Comic

Batman 1939: Detective Comics #28

DC Comics

Titel: Frenchy Blake’s Jewel Gang

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #28), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Batmans zweites Abenteuer beginnt mit einer Besonderheit: Batman ist nicht auf dem Cover. Insgesamt erscheinen mit dieser vier Ausgaben von Detective Comics, die nicht Batman (oder etwas Verwandtes) auf dem Titelbild haben. Die Entscheidung mutet heute seltsam an, aber geschadet hat es der Figur nicht. Immerhin wurde Batman zumindest klein auf dem Cover angekündigt.

Wie schon die erste hat auch diese Geschichte nur sechs Seiten, aber die Seiten sind nicht so vollgepackt. Statt vier Reihen haben die Seiten nur drei, die Panels sind größer und entfalten eine stärkere Wirkung.

Auf der ersten Seite sehen wir im Titel Batmans Kopf neben seinem Schriftzug, der immer noch in Anführungszeichen steht. Daneben ein kleines Waagensymbol mit der Inschrift „Justice“. Der Ankündigungstext ähnelt sehr dem ersten, nur dass diesmal erklärt wird, dass er in Wahrheit Bruce Wayne ist.

Zu Beginn der Geschichte haben unbekannte Diebe Juwelen im Wert von 100.000 Dollar gestohlen. Der Polizei fehlt jede Spur. Bruce Wayne klärt den Fall mit einem Telefonat: Er ruft einen Informanten im Knast an, gibt sich als Gordon aus und erfährt, dass Frenchy Blake und seine Gang dahintersteckt.

Als Batman überwältigt er zwei Diebe auf einem Dach, einen stürzt er in die Tiefe – Batmans zweites Todesopfer. Als einer eine Waffe auf ihn richtet, schlägt er ihn K.O. Er schnappt sich die Beute, doch als er zwei Polizisten auf sich zukommen sieht, lässt er sie absichtlich fallen. Die Polizisten schießen nach ihm, aber er springt vom Dach, macht einen Salto und schwingt sich mit einem Seil davon. Das ist das erste Mal, dass Batman als Akrobat auftritt.

Danach wird Batman aber für den Kopf der Gang gehalten. Aber Batman wollte das so. Die Diebe machen dann nämlich weiter – und Batman sie auf frischer Tat schnappen. Er belauscht sie am Fenster, er schwingt sich später am Tatort zum Fenster rein und knockt die Diebe aus, informiert Gordon.

Schurke mit Monokel und Ziegenbärtchen: Frenchie Blake

Später stürzt er sich auf den Anführer Frenchy Blake, einem Mann mit Monokel und Ziegenbärtchen. Zunächst sieht man, wie schwarze Silhouette zur Tür hereinkommt und ihn erschreckt. Batman schlägt ihn zur Begrüßung, dann wickelt er ein Seil um ihn und wirft ihn aus dem Fenster. Batman erpresst ihn, ein Geständnis zu schreiben oder er schneidet das Seil durch. Frenchy tut, wie ihm geheißen, versucht es trotzdem nochmal mit Gewalt, aber bei Batman ist nichts zu machen, er verpasst ihm noch eine, und zwar so stark, dass Frenchy ihn anfleht, es nie wieder zu tun. Der Held lädt den Gauner vorm Polizeihauptquartier ab, samt Geständnis, Juwelen und einer Botschaft an Gordon.

Der Mythos wird hier beträchtlich erweitert: Batman ist nicht nur ein beliebig kostümierter Vigilant, er verbreitet mit seinem Kostüm Angst und wird ihm gerecht, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fliegen scheint. Batman nutzt aber auch moralisch alle Möglichkeiten aus: Er foltert und er tötet, auch wenn man es hier ihm als Notwehr durchgehen lassen kann.

Obwohl er außerhalb des Gesetzes wirkt und von der Polizei verfolgt wird, arbeitet er hier direkt der Polizei zu. Dabei geht er sogar den Umweg, selbst des Diebstahls verdächtigt zu werden. Batman ist ein Held, der wie ein Schurke aussieht. Aber es sollen nur die Schurken sein, die vor ihn Angst haben. Man könnte sagen, er arbeitet an seiner Reputation. Das gibt Gordon am Ende zu denken.

>> Batman 1939: Detective Comics #27
>> Batman 1939-1949

Batman trifft Sherlock Holmes

DC Comics

Titel: The Doomsday Book

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Carmine Infantino u.a.

Erschienen: 1987 (Detective Comics #572), Hardcover 2012 (Legends of the Dark Knight: Alan Davis Vol. 1), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Als die Serie Detective Comics 50 Jahre alt wurde, wurde Sherlock Holmes 100. DC nahm das Doppeljubiläum zum Anlass, die beiden berühmtesten Detektive der Welt zusammenzubringen. Und dafür ist noch nicht einmal eine Zeitreise nötig. Außerdem brachte man noch zwei weitere Detective Comics-Veteranen zusammen: Slam Bradley, den Detektiv, der in der ersten Ausgabe auftrat, und den Elongated Man, der eine Zeitlang die Zweitstory in der Serie bekam.

Die Geschichte beginnt mit Slam Bradley, der kurz vor Weihnachten von einem jungen Engländer namens Morton den Auftrag bekommt, seine Verlobte wiederzufinden, die gekidnappt worden ist. Slam kann noch nicht mal ja sagen, als Morton entführt wird. Batman und Robin können noch verhindern, dass Schlimmeres passiert. Die Spur führt nach London, wo bereits der Elongated Man in der Baker Street einen Mann aufsuchen will, der ihm eine unveröffentlichte Sherlock-Story zeigen will. Der Held trifft dabei auf einen Nachfahren des Schurken Moriarty, der einen doppelten Anschlag auf die königliche Familie plant.

Mit vereinten Kräften können die drei Helden das Schlimmste verhindern. Aber wo bleibt Sherlock selbst? Der bekommt eine ausführliche Rückblende: In The Adventure of the Red Leech verhindern Holmes und Watson ebenfalls einen Anschlag auf die Königin. Die Geschichte droht sich 100 Jahre zu wiederholen.

[ACHTUNG: SPOILER!]

Und am Ende kommt es zum Treffen der Detektive: Sherlock steht plötzlich da, als sehr alter Mann, der immer noch lebt, weil er nicht mehr raucht, sich ausgewogen ernährt (unter anderem von einem Präparat aus Gelée royale) und im tibetischen Hochland lebt. Auch dank ihm kann der Fall schließlich gelöst werden.

Die Story feiert auf sympathische Weise sowohl Literatur- als auch Comicgeschichte, indem sie Batman nicht zum Haupthelden macht, sondern zu einem unter mehreren. Sowohl Slam Bradley als auch der Elongated Man kommen zu ihrem Recht. Batmans Rolle wird sogar für die Sherlock Holmes-Hommage sehr zurückgefahren. Die Rahmenhandlung zeichnet Alan Davis mit gewohnt elegantem Strich, während Carmine Infantino mit seinem sperrigen Stil das Niveau leider wieder senkt und sich einmal sogar blamiert, weil er nicht weiß, wie man eine Geige zeichnet – bei ihm sieht sie wegen der falschen Lochform aus wie eine Ukulele.

Auch wenn hier keine Innovation geboten wird, das muss es auch nicht. Hier geht es um Nostalgie. Und als Jubiläumsstory funktioniert diese hier allemal.

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Batmans böses Omen

DC Comics

Titel: Resurrection Night

Autor/Zeichner: Doug Moench/George Perez, Joe Kubert, Bill Sienkiewicz, Brian Bolland, John Byrne u.a.

Erschienen: 1986 (Batman #400)


Zur 400. Ausgabe von Batman hat DC ein 60-seitiges Jubiläumsheft mit einem All-Star-Aufgebot herausgebracht. Nicht nur eine Reihe bekannter Zeichner, sondern auch alle klassischen Schurken tauchen in der Story von Doug Moench auf.

Zeitgleich werden die Insassen von Arkham und Blackgate befreit. Batmans Erzfeinde schlüpfen in ihre Kostüme und entführen Vicky Vale, Harvey Bullock sowie Julia und Alfred Pennyworth. Dann übernimmt der Joker zusammen mit Pinguin und Mad Hatter das Polizeipräsidium und erklärt Commissioner Gordon zur Geisel.

Hinter der Aktion steckt Ra’s al Ghul. Er will – mal wieder – Batman auf seine Seite ziehen. Ra’s bietet ihm an, ihm zu helfen, alle Schurken auf einmal zu fassen oder auch zu töten. Auch wenn Batman das Angebot ausschlägt, gerät er doch in Selbstzweifel, seine Mühe könnte vergeblich sein. Selbst Alfred interpretiert Batmans Feldzug als Scheitern, denn es sei ihm nicht gelungen, seine Gegner zu resozialisieren. Am besten wäre eine Welt, die keine Gefängnisse nötig hat – aber damit setzt er die Messlatte ins Unerreichbare.

Robin und Catwoman unterstützen Batman als Sidekicks. Wie immer taucht Talia als Helferin in der Not auf, verschwört sich gegen ihren Vater und erklärt: Ra’s will Batman nicht wirklich bekehren, sondern ihn als Mann zerstören, er will seinen Geist brechen.

Und hier wird es interessant. Denn in gewisser Weise nimmt die Story (wissentlich oder nicht) viele weitere wichtige Ereignisse der späteren Jahre vorweg. Eine ähnliche Agenda wird Bane in Knightfall (1993) haben und sogar ähnlich vorgehen. Auch er wird die Arkham-Insassen befreien, was sich später auch durch das Beben wiederholen wird. Und Killer Croc spricht in Batman #400 sogar davon, Batmans Rückgrat brechen zu wollen.

Mehr noch: Ra’s Geheimversteck unter einer Windmühle wird von einem Erdbeben zerstört. Und als kurz darauf Batman mit seinen befreiten Freunden in der Bathöhle sein Jubiläum feiert (nicht gesagt wird, wie viele Jahre Batman im Dienst ist), setzt ein Nachbeben ein, das einen Stalaktiten von der Höhlendecke abbrechen und in die Torte fallen lässt. „An omen?“, fragt Robin, wie damals Bruce, als die Fledermaus in sein Fenster geflogen kam. „Yes“, sagt Batman. „A single ‚candle‘ … to mark the first night of a new beginning … an nothing, my friends — to laugh about.“ Es wirkt, als würde Batman bereits voraussehen, dass die Höhle ein Jahrzehnt später zusammen mit Gotham City bei einem Beben zerstört werden wird.

Man kann einwenden, dass Batman nur meint, es gehe eine Ära zu Ende, weil das DC-Universum nach der Crisis on Infinite Earths neu geordnet wird. Aber selbst dann drückte Batman den Pessimismus aus, dass alles noch schlimmer werden würde. Man kann auch einwenden, es sei unwahrscheinlich, dass ein Autor die Doug Moench so weit vorausgeplant hat. Aber darum geht es nicht: Im Rückblick erscheint diese Story prophetisch – und sei es nur durch schieren Zufall.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Detective Comics #500

Detective Comics #500 (1981)

DC Comics

Titel: To Kill A Legend/Once Upon A Time/What Happens When A Batman Dies?

Autor/Zeichner: Alan Brennert, Len Wein, Cary Bates/Dick Giordano, Walter Simonson, Tom Yeates, Carmine Infantino

Erschienen: 1981 (Detective Comics #500), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Carmine Infantino, Tales of the Batman: Len Wein), 2016 (Tales of the Batman: Alan Brennert), 2018 (Detective Comics: 80 Years of Batman)


Zu Batmans 42. Geburtstag erschien Detective Comics #500, eine 82-seitige Jubiläumsausgabe mit vier Batman-Storys, darunter eine in guter alter Groschenroman-Prosa, sowie Geschichten mit Slam Bradley, Elongated Man und Hawkman. Aus heutiger Sicht, da Detective Comics #1000 erschienen ist, kann das Heft als etwas wie Batmans Halbzeitshow gelten.

In Alan Brennerts Story „To Kill A Legend“ schickt der Phantom Stranger Batman und Robin auf eine Parallelwelt, um den Mord an Thomas und Martha Wayne zu verhindern. Wir erfahren, dass sich dieser Mord zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten wiederholt. Während sich für Batman die Chance bietet, seine Eltern zu retten, hat Robin Skrupel.

Denn Klein-Bruce ist ein verzogenes Balg (Thomas Wayne ist kurz davor, ihn zu schlagen) und Robin fragt sich, ob man nicht aus pädagogischen Gründen dafür sorgen sollte, dass er seine Eltern sterben sieht. Außerdem versagt man dieser Welt ihren einzigen Helden – denn sie kennt weder Helden in der Literatur noch im wahren Leben. Trotzdem: „No one should be angry all his life“, sagt Batman. Also jagt der Joe Chill, um ihn von seinem Attentat abzuhalten.

Am Ende kommt es anders als gedacht. Der Mörder ist ein anderer, der Mord wird verhindert, aber Bruce ist trotzdem so beeindruckt von der Heldentat, dass er Detektivbücher liest und trainiert, um der nächste (bzw. erste) Batman zu werden. Diese optimistische Wendung zeigt, dass es nicht imm Tragödien braucht, um Helden zu gebären, sondern dass Batman auch mit gutem Beispiel vorangehen kann.

DC Comics

In „What Happens When A Batman Dies?“ von Cary Bates und Carmine Infantino sehen wir einen Batman am Ende. Zunächst ist er verbittert, dass sein Kampf gegen das Verbrechen nie genügt, um wirklich dauerhaft Gutes zu schaffen. Batman empfindet seine Mühe als vergeblich. Dann wird er von einem Kampfhund angefallen, der ihn mit einem Gift beinahe tötet. Während ein Arzt im Krankenhaus um Batmans Leben kämpft, trifft Batman auf Deadman.

Wieder spricht der Fatalist: „… the fight for life just wasn’t worth the ordeal!“ Erst seine Eltern können ihm zeigen, dass er bereits viele Leben gerettet hat und dass es für ihn noch viel zu tun gibt. Das alles mag schön und gut sein, aber leider geht die Geschichte noch weiter. Deadman ergreift Besitz von Robin, der Batman eine Ladung Adrenalin ins Herz jagt, daraufhin ergreift Deadman Besitz von Batman und lässt ihn aus dem Fenster springen, um dann seinen Mörder und ein Gegengift zu finden.

Auch wenn die Zeit angeblich knapp ist, weil Batman kurz vor dem Hirntod steht, bleibt dennoch genau so viel, wie nötig ist, um den Fall nach Detektiv-Manier zu lösen, einen weiteren Hundeangriff abzuwehren und den Mörder zu überwältigen. Das Unglaubwürdigste an der Geschichte ist aber, dass niemand in der Notaufnahme daran denkt, Batman die Maske abzunehmen oder ihn aus dem Kostüm zu holen.

Zeichner Carmine Infantino, der Batman in den 60ern zu einem neuen Look verholfen hat, hat hier leider den Höhepunkt seiner Kunst überschritten. Die Zeichnungen wirken unbeholfen und sperrig, bei den Hunden versagt die Anatomie völlig.

Die visuell interessanteste, weil düstere Geschichte ist der Zweiseiter „One Upon A Time“ von Len Wein und Walter Simonson. Batman verhindert einen Raubüberfall, Dialog gibt es keinen. Aber die Bilder sprechen für sich und zeigen einen schaurigen Dunklen Ritter in Aktion.

Hinweis: Detective Comics #500 gibt es digital bei Comixology. Die drei Batman-Comics sind einzeln in den oben genannten Bänden enthalten.

>> Batman 1980-1989

Vier Variationen einer Geschichte

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, Alan Grant/Jim Aparo, Norm Breyfogle

Erschienen: 1991 (Detective Comics #627)


Zum 600. Auftritt von Batman in Detective Comics wurden nicht nur die ersten beiden Versionen der ersten Batman-Story nachgedruckt, Marv Wolfman und Alan Grant haben sich auch zwei neue Adaptionen einfallen lassen.

Die Wolfman-Variante beginnt mit einer Splash Page, die wie das erste Panel der Original-Geschichte Batman nur als Silhoutte zeigt – Batman wird mit dem Original-Text als Geheimnis eingeführt, auch wenn er in der Story längst bekannt ist. Nicht Gordon ermittelt hier, sondern Dana Hanrahan.

Der Mörder geht sehr publikumswirksam vor, ein typischer Batman-Schurke. Eine Frau im Schutzanzug spritzt unter dem Pseudonym Pesticyde eine Säure, die Menschen, Autos und Asphalt schmelzen lässt. Lambert verschmilzt mit seinem Taxi, daraufhin trifft sich Bruce Wayne mit dem Sohn, Ted Lambert. Wieder ist der Sohn der Umweltschützer mit einem Motiv: Bruce erfährt, dass Ted einen Streit mit seinem Vater hatte, der Gift ins Wasser kippen ließ.

Der Täter ist Prisilla, die Tochter von Stryker. Sie will sich dafür rächen, dass ihr Vater von Säure entstellt worden ist. Statt das letzte Opfer, Rogers, wie die anderen mit der Säure zu bespritzen, wird er mühsam über einem Tank drapiert, über dem ein Fass mit der Substanz schwebt. So kann Batman Rogers noch rechtzeitig retten. Die Täterin stirbt durch eigenes Verschulden, indem sie selbst in den Tank fällt – so weit, so traditionell. Aber wie es geschieht, ist äußerst albern, um nicht zu sagen dämlich, oder einfach: einfallslos. Sie spritzt ein Loch in den Boden, rennt darauf zu und fällt hinein – was soll das denn?

Alan Grants Variante legt den Schwerpunkt auf den Umweltaspekt. Gleich auf der ersten Seite sieht man einen Haufen Fässer mit giftigen Chemikalien. Lambert wird wieder mit einem Messer erstochen, sein Sohn Mel ist am Tatort, Batman entlastet ihn zunächst, aber er findet ein Päckchen Kokain bei ihm. Mel hat das Unternehmen seines Vaters missbraucht, um Drogen zu schmuggeln. Dafür setzt es was: Als der Kleine aufmuckt und die Pistole zückt, wirft ihm Batman das Koks ins Gesicht und verpasst ihm einen rechten Haken.

Der Rest der Handlung läuft etwas raffinierter als sonst ab: Crane wird von angeheurten Killern erledigt, die es wie einen Überfall aussehen lassen wollen. Batman kommt zu spät. Um sie zum Sprechen zu bringen, greift Batman zu einer drastischen Maßnahme: Er steckt einem der Mörder die eigene Pistole in den Mund.

Das dritte Opfer, Paul Rogers, erhängt sich scheinbar und hinterlässt ein Bekennerschreiben. Aber Batman lässt sich nicht täuschen: Er weiß, dass der Vierte im Bunde, Stryker, dahintersteckt. Beim Showdown im Chemiewerk fällt Stryker durch einen Unfall in den Säuretank. Und Batman sagt, wie schon 1939 den legendären Satz: „A fitting ending for his kind!

