Superman

Was von Batman übrig blieb

DC Comics

DC Comics

Titel: Graveyard Shift (Batman Vol. 6) (dt. Im Bann des Todes)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Andy Clarke, Alex Maleev, Wes Craig, Matteo Scalera, Dustin Nguyen

Erschienen: 2012-2014 (Erstausgaben: Batman #0, #18-20, #28, #34, Annual #2), Hardcover 2015, dt. zum Teil in Batman Sonderband 43: Schreckensnächte in Gotham City, Panini 2014 (Batman #19-23, Batman Annual #2), weitere in Batman #20, #23, #37. (dt. Panini 2016, Paperback)


„… sometimes I’m my own worst enemy.“ (Bruce Wayne)

Bevor die Fans endlich das nächste Meisterwerk des Dream-Teams Snyder/Capullo in Buchform bekommen – Endgame erscheint erst im Herbst – vertröstet DC sie in Band 6 mit einer Resterampe. Fünf Lückenbüßer-Ausgaben sowie zwei Specials wie die Nuller-Ausgabe und das zweite Annual sind in Graveyard Shift versammelt. Was taugt der Band?

Batman #0 ist das Äquivalent zu den bereits besprochenen Detective Comics #0 und The Dark Knight #0, die jeweils zwei Episoden aus Bruce Waynes Vor-Batman-Zeit erzählen, also vor dem Jahr Null/Zero Year spielen (alles klar?). Während wir in Detective #0 eine Anekdote aus der Ausbildungszeit in Asien bekamen, wurde in TDK #0 erzählt, wie Bruce den Mörder seiner Eltern (Joe Chill) aufsucht und umbringen will, aber sich dann besinnt. (Batman and Robin #0 handelt von Damians Kindheit und Ausbildung durch Talia.) In Batman #0 bekommen wir eine Episode aus dem Jahr Null, als Bruce Wayne noch ohne Batman-Kostüm gegen die Red Hood-Gang kämpft. Bruce verkleidet sich mit einer roten Maske und schließt sich einem Bankraub an, wird entlarvt und beinahe getötet. Anschließend bekommt er Besuch von Lieutenant James Gordon, der ihn nach Batman ausfragt. Kurz zuvor macht Alfred seinem Master deutlich, dass er sich nicht einfach von einem zivilen Leben abschotten kann, weil er sich als Eigenbrötler verdächtig machen würde. Am Ende aktiviert Gordon erstmals das Bat-Signal – nicht nur als Rufzeichen für Batman, sondern auch als Motivation für die Bürger von Gotham, Zivilcourage zu zeigen.

Panini Comics

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In der Bonus-Story „Tomorrow“ werden parallel drei Episoden aus dem Leben von Tim Drake, Jason Todd und Dick Grayson erzählt, bevor sie Robins geworden sind. Der Klugscheißer, der Verbrecher und der Draufgänger. Alle drei zeigen einen Sinn für Gerechtigkeit, symbolisiert darin, dass sie zum Bat-Signal aufschauen, das am Himmel erscheint.

Rotkehlchen als roter Faden

Obwohl die folgenden Geschichten für sich stehen, bilden sie eine Gesamtheit mit einigen Parallelen und Verbindungen zueinander. Der rote Faden ist Robin, genauer gesagt der Umgang mit dem Tod von Damian, Bruce Waynes Sohn. „Resolve“ (Batman #18) handelt davon, wie Harper Row, das Elektriker-Mädchen, das Batman nach seiner Gefangenschaft beim Rat der Eulen gerettet hat, Damians Nachfolge als Batmans Sidekick antreten will. Wieder einmal hilft sie Batman aus der Patsche, als er sich – nach selbstausbeuterischen Kämpfen – mit venom-gedopten Hunden anlegt, doch er verweigert ihr zunächst ihren Wunsch. Erst nachdem Harper Bruce Wayne einen Besuch abstattet, wird Batman weich.

In „Nowhere Man“ (Batman #19-20) wird die Trauer um Robin gestört durch einen Doppelgänger. Hier wird eine Brücke zur Zero Year-Episode geschlagen: Während damals Bruce Wayne als Red Hood-Mitglied verkleidet bei einem Bankraub beteiligt war, raubt er hier nun unmaskiert eine Bank aus. Natürlich ist er es nicht wirklich, sondern bloß Clayface, der Waynes Reputation durch … den Dreck ziehen will (oje, der war flach, sorry). Im Gegensatz zu den Auftritten des Schurken in Detective Comics und The Dark Knight ist Clayface hier zum ersten Mal eine interessante Figur, da er jeglichen Bezug zu seinem alten Ich verloren hat und nur noch die DNA anderer imitieren kann. Er ist nichts als ein formbarer Klumpen Lehm – ein Nowhere Man, ein Niemand.

