Comic

Die Mutter aller Krisen

DC Comics

DC Comics

Titel: Crisis on Infinite Earths

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/George Pérez

Erschienen: 1985 (Mini-Serie #1-12), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband #12-13)


„Worlds lived, worlds died. Nothing will ever be the same.“

Einmal alle Helden in einer Geschichte. Das war Marv Wolfmans Kindheitstraum. 1985 bekam er von DC endlich die Gelegenheit dazu: mit Crisis on Infinite Earths. Und dabei hat er auch gleich die Funktion eines Hausmeisters übernommen und einmal das Multiversum entrümpelt von zu vielen Parallelwelten, Helden und auch Continuity-Problemen. Mit der neuen Ordnung sollten die Comics wieder zugänglicher für neue Leser sein. Nach diesem Hausputz begann DC von vorn, Superman und Batman bekamen neue Origins, und die Krise wurde zum Muster für viele weitere Crossover/Events, die darauf folgten und immer wieder aufs Neue das Universum erschütterten, bis nach Jahren wieder mal keiner durchblickte. Alles ist auf Zyklen ausgelegt.

Worum geht es in Crisis? Es gibt zwei Ober-Gurus: Der böse Anti-Monitor aus dem Antimaterie-Universum vernichtet ein Materie-Universum nach dem anderen. Warum? Weil er böse ist und Macht will – das Übliche eben. Der andere Oberguru, der Monitor, versucht seinen bösen Bruder davon abzuhalten und schickt eine hübsche Helferin aus, die ein paar Helden und Schurken versammeln soll, um wenigstens ein paar Welten zu retten. Helden vereinigen sich, Welten überlappen sich, man kämpft gegen Schattendämonen, man kämpft gegen den Anti-Monitor, man kämpft gegen Superschurken, viele Helden und Schurken sterben und auch viele Welten. Die fünf verbliebenen Welten fusionieren zu einer. Ende. Und der Anfang von etwas Neuem.

Im Wesentlichen war’s das. Aber das alles ist auf 350 Seiten so breitgetreten und zäh, dass es abwechselnd furchtbar ermüdet, nervt und langweilt. Eine halbe Ewigkeit braucht es, bis die Handlung richtig in Gang kommt. Zu Beginn sehen wir immer dasselbe: Welten, die von Antimaterie-Wolken vernichtet werden und eine Heulsuse mit lila Haaren, die sich selbst bemitleidet. Später sehen wir unzählige Kämpfe unzähliger Figuren, die alle austauschbar sind. Man hat das Gefühl, in jedem zweiten Panel tummeln sich neue Figuren, die alle mal was sagen müssen, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Hauptsache scheint zu sein, dass sie da sind. Der größte Makel ist, dass die Story zu viel will und zu wenig bietet: viel Lärm um nichts.

Vor allem fehlt ihr ein emotionaler Anhaltspunkt: Es gibt keine Hauptfigur und die handlungstragenden Figuren haben keine Tiefe. Einzig die Tode von Supergirl und Flash (Barry Allen) könnten als Höhepunkte durchgehen, den Rest nimmt man gleichgültig hin. Die gefühlt ein Dutzend Tode und Auferstehungen des Anti-Monitors hätte man sich sparen können. Diese Story scheint einfach kein Ende zu nehmen. Zu allem Überfluss ufert sie auch noch in eine Reihe von Binnenhandlungen aus, die bloß angerissen, aber dann in anderen Serien fortgesetzt werden. (Immerhin weist der Autor auf die Hefte hin, die man dafür lesen muss.)

Am Ende bringt es Superman auf den Punkt: „I was expecting more … satisfaction.“ Crisis mag seinen Platz in der Geschichte der Superheldencomics haben. Es hat dem DC-Universum gut getan, dass es von unnötigem und zum Teil lächerlichem Beiwerk befreit wurde (auch wenn mit den Jahren leider vieles wieder aus der Mottenkiste geholt wurde). Aber die Story, die darum gestrickt wurde, liest sich wie eine Pflichtübung, ein reines Mittel zum Zweck. Daher ist Crisis ein Werk, dass man kennen, aber nicht unbedingt lesen muss. Schon gar nicht ein zweites Mal. Ich habe mich damit eine Woche lang rumgequält und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Wahrscheinlich hätte ich sonst selbst die Krise gekriegt …

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

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Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Coverwahn #3

Der Hype um Dark Knight III: The Master Race nimmt Überhand. DC hat bereits 42 Variant Cover angekündigt. Doch auch wenn sehr viele erstklassige Künstler involviert und ein paar tolle Motive präsentiert worden sind, treten beim Betrachten der Bilder jetzt schon Verbrauchserscheinungen ein. Meistens sind es bloß Hommagen an den ersten Dark Knight-Teil. Langsam reicht es. Wie viele Sprünge von Batman mit Robin Carrie Kelley wollen wir noch sehen? Wie viele Variationen der Prügelei mit dem Mutanten-Anführer? Wie viele Sichten auf den Kampf mit Superman? Da ist mal ein minimalistisches Cover wie das von Tim Sale eine willkommene Abwechslung: Silhouette und Symbol in einer dunklen Gasse – und das war’s. Der Mann hat’s immer noch drauf.

Interessanter als das Bildergucken ist ein Interview mit Co-Autor Brian Azzarello, bei dem Details zu der Mini-Serie, die am 25. November beginnt, bekannt werden. Allerdings sind es eher formale Details. Azzarello verrät, dass Teil 3 eine Mischung aus Teil 1 und Teil 2 wird, dass die Mini-Comics, die zu jedem Teil beigelegt werden, eigentlich Teile der Haupthandlung waren und ausgegliedert wurden. Außerdem gibt er Einblicke in seine Schreibwerkstatt mit Frank Miller. Ein etwas ausführlicheres Interview, bei dem sich der Autor furchtlos zeigt, findet man bei Comicbookressources.com.

Der Vollständigkeit halber hier die ganze Liste der Zeichner, die ein Variant-Cover beisteuern werden:

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Das war der Batman-Tag 2015

Ausbeute des Batman-Tags 2015

Foto: Lukas Gedziorowski

Ich konnte nicht widerstehen: Zwei Gratis-Comics und eine Joker-Maske, die ich nie aufsetzen werde. Aber hey, es war für lau … Das ist meine Ausbeute vom ersten Internationalen Batman-Tag. Den Gratis-Comic gab es einmal auf deutsch und einmal auf englisch. Obwohl das Titelbild gleich ist, gibt es zwei große Unterschiede. Während die US-Ausgabe das ganze erste Kapitel von Endgame (dt. Todesspiel) enthält, hat Panini bei der deutschen Ausgabe geknausert und die ersten vier Seiten weggelassen. Das ist nicht nur schwer nachvollziehbar, da die Seiten nun mal zur Story dazugehören (und dadurch zu ihren Reiz beitragen), sondern auch sehr halbherzig, da es immerhin darum geht, neue Leser zu gewinnen. Aber offenbar wollte man noch einen Kaufanreiz für das nächste reguläre Batman-Heft schaffen. So viel sei verraten: Der Beginn von Endgame hat es in sich. (Ausführliche Besprechung kommt morgen!)

Der wichtigere Unterschied: Während Panini eine bereits publizierte Story („Look Inside“) mitgegeben hat (aus dem Megaband #1, bzw. Legends of the Dark Knight Vol. 2), hat DC acht Seiten von Batman & Robin Eternal gebracht. In der neuen wöchentlichen Serie, die Batman Eternal im Oktober beerben soll, geht es um Geheimnisse aus der Vergangenheit, die das Verhältnis von Bruce Wayne und Dick Grayson in der Gegenwart belasten sollen. Auf den acht Seiten erfährt man nicht viel, außer dass Batman eine Information vor Robin zurückhält. Das Ganze ist wie immer sehr detailreich und lebendig von Tony S. Daniel gezeichnet. Die Story von James Tynion IV und Scott Snyder scheint – wie schon Batman Eternal – großes Kino zu werden. Aber zunächst muss ich noch die Vorgänger-Story lesen. Drei dicke Bände, das braucht Zeit …

Coverwahn #2

DC hat noch mehr Cover für Dark Knight III – The Master Race veröffentlicht. Hauptzeichner Andy Kubert zaubert uns erneut eine noire Sicht auf den Dunklen Ritter als Fassadenkletterer, was vor dem roten Hintergrund besonders cool kommt, Eduardo Risso lässt Batman selbst rot glühen, als Dämon, der sich von einem Gargoyle stürzt. Lee Bermejo setzt auf eine Actionszene mit Robin, ein weiteres Cover von Kubert zeigt Carrie Kelley in Gefangenschaft (ein Ausblick auf Ausgabe #2), Klaus Janson hingegen enttäuscht mit Batman, Superman und Robin im Profil und Halbschatten – lahm. Meine Favoriten kommen von Rafael Albuquerque und Tyler Kirkham. Beide haben (wie schon Jae Lee und Sean Murphy) eine Reminiszenz an The Dark Knight Returns gezeichnet: Bei ersterem verprügelt Batman den Mutantenanführer im Schlammloch, bei letzterem sieht man den Antihelden mit blutigen Fäusten vor seinen Anhängern stehen – der Himmel knallrot. Höchstdramatisch. So haben wir’s gern.

Identity Crisis: Ein Universum sucht einen Mörder

Identity Crisis

DC Comics

Titel: Identity Crisis

Autor/Zeichner: Brad Meltzer/Rags Morales

Erschienen: 2004-2005 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2005), dt. Panini 2006 (Paperback)


„It’s the first rule of solving a crime. If you want to know who did it, you need to find out who benefits.“ (Batman)

Ein ungewöhnliches DC-Event. In Identity Crisis geht es nicht um das große Ganze, nicht um böse Mächte aus den Tiefen des Universums, nicht um das Heil der Welt. Nein, der Ansatz ist viel bescheidener: Hier findet das DC-Universum zusammen, um den Mörder einer Frau zu finden. Mehr nicht. Und trotzdem ist es diese Besinnung aufs Wesentliche, die die Stärke dieses Comics ausmacht.

Das Opfer ist Sue Dibny, geliebte Ehefrau von Ralph Dibny, dem Dehnungskünstler Elongated Man (eine Art Plastic Man). Sie wird zu Hause von einem Unbekannten umgebracht und halb verbrannt. Die Erschütterung unter den Helden ist groß: Sue war bei allen beliebt. Doch es geht um mehr: Jemand scheint Jagd auf die Angehörigen der Helden zu machen. Die Kostümträger fürchten, dass ihre Geheimidentitäten aufgedeckt sein könnten und dass ihre Liebsten als nächstes dran sind. Nur wer könnte dahinterstecken? Am Tatort findet sich keine Spur. Da können selbst Superkräfte nur wenig ausrichten.

Doch Identity Crisis ist auch kein gewöhnlicher Krimi. Vielmehr ein Drama um die Kehrseite des Heldentums. Immer mehr Abgründe tun sich auf, wenn man erfährt, was einige Mitglieder getan haben, um ihre wahren Identitäten zu schützen. Es geht um edle Motive, niedere Beweggründe, um das Wegsehen und Weghören, eine Vergewaltigung und kaltblütigen Mord, sowie um Wahnsinn und perfides Kalkül. Am deutlichsten wird aber, dass es unter der Oberfläche nicht um Gerechtigkeit und Solidarität geht, sondern um reinen Eigennutz und Verlustangst. Noch mehr zu verraten, wäre zu viel, denn in jedem Teil passieren neue unerhörte Begebenheiten, die es in sich haben.

Es wird zwar vergleichsweise wenig Action geboten, aber dafür ist die Story so voll von Konflikten und sie werden so wunderbar eindringlich erzählt, die Charaktere sind so plastisch und die Superhelden so menschlich, dass es ein wahrer Genuss ist. Meisterhaft ist die Dramaturgie der Panels, hier wird weniger auf Sensationen und Splash Pages gesetzt als auf das Einfangen zwischenmenschlicher Momente – und sei es auf kleinstem Raum. Autor Brad Meltzer merkt man an, dass er in der Kunst des Thrillers geübt ist – und dieser wortlastige Stil tut der Story sehr gut. Und Zeichner Rags Morales ist mit seinen filigranen Zeichnungen der richtige Mann für die Bilder.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, falls die Auflösung am Ende enttäuschen sollte.

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Under the Hood: Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

Der neue Jason Todd wählt die rote Maske, mit der sein Mörder einst seine Gauner-Karriere begann. Red Hoods Ziel ist klar: Rache. Aber zuvor versucht er, mit drastischen Methoden in Gotham aufzuräumen. Skrupellos tötet er Drogendealer und andere Kriminelle, ruiniert die Geschäfte von Black Mask, indem er etwa dessen Waffen stiehlt. Batman geht Red Hood zu weit. Der Meister versucht seinen Schüler aufzuhalten, aber sein Gegner ist gut ausgebildet. Schnell kommt der Detektiv auf den Trichter, dass es sich um Jason handeln könnte und er befragt einige Wiederauferstandene wie Superman und Green Arrow nach dem Tod. Schließlich, in der Mitte der Story, kommt es zur Offenbarung. Doch viele Fragen bleiben offen, von denen bloß die geringste ist, warum Jason unter der Maske eine weitere trägt.

Batman muss sich von Jason eine Standpauke gefallen lassen, dass er mit seinem halbherzigen Handeln gegen Kriminelle im Allgemeinen und gegen den Joker im Besonderen, weitere Morde zu verantworten hat. Später kämpfen er und Jason doch vereint gegen ein paar von Black Mask beauftragte Attentäter. (Der Attentäter Deathstroke schickt – statt den Auftrag selbst zu erledigen – drei Idioten wie Count Vertigo, Hyena und Captain Nazi vorbei.) Im Finale läuft es auf einen Showdown mit dem Joker hinaus. Und nach einem abrupten und explosiven Ende wird nachgetragen, wie Jason zurück ins Leben fand.

Die Begründung ist hanebüchen und dreist. Und zugleich auch völlig egal. Ob es die Lazarusgrube war oder Magie oder nur ein Scheintod, spielt keine Rolle. Aber dass Superboy-Prime mit ein paar Erschütterungen des Multiversums (siehe Infinite Crisis) das Schicksal wieder einrenkt und dadurch eine mysteriöse Macht Jason aus dem Grab holt, weil dieser nie hätte sterben dürfen, kommt für Fans einer Beleidigung gleich. Jim Aparos alternatives Ende für A Death in the Family zu aus dem Archiv zu kramen und in die Story einzubauen, legitimiert diese Wendung nicht. Auch die Erklärung für Jasons unbemerktes Verschwinden und seine lange Abwesenheit wirkt äußerst bemüht.

Trotz dieses kühnen Schrittes und großen Kunstfehlers ist Under the Hood eine durchaus unterhaltsame Story: Kurzweilig erzählt, grandios gezeichnet und mit ein paar knackigen Dialogen, die zum Teil sogar sehr witzig geraten sind (besonders die Sprüche von Black Mask). Schade ist nur, dass einige Handlungsstränge bloß angerissen, aber nicht zu Ende erzählt werden, zum Beispiel die Sache mit den Waffen, zu denen auch eine Kiste Kryptonit gehört, oder der Anschlag auf Blüdhaven. Auch das Finale endet mit einem Knall, ohne dass man in einem Epilog erfährt, was aus den Figuren geworden ist.

Am besten hat es Hilary Goldstein von IGN formuliert: “ It’s a well-told story, problem is I don’t like the story being told.“

(Die Story wurde 2010 unter dem Titel Under the Red Hood als Animationsfilm adaptiert.)

>> Batman 2000-2011

Coverwahn

Jetzt geht es mit DC Comics völlig durch: Zum ersten internationalen Batman-Tag am 26. September 2015 bringt der US-Verlag von seinem Gratis-Comic ganze 14 Variant-Cover. Es wird sich um eine Special Edition von Endgame handeln (wahrscheinlich den ersten Teil, wie auch in Deutschland), interessanter dürfte aber die achtseitige Vorschau auf die neue wöchentliche Serie Batman and Robin Eternal werden. Leider sind die meisten Variants bereits bekannte Cover von anderen Heften.

Noch ausschweifender wird der Variant-Wahn am 25. November, wenn der erste Teil von Frank Millers und Brian Azzarellos Dark Knigh III – The Master Race erscheint. DC hat hierfür 37 (!) verschiedene Cover angekündigt  – vorläufig! So ziemlich jeder, der in den vergangenen Jahrzehnten Batman gezeichnet hat und noch einen Bleistift halten kann, darf einmal ran: Neal Adams, Lee Bermejo, Brian Bolland, Greg Capullo, David Finch, Gary Frank, Kelley Jones, Francis Manapul, Eduardo Risso, Tim Sale – um nur einige der Größten zu nennen. (Hier die ganze Liste.) Jedes Variant wird jeweils bei einem anderen Händler verfügbar sein.

Die ersten beiden Cover, die DC veröffentlicht hat, stammen von Jae Lee und Sean Murphy. Das eine zitiert das berühmte Blitz-Cover von Frank Miller zu The Dark Knight Returns, das andere zeigt einen gepanzerten Batman, der einen blutenden Superman zu Boden drückt. Eindrucksvoll sind solche Hommagen immer wieder, wie schon beim ersten Variant und dem ersten Promo-Bild. Aber man kann es mit der Fülle auch übertreiben. Die Hardcore-Sammler werden müssen dieses Mal besonders tief in die Tasche greifen, wenn sie alles haben wollen. (Ja, solche gibt es.) Ein kalkulierter Bestseller ist nicht genug. So erzeugt man Megaseller. Und die Marketingmaschine läuft so heiß, dass die Erwartungen nicht größer sein könnten.

Batman-Splitter #3: Batmobile

Die große Auswahl. (Hush)

Die große Auswahl: Hush. (DC Comics)

„Let’s take the car“, sagt Batman zu Nightwing in Hush. Und dann kommt die großartige Doppelseite, auf der Nightwing antwortet: „Great. Which one?“ Die Halle in der Bathöhle ist voll davon. Zehn Batmobile aus über 60 Seiten Comic- und Filmgeschichte. Fanherzen schlagen höher, Nerds können ihr unnützes Wissen beweisen, indem sie jedes Autos einordnen und das Jahr nennen. Später, in Frank Millers All-Star Batman, zeichnet Jim Lee eine noch größere Bathöhle samt Garage.

Das erste Batmobil: eine rote Limousine.

Das Batmobil ist das Traumauto schlechthin. Es hat alles, was man sich von einem Auto wünschen kann und mehr – und es hat sich wahrscheinlich öfter verändert als der Batmans Anzug. Unzählige Versionen gab es in Comics, Filmen und Serien. Jeder Zeichner hat seine eigene gemacht, manche sogar mehrere, sogar innerhalb des gleichen Comics. Mal ist es eine Limousine, mal ein Sportwagen, mal ein klobiger Panzer, mal ein Fluggerät.

Verfahren: Batmans schwarzes Cabrio (Detective Comics #37, 1940)

Von Anfang an (Detective Comics #27) gehörte es zu Batman dazu. Allerdings war es nicht immer schwarz. In den ersten Abenteuern war es mal eine rote Limousine, mal ein schwarzs Cabrio (das aber sehr blau wirkte).

Erstmals wird Batmans Auto Batmobil genannt: Detective Comics #48.

Erst 1941, in Detective Comics #48, wird es allerdings „Batmobile“ genannt. Da ist es rot und hat eine gelbe oder goldene Fledermaus als Kühlerfigur. Im gleichen Jahr wird es wieder schwarz und bekommt seinen „Kopf“ und seine Heckflosse verpasst.

Batmobil mit „Bat-Head“ (Batman #5, 1941)

Im Jahr 1950 (Detective Comics #156) wird es bei einem Einsatz zerstört und durch ein High-Tech-Batmobil ersetzt: mit Raketenantrieb, Radar, Rauchkanone und integriertem Labor. Das Batmobil ist leichter und schneller. Es ist allen anderen Autos auch angeblich um zehn Jahre voraus.

Das neue Batmobil: Detective Comics #156 (1950)

Seitdem variieren die Komponenten, aber meist bleibt es bei schwarz – selbst in der bunten wie albernen 60er-Jahre-Serie und dem Film mit Adam West. Dieses Batmobil basiert auf dem Lincoln Futura, einem Konzeptauto aus dem Jahren 1954/1955. Es nicht nur einen Raketenantrieb, sondern auch einen Fallschirm, um eine Vollbremsung hinzulegen, einen Rammbock und etliche andere Gadgets wie eine Diebstahlsicherung.

Batmobil aus dem 66er-Film.

In den Comics der 70er, 80er und 90er ist das Batmobil meist ein Sportwagen, was allein vom praktischen Nutzen her am meisten Sinn ergeben dürfte.

Die wohl elegantesten und schnittigsten Wagen sind (meiner Meinung nach) die aus dem Burton-Filmen und aus den 90er-Jahre Zeichentrickserien. Es sind hochgerüstete High-Tech-Maschinen, die nahezu unzerstörbar sind. Natürlich gilt auch da: Ohne Raketenantrieb geht nichts.

1986 lässt Frank Miller seinen The Dark Knight Returns einen gewaltigen Panzer fahren, der Gummigeschosse gegen die Mutantenbande schießt.

Zwei Jahrzehnte später setzt Christopher Nolan in seinen Filmen (Batman Begins, The Dark Knight) einen ähnlichen Kampfwagen ein, der fürs Militär gebaut wurde und kaum noch Ähnlichkeit mit den klassischen Batmobilen hat. Als der zerstört wird, löst Batman ein Motorrad aus ihm heraus: den Batpod. Und Zack Snyder geht in Batman v Superman: Dawn of Justice noch einen Schritt weiter Richtung Miller. Sein Batmobil ist ein Ungetüm von einem Gefährt, das einzig für den Krieg gemacht zu sein scheint – für den Krieg gegen Superman.

Batmobil in Batman and the Monster Men (2006)

Jeder Zeichner hat seine eigene Version. In jüngerer Zeit entwickelt sich das Batmobil zu einem wahren Alleskönner. Es lernt sogar fliegen, wie man bei Frank Millers All-Star Batman und später in Grant Morrison Batman & Robin von sehen kann.

Fliegendes Batmobil (All-Star Batman)

Bei Scott Snyder und Greg Capullo nimmt das Batmobil futuristische Formen an, aber im Zero Year lassen sie es ganz nostalgisch zu einer Art blauem Oldtimer-Rennwagen werden.

Im Film The Batman von Matt Reeves wird das Batmobil zu einem sehr schlichten Sportwagen – ganz in alter Comictradition, aber mit einem großen Unterschied: ohne jegliche Fledermaussymbolik.

Das neue Batmobil (Quelle: Matt Reeves/Twitter)

Einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Batmobile gibt es unter batmobilehistory.com. Einen sehr gelungenen Dokumentarfilm findet man auf der Blu-ray zu The Dark Knight Rises. Der Eaglemoss-Verlag bietet nun eine Sammelreihe von Batmobil-Modellautos an.

(Hinweis: Dieser Artikel wurde am 6.3.2020 aktualisiert.)


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Leonardos Dämon

DC Comics

DC Comics

Titel: Black Masterpiece

Autor/Zeichner: Doug Moench/Frederico Cueva

Erschienen: 1994 (Batman Annual #18)


„Man, I have learned, is not inspired by the divine alone. Man is guided, as well, by a darker force.“ (Leonardo da Vinci)

Leonardo da Vinci hat nicht nur die Mona Lisa gemalt, sondern auch ein paar Geräte entworfen, zum Beispiel Fluggeräte, auf der Basis von Vogelstudien. Beim Selbstversuch brach sich sein Assistent Tommaso Masini ein Bein (oder auch einige Rippen). Der Entwurf für das Fluggerät ähnelt jedoch nicht den Schwingen eines Vogels, sondern denen einer Fledermaus. Das brachte Autor Doug Moench auf die Idee für eine Batman-Elseworlds-Story.

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In Black Masterpiece werden all diese Versatzstücke zusammengeworfen: Parallel werden zwei Geschichten erzählt. Die eine, die in der Gegenwart spielt, handelt von einem Raub der Mona Lisa in Gotham (als ob der Louvre sein wertvollstes Stück jemals verleihen würde), die andere handelt vom Making of des Bildes. Leonardo malt die Frau eines anderen, mit der er eine Affäre hat, während sein Schüler Tomas daran verzweifelt, nie das Genie seines Meisters zu erreichen. Tomas stammt aus dem Haus der Medici und hat seine Eltern bei einem Mordanschlag verloren. Als Mona Lisa von ihrem eifersüchtigen Mann in einem Turm gefangen gehalten wird, benutzt Tomaso das von Leonardo erfundene Fluggerät – und zieht sich passend dazu ein Fledermauskostüm an. So wird er zu „Leonardos Dämon“. Parallel macht der Batman der Gegenwart etwas ganz Ähnliches … Am Ende wissen wir, warum Mona Lisa lächelt, wer früher noch auf dem Bild zu sehen war und was ein Pentimento ist.

Batman von Leonardo Da Vinci in Rom (Foto: Lukas Gedziorowski)

Batman von Leonardo Da Vinci in Rom (Foto: Lukas Gedziorowski)

Das Ganze liest sich so banal wie es klingt. Die Story mag sich als Hommage, Gedankenspiel und Ausflug in die Kunstgeschichte und Philosophie verstehen, wird aber mit dem Holzhammer erzählt. Vielleicht hätte sie besser funktioniert ohne die Analogie zur Gegenwart und diesen lächerlichen Kunstraub, bei dem ein Kunstliebhaber zum Ikonoklasten wird. Die Zeichnungen sind ebenso fade, allein der in Leder gekleidete Batman des 16. Jahrhunderts macht eine gute Figur. Um nicht zu sagen: Sein Anblick ist das einzige, was an dieser weit hergeholten und albernen Story Freude macht.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics