Batman

Indianer-Crashkurs mit Batman und Green Arrow

brave-bold-71-cover-page1.jpg

DC Comics

Titel: Batman and the Green Arrow: Wrath of the Thunderbird

Autor/Zeichner: Bob Haney/George Papp

Erschienen: 1967 (The Brave and the Bold #71)


Das erste Treffen von Batman und Green Arrow in der Serie The Brave and the Bold ist deshalb bemerkenswert, weil die beiden nicht zusammenkommen, um gegen einen gemeinsamen Schurken kämpfen, sondern um jemandem zu helfen: Der Native American („Indianer“) John Whitebird soll sich mit Tom Tallwolf um den Posten als Stammeshäuptling in einem Wettkampf messen. Doch Whitebird ist eigentlich Unternehmer in Gotham und hat von Reiten und Bogenschießen keine Ahnung. Und Tallwolf den Posten zu überlassen, ist keine Option, denn der (ebenfalls Unternehmer) ist skrupellos. Also helfen ihm Batman und Green Arrow (die wieder mal nichts besseres zu tun zu haben scheinen) beim Training.

brave-bold-71-batman.jpg

Batman trainiert mit Whitebird. (DC Comics)

Das klingt nach einer harmlosen Geschichte. War sie damals auch. Aber aus heutiger Sicht hat sie ein Geschmäckle, nicht nur weil Wörter wie „redskin“ (Rothaut) fallen, sondern weil hier zwei „Weiße“ einem offenbar gut in die Mehrheitsgesellschaft integrierten Native American zeigen, wie man sich als waschechter „Indianer“ benimmt – samt allen Klischees, die man aus Western kennt.

Der Wettkampf findet in einer Arena mit vielen Zuschauern statt. Viele, auch die Bewerber, tragen Federn am Kopf. Doch der Kampf ist manipuliert. Tallwolf hat mit dem namenlosen (weißen) „Promoter“ einen Deal gemacht, um sicherzugehen, dass er gewinnt. Also wird Whitebird beim Reiten geblendet und später beim Bogenschießen um seinen Sieg gebracht, was Batman und Green Arrow herausfinden.

Der Promoter will als Lohn die Macht über den Thunderbird, einen riesigen, geierartigen Vogel, der einst den Vorfahren der Natives gedient haben soll. Tallwolf beschwört den Vogel herauf und der greift sie an. Green Arrow hilft mit Fallschirmpfeilen, Rauchpfeilen, Bolapfeilen, Elektropfeilen – so rettet er Batman aus den Klauen des Vogels.

Moral? „You can’t trust pale-faces!“, sagt Tallwolf. Whitebird korrigiert ihn: Batman und Green Arrow seien zwei Bleichgesichter, denen jeder trauen könne. Dabei ist Tallwolf selbst nicht ohne gewesen.

brave-bold-71-indians.jpg

Machtübergabe im Tipidorf: Tallwolf und Whitebird. (DC Comics)

Am Ende überlässt der geläuterte Tallwolf seinem Konkurrenten Whitebird den Stammesvorsitz. Die Szene findet – äußerst realitätsfremd – in einem Tipidorf statt. „Follow his wise counsel to a new and better life — in the new world that awaits us!“, sagt Tallwolf, als er Whitebird seine Federkrone aufsetzt. Was er mit „neuer Welt“ meint, bleibt offen. Eine „Neue Welt“ ist Amerika höchstens für die Weißen (gewesen). Immerhin deutet sich in der Aussicht auf ein besseres Leben an, dass das Leben der Natives derzeit nicht sehr rosig ist.

Die Story findet sich nicht im ersten Omnibus-Band von The Brave and the Bold (wie auch die ersten sechs Batman-Team-ups davor), der versammelt erst die darauffolgenden, was viele Fans ärgert (auch mich), weil dadurch eine Lücke in der Sammlung klafft. DC rechtfertigt das damit, dass erst mit Ausgabe #74 das Bronze Age begann (eine zweifelhafte und willkürliche Festlegung). Ein Grund könnte auch sein, dass man sich die Peinlichkeit ersparen wollte, diese unzeitgemäße Geschichte neu abzudrucken.