Wiedersehen mit einem Gesichtslosen

Einen anderen Niemand jagt Batman in „The Meek“ (Batman #34): Ein Totengräber für Arme legt gerne mal eine Leiche dazu, die er selbst zu verantworten hat. Batman kann ihn zwar mit detektivischem Gespür fassen, aber er kommt nicht hinter dessen Identität – also landet er folgerichtig in der leeren Zelle eines anderen Namenlosen: des Jokers. Der Mörder nennt sich selbst The Meek, sagt von sich selbst, ein Nobody zu sein und wünscht sich, aus der Welt spurlos zu verschwinden. Damit erweist er sich als Wiedergänger des Postboten Joseph Zedno, der in einer Story von Doug Moench und Kelley Jones als „Faceless“ Menschen umgebracht hat, um ein Jemand zu sein (siehe Batman #542-543, 1997, dt. Batman #32, Dino Verlag, enthalten im Time Warp 2). The Meek macht im Gegensatz zu Zedno aus der Not eine Tugend. Batman wird mal wieder an die Vergänglichkeit allen Seins erinnert – sehr schön versinnbildlicht in der letzten Splash Page, auf der ein Totenkopf aus Leichen gebildet ist.

Erneut mit seinem Verlust konfrontiert wird Batman in „Cages“ (Batman Annual #2), eine Story, die in dem Band zwei Mal fälschlicherweise als „Ages“ bezeichnet wird. Die Prämisse ist eine interessante Idee: Batman lässt sich freiwillig in Arkham einsperren, um die neue Sicherheitstechnik zu testen. Doch nicht nur er bricht aus, auch die älteste Insassin. The Anchoress (die Einsiedlerin) kann nämlich durch Wände gehen. Sie wirft ihm vor, dass durch all die Schurken, die er im Asylum einliefert, sie selbst vernachlässigt worden sei, statt therapiert zu werden. Jetzt will sie sich an ihm rächen, indem sie ihn mit ihren mentalen Kräften in eine Art Gedankenkäfig zu sperren versucht. Batman muss noch einmal den Tod seines Sohnes mitansehen. Die Story wurde zu Unrecht verrissen. Bis auf die Zeichnungen, die nicht an einen Greg Capullo heranreichen, tut es gut, auch einmal eine Geschichte mit einigen frischen Ansätzen zu lesen, auch wenn aus dem Sicherheitstest in Arkham am Ende leider keine Resultate folgen. (Das Cover ist allerdings großartig.)

Vorschau auf die Zukunft

Die schwächste Geschichte in Graveyard Shift ist „Ghost Lights“ (Batman #19-20, jeweils die Zweitstory): Batman versucht mit Superman einen bösen Geist zu bannen. Superman erweist sich als ziemlich nutzlosen Kämpfer, aber dafür als guter Freund, der dem Trauernden beisteht, auch wenn Batman ihm den Dienst nicht erwidert.

In „Batman Eternal“ (Batman #28), einer Vorschau für die gleichnamige Serie, die in naher Zukunft spielt (Besprechung folgt), kämpft Harper Row als Bluebird an der Seite von Batman in einem dystopischen Szenario. Nach einer Unterhaltung mit Selina Kyle gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie Brown alias Spoiler, die in der alten Continuity kurz der vierte Robin sein durfte (danach kam Damian).

Zusammengefasst kann man Graveyard Shift für Batman als Zwischenspiel zur Trauerbewältigung begreifen. Die heimliche Hauptrolle spielt hier Robin in absentia – ein Phantom. Für den Leser bietet sich eine abwechslungsreiche Anthologie von Geschichten, die sich kurzweilig lesen und meist auch grafisch überzeugen können. Damit kann man sich gut vertrösten, bis Endgame als Buch erscheint.

>> Batman 2011-2019


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Die verhinderte Fledermaus

Detective No 27

DC Comics

Titel: Batman: Detective No. 27 (Detective #27)

Autor/Zeichner: Michael Uslan/Peter Snejbjerg

Erschienen: 2003 (One-shot)


 „Did you ever dance with the devil in the pale moonlight?“

Eine Batman-Story ohne Batman. Bruce Wayne sitzt am offenen Fenster und überlegt gerade, wie er am besten das Verbrechen bekämpfen kann, das seine Eltern das Leben kostete, da klopft es an der Tür. Wayne schließt das Fenster, eine Fledermaus fliegt dagegen. „Stupid bird!“, sagt Wayne genervt ohne richtig hinzusehen. Kurz darauf wird er zum „Detective No. 27“, Mitglied einer Geheimgesellschaft, die gegen eine Verschwörung von Südstaatlern kämpft. Einige von denen haben es nicht verkraftet, den Bürgerkrieg verloren zu haben, also ermordeten sie Abraham Lincoln und planen jetzt, den Norden mit einem tödlichen Gift zu vergasen.

