Comic

Superman endeckt Kryptonit – und Krypton

DC Comics

Titel: Superman Returns to Krypton

Autor/Zeichner: Bill Finger/Al Plastino

Erschienen: 1949 (Superman #61), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Im Jahr 1949 wussten zwar die Leser, dass Superman von Krypton stammte – aber er selbst wusste es nicht. Bis zu dieser Ausgabe, in der er selbst nach Krypton zurückkehrte. Wie das kam? Indem er das Kryptonit entdeckte. (Bisher war es nur im Radio-Hörspiel vorgekommen.) Eine selbst für Superman-Maßstäbe hanebüchene Geschichte.

Sie beginnt mit einem Tag aus dem Leben eines Lokalreporters. Perry White setzt Lois Lane darauf an, eine Story über einen falschen Wahrsager zu schreiben. Es muss wohl gerade Sommerloch sein oder der Daily Planet ist nichts weiter als ein Käseblatt, denn keinem ernsthaften Journalisten wäre eine solche Gestalt auch nur eine Zeile wert. Als gäbe es einen Wahrsager, der tatsächlich die Wahrheit sagt … Wie dem auch sei: Lois stürzt sich enthusiastisch hinein, trifft diesen turbantragenden Swami Riva, fliegt jedoch als Reporterin auf. Superman ist wie immer zur Stelle, um sie zu retten, doch als Swami Zeit schindet, indem er so tut, als würde er ihn verhexen, wird Superman plötzlich schwach. Swami haut ab.

Superman erzählt es Perry. Der aber zeigt immerhin Verantwortungsbewusstsein: Wenn das rauskommt, nutzen Gauner ihre Chance, um Verbrechen zu begehen. Daher bringt er die Story nicht. Aber Swami, der plötzlich an Zauberkräfte glaubt, anderen Räubern davon erzählt, kommt es zu einem Überfall, bei dem Superman einschreitet und wieder zusammenbricht. Superman geht der Sache nach und findet heraus, dass es mit dem Stein zusammenhängt, den Swami in seinem Turban trägt. Er stammt aus einem Meteoriten.

In der Rakete ist Platz für zwei …

Jetzt wird’s wild: Superman folgt dem Meteoriten ins All. Das geht ganz einfach. Indem er so schnell fliegt, dass er die Zeitbarriere durchbricht (analog zur Schallmauer), so reist er (unsichtbar) dem Brocken hinterher, bis er nach Krypton kommt. Dort sieht er, wie sein Vater Jor-El ihn in eine Rakete steckt, weil der Planet zu explodieren droht. Und er sieht, dass seine Mutter ihn als Kind hätte begleiten können, aber lieber bei ihrem Mann gestorben ist. Superman fragt sich aber nicht, welche Mutter so etwas tun würde, sondern folgt der Rakete zur Erde, wo die Kents ihn finden und adoptieren. Jetzt erst begreift er, dass er selbst von Krypton stammt.

Der Rest ist einfach: Superman kehrt in seine Zeit zurück und bläst Swami den Turban vom Kopf, sodass dieser ins Wasser fällt. Ein anderes Kryptonit-Fragment beseitigt er ebenfalls. Superman weiß jetzt, wo er herkommt – und was seine Schwäche ist. Dass die mit seiner Vergangenheit zusammenhängt, verbindet ihn wohl mit den Menschen.

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Knightfall #1: Vengeance of Bane

Die Knightfall-Saga beginnt mit Vengeance of Bane, der Vorgeschichte des Schurken, der Batman das Rückgrat bricht. Erschienen ist sie 1993 als 64-seitiges Special, geschrieben von Chuck Dixon und gezeichnet Graham Nolan.

Bane ist das Kind eines unbekannten Revolutionärs von dem Inselstaat Santa Prisca. In der Diktatur herrscht ein grausames Gesetz: Weil der Mann sich seiner Strafe entzogen hat, wird dessen schwangere Frau an seiner statt ins Gefängnis gesteckt. Nachdem das Kind zur Welt kommt, wächst es im Knast auf, nachdem die Mutter stirbt, wird er aus der Schutzhaft zu den anderen Verbrechern überstellt. Dort plagt ihm nach einem Sturz ein Alptraum von einer ungeheuren Fledermaus.

