Batman

All-Star Alfred und die Piraten

Titel: All-Star Batman Vol. 3 The First Ally (dt. Der Verbündete)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Rafael Albuquerque

Erschienen: 2017-2018 (All-Star Batman #10-14), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (Paperback)


„He’s an absurd human being, is the truth … bloody absurd. And I love him for it.“ (Alfred)

Batman jagt Hush in Florida, er will an die Genesis Engine herankommen, eine Technologie, mit der man Zellen erneuern und überschreiben kann. Als Bruce Wayne gerät er an moderne Piraten, kämpft mit Krokodilen und trifft auf einen neuen Schurken: Nemesis, einen Supersoldaten mit scharfen Klingen.

Doch eigentlich ist das weniger eine Batman-Story. Eigentlich geht es um Alfred Pennyworth. Der ist hier nicht Bruce Waynes Butler. Eher ist Batman hier nur sein Sidekick. Denn Alfred hat eine Vergangenheit, die weit über einen Armee-Einsatz hinausgeht. Er war in einer geheimen Einheit tätig, geführt von einem Mann namens Briar. Alfred machte eine Ausbildung zum Supersoldaten durch. Und jetzt dürft ihr alle mal raten, wer Nemesis ist …

Scott Snyders Abschluss seiner All-Star Batman-Serie ist also eine Mogelpackung. Zum Konzept der Serie gehörte es ursprünglich, nicht nur mit verschiedenen Lieblingszeichnern zusammenzuarbeiten, sondern auch Storys mit klassischen Batman-Schurken zu erzählen. In Teil eins war es Two-Face (neben vielen anderen wie Pinguin, Black Mask, KGBeast), in Teil zwei Mr. Freeze, Poison Ivy, Mad Hatter und Ra’s al Ghul. Wahrscheinlich weil nach diesen zwei riesigen Schurken-Aufgeboten keiner mehr übrig war, haben in diesem dritten Teil Gegner wie Hush nur Gastauftritte. Der Hauptgegner ist ein Neuer.

Und zugleich ein alter Bekannter aus Alfreds Vergangenheit. Weil es hier mehr um Alfred als um Batman geht, führt der Titel in die Irre. Was wir bekommen, ist ein ganz neuer Alfred. Einer, der mehr an die Earth One-Version erinnert als an den, den uns Scott Snyder bisher gezeigt hat. Kein steifer Butler mehr, sondern ein Action-Held, dessen Weg einige Leichen pflastern und der völlig aus der Rolle fällt, als er mit einem Maschinengewehr ein Flugzeug abschießt, in dem ein schwer verletzter Batman liegt – immerhin eine Art Sohn für ihn.

Wenn man sich mit diesem drastischen Ansatz anfreundet, ist The First Ally eine solide Alfred-Story, die dem Charakter viel Raum lässt. Viele Rückblenden, viel Introspektion (und wie immer viel Text). Alfred outet sich als junger Rebell und Fan von Piraten-Geschichten. Und so ist auch diese genau das: eine Hommage an das Genre und zugleich der Versuch einer modernen Adaption. Auf eine kurzweilige Art unterhaltsam, aber immer over the top und leider auch mit einigen Klischees á la „es steckt noch Gutes in ihm“.

Aber es gibt ja nicht nur was zu lesen, sondern auch viel zu schauen. Über die Zeichnungen von Rafael Albuquerque muss man kein Wort mehr verlieren, die sind wie immer stark – und dank der knalligen Farben von Jordie Bellaire ist das Serien-Finale auf jeden Fall ein Spektakel fürs Auge.

Mehr von Scott Snyder:

Knightfall #9: KnightsEnd

Bruce Wayne ist wieder da: geheilt von seinem Rückenleiden, aber noch nicht ganz fit, um wieder Batman zu sein und sich die Rolle von Jean-Paul Valley zurückzuholen. Denn der Stellvertreter ist zu brachial in seinem Vorgehen und hat Visionen – und damit sollte man bekanntlich lieber zum Arzt gehen. Aber JP denkt daran genauso wenig wie ans Aufgeben.