Der Reiz dieser etwas weit hergeholten Geschichte besteht darin, dass sie zwar in der Welt von Batman spielt, aber alles, was man von ihr kennt, lediglich tangiert. Es gibt einen Elternmord, einen Verbrechensbekämpfer, der inkognito unterwegs ist, einen Alfred und sogar einen Robin, aber ohne dass Bruce Wayne sich je als Batman kostümieren würde. Stattdessen begnügt sich die Story mit Anspielungen und (zuweilen kalauerhaften) Wortwitzen. Der platteste fällt, nachdem Wayne eine Horde von Schurken mit einem Baseballschläger (engl. „bat“) zusammengeschlagen hat: „You swing a helluva stick for a civilian, my friend!“, sagt ein Mitstreiter. „Gonna have to start calling you ‚the Bat-Man‘!“ Ansonsten haben wir einen grinsenden Joker (der jedoch nicht blasshäutig ist), einen Mad Scientist namens Hugo Strange, einen Professor Crane und eine Selina Kyle, genannt „the Cat“. Selbst Superman schaut am Ende vorbei – allein dieser trägt sein typisches Kostüm.

Es wird also viel geboten. Das alles geschieht in einem historischen Kontext (die Haupthandlung spielt – natürlich – im Batman-Geburtsjahr 1939), Autor Michael Uslan hat ans Ende des Bandes sogar ein paar Fußnoten gesetzt, in denen er Bezüge zur Geschichte erklärt. Es ist diese Liebe zur Ausschmückung, die diesen Band so sympathisch macht. Peter Snejbjergs schlichte Zeichnungen, die zuweilen an den Animated-Stil erinnern, sind ebenso detailreich und voller Leben. Es ist ein gewagtes Experiment, Batman aufs Cover zu schreiben und dann keinen zu bieten. Aber auch konsequent. Und allein dafür gebührt den Machern Respekt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Düstere Dreifaltigkeit

Batman ist ein Vampir. Superman hat einen Bart und ist der Sohn von General Zod. Und Wonder Woman … trägt ein weißes Kostüm mit ganz tiefem Ausschnitt. „Justice is redefined“, lautet die Devise im neuen Zeichentrick-Film, der in den USA am 28. Juli erscheinen soll: Justice League: Gods and Monsters wird er heißen, geschrieben vom Animated-Dreamteam Alan Burnett und Bruce Timm. Der Trailer verheißt ein düsteres Spektakel, in der die Welt und die Helden anders dargestellt werden, als man es sonst aus den Filmen kennt. Es beginnt mit einem Massaker, verbrannten Leichen, man schiebt die Schuld Superman zu, Helden werden gefürchtet und gejagt, Lex Luthor betreibt seine Hetze: „Man kann der Justice League nicht trauen.“ Die klassische Dreifaltigkeit aus Superman, Batman und Wonder Woman muss sich gegen die Menschen wehren, die sie beschützen wollen. Ob man den Planeten rettet oder ihn beherrscht, ist nicht mehr klar zu unterscheiden. Batman hat wie immer die beste Lösung parat: „We can get a lawyer – or we can beat the hell out of them.“

Dem Trailer nach zu urteilen erwartet uns ein vielversprechendes Werk. Wochen vor dem Erscheinen sollen in einer dreiteiligen Web-Serie die Hauptcharaktere eingeführt werden: Justice League: Gods and Monsters Chronicles. Sie soll über die Online-Plattform Machinima verbreitet werden. Außerdem sollen mit dem Film auch Prequel-Comics erscheinen, die zuerst digital herauskommen. Von den Sammlerfiguren ganz zu schweigen …

Die Promo-Maschine für Batman v Superman: Dawn of Justice läuft. Wir freuen uns natürlich trotzdem, dass uns die Wartezeit verkürzt wird.

