Wer ist der Größte im ganzen All?

DC Comics

Titel: Superman vs. Muhammad Ali

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Neal Adams/Neal Adams

Erschienen: 1978 (All-New Collectors‘ Edition Vol 1 C-56), Deluxe Edition 2010; dt. Panini 2012


„I’m the greatest! I’m the king!!“ (Muhammad Ali)

Was wäre wenn …? Das ist die Grundfrage aller Fantasie. Und sie macht den Reiz von Superhelden-Comics aus. Die wildesten Fantasien werden wahr, Genres werden vermischt, aber auch Figuren zusammengebracht, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Was wäre wenn, Superman gegen Batman kämpfen würde? Oder Superman gegen Hulk? Im Jahr 1978 ließ man ihn gegen Box-Legende Muhammad Ali kämpfen.

Damit trat auch etwas Seltenes in die Comics ein: eine Person der Zeitgeschichte. Und damit auch ein Hauch Realität – wenn auch keineswegs Realismus damit gemeint ist. Auf den ersten Blick klingt es lächerlich, selbstverständlich hätte Ali gegen Superman keine Chance. Es sei denn, man verleiht ihm Superkräfte – aber dann wäre er ja nicht mehr Ali. Oder aber man beraubt Superman seiner Kräfte. Dann wäre er natürlich auch kein Superman mehr, aber sei’s drum. Letzteres passiert in diesem Special.

Anlass zu diesem Kampf gibt eine Bedrohung aus dem All: Ein außerirdisches Kriegervolk will seinen besten Kämpfer gegen den besten Kämpfer der Erde antreten lassen. Sie wählen Ali. Aber weil gerade Superman in der Nähe ist, bringt er sich selbst ins Spiel. Bevor es also um den eigentlichen Kampf geht, müssen Superman und Ali unter sich austragen, wer von ihnen der Champion ist. Sie haben einen Tag Zeit. Wenn sie nicht mitspielen, wird die Erde vernichtet.

Superman fliegt mit Ali in die Festung der Einsamkeit, wo er sich unter einer künstlichen roten Sonne seiner Kräfte beraubt und sich von Ali trainieren lässt. Dank eines Tricks dehnen sie die Zeit, sodass Superman einiges an Technik aufholen kann. Das Training gehört zu den interessantesten Sequenzen des Comics, weil Ali als selbsternannter Professor des Boxens eine Wissenschaft daraus macht. Als es schließlich zum Kampf kommt (austragen auf dem Planeten der Aliens), sieht die ganze Galaxis zu. Ali macht Superman fertig. Ohne seine Kräfte ist der Stählerne nun mal ein Nichts …

Das ganze Maneuver ist zwar nur ein Trick, aber auch der Feind spielt mit falschen Mitteln, lässt Ali gegen einen viel zu mächtigen Gegner antreten und offenbart, dass die Erde auch vernichtet und die Menschen versklavt werden, wenn er gewinnt. Der Mann, der einst seinen „Sklavennamen“ Cassius Clay abgelegt hat, hört so etwas überhaupt nicht gerne. Davon erst recht herausgefordert, beweist er dass er der beste Boxer in Zeit und Raum ist. Und Superman erledigt in der Zwischenzeit seinen Superhelden-Weltrettung und am Ende einigen sie sich darauf, dass sie beide Champions sind.

Das Event ist arg konstruiert und voller absurder bis hanebüchener Momente, in dem das Auftauchen der Weisheitsgöttin Pallas Athene nur ein Höhepunkt ist. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann es auch Spaß machen: Muhammad Ali ist sowohl zeichnerisch als auch vom Charakter her gut getroffen, ein durch nichts einzuschüchterndes Großmaul, das auch mit dem Mund sehr schlagfertig ist. In der Begegnung mit Superman zeigt er sich selbstbewusst und ironisch. Es ist klar, dass es hier nicht um Logik, Glaubwürdigkeit und die buchstäbliche Story geht, sondern um den Subtext: Der Comic macht ein klares gesellschaftspolitisches Statement. Abgesehen vom Promi-Faktor ist es vor allem das, was die Geschichte zum Klassiker macht: Was wäre wenn, Muhammad Ali uns alle vor der Sklaverei bewahren würde?