Bruce mit Tengu-Maske (Batman #509)

Um wieder in Form zu kommen, sucht Bruce Lady Shiva auf, eine Meisterin des Kampfes. Sie denkt sich als Fitnessprogramm etwas Besonderes für ihn aus: Shiva setzt sich eine Tengu-(Fledermaus)-Maske auf, tötet einen alten (armlosen) Meister im Kampf und hetzt damit sieben seiner Schüler auf Bruce, um sich an ihm zu rächen. Bruce muss also im Training um sein Leben kämpfen. Aber dankenswerterweise beginnen die Attentäter mit dem schwächsten und steigern sich.

Am heftigsten sind aber die verbalen Angriffe von Nightwing, denn Bruce muss sich die unangenehme Frage gefallen lassen, warum er die Rolle von Batman einem Psycho überlassen hat. Bruce sieht den Fehler ein. Aber dann wird er dazu gebracht, seine Grundregel zu brechen …

Während der alte Held sich wieder hochkämpft, um wieder seiner Rolle würdig zu werden, dreht JP völlig durch, während ihn immer noch St. Dumas und sein Vater heimsuchen. Zur Ablenkung mischt er ein paar Waffenschieber auf. Dabei findet er die alte Medaille seines St. Dumas-Ordens und meint, darin einen Beleg gefunden zu haben, dass sein alter Feind LeHah noch lebt. Auch deshalb, weil nach seiner letzten Konfrontation keine Leiche gefunden wurde. Er macht sich also auf die Suche nach ihm, aber auch wenn er einen Gangster nach dem anderen hochnimmt, bringt die Suche nicht viel.

Nachdem Bruce seinen siebten Gegner besiegt hat, zieht er sich wieder das Batman-Kostüm an, schwingt sich wieder an Wasserspeiern entlang und konfrontiert Jean-Paul Valley. Es kommt zu einem ausgedehnten Kampf, der von einem Hochhaus über einen Hubschrauber auf eine Brücke führt. Robin und Nightwing mischen mit, es kommt zum Duell zwischen Dick Grayson und einem plötzlich roten JP-Batman. Das Finale spielt sich aber wieder zwischen Bruce und JP in Wayne Manor und der Bathöhle ab …

Batman vs. Batman: Das Finale (Legends of the Dark Knight #63)

Dieser letzte Part ist wunderbar. Ohne zu viel zu verraten: Am Ende hat man das Gefühl, einen richtig gut durchdachten, runden Abschluss für dieses lange Epos gefunden zu haben. Der Kampf endet nicht durch körperliche Überlegenheit, sondern auf einer geistigen Ebene. Ohne Prügel, Rüstungen und Gimmicks. KnightsEnd ist auch sonst ein durchgehend spannender letzter Akt, der sich genug Zeit lässt, um Bruce wieder zu Batman zu machen, aber genug Action aufbietet, so dass es nie langweilig wird. Immer wieder steht der Held auf einem Hochhaus und hadert mit sich, ob er den Sprung ins Ungewisse riskieren kann. Batman zu sein muss er sich wieder verdienen. Damit ist der dritte Teil der Saga mindestens so gut wie der erste.

Allein die letzten drei Kapitel, die den Epilog (Aftermath) bilden, sind entbehrlich: Wir sehen noch einmal Robin und Catwoman in Aktion und einen hilflos brütenden Jean Paul Valley. Man braucht es nicht für den Fortgang der Geschichte, das Nachspiel mit Catwoman ist sogar überflüssig, aber nach einem so aufregenden Pageturner tut etwas Ruhe vielleicht auch gut.

