Arkham Asylum

Batman Eternal Vol. 2: Von allem zu viel

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 2

Autor/Zeichner: Scott Synder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Batman Eternal #22-34, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Batman Eternal #11-17)


„We’re stretched in too many directions. Perhaps more than ever before. I’m getting worried.“ (Batman)

Nach dem ersten Akt von Batman Eternal ist klar, wer für das Chaos in Gotham verantworltich ist: Hush. Zuletzt ist er in Wayne Manor eingedrungen und hat Alfred Angstserum ins Hirn gespritzt; der Butler wird im Krankenhaus ins Koma gebracht und dann nach Arkham verlegt. Doch die Hauptarbeit lässt Hush immer noch traditionsgemäß von anderen erledigen: Der Architekt (Zachary Gate) versucht, Waynes Beacon Tower zu zerstören und löst damit ein Erdbeben in Gotham aus. Daraufhin sorgt der neue Commissioner Jason Bard dafür, dass in Gotham das Kriegsrecht ausgerufen wird. Auf eine Massenpanik folgen Aufstände. Der viel zu spät erwachte Spectre vernichtet Arkham Asylum beim Kampf gegen den Schurken Deacon Blackfire. Catwoman tritt das Erbe ihres Gangster-Vaters Rex „The Lion“ Calabrese an, indem sie zur Mobchefin wird. Stephanie Brown wird zur Superheldin Spoiler und wehrt sich gegen ihren mordlüstigen Vater.

Obwohl die Autoren es schaffen, mit immer neuen Zuspitzungen den Leser bei Laune zu halten, hat der zweite Akt von Batman Eternal einige Durchhänger. Das liegt auch daran, dass weniger Handlungsstränge in die einzelnen Kapitel gepackt werden. Dadurch verliert man aber auch einige Personen aus dem Blick: die Polizei und die Presse spielen eine marginale Rolle. Der Subplot in Arkham mit Spectre wird allzuschnell aufgelöst, war aber auch zuvor nicht besonders geistreich. Es sollte bloß auf die Vernichtung von Arkham und die Befreiung der Insassen hinauslaufen.

Bei Hush stellt sich wieder der Verdacht ein, dass der grandiose Racheplan an Batman vielleicht eine Spur übertrieben sein könnte. Dabei lernt man schon beim Big Lebowski, dass Pläne am besten einfach sein sollten, damit sie funktionieren … Hush hat übrigens auch die bemerkenswerte Fähigkeit, immer zufällig an der richtigen Stelle zu sein, wo es seinem grandiosen Plan dienlich ist. Leider aber scheitert er an seiner Inkonsequenz. Nach einem furiosen Finale scheint die Schlacht gewonnen, aber Batman steht fast vor dem Nichts.

Trotzdem tut es der Über-Story gut, dass sie sich wieder auf ihren Hauptcharakter besinnt. Batman schien in dem ganzen Aufgebot an Charakteren zwischenzeitlich unterzugehen. Jetzt wird es wieder persönlicher, es steht wieder mehr Batman im Mittelpunkt. Er muss mal wieder gegen sich selbst kämpfen und die Dämonen, die er erschaffen hat. Dabei wird er erneut mit der Frage konfrontiert, ob sein Kreuzzug nicht doch mehr Schaden verursacht, als er verhindert. Denn wieder werden dafür neue Soldaten rekrutiert, die unter dem ewigen Krieg leiden. Dazu zählen neben der neuen Spoiler und Harper Row auch Julia Pennyworth, Alfreds Tochter. Sie sorgt mit ihren bissigen Sprüchen für einige Seitenhiebe auf den Batman-Mythos und damit einige Lacher. Erfreulich ist daran auch, dass dadurch die Frauenquote sehr hoch ist, aber die Batman-Familie so groß wird wie wahrscheinlich noch nie zuvor:

  1. Red Hood
  2. Red Robin
  3. Batgirl
  4. Batwoman
  5. Bluebird (Harper Row)
  6. Spoiler
  7. Alfred Pennyworth
  8. Julia Pennyworth

