Wie Santa Claus JLA-Mitglied wurde

DC Comics

Titel: Merry Christmas, Justice League — Now Die!

Autor/Zeichner: Mark Waid/Cliff Rathburn

Erschienen: 2001 (JLA #60), Paperback 2015 (JLA Vol. 5)


„Made-up guys can’t be cool.“

Wie bringt man JLA und Santa Claus zusammen? Diese zwei Sphären, die nichts miteinander zu tun haben: Einerseits stählerne Typen mit Superkräften, die die Welt beschützen, und dieser dicke Typ mit Rauschebart, diese kommerzielle Kunstfigur, die Geschenke verteilt und an die nur Kinder glauben. Aber wenn wir es so betrachten: So weit weg sind die beiden Sphären nicht. Eigentlich gibt es kaum einen Unterschied. Außer dass die einen vielleicht etwas cooler aussehen. Und genau darum geht es hier: Santa Claus cool zu machen, zu einem Superhelden.

Weil ein Junge nicht an Santa Claus glaubt, erzählt ihm Plastic Man, dass der sogar Mitglied in der JLA sei. Und weil der immer noch skeptisch bleibt, erzählt er ihm, wie es dazu kam: Die JLA saß beisammen und hat ihn einfach aufgenommen. Doch kurz darauf kam ein Lebkuchenmännchen, das ihnen mitteilte, Santa Claus sei in der Hölle gefangen. Denn der Weihnachtsmann steckt in der Krise. Immer weniger Kinder sind brav, weil die Dämonen der Hölle sie zu Missetaten anstiften. Das Angebot an Geschenken ist größer als die Nachfrage, die Elfen werden arbeitslos.

Der Oberdämon Neron entführt Santa Claus und nimmt ihn gefangen. Die JLA teleportiert sich in die Hölle, wird in Kohle verwandelt, da befreit sich Santa mit seinem Hitzeblick … Okay, ich denke, ich kann hier aufhören – ihr habt verstanden, worauf es hinausläuft. Diese JLA-Story ist natürlich großer Quatsch, aber ein ganz amüsanter. Wenn man sich darauf einlässt, dass hier nur Spinnerei betrieben wird, wird seinen Spaß haben. Die Story hat den Charme eines spontan erdachten Kindermärchens, das gerade durch seine unerwarteten, absurden Wendungen wieder das Kind im Leser weckt.

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Super-Santa vs. Bat-Santa

DC Comics

Titel: Yes, Tyrone, There Is A Santa Claus

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Pete Woods

Erschienen: 2006 (DCU Infinite Holiday Special #1)


„It’s like something out of a comic book.“ (Batman)

Ein Junge schreibt einen Brief an den Daily Planet: Gibt es einen Weihnachtsmann? Oder ist alles bloß Schwindel? Perry White wittert eine Story und setzt sofort Clark Kent darauf an, eine Kolumne darüber zu schreiben. Doch der übertreibt es mal wieder. Übereifrig wie er ist, belädt er einen Schlitten mit Geschenken, steigt in ein rotes Superman-Kostüm mit roter Bommelmütze und will den Jungen zum Glauben an eine Kunstfigur missionieren.

Super-Santa

Da kommt Batman zufällig vorbeigeflogen. Lächerlich, sagt er. Superman sei zu höherem berufen, zum Beispiel die Welt zu retten. Richtig, sagt Superman, vielleicht sollte er lieber den Nahen Osten befrieden, aber, naja, die Geschenke möchte er schon noch loswerden. Doch als er bei den Kids auftaucht, steht da schon Bat-Santa. Und Superman, der keinen Spaß versteht, reagiert etwas über – und dabei sehen auch noch Kinder zu …

Bat-Santa

Ob Batman den Schlag überlebt, ist nicht überliefert. Aber da es sich ohnehin um eine Elseworlds-Story handelt, können uns die Motive und Folgen dieses Ausrasters ziemlich egal sein. Bemerkenswert ist allerdings die Ironie, dass Superman, der dem Kind ein wenig Romantik schenken wollte, sich überhaupt nicht danach verhält. Out of character, nennt man das. Aber da, wo sich die Comic-Fiktion selbst untreu wird, wird letztlich doch ein ziemlich realistisches Bild von Weihnachten gezeigt: Man zofft sich um die einfachsten Kleinigkeiten.

