Film

Coverwahn #13

Als gäbe es bereits nicht genug Variant Cover zu Dark Knight III, als hätte man dort nicht schon den epischen Kampf zwischen Batman und Superman zelebriert, legt DC zum Kinostart von Batman v Superman noch einmal nach: Noch mehr Variant Cover, noch mehr World’s Finest-Prügelei, noch mehr Kryptonitringe. Immerhin ist wenigenst auf einem Bild zu sehen, wie Superman die Oberhand über Batman hat. Insgesamt sollen es zehn Variants werden, oben sind die ersten fünf zu sehen. Aber weil ein Variant pro Heft nicht genug ist, gibt es jedes dreimal, also auch jeweils in zwei teilkolorierten Varianten (genannt Spotlight und Fade).

Aber das ist noch nicht alles: Weil der Reboot The New 52 bald bei Nummer 52 ankommt (und damit sein jähes Ende findet), hat DC einige der ersten Cover nachzeichnen lassen, als wären es schon nach fünf Jahren Klassiker mit Wiedererkennungswert.

Die einzigen, die das brauchen, sind wohl die Verkaufszahlen von DC …

Heroische Dreifaltigkeit

Batman versus Superman, Teil 12: Trinity (2003)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman/Wonder Woman – Trinity (dt. Dreigestirn)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2005, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


„Good things come in threes.“ (Wonder Woman)

Ra’s al Ghul befreit Bizarro aus dem Eis der Antarktis, lässt von ihm ein sowjetisches Atom-U-Boot entführen und bedroht die Welt mit nuklaeren Sprengköpfen. Unterstützt wird er von Artemis, einem abtrünnigen Amazonen-Mädchen. Batman und Superman kennen sich bereits eine Weile, Bruce Wayne sucht Clark Kent auf, um ihn vor Ra’s Plänen zu warnen (betrifft Kryptonit) und seine Hilfe mit einer Daten-CD zu erbitten. Doch weil versehentlich eine Atomrakete in die Nähe der Paradies-Insel der Amazonen abgefeuert wird, wird auch Wonder Woman involviert – sie sucht zum ersten Mal Superman auf, weil sie ihn mit Bizarro verwechselt.

Während die beiden von Anfang an gut miteinander auskommen, ist Batman nicht begeistert, als Wonder Woman sein brutales Verhör mit einem Schurken mit ihrem Lügendetektor-Lasso untergräbt. „Aren’t you a bit underdressed for all this?“, fragt er Diana. Sie fragt darauf hin zurück, ob er eine Maske trage, weil er sich schäme sein Gesicht zu zeigen. Auch sonst erweist sich Batman mal wieder als schlechter Teamplayer – besonders, wenn ihm jemand in seine Methoden reinquatscht.

Trotzdem raufen sich die drei zusammen und funktionieren gut miteinander. Superman macht, was er gut kann: einen entgleisten Zug aufhalten, Atomraketen entschärfen und Flugzeuge vor einer Kollision mit einem Hochhaus abbringen. Batman erweist sich als Meisterdetektiv und -kämpfer, auch wenn er gegen Artemis den Kürzeren zieht. Wonder Woman steckt am meisten Prügel ein, besonders gegen Bizarro, wird danach in Ketten gelegt, schließlich sogar fast tödlich verletzt und rettet sich in die Lazarus-Grube. Nach ihrer Wiedergeburt ist sie so reizend, dass sich Batman zu einem spontanen Kuss hinreißen lässt. Diana ist über die Leidenschaftsbekundung nicht erfreut und quittiert sie mit einem Faustschlag. Superman verteidigt Batman Wonder Woman gegenüber: Auch er habe seine Methoden anfangs nicht gutgeheißen, aber er solidarisiere sich mit ihm, weil sie beide Waisen seien, außerdem bewundere er ihn dafür, dass er ohne Superkräfte großen Mut beweise. Batmans Mut geht so weit, dass er es am Ende in einer Kampfrüstung mit Bizarro aufnimmt, während Wonder Woman sich mit Ra’s al Ghul duelliert, um ihn vor einer Invasion in Themyscira abzuhalten. Den Rest räumt Superman auf.