Ähnlich war es bereits, als man Detective Comics #1 in der 80-Jahre-Anthologie aussparte (mutmaßlich wegen rassistischer Darstellung von Asiaten). Dabei steht in all den Golden-Age-Omnibussen der Hinweis, dass es sich um historisches Material handelt.

Im Vergleich zu den „Indianer“-Batman-Storys der 50er ist diese hier immerhin gut gemeint. Nur wenige Jahre später wird sich Green Arrow zusammen mit Green Lantern davon überzeugen, welche Probleme Native Americans wirklich haben.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Green Arrow: Eine hochkarätige Besetzung

jla4-1961

DC Comics

Titel: Doom of the Star Diamond

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1961 (Justice League of America #4)


20 Jahre nach Green Arrows Debüt wurde er in die Justice League of America aufgenommen, als erstes Mitglied nach der klassischen Stammbesetzung. Doch bevor es dazu kommt, gibt es erst mal vier Seiten Prolog – und bevor der neue Held auftaucht insgesamt 20 Seiten Handlung.

Daran zeigt sich auch der Grund, weshalb ich früh aufgegeben habe, die ersten Abenteuer der JLA zu lesen: zu viel Gedöns. Ich versuche, es mal knapp zusammenzufassen: Der außerirdische Rebell Carthan wird vom bösen Diktator Xandor auf die Erde verbannt, um ihn von einer Rebellion abzuhalten. (Töten ist keine Option, da Carthan unverwundbar ist.) Damit dieser nicht abhaut, bringt Xandor drei goldene Kisten auf die Erde, die den Helden erblinden lassen, wenn er die Flucht ergreift. Wenn er aber doch flieht und vorher die Metalldecken von den Kisten nimmt, zerstören sie alles Leben auf der Erde.

Nur noch kurz die Welt retten

Ok, da war jetzt doch etwas viel Exposition nötig. Erinnert euch das an etwas? Drei Kisten, die die Welt bedrohen? Ja, genau: In Zack Snyders Justice League ist es ähnlich. Aber zurück zur Handlung. Carthan überlegt sich folgenden genialen Plan: Er lässt es drauf ankommen, enthüllt die Kisten und tut so, als würde er ein Schurke sein. Dann soll die JLA die Dinger für ihn ausschalten. Einfach mal nett fragen ist anscheinend keine Option.

Aber die JLA hat ohnehin nichts Besseres zu tun, denn sie ist gerade damit beschäftigt, neue Mitglieder zu akquirieren. Adam Strange? Hawkman? Green Arrow? Da fliegt ein weißer Pfeil herein mit der Botschaft: Carthan hält Green Arrow gefangen. Die JLA muss die drei Bomben entschärfen, bevor sie Unheil anrichten. Also teilt sich das Team auf und rettet die Welt vor Rieseninsekten, Riesenvögeln, Riesenkatzen und anderen Riesenmonstern. Australien wird vor dem Untergang bewahrt.

Befreiung per Diamantpfeil

Derweil suchen Batman und Superman das Raumschiff des Schurken und finden darin Green Arrow, befreien ihn aus einem Gefängnis aus tödlichen Strahlen. Als die anderen hinzukommen, nimmt Carthan sie in einem großen Diamanten gefangen. Warum? Um Zeit zu gewinnen und sich zu erkären. Leider geht das in die Hose: Die Maschine geht kaputt und die JLA ist gefangen. Niemand kann den Diamanten zerstören, außer Green Arrow, der zufällig einen Pfeil mit Diamantspitze dabei hat. (Und wie gut, dass er so reich ist, sich einen solchen leisten zu können.) Carthan zeigt ihm sogar, wo der wunde Punkt liegt.

jla-green-arrow.jpg

Zwei Panels später ist der Schütze Mitglied, obwohl er nichts gemacht hat, außer einen Pfeil abzuschießen. Warum wurde Green Arrow überhaupt entführt? Egal. Und was Carthan angeht: Alle zeigen hinterher Verständnis für seinen bescheuerten Plan, der Milliarden von Menschenleben gefährdet hat. Man will ihm sogar gegen Xandor helfen. Doch er lehnt ab und kümmert sich lieber selbst.

