Joker

Big in Japan

Joker und Batman im Duell. (Warner Bros.)

Titel: Batman Ninja

Regie/Drehbuch: Junpei Mizusaki/ Kazuki Nakashima, Leo Chu

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Kaum stört Batman Gorilla Grodd bei einem Experiment in Arkham, landet er zusammen mit seinen Erzfeinden und Verbündeten im alten Japan. Zusammen mit Catwoman, Nightwing, Red Robin, Robin und Alfred geht es gegen Grodd, Joker, Harley Quinn, Two-Face, Pinguin, Poison Ivy, Bane und Deathstroke. Die Schurken haben – trotz Sprachbarriere – innerhalb von zwei Jahren Japan unter sich aufgeteilt, der Joker will das Reich beherrschen und hat ihm dafür einen technologischen Sprung nach vorne beschert.

Berittener Batman mit Gefolgschaft (Warner Bros.)

Zum Glück hat Batman nicht nur Alfred bei sich, der ihm schwarzen Tee zubereitet, sondern auch das Batmobil. Als das im Einsatz gegen Jokers Riesenroboter geschrottet wird, wird ein Batplane daraus, als das geschrottet wird, wird ein Batpod daraus und dann verwandelt es sich in eine Bat-Rüstung … Doch das ist nur ein Vorgeschmack darauf, was am Ende kommt, denn es fährt nicht nur jeder Schurke einen Transformer auf (der vom Palast zum Roboter wird), sie vereinen sich sogar zu einem Mega-Roboter. Und der kämpft dann gegen einen Riesen-Affen, der sich aus Millionen (!) von kleinen Affen zusammensetzt. Und wenn man meint, dass es bescheuerter nicht mehr geht, kommt eine Schar von Fledermäusen, die einen Riesen-Batman bilden …

Riesen-Roboter vs. Riesen-Affe

Nein, das ist kein Witz. Das passiert wirklich im Anime Batman Ninja. Zwischendrin fragt man sich, worin eigentlich der Sinn besteht, die Handlung im alten Japan spielen zu lassen, wenn man es auf hanebüchene Science Fiction anlegt. Aber sei’s drum. Vielleicht entspricht das ja dem japanischen Publikumsgeschmack. Genauso wie das kleine süße Äffchen, das Robin begleitet …

Riesen-Roboter gegen Riesen-Batman

Abgesehen von diesem peinlichen Quatsch macht Batman Ninja in großen Teilen Spaß. Die Story ist zwar nicht gerade innovativ oder überraschend, aber kurzweilig, die Charaktere erfüllen ihren Zweck, aber sind ohne Tiefe. Allein Batman bekommt Gelenheit, sich mal wieder selbst in Frage zu stellen und sich unabhängig von seinen Gadgets zu machen (dafür umso abhängiger von Affen und Fledermäusen). Der Joker ist so überdreht, dass sein Gelächter einem auf die Nerven fallen kann. Dafür gibt es atemberaubende Action-Szenen und ein paar Lacher, wie etwa Bruce Waynes Verkleidung als Mönch – mit Fledermaus-Tonsur.

Batman mit Familie.

Was aber wirklich beeindruckt ist die Animation. Die ist so aufwendig und detailreich, so vielfältig und künstlerisch ambitioniert, dass allein das Anschauen viel Freude bereitet – wenn man der flotten Action überhaupt folgen kann. Besonders eindrucksvoll gemacht ist eine Szene im Mittelteil, in der Red Hood (der einen sehr hohen roten Hut trägt) einen Bauern mit seiner Frau verdächtigt, Joker und Harley zu sein. Die Szene unterscheidet sich im Zeichenstil ganz vom Rest und verursacht nicht nur bei Batman ein Gefühl der Verunsicherung, wenn Red Hood auf die Unschuldigen losgeht. Solche Experimente, so viel Mut würde man auch manchen US-Produktionen wünschen.

Vier Schurken und drei Todesfallen

DC Comics

Titel: Batman 3D – Ego Trip (dt. Ego Trip)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1990 (One-shot), Paperback 2017 (DC Universe by John Byrne); dt. Carlsen 1997


Batman in 3D zu sehen, ist heute im Kino Standard. In den Comics gab es das schon 1953, als ein erstes 3D-Special erschien, zusammen mit einer passenden zweifarbigen Brille. Darin wurden drei bereits erschienene Batman-Storys wieder aufbereitet. Nachgedruckt wurde es 1966 – und eine Geschichte daraus auch 1990, in einem neuen 3D-Special.