Der Junge wird zum Mörder. Er wird in eine Einzelzelle gesteckt, die regelmäßig mit Wasser geflutet wird. Zehn Jahre lang lebt er in völliger Isolation, ernährt sich von Fischen und meditiert. Nach dem Prinzip „Was mich nicht umbringt, härtet mich ab“ stählt Bane seinen Körper und schult seinen Geist, liest drei Bücher am Tag, lernt sechs Sprachen. Das Töten wird Alltag für ihn, er stumpft er emotional ab, findet aber drei Gefährten: Zombie, Trogg und Bird. Letzterer erzählt ihm von Gotham und Batman, der die Stadt beherrscht. Bane, der sich an seinen Dämon erinnert, findet seine Bestimmung darin, Batman zu brechen.

Bane wird zum Versuchskaninchen für die Droge Venom, die ihm Superkräfte verleiht und sie gegen Schmerz immun macht. Durch das Experiment wird er zum Junkie, der sich das Zeug ins Hirn einspeisen lassen muss. Indem er sich nach einem Versuch totstellt, bricht er aus dem Knast aus und fliegt mit seinen drei Spießgesellen nach Gotham, wo er mit gezielten Morden beginnt, die Unterwelt aufzumischen. In einer ersten Konfrontation mit Batman verschont er ihn: „You will know my name one day. And on that day you will beg for mercy.“ Bane will ihn beobachten, studieren und ihn erst dann besiegen, wenn der richtige Moment gekommen ist.

Die Entstehungsgeschichte von Bane ist so sehr auf Abhärtung getrimmt, dass sie in ihrer Übertreibung fast schon komisch wirkt. Seine Motivation, es mit Batman aufzunehmen, wird nicht ganz schlüssig. Zu weit hergeholt ist es, dass der Schurke den ganzen Aufwand betreibt, nur weil er mal als Kind schlecht geträumt hat. Mit Batman verbindet ihn nichts, außer einer willkürlichen Assoziation zwischen einer eingebildeten Fledermaus und einem Kerl, der sich wie eine anzieht.

Bane tut einem zunächst leid, dann wird er zu einem perfekten Widersacher. Seine Fähigkeiten machen ihn zu einer Art Anti-Batman. Furchterregend wirkt er durch hünenhafte Erscheinung und seine Maske mit ihren roten Augen, die ihm jegliche Menschlichkeit nimmt. Das Einzige, was die Geschichte nicht erklärt, ist, warum er sie trägt und sich wie ein mexikanischer Wrestler anzieht. Aber die wahre Erklärung lautet, wie so oft in Comics: weil es cool aussieht. Und darum geht es ja schließlich auch …

(Vengeance of Bane ist zweimal auf Deutsch erschienen: 1998 als Batman-Sonderband im Dino-Verlag und 2013 als „Batman gegen Bane“ im Panini-Verlag.)

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Knightfall #0: Einführung

DC Comics

Knightfall – das sind drei dicke Bände, fast 2000 Seiten (als Omibus sogar fast 2800) über den Fall von Batman, die Zeit ohne ihn und seine Rückkehr: Knightfall, Knightquest, Knightsend.

Die Story ist so dramatisch wie ereignisreich: Batman wird von Bane das Rückgrat gebrochen, er wird von Jean-Paul Valley (ehemals Azrael) ersetzt, wird geheilt und kehrt zurück, vorübergehend wird Dick Grayson Batman, bis Bruce Wayne wieder übernimmt.

Lange war Knightfall nicht vollständig verfügbar. Die ersten US-Paperbacks (1993-1995) waren lückenhaft, 1998 wurde noch das Nachspiel Prodigal gesammelt veröffentlicht. Seit 2012 gibt es drei Paperbacks von DC, die den größten Teil der Story erzählen, allerdings auch einiges weglassen. Im ersten Band fehlen die Ausgaben zur Vorgeschichte, im zweiten fehlt der Erzählstrang The Search, der von Bruce Waynes Heilung erzählt, im dritten die Nachspiele Troika, Nightwing: Alfred’s Return und Vengeance of Bane II: The Redemption (alle 1995).