>> Justice-League-Comics


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Batman im Reich der Untoten

batman-gotham-county-line.jpg

Gotham County Line #1-3 (DC Comics)

Titel: Batman: Gotham County Line

Autor/Zeichner: Steve Niles/Scott Hampton

Erschienen: 2005 (Miniserie #1-3)


„Dead is dead. Isn’t it?“ (Batman)

Nach einem Kampf mit dem Joker fragt sich Batman, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Eine faktenbasierte Recherche bringt ihn nicht weiter, doch dann bekommt er einen Fall, in dem er praktische Erfahrung sammeln kann. James Gordon schickt Batman nach Gotham County. Normalerweise meidet Batman die Vorstadt (wahrscheinlich weil es dort keine Hochhäuser und Wasserspeier gibt), aber der Fall lässt ihn eine Ausnahme machen.

Ein Serienmörder tötet Familien und schneidet den Opfern die Augen heraus. Kaum hat Batman mit seiner Detektivarbeit begonnen, bekommt er es mit dem Mörder zu tun, wird im Nahkampf ausgeknockt und später sogar angeschossen. Er findet heraus, dass es ein Polizist namens Radmuller ist. Doch als er ihn fassen will, hat der Mörder seinen Selbstmord so inszeniert, dass Batman für den Tod mitverantwortlich ist. Und dann wird es noch wilder: Radmuller steht von den Toten auf – und er ist nicht der einzige.

Was folgt, ist eine Reise in eine seltsame Welt, nicht Jenseits, nicht Traum, aber irgendeine andere Form von Realität, in der Batman auf Scharen von Untoten trifft – eine Art Fluch, verursacht vom Mörder. Zwischendurch erklärt noch Deadman die Handlung und Phantom Stranger darf bei so einer Horror-Story ebenso wenig fehlen wie ein toter Robin und die Eltern von Bruce Wayne.

Steve Niles (Gotham After Midnight) erzählt eine sehr düstere Horrorstory mit einigen Schockmomenten und seitenlangen Prügeleien gegen Zombies und am Ende steht die tröstende Erkenntnis, dass es irgendeine Form von Dasein nach dem Tod gibt und man auch auf eine Art von Gerechtigkeit für Mordopfer hoffen kann. Zeichner Scott Hampton (Night Cries) hat einen etwas sperrigen Stil, der mit starken Schatten und unruhigen Strichen eine beklemmende Atmosphäre schafft – zumindest wenn man Batman nicht mit Jetpack durch die Luft düsen sieht, das nimmt dem Dunklen Ritter, der bekannt dafür ist, aus dem Nichts aufzutauchen und darin zu verschwinden, seine mystische Aura.

>> Batman 2000-2011


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Catwoman grillt Batman

batman-66-catwoman1.jpg

Catwoman (Julie Newmar) mit Katzenbetäubungspistolen.

Titel: Hot Off the Griddle/The Cat and the Fiddle (dt. Frisch vom Grill)

Drehbuch: Stanley Ralph Ross

Erschienen: 1966 (Batman S02E03-04)


Ein Katalog wird gestohlen. Dann ein Modell eines Katamarans. Schließlich drei Fäustlinge. Catalog, catamaran und „mittens from three kittens“ – dahinter kann nur eine stecken: Catwoman! Denn das einzige Gesetz, an das sich Gesetzlose in Gotham halten, ist, dass jedes Verbrechen zum Thema ihres Kostüms passen muss. Doch der ganze Aufwand ist nur die Vorstufe zu einem weitaus größeren Plan.

Wie der aussieht? Batman und Robin haben keine Ahnung. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Sie locken Catwoman in eine Falle. Oder versuchen es wenigstens. Sie lassen einen Klatschreporter eine falsche Fährte in seiner nächten Kolumne einbauen und vertrauen darauf, dass Catwoman diese auch liest. Aber das muss sie gar nicht, denn der Reporter (der in der Telefonzelle einer Drogerie arbeitet) warnt Catwoman über sein „gossip phone“, sodass sie vorbereitet zum Tatort im Museum eintrifft. Batman und Robin werden mit Gift betäubt und aus dem Fenster geworfen. Zum Glück ist aber unten ein Netz gespannt.

batman-66-catwoman4.jpg

Tante Harriet tanzt den „Catuzzi“.

Auf die nächste Spur bringt die beiden planlosen Helden Tante Harriet. Die alte Dame tanzt nämlich den Catuzzi, den neuesten Modetanz, der zu einer Art Katzenmusik gespielt wird. Der Batusi hat offenbar ausgedient. Jetzt heißt es, Krallen zeigen. Tante Harriet weiß auch, dass der Trend aus dem Lokal „The Pink Sandbox“ stammt. Kein Wunder, dass die beiden Spießer noch nie was davon gehört haben. Wer würde schon freiwillig in einen Laden gehen, der sich Katzenklo nennt?

batman-pink-sandbox.jpg

Tanzen im Katzenklo: The Pink Sandbox.

Dort sind alle passend gekleidet, von der Go-Go-Tänzerin bis hin zur Kellnerin. Auf der Speisekarte stehen: „Catburgers with catsup, Chicken Cat-atore, and various cuts of meat from choice Kansas City cattle.“ Hier wurde offenbar wieder mal das Wörterbuch geplündert.

batman-pink-sandbox2.jpg

Die Qual der Wahl: Batman und Robin mit Katzenmenü.

Batman und Robin landen dann selbst in der Pfanne – und zwar buchstäblich. Zuerst werden sie in einen Raum gesperrt, dessen Boden so heiß wird, dass man Spiegeleier drauf braten kann (was Catwoman auch demonstriert). Dann landen sie auf zwei Grillrosten auf dem Dach, wo riesige Brenngläser über ihnen angebracht werden. Wozu der Aufwand? Um diesen literarischen Witz zu machen: „bat on a hot tin roof“.

batman-66-catwoman5.jpg

Auf der Speisekarte: Fledermaus auf dem heißen Blechdach.

Findet Batman gar nicht lustig. Aber für Humor war er ohnehin noch nie bekannt, wie Catwoman ernüchtert feststellt. Fragt sich nur, was sie dann an dem Langweiler findet. Wie dem auch sei: Zum Glück findet just in dem Moment eine Sonnenfinsternis statt, die den beiden Helden Zeit verschafft, sich zu befreien.

batman-66-catwoman2.jpg

Volle Kraft voraus: Batjets schießen Batman in die Höhe.

Beim Finale in einem Hochhaus kommt eine Rakete zum Einsatz, mit der Batman einen defekten Fahrstuhl wieder in Betrieb nehmen kann. Dort oben hat Catwoman eine Rakete für die Flucht bereit, die aber nicht starten will, während sich die anderen prügeln. Am Ende rettet Batman ihr das Leben mit dem Bat-Seil und stürzt dabei selbst fast ab. Doch dann kann Robin sie gemeinsam wieder hochziehen. Kräfte wie Superman muss dieser schmächtige Wunderknabe haben.

batman-66-catwoman3.jpg

Catwomans Fluchtrakete.

Apropos: Tatsächlich findet sich in dieser Folge eine Anspielung auf den Mann aus Stahl. Als die Polizei von der Straße aus Catwomans Bande auf dem Hochhaus sieht, fragt Chief O’Hara: „Are they birds?“Und Gordon fragt: „Are they planes?“ – „No“, sagt Batman. „They’re cat burglars!“ Schade, dass Superman es nie persönlich in die Serie geschafft hat.

batman-66-bird-plane.jpg

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, nur Einbrecher.

Außerdem lernen wir zweierlei. Erstens: Nie direkt in die Sonne schauen. Und zweitens erfahren wir etwas über englische Grammatik: „You can’t get away from Batman that easy!“, sagt Robin. – „Easily“, korrigiert Batman. „Good grammar is essential.“

Wunderbar.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Adam West trifft Lynda Carter

batman-66-wonder-woman-77

DC Comics

Titel: Batman ’66 Meets Wonder Woman ’77

Autor/Zeichner: Marc Andreyko, Jeff Parker/David Hahn

Erschienen: 2016-2017 (Miniserie #1-6), Paperback 2017


Wenn man die beiden Intros der Batman-Serie der 60er mit der Wonder-Woman-Serie der 70er vergleicht, fallen große Parallelen auf: Beide haben einen eingängigen Titelsong, beide betonen den Bezug zu den Comics. Heute gelten beide Serien zugleich als Trash und Kult und beide haben Comic-Adaptionen nach sich gezogen – da lag es nahe, dass die Versionen der Figuren auch zusammentreffen: „Adam West“ und „Lynda Carter“ kämpfen gemeinsam gegen Ra’s al Ghul.