Superman vs. Bat-Santa

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Wenn Schurken die Welt retten

DC Comics

Titel: Justice

Autor/Zeichner: Alex Ross, Jim Krueger/Alex Ross, Doug Braitwaithe

Erschienen: 2005-2007 (Mini-Serie #1-12), Paperback ; dt. Panini 2006 (6 Bände), Hardcover Eaglemoss 2005 (DC Graphic Novel Collection, 2 Bände)


„Who decided we needed to be saved?“ (Lex Luthor)

„The world’s worst super-villains are acting like the world’s greatest heroes and the Justice League is nowhere to be found.“ (Elongated Man)

Die größten Superschurken der Welt haben alle denselben Alptraum von der nuklearen Apokalypse, bei der selbst die Helden wehrlos sind. Also verbünden sich Lex Luthor und Brainiac mit anderen Schurken wie Riddler, Poison Ivy und Black Manta, um die Welt erstens zu einem besseren Ort zu machen und zweitens die Superhelden auszuschalten, was für sie letztlich auf dasselbe hinausläuft. Aquaman wird von Brainiac der Kopf aufgeschnitten, Superman von Bizarro, Solomon Grundy und dem Parasiten ausgeknockt, Green Lantern wird ins Nichts verbannt und andere werden von Nano-Parasiten beherrscht. Schurken werden zu Helden – aber das geht natürlich in die Hose.

Über die Kunst von Alex Ross muss man nichts mehr sagen, die überwältigenden Bilder sprechen für sich selbst. Interessiert da noch die Story? Ja, sie tut es. Alex Ross hat sie sich diesmal selbst ausgedacht, Jim Krueger schrieb das Script, aber es ist kein unbeholfener Versuch geworden, wenn grafische Künstler den Autor in sich entdecken. Im Gegenteil: Justice ist packend erzählt und durchgehend spannend umgesetzt – und das obwohl die Story übervoll ist mit Helden und Schurken. Jedes der zwölf Kapitel ist aus einer anderen Sicht erzählt, so bekommen die wichtigsten Charaktere Raum sich zu entfalten. Wir erfahren etwas über ihre Motivationen, Ängste und Sorgen. Alex Ross will jeder Figur gerecht werden und es gelingt ihm auch, es werden wieder Superhelden, die wie Götter aussehen, aber sich sehr menschlich verhalten.

Es geht um ethische Grundfragen, es geht um die Zukunft der Menschheit: Soll die Elite nach dem Recht des Stärkeren überleben oder sollen die Schwachen zu Übermenschen optimiert werden? Was bedeutet Rettung für die Menschheit? Ist mit dem Ende der Atomwaffen die Welt erlöst? Und darüber hinaus gibt es auch schöne Höhepunkte wie Captain Marvel wirft Superman in die Sonne, Green Lantern richtet sich heimisch in seinem Ring ein, die Metal Men dienen der Justice League als Schutzrüstung. Es gibt überraschende Wendungen und sogar hier und da eine Pointe. Das alles macht das Vergnügen nicht nur kurzweilig, sondern befriedigt auch alle Ansprüche, die man von einer guten Justice League-Story erwartet.

Nur eines könnte zum Problem werden: Die fast 400 Seiten, vollgepackt mit Figuren, Action, Dialog und auch noch knallbunt und hyperrealistisch visualisiert, könnten den ein oder anderen Leser überfordern. Aber zum Glück muss man ja das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern kann Pausen machen, um sich von der Reizüberflutung erholen. Dann verschmerzt man es auch, dass sich das Finale etwas hinzieht.

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Two-Faces Wiedersehen mit Moroni

DC Comics

Titel: Double Jeopardy

Autor/Zeichner: Sholly Fisch/Douglas Wheatley

Erschienen: 1997 (Batman Chronicles #8), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„All men are monsters hiding behind pretty faces.“ (Two-Face)

Commissioner James Gordon sucht Two-Face in Arkham auf und bittet ihn um Hilfe, den Gangster Moroni zu finden (der spätestens seit 1990 eigentlich Maroni heißt, so auch in The Long Halloween). Ja, genau den Moroni, der Harvey Dent einst mit Säure das Gesicht verunziert hat. Two-Face wirft seine Münze und entschließt sich, Gordon die einstigen Verstecke selbst zu zeigen. Während der Fahrt von einem leeren Safe House zum anderen geht Two-Face Gordon mit sentimentale Geschwafel über die gute alte Zeit auf die Nerven.

