Der Tag, an dem Robin starb (und Batman durchdrehte)

DC Comics

Titel: Robin Dies At Dawn

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1963 (Batman #156), Paperback 2009 (The Black Casebook), Hardcover 2015 (Robin, the Boy-Wonder: A Celebration of 75 Years)


„I’ve never felt so alone in all my life …“ (Batman)

„Why are you watching me?“ (Batman)

Als Batman für einen Geheimauftrag verschwindet, trifft Robin auf Ant-Man. Nein, natürlich nicht auf Marvels Ant-Man, der ein Jahr zuvor seinen ersten Auftritt hatte, aber auf einen anderen kleinen Helden, der dem von Marvel ziemlich ähnlich ist. Zweimal springt ihm das rote Kerlchen mit der Kraft eines ausgewachsenen Mannes zur Seite, als er es mit Räubern und Dieben zu tun hat. Doch dann macht sich Ant-Man mit dem Diebesgut davon. Robin findet den Wissenschaftler, der für das Schrumpfen verantwortlich ist und überlistet im Labor den kleinen Gauner, indem Robin sich selbst als Marionette spielt und sich seinen Gegner in den Fäden verheddern lässt.

Aber „The Secret of the Ant-Man“ ist nur der Prolog. Denn was Batman in der Zwischenzeit treibt, erfahren wir im zweiten Teil: „Robin Dies at Dawn“. Batman wird auf mysteriöse Weise ins Weltall gezogen und landet auf einem fremden Planeten. Die Stimmung mutet surreal an, wie in einem Traum: Eine gelb-grüne Wüste mit großen violetten Kratern und seltsamen anhänglichen Pflanzen, darüber schweben zwei Monde. Als sich eine der Pflanzen Batman schnappt, wünscht der sich seinen Partner herbei und kaum hat er ihn in seiner Verzweiflung gerufen, rettet er ihn.

Doch dann kommt es zum dramatischen Höhepunkt: Das Dynamische Duo wird von einem Steinriesen verfolgt, Robin wird übermütig und wird von einem Felsen erschlagen. Batman begräb ihn. Danach fühlt er sich beobachtet von Menschen, aber er kann niemanden sehen. An dieser Stelle fühlt man sich als Leser ertappt: den natürlich ist man es selbst, der Batman zuschaut, ohne dass er zurückschauen könnte. Nachdem er von einem roten Monster angegriffen wird, erfahren wir, was wirklich los ist: Batman hat sich einem Experiment ausgesetzt, bei dem er so isoliert war wie ein Astronaut im Weltall.

Batman halluziniert Monster

Diese Idee erinnert stark an die Pilotfolge der TV-Serie The Twilight Zone („Where is Everybody?“), die 1959 erschien. Darin findet sich ein Mann in einer verlassenen Welt wieder und die Auflösung ist die gleiche. Bei Batman werden die Halluzinationen mit der Angst vor der Einsamkeit erklärt. Batman bildete sich den Tod von Robin nur ein, weil er ohnehin in ständiger Sorge um ihn lebt.

Im dritten Akt zeigen sich die Spätfolgen dieses Experiments: Während Batman und Robin eine Bande in Affenkostümen jagen, wird Batman von Halluzinationen heimgesucht, die ihn an die eingebildete Alien-Welt erinnern. Batman schmeißt hin, Robin weint. Aber der Ruhestand dauert nur eine Seite. Als Robin gefangen genommen wird, eilt Batman mit Ace, dem Bat-Hound, zu Hilfe, verkleidet sich als Affe, überwindet seine Angst, rettet Robin, alles gut. Und doch: das letzte Panel wirkt mit seiner orangen Sonne und den dunkelvioletten Wolken irgendwie seltsam, als wären wir immer noch in der surrealen, verstörenden Traumwelt …

Was diese Story so spannend macht, ist nicht nur, dass sie eine gewisse psychologische Tiefe offenbart und Batman als psychisch kranken Mann zeigt, sie nimmt auch viele spätere Entwicklungen vorweg, vor allem den 23 Jahre später erschienenen The Dark Knight Returns: Robins Tod, Bruce Wayne gibt als Batman auf, Batman als Selbstzweifler, seine Rückkehr, um das Verbrechen zu bekämpfen. (Die Vorgeschichte ist nachzulesen in Last Crusade.) Grant Morrison bedient noch später sich bei seinem Epos Batman R.I.P. sehr stark bei dieser Story.

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