John Byrne erzählt darin eine klassische Batman-Story mit Joker, Pinguin, Riddler und Two-Face. Darin verneigt er sich vor den Comics des Golden Age, insbesondere vor seinem Vorbild Dick Sprang. Batman geht einem Mordfall nach. Ein reicher Antiquitätensammler soll Suizid begangen haben, aber der Pinguin deutet in einem Video darauf hin, dass es Mord war.

Doch Batman wird zunächst abgelenkt vom Riddler, der ihm drei Rätsel aufgibt und ihn in eine Todesfalle lockt. Batman entkommt und lässt sich daraufhin von Two-Face (viel zu leicht: mit einem Netz) gefangen nehmen – und der steckt ihn wieder in eine Todesfalle. Und schließlich gerät er an den Joker, der sich (wer hätte das gedacht?) in einem stillgelegten Vergnügungspark versteckt. Statt einer Todesfalle gibt es einen Kampf gegen Two-Faces Zwillingsschergen und wilde Verfolgungsjagd mit Joker über Riesen-Requisiten wie eine Schreibmaschine (Dick Sprang lässt grüßen). Ehrlich gesagt eine schwache Vorstellung, die der Joker da abliefert.

Am Ende kommen wir endlich da aus, worauf es schon am Anfang hinausgelaufen ist: ein Showdown mit dem Pinguin (Todesfalle #3). Er ist der Mörder. Die Erklärung wird im Epilog nachgereicht. Überhaupt wird hier viel erklärt. Ständig liest man die Gedanken von Batman mit, der Selbstgespräche führt, damit man immer weiß, was in ihm vorgeht und klar wird, dass er immer Herr der Lage ist. Für Batman ist das alles Routine wie in einem altbekannten Spiel.

Ego Trip ist spannungsarm und vorhersehbar, funktioniert als Hommage aber ganz gut. Doch da gibt es auch noch Elemente, die sehr modern erscheinen: Der Joker flößt Riddler sein Gift intravenös ein, damit dieser einen langsamen Tod stirbt, und dann ist da noch ein Hinweis darauf, dass der Joker Robin getötet hat. Um welchen Robin es sich handelt, wird nicht erklärt. Damit wirkt der Comic wie ein unentschlossener Hybrid zwischen dem naiven Charme der Vergangenheit und abgeklärter Moderne.

Die Story bleibt flach – trotz 3D.

Hinweis: Ego Trip wurde ohne 3D-Effekt in schwarz-weiß nachgedruckt in DC Universe by John Byrne (siehe oben).

Mehr von John Byrne:

Noch einmal The Killing Joke

 

DC Comics

Zum 30-jährigen Jubiläum bringt DC im September eine neue Luxus-Ausgabe eines Klassikers heraus: Absolute Batman: The Killing Joke. Die Hardcover-Edition bekommt einen edlen Schuber und enthält Alan Moores und Brian Bollands Comic in drei Fassungen: in der neuen als auch in der alten Kolorierung von John Higgins sowie als 128-seitiges Script zum Lesen. Als Bonus gibt es Geschichten aus Batman: Black & White #4 („An Innocent Man“), Countdown #31, Who’s Who in the DC Universe #13 sowie Cover und Skizzen von Brian Bolland. Insgesamt soll die Ausgabe 128 Seiten umfassen.

Damit gibt es bereits drei Editionen: Vor zehn Jahren erschien bereits eine 64-seitige Deluxe Edition im Hardcover (die mit neuer Kolorierung), vor zwei Jahren eine Noir-Ausgabe in Schwarz-weiß, die ebenfalls die „An Innocent Man“-Story von Bolland enthielt. Allerdings fehlte bisher in jeder Ausgabe die Vorlage für die Story: „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951). Und ärgerlicherweise wird sie wohl auch in der Absolute-Ausgabe fehlen.

Auf dem deutschen Markt hat Panini 2016 das Buch zusammen mit der Zeichentrick-Adaption auf Blu-ray herausgebracht, 2017 folgte eine Neuausgabe in neuer deutscher Übersetzung. In der für diesen Sommer angekündigten Batman Graphic Novel Collection soll The Killing Joke ebenfalls vertreten sein. Frühere Ausgaben sind 2001 und 2008 bei Panini erschienen.