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Superman wird 80: Action Comics #1000

 

Zum großen Superman-Jubiläum erscheint die 1000. Ausgabe von Action Comics, der Serie, in der Superman 1938 debütierte und die am längsten läuft. DC bringt den Comic in zwei Fassungen heraus: eine 80-seitige mit neuen Superman-Geschichten und eine 384-seitige Hardcover-Ausgabe mit überwiegend alten Geschichten der Serie, darunter auch eine neu entdeckte, bislang ungedruckte Story der Superman-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster. Das Heft erscheint am 18. April und kostet 7,99, das Buch erscheint am 19. April und kostet 29,99 US-Dollar.

Inhalt von Action Comics #1000 sind Storys folgender Autoren und Zeichner: Brian Michael Bendis (seine erste Story für DC), John Cassaday, Olivier Coipel, Paul Dini, Jose Luis Garcia-Lopez, Patrick Gleason, Butch Guice, Geoff Johns, Dan Jurgens, Tom King, Jim Lee, Clay Mann, Brad Meltzer, Jerry Ordway, Tim Sale, Louise Simonson, Scott Snyder, Curt Swan, Peter J. Tomasi, Marv Wolfman.

DC Comics

Inhalt der Hardcover-Ausgabe Action Comics: 80 Years of Superman:

Außerdem gibt es Texte von Paul Levitz, Laura Siegel Larson (Tochter von Jerry Siegel), Jules Feiffer, Tom DeHaven (“It’s Superman!”), David Hajdu (“The Ten-Cent Plague”), Larry Tye (“Superman: The High-Flying History of America’s Most Enduring Hero”) und Superman-Autor Gene Luen Yang.

Das Buch wird sich gut mit dem Jubiläumsband Superman: A Celebration of 75 Years ergänzen, der vor fünf Jahren herauskam. Weil darin vor allem Storys aus der Serie Superman erschienen sind, in dem neuen Band aber nur Storys aus Action Comics, gibt es nur drei Überschneidungen (Action Comics #1, #242 und #0).

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Batman ist nicht totzukriegen

DC ComicsTitel: The Many Deaths of the Batman (dt. Batmans viele Tode)

Autor/Zeichner: John Byrne/Jim Aparo

Erschienen: 1989 (Batman #433-435), Hardcover 2017 (DC Universe by John Byrne) (nicht digital!), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2); dt. Hethke 1990 (Batman Album 7)


Batman wird tot aufgefunden. Gekreuzigt an einen Zaun, in einer Gasse. Die Meldung macht die Runde. Doch der Tote unter der Maske sieht gar nicht aus wie Bruce Wayne. Kurz darauf wird ein weiterer falscher Batman in die Luft gejagt. Dann wird einer aus dem Fluss gefischt. So geht es weiter: Irgendwelche Leute in Batman-Kostümen werden ermordet, während sich der echte Batman sich bester Gesundheit erfreut. Doch dann bekommt auch Bruce Wayne ein Kostüm geschickt …

Es stellt sich heraus, dass die Toten eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind alle Experten auf einem bestimmten Gebiet – und haben einst Batman unterrichtet. Sie haben Batman erst zu dem gemacht, der er ist.

Die Story beginnt spannend: nämlich mit einer Ausgabe ohne Worte. Der erste Teil wird fast nur über Bilder erzählt. So geht es im zweiten Teil noch ein paar Seiten weiter, bis dann ganz viel geredet wird, wie in einer Detektiv-Geschichte üblich. Es wird wild spekuliert, kombiniert und deduziert, die Story schlägt ein paar Haken und am Ende ist eigentlich alles ganz einfach. Die Auflösung muss nicht gerade durch Glaubwürdigkeit bestechen, aber hat einen interessanten Twist. Aber vor allem der wortlose Anfang ist lesenswert, weil er zeigt, dass Comics auch ganz gut ohne Sprechblasen auskommen. Man muss sich nur trauen, die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Ein Hinweis: The Many Deaths of the Batman ist zwar im Band „DC Universe by John Byrne“ enthalten, aber nur in der Print-Ausgabe. In der digitalen Ausgabe fehlen aber die drei Hefte, stattdessen sind nur die Cover enthalten – eine dreiste Irreführung. Dafür gibt es die Einzelausgaben bei Comixology.

>> Batman 1980-1989

Batman trifft wieder auf Deathstroke

DC Comics

Im April beginnt eine sechsteilige Story namens „Deathstroke vs. Batman“. Laut DC Comics beginnt sie in Deathstroke #30, geschrieben von Christopher Priest und gezeichnet von Carlo Pagulayan. Batman entdeckt, dass er nicht der biologische Vater von Damian Wayne (Robin IV) is, sondern Slade Wilson alias Deathstroke. Es kommt zum „ultimativen Showdown“ etc.