DC Comics

Seit 2017 gibt es zwei Omnibus-Editions, die wirklich ALLES versammeln, was bisher gefehlt hat (außer der Mini-Serie Sword of Azrael), der dritte Band enthält auch Troika, Nightwing: Alfred’s Return und Vengeance of Bane II: The Redemption.

Zum 25-jährigen Jubiläum (2018-2019) sind neun neue Paperback-Editionen erschienen, in denen das gesamte Omnibus-Material enthalten ist, zuerst das Prelude to Knightfall (Vengeance of Bane, Batman #484-491, Detective Comics #654-658), zuletzt Troika (enthält auch Nightwing: Alfred’s Return und Vengeance of Bane II – The Redemption).

DC Comics

Wer sich das Geld und den Platz im Regal sparen will, kann sich auch alle Bände auch digital kaufen.

Knightfall deutsch in vier Bänden. (Panini)

Die erste deutsche Ausgabe vom Carlsen-Verlag (ab 1995) brachte es auf zehn Bände, aber auch hier fehlten einige Kapitel. Zuletzt hat der Panini-Verlag die Saga in vier Bänden herausgebracht (2012-2015), wobei der gesamte Mittelteil (Knightquest: The Crusade/The Search) ausgespart wird, dafür im vierten Teil („Der verlorene Sohn“) Prodigal enthält. Ergänzend dazu erschien 2013 Batman gegen Bane, in dem auch die Vorgeschichte des Schurken, Vengeance of Bane, nachgedruckt ist (diese hatte bereits der Dino-Verlag 1998 in einem Sonderband herausgebracht).

Von 2021 bis 2022 sind bei Panini die drei Omnibus-Ausgaben als Deluxe Editions erschienen.

Die Besprechungen der einzelnen Storylines:

  1. Vengeance of Bane
  2. Sword of Azrael
  3. Prelude I
  4. Prelude II
  5. Knightfall: Broken Bat
  6. Knightfall: Who Rules the Night
  7. Knightquest: The Crusade
  8. Knightquest: The Search
  9. KnightsEnd
  10. Prodigal
  11. Troika
  12. Nightwing: Alfred’s Return
  13. Vengeance of Bane II – The Redemption

>> Bane in Batman TAS (dt. Kampf der Giganten)

>> Batman-Knightfall (Liste aller Comic-Ausgaben)

>> Batman 1990-1999

(Der Artikel wurde zuletzt am 27.8.2022 aktualisiert.)


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Lois Lane hat einen Verdacht

DC Comics

Titel: Man or Superman?

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Joe Shuster

Erschienen: 1942 (Superman #17), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„A work of art.“ (Superman)

Lois Lane mag zwar eine smarte Reporterin sein, aber was Superman angeht, ist sie nicht gerade die Hellste. Vielleicht liegt es daran, dass ihr beim Anblick des Mannes der Verstand aussetzt. Vielleicht ist das Supermans geheime Superkraft: So auf Lois Lane zu wirken, dass sie nicht erkennt, wen sie vor sich hat, nämlich Clark Kent.

Nach vier Jahren dämmert es ihr plötzlich: Könnte es sein, dass …? Da steht sie gerade noch mit Clark in der U-Bahn, plötzlich ist er weg, Superman hält den Zug vorm Entgleisen ab, Clark ist an der nächsten Station wieder da und telefoniert die Geschichte beim Daily Planet rein. Klar, dass Lois skeptisch wird. Clark redet sich raus. Lois bleibt skeptisch. Clark gerät ins Schwitzen. (Im Gegensatz zu Superman, der nie zu schwitzen scheint.)

Allein lässt Lois ihre Erinnerungen Revue passieren: Nie sind Clark und Superman zugleich zu sehen, denkt sie sich, und es gibt auch eine gewisse Ähnlichkeit der Gesichtszüge … Aber als sie sich klarmacht, was für ein geiler Typ Superman ist und was für eine mickrige Erscheinung ihr Kollege, da erscheint das Naheliegende plötzlich wieder absurd.

Es kommt zu einem dramatischen Höhepunkt: Der Schurke Talon entführt Clark Kent und Lois Lane und lässt sie – aufgepasst – in einem Glaskasten an einem Pendel über Clark schaukeln. Wenn es Mittag wird, soll sie auf ihn krachen und beide sind tot – so jedenfalls die graue Theorie, die sich natürlich nicht bewahrheitet, wenn der Schurke sich davonmacht, statt nach dem Rechten zu sehen. (Warum ausgeklügelte sadistische Todesfallen, wenn man nicht dabei sein kann, wenn sie töten sollen?!)

Clark hat aber eine viel dringendere Frage: Wie kann er Lois retten, ohne sich die Blöße zu geben? Denn das scheint fast noch wichtiger als das Retten von Leben. Die Lösung: Mit Supergeschwindigkeit und alten Lumpen. Er zieht sich schnell um, stopft Clarks Anzug aus, rettet Lois und während sie sich umsieht, wird er wieder zu Clark. Nach der atemberaubenden Performance sind alle Zweifel vergessen. Dann nimmt er noch den Schurken fest, absorbiert die Explosion einer Bombe und schreibt die Story runter bevor Lois es kann.

Hat eigentlich schon mal jemand hinterfragt, wie Clark als Reporter arbeitet? Indem er ständig über sich selbst schreibt, verstößt er gegen einen Grundsatz des Journalismus! Ganz abgesehen davon, dass er ein Betrüger ist. Und was ist Perry White eigentlich für Chefredakteur, dass seine Reporter ständig unnötige Doppelarbeit leisten? Offenbar hat man beim Daily Planet Geld und Zeit zu viel. Das waren noch Zeiten, als sich die Zeitungen solche Späße leisten konnten …

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Brian Michael Bendis schreibt Superman

Man of Steel: Zwei Cover in einem (DC Comics)

Der langjährige Marvel-Autor Brian Michael Bendis ist zu DC Comics gewechselt, wie bereits im vergangenen Jahr bekannt wurde. Vor kurzem habe ich noch geschrieben, dass er eine Kurzgeschichte zu Action Comics #1000 beitragen wird, jetzt wurde bekannt, dass er zunächst bei Superman bleiben wird. Wie Forbes berichtet, wird er die Serien Superman und Action Comics schreiben, darüber hinaus hat Bendis eine sechsteilige Mini-Serie angekündigt: Man of Steel, die wöchentlich erscheinen soll. Als Zeichner werden Kevin Macguire, Ivan Reis, Doc Shaner und Jason Fabok genannt.

Bereits sein Beitrag zu Action Comics #1000 (gezeichnet von Jim Lee) soll mehr sein als eine beliebige Geschichte, sondern der Auftakt zu etwas Größerem: „It is a major chapter in what we’re doing, with some really big bombs we’re dropping in Superman’s life — and two of them happen right there in Action Comics #1000″, sagt Bendis. „So it’s a huge tease of what we’re doing and what’s coming up in Superman’s life.

Bei der Mini-Serie Man of Steel kommt ein Déjà-vu-Effekt auf: So hieß bereits das Reboot, das John Byrne 1986 nach der Crisis für Superman schrieb und zeichnete. (Ganz zu schweigen von dem Film von Zack Snyder von 2012.) Bendis‘ Man of Steel verspricht einen neuen großen Schurken, der tief mit Supermans Ursprung verwurzelt ist. „We’re going to dig in very hard, this is one of my goals, to be a additive to Superman as possible. The characters we debut right away, including this new villain, will send ripples of horror across the entire Superman family and beyond!“ Bendis verspricht, dass sein Superman-Ansatz – trotz neuer Wege – kein Reboot sein wird. Die erste Ausgabe soll am 30. Mai erscheinen.

Danach Bendis die beiden monatlichen Serien Superman und Action Comics übernehmen. Superman wird (schon zum fünften Mal!) neu gestartet; Ausgabe #1 erscheint am 11. Juli, Action Comics #1001 am 25 Juli. Während Superman den Schwerpunkt auf Abenteuer legt, soll es in Action Comics um Clark Kents Alltag gehen. (Wäre es andersrum nicht naheliegender?) Zwischen Action Comics #1000 und Man of Steel #1 soll am 2. Mai noch ein weiteres Kapitel erscheinen: DC Nation #0, gezeichnet von José Luis García-López. Darin sollen neue Figuren und Schurken eingeführt werden. Außerdem wird das Heft eine Batman-Story enthalten, in der der Joker von den Heiratsplänen mit Catwoman erfärt. 

 

Der Tag, an dem Robin starb (und Batman durchdrehte)

DC Comics

Titel: Robin Dies At Dawn

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Batman #156), Paperback 2009 (The Black Casebook), Hardcover 2015 (Robin, the Boy-Wonder: A Celebration of 75 Years)


„I’ve never felt so alone in all my life …“ (Batman)

„Why are you watching me?“ (Batman)

Als Batman für einen Geheimauftrag verschwindet, trifft Robin auf Ant-Man. Nein, natürlich nicht auf Marvels Ant-Man, der ein Jahr zuvor seinen ersten Auftritt hatte, aber auf einen anderen kleinen Helden, der dem von Marvel ziemlich ähnlich ist. Zweimal springt ihm das rote Kerlchen mit der Kraft eines ausgewachsenen Mannes zur Seite, als er es mit Räubern und Dieben zu tun hat. Doch dann macht sich Ant-Man mit dem Diebesgut davon. Robin findet den Wissenschaftler, der für das Schrumpfen verantwortlich ist und überlistet im Labor den kleinen Gauner, indem Robin sich selbst als Marionette spielt und sich seinen Gegner in den Fäden verheddern lässt.

Aber „The Secret of the Ant-Man“ ist nur der Prolog. Denn was Batman in der Zwischenzeit treibt, erfahren wir im zweiten Teil: „Robin Dies at Dawn“. Batman wird auf mysteriöse Weise ins Weltall gezogen und landet auf einem fremden Planeten. Die Stimmung mutet surreal an, wie in einem Traum: Eine gelb-grüne Wüste mit großen violetten Kratern und seltsamen anhänglichen Pflanzen, darüber schweben zwei Monde. Als sich eine der Pflanzen Batman schnappt, wünscht der sich seinen Partner herbei und kaum hat er ihn in seiner Verzweiflung gerufen, rettet er ihn.

Doch dann kommt es zum dramatischen Höhepunkt: Das Dynamische Duo wird von einem Steinriesen verfolgt, Robin wird übermütig und wird von einem Felsen erschlagen. Batman begräb ihn. Danach fühlt er sich beobachtet von Menschen, aber er kann niemanden sehen. An dieser Stelle fühlt man sich als Leser ertappt: den natürlich ist man es selbst, der Batman zuschaut, ohne dass er zurückschauen könnte. Nachdem er von einem roten Monster angegriffen wird, erfahren wir, was wirklich los ist: Batman hat sich einem Experiment ausgesetzt, bei dem er so isoliert war wie ein Astronaut im Weltall.

Batman halluziniert Monster

Diese Idee erinnert stark an die Pilotfolge der TV-Serie The Twilight Zone („Where is Everybody?“), die 1959 erschien. Darin findet sich ein Mann in einer verlassenen Welt wieder und die Auflösung ist die gleiche. Bei Batman werden die Halluzinationen mit der Angst vor der Einsamkeit erklärt. Batman bildete sich den Tod von Robin nur ein, weil er ohnehin in ständiger Sorge um ihn lebt.

Im dritten Akt zeigen sich die Spätfolgen dieses Experiments: Während Batman und Robin eine Bande in Affenkostümen jagen, wird Batman von Halluzinationen heimgesucht, die ihn an die eingebildete Alien-Welt erinnern. Batman schmeißt hin, Robin weint. Aber der Ruhestand dauert nur eine Seite. Als Robin gefangen genommen wird, eilt Batman mit Ace, dem Bat-Hound, zu Hilfe, verkleidet sich als Affe, überwindet seine Angst, rettet Robin, alles gut. Und doch: das letzte Panel wirkt mit seiner orangen Sonne und den dunkelvioletten Wolken irgendwie seltsam, als wären wir immer noch in der surrealen, verstörenden Traumwelt …