Als sie endlich Moroni finden, krallt sich Two-Face eine Pistole und macht sich selbständig – er will sich mit einem Feuerhaken an seinem Peiniger rächen. Oder vielmehr will er sich bei ihm dafür bedanken, dass er ihn eine Lektion gelehrt hat: Alle Menschen sind Monster. Jim kann ihn davon abhalten, das geht ungewohnt schnell. Gordon meint, dass wohl noch genug Harvey in ihm vorhanden sei.

Es ist bemerkenswert, dass bei allem Pessimismus der Figur immer noch ein Funke Hoffnung bleibt. Das ist es wohl, was die Two-Face so interessant macht.

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Zirkus um Two-Face

Titel: Two-Face, Part 1: The Face Schism/Part 2: Schismed Faces (dt. Die Zerreißprobe)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1996 (Batman #527-528), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench and Kelley Jones Vol. 1), 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years); dt. Dino 1998 (Batman #9)


„We all wear two faces. What counts is what they mask.“

Two-Face bricht aus Arkham Asylum aus – mit dem Entschluss, alte Rechnungen zu begleichen. Er bricht in Harvey Dents alte Wohnung ein, knallt den Mieter ab und holt alte Akten aus der Wandverkleidung, weil Staatsanwälte die gerne für alle Fälle dort deponieren. Damals konnte Dent den Zirkusdirektor Lockhart nicht des Mordes überführen, aber überzeugt von dessen Schuld, will er den Mann zur Rechenschaft ziehen.

Günstigerweise ist der Zirkus in der Stadt. Ungünstigerweise fällt aber die Münze schon wieder auf die falsche Seite (oder vielmehr günstig für Lockhart). Daher versucht Two-Face, die Siamesischen Zwillinge namens „Schism“ dazu zu überreden. Denn die beiden werden in der Freakshow vorgeführt und von Lockhart misshandelt …

Batman torkelt ziemlich planlos über das Zirkusgelände, kämpft gegen einen Kraftmenschen und einen Messerwerfer und weil das zu schnell geht, um zwei Comichefte zu füllen, gibt es für beide auch eine zweite Chance (Two-Face gefällt das). Was Two-Face aber nicht gefällt, ist dass er sich wieder mal um alles selbst kümmern muss. Er schminkt sich als Clown und schießt auf Batman. Aber – jetzt kommt’s: nur einmal. Und in die Brust. Wie bitte? Das ist nicht nur nachlässig, das ist überaus schlampig. Und halbherzig. Wie diese ganze Geschichte, die vor Albernheiten in grotesker Aufmachung nur so strotzt.

Armer Harvey! Er hätte Besseres verdient …

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Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 5)

DC Comics

Titel: The Year 3000

Autor/Zeichner: Joseph Greene/Dick Sprang

Erschienen: 1944 (Batman #26), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 4)


„We must never forget that the past reveals our past mistakes and glories both!“ (Brane)

Während des Zweiten Weltkriegs hat Batman gegen Nazi-Spione im eigenen Land gekämpft und gegen Nazi-Soldaten in Atlantis, sogar in einem dystopischen Szenario gegen Nazi-Besetzer. Im fünften Abenteuer geht der Kampf in der fernen Zukunft weiter – und im Weltall. Diese Science-Fiction Geschichte handelt auf den ersten Blick nicht wirklich von Nazis: Es fehlen die Deutschen, Hitler und Hakenkreuze. Trotzdem geht es um sie, wenn auch nur im Gewand der Allegorie.

Führer Fura

Im Jahr 3000 leben die Menschen auf der Erde in Frieden, haben sich der Wissenschaft zugewandt und treiben Handel mit Außerirdischen. Da fallen Invasoren vom Saturn über die Erde her: Die grünen Männchen mit Segelohren tragen den Ringplaneten als Abzeichen und folgen ihrem Alleinherrscher, der den Namen Fura trägt, was in der englischen Aussprache nicht zufällig wie „Führer“ klingt. Die Aliens unterwerfen die Menschen in einem „Blitzkrieg“ und stecken sie in Konzentrationslager. Spätestens hier wird klar, dass wir uns nicht in einer futuristischen Fantasiewelt befinden, sondern in der Gegenwart des Zweiten Weltkrieges.

