Sean Phillips

Die dunkle Seite der Seele

DC Comics

DC Comics

Titel: Jekyll & Hyde

Autor/Zeichner: Paul Jenkins/Jae Lee, Sean Phillips

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2008)


„Man is not truly one but truly two.“ (R. L. Stevenson)

Two-Face will mit einer neu entwickelten Substanz die wahre Natur der Menschen entfesseln. Offenbar besteht diese in Mordlust und Kannibalismus, denn einige Bewohner Gothams werden zu Bestien, die sich gegenseitig umbringen und sogar essen. Two-Face will nicht nur sein ursprüngliches Ich als Harvey Dent vernichten, er nimmt sogar Batman gefangen, um dessen wahre Natur Überhand nehmen zu lassen. Zugleich erfahren wir etwas über Two-Faces Motivation: während eine Seite von ihm Harvey Dent ist, ist die andere Seite eine Art Projektion seines als Kind gestorbenen Bruders Murray. Der Schurke war also immer schon in sich gespalten.

Dieses Buch sollte man nicht an einem trüben Tag lesen – und schon gar nicht wenn man schlechter Laune ist. Nicht nur, dass hier die größten Grausamkeiten dargestellt werden, es ist von den Zeichnern Jae Lee und Sean Phillips so bedrückend düster inszeniert, dass man froh ist, wenn man das Heft wieder weglegen kann. Was zurückbleibt, ist aber nicht mehr als ein mulmiges Gefühl. Denn weder Story noch einzelne Momente hinterlassen einen tieferen Eindruck. Die Story erschöpft sich in allzu vielen Rückblenden und Brutalität. Wer eine gute Two-Face-Story lesen will, ist mit The Long Halloween besser bedient.

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Batman: Gotham Noir

DC Comics

Titel: Gotham Noir

Autor/Zeichner: Ed Brubaker/Sean Phillips

Erschienen: 2001 (One-shot), dt. Panini 2002


„All I had figured out was that things were definitely not going my way, and I had no real idea why. And that’s when the world decided to get even weirder…“ (James Gordon)

Was wäre wenn … James Gordon im Zweiten Weltkrieg gekämpft hätte? Dann wäre er wohl so kaputt, dass er seinen Posten bei der Polizei verloren und zum trinkenden, hartgesottenen Privatdetektiv geworden wäre. Gotham Noir, das im Jahr 1949 spielt, ist genau das, was der Titel verspricht: Ein Comic Noir par excellence. Das Cover gibt den Stil der Schundromane vor. Und Autor Ed Brubaker versteht das Handwerk dieser Tradition. So ist die Geschichte ein klassischer Krimi: Gordon bekommt von seiner alten Flamme Selina den Auftrag, eine junge Frau bei einer Party zu bewachen. Kurz darauf ist die Dame tot, ihr Beschützer wacht neben ihr am Strand auf und weiß nicht nur mehr, wie es dazu gekommen ist. Zudem ist er auch der Hauptverdächtige.

Es beginnt eine Ermittlung zwischen den Fronten: Gangstern und korrupten Politikern, Staatsanwalt Dent und einer mysteriösen Fledermaus, die Gordon aus dem Schatten heraus hilft. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn Batman sieht man das ganze Comic über nur als schwarze Silhouette mit weißen Augen. Natürlich muss es auch eine Art Joker geben (Brubaker hat auch The Man Who Laughs geschrieben), aber der wird relativ subtil eingeführt als Handlanger, der von Gordon als Informant für Dent entlarvt wird, daraufhin ein Glasgow-Smile verpasst kriegt und sich dafür an Gordon rächen will.

Die Zeichnungen von Sean Phillips erfüllen ihren Zweck im Sinne des Genres: Viel Schwarz, starke Kontraste, gedeckte Farben wie bei Year One. Manchmal wirken die Figuren etwas zu steif, aber ansonsten schafft es der Zeichner, die Noir-Stimmung gut wiederzugeben, auch wenn ihm die künstlerische Finesse eines Tim Sale abgeht. Definitiv gehört das Buch zu den besseren Elseworlds-Geschichten, vor allem wegen seiner Charakterstudie.

Wer Spaß an dieser Story hat, sollte auch mal Nine Lives lesen. Darin spielt Dick Grayson einen Privatdetektiv in einem ähnlichen Szenario.

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