Die Geschichte beginnt mit Catwoman. Sie stiehlt das Buch Lost World of the Ancients für Talia al Ghul. Batman und Robin schnappen sich das Katzenweib, Talia entkommt, und Bruce erzählt, dass er die mysteriöse Frau kennt. Talia und ihr Vater Ra’s kamen in den 40ern zu einer Auktion der Wayne Foundation in Wayne Manor. Ra’s versucht dabei, das Buch (und ein weiteres mit gleichem Namen) zu ersteigern, doch es gewinnt ein anderer Büchersammler. (Warum er ihn nicht einfach überbietet, bleibt rätselhaft.) Dann wollen Nazis die Bücher rauben, bis die League of Assassins Ansprüche erhebt.

Zufällig ist auch Diana Prince mit Steve Trevor anwesend. Sie verwandelt sich mit einem Ballerina-Dreher in Wonder Woman, kämpft gegen die Nazis, rettet den kleinen Bruce und seine Familie vor ihnen. Nebenbei entdeckt Klein-Bruce durch einen Sturz die Batcave

22 Jahre später fliegt Batman mit Robin und Catwoman nach Themyscira, um Wonder Woman zu warnen und Ra’s davon abzuhalten, in eine Lazarusgrube zu steigen. Weitere zehn Jahre später kehrt Ra’s zurück. Bruce hat als Batman aufgehört, Dick Grayson ist Nightwing und Barbara Gordon Police Commissioner.

batman-wonder-woman-batmobi.jpg

Batmans neues Batmobil in den 70ern. (DC Comics)

Dafür, dass man etwas sehr Albernes erwartet, überrascht diese Story mit einer gar nicht mal so bescheuerten und sogar ziemlich einnehmenden Handlung. Sparsam mit Gags, aber trotzdem leichtfüßig kommt das alles daher, und erzählt eine nostalgische Geschichte über drei Jahrzehnte hinweg. Wir sehen, wie die Batman-TV-Serie aus ihrem Status quo herausentwickelt, sie bekommt eine Vorgeschichte und eine Fortsetzung in ferner Zukunft – inklusive eines neuen Batmobils. Es gibt Zitate aus den Comics dieser Zeit (z.B. Copperhead) wie auch aus der Popkultur (Disco und Kung-Fu).

Für riesige Plot Holes wird man mit Schauwerten wie Greifen, Zyklopen und sich in Rauch auflösenden Kämpfern entschädigt. Die schlichten Zeichnungen sind keine künstlerische Offenbarung, erfüllen aber ihren Zweck. Mit flottem Strich und knalligen Farben wirkt das Ganze, als würde man einen soliden und unterhaltsamen Zeichentrickfilm schauen.

Das Herz der Story bildet das Verhältnis zwischen Bruce und Diana. Sie ist es, die ihn erst zu Batman macht: „I wouldn’t be the man I am today without your inspiration“, sagt er zu ihr.  Und sie ist es, die ihn am Ende aus der Versenkung holt, sodass der Emeritus wieder ins Kostüm steigt. – Sehr schön.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Wonder Woman hinterlässt verbrannte Erde

wonderwoman-deadearth

DC Comics

Titel: Wonder Woman: Dead Earth

Autor/Zeichner: Daniel Warren Johnson

Erschienen: 2020 (Miniserie #1-4), Hardcover 2020, dt. Panini 2020-2021 (Vierteiler)


„You may have broken the world … but I know you’re the only one who can fix it.“ (Batman)

Die Erde ist verwüstet von einem Atomkrieg, nur noch wenige Menschen sind übrig, dafür viele riesige und furchtbare Monster. Und mittendrin erwacht eine Prinzessin aus ihrem Dornröschenschlaf – Diana von den Amazonen, ehemals Wonder Woman. Sie erwacht nicht irgendwo, sondern in der Batcave. Batman selbst ist längst tot. Sie kann sich nicht erinnern: Was ist denn hier passiert?

wonderwoman-deadearth-batma.jpg

Wonder Woman trifft Batman – auf Dead Earth. (DC Comics)

Diana stückelt sich wieder ein Wonder-Woman-Kostüm zusammen, zieht Batmans Gürtel an, befreit die Menschen aus der Oase Camp New Hope von ihrem Tyrannen und will sie nach Themyscira führen, denn die Insel dürfte immer noch das Paradies sein. Tja, falsch gedacht – es wird alles immer schlimmer.

David Warren Johnson zeichnet diese Post-Apokalypse mit unruhigem, schroffen, aber ungemein dynamischen Strich. Er hat ein gutes Gespür für Dramatik und einige starke Einfälle, die altbekannte Figuren wieder interessant erscheinen lassen, wie etwa bei einem Gladiatorenkampf gegen eine mutierte Cheetah. Und was die Heldin mit Superman macht, ist zu herrlich, als dass ich es hier spoilern wollte.

Diese Wonder Woman ist keine Idealschönheit nach klassichen US-Maßstäben, sondern erscheint als normale Frau, die trotzdem unfassbare Kräfte in sich vereint – Kräfte von Göttern, die erst einmal gebändigt werden müssen und zum Schluss entfesselt werden. Die Amazone vereint damit zwei Extreme, die größte Gefahr und die größte Hoffnung der Menschheit zu sein. Und das Beste: Sie kommt ganz ohne Superman, Batman und andere Superhelden aus, auch wenn sie am Rande als Echo der Vergangenheit vorkommen. Dafür steht ihr Verhältnis zu den Menschen und den Amazonen im Vordergrund.

Damit ist Dead Earth ein spannendes, blutiges, kurzweiliges und bildgewaltiges Vergnügen für alle Fans (und Nichtfans) von Wonder Woman, Endzeitszenarien, epischen Schlachten und Mainstreamcomics jenseits des Mainstreams.

>> Wonder-Woman-Comics


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Catwomans Stunde der Wahrheit

batman-adv-catwoman-ww.jpg

DC Comics

Titel: Batman Adventures: Cat Got Your Tongue?

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2021 (Adventures in the DC Universe #2, #19; Batman: Gotham Adventures #4, #24, #50; Batman Adventures #10)


Catwoman klaut Wonder Woman das Lasso der Wahrheit. Nicht für sich selbst, sondern für einen Schurken, der damit einen Wissenschaftler befragen will, wie er zu einem Katzengott wird. Doch als das Schlimmste eintrifft, bereut Catwoman ihre Auftragsarbeit, denn der Katzengott randaliert in der Stadt. Aber da eilt auch schon Wonder Woman zur Hilfe, um gemeinsam mit Catwoman wieder für Ordnung zu sorgen. Moral: In jedem Größenwahnsinnigen steckt ein kleiner, armseliger Mann.

Ansonsten geht es im Catwoman-Bändchen der neuen Batman-Adventures-Reihe für Kinder vor allem um ihre Beziehung zu Batman. In Claws setzt sich Catwoman gegen Tierversuche an streunenden Katzen ein. Als sie die Verantwortliche (eine Herstellerin von Kosmetikprodukten) zur Rede stellt und die sich nicht einsichtig zeigt, fährt ihr Catwoman mit den Krallen durchs Gesicht, sodass sie für immer entstellt ist. Das wiederum belastet ihr Verhältnis zu Batman.

Missverständnisse und Vertrauensprobleme

Doch eine Aussprache findet nicht statt. Also lockt Catwoman Batman in eine Falle, um mit ihm zu reden. Leider erwischt sie aber zunächst alle anderen: Robin, NightwingBatgirl und Killer Croc. Als sie schließlich Batman bekommt, läuft das Gespräch auf ein einziges Missverständnis hinaus. Sie sagt nicht, was sie will, und er hat nichts zu sagen, außer dass er sie festnehmen will. Catwoman haut ab.

Das Problem, wie sich später zeigt: Batman traut Catwoman nicht. Als er sie bei einem Einbruch erwischt und sie ihn vor einer Bombe bewahrt (und dabei selbst fast draufgeht) ermittelt er so lange, bis er ihre Unschuld beweist. Warum ist Batman so viel härter zu ihr als zu anderen?, fragt Nightwing. Weil er mehr von ihr erwarte, sagt Batman. Das ist fast schon keine richtige Antwort.