Dark Knight zum Dritten

DC Comics

DC Comics

Es wird blutig werden: Frank Millers Dunkler Ritter muss – trotz seines hohen Alters – noch einmal antreten. Und wahrscheinlich wird er Superman erneut eine Abreibung verpassen. So viel kann man dem Ankündigungs-Bild entnehmen, das DC und Miller jüngst veröffentlicht haben. Der Altmeister lässt sich dabei von Autor-Superstar Brian Azzarello (Joker) unterstützen. Und auch wenn nicht – wie gerüchteweise zu lesen war – das Jung-Genie Scott Snyder beteiligt ist, macht das Autorenteam Hoffnung: Denn wie sich die Fangemeinde bei der Fortsetzung des Klassikers The Dark Knight Returns von 1986 überzeugen durfte, scheinen beim guten alten Frank ein paar Sicherungen durchgeknallt zu sein. Ein Eindruck, der mit seinem All-Star Batman nur bestätigt wurde (wenn auch auf viel amüsantere Weise). The Dark Knight Strikes Again war ein übles Machwerk, das alle Qualitäten seines Vorgängers vermissen ließ – vor allem den Titelhelden. Stattdessen wurde eine wirre Geschichte um Dutzende Charaktere erzählt, ohne dass auch nur im Ansatz Spannung oder Anteilnahme aufkam. Die Story war ein Beleg dafür, dass man Klassiker besser unangetastet lässt, sonst läuft man Gefahr, sie zu zerstören (vgl. Star Wars). Azzarello könnte als Stimme der Vernunft dafür sorgen, dass im dritten Teil endlich wieder eine erzählerische Disziplin einkehrt.

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Gestörte Kommunikation

DC Comics

DC Comics

Titel: Tower of Babel (dt. Turm zu Babel)

Autor/Zeichner: Mark Waid/Howard Porter, Steve Scott

Erschienen: 2000 (JLA #43-46, Paperback 2001), dt. Panini 2001 (JLA #1-2), Sonderband Eaglemoss 2015


 „Kaum zu glauben, dass ich erst jetzt drauf kam.“ (Ra’s al Ghul)

Ra’s al Ghul entführt die Leichen von Bruce Waynes Eltern und schaltet die Mitglieder der JLA nacheinander aus. Dann macht er mit einem Störsignal alle Menschen zu Analphabeten. Schließlich verwirrt er ihre Sprachen, sodass niemand mehr den anderen versteht. Ein bilateraler Konflikt könnte den Weltfrieden gefährden. Und das ist auch der Sinn der Aktion: die Menschheit soll sich selbst ausrotten. Wie konnte es so weit kommen? Weil Batman Pläne erstellt hat, wie man die JLA-Mitglieder besiegen kann und Ra’s sich die Akten besorgt hat …

Am Ende sind alle mehr sauer auf Batman statt auf Ra’s. Verständlich, aber Batman wollte nur vorsorgen für den Ernstfall. Die JLA diskutiert, ob sie den Dunklen Ritter rausschmeißen wollen. Dieser Teil ist der stärkste dieser sonst routinierten Geschichte. Ihr Hauptproblem besteht darin, dass die JLA sich zu schnell wieder fängt und Ra’s Pläne vereitelt, auch den Plan B, sodass das Finale einen ziemlich faden Eindruck macht. Dass in der letzten der vier Ausgaben der bisherige Stammzeichner Howard Porter durch eine Aushilfe ersetzt wird, stört den Lesegenuss zusätzlich – auch wenn der Neue seine Arbeit nicht schlecht macht, aber Uneinheitlichkeit ist, wie diese Geschichte zeigt, der Ursprung allen Übels.

Hinweis: Turm zu Babel ist in der Reihe DC Comics Graphic Novel Collection von Eaglemoss erschienen (Band 4).

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Tell me, do you bleed? You will.

„Is it really surprising that the most powerful men in the world should be a figure of controversy?“

Endlich ist er raus: der erste Teaser Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Wir haben lange genung gewartet. Zu lange. Und schließlich rächte sich diese Hinhaltestrategie von Warner Bros. Ein Jahr vor dem Kinostart (26. März) gab es nichts als ein paar Promobilder der wichtigsten Charaktere. Da war Disney mit Star Wars schon besser, als bereits im vergangenen Dezember die ersten Ausschnitte gezeigt wurden. Dann, vor ein paar Tagen, brachte Warner einen 20-Sekunden-Teaser heraus, der den eigentlichen Teaser Trailer ankündigen sollte – für den 15. Mai. Denn dann sollte er zusammen mit Mad Max starten. Eine erbärmliche Werbekampagne, die keinem der beiden Filme nützt. Doch zuvor sollten einige Auserwählte den Trailer in IMAX-Kinos sehen dürfen. Die Rechnung ging nicht auf: Gestern wurde der Teaser geleakt, eine abgefilmte Version. Kurz darauf zog Warner nach und brachte das Ding endlich offiziell und in HD heraus.