Gerahmt wird die Geschichte durch eine Handlung, in der man einen Obdachlosen durch die Stadt ziehen sieht, er wird von Schlägern bedroht und von Batman gerettet. Daraufhin gibt er Batman den entscheidenden Hinweis auf den Giftmüll, durch den seine Kumpel getötet wurden. Alan Grant wird auch hier seinem Ruf als Sozialkritiker gerecht.

Detective Comics #627, das daneben auch die Ausgaben #27 und #387 enthält, zollt nicht nur Batmans Ursprüngen Tribut. Hier kann man auch im Kleinen beobachten, was sich ständig im Großen bei Batman (und anderen Superhelden) vollzieht: Im Grunde wird immer dieselbe Geschichte neu erzählt, oder wenigstens ein gewisser Grundstock an archetypischen Geschichten, der immer wieder variiert wird. Es kommt dabei auf eine Gratwanderung zwischen Traditionsbewusstsein und Innovationsfreude an. Die Herausforderung besteht darin, auf dem Grund des Altbekannten eine interessante Variation herzustellen, die das Lesen lohnt. So erscheint auch viermal dieselbe Geschichte jedes Mal wie eine ganz neue.

>> Batman in den 90ern

Robin mag keine Hippies

DC Comics

Titel: The Cry of Night is — ‚Sudden Death!‘

Autor/Zeichner: Mike Friedrich/Bob Brown

Erschienen: 1969 (Detective Comics #387)


30 Jahre nach dem Debut von Batman in Detective Comics #27 hat DC die Geschichte neu erzählt – allerdings mit großen Unterschieden. Der Titel ist anders, Robin ist da und es fehlt natürlich der Reiz des Neuen. Batman ist kein Mysterium mehr, sondern längst etabliert. Daher sehen wir auch keinen Bruce Wayne, der gemütlich mit Gordon raucht. Der Commissioner ist zu Beginn der Geschichte am Tatort und verdächtigt den jungen Mel Lambert, seinen Vater ermordet zu haben.

Batman redet Gordon den Verdacht schnell aus. Gordon steht ziemlich blöd da, als inkompetenter Polizist. Der Verdächtige ist nicht irgendein Typ, sondern ein Repräsentant der Jugendkultur: ein Hippie mit langen Haaren, Peace-Zeichen-Anhänger und Motorrad. Als das Dynamische Duo eintrifft, nennt er sie ironisch „Big Brother and the Holding Company“, aber Batman versteht die Anspielung – er weiß sogar, dass Janis Joplin die Leadsängerin ist. (Allerdings hat die Anspielung einen doppelten Boden: „Big Brother“ lässt auch an den Überwachungsstaat von 1984 denken.)

Doch während Batman damit beweist, auf der Höhe der Zeit zu sein, und damit keineswegs, wie ihm Lambert vorwirft, Teil des Systems, stellt sich der junge Robin als Gegenpol heraus: „Punks like Mel Lambert ought to be locked up and the key thrown away! He’s got no respect for anyone — not even you!“, wirft er seinem Mentor in der Bathöhle vor. „If it weren’t for guys like you, he couldn’t even walk the streets at night!“

Das sind starke Worte für den sonst eher optimistischen Charakter. Robin fällt als reaktionärer Spießer aus der Rolle. Im Laufe der Handlung versucht er auch einen weiteren Mord Lambert anzuhängen. Vieles spricht zunächst auch dafür, Lambert hat seinem Vater vorgeworfen, dass dessen Forschung von der Regierung für den Krieg missbraucht werden könnte, aber Batman bleibt skeptisch, solange eindeutige Beweise fehlen.

Am Ende läuft es auf die gleiche Auflösung wie in der Vorlage hinaus: Der Chemiker Stryker hat die Morde an seinen Kollegen aus Habgier in Auftrag gegeben. Der Mörder hat sich nur als Mel Lambert verkleidet. Das Finale ist mit zwei Schlägen und einem Überwurf erledigt, aber es fehlt leider die Sequenz, in der Batman unter die Glasglocke springt und verhindert, dass ein drittes Opfer vergast wird.

Die Story will auf etwas anderes hinaus: Die Pointe besteht in der pädagogisch wertvollen Erkenntnis, dass sowohl Robin als auch Lambert ihre Vorurteile überdenken. Interessant ist, dass Robin hier als der unzeitgemäße Charakter dargestellt wird. Bald darauf (in Batman #217, Dezember 1969) verlässt er Batman, Dick Grayson beginnt sein Studium und erlebt eigene Abenteuer, und Batman verlässt Wayne Manor – und damit auch die Batcave. Es war das Ende einer Ära – das Silver Age ging ins Bronze Age über.

Zum Vergleich der beiden Versionen wurde in diesem Heft auch The Case of the Chemical Syndicate nachgedruckt.

>> Batman in den 60ern

Batmans wahrer Vater: Bill Finger

Es ist die große Lüge des Batman-Mythos: „Batman created by Bob Kane“. 76 Jahre lang war es so oder ähnlich in allen Comics und Filmen zu lesen. Aber es war bestenfalls nur die halbe Wahrheit. Erst 2015 änderte sich der Credit: „Batman created by Bob Kane with Bill Finger.“ Viele Fans wussten damals mit dem zweiten Namen nichts anzufangen. Bis der Name bekannt wurde, war es ein langer harter Kampf.

Bill Finger war nicht nur der Autor der ersten Batman-Storys, er schrieb nicht nur Batman-Comics bis in die 60er Jahre hinein, er erschuf auch Batmans ganze Welt. Finger erfand  Charaktere wie Robin, Commissioner Gordon, Joker, Catwoman, Clayface I & II, Two-Face, Riddler und Mad Hatter, er gab Gotham City seinen Namen und überhaupt machte er Batman zu dem, was er heute ist.

Proto-Batman von Bob Kane

Am Anfang war nur Bob Kanes Idee: der Name „Bat-Man“ und eine Zeichnung, die wenig mit dem zu tun hat, wie Batman später geworden ist: ein Typ in roter Unterwäsche, mit steifen schwarzen Flügeln und einer Augenmaske – keine spitzen Ohren, kein Logo auf der Brust. Es war Bill Finger, der vorschlug, Batman zu einer düsteren Figur der Nacht zu machen, sein Gesicht von einer Maske zu verdecken, die ihn wie eine Fledermaus aussehen ließ, und ihm ein Cape zu verleihen.

Die Idee kam bei DC (damals noch National Comics) gut an, Bob Kane schloss einen Vertrag mit dem Verlag, Bill Finger wurde zu seinem Ghostwriter und damit auch zu seinem Angestellten. „The Bat-Man“ wurde von seinem ersten Auftritt in Detective Comics #27 (1939) ein Hit. Künftig stand unter jeder Geschichte „Bob Kane“, auch wenn später andere Zeichner und Autoren übernahmen. Aber Bill Finger wurde niemals erwähnt.

Bis in die 60er Jahre hinein kannte niemand diesen Namen, bis er auf einer Convention auftrat. Erst 1966 bekam er einen Credit für seine Autorschaft an Batman – eine Doppelfolge für die Batman-TV-Serie mit Adam West, die er zusammen mit seinem Freund Charles Sinclair schrieb (The Clock King’s Crazy Crimes/The Clock King Gets Crowned). Als es sich unter Fans herumsprach, dass Bill Finger der Mann hinter Batman war, zeigte sich Bob Kane unfair: Er widersprach der Behauptung öffentlich und sagte, er allein habe Batman erschaffen.

Bill Finger schrieb Batmans Entstehungsgeschichte (Batman #1, 1940, DC Comics)

Erst nach Fingers Tod änderte sich das. Der Autor starb 1974 einsam und verarmt in seiner Wohnung. Er wurde nicht mal 60 Jahre alt. Er bekam ein anonymes Grab. Bob Kane allerdings hatte sich früh einen Anteil an den Einnahmen von Batman gesichert und heimste bis in die 90er den Ruhm dafür ein. Trotzdem gab er in späteren Jahren zu, dass Finger zu „50 bis 75 Prozent“ an Batmans Entstehung beteiligt war.

Diese Geschichte erzählt der Dokumentarfilm Batman & Bill (2017). Er zeigt, wie der Autor Marc Tyler Nobleman versucht hat, mehr über Bill Finger herauszufinden, um ein Buch über ihn zu schreiben (Bill the Boy Wonder: The Secret Co-creator of Batman, 2012). Nobleman machte die letzte Nachfahrin ausfindig, die Großenkelin Athena Finger, und begleitete sie bei ihrem Kampf um Fingers Anerkennung als Batman-Mitschöpfer.

Obwohl Comic-Historiker längst Fingers Autorschaft anerkannt hatten, sperrte sich Warner Bros. lange Zeit dagegen, Finger zu nennen, wohl aus Angst, dass damit weitere Ansprüche gestellt werden könnten. Aber um Geld ging es Athena Finger nicht. Erst 2015 setzte sie durch, dass Bill Finger genannt wird. Auf der Leinwand wurde er erstmals im Film Batman v Superman erwähnt.

Batman & Bill erzählt nicht nur von einem vergessenen Kapitel Comicgeschichte als spannende Recherche, sondern auch von einer dramatischen Familiengeschichte. Bill Fingers einziger Sohn Fred verließ seine Familie, nachdem er sich zu seiner Bisexualität bekannt hatte, er erkrankte an Aids und starb 1992 daran.

Interessanter Nebeneffekt: Nobleman wird selbst zum Detektiv, um dem wahren Schöpfer von Batman zu seinem Recht zu verhelfen. Ganz wie sein Vorbild Batman.

Leider ist die Dokumentation nur auf Hulu in den USA zu sehen. Eine deutsche Version fehlt.

UPDATE: Batman & Bill erscheint am 17. Oktober 2019 in Deutschland auf Blu-ray.

Hinweis: Bill Finger schrieb seine letzte Detective-Comics-Ausgabe 1964 (#328)– es war das Heft, in dem Alfred Pennyworth (scheinbar) stirbt. Seine letzte Batman-Ausgabe war #177 (1965), seine allerletzte Arbeit an Batman kann man in World’s Finest #165 (1967) nachlesen.

Batman 1939: Detective Comics #27

detective comics 27 cover

DC Comics

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1939 (Detective Comics #27), Paperback 2005/2016 (Batman Chronicles Vol. 1/Batman: The Golden Age Vol. 1)


Vor 80 Jahren, am 30. März 1939, erschien die erste Batman-Story in Detective Comics #27. The Case of the Chemical Syndicate (inspiriert von einer The Shadow-Geschichte) umfasst nur sechs Seiten, aber diese haben gereicht, um der Titelfigur sofort zum Erfolg zu verhelfen.

Schon das Cover mit seinem rot-gelben Hintergrund erregt Aufmerksamkeit. Während Superman auf dem Cover von Action Comics #1 im Jahr zuvor noch übermenschliche Stärke bewies, indem er ein Auto an einen Felsen rammte, schwingt hier eine maskierte Figur mit bauschendem schwarzen Umhang an einem Seil durch die Luft und hält einen Mann im Schwitzkasten – auch das eine beachtliche athletische Leistung, die über menschliche Grenzen hinausgeht. Bei Superman rannten die Menschen und damit die Verbrecher in Angst davon, Batman aber hält das Verbrechen buchstäblich im Würgegriff, er ist näher an den Menschen, was man auch daran sieht, dass die beiden Gangster im Vordergrund sich ihm zuwenden, einer richtet sogar seine Waffe auf den Helden – und stellt so eine Gefahr dar. Superman hingegen kann nichts etwas anhaben.

Damit ist Batman, der zunächst erfunden wurde, um einen zweiten Superman zu etablieren, etwas ganz Eigenes geworden. Bereits auf dem Cover wird deutlich, dass es sich um einen Anti-Superman handelt. Schwarz-grau statt rot-blau, menschlich statt außeridisch, mysteriös statt auffällig. Batman verbirgt sein Gesicht. Und genau darum geht es auch in der ersten Geschichte, um eine Geheimidentität. Zugleich tritt auch bereits sehr viel von dem zutage, was den Charakter von Batman ausmachen wird.

Auf Seite eins sieht man zunächst nur Batman als Schattenriss. Noch bevor ein Logo etabliert ist, das den Neuling zur Marke macht, etabliert sich hier bereits die abstrahierte Fledermaus, die sich vor einem gelben Vollmond abzeichnet, als Prototyp mit Wiedererkennungswert. Batman steht auf einem Dach, steht damit über den Dingen, behält den Überblick, während im Hintergrund die Wolkenkratzer der Stadt zu sehen sind, die später einmal Gotham City genannt werden wird – eines der Pseudonyme für New York City.

Batman erscheint im ersten Panel bereits als eine Art Batsignal, noch bevor es als solches etabliert wird. Der Schattenriss ist aber auch ein Hinweis darauf, dass seine wahre Identität unbekannt ist. Nicht von ungefähr heißt es noch „The Bat-Man“ – Fledermaus und Mann sind noch getrennt durch einen Bindestrich. Erst später sollen sie zur unzertrennlichen Einheit verschmelzen.

Raucher unter sich: Bruce Wayne und Gordon

Zu Beginn sind wir bei Commissioner Gordon zuhause. Bei ihm ist sein junger Freund, der Promi Bruce Wayne. Man sitzt gemützlich im Sessel und raucht: Gordon Zigarre, Bruce Pfeife. Bruce stützt melancholisch oder gelangweilt den Kopf mit der Hand und fragt, ob in letzter Zeit etwas Spannendes passiert sei. Nein, sagt Gordon, nur dieser „Bat-Man“ lege ihm Rätsel auf, aber da klingelt auch schon das Telefon und die Krimi-Handlung setzt ein.

Der Chemie-König Lambert, wurde erstochen. Die Fingerabdrücke seines Sohnes sind auf dem Messer. Gordon fährt hin, Bruce kommt mit, da er nichts Besseres zu tun hat. Der Sohn behauptet, seinen Vater sterbend gefunden zu haben und beteuert seine Unschuld. Dann ruft ein anderer, Steven Crane, bei Lambert an, um ihn vor dem Mord zu warnen, und behauptet, eine Morddrohung erhalten zu haben. Während Gordon sich die Story anhört, empfiehlt sich Bruce Wayne.

Batmans erster Auftritt

Kurz darauf wird Crane tatsächlich ermordet. (Diese angekündigten Morde werden auch später in der ersten Joker-Story ein wichtiger Modus Operandi.) Und als der Mörder seinen Komplizen auf dem Dach des Hauses trifft, um ihm ein Dokument zu übergeben (ein seltsamer Treffpunkt), steht da plötzlich Bat-Man mit verschränkten Armen vor ihnen, als hätte er sie bereits erwartet. Die beiden Gauner wissen, mit wem sie es zu tun haben. Bat-Man verhaut den einen, den anderen wirft er vom Dach und greift sich das Dokument. Ob der Hinabgestürzte überlebt, bleibt unklar, genauso wie die Frage: Wenn Bat-Man wusste, dass auf Crane ermordet werden sollte, warum hat er auf dem Dach gewartet, dass es passiert, statt es zu verhindern?

Vielleicht war er nicht rechtzeitig genug da. Denn erst kurz darauf trifft auch Gordon ein. Doch als er Bat-Man sieht, befielt er den anderen Polizisten, den Maskierten zu schnappen. Ein Schuss geht los, aber man kümmert sich nicht weiter drum. Später wird dieser Aspekt in Year One zu einem handlungstragenden Element: Die Polizei jagt den Vigilanten auch deshalb, weil er die Korruption gefährdet. Gordon konvertiert vom Verfolger zum Partner. Hier aber beschränkt sich seine Freundschaft nur auf Bruce. Bat-Man ist zu Beginn noch illegal und unerwünscht.

In der nächsten Sequenz sehen wir Batman in seinem Auto davonbrausen: das Batmobil ist noch eine rote Limousine, ohne Fledermaus-Markenzeichen. Zwei weitere Männer sind in Gefahr: Rogers und Stryker. Als der eine den anderen besucht, um ihn zu warnen, schlägt der Strykers Assistent, Jennings, Rogers K.o. und will ihn in einem Labor vergasen. Bat-Man stürzt sich tollkühn unter die Glasglocke, verstopft das Gas-Rohr und zerschlägt die Glocke mit einer Zange. Jennings wird ausgeknockt.

Batman rettet Rogers

Als Stryker auftaucht und sieht, dass Rogers immer noch lebt, geht er mit einem Messer auf ihn los, um den Job selbst zu erledigen. Bat-Man entwaffnet ihn mit einem Handgriff und erklärt die Handlung: Der Schurke war mit den drei Partnern an einem Chemie-Unternehmen beteiligt und wollte die anderen töten lassen, um sie nicht auszahlen zu müssen. Stryker versucht noch einmal, mit einer Waffe freizukommen, Batman schlägt ihn und der Schurke fällt in einen Säuretank. Bat-Man ist ungerührt: „A fitting ending for his kind“, findet er und versucht nicht mal, den Mann da rauszuholen. Das ist die erste Leiche, die auf Batmans Konto geht. (Falls nicht schon der Komplize, den er vom Dach geworfen hat, gestorben ist.)

Sturz in den Säuretank: Batmans erste Leiche

Rogers will seinem Retter danken, aber da ist er schon mitten im Satz verschwunden (allerdings noch sichtbar durch das Oberlicht) – auch das ist ein Verhalten, mit dem er später vor allem den Commissioner nerven wird. Als Gordon Bruce Wayne am nächsten Tag die Story erzählt, tut dieser sie als Märchen ab. Gordon findet, dass er zwar ein netter Junge sei, aber er bedauert ihn, ein so langweiliges Leben zu führen, dass er sich für nichts interessiere.

Bruce Wayne erweist sich als Bat-Man

Doch als Bruce nach Hause geht, erfahren die Leser, dass er niemand Geringeres als Bat-Man ist. Was für heutige Leser Allgemeingut ist, war in der ersten Ausgabe noch eine verblüffende Wendung – und darin lag auch, abgesehen von der waghalsigen Action, der eigentliche Reiz dieser allzu abgehetzt erzählten und konventionellen Kriminal-Geschichte.

Was die erste Batman-Story ebenfalls einführt, ist das Thema Chemie. Immer wieder wird es Batman mit Schurken zu tun bekommen, die von Säure entstellt wurden (Joker, Two-Face), die mit Gas (Scarecrow) oder mit Gift manipulieren (Poison Ivy) oder sich mit Drogen aufputschen (Bane, Man-Bat). Der Sturz in den Säuretank wird später Teil des Joker-Mythos (The Man Behind the Red Hood, Detective Comics #168, 1951 & The Killing Joke) und eine spätere Neu-Interpretation von The Case of the Chemical Syndicate deutet an, dass bereits dabei der Joker entstanden sein könnte (Detective Comics #27, 2013).

Weitere Adaptionen gab es in Detective Comics #387 (1969), Secret Origins #6 (1986) und Detective Comics #627 (1991). Aber dazu später mehr.

(Hinweis: Detective Comics #27 kann man sich gratis bei Comixology herunterladen.)

>> Batman 1939-1949


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Detective Comics bekommt ein neues Logo

Detective Comics #1001 Logo (DC Comics)

Zu Batmans 80. Geburtstag hat DC bei der WonderCon ein neues Logo für Detective Comics angekündigt. Ab der nächsten Ausgabe (#1001) wird es mit den Farben blau und gelb wieder deutlich bunter, es wird eine Batman-Form annehmen und den Schriftzug „Batman“ enthalten. Es erinnert an das alte Batman and the Outsiders-Logo von 1983. Auf dem Cover wird das dann so aussehen:

Das Detective-Comics-Logo hat sich im Laufe von 82 Jahren oft gewandelt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Änderungen. Schon zwischen der Erstausgabe und #27 (Batmans erstem Auftritt) gibt es einen Unterschied in der Schrift. Seltsamerweise ist nicht das Genre „Detective“, sondern das Wort „COMICS“ groß und fett gedruckt, später immerhin etwas weniger klotzig. Später rückte das Logo an den linken Coverrand und wurde leicht schräg gestellt, aber so blieb es bis 1964.

Mit dem neuen Stil in Detective Comics #327 (1964) wurde auch das Logo geändert. Es ist noch schlichter, das Wort „Detective“ steht mit Großbuchstaben im Vordergrund – genauso wie in den Geschichten, die sich wieder auf die Ursprünge der Figur zurückbesinnen. Bereits 1968 erinnert die Marke wieder stärker an das, was drinsteckt: Das Logo nimmt erstmals Batman-Form an (wie seine Schwesterserie „Batman“, die 1940 startete) und der Schriftzug „Batman and Robin“, zusammen mit den zwei Hauptfiguren im Bild, macht unmissverständlich klar, worum es geht.

In den 70ern ändert sich das Logo häufiger: Zuerst schmeißt man „Batman“ raus (der aber als Cornerbox-Figur bestehen bleibt), dann kehrt man wieder zum Design von 1939 zurück. Allerdings: Ganz ohne Batman-Kopf und -Schriftzug geht es dann doch nicht. Später heißt es sogar: „Batman’s Detective Comics“. Besonders elegant wird es 1976: Die Schrift ist gerahmt von einem wallenden Cape und Batman ist im Profil zu sehen.

In den 80ern steht wieder Batman im Vordergrund, und zwar so groß, dass im Cape kein Platz mehr für „Detective Comics“ ist – der Serientitel rückt als Dachzeile nach oben. Nach der Crisis (1986) gibt es jedes Jahr ein neues Logo, dann aber besinnt man sich auf die alte Marke zurück. Das Wort „Batman“ braucht es nicht mehr, man sieht ja auf dem Bild, was drinsteckt. Außerdem dürfte mittlerweile jeder diese Serie kennen.

Oder vielleicht doch nicht: In den 90ern musste wieder „Batman“ aufs Logo, und zwar sehr prominent, aber ohne die Fledermausform kam es nicht mehr aus. Mal hauchzart im Hintergrund, mal überdeutlich. Mal hieß es „Batman in Detective Comics“, mal „Detective Comics starring Batman“. Aber die Schrift ließ sich davon nicht mehr bannen, sie ragte über den Rand hinaus. Was auch auf die Geschichten zutrifft, in denen Batman über seine Grenzen hinausgebracht wurde (Knightfall, Contagion, No Man’s Land). 1996 wurden die Logos der beiden Hauptserien aneinander angeglichen, „Detective Comics“ wurde zum Untertitel für Batman.

Im neuen Jahrtausend bekam Batman wieder einen neuen Stil verpasst. Das gelbe Logo auf seiner Brust verschwand und die Cover wurden stilisierter. Das Logo wurde (wie auch bei der Parallelserie) aus simplen Balkenformen zusammengesetzt, für Schnörkel war kein Platz mehr, „Batman“ war nur eine Zusatzinformation, in einem Oval leistete man sich mit einer Maske noch ein Bild-Element. Schon 2003 änderte sich das wieder für eine große Fledermausform und eine frei schwebende Schrift: „Detective“ groß im Mittelpunkt – sie blieb bis 2011.

Mit dem DC-Reboot The New 52 (2011) wurde alles neu. Fledermaus und Schrift bekamen einen „Used Look“, alles wirkte sehr dynamisch. Mit der Übernahme des Kreativteams Francis Manapul und Brian Buccellato wurde die Fledermaus nur noch angedeutet, passend zum Gesamteindruck wurde alles nochmal ein Stück weit cooler (was man von der Qualität der Geschichten aber nicht behaupten kann).

Schließlich kehrte man mit Rebirth (2016) nicht nur zur alten Nummerierung, sondern auch zum alten Logo zurück, das von 2003 bis 2011 üblich war. Nur Schrift, keine Fledermaus, dafür wieder Batman als Dachzeile. Rebirth machte den Reboot gewissermaßen rückgängig, man setzte wieder auf Kontinuität und Tradition. So konnte man im Jubiläumsjahr 2019 Detective Comics #1000 feiern.

2016

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80 Jahre Batman: Detective Comics #1000

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Detective Comics #1000-Cover von Jim Lee (DC Comics)

Eine von DCs besten strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahre war es, die Hauptserien von Batman und Superman zweiwöchentlich erscheinen und Action Comics und Detective Comics zur alten Nummerierung zurückkehren zu lassen. Zum einen, weil man so mehr Comics verkaufen und die Leser bei der Stange halten konnte, zum anderen, weil dadurch die jeweils 80-jährigen Jubiläen mit den 1000er-Ausgaben zusammenfielen.

Allerdings: Während Superman von Anfang an Action Comics war, kam Batman erst in Detective Comics #27 vor. Strenggenommen müssten wir also noch 27 Ausgaben warten, bis Batman seinen 1000. Auftritt in der Serie hat – ein Umstand, der bei früheren Jubiläumsausgaben (627) berücksichtigt wurde. Aber das sind nur Zahlenspielereien, denn Batman hat in 80 Jahren weit mehr als 1000 Hefte gefüllt, zusammen mit allen Ablegern sind es unzählige.

Ein Jubiläumsheft, das versucht, dieser sehr langen und unüberschaubaren Tradition Rechnung zu tragen, ist daher schon ein gewagter Versuch. 96 Seiten umfasst Detective Comics #1000, elf Geschichten und auch ein paar Seiten, die bloß hübsch zum Ansehen sein sollen. Jede dieser elf Geschichten trägt die Last dieser Tradition und will zugleich einen Beitrag dazu leisten.

Scott Snyder & Greg Capullo besinnen sich auf die Anfänge zurück: Batman als Detektiv. In Batman’s Longest Case geht Batman einer Spur aus seinem ersten Fall (aus #27, 1939) nach und folgt ihr über Jahre um die ganze Welt. Am Ende landet er wieder in Gotham und stellt fest, dass alles nur ein Test war, um in eine Geheimgesellschaft der besten Detektive aufgenommen zu werden. Dazu gehören auch Slam Bradley, Hawkman und Martian Manhunter.

Man kann einwenden, dass der World’s Greatest Detective keinen solchen Aufnahmetest braucht und seine Zeit nicht mit Spielchen verschwenden sollte, aber was zählt ist – abgesehen von dem Willen, ein paar Comic-Veteranen in einer Splash Page zu versammeln – die Botschaft, dass jede Antwort immer zu anderen Fragen führt, jedes Rätsel zu neuen Rätseln. Man stehe immer wieder am Anfang. Diese Einsicht lässt am Ende Batman staunen. Und dem Leser wird klar, warum Batman eine unendliche Geschichte sein muss.

Zu einem Ende kommt Batman in Manufacture for Use. Kevin Smith und Jim Lee erzählen, wie Batman als Matches Malone die Waffe erwirbt, mit denen die Waynes erschossen wurden. Alfred fragt ihn hinterher, ob er das wirklich für eine gute Idee halte, dieses schmerzhafteste aller Andenken im Trophäenraum aufzubewahren. Doch Batman hat eine andere Idee, wie er daraus etwas Neues und Nützliches erschaffen kann. Eine ziemlich gute Idee. Sie zeigt, wie auch Autoren aus alten Motiven noch überraschende Geschichten machen können.

The Legend of Knute Brody ist ein Beispiel für so eine Geschichte. Paul Dini beweist mal wieder Einfallsreichtum und Witz, wenn er die Story des schlechtesten Handlangers in Gotham erzählt und dabei eine interessante Auflösung findet. Dafür tut er sich mit seinem Zeichner aus Streets of Gotham, Dustin Nguyen, zusammen.

Drei Storys zeigen pessimistische Sichtweisen auf den Mythos. In The Batman’s Design (Warren Ellis & Becky Cloonan) hält Batman einen Terroristen von seiner Tat ab, indem er sich selbst als schlechtes Beispiel darstellt: „I’m already dead.“ In Return to Crime Alley (Denny O’Neil & Steve Epting), einem Sequel zu „There’s No Hope in Crime Alley“ (Detective Comics #457, 1976), trifft Batman wieder auf Leslie Thompkins. Als eine maskierte Bande versucht, sie zu überfallen, übertreibt er es mit der Prügelei. Am Ende bemitleidet Leslie Batman statt der Verbrecher. In Heretic (Christopher Priest & Neal Adams) wird Bruce Waynes Brieftasche zum Auslöser für einen Brudermord. Klingt seltsam? Ja, es ist auch die schwächste Geschichte in dem Heft. Neal Adams Zeichnungen lassen auch schon seit Jahren die alte Eleganz vermissen.

DC Comics

Dafür ist I Know einer der Höhepunkte. Brian Michael Bendis erzählt von einem alten Pinguin, der auf einen alten Bruce Wayne trifft und ihm sagt, er hätte schon lange gewusst, dass er Batman sei. Alex Maleev inszeniert es nicht nur herrlich atmosphärisch und lebendig, sondern auch mit gelungenen Anspielungen auf den Pinguin im Film Batman Returns (1992).

Einen Altmeister in Hochform sieht man in The Last Crime in Gotham. Kelley Jones scheint mit dem Alter immer besser zu werden, einige Panels, wie etwa eine Nahaufnahme des Jokers, strotzen vor ausdrucksstarker Schaurigkeit. Das bildet das Gegenstück zu der optimistischen Geschichte von Geoff Johns, der Batman von einem verbrecherfreien Gotham und einer echten Bat-Familie träumen lässt.

Familär geht es auch am Ende zu. The Precedent (James Tynion IV & Alvaro Martinez) ist mal wieder eine Meditation auf die Rolle von Robin. Diesmal erscheint der Skeptiker Alfred als derjenige, der in Verbrechensbekämpfung ein Abenteuer statt eine Gefahr sieht. Ein gutgemeinter Versuch, Robin glaubwürdig zu erklären. Die hervorragenden Zeichnungen lassen aber über die logische Schwäche hinwegsehen.

Um Logik schert sich auch Tom King wenig. Batman’s Greatest Case (gezeichnet von Tony Daniel & Joëlle Jones) besteht darin, die Familie für ein Gruppenfoto zusammenzutrommeln. Das legt Bruce Wayne am Jahrestag ihres Todes seinen Eltern ans Grab. Sinn ergibt das nicht. Es ist nur sentimental. Und dazwischen gibt es typisch geschwätzigen Dialog der Robins und Bat-Frauen, der allerdings sehr witzig ist.

Batman mit Familie und Schurken von Jason Fabok (DC Comics)

Zum Schluss wird dann noch ein Familienfoto mit Schurken von Jason Fabok hinterhergeschoben und dann auch noch zwei Pin-ups von Mikel Janin und Amanda Conner, die wirken wie verworfene Variant Cover.

Ganz zum Schluss wird es relevant: Medieval (Peter J. Tomasi & Doug Mahnke) zeigt den ersten Auftritt des Arkham Knight, einer neuen Konkurrenz für Batman, die in Detective Comics #1001ff. eine Rolle spielen wird. Erzählt wird keine Story, sondern was wir sehen, ist eine Abfolge von Splash Pages, die Batmans Kämpfe gegen seine einige (klassische) Schurken zeigen, dazu liest man den inneren Monolog des Arkham Knight, der Batman für ein Auslaufmodell hält.

Das Jubiläumsheft beweist, dass er es natürlich nicht ist. Von solchen einfallsreichen und hervorragend gezeichneten Ausgaben kann es ruhig noch weitere 1000 geben.

>> Detective Comics: 80 Years of Batman

>> Batman 2011-2019