Zum Schluss hat Batman wieder allen Grund, Catwoman zu misstrauen. Zunächst lässt sie eine Farbbombe hochgehen, die die wertvollen Gemälde in einem Club beschmiert. Dann wird sie zusammen mit Batman von der Polizei gejagt (denn der Pinguin ist Bürgermeister). Doch selbst als sie ihm aus der Patsche hilft, traut er ihr nicht. Zu Recht, wie sich am Ende herausstellt: Catwoman hat die Bilder vorher ausgetauscht und die Originale gestohlen. Doch statt die Diebin auszuliefern, stiehlt Batman einfach die Bilder zurück.

Die Beziehung bleibt ein kompliziertes Hin und Her. Ganz zum Schluss (im kurzen Epilog des Bandes) bricht dann Catwoman nur deshalb in Wayne Manor ein, um im Safe eine Nachricht zu hinterlassen: ihren Neujahrsvorsatz, brav zu sein. Plötzlich gibt sich Bruce Wayne freundlich: „After all, I’m a strong believer in the power of a simple vow.“

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

DC Fandome: Neue Trailer zu „The Batman“ und „The Flash“

Da ist er: Nach stundenlangem Geschwätz bei DC Fandome kam endlich die Hauptattraktion: zweieinhalb Minuten Bilder aus dem Film The Batman. Nicht alles neue Bilder, aber immerhin konnte man sich einen guten Eindruck von Catwoman (Zoë Kravitz), Pinguin (Colin Farrell) James Gordon (Jeffrey Wright) und Alfred Pennyworth (Andy Serkis) verschaffen. Der Riddler (Paul Dano) bleibt noch ein Mysterium, dafür wirkt Batman (Robert Pattinson) wie der absolute Berserker.

The Batman von Regisseur Matt Reeves soll im März 2022 in die Kinos kommen. Der Filmstart wurde bereits wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Noch einmal Batman gab es im „First Look“ zu The Flash. Der Held taucht (zusammen mit Supergirl) in der Batcave auf, Batman (Michael Keaton?) sieht man nur von hinten. Und es gibt eine kleine Enthüllung des Batmobils – allerdings nur off screen. The Flash soll

Und hier noch ein Vorgeschmack auf den Black-Adam-Film mit Dwayne Johnson:

Und hier noch ein Trailer zum Animationsfilm Catwoman: Hunted:

Neue Comics: „The Knight“ und Detective Comics #1050

 

batman-the-knight-1-variant

Batman: The Knight (DC Comics)

DC hat ein paar potenzielle Comic-Highlights fürs Jahr 2022 angekündigt: Autor Chip Zdarsky (Daredevil) und Zeichner Carmine Di Giandomenico (The Flash, Daredevil: Battlin Jack Murdock) erkunden in Batman: The Knight, wie Batman zu dem wurde, der er ist. Ja, genau: Schon wieder. Diesmal soll es um seine Lehr- und Wanderjahre gehen, also die Zeit zwischen Elternmord und „Yes, father, I shall become a bat“ (siehe Year One und Zero Year).

Nicht, dass das alles schon Dutzende Male erzählt worden wäre, in Rückblenden, Kurzgeschichten oder im Film Batman Begins. Aber eben noch nicht von Chip Zdarsky, der bereits mit Spider-Man: Life Story bewiesen hat, dass er auch den bekanntesten Geschichten noch eine neue Seite abtrotzen kann. Seine derzeit laufende Daredevil-Serie ist jedenfalls Gold wert (lesen!) und in Batman: Black and White hat er sich bereits am Dunklen Ritter warmgelaufen. Die ersten Bilder zeigen einen „angry young man“ beim Faustkampf.

Die erste Ausgabe erscheint am 18. Januar 2022, wird 40 Seiten umfassen und 4,99 US-Dollar kosten. Es sind zehn Teile geplant.

detective-1050

Variants zu Detective Comics #1050 von Jorge Fornes und Jason Fabok. (DC Comics)

Eine Woche später soll Detective Comics #1050 erscheinen. Und weil derzeit alles, was auf 50 oder 00 endet (manchmal auch 27), als Jubiläum gilt, wird auch diese Ausgabe auf Sonderformat aufgeblasen. Mariko Tamaki erzählt den vierten Teil ihres Events Shadows of the Bat. Außerdem wird es eine Backup Story von Matthew Rosenberg (The Joker Presents: A Puzzlebox, DC vs. Vampires) und eine von Mark Waid (Kingdom Come) geben, in der auch Superman vorkommt. Die Zeichnungen stammen von Ivan Reis, Fernando Blanco und Dan Mora. 48 Seiten kosten 5,99 US-Dollar.

