Comic

Superman liebt eine Meerjungfrau

DC Comics

Titel: The Girl in Superman’s Past

Autor/Zeichner: Bill Finger/Wayne Boring

Erschienen: 1959 (Superman #129), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Vor Lois Lane und nach Lana Lang gab es noch eine andere Frau in Supermans Leben: Lori Lemaris. Zunächst erschien sie ihm als Kommilitonin im Rollstuhl, stellte sich aber schnell als Meerjungfrau heraus. Superman will sie sogar heiraten und seine Superheldenrolle für sie aufgeben, aber es kommt ganz anders.

Es beginnt auf dem Campus: Clark Kent rettet sie einmal, als sie einen Abhang hinunterrast, dann noch einmal aus dem Wasser, aber das scheint nur so, denn sie ist ja in ihrem Element und redet mit einem Riesen-Octopus.

Daraufhin träumt der frisch verliebte Clark davon, sie durchs Weltall zu fliegen, ihr Porträt in einen Berg zu meißeln und eine Musikkapelle rund um die Welt zu transportieren, die ein Liebeslied spielt, das er selbst komponiert. Hals über Kopf gesteht er ihr seine Geheimidentität – aber Lori weiß es längst. Kurz verdächtigt er sie der Spionage, aber als ein Damm bricht und Lori ihre Schwanzflosse zum Einsatz bringt, erklärt sie ihm, dass sie aus Atlantis stammt.

Und dann ist sie weg. Und Clark ist wieder allein, allein. Warum, wird nicht ganz klar. Lori muss halt zurück zu ihren Leuten. War mehr oder weniger nur ein Studentenaustausch. Wenn auch nur einseitig, um zu sehen, was die Leute an der Erdoberfläche so treiben. Was sie herausgefunden hat und inwiefern das für ihr Volk von Interesse ist – man erfährt es nicht. Im Grunde war sie also doch eine Spionin! Aber wer will es schon so genau nehmen, wenn Liebe im Spiel ist …

Mehr zum Thema:

DC Nation #0: Vorschau auf Batman, Superman und „No Justice“

DC Comics

Drei Tage vor dem Free Comic Book Day, am 2. Mai, kommt DC Nation #0 heraus, ein 32-seitiges Comicheft, das eine Vorschau auf drei kommende Höhepunkte bietet: Batman #50, die Mini-Serie Man of Steel von Brian Michael Bendis und Scott Snyders vierteilige Miniserie Justice League: No Justice. Bei Batman kehrt der Joker zurück und macht seinem Erzfeind und Catwoman wieder das Leben schwer. Die Superman-Geschichte, die als Prequel zu Man of Steel dienen soll, von Bendis soll von José Luis García-López gezeichnet werden.

DC Nation #0 soll im US-Handel 25 Cent kosten, zum digitalen Download wird es kostenlos angeboten. Das Heft soll am 6. Juni als Promo-Magazin fortgeführt werden.

Knightfall #4: Das zweite Vorspiel

Bevor wir endlich zum eigentlichen Knightfall-Epos kommen, schauen wir uns noch zwei Vorgeschichten an, die in Detective Comics #654-658 (1992 – 1993) erzählt werden. Auch diese waren bisher nicht im Paperback gesammelt worden und sind erstmals im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten (einzeln kann man sie auch digital bei Comixology bekommen). (UPDATE: Diese Kapitel sind 2018 im US-Paperback Prelude to Knightfall erschienen.)

Die ersten drei Ausgaben handeln von Ulysses Hadrian Armstrong, einem Jungen, der aus einer Militärakademie ausbricht, um einen Bandenkrieg in Gotham zu starten. Ulysses wird von seinen Mitschülern geschlagen, Trost findet er in Büchern über Kriegsstrategien und nachdem er alles gelesen hat, fackelt er die Bibliothek samt Schule ab. Im Gotham arbeitet er sich in einer Gang hoch, indem er sie an Waffen kommen lässt, lässt sich „General“ nennen und übernimmt andere Gangs – dabei geht er über Leichen. Schließlich stürmt er das Polizeipräsidium, um an noch mehr Waffen und an Drogen zu kommen.

Batman hat mit dem Jungen leichtes Spiel. Dennoch bricht er nach dem Einsatz erschöpft zusammen. Alfred zwingt ihn dazu, mehr Zeit als Bruce Wayne zu verbringen, aber auch da gibt es wieder etwas zu tun: er muss sich gegen Industriespionage wehren. Erst brechen Diebe bei Waynecorp ein, dann wird Lucius Fox von einem Mann (Cypher) bedroht, der ihn mit Psycho-Manipulation in den Suizid treiben will. Bruce Wayne muss wieder Batman werden, aber wie gut, dass Robin und Azrael ihm helfen.

DC Comics

Gegenüber den Batman-Ausgaben, die den ersten Teil des Vorspiels bilden, bleiben die Detective-Kapitel entbehrlich. Zwar ist die erste Story um den jungen General spannend erzählt, es geht ziemlich brutal zur Sache und es gibt auch ein zynisches wie verstörendes Ende. Aber weder diese noch die andere Story fügen der Rahmenhandlung etwas Wesentliches hinzu. Batmans Burnout ist nur am Rande Thema, im Grunde ist er hier noch ziemlich handlungsfähig. Es wirkt eher so, als hätte Lucius Fox wieder Urlaub nötig: Nach der Entführung durch Black Mask ist es das zweite Mal kurz hintereinander, dass er einem Verbrecher zum Opfer fällt.

Azrael erweist sich in Finale zwar als Retter in letzter Sekunde, aber auch als unberechenbarer Psycho, der Batman nicht gehorcht und Einbrecher mit einer Kettensäge traktieren möchte. Wir sehen auch kurz Bane, der Batman aus sicherer Entfernung beobachten lässt und beschließt, dass jetzt Schluss mit lustig ist. Davon später mehr.

Mehr zu Knightfall:

Per Zufall nach Krypton

DC Comics

Titel: Superman’s Return to Krypton

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Wayne Boring

Erschienen: 1960 (Superman #141), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„… it all seems like a strange, incredible dream!“ (Superman)

Krypton ist Geschichte, zerstört, erledigt. Nur noch eine Erinnerung. Aber es ist einfach zu verlockend, es auf sich beruhen zu lassen. Also gibt es Rückblenden. Immer wieder dieses Bild: die Rakete, die von einem explodierenden Planeten startet, um den letzten Überlebenden auf die Erde zu retten. Superman durfte es mal selbst mitansehen. Aber er war unsichtbar und konnte nichts ausrichten. Jahre später reiste er wirklich zurück. Und die Story liest sich so surreal wie eine Kette von Träumen – oder wie ein wilder Trip auf Halluzinogenen.

Superman erforscht im All ein außerirdisches Wesen, das so groß und rund ist wie ein Planet, aber ausgestattet mit Extremitäten und einem Rüssel. Als der Mann aus Stahl dem Alien folgt, durchbricht er aus Versehen die Zeitbarriere, reist in die Vergangenheit und landet auf Krypton. Die rote Sonne raubt ihm die Kräfte. Bald darauf findet er sich auf dem Set eines Science-Fiction-Films wieder und wird wegen seines Kostüms für einen Schauspieler gehalten. Dass er weder im Drehbuch noch im Drehplan steht, scheint niemanden zu kümmern. Superman spielt einfach mit. Der Film ist aber so realistisch, dass ein echtes Raumschiff verwendet wird …

Ähnlich abgedreht geht es immer weiter. Aber zum Kern der Story: Superman trifft seine Eltern. Und er verliebt sich in eine Schauspielerin, die – wie Superman es schon vermutet – die Initialen L.L. trägt: Lyla Lerrol. Superman verliebt sich so sehr in sie, dass für ihn das Universum erst jetzt Sinn ergibt, er will sie sogar heiraten und mit ihr auf dem todgeweihten Planeten sterben. Aber das alles nur so lange, bis sich für den Zeitreisenden eine Gelegenheit bietet, sich zu verdrücken und zur Erde der Gegenwart zurückzukehren. Das geht dann auch so schnell und unemotional wie die Ankunft …

Krypton entfaltet sich als surreale Kulisse: Wir sehen ein Tal der Regenbogen, Juwelenberge, Goldvulkane, doppelköpfige Löwen-Paarhufer, Künstler, die Bilder mit Gedankenkraft herstellen. Superman lernt im Schlaf, wie man Raketen konstruiert, baut einen Roboter, der Stahl verbiegen kann, und verhilft mit einem Gewehrschuss durchs All seinen künftigen Zieheltern dazu, zusammenzukommen. (Als wären sie es sonst nicht.)Erst dann stellt sich die Frage für Superman, ob er das Schicksal ändern kann. Kann er nicht. Versucht es trotzdem. Aber dann kommt Brainiac dazwischen, der Kandor klaut. Und noch eine Verkettung weiterer, absurder Zufälle, die ihn zurückbringen.

Puh … was für ein Trip! Superman kommt es vor wie ein Traum. Und da alle Handlung ohne Wirkung bleibt, war es am Ende wohl auch nicht mehr als das.

Mehr zum Thema:

Knightfall #3: Das erste Vorspiel

Coverausschnitt aus Batman #484 (DC Comics)

Knightfall beginnt nicht erst mit Batmans Kampf gegen Bane. Das Besondere daran ist, dass das unerhörte Ereignis gut vorbereitet wird – und zwar mit langem Vorlauf. Nachdem Azrael (Jean-Paul Valley) und Bane eingeführt wurden, wurde Batman geschwächt. Das geschah zunächst in den Ausgaben Batman #484-490  (1992-1993).

Zu Beginn lässt Black Mask seine Gang an mehreren Orten Feuer legen – ein Rachefeldzug gegen Bruce Wayne, denn Roman Sionis gibt ihm die Schuld dafür, sein Unternehmen verloren zu haben. Batman tut sich schwer damit, ihm auf die Spur zu kommen. Lucius Fox wird entführt. Dann schleust sich Batman undercover in die False Face Society ein. Als Skullface gelingt es ihm, die Gang zu zerschlagen, aber Black Mask entkommt ihm.

DC Comics

Batman sieht sich gescheitert, was ihn noch mehr runterzieht. Er hat schon während des Falls Ermüdungserscheinungen gezeigt, hat kaum geschlafen und sich zur Höchstleistung angetrieben. Im Nachgang schont er sich nicht, sondern versucht, sein Versagen wiedergutzumachen. Sein Zustand bessert sich nicht, als er es mit einem gestachelten Freak namens Metalhead zu tun bekommt. Dann muss er auch noch ein Attentat auf Commissioner James Gordon verhindern.

Bruce Wayne geht zum Arzt. Dieser versichert ihm, es gehe ihm körperlich gut, nur psychisch nicht. Batman leidet unter einer Art Burnout – all die Strapazen haben ihre Spuren hinterlassen. Schließlich sucht er sich Hilfe bei der Psychiaterin Shondra Kinsolving, die es mit einem ganzheitlichen Ansatz versuchen will: Medikamenten und Gesprächen. Bruce legt sich ins Bett, träumt aber schlecht.

In Batman #489 tritt Bane erstmals öffentlich auf. Zugleich ist es auch das erste Mal, dass Jean-Paul Valley das Batman-Kostüm anzieht, während Bruce Wayne sich auszuruhen versucht. Nach einem ersten Training mit Robin, das er in einem schwarzen Kostüm (mit seltsamen Kopf-Fransen, vgl. Metalhead) absolviert, muss sich der Neuling gegen einen durchdrehenden Killer Croc beweisen. Doch das geht schief, er steckt mächtig Prügel ein. Da erscheint Bane und bricht Croc den Arm. Er besiegt ihn, um seine Würdigkeit zu beweisen. Mehr noch: Bane durchschaut, dass nicht der wahre Batman im Kostüm steckt.

Der wahre Batman kommt eine Ausgabe später wieder (Batman #490), obwohl noch längst nicht fit, und lässt sich auf den Riddler ein. Doch dem wird von Bane die Droge Venom verabreicht. Batman muss zweimal gegen einen „aufgepumpten“ Edward Nigma kämpfen, der mit seinen Aktionen die Stadt zu terrorisieren versucht. Schließlich sind es die Bane-Schergen Bird, Zombie und Trogg, die den Riddler zu Fall bringen, indem sie ihn anschießen.

knightfall-prelude1

DC Comics

In Batman #491 schließlich befreien Bane und seine Gang die Arkham-Insassen, was offiziell zwar auch noch zum Vorspiel zählt, aber womit die tatsächliche Handlung von Knightfall einsetzt; daher ist die Ausgabe auch in Band eins des Paperbacks von 2012 enthalten. Die Ausgaben 484 bis 490 sind erstmals gesammelt im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten. (UPDATE: Diese Kapitel sind im September 2018 im US-Paperback Prelude to Knightfall erschienen.) Und man sollte sie unbedingt lesen, wenn man die ganze Story erfassen will. Denn sie zeigen nicht nur, dass Batman schon vor Banes Intervention psychisch zusammenbricht, sondern sie führen auch wichtige Figuren wie Dr. Kinsolving ein und erklären, wie Killer Croc zu seinem gebrochenem Arm kam und wie sich Bane in Batmans Leben einschleicht.

Wer noch früher ansetzen will, sollte auch Batman #386, Detective Comics #553 und Batman #387 lesen (in dieser Reihenfolge) – darin wird nämlich Black Mask eingeführt.

Mehr zu Knightfall:

Wie Black Mask in die Welt kam

Titel: Black Mask: Losing Face/The False Face Society of Gotham/Ebon Masquery

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Klaus Janson

Erschienen: 1985 (Batman #386, Detective Comics #553, Batman #387)


„Know that the mask destroys one identity while creating another. Know that the mask recreates its wearer.“ (Black Mask)

Batman ist auch eine Geschichte über Identitäten, über Gesichter und Masken. Batmans wahre Identität ist zwar Bruce Wayne, aber nur an der Oberfläche. In Wahrheit ist Wayne nur eine Maske, während die Batman-Maske sein wahres Gesicht ist. Und dennoch bedeckt seine Maske nur das halbe Gesicht, seine Mundpartie bleibt (meist) frei. Wir haben es also nur mit einer halben Maske zu tun. Batman ist eben nur zur Hälfte Fledermaus. Und damit ist er so gespalten wie Two-Face – und nicht mehr als ein Zerrbild wie Joker oder Clayface.

1985 kam ein neuer Schurke auf, der diese Masken-Thematik neu aufgriff: Black Mask (Roman Sionis). Erzählt wird seine Geschichte ganz altmodisch, nämlich von Anfang an, wie etwa bei Scarecrow. Es beginnt damit, dass Roman Sionis gleich nach der Geburt fallengelassen wird. Nur ein Versehen macht den Tag der Geburt gleich zum einem fatalen Datum, das sein restliches Leben bestimmt. Denn Roman wird ein Kind, das nie Gefühle zeigt, sondern bloß falsche Gesichter aufsetzt, um so zu tun als ob.

Dabei hat Roman sonst alles, was er braucht, denn seinen Eltern gehört der Kosmetikhersteller Janus. Als Erwachsener verliebt er sich in das Model Circe und stellt es ein, doch als seine Eltern gegen die Verbindung sind, ermordet er sie durch Brandstiftung. Er übernimmt das Unternehmen und richtet es mit iditotischen Entscheidungen zugrunde. Nachdem es wegen eines gesichtsschädigenden Make-ups vielfach verklagt wird, übernimmt Wayne Enterprises Janus.

Der verbitterte Roman Sionis schnitzt sich in der Familiengruft eine schwarze Maske aus dem Ebenholz-Sarg seines Vaters, macht ein paar Gauner zu seiner maskentragenden False Face Society und geht auf Rachefeldzug. Seine ehemaligen Vorstandskollegen werden mit Masken getötet, die mit dem zerstörerischen Make-up bestrichen sind, dann müssen auch die amtierenden Vorstandsmitglieder dran glauben. Black Mask entstellt Circe. Schließlich soll auch Bruce Wayne sterben – Sionis kannte ihn schon als Kind.

Batman lockt ihn in eine Falle, indem er ihn als Bruce Wayne zu einem Maskenball einlädt. Am Ende, nachdem Roman seine Kuscheltiere abfackelt, brennt sich die Maske in sein Gesicht – und Black Mask ist fürs Leben entstellt.

Black Mask hat eine Ideologie: die Maske dient als Mittel zur Reinkarnation. Sie zerstört die alte Identität und erschafft eine neue. Autor Doug Moench lässt sich viel Zeit, um seine Motivation zu erklären, eine ganze Ausgabe lang wird die tragische Vorgeschichte ausgebreitet. Aber wie so oft übertreibt er maßlos, wenn der junge Roman zum Beispiel inspiriert wird von einem Waschbär – weil der scheinbar eine Maske trägt. Dieses Waschbär-Motiv zieht sich durch die ganze Geschichte und wird damit überzogen, weil es schon am Anfang zu bemüht wirkt.

Bei aller Liebe zur Exposition – die Story erschöpft sich leider darin. Es folgt eine Reihe von Grausamkeiten, aber Empathie verspürt man bei diesem Rachefeldzug nicht für den Schurken. Denn er rächt sich für etwas, das er selbst zu verantworten hat. Roman Sionis ist ein unsympathischer Irrer, der sich bloß von seinen emotionalen Kurzschlüssen leiten lässt und das macht sein Verhalten schwer nachvollziehbar. Sein Ende kommt abrupt, denn er ist nicht einmal ein besonders gewiefter Gegner für Batman. Interessanter wird Black Mask erst später: im Vorspiel zu Knightfall, in War Games und Under the (Red) Hood.

Mehr zum Thema:

Superman und der Flaschensammler

DC Comics

Titel: The Super-Duel in Space!

Autor/Zeichner: Otto Binder/Al Plastino

Erschienen: 1958 (Action Comics #242), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Brainiac gehört neben Lex Luthor zu Supermans Erzschurken. Ihr erstes Aufeinandertreffen stellte Superman bereits vor eine große Herausforderung und involvierte ihn auch stark persönlich.

Wie immer beginnt es damit, dass Lois und Clark gemeinsam unterwegs sind. Diesmal dürfen sie mit einem neuen Raumschiff mitfliegen. Kaum im All, kommt schon eine fliegende Untertasse, die sie beschießt. Clark pflegt wieder sein Image als Feigling und haut in einem Raumanzug ab, kurz darauf erscheint Superman und rettet das Raumschiff vor den Strahlen.

Aber das Alien Brainiac hat ohnehin Besseres zu tun: Städte klauen. Zuerst Paris, dann Rom, New York und so weiter. Alle großen Städte werden verkleinert und auf dem Raumschiff in großen Flaschen verstaut. Brainiac entführt die Menschen, weil seine Spezies durch eine Seuche ausgerottet wurde und er seinen Planeten wieder besiedeln will.  Warum er nicht einfach auf der Erde um Asyl bittet, bleibt unklar. Oder vielmehr glasklar: Sonst gäbe es die Geschichte nicht und Superman wäre um einen Schurken ärmer.

Als Brainiac sich im All kurz die Füße vertritt, greift Superman an – aber vergebens, denn Brainiac hat einen undurchdringlichen Schutzschild. Auch sein Raumschiff bleibt unbeschädigt, obwohl Superman so ziemlich alles danach wirft, was im All herumtreibt. Dann hat er die Idee: Er kehrt nach Metropolis zurück, lässt sich mit der Stadt verkleinern und an Bord des Schiffes holen.

Der kleine Superman bricht aus, versteckt sich in einer anderen Flasche und stellt fest, dass er in Kandor ist – der ehemaligen Hauptstadt seines Heimatplaneten Krypton. Dank eines Wissenschaftlers und eines metallfressenden Riesenmaulwurfs entkommt er und während Brainiac schläft, bringt Superman die Städte wieder zurück auf Normalgröße und auf die Erde.

Am Ende steht er vor der Entscheidung, entweder sich selbst oder Kandor wieder groß zu machen, aber der Wissenschaftler nimmt ihm die Entscheidung ab und Kandor bleibt klein. Superman bringt die Flaschenstadt in seine Festung der Einsamkeit. Die Wiederherstellung wird vertagt. Und der Superman-Mythos ist nicht nur um einen Schurken reicher, sondern auch um das wichtigste Souvenir.

Mehr zum Thema:

Knightfall #2: Sword of Azrael

DC Comics

Knightfall dreht sich um drei zentrale Figuren: Den Helden Batman (Bruce Wayne), den Schurken Bane und Batmans Nachfolger, Jean-Paul Valley. Die Figur wird noch vor Bane eingeführt: in der vierteiligen Mini-Serie Sword of Azrael (1992-1993).

Azrael ist zunächst ein Typ in einer aufgemotzten Ritterrüstung, der mit brennendem Schwert das Werk eines Racheengels auszuführen versucht. Als Anhänger eines mysteriösen Geheimbundes ehemaliger Kreuzritter (St. Dumas) will er den Verräter Carlton LeHah bestrafen, doch stirbt selbst dabei. Er kann sich gerade noch zu seinem Sohn schleppen, Jean-Paul Valley, und ihm noch genug sagen, um sein Erbe anzutreten. Jean-Paul fliegt in die Schweiz und erfährt, dass er schon als Kind indoktriniert wurde, um ein neuer Racheengel zu werden. Batman reist hinterher, Carlton LeHah hat dreht durch, hält sich für einen Diener des Dämons Biis und beginnt damit, ein Ordensmitglied nach dem anderen zu töten.

Der neue Azrael kämpft zwar zunächst gegen Batman, dann aber verbünden sie sich, um LeHah aufzuhalten – bis Batman vom Schurken entführt wird, um Bruce Wayne von seinem Vermögen zu erleichtern. Er wird gefoltert und unter Drogen gesetzt, aber Batman bleibt bis zuletzt hart. Schon vorher tritt Batman großkotzig auf, haut einen markigen Spruch nach dem anderen raus. Damit fällt er zwar etwas aus der Rolle, aber immerhin sorgt er für ein paar Schmunzler.

Jean-Paul Valley ist ein verwirrter junger Mann, der zunächst nicht weiß, wie ihm geschieht, dann eine wundersame Wandlung zum willenlosen Racheengel macht, sobald er seine Maske überzieht, und sich rücksichtslos nur um Rache kümmert. Am Ende aber gewinnt doch seine menschliche Seite und er rettet Batman.

Dennis O’Neil erzählt eine rasante, actionreiche und spannende Geschichte, Zeichner Joe Quesada inszeniert die Story mit einem präzisen Stil und ausdrucksstarken Figuren. Um die Figur Azrael/Jean-Paul Valley besser zu verstehen, sollte man dieses Vorspiel zu Knightfall nicht auslassen. Nach der Lektüre bleiben nur zwei Fragen offen: Wozu braucht Azrael ein Feuerschwert und was sind das für seltsame Streifen, die von seinen Schultern abstehen? Wahrscheinlich gibt es dafür nur eine Antwort: Weil es cool aussieht.

Mehr zum Thema:

Superman und der Krieg

Als Superman in die Welt kommt, hat sie ihn nötig: In Spanien tobt der Bürgerkrieg, über China fallen die Japaner her, die Briten bekämpfen den Arabischen Aufstand in Palästina – und in Europa erwartet man den Ausbruch eines weiteren Kriegs. Mit dieser Realität haben die Comics zwar nichts zu tun, aber sie hinterlässt dennoch Spuren in ihnen.

Kurz nachdem im September 1939 der Zweite Weltkrieg in Europa ausbricht, sieht man auf den Covern von Action Comics (#17, 19, 21), wie Superman Panzer und Kanonen zerlegt. Eine Aussage über konkrete politische Ereignisse steckt dahinter noch nicht. Schweres Kriegsgerät ist zunächst hervorragend geeignet, um die ungeheure Kraft des Helden darzustellen. Aber auch seinen Pazifismus.

Superman ist von Anfang an der Retter der Unterdrückten, ein Symbol für Gerechtigkeit – und ein klarer Kriegsgegner. Schon in seinem zweiten Abenteuer (Action Comics #2, 1938) reist er in das fiktive südamerikanische Land San Monte und beendet dort den Bürgerkrieg. Zunächst geht es nur darum, einen Waffenhersteller zu bekehren, indem Superman ihm das Grauen des Krieges zeigt. Superman rettet aber auch Lois vor einer standrechtlichen Erschießung, nachdem sie fälschlicherweise wegen Spionage verurteilt worden ist, er befreit Soldaten vor der Folter und bringt ein Kampfflugzeug mit bloßen Händen zu Fall. Schließlich zwingt er die beiden verfeindeten Generäle, ihren Konflikt zu zweit auszutragen, aber als ihnen klar wird, dass sie gar nicht mehr wissen, warum sie sich bekämpfen, beschließen sie, Frieden zu schließen.

Superman bekehrt einen Waffenhersteller (Action Comics #2)

Aber das ist nur eine Seite der Geschichte. Denn Superman mag vielleicht Pazifismus als Ziel anstreben, ein Mittel ist er für ihn nicht. Er wendet zum Teil drastische Gewalt an, bei der Menschen zumindest verletzt werden. Den Folterer wirft er so weit, dass er zumindest schwere Verletzungen davontragen muss, der Pilot des abgestürzten Flugzeugs dürfte auf jeden Fall sterben. Für Superman offenbar kein Problem, er verliert kein Wort darüber.

Krieg in Europa

Eisernes Kreuz? Lois und Clark bei General Lupo

Ein Jahr später greift Superman im Zweiteiler „War in Europe“ (Action Comics #22-23, 1940) in einen bewaffneten Konflikt zwischen den fiktiven Staaten Toran und Galonia ein. Clark Kent und Lois Lane werden als Reporter hingeschickt, nachdem Toran über Galonia hergefallen ist. Lois sagt naiv, sie hätte sich schon lange auf Urlaub gefreut, doch schon bald fallen – wie Clark es voraussagt – Bomben auf sie.

Superman sorgt für Kollateralschäden

Superman beweist seine ganze Kraft, indem er den Bomber vom Himmel holt, er wirft einen Torpedo zu seinem U-Boot zurück und eine Kanonenkugel zurück zu seinem Geschoss. Wieder fliegen die Soldaten durch die Gegend – ob verletzt oder tot, man erfährt es nicht. Später schießt Superman zwei Flugzeuge mit einem Maschinengewehr ab, weitere bringt er wieder mit bloßen Händen zum Absturz. Man sieht zwar einmal einen Fallschirm, aber die meisten Soldaten dürften dabei draufgegangen sein. Wieder kein Wort des Bedauerns.

Herrsche und teile: Luthor schießt grüne Strahlen

Superman findet heraus, dass einer der Generäle (Lupo) beeinflusst wird von einem Schurken namens Luthor – es ist der erste Auftritt des späteren Erzfeindes. Der erscheint zunächst als ein riesiges Gesicht in einer Felswand. Superman droht Lupo zunächst an, ihm seinen Kopf einzuschlagen, wenn er ihm nicht sagt, wer Luthor ist, aber dann schießt Luthor grüne Strahlen aus seinen Augen, die den General zerteilen. Gegen Superman können sie jedoch nichts ausrichten.

Luthor mit Reichsadler?

Als Clark Kent später die Kriegsparteien darüber informiert, dass Luthor hinter dem Krieg steckt, glauben sie ihm nicht. Luthor versucht, Kent zu elimieren, nimmt aber dann mit Lois Lane vorlieb. Luthor entführt sie in sein schwebendes Versteck, das an einem riesigen Luftschiff hängt. Der rothaarige Schurke in der roten Robe schürt den Krieg, um die Nationen zu schwächen und die Weltherrschaft zu erlangen. Er beschießt Superman wieder mit den grünen Strahlen, die ihn zwar nicht verletzen, aber schwächen – ein Vorläufer von Kryptonit. Superman bringt schließlich den Zeppelin zu Fall. Auch hier müssen wieder etliche Menschen sterben, ohne dass das thematisiert wird. Schließlich aber kann Superman erneut einen Krieg beenden.

Superman gegen Hitler

Superman greift sich Hitler

Im Februar 1940, zehn Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor, erschien eine zweiseitige Geschichte im Look Magazine: „How Superman Would End the War“. Zwei Seiten reichen, denn Superman macht kurzen Prozess: Zuerst verbiegt er die Kanonen der Nazis, dann schnappt er sich Hitler und Stalin und stellt sie vor Gericht. Der Zweite Weltkrieg, der erst im wahren Leben vor einigen Monaten begonnen hat, wäre auf einen Schlag vorbei.

Stalin und Hitler werden für Kriegsverbrechen verurteilt

Aber das ist nur ein Was-wäre-wenn-Szenario. Denn in Wahrheit fängt der Krieg erst an und ihn Superman tatsächlich beenden zu lassen, das wäre eine vermessene Fantasterei. Aber Superman im Zweiten Weltkrieg kämpfen zu lassen, wäre auch deshalb ungünstig, weil er ihn einfach zu schnell beenden könnte. Die US-Soldaten wären ziemlich überflüssig – und so konnte Superman sie als wahrer Patriot nicht dastehen lassen.

Superman machte sich dennoch im echten Krieg nützlich, indem er für die Propaganda eingesetzt wurde. Auf den Covern warb er (so wie Batman und andere Helden) für den Kauf von Kriegsanleihen, um die eigenen Streitkräfte zu unterstützen. Superman schwenkte die US-Flagge, zeigte sich Seit‘ an Seit‘ mit Soldaten, nannte sie die „true Supermen“, Superman erschreckte Nazis, zerlegte feindliche Panzer, Kampfflugzeuge und U-Boote mit bloßen Händen.

Auf dem Cover von Superman #17 (1942) ging es Hitler und dem japanischen Kaiser Hirohito an den Kragen, später auch Goebbels.

Im Golden Age war Superman noch eindeutig der Gute. Auch wenn er sich über etwaige Kollateralschäden keine Sorgen machte. Das änderte sich im Laufe der Zeit: Superman tötete nicht. Und wenn doch, dann nur mit größten Skrupeln. Vier Jahrzehnte später war seine Rolle nicht mehr so eindeutig, jedenfalls abseits der Continuity. In The Dark Knight Returns (1986) diente er tatsächlich als Kriegswaffe für die USA, er wendete einen nuklearen Erstschlag ab und danach kämpfte er auf Geheiß des Präsidenten gegen Batman.

Dass Superman seine Kräfte genauso gut auch zum Nachteil der Menschheit einsetzen könnte, wurde 2003 in der Elseworlds-Story Red Son durchgespielt. Superman wird darin zu einem totalitaristischen Herrscher der Sowjetunion – und Luthor sein Widersacher für die Freiheit. Zum Weltdiktator wurde Superman schließlich in der Comic-Adaption des Games Injustice. Frieden wird zum Zwang – und das führt wieder zum Krieg.

Mehr zum Thema:

Mord ohne Stil

Batman mit Haken

Titel: Gotham by Gaslight

Drehbuch: Jim Krieg

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


„Make something else. Something better.“ (Batman)

Der Comic Gotham by Gaslight ist ein Klassiker. Nicht nur, weil Batman gegen Jack the Ripper kämpfte, nicht nur, weil es die erste Elseworlds-Story war (wenn auch noch nicht unter diesem Label), sie war auch stilistisch einzigartig, dank Mike Mignolas noiresken, sperrigen Zeichnungen. 30 Jahre später ist ein Film daraus geworden und – na ja … ein Klassiker wird der definitiv nicht.

Die Produzenten geben sich Mühe, der Vorlage gerecht zu werden, auch wenn sich die Story nur grob daran orientiert: Jack the Ripper tötet Frauen in Gotham, Batman jagt ihn, wird selbst verdächtigt, schließlich wird Bruce Wayne verhaftet.

Wie schon beim Film The Killing Joke wird die Vorlage um einige Figuren und Plot-Elemente erweitert, was hier aber besser gelingt. In Gotham findet eine Weltausstellung statt, das ist aus der Fortsetzung Master of the Future entlehnt. Es gibt einen großen Showdown auf einem Riesenrad. Selina Kyle wird zu einer wichtigen Nebenfigur, die zwar mit Peitsche kämpft (Zirkusfrau), aber nie in ein Katzenkostüm schlüpft. Poison Ivy hat nur einen kurzen Auftritt – als erstes Mordopfer. Hugo Strange ist ein Verdächtiger, bis er von Arkham-Insassen zerrissen wird (so buchstäblich wie unnötig). Harvey Dent bleibt eingesichtig, auch wenn ihm eine Nähe zu Jekyll und Hyde nachgesagt wird, schließlich wendet er sich gegen seinen einstigen Freund.

Die Auflösung überrascht und funktioniert sogar ganz gut, auch wenn sie keinen so starken persönlichen Bezug zu Bruce Waynes Biografie mehr hat wie in der Vorlage. Der Mörder offenbart sich als fanatischer Frauenhasser, der sogar seine eigene Frau auf seiner Seite hat. Das ist aber auch schon das im besten Sinne Gruseligste an dem Film.

Jack und Selina im Schlachthaus

Der Film ist ziemlich brutal geworden – so brutal so ein Mainstream-Animationsfilm in den USA eben werden kann. Es wird viel gemetzelt, es fließt reichlich Blut, es gibt etwas Erotik und das alles in einer schaurigen Kulisse. (Eine Schlachthaus-Szene erinnert an Guy Ritchies Film Sherlock Holmes.) Und trotzdem wirkt dieses Gotham des späten 19. Jahrhunderts zu sauber und steril. Ich werde einfach nicht warm mit dem glatten Animationsstil, der stilistisch kaum eigene Akzente setzt. Nur in den Kampfszenen kommt Tempo und Dynamik auf, aber das Ganze wirkt trotzdem zu routiniert.

 

Wer steckt hinter der Maske?

Batman sieht zwar aus wie im Comic (man sieht seine Augen), aber er wird nicht gerade elegant eingeführt. Als er zum ersten Mal aus Schatten und Nebel tritt, kämpft er gegen drei Jungs. Kinder. Zwar kommt danach ein großer Typ mit Schlagringen, aber ein Batman, der es zunächst mit Kindern aufnehmen muss, das wird der Figur einfach nicht gerecht. (Auch wenn sie für drei Robins stehen.)

Es gibt ein paar gute Einfälle in dieser Verfilmung, auch ein bisschen Humor, aber im Großen und Ganzen verpasst man nichts, wenn man es nicht sieht. Wieder hat DC eine Chance verschenkt, aus einem seiner Klassiker eine Adaption zu machen, die selbst Maßstäbe setzt. Das ist offenbar auch nicht gewollt. Man geht lieber keine Risiken ein – aber so entsteht keine Kunst, sondern nur Durchschnittsware am Fließband.

Warner Bros.

Auf der Blu-ray sind noch zwei ältere Cartoons zu finden: Die BTAS-Folge „Showdown“, die Jonah Hex im Wilden Westen zeigt, und die Batman: The Brave and the Bold-Episode „Trials of the Demon“, in der Batman zu Jason Blood/Etrigan in das victorianische England reist und das Kostüm aus Gotham by Gaslight anzieht.

Außerdem kann man sich einen ersten Eindruck vom nächsten Animationsfilm machen: Suicide Squad – Hell to Pay.

>> Liste der Batman-Filme