Held desinteressiert. Stattdessen gibt es nur einen Epilog darum, dass Batman den reumütigen Auftragskiller vor dem Attentäter Deadshot zu bewahren versucht, und dass Sasha auf Umwegen aus dem Knast kommt. Warum Bruce Wayne nach seiner Flucht ohne Konsequenzen zu seinem zivilen Leben zurückkehren kann – und das auch noch ohne dass die Polizei fragt, wie er das gemacht hat – bleibt wohl das größte Rätsel der Geschichte.

Auch visuell befriedigen Murderer und Fugitive nicht. Die Zeichnungen variieren in Stil und Qualität, bleiben aber meist auf durchschnittlichem Niveau, einige Male sogar darunter. Die Stümperei fällt vor allem im Vergleich mit den meisterhaften Covern von Brian Bolland auf (The Killing Joke). Trotzdem gibt es einige stimmungsvoll gelungene Panels. Und auch die meisten Kapitel sind (zumindest in der ersten Hälfte) einnehmend erzählt, etwa in den Momenten des Zweifels, wenn Alfred in der Bathöhle darüber räsonniert, was Mord mit einem macht und mit Nightwing darüber spricht, ob Bruce nicht doch dazu fähig wäre, oder wenn Leslie Thompkins Bruce im Gefängnis besucht und nur von ihm angeschwiegen wird. Selbst wie Bruce und Sasha sich im Gefängnis fühlen, wird sehr eindringlich vermittelt. Interessant ist an dieser Geschichte ist, dass sie auch (bis auf Deadshot und Catwoman) ohne die klassischen Schurken auskommt und auch keinen neuen einführt. Zur Abwechslung tut es gut, die üblichen Verdächtigen ruhen zu lassen.

Damit ist die Story trotz der vielen Durchhänger und Schwächen zwar meistens unterhaltsam zu lesen, gäbe es nur die Hälfte der über 1000 Seiten, hätte das der Handlung besser getan.

(Ich denke, meine Version wäre gelungener gewesen.)

>> Batman 2000-2011

Die Grenzen der Strafverfolgung

DC Comics

DC Comics

Titel: Officer Down

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Greg Rucka u.a./diverse

Erschienen: 2001 (Batman #587, Robin #86, Birds of Prey #27, Catwoman #90, Nightwing #53, Detective Comics #754, Batman: Gotham Knights #13; Paperback 2001)


„… you are not James Gordon’s only friend.“ (Alfred)

Commissioner James Gordon geht gerade von einer Geburtstagsfeier heim, da sieht er in einer Gasse Catwoman, er will sie stellen, schießt auf sie, da erwischen ihn selbst drei Kugeln in den Rücken. Niemand weiß, wer’s war, aber alle suchen erst mal nach Catwoman. Und während die ganze Batman-Familie versucht, die Katze einzufangen, steht das Familienoberhaupt am Krankenbett seines Freundes und macht sich selbst Vorwürfe. Nachdem Catwoman alle überzeugt hat, nichts mit der Sache zu tun zu haben und den Verdacht auf einen Polizisten lenkt, wendet sich die Story der Polizei zu. Die Ermittler stoßen beim Verhör schnell an ihre Grenzen – und müssen feststellen, dass ihre Eitelkeit, Batman nicht zu Hilfe zu rufen, ein Fehler ist. Am Ende geht Gordon in Ruhestand. Und seine Leute üben Selbstjustiz.

Die Story hat einige logische Schwächen. Die größte: Warum geht Catwoman, wenn sie unschuldig ist, nicht gleich zu Batman, übergibt ihm die Tatwaffe und erzählt ihm die Wahrheit? Antwort: Damit die Bat-Familie was zu tun kriegt. Seltsam ist auch, dass Batman so nutzlos ist. Selbst am Ende kann seine Verhörtaktik, ein Geständnis aus jemandem rauszuprügeln, nicht fruchten. Am Ende schmollt er auch noch, weil Gordon seine Entscheidung aufzuhören ohne ihn trifft.

Officer Down wäre eine interessantere, weil ungewöhnliche Geschichte, wenn sie besser gezeichnet wäre. Die meisten Künstler liefern entweder entstellte, starre oder zu stark überzeichnete Figuren ab. Kaum etwas davon trägt dazu bei, das Comic gerne zu lesen. Ein zwiespältiges Vergnügen.

>> Batman 2000-2011

Batman und Gordon: Wendepunkte einer Freundschaft

James Gordon (Teil 2)

DC Comics

DC Comics

Titel: Turning Points

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Greg Rucka/Steve Lieber, Joe Giella, Dick Giordano, Brent Anderson, Paul Pope

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2007)


„Everyone needs a friend.“ (Batman)

Batman und Gordon – die beiden gehören von Anfang an zusammen. Nicht nur historisch. Year One beginnt damit, dass beide gleichzeitig in Gotham ankommen. Im Laufe der Geschichte werden aus Gegnern Verbündete, spätestens als Batman Gordons Sohn rettet. Doch weil der Gesetzeshüter und der Vigilant einen Pakt jenseits der Regeln haben, kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden. Gordons Konflikt ist stets geprägt davon, zerrissen zu sein zwischen Gesetzestreue und Illegalität.

Davon handelt Turning Points. Die Mini-Serie dient als Vorbereitung der Storyline Officer Down. Es werden fünf Episoden aus der gemeinsamen Vergangenheit beleuchtet. Verbunden sind sie bloß durch die Figuren und eine rahmende Handlung in der ersten und in der letzten Story. Die erste spielt kurz nach Year One: Gordon hat mal wieder den Termin bei der Eheberatung versäumt, Barbara ist mit dem Sohn nach Chicago zurückgezogen und hat ihrem Mann nur die Scheidungspapiere dagelassen. Kurz darauf muss sich Gordon um einen Irren kümmern, der in einer Kirche ein zu vermählendes Paar bedroht. Batman greift ein und rettet die Geiseln unblutig. Für ihn ist es eine Bewährungsprobe, weil er, wie er sagt, Gordons Segen haben will. Am Ende sprechen sie über Freundschaft. Gordon regt sich darüber auf, dass diese Freundschaft sehr einseitig sei. Aber Batman versichert ihm, dass sie mehr verbindet, als Gordon denkt.

(mehr …)

James Gordon: Vom Pfadfinder zum Al Capone

James Gordon (Teil 1)

DC Comics

DC Comics

Titel: Gordon of Gotham (Gordon’s Law/GCPD/Gordon of Gotham)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Dennis O’Neil/Klaus Janson, Jim Aparo, Bill Sienkiewicz, Dick Giordano

Erschienen: 2014 (Paperback), Mini-Serien: 1996, 1997, 1998


„I don’t need a knight. I need a street cop.“ (James Gordon)

„You are the police commissioner, James. You’re not supposed to be carrying a gun, let alone working cases.“ (Sarah Essen)

„I wonder sometimes if there are any good cops left. At least enough good ones to make a difference.“ (James Gordon)

James Gordon ist ein guter Polizist in einer schlechten Stadt. Insofern wirkt es widersprüchlich, dass er gemeinsame Sache mit einem Vigilanten wie Batman macht. Wie man in Year One erfährt, ist diese Beziehung nicht immer von Freundschaft geprägt gewesen – und auch später wurde sie immer wieder auf die Probe gestellt. Gordon ist für Batman so etwas wie sein erster Sidekick. Aber einer auf Augenhöhe. Man hilft sich gegenseitig, weil man das Gleiche will. Doch die Methoden sind andere. Und sie ergänzen sich. Batman und Gordon sind auf einander angewiesen: Während Batman einen Fürsprecher in der Welt des Gesetzes braucht, braucht Gordon einen, der die Regeln für ihn bricht. So kriegen beide, was sie wollen.

Doch Gordon kann auch ohne Batman – was aber nicht heißt, dass sich der Polizist immer an die Regeln hält. Deutlich wird das im Band Gordon of Gotham. Darin werden drei Mini-Serien aus den 90ern versammelt, die den Kampf gegen das Verbrechen in Gotham von der Seite der Polizei her zeigen (später wurde das mit der Serie Gotham Central wiederholt). Zwei der Storys konzentrieren sich auf die Titelfigur, während eine von den Nebenfiguren wie Harvey Bullock und Renee Montoya handelt. Der dunkle Ritter tritt hier bloß als Randfigur auf. Eine Batman-Story so ganz ohne Batman geht nicht.

(mehr …)

Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

DC Comics

Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

Mehr zum Thema:

Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.