Es fehlen nur Nightwing (da gegenwärtig als Grayson unterwegs), Robin (da gegenwärtig noch tot) und Ace der Bathund (hoffentlich bleibt es dabei). Aber zu einer solchen Mega-Story wie Batman Eternal gehört es wohl dazu, nicht nur viel, sondern von allem zu viel zu bieten. Schon in Goethes Faust heißt es: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“

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Wahnsinn und Hölle

DC Comics

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Titel: Arkham Asylum – Living Hell

Autor/Zeichner: Dan Slott/Ryan Sook

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-6)


„Arkham Asylum is not just any institution for the criminally insane. It’s the Ivy League of insanity. A ‚Harvard‘ for Psychopaths.“ (Dr. Arkham)

Wer Batman lesen will, sollte sich vergewissern, dass auch Batman draufsteht. Tut es hier nämlich nicht. Auch wenn Batman auf dem Cover abgebildet ist. Denn in Arkham Asylum: Living Hell ist die Irrenanstalt der Protagonist. Und die Hölle spielt auch eine wichtige Rolle. Leider. Denn wenn ich eines nicht mag, dann sind es Batman-Storys, in denen Etrigan irgendwelche anderen Dämonen bekämpft. Und besonders wenn Batman dabei nicht viel zu melden hat.

So viel vorab. Den roten Faden der Geschichte bildet Warren White, ein Betrüger, der sich für unzurechnungsfähig erklären lässt, um dem Knast zu entgehen. Doch der Richter schickt ihn nach Arkham. Und dort muss White viele Qualen durchstehen. Seine einzige Hoffnung ist tot bevor er es ahnt. Einzig der dicke Riese Humpty Dumpty erweist sich als Freund. Am Ende geht White aus seiner Opferrolle wieder als Schurke hervor. Zwischendrin ufert die Handlung aus: das Personal ist frustriert, die Insassen proben den Aufstand, Two-Face und Joker kommen frei, Poison Ivy versucht es zumindest, Dr. Arkham selbst greift zur Waffe – was halt so in dieser Anstalt passiert.

Naja, und dann gibt es eben noch die Höllenhandlung. Das Böse kommt frei, weil … nun, weil vielleicht doch etwas dran ist an der alten Vorstellung, dass Geisteskranke von fremden Dämonen besessen sind. Oder, wie es in einem deutschen Schlager heißt, Wahnsinn und Hölle hängen schon immer eng zusammen. In Arkham spuken auch Geister von Toten herum. Warum? Wegen der vielen Leichen im Keller von Arkham wahrscheinlich. Ist auch eigentlich nicht so wichtig und auch gar nicht so interessant. Etrigan erweist sich als ziemlich unfähig. Batman ist bloß eine Randerscheinung in dem ganzen Chaos. Und die Zeichnungen? Ganz okay: bei den Freaks ausdrucksstärker als bei den Normalos, bei Batman selbst langweilig und auch sonst eher gewöhnlich. Ansonsten bleibt trotz der Gewaltorgien kaum etwas nachhaltig im Gedächtnis. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass mich solche Dämonen-Geschichten nicht jucken. Gelungenere Anstaltsberichte sind das spätere Arkham Asylum: Madness sowie der unübertroffene Klassiker von Grant Morrison.

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Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

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Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

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Schlachtgetümmel und Etikettenschwindel

DC Comics

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Titel: Forever Evil: Arkham War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Scot Eaton, Graham Nolan

Erschienen: 2013-2014 (Batman #23.1: Bane, Arkham War #1-6, Forever Evil Aftermath: Batman vs. Bane #1, Paperback 2014), dt. Panini 2014.


