Mini-Serie

Mit dem Schwert gegen den Stählernen

Batman versus Superman, Teil 8: Legends of the World’s Finest (1994)

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the World’s Finest (dt. World’s Finest)

Autor/Zeichner: Walter Simonson/Daniel Brereton

Erschienen: 1994 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1995)


„I don’t want to go down there. It’s dark! And I’m afraid.“ (Batman)

Eine altbekannte Geschichte: Der kleine Kal-El kommt mit seinen Eltern Jor-El und Lara aus dem Kino, als ein Unbekannter die Eltern erschießt. Und dann gibt es noch die von Bruce Wayne, der der Zerstörung seines Heimatplaneten zusehen muss … Moment mal, da stimmt doch was nicht! Was nach Elseworlds klingt, sind in Wahrheit Träume, die Superman und Batman plagen, eingepflanzt von bösen Mächten aus der Hölle. Der Dämon Tullus will nach einem Jahrtausend in Knechtschaft seinen Fluch loswerden und sucht sich nicht nur Hilfe bei der ebenfalls Verdammten Silver Banshee, sondern auch bei Superman und Batman. Das Ergebnis ist eine gegenläufige Bewegung: Während Superman zu einem rücksichtlosen Haudrauf wird, wird Batman zu einem feigen Waschlappen, dem sein Cape hängenbleibt und der sich vor der Dunkelheit fürchtet. Dann wird Superman zum Diener des Bösen und es liegt an Batman, sich zusammenzureißen und seinem Kumpel wieder Vernunft einzuprügeln …

Die etwas altbackene Story kommt leider dank eines steifen, pathetischen Schreibstils gänzlich ohne Pointen oder Humor aus. Dafür sind die gemalten Panels von Daniel Brereton ein Hingucker. Dämonen erscheinen hier besonders teuflisch, Helden noch heroischer. Die Geschichte wäre auch interessanter, wenn man sie etwas geheimnisvoller erzählt hätte und nicht sozusagen ‚bei Adam und Eva‘ angefangen hätte, wo alles Mysteriöse gleich erklärt wird. Unterhaltsam ist es allemal, den beiden Protagonisten beim Rollentausch zuzusehen und beim Finale Batman in einer dämonischen Rüstung und Schottenrock gegen Superman kämpfen zu sehen. Batman schlägt mit dem Schwert auf Superman ein und muss sich dabei zurückhalten, um den alten Freund nicht zu töten. Die Gewalt dient der Rückbesinnung, damit sich Superman von seinem Fluch lossagt. Am Ende werden die beiden Kontrahenten wieder zum Team.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Erbstreit in der Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Battle for the Cowl (dt. Kampf um die Maske)

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel

Erschienen: 2009 (Mini-Serie #1-3, Gotham Gazette: Batman Dead?/Batman Alive?), Paperback 2009


„The citizens of Gotham are looking for a savior.“

Seit Batman tot ist (oder wenigstens verschwunden, vgl. Final Crisis) herrscht in Gotham City das Chaos: Während sich die Banden von Pinguin und Two-Face bekriegen, heizt Black Mask die Stimmung noch zusätzlich auf. Er befreit die Insassen von Arkham Asylum, um sie für seine Sache einzuspannen, und jagt die Anstalt daraufhin in die Luft. Die verbliebene Batman-Familie bekommt Unterstützung vom „Network“, einem Zusammenschluss von Aushilfshelden. Nightwing (Dick Grayson) weigert sich, Batmans Nachfolge anzutreten, weil er Angst hat vor dem Scheitern. Andere Robins haben weniger Skrupel, die Fledermaus zu beerben, wie Tim Drake und Jason Todd – auch wenn letzterer nicht in Bruce Waynes Sinne handelt. Es kommt zum Kampf zwischen Dick und Jason. Am Ende ist ein neuer Batman gefunden.

Battle for the Cowl ist eine Übergangsstory, die dafür sorgt, dass Nightwing zu Batman wird. Und so liest sich die Geschichte auch: als leichte Unterhaltung für zwischendurch. Tony S. Daniel erweist sich erneut als Zeichner vor Kraft strotzender Astralkörper und spektakulärer Kampfszenen, aber als schwacher Erzähler. Zu abgehetzt und zu dicht vollgepackt wirkt die verhältnismäßig kurze Geschichte, vieles bleibt bloß angerissen, ohne erklärt zu werden. Die vielen Helden spielen nur eine marginale Rolle und nicht alle auf dem Cover kommen darin vor. Immerhin arbeitet der Autor den Grundkonflikt zwischen den beiden Batman-Rivalen ausführlich heraus.

Ergänzt wird die rasante Hauptgeschichte durch eine fade Nebenstory um Nebenfiguren wie Spoiler, Leslie Thompkins, Harvey Bullock und Vicky Vale. Man begreift nicht ganz, was das Ganze soll, bis am Ende die Reporterin endlich herausfindet, dass wer Bruce Wayne, Dick, Tim und Barbara Gordon wirklich sind. Das hat lange genug gedauert …

>> Batman 2000-2011

Prügelknabe für den Dunklen Ritter

Batman versus Superman, Teil 6: The Dark Knight Falls (The Dark Knight Returns #4, 1986)

DC Comics

DC Comics

„When that happens, Clark — may the best man win.“ (Bruce Wayne)

„I’m afraid he’ll never let me bring him in alive …“ (Clark Kent)

„Planet’s too big for the two of you.“ (Oliver Queen)

Während ein gealterter Batman in einer dystopischen Zukunft aus dem Ruhestand zurückkehrt, war Superman niemals weg. Nur handelt der Stählerne nicht mehr auf eigene Faust für Truth und Justice, sondern nur noch für den American Way – und zwar im ganz politischen Sinne. Als Handlanger des US-Präsidenten (der Ronald Reagan sehr ähnlich sieht) agiert er als Kriegswaffe und tötet Menschen, schließlich nimmt er sich des Vigilanten aus Gotham City an. Denn in so unruhigen Zeiten am Rande eines Dritten Weltkriegs kann man gewalttätige Querulanten im Inland nicht tolerieren. Aber Bruce Wayne lässt nicht mit sich reden, er hört nicht mehr zu. So kommt es zum Unvermeidlichen: dem ultimativen Kampf zwischen Batman und Superman – auf Leben und Tod.

Der Eindruck, den The Dark Knight Returns auf Batman, Superhelden und Comics im Allgemeinen gemacht hat, ist gewaltig. In formaler und inhaltlicher Hinsicht ist die Story von Frank Miller Avantgarde. Zu den vielen Motiven, die ikonisch wurden, gehört auch dieses Finale, eine epische Schlacht zwischen den gebrochenen Ikonen, dem verbitterten Idealisten und dem verblendeten Verräter. Der Endkampf in Crime Alley. Batman ist gut vorbereitet, zieht alle Register: Panzerrüstung, Ultraschallwaffe, Green Arrow schießt einen Kryptonitpfeil ab, Batman prügelt auf Superman ein bevor er reagieren kann. Doch als Superman reagiert, reißt er Batman den Helm ab. „Bruce — this is idotic“, denkt er, doch dann kassiert er weitere Prügel. Der Unbesiegbare blutet, Batman wird verletzt, sein Herz schwächelt. Und als der Sieg schon sicher scheint, bricht Batman zusammen und stirbt. „A grand death“, hatte der vom Todestrieb gelenkte Bruce Wayne sich vorgestellt. – Aber wie sich herausstellt, ist der nur vorgetäuscht. Superman hört später am Grab den Herzschlag und spielt das falsche Spiel mit. Der Verräter akzeptiert den Kompromiss. Batmans Kampf war am Ende bloß Show, um würdig abzutreten.

The Dark Knight Returns (DC Comics)

The Dark Knight Returns (DC Comics)

Die ersten Bilder aus dem Film Batman v Superman zeigen, wie stark sich Regisseur Zack Snyder und seine beiden Drehbuchautoren von The Dark Knight Returns inspirieren ließen. Die beiden missbilligen die Methoden des jeweils anderen, so kommt es zur Konfrontation. Batman wirkt mit seiner Rüstung und seinem Panzer so martialisch wie bei Miller. Auch das Motiv der Rückkehr aus dem Ruhestand scheint von dem Comic entlehnt zu sein.