Und wie ist der Trailer geworden? Düster. Sehr düster. Wie ein Batman-Film sein sollte. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf Superman: Er wird als Gott verehrt, aber auch gefürchtet und als „falscher Gott“ in Frage gestellt. Der Eindruck, den der Held hinterlassen hat, bewegt die Welt. Und offenbar dient Batman dazu, dem Treiben des Kryptoniers Einhalt zu gebieten. Mit schwerem Geschütz und in Stahlrüstung wird der Man of Steel by Nature bekämpft. „Tell me, do you bleed?“, fragt der Dunkle Ritter Superman. „You will.“ Toller Satz. Aber: Überzeugt uns das? Einerseits ist es klar: Darum geht es in diesem Film, der Titel sagt es und es ist ein gängiger Topos, dass die beiden größten Superhelden aufeinander losgehen. Dazu muss Superman geschwächt werden (mit Kryptonit) oder Batman gestärkt (mit Technik oder temporären Superkräften). Aber Batmans primäre Aufgabe ist es nicht, Superman zu vermöbeln, sondern sich von Haus zu Haus zu schwingen und im Dunkeln Verbrecher aufzumischen. Leider scheint aber der Ben Affleck-Batman bei seinem ersten Auftritt in die Rolle gedrängt zu werden, außer Kontrolle geratene Superwesen zur Ordnung zu rufen. Und Wonder Woman und Aquaman könnten sich in den Streit einmischen, was auch bedeutet, dass sie Partei ergreifen … Kurz: Es wird ein halber Justice League-Film.

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Keilerei der großen Drei

DC Comics

DC ComicsTitel: Trinity War

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Jeff Lemire/Ivan Reis, Doug Mahnke, Mikel Janin

Erschienen: 2013 (Justice League #22–23, Justice League of America #6–7, Justice League Dark #22–23, Constantine #5, Trinity of Sin: Pandora #1–3, Trinity of Sin: The Phantom Stranger #11) Paperback 2014; dt. Justice League #21-23 (2014), Paperbacks 2015 (2 Bände)


 „… nie war die Gefahr größer als jetzt.“ (Phantom Stranger)

Unsere heutige Besprechung ist zur Abwechslung mal im Heinrich-von-Kleist-Stil abgefasst. Freunde der schlichten Syntax bitten wir um Nachsicht.

Billy Batson, der Knabe, der sich dank eines Zaubers in den erwachsenen Superhelden Shazam (einst als Captain Marvel bekannt) verwandeln kann, will, nachdem sein Erzfeind Black Adam im Kampf zu Staub zerfallen ist, um dem Gegner die Letzte Ehre erweisen, dessen sterbliche Überreste in der Wüste des Schurkenstaates Kahndaq verstreuen, wird aber, da sein Auftritt einen bilateralen Konflikt heraufbeschwören könnte, von Superman und der Justice League an seinem Vorhaben gehindert, was wiederum dazu führt, dass die Justice League of America, eine von Amanda Waller rekrutierte Superheldengruppe, die den Zweck hat, die Justice League zu überwachen, ebenfalls in Kahndaq auftritt, um die Helden, die mit ihrer Präsenz den Frieden gefährden, hinauszugeleiten; doch weil Superman plötzlich die Kontrolle über seinen Hitzeblick verliert und dabei Doctor Light tötet, einen Helden, der nur der JLA beigetreten war, damit sie ihn vor dem Fluch erlöst, wegen seiner Kräfte im Dunkeln sitzen zu müssen, beschwört das einen Kampf zwischen den Heldengruppen herauf, nach dessen unentschiedenem Ende sich Superman in Gefangenschaft begibt, um zu erfahren, was ihn entfesselt hat und woran er krankt.

In der Zwischenzeit macht sich Wonder Woman, die nach einer Affäre mit Steve Trevor, dem Entdecker der Amazonen-Insel und Mitglied der Superhelden-Überwachungstruppe Argus, auf die Suche nach Pandora, einer Gestalt aus der griechischen Mythologie, die seit dem Öffnen einer bestimmten Büchse, die das Böse in die Welt entlassen hat, von den Göttern als Bestandteil der Dreifaltigkeit der Sünde verdammt ist, und nun – nachdem sie die Büchse von Argus gestohlen hat – damit durch die Welt zieht, um sich von ihrem Fluch zu befreien … äh, jetzt habe ich den Faden verloren ……. Jetzt hab ich’s wieder: Wonder Woman sucht also nach Pandora, weil diese Superman, wegen seiner gemutmaßten Reinheit, die Büchse hat berühren lassen, jedoch ohne das gewünschte Ziel, die Lösung ihres Fluchs, zu erreichen, und weil sie, Wonder Woman, von Hephaistos, dem Götterschmied, erfährt, dass die Büchse nicht von den Göttern stammt, sondern ihre Magie aus unbekannter Quelle bezieht, sucht sie, Wonder Woman, Hilfe bei der dritten, mystischen Justice League, der Justice League Dark. Es kommt zu Meinungsverschiedenheiten bei der Vorgehensweise.

Allerhand passiert parallel: Phantom Stranger befragt Dr. Lights Leiche – ohne Erfolg, Martian Manhunter befragt Dr. Psycho – ohne Erfolg, daraufhin fliegt das Argus-Hauptquartier in die Luft. Beim Versuch, die Büchse an Lex Luthor zu übergeben, fällt die Büchse in die Hände von Wonder Woman, die daraufhin vom Bösen befallen wird, Shazam nimmt ihr die Bürde ab und wird selbst böse (wodurch er wiederum sehr Black Adam ähnelt), als sich Frankenstein die Büchse krallt, wird er angegriffen von allen anderen, Batman erweist sich dabei als reinste aller Seelen, bis die Zauberin Zatanna in ihren Besitz gerät und von ihrer Macht übermannt wird, und schließlich endet der Kampf, als Constantine, der immun ist gegen die bösen Mächte, sich das Gefäß greift.

Am Ende kommt es in Griechenland, als wäre das Land nicht schon krisengeplagt genug, zum großen Dreifaltigkeitskrieg um die Büchse, bei dem sich Helden als Verräter herausstellen, eine groß angelegte Verschwörung offenbart wird und Superman ein Kulturdenkmal zerstört, indem er eine antike Tempelsäule als Waffe zweckentfremdet, und wie sich herausstellt, dient das alles nur dem narrativen Zweck, eine andere Superschlacht vorzubereiten, jene, die als Forever Evil bekannt ist.

Leser der gepflegten Unterhaltung werden bei diesem Heldenepos jeglichen Tiefgang, ergründete Charaktere und Übersichtlichkeit vermissen. Freunde der bildenden Künste dürften sich über die vielen Splash Pages freuen, allein im Schlusskapitel gibt es drei einfache und vier doppelte davon. Unbedarften Erstlesern in Deutschland dürfte die Rezeption zusätzlich erschwert worden sein, weil in der Justice League-Serie bloß die sechs Hauptteile der Geschichte enthalten, aber die Tie-Ins in Sonderbänden verstreut waren, und der Prolog mit deutlichem Abstand bereits in Justice League #8 erzählt wurde, doch immerhin hat Panini im März 2015 einen ersten Sammelband herausgebracht, der den Makel wiedergutmacht, im Mai soll der zweite erscheinen. Leser, die des Englischen mächtig sind, kommen mit dem einen US-amerikanischen Paperback günstiger weg.

Sollte man Trinity War lesen? Nur, wenn man Forever Evil lesen und auch ganz verstehen möchte.

Fortsetzung folgt.

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Sintflut für ein Königreich

DC Comics

DC ComicsTitel: Throne of Atlantis/The Grid (dt. Der Thron von Atlantis/Die gefährlichsten Helden der Welt)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis u.a.

Erschienen: 2012-2013 (Justice League #13-17, Aquaman #15-16; Justice League #18-20), Paperbacks 2014; dt. Panini 2014/2015


„Für so etwas gibt es die Justice League.“ (Batman)

Ein US-Marine-Boot beschießt unabsichtlich und scheinbar grundlos Atlantis. Kurz darauf bricht der Krieg aus. Aquamans Bruder Orm, der Herrscher der Unterwasserwelt, lässt die US-Ostküste überfluten, Menschen sterben in Boston und Gotham. Aquaman versucht ihn zur Vernunft zu bringen, aber Orm ist ohnehin nicht gut auf die Luftatmer zu sprechen und lässt seine Armee auf sie los. Weil die Justice League den Ansturm nicht bewältigt bekommt (unter anderem weil Superman, Batman und Wonder Woman gefangen genommen werden), werden kurzfristig einige Reservisten für den Kampf eingesetzt. Doch als plötzlich scharenweise Monster aus der Tiefsee über beide Streitparteien herfallen, wird klar, dass jemand anders den Krieg angezettelt hat …

Am Ende stellt sich heraus, dass Diplomatie nicht immer das beste Mittel ist. Hätte Aquaman Orm sofort angegriffen, wäre viel Unheil nicht passiert. Doch man muss dankbar sein: Endlich wird mit Der Thron von Atlantis eine Geschichte erzählt, die der Justice League würdig ist. Der Disput zwischen Aquaman und Orm hätte ruhig auf einige Wiederholungen verzichten können, Menschelndes um Cyborg sowie Superman und Wonder Woman hätte es auch nicht gebraucht, dafür wirken andere Teile der Geschichte arg gerafft, weil vieles in schmale Panels gequetscht werden musste. Fans von epischen Schlachtengetümmeln werden auf ihre Kosten kommen. Ansonsten ist die Story Stangenware, aber immerhin von einem Format, wie ihn die JL verdient.