Was diese Story so spannend macht, ist nicht nur, dass sie eine gewisse psychologische Tiefe offenbart und Batman als psychisch kranken Mann zeigt, sie nimmt auch viele spätere Entwicklungen vorweg, vor allem den 23 Jahre später erschienenen The Dark Knight Returns: Robins Tod, Bruce Wayne gibt als Batman auf, Batman als Selbstzweifler, seine Rückkehr, um das Verbrechen zu bekämpfen. (Die Vorgeschichte ist nachzulesen in Last Crusade.) Grant Morrison bedient noch später sich bei seinem Epos Batman R.I.P. sehr stark bei dieser Story.

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Year 3: Robins Vorgeschichte

Batman #436-437 (DC Comics)

Titel: Year 3

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Pat Broderick

Erschienen: 1989 (Batman #436-439), Paperback 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2)


„I don’t need any partners. Not ever again.“ (Batman)

Nach dem Erfolg von Year One gab es nicht nur ein Year Two, sondern auch ein Year Three. Das ist weniger bekannt, weil es lange nicht als Paperback nachgedruckt wurde (erst 2019). Aber die Geschichte, die hier erzählt wird, ist von einiger Relevanz, denn es geht um die Vorgeschichte des ersten Robin, Dick Grayson.

Anlass zur Rückblende gibt die Gegenwart, in der die Vergangenheit wieder hochkommt und alte Wunden aufreißt. Im Klartext: Tony Zucco, Mörder der Graysons, soll aus dem Knast rauskommen, frühzeitig, auf Bewährung. Gleichzeitig machen Unbekannte Jagd auf die Bosse von Gothams Unterwelt. Batman, der immer noch um Jason Todd trauert, versucht herauszufinden, wer dahintersteckt – dabei zieht er eine Spur der Gewalt hinter sich her. Erst schlagen, dann fragen, heißt das Motto. Nightwing geht einen sanfteren Weg – und schwelgt in Erinnerungen.

Die bekannte Vorgeschichte aus Detective Comics #38 (1940) wird erweitert: Zucco ist nicht nur ein Schutzgelderpresser, der den Zirkus mit dem Mord an den Graysons abstrafen will, sondern auch ein tragischer Fall: Ein ehemaliges Waisenkind, dessen Eltern von Schutzgelderpressern ermordet wurden. Um sie zu rächen, wurde er eben selbst einer … Und er wird sogar zum größten Erpresser der Stadt, denn er hat ein Buch, in dem er alle Schandtaten von Gothams Gangstern festgehalten hat. Zucco hat große Pläne, die Stadt zu beherrschen, alle fürchten sich vor ihm. Dann wird er selbst zur Zielscheibe.

Batman #438-439 (DC Comics)

Wie Dick zu Robin wird, mutet seltsam an: Kaum hat Bruce das Sorgerecht für ihn erwirkt, weiht er ihn auch schon in sein Geheimnis ein und macht ihn zu Robin. Alfred hat starke Bedenken: „Wearing that costume … risking your life every night — that is irrational. And now this. It is wrong, Sir.“ Aber Bruce, der zugibt, einsam zu sein, tut das ab mit der Begründung: „Perhaps I need a reminder what I’m fighting for.“

Man muss es sich vor Augen halten: Bruce übernimmt die Verantwortung für ein Kind, das gerade erst seine Eltern verloren hat. (Nur, weil er zufällig bei der Vorstellung war und sich an sein Trauma erinnert fühlte.) Und dann setzt er den Jungen der Gefahr aus, gegen Gewaltverbrecher zu kämpfen. Er trainiert ihn dazu, er indokriniert ihn, er zieht ihn in seine persönliche Vendetta hinein. Weil er einsam ist. Als Erinnerung. Aber im Grunde setzt er damit nur die Fahrlässigkeit von Dicks Eltern fort. Denn alles begann nicht damit, dass ihre Seile durchgeschnitten waren, sondern dass sie ihre Kunststücke ohne Netz gemacht haben. Allein das war unverantwortlich ihrem Sohn gegenüber.

Wenn man darüber hinwegsieht, dass das Konzept von Robin ein Skandal ist, ist Year 3 eine solide Story, die ihren Spannungsbogen durch die Rahmenhandlung in der Gegenwart erhält. Die Motivationen der Figuren werden gut ausgearbeitet, was man aber nicht von ihrer Mimik behaupten kann – die Zeichnungen werten den Vierteiler sehr herab. Batmans Verhalten wirkt irrational und schwer nachvollziehbar. Und letztlich auch tragisch: Denn obwoh Robin ein Fehler ist, begeht er ihn immer wieder. Danach mit Jason Todd. Und kaum ist Jason gestorben, folgt Tim Drake sogleich …

(Die Geschichte von Dick Grayson wird in Dark Victory neu erzählt.)

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Nach „DC Metal“ kommt „No Justice“

DC Comics

Nach dem Event Dark Nights: Metal soll ein weiteres folgen: Justice League: No Justice. Die vierteilige Miniserie soll laut DC Comics wöchentlich vom 9. Mai an erscheinen. Als Autoren dienen neben Scott Snyder auch James Tynion IV und Joshua Williamson, gezeichnet werden die Comics von Francis Manapul (Trinity).

Batman-Cover zu „No Justice“ (DC Comics)

Die Story klingt wie eine Fortsetzung von Forever EvilBrainiac kommt wieder und warnt die Helden vor einer riesigen Bedrohung für die Erde. Helden und Schurken müssen sich zusammenschließen, um sie aufzuhalten. Es geht also mal wieder um alles und noch mehr, um die allergrößte Gefahr und die allerschwierigste Herausforderung … Das Übliche also.

Batman und das Team Entropy (DC Comics)

No Justice soll den Auftakt bilden für eine „Familie“ an Justice League-Titeln. Scott Snyder soll ab Juni die gleichnamige Serie übernehmen.

Der letzte Teil von Metal erscheint am 14. März.

Das parallel laufende Crossover mit den Watchmen, Doomsday Clock, wird sich verzögern, weil DC die Hefte der Serie nur noch alle zwei Monate erscheinen lässt.

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Wer ist der Größte im ganzen All?

DC Comics

Titel: Superman vs. Muhammad Ali

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Neal Adams/Neal Adams

Erschienen: 1978 (All-New Collectors‘ Edition Vol 1 C-56), Deluxe Edition 2010; dt. Panini 2012


„I’m the greatest! I’m the king!!“ (Muhammad Ali)

Was wäre wenn …? Das ist die Grundfrage aller Fantasie. Und sie macht den Reiz von Superhelden-Comics aus. Die wildesten Fantasien werden wahr, Genres werden vermischt, aber auch Figuren zusammengebracht, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Was wäre wenn, Superman gegen Batman kämpfen würde? Oder Superman gegen Hulk? Im Jahr 1978 ließ man ihn gegen Box-Legende Muhammad Ali kämpfen.

Damit trat auch etwas Seltenes in die Comics ein: eine Person der Zeitgeschichte. Und damit auch ein Hauch Realität – wenn auch keineswegs Realismus damit gemeint ist. Auf den ersten Blick klingt es lächerlich, selbstverständlich hätte Ali gegen Superman keine Chance. Es sei denn, man verleiht ihm Superkräfte – aber dann wäre er ja nicht mehr Ali. Oder aber man beraubt Superman seiner Kräfte. Dann wäre er natürlich auch kein Superman mehr, aber sei’s drum. Letzteres passiert in diesem Special.

Anlass zu diesem Kampf gibt eine Bedrohung aus dem All: Ein außerirdisches Kriegervolk will seinen besten Kämpfer gegen den besten Kämpfer der Erde antreten lassen. Sie wählen Ali. Aber weil gerade Superman in der Nähe ist, bringt er sich selbst ins Spiel. Bevor es also um den eigentlichen Kampf geht, müssen Superman und Ali unter sich austragen, wer von ihnen der Champion ist. Sie haben einen Tag Zeit. Wenn sie nicht mitspielen, wird die Erde vernichtet.