Hinweis: KnightsEnd ist vollständig in dem US-Paperback Knightfall Vol. 3: KnightsEnd enthalten, auf Deutsch bei Panini als Batman: Knightfall – Der Sturz des Dunklen Ritters Bd. 3 (beide 2012), allerdings ohne die beiden letzten Kapitel von Aftermath.

Mehr zu Knightfall:

Knightfall #8: Knightquest – The Search

Wenn Jean-Paul Valley der neue Batman ist: Was macht eigentlich Bruce Wayne? Der sitzt im Rollstuhl – und ist sehr mobil. Da vor seinen Augen Jack Drake (Vater von Robin Tim Drake) und dessen Ärztin Shondra Kinsolving entführt worden sind, macht er sich zusammen mit Alfred auf, sie wiederzufinden. Die erste Station führt sie nach Santa Prisca, der Heimat von Bane. Dort sucht sich Bruce wegen seines Rückenleidens Unterstützung dreier Helden: Bronze Tyger, Gypsy und Green Arrow. Aber der Einsatz geht schief – und die Entführer entkommen.

Die Jagd führt nach England. Aber nur für Bruce und Alfred. Weil die anderen nicht mitkommen (warum eigentlich nicht?), sucht Bruce Hilfe bei Hood, dem Vigilanten von London. Der stiehlt für ihn eine Akte über den Entführer, Benedict Asp. Aber danach versucht Bruce wieder sein Glück allein, inkognito als reicher Edelmann – obwohl er kaum stehen kann. Wir erfahren, dass Asp und Shondra zusammen telepathische Kräfte haben, mit denen sie heilen oder töten können. Asp zwingt Shondra zu einem Massenmord an einem ganzen Dorf. Immerhin wird Jack Drake in Sicherheit gebracht. Er war nur das Druckmittel, um Shondra zu erpressen.

Jean Paul Valley mischt als Batman mit.

Dritte Station: Gotham. Asp erpresst den Präsidenten. Will Bruce Wayne töten. Bruce ist plötzlich verliebt in seine Ärztin. Will sie retten. Alfred hat keine Lust mehr und verlässt ihn (aber putzt noch einmal Wayne Manor, um der guten Zeiten Willen). Am Ende kann Bruce Shondra zwar retten und sich von ihr heilen lassen, aber die Liebe geht schief. Alles beim Alten. Und Bruce hat in all der Zeit nicht mitbekommen, was in Gotham mit Aushilfs-Batman Jean Paul Valley vor sich geht. Erst am Ende (in Robin #7) realisiert er die Gefahr und will JP absetzen. Der aber weigert sich.

Es bleiben Fragen offen: Warum holt sich Bruce Wayne nicht weitere Hilfe für seine Rettungsmission? Warum darf Robin nicht mitkommen, um seinen Vater zu retten (vor allem, wenn er in Gotham überflüssig ist)? Warum strapaziert er seinen Rücken immer mehr und verhindert seine Genesung? Die Antwort steht zwischen den Zeilen und kann nur lauten: Weil Bruce Wayne auch noch als Krüppel und ohne Fledermauskostüm Batman ist. Dennoch bleibt die Frage: Warum hat ihn Dr. Kinsolving nicht schon in Gotham geheilt?

Trotz erheblicher Lücken im Plot liest sich die achtteilige Story flüssiger und kurzweiliger als der überstrapazierte Jean-Paul-Valley-Teil The Crusade. Auch wenn Bruce Waynes entbrannte Liebe bemüht wirkt, ist die emotionale Bindung zwischen ihr und Asp durch eine gemeinsame, tragische Kindheit in einer typischen Melodramatik immerhin so gut ausgearbeitet, dass die Geschichte einen nicht kalt lässt. Aber dass die Heilung schließlich nur ganz nebenbei in einem kleinen Panel erledigt wird, ist angesichts des groß angelegten und höchst traumatischen Knightfalls enttäuschend. Von Bane ist leider nicht mehr die Rede.