Batman traf bereits früher auf den Profikiller, zum ersten Mal in Deathstroke the Terminator #6-9 (1992). Zuletzt lieferte sich Deathstroke ein Duell mit seinem Konkurrenten Deadshot in The War of Jokes and Riddles.

Deathstroke sollte ursprünglich auch im nächsten Batman-Spielfilm vorkommen. Ob das passiert, ist fraglich. Allerdings tauchte er zum Schluss von Justice League auf – vielleicht ein Hinweis auf die Fortsetzung. Einen Kampf mit Batman gibt es immerhin als Animationsfilm.

Der falsche Joker

DC Comics

Titel: Wildcard/Judgements

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Jim Aparo

Erschienen: 1990 (Batman #450-451), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 3)


„There’s a certain freedom in letting insanity rule.“

Dass der Joker seinen Humor verliert, das kommt nicht erst im War of Jokes and Riddles vor: Schon nach dem Vorfall mit Jason Todd ist der Joker nicht mehr derselbe. Schmerzgeplagt und verwirrt kauert er in seinem Versteck und muss im Fernsehen mitansehen, wie ein Betrüger seine Rolle übernimmt. Doch der falsche Joker erzählt bloß miese Witze und will sich nur bereichern. Das kann das Original nicht auf sich beruhen lassen.

Joker, deprimiert und mit roter Haube

Und dann sind da noch Batman und James Gordon. Der Fall öffnet bei ihnen wieder frische Wunden: Batman hat Jason Todd (Robin II) an den Joker verloren (vgl. A Death in the Family), Gordons Tochter Barbara wurde von ihm verkrüppelt und gedemütigt (siehe The Killing Joke). Batman fragt sich, ob er sich das nächste Mal wird zurückhalten können und warum er seinen Widersacher nicht einfach erschießt. Gordon ist da ganz ähnlich.

Der Joker-Nachahmer hat große Ambitionen, er will Erfolg haben, wo der Joker gescheitert ist. Aber seine Motivation erschließt sich nicht wirklich. Er ist ein unsympathischer Typ, den man bloß schnell loswerden will, um den Status quo wieder zu haben. Umso sympathischer wirkt der echte Joker, der von einer sehr menschlichen Seite gezeigt wird: voller Selbstzweifel, in einer Identitätskrise steckend, manchmal überraschend, wenn er etwa für eine Zeitung bezahlt. Am Ende ist man froh, dass er wieder da ist – zurück in Arkham, wo sein ganz normaler Wahnsinn wiederhergestellt wird.

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Batman trifft die Beatles

DC Comics

Titel: Dead … Till Proven Alive!

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Irv Norvick

Erschienen: 1970 (Batman #222)


„The day a case is too small for the Batman is the day I hang up my cowl!“

Batman und die Beatles? Ist das wirklich passiert? Nein, nicht wirklich. Aber doch ziemlich nah dran. Die Beatles heißen hier „Oliver Twists“. John Lennon heißt hier Glennan, Paul McCartney heißt hier Saul Cartwright, sie tragen Kleidung wie bei Sgt. Pepper und es ist die Rede von einem „Pink Submarine“. Und dann ist da noch ein Gerücht: Saul soll eigentlich tot und durch einen Doppelgänger ersetzt worden sein. Batman und Robin gehen der Sache nach.

Alles beginnt damit, dass Dick Grayson die Oliver Twists auf den Campus holen soll. Seine Kommilitonen bedrängen ihn, seine Beziehungen zu Bruce Wayne spielen zu lassen. Bruce, der zufällig Aktionär der Plattenfirma ist, lädt sie zu sich nach Wayne Manor ein. Dort versucht Robin mit einer Stimmenanalyse herauszufinden, ob Saul echt ist. Das klappt nur leidlich: Robin bekommt eins von hinten verpasst und stürzt die Treppe herunter. Später werden Profikiller auf das Dynamische Duo angesetzt …

Die Auflösung ist überraschend: Nicht Saul ist Fake, sondern der Rest des Quartetts. Die drei anderen Twists sind auf einer Reise nach Fernost gestorben und wurden ersetzt, nur noch Saul stammt aus der Originalbesetzung. Das Gerücht um seinen Tod sollte nur von der Wahrheit ablenken. Und der falsche Glennan ist der eigentliche Schurke. Die Twists machen dann als Trio weiter – mit neuem Sound.

Von Batman zu Taxman

Als das Heft herauskam, waren die Beatles schon Geschichte. Aber die Verschwörungstheorie „Paul is dead“ trieb bereits ihre Blüten. Fans meinten versteckte Hinweise auf Plattencovern und Songtexten zu finden, manche Songs wurden dafür sogar rückwärts abgespielt. Darüber macht sich diese Batman-Story zwar lustig, aber nimmt den Fall immer noch ernst genug, dass sich unsere Helden damit auseinandersetzen und es nicht als Unfug abtun. Merke: In Superheldencomics ist an Gerüchten und Verschwörungstheorien immer etwas dran.

Übrigens: Die Beatles ließen sich auch mal von Batman inspirieren. 1966, als die Batmania im Zuge der TV-Serie tobte, zitierte George Harrison in seinem Song „Taxman“ (erschienen auf Revolver) Neal Heftis Main Theme.

Dass Batman sich für nichts zu schade ist, gesteht er in der zweiten Geschichte des Heftes und stellt es erneut unter Beweis: Obwohl er völlig ausgelaugt ist, sich kaum noch auf den zittrigen Beinen halten kann, jagt er einem Kameradieb hinterher. Seine Performance ist erbärmlich, aber er erreicht sein Ziel trotzdem. Hauptsache, er sieht anschließend auf dem Foto gut aus. Auch Batman ist manchmal ein bisschen Fake …

>> Batman 1970-1979

Vom Donut-Dieb zum Wunderknaben

Tim Drakes erster Auftritt als Robin

Titel: Sins of the Father/Old Wounds (dt. Tim/Alte Wunden)

Drehbuch: Rich Fogel

Erschienen: 1997/1998 (The New Batman Adventures S01E02/017)


„Die Dinge ändern sich.“ (Batman/Nightwing)

In der dritten Staffel von Batman TAS gibt es zunächst keinen Robin mehr. Warum, erfährt man später. Doch in der zweiten Folge tritt bereits ein Nachfolger an: Tim Drake. Seine Geschichte orientiert sich jedoch nicht an A Lonely Place of Dying, sondern erinnert an dem Werdegang von Jason Todd, dem zweiten Robin aus den Comics. Tims Vater ist ein Gauner, der für Two-Face gearbeitet hat (wie Jasons Vater), Tim ist ein verwahrlostes Kind, das Polizisten die Donuts klaut (interessante Analogie: im Comic stahl Jason Batman die Reifen) und sich dabei mit einem Batarang behilft. Als Two-Face den Jungen umlegen will, rettet ihm Batman das Leben, daraufhin erwidert Tim den Gefallen, indem er den (nach einem Scharmützel mit Two-Face) verletzten Helden in Sicherheit bringt.

Tim findet Robins Kostüm in der Bathöhle.

Kaum in der Bathöhle, kommt Tim hinter Batmans Geheimnis. Two-Face erpresst Gotham: 22 Millionen Dollar oder er setzt ein tödliches Gas frei. Als Batman und Batgirl zu Two-Face Geheimversteck eilen (Janus-Kino), steigt Tim ins Robin-Kostüm und fährt hinterher …

Two-Face und Robin

Nach bestandener Feuerprobe beginnt seine Ausbildung zum neuen Robin, da taucht Dick Grayson auf.

„Warum fallen wir?“ Bruce trainiert Tim.

Dick ist mittlerweile als Nightwing unterwegs. Wie es dazu kam, erzählt er Tim in der Folge „Old Wounds“. Es geschah nach dem College-Abschluss, dass Dick Batmans Methoden anzweifelte. Deutlich wird das in einer Szene, in der Batman einen Mann ausquetscht, dessen Familie dabei zusehen muss. Robin geht aus Protest. Später – nach einem gemeinsamen Kampf mit Batgirl gegen den Joker – wird das Vertrauen zwischen dem Duo zerbrochen, als er erfährt, dass Batman die ganze Zeit über gewusst hat, dass Barbara Gordon (Dicks Freundin) Batgirl ist. Dick wirft Batman vor, seine Nächsten zu manipulieren und auszutricksen, um zu bekommen, was er will. Zum Schluss verpasst er ihm sogar einen Haken, bevor er Maske und Cape abwirft und sich verdrückt.

Robin schlägt Batman.

Zwei Dinge bleiben unklar: Warum Dick und Barbara sich nicht von ihren Geheimidentitäten erzählt haben, obwohl sie ein Paar waren, und wie Robins Kostüm seine grüne Farbe verlor.

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Zweite Chance für Jason Todd

DC Comics

Titel: Second Chances

Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.

Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015


„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)

Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.

Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht … (Ma Gunn ist eine Variation der Schurkin Ma Parker aus der Batman-TV-Serie der 60er.)

Batman lacht über geklaute Reifen.

Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …

Batman spatziert durch Crime Alley.

Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.

Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum denn so albern?

Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.

Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.

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Sicherheit über alles

Lock-up in Batman TAS.

Titel: Lock-Up (dt. Hinter Schloss und Riegel)

Story/Drehbuch: Paul Dini/Marty Isenberg, Robert N. Skir

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E17)


Lyle Bolton ist ein berüchtigter Sicherheitsbeamter im Arkham Asylum: Die Insassen haben Angst vor ihm. Selbst als sie aussagen sollen, traut sich zunächst niemand, etwas gegen ihn hervorzubringen. Schließlich ringen sie sich doch durch – Bolton rastet aus und wird gefeuert. Sechs Monate später ist er als Vigilant Lock-Up (dt. der Schließer) unterwegs, um eine neue Gesellschaftsordnung aufzustellen. Dazu entführt er den Bürgermeister, den Arkham-Chef, Commissioner Gordon und die Reporterin Summer Gleeson.

Lock-Up ist die Verkörperung des reaktionären Amerika, wie man es an der heutigen Regierung sehen kann. Seine Hardliner-Rhetorik geht über Law-and-Order hinaus, sie zeugt von einem faschistischen Weltbild, das kein Mitleid, keine Nachsicht und auch keinen Widerspruch duldet. „Wenn Sie nicht Teil der Lösung sind, dann sind Sie ein Teil des Problems“, sagt er zu Batman, der sich ihm nicht anschließen will. Wenn er über die Arkham-Insassen spricht, wird seine Menschenverachtung deutlich: „Ihr seid der letzte Dreck! Man sollte euch totschlagen, ihr nichtswürdigen Kreaturen!“

Vor diesem Schließer haben alle Angst.

Die Insassen seien aber nur die Symptome für die Stadt, die wie eine offene Wunde sei, die unbedingt genäht werden müsse. Bolton schimpft über Bürokraten, die lasche Polizei, verhätschelnde Ärzte, liberale Medien. Sie alle sollten in einen Käfig ohne Schlüssel gesperrt werden. Und Bolton lässt auf Worte sogleich Taten folgen – er nimmt das Gesetz in die eigene Hand, um die Welt nach seiner Vorstellung zu gestalten. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Damit ist Lock-up eine extreme Karikatur von Batman: Auch dieser setzt sich über Grenzen hinweg – allerdings um das System zu stützen. Und damit macht sich Batman auch mitverantwortlich, dass Arkham nur eine Drehtür für gefährliche Kriminelle ist. In diesem Punkt hat Bolton recht. Aber auch nur in diesem.

Lock-up ist ein so interessanter Schurke, dass er es später auch in die Comics geschafft hat (Detective Comics #697-699, 1996).

Bolton hält nichts von den liberalen Medien.

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„Batman Metal“ beim Gratis Comic Tag 2018

Panini/Gratis Comic Tag

Endlich gibt es in diesem Jahr wieder Batman beim Gratis Comic Tag. Nachdem er im vergangenen Jahr für Publikumsliebling Harley Quinn pausieren musste, legt Panini Comics am 12. Mai ein Heft vor, das in das Event Dark Nights: Metal einführen soll. Im Deutschen soll es einfach „Batman Metal“ heißen. In der Geschichte geht es um ein Dunkles Multiversum, in dem sieben böse Versionen von Batman existieren und die Erde der Helden bedrohen.

Das Crossover versammelt nicht nur das typische Who-is-Who des DC-Universums, sondern schließt auch die Batman-Reihe von Autor Scott Snyder ab. In den USA erscheint derzeit eine sechsteilige Mini-Serie (gezeichnet von Greg Capullo), daneben einige Tie-ins, die für große Begeisterung sorgt. Im Sommer erscheinen auch die US-Paperbacks zur Serie.

Der US-amerikanische Free Comic Book Day findet am 5. Mai statt. Welche Comics DC verschenkt, steht noch nicht fest.

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