Persönliche Anmerkung: Ein alter Witz wird nicht besser, je öfter man ihn erzählt. Und dieser wirkt schon lange abgestanden.

>> Mehr Batman-Neuerscheinungen 2018

Knightfall #7: Knightquest – The Crusade

Bruce Wayne ist gebrochen und im Rollstuhl auf Reisen, Bane ist besiegt, jetzt macht Jean-Paul Valley als Batman die Stadt sicher. Oder vielmehr unsicher. Denn der einst zum Killer indoktrinierte junge Mann weiß noch immer nicht, wer er eigentlich ist und hat sich und seine Programmierung nicht im Griff. Aber da niemand da ist, um ihm auf die Finger zu schauen, kann er machen, was er will. Gotham dient ihm dabei als Spielwiese seiner Selbsterkenntnis.

Das verlassene Wayne Manor verkommt, nicht einmal die Bathöhle macht der Neue sauber. Nach Batmans Kampf gegen Bane liegen immer noch die Scherben der Robin-Vitrine herum, aber vorsichtshalber hat er schon mal den Durchgang zu Tim Drakes Haus zugemauert. Reine Sicherheitsmaßnahme, versteht sich. Heißt aber auch ganz klar: Robin ist unerwünscht. JP macht lieber sein eigenes Ding. Zum Beispiel ein neues Batmobil testen, das auf den Schienen der U-Bahn fährt. 300 Meilen pro Stunde im Tunnel? Das kann nur schiefgehen … Aber zum Glück tauchen zwei Bösewichte auf, die einen Zug voller Geld entführen wollen, da kann JP nach Herzenslust Wildwestheld spielen.

Ach ja, und dann ist da noch die Selbsterkenntnis. Dazu steigt JP nackt in einen Tank voller Wasser, wo er halluziniert. Netter Nebeneffekt: der Leser erfährt noch einmal in Kürze, was bisher geschah. JP bekommt von seinem eingebildeten St. Dumas gesagt, er müsse seinen Kreuzzug als Batman weiterführen. Und da JP macht, was man ihm sagt, legt er los. Gegen Gangsterbosse, gegen neue Schurken wie den Tally Man und einen Profikiller namens Mekros, der genauso wie er konditioniert ist zum Töten und eine Rüstung trägt. Lauter Routine-Aufgaben, im Vergleich zu Bane alles Leichtgewichte, aber der neue Batman tut sich dennoch schwer damit. Aber auch nicht zu schwer, die meisten sind nach zwei Ausgaben erledigt.

Catwoman und Joker

Der neue Batman lässt sich von Catwoman betören, es kommt zu einem körperbetonten Duell, das auf einem Missverständnis beruht. JP hält Selina Kyle für eine Terroristin, die Menschen mit einem Nervengas ermorden will, aber ihre Absichten sind ganz andere. Eine belanglose und zu lang erzählte Episode. Ganz ähnlich die mit dem Joker. Der dreht nämlich einen Film, in dem Batman sterben soll. Aber das Unternehmen ist so halbherzig umgesetzt, dass es nie wirklich um Leben und Tod geht (außer für ein paar unwichtige Nebenfiguren). Joker ist hier bloß wieder Clown, der seine nervigen Späße treibt. Batman bricht ihm am Ende beide Arme – aber dem Joker reichen auch seine Beine, um gefesselt aus einem Krankenwagen zu entkommen …

JP offenbart sich ein paarmal mehr als Fanatiker, der sich selbst nicht im Griff hat. Immer wieder erscheint ihm sein Vorbild St. Dumas und schärft ihm die Wichtigkeit seines Kreuzzugs ein. Später auch sein Vater, der einst als Racheengel Azrael unterwegs war. JP ist hin- und hergerissen. Der Sohn geht äußerst brutal vor, er prügelt besinnungslos auf seine Gegner ein, zerfetzt ihnen das Gesicht mit seinen Klauen und muss sich zusammenreißen, sie nicht zu töten. Andere lässt er laufen, weil sie ihm nicht der Mühe wert erscheinen. Ein Sozialleben hat er nicht. Statt zu schlafen, bastelt er immer wieder an seiner Rüstung rum. Im Laufe der Storyline verändert er ihr mehrmals ihr Design und macht sie zu einer Waffe.