„To know thine enemy, you must become thine enemy.“ (Bane)

„… no matter how these freaks try to convince us otherwise … the sun always rises eventually.“ (James Gordon)

Nachdem das Crime Syndicate die Justice League ausgeschaltet, die Welt verdunkelt und die Schurken befreit hat (siehe Forever Evil), haben die Insassen des Arkham Asylum Gotham übernommen und unter sich aufgeteilt. Batmans Erzfeind Bane wittert seine Chance, befreit mit seiner Privatarmee die Insassen von Blackgate-Gefängnis und versucht seinerseits die Stadt zu erobern, um dort seine Schreckensherrschaft zu errichten. Er paktiert mit dem Pinguin, doch der treibt ein dreifaches Spiel, da er ebenfalls mit Scarecrow, dem Anführer der Arkhamites, und Comissioner James Gordon was am laufen hat. Es kommt zum Krieg. Unter anderem kämpft Banes Venom-Armee gegen eine Schar von Man-Bats. Bane versucht, die tiefgefrorenen Talons zu reaktivieren, doch Scarecrow will sich ebenfalls ihrer bemächtigen – mit einer Mischung aus Angstgas und Mad Hatters Gedankenmanipulation. Als das nicht funktioniert, verpasst Scarecrow sich und seinen Schergen eine Dosis Venom – und die Stadt ist voller Bane-Verschnitte …

Kommt uns das bekannt vor? Ja. Bereits in der ersten The Dark Knight-Story hat Bane die Arkham-Insassen mit einer Mischung aus Venom und Angstgas verköstigt. Abgesehen von dem offensichtlichen Ideen-Recycling stellt sich die Frage, welchen Mehrwert es bringt, jemanden wie Clayface, Killer Croc oder Man-Bat mit Venom vollzupumpen, wenn die doch ohnehin übermenschliche Kräfte haben. Letztendlich keinen, denn Bane macht auch so alle Gegner fertig, sodass er am Ende stolz dastehen kann – in seinem aus The Dark Knight Rises geborgtem Wintermantel.

Die coolste Idee allerdings besteht darin, zuvor Bane als Batman auftreten zu lassen. Da er einsieht, dass sich niemand wirklich vor ihm fürchtet, nimmt er die Gestalt der Figur an, die den Schurken am meisten Angst und Respekt einjagt. In stählerner Rüstung erinnert Bane so an den klobigen Batman von Frank Miller. Spätestens wenn Bane in dieser Rüstung sich auch noch auf ein Pferd schwingt, wird die Reminiszenz offensichtlich. Allerdings enttäuscht es, dass der auf dem Cover des Paperbacks (und des letzten Kapitels) angekündigte Kampf zwischen Batman und Bane-Batman so nicht stattfindet. Als am Ende Batman wiederkehrt und Bane vermöbelt, hat letzterer seine Rüstung leider schon abgelegt. Der erfahre Comic-Leser weiß zwar, dass Cover einer eigenen Logik folgen, aber hier wirkt es wie ein Etikettenschwindel. Das ist vor allem schade um den Schauwert. Denn viel mehr hat das Finale, ebenso wie der überwiegende Rest der Story, nicht zu bieten. In Erinnerung bleiben unzählige Splash Pages voller Schlachtgetümmel. Aber diese Erinnerung währt nur kurz.

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Brutstätte des Wahnsinns

Arkham Asylum : Madness

DC Comics

Titel: Arkham Asylum: Madness

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2011


„… the people here are actually very sad, and that can happen to any of us …“

„This place is killing me.“

„These very walls are the perfect recipe for madness.“

In diesem Comic hat Batman mal Pause. Stattdessen wird ein Tag in Arkham Asylum aus der Sicht der Angestellten gezeigt. Man erfährt, dass in der Anstalt nur die Insassen die gleichen bleiben, während das Personal verheizt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, haben meist keine Wahl, weil sie verschuldet sind und sie ihr Leben notdürftig bestreiten müssen. So nehmen sie die Angst und den Frust in Kauf, den Arkham mit sich bringt: Entweder man stirbt dort oder man kündigt früher. Hier dient eine alte rostige Wanne außerhalb des Geländes, wo die Angestellten ihre Raucherpausen machen, als Insel der Glückseligkeit.