Zwei blauhaarige junge Männer, Brane und sein jüngerer Freund (?) Ricky, finden in einer Zeitkapsel aus dem Jahr 1939 nicht nur Dokumente, die sie an den US-Freiheitskampf erinnern, sondern auch an die Heldentaten von Batman und Robin. Kurzerhand werden die beiden jungen Männer zu freiheitsliebenden Patrioten, legen sich Kostüme zu und proben den Aufstand. Als Guerillakrieger gehen sie mit gutem Beispiel voran, andere folgen ihnen in den bewaffneten Widerstand, die Aliens werden vertrieben. Doch das reicht nicht: Es kommt zum Showdown auf dem Saturn, bei dem sich herausstellt, dass die Saturnbewohner nicht alle böse sind, und dass Fura bloß über eine Roboter-Armee geherrscht hat. Fura stirbt beim Kampf im Weltall, indem er erfriert.

Ende 1944 befanden sich die USA noch im Krieg, aber in dieser Story wird bereits der Friedensprozess vorweggenommen. In dieser Allegorie sind die Aliens vom Saturn nur Opfer eines Schurken geworden, der sie unterjocht hat. Seine Krieger sind keine Menschen, sondern bloß Marionetten. Am Ende jubeln beide Seiten, Erdlinge und Außerirdische über das Ende des Krieges und der Diktatur.

Brane ist selbstverständlich ein direkter Nachfahre von Bruce Wayne (daher auch der Name) und er hat ebenso ein Problem damit, seiner Liebsten seine Geheimidentität offenzulegen, weshalb sie ihn zunächst für einen Feigling hält. Erst als er sich öffentlich dazu bekennt, Batman zu sein, wird auch sie bekehrt.

Ganz abgesehen davon ist The Year 3000 auch die erste Story, in der nicht Bruce Wayne der Held ist, sondern ein alternativer Batman. Damit wurden die späteren „Imaginary Stories“ und „Elseworlds„-Comics vorweggenommen.

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Batman/The Shadow: Im Schatten des Vorbilds

DC Comics

Titel: Batman/The Shadow: The Murder Geniuses

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Steve Orlando/Riley Rossmo

Erschienen: 2017 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2017


„You could be the best version of him.“
„There is no Batman without death.“

The Shadow ist ein Vorbild für die Figur Batman: Zunächst nur eine Radiostimme, dann ein Charakter in Groschenromanen, Filmen und schließlich auch in Comics. Der schwarzgekleidete Mann mit Fedora-Hut und rotem Schal, der die untere Gesichtshälfte verdeckt, ist ein Urtyp des maskierten Vigilanten. Schon früher kamen The Shadow und Batman zusammen, sowohl im Comic (Batman #253/259, 1973/1974) als auch im Zeichentrick (wenn auch nur in abgwandelter Form von The Gray Ghost). Jetzt gibt es ein neues Comic-Crossover, erdacht von Scott Snyder.

DC Comics

Den Plot kann man sich denken: Batman verfolgt einen Serienmörder und trifft auf The Shadow, man löst den Fall gemeinsam. Der Schurke verbündet sich mit dem Joker, um nach Shamba-La zu kommen. Aber da ist noch mehr. Denn Batman hält zunächst The Shadow für den Mörder, doch dann behauptet dieser, Bruce Wayne unterrichtet zu haben, unter anderem in Form von Henri Ducard. Ein interessanter Kniff: The Shadow wird auch im Comic zu Batmans geistigem Vater – und Batman ist auserkoren, der nächste Shadow zu werden. Aber er lehnt das Angebot ab, auch wenn er damit auch die Unsterblichkeit ausschlägt.

DC Comics

Darüber hinaus bleibt das Crossover ein Routinestück: Es kommt zu einem unmotivierten Kampf mit mehreren Batman-Schurken, bei dem The Shadow zwar wild um sich schießt, aber niemanden tötet (was höchst unwahrscheinlich ist), Batman wird schwer verwundet, geht fast drauf, aber überlebt trotzdem irgendwie. Das Finale spielt sich in einer beliebigen Meta-Welt ab, die nicht greifbar wird, und wird mit einem einzigen Pistolenschuss viel zu undramatisch beendet. The Shadow lacht übertrieben bei den unpassendsten Gelegenheiten (weil Markenzeichen), Batman hat so kleine Spitzohren, dass sie fast nicht zu sehen sind. Und dann ist da noch die Optik, die sich zum Teil nostalgisch am alten Rasterdruck orientiert, manche Panels sind etwas aus den Fugen geraten, doch experimentell wird der Comic dadurch noch längst nicht. Es bleibt gut gemeinter Durchschnitt.

Dennoch: Eine zweite Mini-Serie läuft bereits, der Sammelband erscheint nächstes Jahr. Ich denke, die wird man sich, weil vom gleichen Autor, ebenfalls sparen können.

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Das Erbe des Vaters

DC Comics

Titel: The Eye of the Beholder

Autor/Zeichner: Andrew Helfer/Chris Sprouse

Erschienen: 1990 (Batman Annual #14), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„We made our choice. No choice.“ (Two-Face)

Mit der Crisis on Infinite Earths wurde das DC-Universum neu erschaffen. Batman bekam einen neuen Origin – und so auch seine Schurken. Harvey Dent war schon in Year One zu sehen. In Annual #14 wird erzählt, wie er zu Two-Face wurde.

Es ist alles da, was man aus dem Goldenen Zeitalter kennt: der engagierte Bezirksstaatsanwalt, Vincent Maroni (der früher „Boss“ Moroni hieß, was wohl zu sehr an „moron“ erinnerte), der ihm während einer Verhandlung Säure ins Gesicht schüttet, die Entstellung, die Heilung und der Rückfall. Aber da ist noch mehr: Im Year One-Stil gehalten, bekommen wir Einblicke in die Gedanken von Batman, James Gordon und auch Harvey Dent.

Der Staatsanwalt erhält eine Vergangenheit: einen trunk- und spielsüchtigen Vater, der ihn misshandelte, eine schwierige Kindheit, Schizophrenie. Zu Beginn der Geschichte versucht Harvey zunächst, sich mit seinem Vater auszusöhnen, aber der schenkt ihm nur einen Silberdollar – ein verhängnisvolles Geschenk. Der Konflikt bringt Harvey um den Schlaf, er wacht schweißgebadet auf.

Und dann ist da noch die belastende Arbeit. Zunächst frustriert ihn, dass er einen Serienmörder nicht verurteilt bekommt, dann bringt er ihn selbst mit einer Bombe um. Er schließt mit Batman einen Bund, aber der wird sogleich belastet, als Dent ihn zu überreden versucht, einen anderen Gangster mit unlauteren Mitteln ins Gefängnis zu kriegen. Batman weigert sich. Bei Maroni scheint der Erfolg sicher – doch da geschieht das Unheil. Two-Face bricht aus dem Krankenhaus aus, will sich an dem Kollegen rächen, der Maroni die Säure besorgt hat. Batman interveniert, Two-Face erschießt den Kollegen trotzdem, tritt vor seinen Vater – und wieder stört die Fledermaus …

Das tragische Ende gebührt immer Harvey Dent, dessen Gesicht zwar geheilt, aber dessen Geist gespalten bleibt. Und so fügt er sich wieder selbst Wunden zu, um sein Äußeres mit seinem Inneren in Übereinstimmung zu bringen.

Harvey Dent erhält nicht nur mehr Hintergrund, sondern auch mehr Tiefe – und auch sehr viel Abgründigkeit. Der Münzwurf des Vaters, den Harvey übernimmt, wird immer wieder als seitenfüllendes Leitmotiv eingestreut: Man sieht bloß die Münze und eine Hand in der Dunkelheit, dazwischen den Dialog zwischen Vater und Sohn. Solche Sequenzen machen die Geschichte zu einem starken Charakterstück. The Eye of the Beholder ist so intensiv erzählt, dass die altbekannte Story ein neues Gesicht bekommt.

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Two-Face tritt vor seinen Schöpfer

DC Comics

Titel: Crime and Punishment

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Scott McDaniel

Erschienen: 1995 (Batman/Two-Face #1), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„I’ve got to be punished!“ (Two-Face)

Two-Face stürzt sich vom Hochhaus – warum? Weil er denkt, dass Strafe nötig ist. Weil er als Kind von seinem Vater geschlagen wurde. Weil er ihn trotzdem geliebt hat. Schon als Kind also war er zwischen Liebe und Hass, Gut und Böse, hin- und hergerissen. Die Säure im Gesicht hat bloß offengelegt, was längst in ihm da war. Als Two-Face will er zunächst ein misshandeltes Kind in einer Talkshow erschießen. Aber er tut nur so, denn eigentlich will er sich an seinem eigenen Vater rächen. Er entführt ihn und will dann auch ihn öffentlich im Fernsehen hinrichten.

Batman versucht, ihn davon abzuhalten. Er opfert seinen Schlaf und seine Mahlzeiten, um den Vater zu finden, doch das ist nicht so einfach, denn der ist obdachlos. Natürlich vereitelt Batman letztlich den Plan – durch einen raffinierten Trick. Das führt aber dazu, dass Two-Face keinen anderen Ausweg sieht, als sich umzubringen. Zwar greift Batman als Retter in der Not ein, aber er lässt ihn zunächst tief genug fallen, um den Two-Face aus Harvey Dent zu kriegen. Eine zweifelhafte Therapiemethode. Selbst Batman hat seine Zweifel an der Wirksamkeit. Aber für den Fall, dass es nicht geklappt hat, werde er immer da sein, sagt er. Nach dem Motto: Wenn ich die Krankheit nicht heilen kann, bekämpfe ich immerhin die Symptome.

Weil das klingt nicht sehr hoffnungsvoll klingt, bleibt wieder nur zu sagen: Armer Harvey!

(Die Story hat übrigens vier Erzählstimmen, zwei für Two-Face, eine für Batman, eine für den Erzähler. Für meinen Geschmack ist das etwas übertrieben.)

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Freigang für Two-Face

DC Comics

Titel: Faces

Autor/Zeichner: Christopher Priest/Michael Bair

Erschienen: 1989 (Batman Annual #13)


„I know a false face when I see one. And, I can smell an enemy at 50 yards.“ (Two-Face)

„Isn’t it strange how an obsession can change you? Makes you irrational.“ (James Gordon)

„Where’s the greater good?“ (Batman)

Ein Undercover-Cop wurde getötet, Brandstiftung. Der Verdächtige: einer aus Two-Faces Gang. Batman kann ihn schnell fassen, auch wenn Two-Face dazwischenkommt – ein Schneeball ins Gesicht schafft Abhilfe. Monate später soll der Täter hingerichtet werden, aber da sieht Bruce Wayne im Fernsehen einen Mann auf Santa Prisca prahlen, dass er der wahre Mörder sei.

Batman kann das nicht auf sich beruhen lassen und macht sich auf in die Karibik – mit Two-Face im Gepäck. Dazu befreit er ihn aus Arkham. Batman tritt in zivil auf, maskiert sein Gesicht mit Make-up. Batman findet den eigentlichen Mörder, doch dann stellt sich heraus, dass alles ganz anders ist: ein doppeltes Spiel eines korrupten Polizisten. Auf Santa Prisca wird er überwältigt, von Two-Face in einen Laster mit zwei Kampfhunden gesteckt und einen Abhang hinuntergejagt. Batman befreit sich auch aus dieser Todesfalle und stellt den eigentlichen Übeltäter.

Am Ende kommt es zu einem Dilemma für Batman. Als beide abzuhauen drohen, muss er sich entscheiden, ob er Two-Face festhält oder den Polizisten. Weil er mit letzterem immerhin einen Unschuldigen vor der Todesstrafe retten kann, daher entscheidet er sich für ihn. Doch zum Schluss James Gordon gibt zu Bedenken, dass Two-Face wahrscheinlich bald wieder jemanden töten wird. Batman hat dazu nichts zu sagen. Er schweigt und schwingt sich grimmig durch die Nacht.

Wie man’s macht, ist es falsch. Manchmal ist es nicht verkehrt, einfach eine Münze zu werfen …

Die Geschichte ist in einem für das Dark Age typischen Stil gezeichnet und erzählt: Eine noireske Ästhetik mit grimmigem Erzähler in den Captions. Batmans Kampf wird als Krieg beschrieben, Two-Face nennt Batman und sich selbst „casualties of war“. Der moralische Konflikt am Schluss und Gordons verbitterter Epilog lassen ein mulmiges Gefühl zurück, dass eine gute Batman-Story eine ist, in der am Ende nicht alles gut sein kann.

Als Extra wird in einer kurzen Story Alfred Pennyworths Werdegang nacherzählt.

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