Der Fall Abattoir

Den größten Teil nimmt die Jagd nach Abattoir ein, einem Serienkiller, der es auf seine Familienmitglieder abgesehen hat. Dieser Plot, der mit Batman #505 beginnt, erstreckt sich fast über die zweite Hälfte von The Crusade, involviert neben einigen nervigen Nebenfiguren auch Clayface 3 und Lady Clayface – und ermüdet auch sehr bald. Allerdings kommt es in Batman #508 zu einem entscheidenden Wendepunkt: JP lässt Abattoir sterben. Und dadurch stirbt auch ein weiteres Opfer des Serienkillers. In der Folge hat Commissioner Gordon genug von diesem neuen Batman. JP ist das egal, er rüstet erneut auf – zum letzten Kampf mit dem Profikiller Gunhawk (noch so einer!). Und am Ende taucht Bruce Wayne wieder auf, eigentlich will er sich zur Ruhe setzen. Aber als er sieht, was JP angerichtet hat, stellt er ihn zur Rede und beschließt, seinen Stellvertreter zu entmachten …

The Crusade ist weniger eine Storyline mit einer zusammenhängenden Handlung, sondern eine Reihe von kurzen Geschichten, die nur zum Teil aufeinander Bezug nehmen. Der Spannungsbogen liegt vielmehr in der Entwicklung des Charakters Jean-Paul Valley zum Psycho, der sich nur wenig von seinen Gegnern unterscheidet. Allerdings: So dramatisch ist die Veränderung nun auch wieder nicht. JP tötet Abattoir nicht, er hadert einfach zu lange mit sich, sodass der Killer irgendwann selbst in den Tod stürzt. Dass Batman nicht selbst zum Killer wird, zeigt sich darin, dass er kurz darauf Gunhawk verschont.

Er geht drastischer mit seinen Gegnern um, lässt Wayne Manor verlottern und schottet sich von der Batman-Familie ab. Dennoch bleibt er ein empathischer Held, der einige Male sogar Kinder rettet. So ganz leuchtet die Dringlichkeit also nicht ein, ihn abzusetzen. Außer, dass er nicht freiwillig gehen will. Bruce Wayne hat viel zu leichtsinnig sein Erbe einem unberechenbaren und labilen Mann anvertraut. Der zweite große Fehler nach Bane.

Muss man The Crusade lesen, das immerhin über 600 Seiten lang ist? Nicht unbedingt ganz. Es gibt viele Ausgaben, die man überspringen kann, wenn man ungeduldig ist. Wichtig wird es erst ab Batman #505. Aber auch schon vorher gibt es einige interessante Momente: Batmans Raserei durch die U-Bahn-Schächte, seine Konfrontation mit Robin. Und die klaren Zeichnungen von Graham Nolan und auch die abseitigen von Vincent Giarrano (Shadow of the Bat) sind wahre Hingucker. Die Gunhawk-Episode lässt sich sogar als sozialkritischer Kommentar auf den Waffen-Irrsinn der USA lesen: Wozu braucht Gotham, die Mord-Hauptstadt, eine Waffenmesse? Ein Seitenhieb, der leider immer noch aktuell ist …

The Crusade ist im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012) sowie im Knightfall Omnibus Vol. 2 (2017) erschienen. Eine deutsche Ausgabe fehlt bislang.

Mehr zu Knightfall:

Batman heiratet und trifft Black Lightning

DC Comics

Im Sommer wird es soweit sein: Batman und Catwoman heiraten in Batman #50. In den beiden Ausgaben zuvor wird es in der Story The Best Man darum gehen, dass der Joker versucht, das zu verhindern, indem er Batman entführt. Im Mai und Juni werden zudem fünf One-Shots erscheinen, die das Prelude to the Wedding bilden: Robin Vs. Ra’s al Ghul, Nightwing Vs. Hush, Batgirl Vs. The Riddler, Red Hood Vs. Anarky, Harley Quinn Vs. The Joker.

Alle Ausgaben werden verfasst von Tim Seeley und gezeichnet von jeweils verschiedenen Künstlern. Die fünf Cover werden aber von Rafael Albuquerque stammen und zusammen eine Einheit bilden.

DC Comics

Außerdem gibt es neues von der Serie Detective Comics zu vermelden: Autor James Tynion IV wechselt zu Justice League: No Justice, ab Ausgabe 982 übernimmt Bryan Hill (Postal, Cyberforce) die Serie. Im Juni beginnt die fünfteilige Story „On the Outside“, in der Batman auf Black Lightning trifft. Der Superheld erlebt gerade mit der gleichnamigen TV-Serie (bei uns auf Netflix) ein umjubeltes Comeback. 1983 war er bereits in Batmans Team The Outsiders.

Von James Tynion IV erscheinen in diesem Jahr noch die Bände A Lonely Place of Living (April), Fall of the Batmen (Juni) sowie im Herbst der wahrscheinlich letzte, noch unbenannte Teil.

König Joker und der Fensterputzer

Titel: The Great Pretender/King Joker

Autor/Zeichner: James Robinson/Christian Alamy

Erschienen: 1994 (Showcase ’94 #1-2)


„I’ve a ‚clown to the left of me and a joker to the right‘.“ (Joe White)

Es gibt Comics, die vergisst man, sobald man sie gelesen hat. Es gibt Comics, die in Erinnerung bleiben – im Guten oder Schlechten. Und es gibt Comics, die Eindruck hinterlassen, ohne dass man sagen kann, warum. Sie hinterlassen ein seltsames Gefühl. Vielleicht sind das die interessantesten. Autor James Robinson hinterlässt eigentlich immer Eindruck mit seinen Werken. Egal, ob mit Blades oder Face the Face – er schreibt herausragend.

Für die Serie Showcase ’94 schrieb er einen Zweiteiler über den Joker, dessen Geschichte sich nicht in der bloßen Nacherzählung erschöpft. Da ist zum einen ein Joker mit langen Haaren, der bei einem Massaker Babys mit einer Probe seines Giftes zum Grinsen bringt. Und plötzlich – Szenenwechsel – ist da ein junger Fensterputzer, Joe White, der im Krankenhaus aufwacht, nachdem er von einer Leiter gestürzt ist. Joe lebt in einem Gotham, das einem düsterem Märchenreich gleicht. Hier regiert der Joker als König und residiert auf Schloss Arkham. Batman ist ein schwarzer Dämon, der gegen ihn kämpft, um die Macht zu erlangen.

Joker und Joe

Das muss ein Traum sein, denkt sich Joe und eifert seinem Vorbild nach. In der Nacht schminkt er sich wie der Joker und schlachtet seine Frau ab. Er fliegt mit einem fledermausförmigen Hängegleiter (nach Da Vinci-Vorbild) nach Arkham, wo er auf einen monströsen Joker trifft: nackt, muskelbepackt, mit riesigen Klauen und einem Totenkopfgesicht. Da taucht plötzlich Batman auf, der gegen den Joker kämpfen will. Doch den Kampf nimmt stattdessen Joe auf …

Blauer Dämon: Batman

Die Auflösung am Ende: Was wir sehen, ist Jokers Traum, verursacht durch ein Wahrheitsserum. Dashaben ihm Jokers Handlanger verabreicht, um herauszufinden, wo er das Geld versteckt hat, das sie ihm abknöpfen wollen. Joker rächt sich auf grausamste Weise, weiß aber die Abwechslung zu schätzen, die ihm bereitet wurde.

Der Zweiteiler ist eine beklemmende Fantasie, in der Jokers Innenwelt abstrahiert wird. Ein seltener Einblick in eine verdrehte Welt voller Horror. Herausragend gezeichnet. Interessant erzählt. Offen für Interpretationen. So leicht wird man damit nicht fertig.

Mehr zum Joker:

Knightfall #5: Broken Bat

Bane bricht Batman in Knightfall. (DC Comics)

Bane befreit alle Insassen aus Arkham Asylum und in Gotham bricht das Chaos aus. Der angeschlagene Batman nimmt sich einen nach dem anderen vor: Mad Hatter, Ventriloquist (Bauchredner), Szasz, Firefly, Poison Ivy und noch ein paar Zweitligisten. Helfen lassen will er sich nicht, aus falschem Stolz heraus meint er, alles allein zu schaffen. So denkt übrigens auch Bane, der Batman für sich haben will, nur dass der besser in Form ist (auch dank der Droge Venom) und Hilfe von Handlangern in Anspruch nimmt. Joker und Scarecrow verbünden sich, entführen den Bürgermeister Krol und lassen ihn unter Einfluss von Angstgas noch mehr Unheil stiften. Auch die Polizei kommt nicht mehr hinterher. Am Ende, als Batman den Bürgermeister gerettet hat, steht Batman noch erschöpfter da als am Anfang. Dann lässt Bane auch noch seine Schergen Trogg, Zombie und Bird auf ihn los. (Zwischendurch wird noch Robin von Bane gefangen genommen, nachdem er sich befreit hat, überwältigt er den Riddler.)

Man fragt sich: Was soll noch alles passieren? Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann: Bane will Batman brechen. Und beim Showdown in der Bathöhle passiert genau das. Das Finale ist dramatisch und furios: Alfred ist sein erstes Opfer, dann schlägt er Batman das letzte Bisschen Lebenskraft aus dem Körper und bricht ihm schließlich das Rückgrat. Dabei zerlegt Bane einige Symbole aus Wayne Manor und der Bathöhle, die alte Uhr, die Vitrine, in der Jason Todds Robin-Kostüm aufbewahrt wird, er lässt den Riesenpenny auf Batman fallen.

Nicht von ungefähr wurde der finale Stoß so ikonisch, dass er in den folgenden Jahren totzitiert wurde:

Azrael #37, Detective Comics #740, Batman: The Dark Knight #6. (DC Comics)

Aber auch über die Cover hinaus scheint es kaum einen Auftritt von Bane zu geben, bei dem er nicht jemanden übers Knie legt – oder selbst den Rücken gebrochen bekommt. Im Jahr 2012 wurde das Comic-Ereignis in The Dark Knight Rises verfilmt. Noch in I Am Suicide (DC Rebirth) springt er zunächst Batman ins Kreuz, dann revanchiert sich Catwoman mit der gleichen Geste. Bei aller Liebe zur Tradition und Verehrung für Figur: Dadurch nutzt sich die ikonische Szene zum Klischee ab.

Aber zurück zum Ursprung: Für Batman wird Bane zu einem Trauma so wie einst der Mord an seinen Eltern oder der Verlust von Jason Todd. Interessant ist, dass Bane im Gegensatz zu anderen Schurken keine Vorgeschichte mit Batman hat. Er ist einfach plötzlich da und rücksichtslos macht er Batman fertig, zuerst psychisch und dann körperlich, ohne persönlich einen Groll gegen ihn zu hegen. Bane hat schlimmer gelitten als Bruce Wayne und hat sich selbst daraus befreit, er ist ebenso besessen, er ist im geistig ebenbürtig und körperlich überlegen. Bane verkörpert damit die reine Willkür des Bösen und steht auch für Batmans Machtlosigkeit. So kommt es zur ultimativen Demütigung. Batman zu töten wäre zu einfach, deshalb lässt Bane ihn als gebrochenen Mann leiden. Ein denkwürdiges Stück Comic-Geschichte.

Knightfall: Broken Bat (Batman #491-497, Detective Comics #659-663) ist vollständig im Paperback Knightfall Vol. 1 enthalten sowie in Knightfall Bd. 1 von Panini.

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Batman auf der Anklagebank

Joker als Richter

Titel: Trial (dt. Der Prozess)

Drehbuch/Story: Paul Dini, Bruce Timm

Erschienen: 1994 (Batman: The Animated Series S02E03)


„Ich persönlich war ja mehr für einen Schuss zwischen die Augen, verlor aber beim Münzenwerfen.“ (Two-Face)

Die neue Bezirksstaatsanwältin, Janet Van Dorn, ist kein großer Fan von Batman. Sie will ihn aufhalten. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie von den Schurken nach Arkham entführt. Dort haben die Irren die Anstalt übernommen und halten einen Schauprozess über Batman ab. Joker als Richter, Two-Face als Staatsanwalt, die restliche Rogues Gallery als Geschworene. Van Dorn soll ihn verteidigen. Sie spielt mit – auch wenn das Spiel keinen Sinn ergibt, weil die Verrückten ohnehin tun, was sie wollen.

Verteidigung und Geschworene

Die Anklage: Batman hat Joker und Co. zu dem gemacht, was sie sind. Van Dorn kann das zwar widerlegen, die Geschworenen sprechen Batman frei – und trotzdem wird er verurteilt. Bevor er hingerichtet wird, soll er demaskiert werden, aber da erweist sich die Verteidigerin als Retterin in der Not.

Demaskierung vor der Hinrichtung

Die Episode hat einige witzige Situationen und starke Momente. Aber die größte Stärke dieser Folge besteht nicht nur im Spaßfaktor völligen Irrsinns und in dem All-Star-Ensemble der Schurken, sondern auch, dass die Figuren sehr kritisch hinterfragt werden – genauso wie Batman selbst. Dass am Ende nicht nur Van Dorn, sondern auch Batman für eine Stadt ohne Batman kämpfen wollen, ist ein perfekter Abschluss: Batman ist die Verneinung seiner selbst. Er ist da, um sich überflüssig zu machen.