Hauptfigur ist die Krankenschwester Sabine, die den Job durchzieht, um für ihren Sohn zu sorgen. Wegen Personalmangels muss sie nach einer Tagesschicht auch noch eine Nachtschicht übernehmen. Der Antagonist ist, wie kann es anders sein, der Joker höchstselbst. Wir sehen ihn alte Schachteln von antiken Scherzartikeln sammeln. Man kann sich denken, dass er sich dieses Hobby nicht ohne Grund gesucht hat. Denn jede Box erzählt die Geschichte einer Grausamkeit am Personal. Zum Schluss spielt der Joker mal wieder den Narren, der die Heldin mit unbequemen Fragen quält. Gastauftritte gibt es von einem beängstigend-ungeheuerhaften Killer Croc im Wassertank, Poison Ivy, Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat. Und dann ist da noch eine zu langsam gehende Wanduhr, die blutet … – ein Symbol für die Gesamtsituation.

Sam Kieth findet einen ganz eigenen Weg, den Irrsinn zu verbildlichen. Er benutzt verschiedene Zeichen- und Maltechniken sowie Bildstile, vom cartoonhaft Überzeichneten bis zum Hyperrealistischen. Manche Panels sind Gemälde, andere wirken wie skizzenhafte Vorstufen. Die Virtuosität zeigt sich am meisten beim Finale, wenn der Joker in jedem Panel auf eine andere Art dargestellt ist: mal kantig, mal cartoonhaft, stets wie eine Karikatur seiner selbst. Selten war mehr Abwechslung als in diesem Comic. Man kommt nicht umhin, die Optik mit der zu vergleichen, die Dave McKean für Grant Morrisons Arkham-Story gefunden hat. Auch wenn es zuweilen Ähnlichkeiten gibt, bewahrt sich Sam Kieth einen ganz eigenen Zugang zum Thema Irrsinn und schafft es so, eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung zu erschaffen. Arkham Madness verdient einen Platz im Regal gleich neben Morrisons Klassiker.

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Angriff der Langeweile

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Batman: Assault on Arkham

Regie/Drehbuch: Jay Oliva, Alan Spaulding/Heath Corson

Erschienen: 2014


Bei dem Erfolg der Arkham-Games lag es nahe, einen darauf basierenden Film zu machen. Anders ist nicht zu erklären, warum es Assault on Arkham gibt. Denn eine leitende Idee hat der Animationsfilm nicht. Die Story ist simpel: Sechs Superschurken (darunter Harley Quinn und Deadshot) werden dazu verdonnert, in Arkham einzubrechen, um den Stab des Riddlers zu klauen. Darin soll sich irgendein geheimes Dokument befinden. Also zieht die Gruppe, die sich im Original Suicide Squad nennt (und im Deutschen „Himmelfahrtskommando“), los und tut wie geheißen. Natürlich läuft dabei einiges schief …

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Die Freuden des Freudianers

The Batman of Arkham

Titel: The Batman of Arkham

Autor/Zeichner: Alan Grant/Alcatena

Erschienen: 2000 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne im Jahr 1900 Psychiater und Leiter von Arkham Asylum wäre?

Dann wäre er ein Freudianer, Philanthrop und natürlich auch Batman. In Alan Grants Elseworlds-Story erscheint Wayne als fortschrittlicher Arzt, der – anders als zu der Zeit üblich – seine Patienten nicht wegsperrt und unterdrückt, sondern zu heilen versucht. Bei Killer Croc hat das offenbar funktioniert, nun versucht Wayne sein Glück auch mit Poison Ivy, dem Bauchredner und Two-Face. Die Frage, die ihn dabei beschäftigt ist, was Menschen zu Mördern macht. Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Wie üblich vertritt der Joker die steilste These: „The whole world is a death factory! Sooner or later, everybody dies … What matter if I hasten things along? Some might say I’m doing everybody a favor!“ Gesagt, getan. Der Joker tyrannisiert die Stadt mit seinem berüchtigten Lachgas. Als Batman eine Dosis abbekommt, kann er das Lachen nicht lassen und wird selbst Patient in Arkham. Dort übernimmt Dr. Crane die Leitung, was einer Schreckensherrschaft gleichkommt. Crane macht allen Fortschritt Waynes zunichte, er glaubt an die Macht der Angst. Nicht von ungefähr hat er den Schatten einer Vogelscheuche …