The Search ist bisher nur im Knightfall Omnibus Vol. 2 erschienen und soll im November als Paperback herauskommen. Die Einzelausgaben gibt es digital bei Comixology: Justice League Task Force #5-6, Shadow of the Bat #21-23 (auch im Sammelband Shadow of the Bat Vol. 2), Legends of the Dark Knight #59-61. Das letzte Kapitel, Robin #7, findet sich im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012). Eine deutsche Ausgabe fehlt.

Mehr zu Knightfall:

Frank Miller schreibt Carrie Kelley-Comic

DC Comics

Frank Miller kann’s nicht lassen. Nach dem dritten Teil seines Dark Knight und dem Prequel The Last Crusade, die er zusammen mit Brian Azzarello schrieb, kommt nun noch ein Spin-off: ein Comic über Carrie Kelley. Die junge Frau war der erste weibliche Robin, im zweiten Teil als Catgirl unterwegs, schließlich wurde sie sogar Batgirl. Miller schreibt eine Story, die für junge Leser geeignet sein soll, Ben Caldwell (PREZ) zeichnet die „Graphic Novel“. Zur Handlung und Veröffentlichtung ist noch nichts bekannt.

Zusammen mit dem bereits angekündigten Superman: Year One soll Miller insgesamt fünf neue Projekte für DC realisieren. Welche die anderen sind, ist noch offen. DC gibt Informationen wie immer nur tröpfchenweise heraus, damit jede einzelne Pressemitteilung stärkeres Gewicht bekommt.

Eine Vorschau auf Superman: Year One (gezeichnet von John Romita Jr.) gibt es hier.

 

Noch einmal The Killing Joke

 

DC Comics

Zum 30-jährigen Jubiläum bringt DC im September eine neue Luxus-Ausgabe eines Klassikers heraus: Absolute Batman: The Killing Joke. Die Hardcover-Edition bekommt einen edlen Schuber und enthält Alan Moores und Brian Bollands Comic in drei Fassungen: in der neuen als auch in der alten Kolorierung von John Higgins sowie als 128-seitiges Script zum Lesen. Als Bonus gibt es Geschichten aus Batman: Black & White #4 („An Innocent Man“), Countdown #31, Who’s Who in the DC Universe #13 sowie Cover und Skizzen von Brian Bolland. Insgesamt soll die Ausgabe 128 Seiten umfassen.

Damit gibt es bereits drei Editionen: Vor zehn Jahren erschien bereits eine 64-seitige Deluxe Edition im Hardcover (die mit neuer Kolorierung), vor zwei Jahren eine Noir-Ausgabe in Schwarz-weiß, die ebenfalls die „An Innocent Man“-Story von Bolland enthielt. Allerdings fehlte bisher in jeder Ausgabe die Vorlage für die Story: „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951). Und ärgerlicherweise wird sie wohl auch in der Absolute-Ausgabe fehlen.

Auf dem deutschen Markt hat Panini 2016 das Buch zusammen mit der Zeichentrick-Adaption auf Blu-ray herausgebracht, 2017 folgte eine Neuausgabe in neuer deutscher Übersetzung. In der für diesen Sommer angekündigten Batman Graphic Novel Collection soll The Killing Joke ebenfalls vertreten sein. Frühere Ausgaben sind 2001 und 2008 bei Panini erschienen.

Persönliche Anmerkung: Ein alter Witz wird nicht besser, je öfter man ihn erzählt. Und dieser wirkt schon lange abgestanden.

>> Mehr Batman-Neuerscheinungen 2018

Batman, der Terminator

Batman mit Verkabelungsproblemen.

Titel: His Silicon Soul (dt. Seelen aus Silizium)

Drehbuch: Marty Isenberg, Robert N. Skir

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series S01E62)


Als Einbrecher ein Lager für Elektroteile aufsuchen, bricht plötzlich Batman aus einer Kiste aus und überführt sie. Doch etwas stimmt nicht mit ihm: Es stellt sich heraus, dass er ein Roboter ist. Das überrascht ihn selbst. Er kommt nach Wayne Manor, er erinnert sich an seine Eltern, an Alfred, aber als Alfred die Kabel aus dessen Brust hängen sieht, ist er schockiert.