Autor und Zeichner Matt Wagner erzählt das Gipfeltreffen in gewohnt starker Qualität: schlichte, aufs Wesentliche reduzierte Zeichnungen, schnelle Handlung, viel Action. Ein kurzweiliges Abenteuer ohne Leerläufe, aber auch ohne jeden Tiefgang und mit einigen offenen Fragen wie: Was will Artemis? Warum will Ra’s nach Themyscira? Jede Ausgabe legt zwar den Schwerpunkt auf einem der drei Helden, beginnt mit Metropolis, Gotham und der Paradies-Insel, aber bleibt oberflächlich. Die Figuren werden als bekannt vorausgesetzt. Neue Aspekte gibt es hier kaum.

Nur Batman wundert sich, als er zwischendrin kurz Aquaman unter Wasser sieht, dass es weit mehr auf der Welt gibt, als er sich vorstellen konnte. Für ihn steigert sich durch Wonder Woman die Erfahrung mit dem Übernatürlichen, die er bereits mit Superman machen durfte. Und damit ist eine Angst angedeutet, die selten angesprochen wird: dass es für Batman Herausforderungen gibt, die er nicht meistern kann. Jedenfalls nicht allein und auch nicht mit anderen Menschen (wie seiner Bat-Familie), sondern nur mit Übermenschen, die ihm körperlich weit überlegen sind – und daher genauso gut zur Bedrohung werden könnten.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Alle Jahre wieder

Batman versus Superman, Teil 11: World’s Finest (1999)

Titel: Batman & Superman – World’s Finest

Autor/Zeichner: Karl Kesel/Dave Taylor, Peter Doherty u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-10, Paperback 2003), dt. Carlsen 2000 (6 Teile)


„You know, I think we’re getting the hang of this ‚working together‘ thing!“ (Superman)

Kaum treffen Batman und Superman (schon wieder) erstmals aufeinander, passiert am gleichen Ort ein Verbrechen. Doch kaum verbünden sie sich, um es zu bekämpfen, geht etwas schief: Zwar fassen sie den Entführer, doch das Opfer stirbt durch einen (selbstverschuldeten) Unfall – und das alles nur, weil sich die weltbesten Helden nicht abgesprochen haben, wie sie vorgehen sollen. Daraufhin treffen sie sich jedes Jahr am Todestag des Opfers, um auszuprobieren, ob und wenn ja wie sie doch zusammen funktionieren können. Mal kommt Batman nach Metropolis, mal kommt Superman nach Gotham City. Und jedesmal passiert zufällig gerade etwas, das ihrer beider Aufmerksamkeit bedarf.

Erzählt wird keine fortlaufende Geschichte in zehn Teilen, sondern zehn Episoden mit einer narrativen Klammer. Allein der erste und letzte Teil hängen eng zusammen. (Auch formal, weshalb sie im Prestige-Format mit 48 Seiten ausgestattet sind, die übrigen acht Episoden aber bloß Standard-Hefte mit 22 Seiten sind. Im Deutschen wurden daher sechs Teile daraus gemacht.) Die Helden treffen auf Schurken wie Lex Luthor, Joker, Catwoman und Two-Face, auf Verbündete wie Batgirl, auf Nervensägen wie Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite, Batman begegnet nach Supermans Tod seinen vier Nachfolgern, Superman trifft auf Batmans Stellvertreter Jean-Paul Valley. Einmal lässt sich Clark Kent für eine investigative Reportage in Arkham Asylum einweisen, indem er sich als Superman ausgibt – und am gleichen Tag brechen einige Insassen aus.

Zitat von Superman #76 (1952) in World's Finest #7 (1999). (DC Comics)

Zitat von Superman #76 (1952) in World’s Finest #7 (1999). (DC Comics)

Die meisten dieser Storys sind so belanglos wie entbehrlich (vor allem die alberne Kobold-Story), zudem teilweise leidlich gezeichnet (manches wirkt cartoonhaft, anderes einfach nur falsch), mit Anspielungen auf die Tradition und einem großen Figurenaufgebot im Finale, wenn Supermans Schurken gegen Batmans Schurken kämpfen, wird vor allem Fan-Service betrieben. Interessant wird es aber dort, wo die Helden miteinander über ihre Rollen sprechen – oder wo sie von anderen analysiert werden. Es geht um unterschiedliche Strategien: Superman wirft Batman vor, er würde die Menschen zu sehr ängstigen. Batman erwidert, dass auch Supermans Präsenz einschüchternd wirkt. Mr. Mxyzptlk stellt fest: „Batman spends the whole life trying to be superhuman, and Superman spends the same time trying to be a normal human!“

Die herausragende Episode ist die siebte, in der Superman Batman nach Smallville bringt. Batman hat vor kurzem erleben müssen, wie der Joker Batgirl (Barbara Gordon) verkrüppelt und Robin (Jason Todd) ermordet hat. Superman hingegen hat gerade erstmals einen Mord begangen – an drei Schurken zugleich, um Schlimmeres zu vermeiden. Das ganze Heft ist ein Dialog über das Überschreiten der Grenze, den Tod eines Menschen zu verantworten. Am Ende dürfen sich die World’s Finest bei Leben und Tod beweisen: Batman rettet einem alten Mann das Leben, während Superman neues Leben zur Welt bringt, indem er Hebamme spielt. Schließlich frühstücken die beiden als Clark und Wayne bei den Kents. Zwar ist nicht immer so viel Harmonie in dem Zehnteiler, aber andererseits besteht auch nie Feindschaft.

Am Ende, wenn sich retroaktive Seligkeit einstellt, kommen Batman und Superman zu dem Schluss, dass sie – trotz aller Differenzen – gut zusammenarbeiten können, auch wenn es ihnen nicht immer recht ist. Dass sie einander mögen, so weit geht die Liebe dann doch nicht. Immerhin reicht es für einen Handschlag – keine Selbstverständlichkeit.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Batman v Superman: Der letzte Trailer

Sechs Wochen vor der Premiere des größten Gladiatorenkampfs heizt Warner Bros. den Hype um Batman v Superman weiter an. Zunächst mit viraler Werbung für Gotham und Metropolis, jetzt mit einem neuen, angeblich finalen Trailer. Neu ist daran vor allem eine ausführliche Kampfszene von Batman, die den ersten Eindruck bestätitgt: dass wir erstmals Batman so kämpfen sehen wie wir es uns beim Lesen der Comics vorgestellt haben, nämlich schnell und agil. Kein Körperpanzer, kein Gummianzug behindert mehr den Dunklen Ritter bei der Arbeit. Es wirkt paradoxerweise zwar nicht realistisch, aber glaubwürdig. Ein Traum wird wahr.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass es mit dem Kampfanzug gegen Superman weniger graziös zugehen dürfte. Aber für die Grazie wird ohnehin die bezaubernde Wonder Woman zuständig sein.

Die Vorfreude steigt. Am 24. März hat das Warten ein Ende. Bis dahin lesen wir uns weiter durch die Comicgeschichte der World’s Finest.

Urlaub in Gotham und Metropolis

Es ist die Frage der Wohlstandsgesellschaft: Wohin mit seiner Freizeit? Comicslesen ist eine gute Möglichkeit. Ins Kino gehen eine andere, zum Beispiel Batman v Superman, der am 24. März 2016 startet. Und was tun im Urlaub? Vergesst die üblichen Ziele: Vergesst Strand- und Aktivurlaub, vergesst die üblichen, überlaufenen Touri-Hochburgen. Das Reiseziel der Wahl sollte in diesem Jahr Gotham City lauten. Die Stadt erstrahlt dank Bruce Wayne in alter Blüte. Es hat wohl nie eine bessere Zeit gegeben, Gotham einen Besuch abzustatten. Die einzige Alternative dazu kann nur Metropolis sein. Nach dem Wiederaufbau ist die Stadt von morgen – auch dank der großzügigen Unterstützung von Lex Luthor – stärker denn je zuvor. Man ist stolz auf seine Helden. Und das Beste: in beiden Städten hat man die Chance, am Himmel eine lokale Berühmtheit zu sehen …

Turkish Airlines macht es möglich.

P.S.: Wir übernehmen keine Haftung für eventuelle Schäden durch das Aufkommen von sich prügelnden Superwesen.

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Raiders of the Lost Argos

Batman versus Superman, Teil 9: Elseworld’s Finest (1997)

DC Comics

DC Comics

Titel: Elseworld’s Finest

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Kieron Dwyer

Erschienen: 1997 (Mini-Serie #1-2)


Was wäre wenn … Clark Kent und Bruce Wayne schon 1928 in der Blüte ihres Lebens gestanden hätten? Dann würde sie bestimmt ein gemeinsames Abenteuer zu Helden, wenn nicht gar Superhelden machen. Der Zweiteiler Elseworld’s Finest spielt diese Möglichkeit durch – und zwar auf sehr liebenswerte Weise im Stil einer typischen Pulp Fiction-Story à la Indiana Jones.

Der Hommage-Charakter wird schon auf der ersten Seite deutlich: Dort wird eine Comic-Seite aus dem Daily Planet gezeigt, in der es um ein Abenteuer Captain Marvels in Atlantis geht. Kurz darauf ist einer der Leser dieser Seite – der Zeitungsausträger Jimmy Olsen – Zeuge, wie ein Archäologie-Professor von Gangstern bedroht wird. Und wie der Zufall es will, wird ihm auf der Flucht das Leben von dem Reporter Clark Kent gerettet. Ihm erzählt Jimmy, was er gesehen hat, man geht zur Uni, kurz darauf taucht die Tochter des Professors, Lana Lang, auf und schon ist man unterwegs, um den Professor und die mythische Stadt Argos zu finden.

Für das richtige Indy-Feeling braucht es aber noch einen Draufgänger. Dem begegnet unser Team in Paris: Der Abenteurer Bruce Wayne hängt dort herum und betrinkt sich, nachdem er das Vermögen seiner toten Eltern verprasst hat. Gemeinsam geht die Reise nach Ägypten, wo man auf Ra’s al Ghul trifft, später bringt der (von Jules Verne inspirierte) Pirat Luthor alle in seinem U-Boot nach Argos, wo Kent eine Entdeckung macht, die ihn persönlich betrifft …

Gut, die Story ist nach typischem Schema geschrieben und die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck, ohne besondere Kunst zu sein. Aber mehr will Elseworld’s Finest auch nicht. Herausgekommen ist ein Stück unterhaltsamer Schund-Literatur im besten Sinne. Wir sehen eine alternative Entstehungsgeschichte von Superman und Batman, die nach ihrem Abenteuer als dynamisches Duo zu Comic-Helden werden. Besonders interessant sind die Kostüme, die sie im Laufe der Handlung bekommen – auch wenn Batman eher nach Katze als nach Fledermaus aussieht. Aber wie so oft läuft es darauf hinaus, dass eine Elseworlds-Story nur ein Umweg ist, um zum bekannten Status quo der Continuity zu gelangen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman ist nicht genug

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Bad Blood

Drehbuch: J.M. DeMatteis

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„Dressing like a bat doesn’t make you a hero. It just makes you a target.“ (Batman)

Die Batman-Familie ist eine ambige Angelegenheit. Eigentlich ist Batman ein Einzelgänger. Ein Einzelkämpfer. Aber dann kam der bunte, lachende Robin. Und damit niemand auf die abstruse Idee einer Schwulen-WG kam, stellte man ihm Batwoman zur Seite, dann Batgirl, einen Hund, einen Kobold. Aus Nightwing wurde Robin, es kamen drei bis vier Nachfolger, starben und kamen in anderen Formen wieder, ebenso wie die Batgirls. Ganz zu schweigen von den anderen Batmen, die Filialen in der ganzen Welt betreiben.

Das Gute an dieser Familie ist, dass es eine Reihe von Stellvertretern gibt, wenn Batman mal fehlt. Die Tatsache, dass es immer mehrere Aspiranten auf das Amt gibt und sich die Nachfolger schwer damit tun, spricht für sich: es kann nur einen geben – und das ist Bruce Wayne. Alle anderen sind also bloßes Beiwerk und daher auch verzichtbar. Dass sie immer in Batmans Schatten stehen werden und den Kampf eines anderen kämpfen werden, darin besteht der gemeinsame Grundkonflikt all dieser Figuren. Nun gut, weil Batman allein auch mal langweilig wird und der Rest der Familie dank der langen Tradition nun mal da ist (einige von ihnen sind zugegebenermaßen sogar interessante Charaktere), gibt es eben auch Familiengeschichten, auch wenn es zuletzt Überhand nimmt (siehe Batman Eternal).

Auch im Universum der jüngsten Animationsfilme ist Batman nie genug. Aber selbst Nightwing und Robin reichen offenbar nicht. In Bad Blood nimmt sich auch Batwoman des Verbrechens an (zuletzt war sie in Mystery of the Batwoman im Film zu sehen). Sie schlägt sich auf eigene Faust durch, gehört aber (noch) nicht zur „Familie“, Batman ist nicht erfreut, aber hilft dennoch aus, als es darum geht, eine Bande von Schurken zu erledigen. Bei dem gemeinsamen Einsatz geht Batman verloren. Als sich die Sache herumspricht, entsteht ein Machtvakuum. Dick Grayson steigt ins Batman-Kostüm und nimmt es mit Black Mask auf. Während ein neuer Schurke namens The Heretic, ein Muskelberg mit Batman-Maske, zusammen mit anderen Technologie aus Waynes Firma raubt, wird Wayne von Talia al Ghul einer Gehirnwäsche unterzogen, bei der er sein Trauma als eine Reihe von Albträumen durchlebt. Schließlich wird auch Robin (Damian Wayne) gefangengenommen. Am Ende geht es darum, die Poltiker der Welt unter Kontrolle zu bringen. Es kommt zum Kampf zwischen Batman und Nightwing …

Im Laufe der Handlung schließt sich noch Luke Fox als Batwing der Bat-Familie an. Zusammen mit Batman sind es damit fünf. Die vielen Figuren sind der größte Schwachpunkt des Films, denn dadurch wirken die einzelnen Charaktere oberflächlich. Allen voran Nightwing, der – anders als in den Comics – kaum dazu kommt, mit der angenommenen Batman-Rolle zu hadern. Dafür ist in 70 Minuten Film kaum Zeit. Am meisten Raum bekommt Batwoman (Kate Kane), sie ist die eigentliche Heldin des Films – und das sogar eine sympathische. Die Rolle der Schurkin Talia schwankt von Film zu Film: mal sorgt sie sich um ihren Sohn Damian, dann wieder nicht, schließlich erweist sie sich als plumper Machtmensch im Sinne ihres Vaters Ra’s. Ihr Ziel ist so beliebig und vage, dass es einen kaltlässt. Darüber hinaus wäre es zu wünschen, wenn nicht wieder (zum dritten Mal) die Familie al Ghul der Gegner wäre. Es gibt noch so viele Schurken, die man einsetzen und ausbauen könnte. Hier aber hat der Mad Hatter bloß einen enttäuschenden Gastauftritt als Handlanger. Alle anderen bösen Buben im Film wie Black Mask, Firefly und Killer Moth sind nicht mehr als Kanonenfutter.

Bad Blood setzt auf starke Action-Szenen und markige Sprüche. Wer nicht mehr verlangt, kommt auf seine Kosten. Die Pointen sitzen wie die Schläge. Wie schon beim Vorgänger Batman vs. Robin ersetzt der Film aber kaum das Lesevergnügen der Comics, bei denen er sich bedient: Battle for the Cowl, Long Shadows, Batwoman: Elegy und Batman Incorporated. (Besprechungen für die ausstehenden folgen.)

(Achtung Spoiler!)

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Mit dem Schwert gegen den Stählernen

Batman versus Superman, Teil 8: Legends of the World’s Finest (1994)

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the World’s Finest (dt. World’s Finest)

Autor/Zeichner: Walter Simonson/Daniel Brereton

Erschienen: 1994 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1995)


„I don’t want to go down there. It’s dark! And I’m afraid.“ (Batman)

Eine altbekannte Geschichte: Der kleine Kal-El kommt mit seinen Eltern Jor-El und Lara aus dem Kino, als ein Unbekannter die Eltern erschießt. Und dann gibt es noch die von Bruce Wayne, der der Zerstörung seines Heimatplaneten zusehen muss … Moment mal, da stimmt doch was nicht! Was nach Elseworlds klingt, sind in Wahrheit Träume, die Superman und Batman plagen, eingepflanzt von bösen Mächten aus der Hölle. Der Dämon Tullus will nach einem Jahrtausend in Knechtschaft seinen Fluch loswerden und sucht sich nicht nur Hilfe bei der ebenfalls Verdammten Silver Banshee, sondern auch bei Superman und Batman. Das Ergebnis ist eine gegenläufige Bewegung: Während Superman zu einem rücksichtlosen Haudrauf wird, wird Batman zu einem feigen Waschlappen, dem sein Cape hängenbleibt und der sich vor der Dunkelheit fürchtet. Dann wird Superman zum Diener des Bösen und es liegt an Batman, sich zusammenzureißen und seinem Kumpel wieder Vernunft einzuprügeln …

Die etwas altbackene Story kommt leider dank eines steifen, pathetischen Schreibstils gänzlich ohne Pointen oder Humor aus. Dafür sind die gemalten Panels von Daniel Brereton ein Hingucker. Dämonen erscheinen hier besonders teuflisch, Helden noch heroischer. Die Geschichte wäre auch interessanter, wenn man sie etwas geheimnisvoller erzählt hätte und nicht sozusagen ‚bei Adam und Eva‘ angefangen hätte, wo alles Mysteriöse gleich erklärt wird. Unterhaltsam ist es allemal, den beiden Protagonisten beim Rollentausch zuzusehen und beim Finale Batman in einer dämonischen Rüstung und Schottenrock gegen Superman kämpfen zu sehen. Batman schlägt mit dem Schwert auf Superman ein und muss sich dabei zurückhalten, um den alten Freund nicht zu töten. Die Gewalt dient der Rückbesinnung, damit sich Superman von seinem Fluch lossagt. Am Ende werden die beiden Kontrahenten wieder zum Team.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Das Rotkehlchen im Eulennest

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman vs. Robin

Drehbuch: J.M. DeMatteis

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


„Justice. Not vengeance.“ (Batman)

„Justice. Not vengeance.“ (Robin)

„Don’t doubt your instincts.“ (Talon)

Bei einem Einsatz gegen den Dollmaker trifft Robin (Damian Wayne) auf den Killer Talon. Während sich Robin zurückhält, den Dollmaker zu töten, reißt Talon den Schurken das Herz heraus. Weil Talon eine Feder zurücklässt, geht Batman ihm nach und entdeckt weitere Eulenkrieger, die ihn umbringen wollen. Dahinter steckt der Geheimbund „Court of Owls“ (dt. Hof der Eulen, in den Comics Rat der Eulen genannt), der Gotham unter seine Kontrolle bringen und das Böse durch Mord auslöschen will. Als sie Bruce Wayne entführen, damit er sich ihnen anschließt, ist er mäßig begeistert. Dafür ist Damian umso anfälliger, als Talon versucht, ihn für sich zu gewinnen. Weil Damian immer noch der aufsässige Satansbraten ist, den man aus Son of Batman kennt, ein aufsässiges wie blutrünstiges Kind, das sich nur schwer zähmen lässt, hat der Killer mehr Erfolg bei ihm als der überforderte Vater. Es kommt zum Kampf zwischen Vater und Sohn …

Die Adaption der Snyder/Capullo-Story „Court of Owls“ greift bloß einige Kernelemente der Vorlage auf: den Orden, die Attentate auf Batman, den Gang durch das unterirdische Labyrinth sowie den Überfall auf Wayne Manor. Die Motivation der Eulen ist eine andere, und weil der Hintergrund dafür fehlt, bleibt sie auch vage. Ansonsten dient die Geschichte bloß als Aufhänger, um den Vater-Sohn-Konflikt zuzuspitzen, was auch überzeugend gelingt. In dem Widerspruch von Talon und Batman findet sich Damian wieder bei der Suche nach Vorbildern, bzw. einem Vater und seinem Platz im Leben. Der Prolog mit dem Dollmaker greift lose die Story aus Detective Comics #1-4 (2011) auf, spitzt sie aber mit Horror-Elementen wie Zombie-Kindern noch zu. Dank herrlicher Kampfszenen und einigen knackigen Wortgefechten ist Batman vs. Robin ein unterhaltsamer Animationsfilm, der für sich genommen Spaß macht und als Fortsetzung funktioniert, auch wenn er den abgründigen Reiz seines Vorbilds vermissen lässt.