>> Mehr Infos, Bilder und weitere Comics bei DC

Batman als Audio zum Nachlesen

batman-audio-adventures-spe.jpg

DC Comics

Titel: Batman The Audio Adventures Special

Autor/Zeichner: Dennis McNicholas u.a./Jacob Edgar u.a.

Erschienen: 2021 (One-shot)


Batman gibt es in jedem Medium, nur im Radio war er bisher unterrepräsentiert. Aber warum sollte es anders sein? Ohne Bilder ergibt die Figur nicht viel Sinn. Aber weil Podcasts gerade der heiße Scheiß sind, gibt es seit September eben die zehnteilige Hörspielserie The Audio Adventures mit Jeffrey Wright in der Titelrolle (er spielt bald auch James Gordon im Film The Batman).

Für alle, die nicht hören, sondern weiterhin lieber lesen und bunte Bilder anschauen, ist nun auch ein Comic erschienen: The Audio Adventures Special hat zwar nichts mehr mit „Audio“ zu tun, soll aber anscheinend Comicleser dazu bringen, sich den Podcast anzuhören.

In der Tradition der Jubiläumsanthologien (z.B. Detective Comics #1000/1027) werden auch hier ein paar Kurzgeschichten geboten, manche sind abgeschlossen, andere teasern auf die Hör-Abenteuer (wie z.B. mit dem Joker). Doch vor allem führen sie ein in einen interessanten Kosmos: Batman etabliert sich in einer korrupten Stadt gerade erst als Verbrechensbekämpfer, bekommt die Anerkennung der Polizei und ein Batsignal.

Selbstironische Reflexionen

Es wird zum Leitmotiv dieser Storys: „It’s theatrical, impractical, ridiculous–in a word, perfect–the quintessence of Gotham City“, denkt sich Batman. Auch der Riddler findet es lächerlich, wünscht sich aber ein eigenes, während sich ein Reporter fragt: Was hat es zu bedeuten? „Could this ‚bat‘ signal brighter days for Gotham?“

Auch wenn hier der Mythos zelebriert wird: Die Geschichten sind wohltuend selbstironisch, und im Gegensatz zu vielen gewollt-witzigen Batman-Storys zünden die Gags wirklich. Der Zeichenstil der Künstler ist cartoonhaft, erinnert an die Batman: The Animated Series bzw. die Batman Adventures, aber auch sonst knüpfen die Geschichten an die besten Momente der Serie bzw. Comics an.

Alte und neue Schurken

Passend zu einem Hör-Abenteuer jagt Batman eine „Three Blind Mice-Gang „(daher auch die großen Lauscher), auch Catwoman (im Golden Age-Kostüm) kriegt mit ihnen zu tun und verleiht dem Plot eine überraschende Wendung. Ansonsten gibt es eine Two-Face-Story über ständige duale Entscheidungen in seinem Leben, Scarecrow verkauft Drogen an Kinder, der Pinguin erweist sich erneut als fieser Tyrann und den schönsten Auftritt bekommt aber der Riddler, der in Arkham besucht wird von einer Art Sidekick. Hier gibt es viel zu lachen.

Eine Geschichte widmet sich der Entstehung eines neuen Schurken (King Scimitar), der nicht ernst genommen wird, weil ihm ein Gimmick fehlt. Unterwegs begegnen ihm (neben Killer-Moth, Polka-Dot-Man und Calendar Man) viele verrückte Schurken wie ein Imker mit Bienenbande und ein laufender Hot-Dog. Wunderbarer Irrsinn – der Condiment King lässt grüßen.

Ach ja, und wer immer noch hören will, hier die erste von zwei Episoden auf YouTube:

Man kann sie sich auch bei Spotify anhören. Den Rest gibt es bei HBO Max.

>> Batman 2020-2029


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00