Die zweiteilige Story um Cheetah, die ebenfalls im dritten Band enthalten ist, ist nicht der Rede wert. Superman und Wonder Woman gehen in Smallville Kuchen essen. Das ist – was die Geheimidentität angeht – etwa so sinnvoll wie wenn Batman den ganzen Tag heulend in der Crime Alley hocken würde. Aber mit dieser Love Story will Autor Geoff Johns seinen so vielbeschäftigten Figuren wohl ein wenig Menschlichkeit verleihen. Zu Charakteren macht er sie dadurch nicht.

Nach der Atlantis-Schlacht kommen (im vierten Band, The Grid) erst einmal drei Ausgaben Füllmaterial, bis es mit Trinity War wieder in die Vollen geht. Daher nur in aller Kürze: Die Justice League lädt ein paar neue Aspiranten zum Vorstellungsgespräch ein, davon kommen Firestorm, Atom und der Metamorpho-Verschnitt Element Woman in die engere Auswahl. Als erstes dürfen sie sich gegen den Schurken Despero behaupten, der in den Wachturm-Satelliten eindringt und radaliert. (Er will Rache für eine Niederlage in einem Kampf, der bisher noch nicht erzählt wurde.) Doch die Neulinge müssen sich nicht besonders anstrengen. Martian Manhunter kommt als Gott aus der Maschine gehopst und löst die Sache mit einem einfachen Telepathie-Trick. Gut so, denn Despero hatte einen Kryptonit-Ring – das Material dazu stammt aus Batmans Fundus, in dem Notlösungen gegen jeden Helden der JL gesammelt sind. Fast jeden. Jetzt fragen sich alle, wer das Kryptonit gestohlen hat. Aber das wird erst in Trinity War geklärt …

Zwischendrin beenden Superman und Wonder Woman eine Geiselnahme in dem Schurkenstaat Kahndaq und diskutieren anschließend, ob es okay wäre, auch das ganze Land zu befreien. „Wir dürfen die Welt nicht einfach verändern“, sagt Superman. „Ich will den Menschen helfen, aber nicht Gott spielen.“ Dann kommt Batman dazu und hält ihnen eine Standpauke, dass ihre Aktion daneben war, weil sie so die JL in Misskredit bringen. Die alte Leier.

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Wo geht die Heldenreise hin?

DC Comics

DC Comics Titel: The Villain’s Journey (dt. Der Pfad des Schurken)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee u.a.

Erschienen: 2012 (Justice League #7-12), Paperback 2012 (Justice League Vol 2.); dt. Panini 2013


„Die Justice League ist nicht so heldenhaft, wie alle glauben. (…) Sie sind nicht das Team, das sie sein müssten. Das waren sie nie.“ (David Graves)

Nach dem ersten gemeinsamen Abenteuer der Justice League im neuen DC-Universum macht die Erzählung einen Zeitsprung: Einige Jahre später ist die Liga ein eingespieltes Team, das routinemäßig die Welt rettet. Die Menschen lieben ihre Helden, vertrauen ihnen, trauen ihnen sogar zu, ihre weltlichen Probleme wie Wirtschaftskrisen zu lösen und die Bildungspolitik zu reformieren. Begleitet – und beobachtet – wird sie von der Spezialeinheit Argus, angeführt vom Agenten Steve Trevor, der bekanntlich einmal auf der Paradiesinsel gelandet ist, wo er Wonder Woman kennen und lieben lernte. Er muss sich vor der Welt rechtfertigen: für die Handlungen der Justice League, aber auch für sein Privatleben.

Trevor, der Vertraute der JL, wird zur Schwachstelle. Denn ein gewisser David Graves, dessen Familie die Helden vor Darkseid gerettet haben, und der einst aus Dankbarkeit einen Bestseller über die Liga geschrieben hat, ist mittlerweile ziemlich sauer. Seine Familie ist an einer mysteriösen Krankheit gestorben, er selbst ist kurz davor, das gleiche Schicksal zu teilen. Also sucht er Hilfe im Übernatürlichen und mit neuen Kräften ausgestattet, entführt er Trevor und schafft es durch Folter und Erpressung an die Geheimnisse der Liga ranzukommen, um sie auszuschalten. Wie? Indem er sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert …

Im Gegensatz zum Origin wird hier eine halbwegs ordentliche Geschichte erzählt, in der wenigstens Steve Trevor einen Bezugspunkt bildet. Ansonsten wirkt die JL abgeschottet und elitär, wir erfahren, dass ein Versuch, neue Mitglieder (wie den Martian Manhunter) zu akquirieren, gescheitert ist, und man deshalb vorerst keine neuen Rekruten akzeptiert. Das hindert jedoch Green Arrow nicht daran, es dennoch eine Ausgabe lang beharrlich zu versuchen, sich dem Team anzuschließen – vergeblich. Doch es sind auch interne Querelen auszustehen: Wonder Woman fetzt sich mit Green Lantern, Superman mischt sich ein und bekommt einen Tritt von ihr verpasst – und das auch noch vor der Weltöffentlichkeit. Man benimmt sich immer noch so albern wie zu Beginn. Am Ende wird klar: Superman und Diana sind ein Paar.

Wow. Eigentlich wollte ich mich kurz fassen, aber jetzt sind es schon drei Absätze Inhaltsbeschreibung geworden – und ich habe längst nicht alles erzählt. Muss ich auch nicht, denn so plump geradlinig die erste JL-Story war, so überladen und sprunghaft ist die zweite. Statt den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und zu erzählen, wie die Helden zueinander finden und ihre nächsten Aufgaben meistern, forciert Autor Geoff Johns eine etablierte Liga – nur um dann doch ein paar wichtige Episoden (wie die Rekrutierung oder den Kampf gegen Amazo) en passant nachzutragen. Statt eins nach dem anderen in einer organisch zusammenhängenden Geschichte zu erzählen, wird vieles Kommende (wie Pandora, Shazam, Cheetah, Atlantis) bloß angerissen, als wollte man mit einer Fülle von Vorausdeutungen die Neugier der Leser erzwingen. Äußerst unsympathisch, wenn der Autor selbst nicht zu wissen scheint, wohin die Heldenreise geht.

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Super Sieben mit Startschwierigkeiten

DC Comics

DC ComicsTitel: Origin (dt. Der Anfang)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee

Erschienen: 2011-2012 (Justice League #1-7), Paperback 2012 (Justice League Vol. 1); dt. Panini 2013


„Wir sind kein Team. Und Freunde sind wir auch nicht.“ (Hal Jordan)

Batman trifft auf Green Lantern. Superman kommt dazu. Er kloppt sich ein bisschen mit Green Lantern. Flash kommt dazu. Er kloppt sich ein bisschen mit Superman. Dann kommen einige Paradämonen und man kloppt sich mit denen. Wonder Woman kommt dazu und hilft dabei die Paradämonen zu vermöbeln. Und dann taucht auch Aquaman auf (sorry, der Kalauer musste sein) und hilft mit ein paar Haien dabei, weitere Paradämonen zu verhauen. Zwischendrin wird Victor Stone durch einen Unfall und einen drastischen Eingriff seines Vaters zum Cyborg wider Willen. Und als Darkseid erscheint, vereinen die Streithähne ihre Kräfte und schubsen ihn durch eine Schallröhre zurück nach Apokolips.

So. Das ist die erste Geschichte der neuen Justice League-Serie. Ebenso holprig und planlos wie das erste Zusammentreffen der sieben Helden. Das Verhältnis ist geprägt von Misstrauen. „Erst schlagen, dann fragen“ ist die Devise. Die größten Helden verhalten sich wie pubertierende Kinder. Selbst Batman, der mysteriöse Denker der Gruppe, neigt zum Schwachsinn, als er einmal sogar seine Maske ablegt und sich Green Lantern als Bruce Wayne vorstellt – und zwar kurz nachdem er ihn kennengelernt hat und in aller Öffentlichkeit! Was kann man noch sagen über diesen Anfang? Dass er nicht mehr als viel heiße Luft ist, aufgebauscht mit all zu vielen Splash Pages, die nur übertroffen werden durch doppelte Splash Pages? Dass alles nur schicke Pose ohne Emotion oder Substanz ist? Dass selbst der Witz bemüht wirkt und auf der Strecke bleibt? Das alles könnte man sagen – es wäre aber nicht der Rede wert. Dieser Neustart ist ein Rohrkrepierer.

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