Wie so häufig bei Alan Grant ist auch diese Story voller Grübeleien über Gott und die Welt: „Gotham has always been synonymous with insanity“, sinniert Wayne. „The city has always carried the taint of madness. Is it someting in the water, perhaps … or even in the air itself?“ Für Two-Face ist die Ursache globaler Natur: „The world is an irrational place, doctor. Men fight wars, burn cities, torture each other. How can a product of this madness ever make a rational decision?“

Das gerade einmal 48 Seiten umfassende Buch ist vor allem formal interessant, nicht nur wegen der schön düsteren Zeichnungen von Alcatena, sondern auch weil die Panels in Jugendstil-Ornamenten untergebracht sind. Batman ist in einem Kostüm unterwegs, das an das von 1939 erinnert. Außerdem gibt es eine schöne Variation des Elternmordes – er findet bei einer Zirkusvorstellung statt, in der gerade Clowns das Publikum zum Lachen bringen … Man kann jedes Trauma noch steigern.

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Batman in der Zwangsjacke

The Last Arkham

Titel: The Last Arkham (dt. Wahnsinn in Arkham)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (Shadow of the Bat #1-4), Paperback 1995; dt. 1997 (Ehapa)


Der gefährlichste Insasse des Arkham Asylum, so sagt es uns der Anstaltsleiter persönlich, –  ist Batman. Zu lange habe er sich am Abgrund bewegt, eines Tages sei er abgestürzt. Ein Mord soll ihn hergebracht haben. „Du bist jetzt hier zu Hause“, sagt Jeremiah Arkham zu einem angeketteten Batman. Wie er dort hingekommen ist? Auf der Jagd nach einem Serienmörder ist Batman selbst zum Mörder geworden. Comissioner Gordon überwältigte ihn und ließ ihn in Arkham einliefern. Dort muss der Held nicht nur einen Weg hinaus finden, sondern auch den Fall lösen.

Der mutmaßliche Killer ist Zsasz, der Typ, der seine Opfer mit Narben am eigenen Körper zählt, und der hier seinen ersten Auftritt hat. Der eigentliche Hauptgegner der Geschicht ist jedoch Jeremiah Arkahm, der zweifelhafte Ansichten und Methoden vertritt sowie es wegen seiner Verstocktheit an Kooperationsbereitschaft vermissen lässt. Daneben darf sich Batman auch gegen ein All-Star-Aufgebot der Arkham-Insassen prügeln, was ihm aber auffällig leicht gelingt …

Norm Breyfogle gehört zwar zu den besseren Zeichnern, doch man hat schon bessere Leistungen von ihm gesehen. Zuweilen wirken seine Figuren zu sehr hingeworfen als fein herausgearbeitet; die plumpe Farbgebung ist nicht gerade ein Genuss, aber der Mode der Zeit geschuldet. Die Story selbst hat ihre Schwächen: Batmans Einlieferung ist zwar ein toller Aufhänger, aber lässt es an Logik vermissen. Die Erklärung, warum der Held in Arkham seine Maske aufbehalten darf und folglich anonym bleibt, hinkt ziemlich. Die größte Stärke bleibt die Ausarbeitung der Figur Jeremiah Arkham, der am Ende die Welt – und vor allem sich selbst – mit anderen Augen sieht.

Batman: Dreams in Darkness

Interessanterweise erschien im selben Jahr eine Episode der Batman-Zeichentrickserie (S01E28, „Dreams in Darkness“), in der es ebenfalls darum geht, dass Batman Patient in Arkham ist. Dort ist er allerdings wirklich dem Wahnsinn nah, weil er ein halluzinogenes Gas von Scarecrow (dem „Panikmacher“) eingeatmet hat. Verglichen mit The Last Arkham erzählt diese Episode die bessere Geschichte.

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Arkham Asylum: Batmans wahres Zuhause

Arkham Asylum

Titel: Arkham Asylum: A Serious House on Serious Earth (dt. Der Tag der Narren)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Dave McKean

Erschienen: 1989 (One-shot), dt. Carlsen 1990, Panini 2009


„There’s always a place for you here.“ (Joker)

Dieser Klassiker ist ein Albtraum von einer Geschichte: Die Insassen des Arkam Asylum haben die Anstalt in ihre Gewalt gebracht,  Geiseln genommen und fordern jetzt Batman auf, sich in das Irrenhaus zu begeben. Als dieser kommt, will der Joker ihm demonstrieren, dass der Dunkle Ritter genauso verrückt ist wie seine Feinde und eigentlich hierher gehört. Batman lässt sich auf einen Irrgang durch das Spukschloss ein, bei dem er auf verschiedene Schurken trifft und dabei vor allem mit sich selbst konfrontiert wird. Parallel wird die Geschichte von Amadeus Arkham erzählt, dem Gründer der Anstalt, der sein geerbtes Anwesen der Hilfe für die Geisteskranken gewidmet hat und dabei selbst an die Grenzen seiner Nächstenliebe stößt, als er den Mörder seiner Frau und seines Kindes behandelt.

So weit, so linear. Doch die Bilder, die Dave McKean für diese Geschichte findet, wirken wie ein Zerrbild der ohnehin schon verdrehten Welt von Batman. Hier wird nichts geringeres als der Wahnsinn selbst visualisiert. Die meist schmalen, senkrecht angeordneten Panels sind meistens vor einem seitenfüllenden Hintergrund angeordnet und wirken, als würde ein Nebel über allem liegen, oder vielmehr ein Sandsturm über alles hinwegfegen. Die Figuren sind meist nur Skizzen, mehr zu erahnen als zu erkennen. Das mit Abstand schrecklichste Gesicht trägt der Joker, nie ist seine Fratze so extrem dargestellt worden wie hier: Wilde, rotunterlegte Glubschaugen, Haare wie grüne Flammen, ein blutroter Mund mit riesigen Zähnen. Eine einzige Entgleisung. Der Anti-Clown ist der Zeremonienmeister dieses Gruselkabinetts. Nebenbei bekommen wir eine interessante Diagnose: Der Joker ist nicht verrückt, diagnostiziert eine abgebrühte Ärztin, sondern vielmehr in einem überhohen Maße Herr seines Geistes, gar ein Verstand, der für das städtische Leben des 20. Jahrhunderts angepasst sei. Das gibt zu denken.

Definitiv verrückt ist der Ort Arkham Asylum selbst. Der Mad Hatter vergleicht es mit einem Kopf, der vielleicht sogar der von Batman sei. Das Comic wird zum Horrortrip für den Helden, der hier schwach und gebrochen erscheint. Batman selbst wird wieder einmal mit seinen Dämonen konfrontiert. Zunächst mit einem Rorschach-, dann mit einem Wortassozionstest, schließlich, bei einem Blick in den Spiegel, lässt ihn die Erinnerung an sein Trauma in Selbsthass schwelgen, er zerschlägt den Spiegel und bohrt sich selbst eine Scherbe in die Hand. Das sind Eindrücke, die sich einprägen.

Das Buch ist nichts für sensible Gemüter. Aber trotz aller Abgründigkeit enthält es genug Optimismus, um nicht zu deprimieren. Autor Grant Morrison führt den Kurs fort, den einige Jahre vor ihm Frank Miller und Alan Moore mit Batman eingeschlagen haben. Sein Arkham Asylum ist (neben Year One, The Dark Knight Returns und The Killing Joke) das vierte der wichtigsten Batman-Comics der 80er, weil es alles bisher dagewesene, die Muster der Superhelden-Comics zerstört und das Medium von der Popkultur in die höheren Sphären der Kunst erhebt. Nicht von ungefähr ist es das am häufigsten verkaufte Graphic Novel. Doch auch jenseits dieser engstirnigen Zuordnungen kann man sagen: 25 Jahre nach seiner Ersterscheinung ist es ein Werk, das immer noch gleichermaßen verstört, unterhält und fasziniert. Es ist ein Buch, mit dem man nie fertig werden wird.

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