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Batman-Killer wider Willen

Titel: The Man Who Killed Batman (dt. Der Mann, der Batman getötet hat)

Drehbuch: Paul Dini

Erschienen: 1993 (Batman: The Animated Series S01E51)


Der Kleinganove Sidney Debris will in Rupert Thornes Gang aufsteigen. Seine Mitstreiter halten nicht so viel von ihm, sie nehmen ihn bloß als Beute für Batman mit, damit sie ungestört ihr Ding drehen können. Doch als es zur Konfrontation mit dem Dunklen Ritter kommt, stürzt dieser durch Zufall vom Dach, ein Gastank explodiert – es sieht als, als wäre Batman tot. Daraufhin bekommt er unter dem Beinamen „The Squid“ den Ruf, der Mann zu sein, der die Fledermaus erledigt hat.

Jokers Sarg für Batman

Kurz darauf nimmt sich der Joker seiner an. Denn wenn Batman tot ist, dann ist nicht nur das Verbrechen keinen Spaß mehr, dann wurde er auch um das Vergnügen gebracht, seinen Erzfeind selbst zu erledigen. Bei einer Trauerfeier im ACE-Chemiewerk wird Sidney Debris im Säuretank versenkt …

Der Joker zeigt, wo es langgeht.

Wie immer bewahrheitet sich die alte Weisheit: Keine Leiche, keine Toten. Klar, Batman kann nicht sterben. Muss er auch nicht. Zwar fehlt er die meiste Zeit in dieser Folge, aber man vermisst ihn nicht. Seine Präsenz ist ständig spürbar, ob in der Betroffenheit der Polizei oder in dem Verhalten der Verbrecher. Allen voran der Joker, der ständig zwischen aufrichtiger Trauer um seinen Kontrahenten, Albernheit und Ärger changiert. Batman fehlt allen. Und ist dadurch ständig präsent.

Der eigentliche Held aber ist der kleine Sidney Debris, der tollpatschig von einer Klemme in die nächste gerät, nur weil er sich nach Anerkennung sehnt. Batman rettet ihn und macht ihn auf ungewöhnliche Weise glücklich. Eine rundum spaßige Folge.

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Der falsche Joker

DC Comics

Titel: Wildcard/Judgements

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Jim Aparo

Erschienen: 1990 (Batman #450-451), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 3)


„There’s a certain freedom in letting insanity rule.“

Dass der Joker seinen Humor verliert, das kommt nicht erst im War of Jokes and Riddles vor: Schon nach dem Vorfall mit Jason Todd ist der Joker nicht mehr derselbe. Schmerzgeplagt und verwirrt kauert er in seinem Versteck und muss im Fernsehen mitansehen, wie ein Betrüger seine Rolle übernimmt. Doch der falsche Joker erzählt bloß miese Witze und will sich nur bereichern. Das kann das Original nicht auf sich beruhen lassen.

Joker, deprimiert und mit roter Haube

Und dann sind da noch Batman und James Gordon. Der Fall öffnet bei ihnen wieder frische Wunden: Batman hat Jason Todd (Robin II) an den Joker verloren (vgl. A Death in the Family), Gordons Tochter Barbara wurde von ihm verkrüppelt und gedemütigt (siehe The Killing Joke). Batman fragt sich, ob er sich das nächste Mal wird zurückhalten können und warum er seinen Widersacher nicht einfach erschießt. Gordon ist da ganz ähnlich.

Der Joker-Nachahmer hat große Ambitionen, er will Erfolg haben, wo der Joker gescheitert ist. Aber seine Motivation erschließt sich nicht wirklich. Er ist ein unsympathischer Typ, den man bloß schnell loswerden will, um den Status quo wieder zu haben. Umso sympathischer wirkt der echte Joker, der von einer sehr menschlichen Seite gezeigt wird: voller Selbstzweifel, in einer Identitätskrise steckend, manchmal überraschend, wenn er etwa für eine Zeitung bezahlt. Am Ende ist man froh, dass er wieder da ist – zurück in Arkham, wo sein ganz normaler Wahnsinn wiederhergestellt wird.

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