Superman fliegt mit Ali in die Festung der Einsamkeit, wo er sich unter einer künstlichen roten Sonne seiner Kräfte beraubt und sich von Ali trainieren lässt. Dank eines Tricks dehnen sie die Zeit, sodass Superman einiges an Technik aufholen kann. Das Training gehört zu den interessantesten Sequenzen des Comics, weil Ali als selbsternannter Professor des Boxens eine Wissenschaft daraus macht. Als es schließlich zum Kampf kommt (austragen auf dem Planeten der Aliens), sieht die ganze Galaxis zu. Ali macht Superman fertig. Ohne seine Kräfte ist der Stählerne nun mal ein Nichts …

Das ganze Maneuver ist zwar nur ein Trick, aber auch der Feind spielt mit falschen Mitteln, lässt Ali gegen einen viel zu mächtigen Gegner antreten und offenbart, dass die Erde auch vernichtet und die Menschen versklavt werden, wenn er gewinnt. Der Mann, der einst seinen „Sklavennamen“ Cassius Clay abgelegt hat, hört so etwas überhaupt nicht gerne. Davon erst recht herausgefordert, beweist er dass er der beste Boxer in Zeit und Raum ist. Und Superman erledigt in der Zwischenzeit seinen Superhelden-Weltrettung und am Ende einigen sie sich darauf, dass sie beide Champions sind.

Das Event ist arg konstruiert und voller absurder bis hanebüchener Momente, in dem das Auftauchen der Weisheitsgöttin Pallas Athene nur ein Höhepunkt ist. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann es auch Spaß machen: Muhammad Ali ist sowohl zeichnerisch als auch vom Charakter her gut getroffen, ein durch nichts einzuschüchterndes Großmaul, das auch mit dem Mund sehr schlagfertig ist. In der Begegnung mit Superman zeigt er sich selbstbewusst und ironisch. Es ist klar, dass es hier nicht um Logik, Glaubwürdigkeit und die buchstäbliche Story geht, sondern um den Subtext: Der Comic macht ein klares gesellschaftspolitisches Statement. Abgesehen vom Promi-Faktor ist es vor allem das, was die Geschichte zum Klassiker macht: Was wäre wenn, Muhammad Ali uns alle vor der Sklaverei bewahren würde?

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Superman wird 80: Action Comics #1000

 

Zum großen Superman-Jubiläum erscheint die 1000. Ausgabe von Action Comics, der Serie, in der Superman 1938 debütierte und die am längsten läuft. DC bringt den Comic in zwei Fassungen heraus: eine 80-seitige mit neuen Superman-Geschichten und eine 384-seitige Hardcover-Ausgabe mit überwiegend alten Geschichten der Serie, darunter auch eine neu entdeckte, bislang ungedruckte Story der Superman-Erfinder Jerry Siegel und Joe Shuster. Das Heft erscheint am 18. April und kostet 7,99, das Buch erscheint am 19. April und kostet 29,99 US-Dollar.

Inhalt von Action Comics #1000 sind Storys folgender Autoren und Zeichner: Brian Michael Bendis (seine erste Story für DC), John Cassaday, Olivier Coipel, Paul Dini, Jose Luis Garcia-Lopez, Patrick Gleason, Butch Guice, Geoff Johns, Dan Jurgens, Tom King, Jim Lee, Clay Mann, Brad Meltzer, Jerry Ordway, Tim Sale, Louise Simonson, Scott Snyder, Curt Swan, Peter J. Tomasi, Marv Wolfman.

DC Comics

Inhalt der Hardcover-Ausgabe Action Comics: 80 Years of Superman:

Außerdem gibt es Texte von Paul Levitz, Laura Siegel Larson (Tochter von Jerry Siegel), Jules Feiffer, Tom DeHaven (“It’s Superman!”), David Hajdu (“The Ten-Cent Plague”), Larry Tye (“Superman: The High-Flying History of America’s Most Enduring Hero”) und Superman-Autor Gene Luen Yang.

Das Buch wird sich gut mit dem Jubiläumsband Superman: A Celebration of 75 Years ergänzen, der vor fünf Jahren herauskam. Weil darin vor allem Storys aus der Serie Superman erschienen sind, in dem neuen Band aber nur Storys aus Action Comics, gibt es nur drei Überschneidungen (Action Comics #1, #242 und #0).

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