Robo-Batman erkennt seinen Vater.

Nachdem der Roboter-Batman weg ist, taucht der echte Batman auf. Seine Vermutung: der falsche Batman ist ein Duplikat aus Karl Rossums HARDAC-Fabrik – allerdings müsste sie vor Monaten zerstört sein. Rossum hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen und pflanzt jetzt Gemüse an. Als sich herausstellt, dass der böse Computer HARDAC im künstlichen Batman fortbesteht und immer noch alle Menschen durch Roboter ersetzen will, kommt es zum Unvermeidlichen: Batman kämpft gegen den Roboter-Batman.

Terminator-Batman mit Schwert.

Wie schon in der herausragenden Doppelfolge Heart of Steel spielt auch diese Episode mit dem Horror von künstlichen Lebensformen. Diesmal wird Batman zu einer Art Terminator mit roten Augen, der sich sein menschlich wirkendes Gesicht nur wie eine Gummimaske über den stählernen Schädel stülpt. Am Ende ist er nur noch halbgesichtig unterwegs. Doch er ist nicht nur ein Monster, sondern ein Wesen mit einem eigenen Bewusstsein und Gefühlen. So kommt es dazu, dass Batman sich am Ende fragt, ob diese Maschine nicht vielleicht doch eine Seele hatte …

Mehr zum Thema:

Knightfall #7: Knightquest – The Crusade

Bruce Wayne ist gebrochen und im Rollstuhl auf Reisen, Bane ist besiegt, jetzt macht Jean-Paul Valley als Batman die Stadt sicher. Oder vielmehr unsicher. Denn der einst zum Killer indoktrinierte junge Mann weiß noch immer nicht, wer er eigentlich ist und hat sich und seine Programmierung nicht im Griff. Aber da niemand da ist, um ihm auf die Finger zu schauen, kann er machen, was er will. Gotham dient ihm dabei als Spielwiese seiner Selbsterkenntnis.

Das verlassene Wayne Manor verkommt, nicht einmal die Bathöhle macht der Neue sauber. Nach Batmans Kampf gegen Bane liegen immer noch die Scherben der Robin-Vitrine herum, aber vorsichtshalber hat er schon mal den Durchgang zu Tim Drakes Haus zugemauert. Reine Sicherheitsmaßnahme, versteht sich. Heißt aber auch ganz klar: Robin ist unerwünscht. JP macht lieber sein eigenes Ding. Zum Beispiel ein neues Batmobil testen, das auf den Schienen der U-Bahn fährt. 300 Meilen pro Stunde im Tunnel? Das kann nur schiefgehen … Aber zum Glück tauchen zwei Bösewichte auf, die einen Zug voller Geld entführen wollen, da kann JP nach Herzenslust Wildwestheld spielen.

Ach ja, und dann ist da noch die Selbsterkenntnis. Dazu steigt JP nackt in einen Tank voller Wasser, wo er halluziniert. Netter Nebeneffekt: der Leser erfährt noch einmal in Kürze, was bisher geschah. JP bekommt von seinem eingebildeten St. Dumas gesagt, er müsse seinen Kreuzzug als Batman weiterführen. Und da JP macht, was man ihm sagt, legt er los. Gegen Gangsterbosse, gegen neue Schurken wie den Tally Man und einen Profikiller namens Mekros, der genauso wie er konditioniert ist zum Töten und eine Rüstung trägt. Lauter Routine-Aufgaben, im Vergleich zu Bane alles Leichtgewichte, aber der neue Batman tut sich dennoch schwer damit. Aber auch nicht zu schwer, die meisten sind nach zwei Ausgaben erledigt.

Catwoman und Joker

Der neue Batman lässt sich von Catwoman betören, es kommt zu einem körperbetonten Duell, das auf einem Missverständnis beruht. JP hält Selina Kyle für eine Terroristin, die Menschen mit einem Nervengas ermorden will, aber ihre Absichten sind ganz andere. Eine belanglose und zu lang erzählte Episode. Ganz ähnlich die mit dem Joker. Der dreht nämlich einen Film, in dem Batman sterben soll. Aber das Unternehmen ist so halbherzig umgesetzt, dass es nie wirklich um Leben und Tod geht (außer für ein paar unwichtige Nebenfiguren). Joker ist hier bloß wieder Clown, der seine nervigen Späße treibt. Batman bricht ihm am Ende beide Arme – aber dem Joker reichen auch seine Beine, um gefesselt aus einem Krankenwagen zu entkommen …

JP offenbart sich ein paarmal mehr als Fanatiker, der sich selbst nicht im Griff hat. Immer wieder erscheint ihm sein Vorbild St. Dumas und schärft ihm die Wichtigkeit seines Kreuzzugs ein. Später auch sein Vater, der einst als Racheengel Azrael unterwegs war. JP ist hin- und hergerissen. Der Sohn geht äußerst brutal vor, er prügelt besinnungslos auf seine Gegner ein, zerfetzt ihnen das Gesicht mit seinen Klauen und muss sich zusammenreißen, sie nicht zu töten. Andere lässt er laufen, weil sie ihm nicht der Mühe wert erscheinen. Ein Sozialleben hat er nicht. Statt zu schlafen, bastelt er immer wieder an seiner Rüstung rum. Im Laufe der Storyline verändert er ihr mehrmals ihr Design und macht sie zu einer Waffe.

Der Fall Abattoir

Den größten Teil nimmt die Jagd nach Abattoir ein, einem Serienkiller, der es auf seine Familienmitglieder abgesehen hat. Dieser Plot, der mit Batman #505 beginnt, erstreckt sich fast über die zweite Hälfte von The Crusade, involviert neben einigen nervigen Nebenfiguren auch Clayface 3 und Lady Clayface – und ermüdet auch sehr bald. Allerdings kommt es in Batman #508 zu einem entscheidenden Wendepunkt: JP lässt Abattoir sterben. Und dadurch stirbt auch ein weiteres Opfer des Serienkillers. In der Folge hat Commissioner Gordon genug von diesem neuen Batman. JP ist das egal, er rüstet erneut auf – zum letzten Kampf mit dem Profikiller Gunhawk (noch so einer!). Und am Ende taucht Bruce Wayne wieder auf, eigentlich will er sich zur Ruhe setzen. Aber als er sieht, was JP angerichtet hat, stellt er ihn zur Rede und beschließt, seinen Stellvertreter zu entmachten …

The Crusade ist weniger eine Storyline mit einer zusammenhängenden Handlung, sondern eine Reihe von kurzen Geschichten, die nur zum Teil aufeinander Bezug nehmen. Der Spannungsbogen liegt vielmehr in der Entwicklung des Charakters Jean-Paul Valley zum Psycho, der sich nur wenig von seinen Gegnern unterscheidet. Allerdings: So dramatisch ist die Veränderung nun auch wieder nicht. JP tötet Abattoir nicht, er hadert einfach zu lange mit sich, sodass der Killer irgendwann selbst in den Tod stürzt. Dass Batman nicht selbst zum Killer wird, zeigt sich darin, dass er kurz darauf Gunhawk verschont.

Er geht drastischer mit seinen Gegnern um, lässt Wayne Manor verlottern und schottet sich von der Batman-Familie ab. Dennoch bleibt er ein empathischer Held, der einige Male sogar Kinder rettet. So ganz leuchtet die Dringlichkeit also nicht ein, ihn abzusetzen. Außer, dass er nicht freiwillig gehen will. Bruce Wayne hat viel zu leichtsinnig sein Erbe einem unberechenbaren und labilen Mann anvertraut. Der zweite große Fehler nach Bane.

Muss man The Crusade lesen, das immerhin über 600 Seiten lang ist? Nicht unbedingt ganz. Es gibt viele Ausgaben, die man überspringen kann, wenn man ungeduldig ist. Wichtig wird es erst ab Batman #505. Aber auch schon vorher gibt es einige interessante Momente: Batmans Raserei durch die U-Bahn-Schächte, seine Konfrontation mit Robin. Und die klaren Zeichnungen von Graham Nolan und auch die abseitigen von Vincent Giarrano (Shadow of the Bat) sind wahre Hingucker. Die Gunhawk-Episode lässt sich sogar als sozialkritischer Kommentar auf den Waffen-Irrsinn der USA lesen: Wozu braucht Gotham, die Mord-Hauptstadt, eine Waffenmesse? Ein Seitenhieb, der leider immer noch aktuell ist …

The Crusade ist im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012) sowie im Knightfall Omnibus Vol. 2 (2017) erschienen. Eine deutsche Ausgabe fehlt bislang.

Mehr zu Knightfall:

Batman heiratet und trifft Black Lightning

DC Comics

Im Sommer wird es soweit sein: Batman und Catwoman heiraten in Batman #50. In den beiden Ausgaben zuvor wird es in der Story The Best Man darum gehen, dass der Joker versucht, das zu verhindern, indem er Batman entführt. Im Mai und Juni werden zudem fünf One-Shots erscheinen, die das Prelude to the Wedding bilden: Robin Vs. Ra’s al Ghul, Nightwing Vs. Hush, Batgirl Vs. The Riddler, Red Hood Vs. Anarky, Harley Quinn Vs. The Joker.

Alle Ausgaben werden verfasst von Tim Seeley und gezeichnet von jeweils verschiedenen Künstlern. Die fünf Cover werden aber von Rafael Albuquerque stammen und zusammen eine Einheit bilden.

DC Comics

Außerdem gibt es neues von der Serie Detective Comics zu vermelden: Autor James Tynion IV wechselt zu Justice League: No Justice, ab Ausgabe 982 übernimmt Bryan Hill (Postal, Cyberforce) die Serie. Im Juni beginnt die fünfteilige Story „On the Outside“, in der Batman auf Black Lightning trifft. Der Superheld erlebt gerade mit der gleichnamigen TV-Serie (bei uns auf Netflix) ein umjubeltes Comeback. 1983 war er bereits in Batmans Team The Outsiders.

Von James Tynion IV erscheinen in diesem Jahr noch die Bände A Lonely Place of Living (April), Fall of the Batmen (Juni) sowie im Herbst der wahrscheinlich letzte, noch unbenannte Teil.

König Joker und der Fensterputzer

Titel: The Great Pretender/King Joker

Autor/Zeichner: James Robinson/Christian Alamy

Erschienen: 1994 (Showcase ’94 #1-2)


„I’ve a ‚clown to the left of me and a joker to the right‘.“ (Joe White)

Es gibt Comics, die vergisst man, sobald man sie gelesen hat. Es gibt Comics, die in Erinnerung bleiben – im Guten oder Schlechten. Und es gibt Comics, die Eindruck hinterlassen, ohne dass man sagen kann, warum. Sie hinterlassen ein seltsames Gefühl. Vielleicht sind das die interessantesten. Autor James Robinson hinterlässt eigentlich immer Eindruck mit seinen Werken. Egal, ob mit Blades oder Face the Face – er schreibt herausragend.

Für die Serie Showcase ’94 schrieb er einen Zweiteiler über den Joker, dessen Geschichte sich nicht in der bloßen Nacherzählung erschöpft. Da ist zum einen ein Joker mit langen Haaren, der bei einem Massaker Babys mit einer Probe seines Giftes zum Grinsen bringt. Und plötzlich – Szenenwechsel – ist da ein junger Fensterputzer, Joe White, der im Krankenhaus aufwacht, nachdem er von einer Leiter gestürzt ist. Joe lebt in einem Gotham, das einem düsterem Märchenreich gleicht. Hier regiert der Joker als König und residiert auf Schloss Arkham. Batman ist ein schwarzer Dämon, der gegen ihn kämpft, um die Macht zu erlangen.

Joker und Joe

Das muss ein Traum sein, denkt sich Joe und eifert seinem Vorbild nach. In der Nacht schminkt er sich wie der Joker und schlachtet seine Frau ab. Er fliegt mit einem fledermausförmigen Hängegleiter (nach Da Vinci-Vorbild) nach Arkham, wo er auf einen monströsen Joker trifft: nackt, muskelbepackt, mit riesigen Klauen und einem Totenkopfgesicht. Da taucht plötzlich Batman auf, der gegen den Joker kämpfen will. Doch den Kampf nimmt stattdessen Joe auf …

Blauer Dämon: Batman

Die Auflösung am Ende: Was wir sehen, ist Jokers Traum, verursacht durch ein Wahrheitsserum. Dashaben ihm Jokers Handlanger verabreicht, um herauszufinden, wo er das Geld versteckt hat, das sie ihm abknöpfen wollen. Joker rächt sich auf grausamste Weise, weiß aber die Abwechslung zu schätzen, die ihm bereitet wurde.

Der Zweiteiler ist eine beklemmende Fantasie, in der Jokers Innenwelt abstrahiert wird. Ein seltener Einblick in eine verdrehte Welt voller Horror. Herausragend gezeichnet. Interessant erzählt. Offen für Interpretationen. So leicht wird man damit nicht fertig.

Mehr zum Joker:

Der Bulle und das Spitzohr

Bullock im Visier

Titel: A Bullet for Bullock (Zahltag)

Drehbuch: Michael Reaves

Erschienen: 1995 (Batman: The Animated Series S02E02)


Jemand versucht, Harvey Bullock umzubringen. Nachdem mehrere Attentate auf ihn gescheitert sind, bittet er Batman um Hilfe – widerwillig, denn er hält bekanntlich nicht viel von dem „Spitzohr“. Batman sieht sich die Liste der Verbrecher an, die es auf Bullock abgesehen haben könnten. Es kommt zum Showdown gegen einen Drogenhändler, Batman und Bullock bilden ein gutes Team, ein ungewöhnliches dynamisches Duo. Aber am Ende ist der Übeltäter einer, mit dem man als allerletztes gerechnet hätte.

Bullock, der Detective, der laut Alfred aussieht wie ein ungemachtes Bett, wird hier seinem Ruf überaus gerecht. Wir erfahren, dass er in einem Drecksloch mit Kakerlaken wohnt und dieses auch noch mehr herunterkommen lässt. Bullock ist der Donut-essende Grobian, der zwar Batman nicht ausstehen kann, aber der selbst nicht immer nach den Regeln spielt. Allerdings ist er eine ehrliche Seele, die ihren Beruf sehr ernst nimmt. Damit ist er eigentlich vom gleichen Schlag wie Batman, auch wenn es ihm an Grazie fehlt.

Die Folge (die übrigens auf Detective Comics #651 von 1992 basiert) vereint alle guten Eigenschaften, die die Serie ausmachen: glaubhafte, lebensnahe und sympathische Charaktere, eine gute Chemie zwischen den Helden und eine interessante Story. Ganz besonders fällt die Musik auf, die ungewöhnlicherweise im Jazz-Stil gehalten ist und eine wunderbare Variation des Batman-Themas bietet. Für so eine Liebe zur Animation muss man heute schon ins Kino gehen.

Mehr zum Thema