Doch schon Frank Miller selbst ließ seinen Batman aber nicht ruhen. 2001 kehrte er zurück mit der Fortsetzung The Dark Knight Strikes Again. Die Mini-Serie hatte kaum etwas mit dem ersten Teil gemeinsam – vor allem nichts von seinen Qualitäten. Doch ein Motiv kehrte wieder: Batman vermöbelt Superman erneut. Aber bei weitem nicht so episch und weltbewegend wie zuvor, sondern ganz beiläufig. Superman kommt in die Bathöhle um zu reden, Batman macht mit grünen Panzerhandschuhen von seinem Hausrecht Gebrauch, Green Arrow schießt wieder seinen strahlend grünen Pfeil ab, Ray Palmer alias Atom bearbeitet Supermans Gleichgewichtssinn. Am Ende sagt Batman nur: „I’m done talking. Get out of my cave.“ Dem hat Superman nichts entgegenzusetzen. Er verkriecht sich wieder. Die Handlung verirrt sich woandershin. Doch im Finale erweist sich Superman als Deus ex machina, der Batman vor einem tödlichen Sturz bewahrt. Der gedemütigte Held ist sich nicht als Lebensretter für den alten Freund zu schade.

DK 2 (DC Comics)

DK 2 (DC Comics)

Einige Jahre später, in Millers All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder, kommt Superman zwar ebenfalls nicht gut weg. Batman lästert über ihn, stellt ihn als Idioten dar, aber er verschont ihn wenigstens körperlich. In der laufenden Mini-Serie Dark Knight III: The Master Race wird es wieder zu einer Konfrontation zwischen Batman und Superman kommen. Zum letzten Mal? Wer weiß. Teil 4 ist bereits angekündigt. Frank Miller wurde im November 2015 auf Twitter gefragt, warum er Superman hasse und ihn immer verprügeln lasse. Miller antwortete: „I love Superman. It’s tough love, though.“ Man wird allerdings den Verdacht nicht los, dass hier ein als Kind gemobbter Außenseiter seine Rachefantasien auslebt. In Sachen Traumabewältigung hat Miller sich offenbar ein Vorbild an Batman genommen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Ein zweites erstes Mal

Batman versus Superman, Teil 5: The Man of Steel (1986)

DC Comics

DC Comics

Titel: One Night In Gotham City… (dt. Eine Nacht in Gotham City)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1986 (Mini-Serie The Man of Steel #3)


„Ein Einzelner kann in dieser Stadt nur aufräumen, wenn jeder Gauner ihn fürchtet. Und dazu muss man ab und zu einige Nasen brechen.“

1986 ist mal wieder ein Wendejahr. Nach der Crisis on Infinite Earths wird das DC-Universum rebootet. Batman und Superman bekommen neue Origins – und begegnen sich wieder zum ersten Mal. Doch während es zuvor noch um die Frage ging, wer Lois Lane bekommt, ist in Man of Steel alles anders. Der Start gerät in jeder Hinsicht holprig.

Als sich Batman gerade an einem Wasserspeier durch Gotham schwingt, schnappt sich Superman dessen Seil und will ihn der Polizei übergeben. Klar, dass Batman was dagegen hat. Und wie der Zufall es will, ist er auch auf diese Begegnung vorbereitet: er hat ein Kraftfeld um sich aufgebaut, das Superman vor dem Zugriff bewahren soll. Wenn er in das Feld eintrete, erklärt Batman, gehe irgendwo eine Bombe hoch und ein Unschuldiger sterbe.

The Man Of Steel (DC Comics)

The Man Of Steel (DC Comics)

Doch dann kommt was dazwischen: Superman und Batman bringen gemeinsam die Diebin Magpie (dt. Elster) zur Strecke, eine lächerlich gekleidete Braut, die sinnlos Menschen abschlachtet. Hier wird der Unterschied zwischen Batmans und Supermans Methoden deutlich: Während Batman ermittelt und Leute verhört, hört Superman mit seinen Superohren bloß eine Explosion und Frauenlachen in der Ferne – und kurz darauf reicht es, eine Wand zu durchbrechen, und schon hat er die Schurkin aufgespürt. Giftgas saugt er schnell auf und pustet es ins Weltall, Magpie entkommt. Warum Batman sie in der Zeit nicht festhält oder verfolgt bleibt schleierhaft, aber wegen einer 5000 Jahre alten Faser spürt er ihren Aufenthaltsort auf und die Chose ist beendet.

Am Ende setzen die beiden Partner wider Willen ihr Gespräch fort. Superman gibt sich einsichtig. „Ich mag keine Vigilanten, Batman, auch wenn man mich schon so nannte“, sagt er. „Abr es gibt hier viel zu tun in Gotham. Und du scheinst der beste Mann dafür zu sein.“ Hinterher muss Big Blue noch mal den Oberpfadfinder spielen: „… und ich werde dich im Auge behalten, damit du den Rest von uns nicht in Verruf bringst …“ Batman räsonniert im letzten Panel: „Ein bemerkenswerter Mann. Und wer weiß … in einer anderen Realität wären wir wohl Freunde geworden.“

Arrogant und selbstgerecht

Die Mini-Serie The Man of Steel erzählt zwar Supermans Vorgeschichte nach der Crisis neu, aber sie hat künstlerisch nicht annähernd den gleichen Anspruch wie Batmans Year One. Knallbunt, plump geschrieben und schwach erzählt kann die Story nicht annähernd mit dem düsteren Meisterwerk von Frank Miller mithalten. Die erste Begegnung zwischen Superman und Batman im neuen DC-Universum gerät uninspiriert und bemüht. Byrne verschenkt die Chance, eine spannende Geschichte zu erzählen. Irgendeine x-beliebige Möchtegernschurkin als Gegner einzusetzen statt klassische Oberschurken wie Luthor oder Joker ist unverzeilich. So geht die Story spurlos an einem vorbei. Dass gerade Superman sich herausnimmt, Batman verhaften zu wollen, weil dieser ein Vigilant ist, ergibt auch nur wenig Sinn. Aber für das arrogante und selbstgerechte Alien im Pyjama scheinen andere Regeln zu gelten.

1:0 für Batman.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Vom Elternhaus zum Irrenhaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Manor

Autor/Zeichner: Gerry Duggan/Shawn Crystal

Erschienen: 2014-2015 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2015), dt. Panini 2015


„This is the best outcome from a list of terrible options.“

Nachdem Bruce Wayne in Batman Eternal sein Vermögen verloren hat und Arkham Asylum zerstört wurde, wird Wayne Manor zum neuen Arkham. Batman zieht sich in seine Höhle zurück. Arkham Manor ist ein Tie-in, in dem von den Folgen der Umwandlung erzählt wird. Denn kurz nach dem Bezug mordet ein Unbekannter in dem Anwesen. Batman lässt sich undercover einweisen und geht der Sache nach. Die eigentliche Verbrecherjagd verläuft ziemlich linear und unspektakulär, auch die Auflösung nicht weiter von Belang, weil wir so gut wie nichts über den x-beliebigen Mörder erfahren. Deshalb wird die Story noch mit einem kleinen Joker-Clayface-Intermezzo aufgemotzt, in dem Mr. Freeze eine Schlüsselrolle spielt. Leider fällt Freeze dabei aus seiner Rolle: Während er in Batman Eternal noch versucht, in Gotham Verbrecher zu spielen, begnügt er sich hier mit Grillen und Iglubauen im Vorgarten.

Und damit wären wir beim Hauptkritikpunkt: Shawn Crystal neigt mit seinen kantigen Figuren zu Überzeichnungen, die an Cartoons erinnern. Das hat zwar einerseits eine bestechende Dynamik, andererseits kann man dadurch die Handlung nicht ganz ernst nehmen. Wenn Batman am Ende ein schmächtiges Kerlchen durch eine Wand schleudert, verstärkt das den Eindruck davon, dass hier zu dick aufgetragen wurde für eine Story, die man nicht unbedingt hätte erzählen müssen. Das einzig Interessante ist hier, dass Bruce Wayne damit hadert, das Anwesen seiner Eltern als Hort für seine Erzfeinde herzugeben. Aber auch dieser Konflikt ist schnell gelöst, als er zur Erkenntnis kommt, dass der Sohn damit auch bloß seiner Stadt dient.

>> Batman 2011-2019

Batman Eternal Vol. 2: Von allem zu viel

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 2

Autor/Zeichner: Scott Synder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Batman Eternal #22-34, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Batman Eternal #11-17)


„We’re stretched in too many directions. Perhaps more than ever before. I’m getting worried.“ (Batman)

Nach dem ersten Akt von Batman Eternal ist klar, wer für das Chaos in Gotham verantworltich ist: Hush. Zuletzt ist er in Wayne Manor eingedrungen und hat Alfred Angstserum ins Hirn gespritzt; der Butler wird im Krankenhaus ins Koma gebracht und dann nach Arkham verlegt. Doch die Hauptarbeit lässt Hush immer noch traditionsgemäß von anderen erledigen: Der Architekt (Zachary Gate) versucht, Waynes Beacon Tower zu zerstören und löst damit ein Erdbeben in Gotham aus. Daraufhin sorgt der neue Commissioner Jason Bard dafür, dass in Gotham das Kriegsrecht ausgerufen wird. Auf eine Massenpanik folgen Aufstände. Der viel zu spät erwachte Spectre vernichtet Arkham Asylum beim Kampf gegen den Schurken Deacon Blackfire. Catwoman tritt das Erbe ihres Gangster-Vaters Rex „The Lion“ Calabrese an, indem sie zur Mobchefin wird. Stephanie Brown wird zur Superheldin Spoiler und wehrt sich gegen ihren mordlüstigen Vater.

Obwohl die Autoren es schaffen, mit immer neuen Zuspitzungen den Leser bei Laune zu halten, hat der zweite Akt von Batman Eternal einige Durchhänger. Das liegt auch daran, dass weniger Handlungsstränge in die einzelnen Kapitel gepackt werden. Dadurch verliert man aber auch einige Personen aus dem Blick: die Polizei und die Presse spielen eine marginale Rolle. Der Subplot in Arkham mit Spectre wird allzuschnell aufgelöst, war aber auch zuvor nicht besonders geistreich. Es sollte bloß auf die Vernichtung von Arkham und die Befreiung der Insassen hinauslaufen.

Bei Hush stellt sich wieder der Verdacht ein, dass der grandiose Racheplan an Batman vielleicht eine Spur übertrieben sein könnte. Dabei lernt man schon beim Big Lebowski, dass Pläne am besten einfach sein sollten, damit sie funktionieren … Hush hat übrigens auch die bemerkenswerte Fähigkeit, immer zufällig an der richtigen Stelle zu sein, wo es seinem grandiosen Plan dienlich ist. Leider aber scheitert er an seiner Inkonsequenz. Nach einem furiosen Finale scheint die Schlacht gewonnen, aber Batman steht fast vor dem Nichts.

Trotzdem tut es der Über-Story gut, dass sie sich wieder auf ihren Hauptcharakter besinnt. Batman schien in dem ganzen Aufgebot an Charakteren zwischenzeitlich unterzugehen. Jetzt wird es wieder persönlicher, es steht wieder mehr Batman im Mittelpunkt. Er muss mal wieder gegen sich selbst kämpfen und die Dämonen, die er erschaffen hat. Dabei wird er erneut mit der Frage konfrontiert, ob sein Kreuzzug nicht doch mehr Schaden verursacht, als er verhindert. Denn wieder werden dafür neue Soldaten rekrutiert, die unter dem ewigen Krieg leiden. Dazu zählen neben der neuen Spoiler und Harper Row auch Julia Pennyworth, Alfreds Tochter. Sie sorgt mit ihren bissigen Sprüchen für einige Seitenhiebe auf den Batman-Mythos und damit einige Lacher. Erfreulich ist daran auch, dass dadurch die Frauenquote sehr hoch ist, aber die Batman-Familie so groß wird wie wahrscheinlich noch nie zuvor:

  1. Red Hood
  2. Red Robin
  3. Batgirl
  4. Batwoman
  5. Bluebird (Harper Row)
  6. Spoiler
  7. Alfred Pennyworth
  8. Julia Pennyworth

Es fehlen nur Nightwing (da gegenwärtig als Grayson unterwegs), Robin (da gegenwärtig noch tot) und Ace der Bathund (hoffentlich bleibt es dabei). Aber zu einer solchen Mega-Story wie Batman Eternal gehört es wohl dazu, nicht nur viel, sondern von allem zu viel zu bieten. Schon in Goethes Faust heißt es: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“

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Batman Eternal Vol. 1: Schwere Geschütze, alle Register

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok, Dustin Nguyen, Guillem March, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Batman Eternal #1-21), Paperback 2014, dt. Panini 2015 (Batman Eternal #1-11)


„You have no idea what’s happening, no idea who’s been pulling the strings behind the curtain.“

Gotham brennt. Batman hängt unmaskiert und gefesselt an einem zerstörten Bat-Signal, auf seiner nackten Brust ist sein Symbol eingeritzt. Was ist geschehen? Die Geschichte beginnt hier: Bei einem gemeinsamen Einsatz von Batman und Polizei gegen Professor Pyg verfolgt Commissioner James Gordon einen Verdächtigen in den U-Bahn-Tunnel. Weil Gordon sieht, dass der Verdächtige bewaffnet ist, schießt er auf ihn und trifft dabei auch eine Leitung der U-Bahn, sodass zwei Züge miteinander kollidieren. Gordon wird verhaftet und muss sich für den Tod von über 160 Menschen verantworten. In der Zwischenzeit übernimmt Major Forbes seinen Posten und erklärt Batman zum primären Ziel der Polizei. Doch Forbes dient Carmine Falcone, einem alten Mafioso, der sich vor fünf Jahren aus Gotham zurückgezogen hat und nun die Stadt zurückerobern will. Während zwischen Falcone und dem Pinguin ein Bandenkrieg ausbricht, müssen sich Batman und seine Familie um viele andere Probleme kümmern:

  • Batgirl reist mit Red Hood und Batwoman nach Brasilien, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen,
  • Red Robin untersucht mit der Hackerin Harper Row in Japan einen mysteriösen Nanobot-Virus, der in Gotham grassiert,
  • Batwing und Jim Corrigan (The Spectre) gehen in Arkham Asylum der Wiederauferstehung von Deacon Blackfire nach,
  • Stephanie Brown entdeckt, dass ihr Vater der Superschurke Cluemaster ist und muss fortan um ihr Leben fürchten,
  • Alfred Pennyworth bekommt ein unverhofftes Wiedersehen mit seiner Tochter Julia,
  • Catwoman legt sich mit Falcone an und gerät in seine Gefangenschaft,
  • Batman spielt Detektiv in Hong Kong, rettet Catwoman in Gotham und geht mit Killer Croc und dem Polizisten Jason Bard in der Kanalisation einer Kindesentführung nach.

Doch bald stellt sich für Batman heraus, dass im Hintergrund jemand anderes die Fäden zieht. Leider hat er keine Ahnung, wer das sein könnte. Klar ist: Es ist ein Feind aus seiner Vergangenheit.

In Batman Eternal, der wöchentlichen, ein Jahr laufenden Serie zu Batmans 75. Geburtstag, wird Großes aufgefahren: Eine Story, die nicht nur viele Charaktere und viele Erzählstränge aufbietet, sondern auch jede Facette von Superhelden-Storys abbildet: Klassische Schurkenjagd gegen Psychos und organisiertes Verbrechen, Science Fiction und Übernatürliches/Magie. Dabei stehen die Autoren tief in der Schuld von Jeph Loeb, bei dessen drei großen Batman-Epen (The Long Halloween, Dark Victory und Hush) sie sich reichlich bedienen. Schließlich findet sich auch etwas von der Polizeiserie Gotham Central darin und mit dem Erzählstang mit der Gotham Gazette-Reporterin Vicky Vale bekommt das Ganze Ausmaße von The Wire.

Batman Eternal liest sich daher so wie eine gute moderne Fernsehserie: Vielschichtig und komplex, allerdings ohne – wie sonst bei Comic-Events/-Crossovern üblich – in unendliche Tie-ins auszufransen. Die überbordende Story entwickelt einen großen Sog und hält mit vielen überraschenden Wendungen bei Laune, auch wenn man zuweilen fürchtet, vor lauter Subplots den Überblick zu verlieren. Daher empfiehlt sich hier ein Binge-Reading. Die Zeichnungen sind zwar wegen der verschiedenen Zeichner von schwankender Qualität, aber die meisten liefern eine solide Arbeit ab.

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Dark Knight III: Der zweite Eindruck

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race (Book Two)

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Eduardo Risso

Erschienen: 2015


„I always thought I’d die alone.“ (Bruce Wayne)

Batman ist Carrie Kelley. Batman ist von der Polizei in Haft genommen. Bruce Wayne ist tot. Natürlich ist er das: Spätestens seit Batmans vorgetäuschtem Ableben in The Dark Knight Returns ist sein Alter Ego begraben. Aber Carrie behauptet beim Verhör, dass Batman tatsächlich gestorben ist – nachdem er von Lex Luthor zusammengeschlagen wurde (in The Dark Knight Strikes Again). Dass das im Widerspruch zu dem Eindruck steht, den er zuletzt machte, nämlich heiter Tee trinkend, muss nicht verwundern: Natürlich ist der alte Bruce noch wohlauf, denn einen so lahmen Tod im Krankenbett kann Frank Miller seinem Batman nicht zumuten.

Schließlich werden seine Dienste wieder gebraucht: Denn Ray Palmer alias Atom hat Mist gebaut. Indem er die Bewohner der Flaschenstadt Kandor wieder auf Normalgröße gebracht hat, befreite er damit auch den bösen Priester Quar und seine Anhänger. Die bringen gleich bei ihrer Ankunft ein paar Leichen mit und kündigen an, zuerst die Erde und dann das Universum zu erobern. Damit dürfte wohl die Frage geklärt sein, worum es sich bei der titelgebenden Herrenrasse handelt.

Viel mehr passiert im zweiten Heft von Dark Knight III: The Master Race nicht, außer dass Carrie Kelley bei ihrem Transport nach Blackgate den altbewährten Bat-Panzer herbeipfeift und entkommt. Wir sehen also zwei Gefängnisausbrüche. Und einen Emanzipationsversuch: Im Mini-Comic wird während eines kurzen Kampftrainings die Beziehung zwischen Wonder Woman und ihrer Tochter Lara vertieft. Dabei wird klar, dass sich Lara mit der kryptonischen Herkunft ihres Vaters identifiziert. Doch Superman spielt noch keine Rolle.

Das zweite Kapitel ist nicht ganz der Klopper geworden wie das erste, aber das ist in Ordnung. Die Cliffhanger wurden aufgelöst und die Handlung mit Kandor aufgebaut, es gibt einen Schurken und ein zu lösendes Problem. Jetzt kann Bruce Wayne endlich als Batman in Aktion treten. Das Interesse ist geweckt, wie sich die Teile zu einem Ganzen fügen werden. Zeichner Andy Kubert liefert erneut eine solide Arbeit ab, Frank Millers Stil nachzuahmen, vor allem bei seinen schattenreichen Splash Panels. Dafür enttäuscht Eduardo Risso bei seiner etwas unbeholfen wirkenden Darstellung von Lara. Aber für feine Striche ist er ohnehin nicht bekannt.

Späte Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Gates of Gotham (dt. Die Pforten von Gotham)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, Ryan Parrott

Erschienen: 2011 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012), dt. Panini 2012 (DC Premium)


„How can you … ever hope to protect Gotham’s future … when you’re so naive of it’s past?“ (Hush)

Ein Unbekannter jagt drei Brücken in Gotham in die Luft. Dann drei Hochhäuser. In einer anonymen Botschaft verlautbart er, dass er sich an Familien rächen will. Es geht um die Familien der drei Gründungsväter: Wayne, Cobblepott und Elliott. Während Batman (Dick Grayson), Robin (Damian Wayne), Red Robin (Tim Drake) und Black Bat (Cassandra Cane, ehemals Batgirl) versuchen zu verhindern, dass auch der Rest von Gotham zertstört wird und den Täter aufspüren, erfährt der Leser eine Episode aus der frühesten Geschichte der Stadt. Darin geht es um zwei Architektenbrüder, die Ende des 19. Jahrhunderts für die drei Macher die wichtigsten Brücken und Hochhäuser entworfen haben und dabei hintergangen wurden. Ein Nachfahre, Zachary Gate, will offene Rechnungen begleichen …

Der Schurke „The Architect“ tritt in einem ziemlich coolen Taucheranzug im Steampunk-Stil auf, der in gewisser Weise den Anzug der Talons aus Rat der Eulen/Stadt der Eulen vorwegnimmt. Es gibt einen Gastauftritt von Hush. Am Ende wird auch eine überraschende Wendung aus dem Hut gezaubert. Und dennoch ist Gates of Gotham bloß eine solide Batman-Story, in der sich zu viele Charaktere tummeln, als dass man einem davon gerecht werden könnte, zu sehr Geschichtsstunde, als dass sie für die Gegenwart fesseln könnte, und zu cartoonhaft gezeichnet, als dass man sie ernst nehmen könnte.

>> Batman 2000-2011

Kingdom Come: Offenbarung der Superhelden

DC Comics

DC Comics

Titel: Kingdom Come

Autor/Zeichner: Mark Waid/Alex Ross

Erschienen: 1996 (Mini-Serie #1-4, Paperback 1996), dt. Carlsen 1997, Panini 2013


„… perhaps humanity’s only chance is for superhumans to swallow each other …“ (Batman)

Superman hat aufgegeben. Andere Helden sind seinem Beispiel gefolgt. Batman lässt nur noch Roboter über sein Gotham wachen – und macht es dadurch zu einem Polizeistaat. In der Zukunft haben andere Metamenschen das Erbe übernommen – aber sie wissen es nicht zu schätzen. Statt den normalen Menschen zu helfen, werden ihre Kämpfe untereinander zur Bedrohung. Schließlich eskaliert ein Konflikt in der atomaren Verwüstung von Kansas. Das bringt den gealterten Einsiedler Superman dazu, seine Festung der Einsamkeit zu verlassen, die Justice League wieder zusammenzubringen und wieder für Ordnung zu sorgen. Sein Ultimatum: Entweder die Metawesen schließen sich ihm an oder sie werden bestraft.

Schließlich baut er ein riesiges Gefängnis für alle Querulanten. Doch dadurch wird alles noch schlimmer: Intrigen, Grabenkämpfe, Tote. Es kommt zur ultimativen Schlacht, bei der sich am Ende die Frage stellt, ob es besser wäre, dass die Helden oder die Menschen draufgehen. Superman ist verzweifelt, er weiß nicht, was er tun soll.

Kingdom Come zeigt das Superheldentum in der Krise. Die Helden sind bloß noch selbstverliebte Götter, die den Bezug zur Menschlichkeit verloren haben. Doch selbst Supermans Versuch, die Fehler wiedergutzumachen, scheitert. Es geht um die Grundfrage, ob es legitim ist, für die gute Sache zu töten – und mit seinen Idealen zu brechen. Denn am Ende geht es nicht ohne Opfer.

In diesem unlösbaren Dilemma streben böse Mächte auf, die die Menschheit wieder triumphieren sehen wollen, allen voran Lex Luthor. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Pfarrers Norman McCay, der vom Spectre das Geschehen offenbart bekommt. Sie sind die unbeteiligten Beobachter der nahenden Apokalypse, die sie aber auch nicht kaltlassen kann. In gewisser Weise ist Kingdom Come für Superman das, was The Dark Knight Returns für Batman ist: die Demontage eines Mythos.

Bei allen Zweifeln ist Kingdom Come aber auch zugleich eine Feier der Superhelden. Ein Blick auf die Seiten von Alex Ross reicht, um ein Gefühl von Erhabenheit zu bekommen. Erst durch seine prächtigen Gemälde bekommt die Story eine epische Würde. Die Helden strotzen vor Kraft und Anmut, die Menschen wirken so menschlich, wie man sie nur darstellen kann. Alex Ross hat ein Gespür für lebensnahe Darstellung und romantische Überhöhung. Beides kombiniert er zu einer Bilderzählung von biblischen Dimensionen. Seine überbordenden Schlachten unzähliger Helden zeigen, dass sie bloß beeindruckend aussehen sollen. Die wahren Konflikte aber werden woanders ausgetragen: im Zwischenmenschlichen oder im Kampf mit sich selbst.

Mark Waid hat ein Werk geschaffen, in dem zwar viele Figuren vorkommen, aber in dem nur wenige eine Rolle spielen. Dadurch wirkt sie bei allen Schlachten nie unpersönlich. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, aber zu schön, als dass es entbehrlich wäre. In diesem Konzept spiegelt sich das Prinzip von Superhelden überhaupt: knallbunte Action von Überwesen als Fassade für menschliche Dramen und Reflexionen über die Conditio humana. Weil Kingdom Come genau das perfekt auf den Punkt bringt, ist es eine der besten Superman-Storys und wohl die größte Elseworlds-Story überhaupt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics