Detective Comics

Die Comicserie „Detective Comics“ erscheint seit 1937. In Ausgabe 27 hatte Batman 1939 seinen ersten Auftritt. Anfangs handelte es sich noch um eine Anthologieserie, die sich Batman mit anderen Helden teilte.

Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah:

Neues Gotham, alte Probleme

DC Comics

Titel: New Gotham (frühere Ausgabe: Evolution)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough (u.a.)

Erschienen: 2000 (Detective Comics #742-753), Paperback 2001 (Evolution, bis Detective Comics #750), Neuausgabe 2017 (New Gotham)


„Gotham is still Batman’s city.“

Das No Man’s Land ist überstanden, Gotham wird wiederaufgebaut. Aber auch das Verbrechen kehrt wieder zurück. Fünf Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft in Gothams Unterwelt. Da mischt sich Ra’s al Ghul ein, indem er zwei Profikiller losschickt, die den Kampf zu einem Krieg eskalieren lassen. Sein Ziel: eine neue Droge auf den Markt zu bringen, die den Menschen ewige Jugend verspricht, aber den Nebeneffekt hat, sie in halbe Tiere zu verwandeln. Batman verfolgt Ra’s bis nach Europa und trifft dabei auf Talia …

Doch diese Geschichte macht nur den kleinsten Teil der Handlung aus. Anders als andere Batman-Storylines dreht sich nicht alles um das Prinzip Held gegen Schurke. Den roten Faden bildet der Wiederaufbau und wie die Menschen mit den Folgen der zerstörten und abgeschotteten Stadt zurechtkommen. Viele haben alles verloren und sind weggegangen, andere sind geblieben – jetzt bilden die Dagebliebenen und Zurückgekehrten verfeindete Lager. Commissioner James Gordon trauert um seine Frau Sarah, die der Joker erschossen hat (siehe Niemandsland). Wir sehen, wie Detective Montoya ihren Geburtstag feiert. Bruce Wayne bekommt einen Bodyguard: Sascha Bordeaux, die in der Storyline Murderer/Fugitive eine Rolle spielen wird. Und zum Schluss wird gezeigt, wie Poison Ivy aus ihrem Revier im Robinson Park geholt wird, aber das ist ziemlich fade.

New Gotham (das zuerst als Evolution als Paperback erschienen ist) erzählt nichts von Substanz und ist erst recht kein Meisterwerk, aber es wäre wesentlich lesbarer, wenn die Zeichnungen besser wären. Zwar versucht man hier mit einer reduzierten Farbpalette etwas Neues (meistens gibt es nur ein bis zwei Farben neben Schwarz und Weiß), aber die Figuren von Shawn Martinbrough wirken so unbeholfen und leblos, das es keinen Spaß macht, mit dem Blick auf den Seiten zu verharren. Einzig die Cover von Dave Johnson bilden Oasen in dieser großen grafischen Wüste.

Die neue Paperback-Ausgabe dieser Comics schließt eine Lücke in der Sammlung. Aber wer wissen will, wie es nach dem No Man’s Land in Gotham weitergeht, sollte lieber gleich die nächsten Storylines wie Officer Down und Murderer/Fugitive lesen.

Eiskalte Rache (zweiter Versuch)

DC Comics

Titel: Cold Cuts

Autor/Zeichner: Jeff O’Hare/Roderick Delgado

Erschienen: 1988 (Detective Comics #595), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


Nachdem Mr. Freeze’s genialer Racheplan an Gotham nicht geklappt hat, kommt jetzt die Rache an Batman. Das geschieht jedoch ziemlich zufällig. Zufall eins: Eine Laserkanone wird geschaffen, mit der man präzise durch alles schneiden kann. Zufall zwei: Mister Freeze büchst aus dem Knast aus. Da er aus Arkam dortin verlegt wurde, um sich wieder besser in die Gesellschaft eingliedern zu können, die aber keine Kältezelle einrichten konnten, wird er im Kühlraum der Küche aufbewahrt. Trotzdem steckt er aber in seinem Kühlanzug. Das soll verstehen wer will. Jedenfalls nutzt er eine Lebensmittellieferung aus, um abzuhauen.

Er bricht im Laser-Labor ein, Batman folgt ihm, Freeze nimmt ihn gefangen und fängt an, ihn mit dem Laser zu zerhacken. Wie es sich für sadistische Schurken gehört, die ihre Rache eiskalt auskosten wollen, fängt er erstmal klein an: mit einem Spitzohr, dann mit dem Gürtel. Zufall drei: ein Batarang fällt heraus. Zufall vier: Batman fängt ihn und wirft ihn aus dem Handgelenk so, dass (Zufall fünf) ein großer Eiszapfen getroffen wird, dieser herunterfällt (Zufall sechs) und dann auch noch irgendeine wichtige Leitung trifft, die einen Kurzschluss verursacht (Zufall sieben). Alles explodiert, Freeze’s Helm geht (wieder) zu Bruch, Batman rettet ihn mit der Eiskanone vor den Flammen.

Dumm gelaufen, aber das Glück ist eben auf Batmans Seite. Und Mister Freeze bleibt einfach ein Versager.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Aus Mister Zero wird Mister Freeze

DC Comics

Titel: Mr. Freeze’s Chilling Deathtrap!

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Chic Stone

Erschienen: 1968 (Detective Comics #373), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Mr. Freeze! That sounds like a campy name dreamed up for a villain in a television program!“ (Robin)

Bruce Waynes Tante, aunt Harriet, wird ins Krankenhaus eingeliefert. Nur eine Notoperation kann sie retten, bei der Kryochirurgie angewandt wird, also eine Technik bei der starke Kälte angewandt wird. Doch mitten in der OP fällt das Gerät aus. Wie der Zufall es will, hat just an diesem Tag Mister Zero sein Comeback. Er nennt sich jetzt Mister Freeze und erweist sich als wahrer Kunstliebhaber, denn er raubt ein Gemälde, das ein Winter Wonderland zeigt – und zwar nur, weil es ihm gefällt. Wie er die Aktion finanziert und warum er wieder seinen Kälteanzug trägt, obwohl er zuletzt dank einer Dampfkur von seinem Leiden geheilt war, das bleibt ein Rätsel.

Jedenfalls lassen Bruce und Dick die geliebte Tante schweren Herzens im Krankenhaus zurück, um sich um Freeze zu kümmern und ihm für die OP seine Eiskanone zu klauen. Und obwohl das alles sehr sporadisch passiert, sind sie bestens vorbereitet: Gegen Eisglätte streuen sie sich schnell Sand vor die Füße, gegen die Kälte tragen sie beheizte Anzüge. Und kaum haben sie dem Schurken die Eiskanone abgenommen, ist Robin auch schon verschwunden. „Run for aunt Harriet’s life!“, ruft Batman selbstvergessen Robin zu, ungeachtet der Preisgabe seiner Geheimidentität.

Doch zum Glück hören die Schurken nicht hin, als sie sich auf ihn stürzen. Batman wird (schon wieder) in einem Eisklotz gefangen genommen. Um ihn diesmal wirklich zu beseitigen, schleppen Freeze’s Handlanger den Klotz auf das Dach eines Wolkenkratzers und der Schurke stößt ihn in die Tiefe. (Umständlicher geht es wirklich nicht.) Innerhalb von Sekunden kann sich der Entfesselungskünstler mittels einer hanebüchenen Methode befreien und eiskalt mit Freeze abrechnen …

Verzeiht diesen miesen Kalauer. Das muss dem Einfluss der Lektüre geschuldet sein, denn die Sprechblasen sind voll davon: „What a chill!“, „real cool action“, „N-ice work, Robin!“,  „I hate cold feet“, „you give me the chills“, „be prepared for chills and fever“ usw. Bei dieser Vorlage muss man sich über die platten Gags im Film Batman & Robin (1997) nicht wundern – sie stehen in einer langen Batman-Tradition.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Der Preis des Zweifels

DC Comics

Titel: Face the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Don Kramer, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2006 (Detective Comics #817-820, Batman #651-654), Paperback 2006, Deluxe Edition 2017


„Better than sex. Better than heroin.“ (Harvey Dent)

Vor einiger Zeit fragte mich ein Leser dieses Blogs, der sich über meine Kritiken ärgerte, warum ich überhaupt noch Batman-Comics lese, wenn ich so viel daran auszusetzen hätte. Die Antwort ist einfach: Ich liebe Comics, ich liebe die Figur und daher interessieren mich auch die Geschichten. Leider können bei der Masse davon aber nur die wenigsten richtig gut sein. Was aber macht eine gute Batman-Story aus?

Wie bei vielen Lesern setze ich den Maßstab bei den prägendsten Comics an: The Dark Knight Returns und Year One, bei The Long Halloween und Dark Victory. Die besten Geschichten sind nicht nur spannend oder überraschend, sie werden auch dem Charakter und dem Medium Comic gerecht. So eine Geschichte ist Face the Face.

James Robinson (Autor des Juwels Blades) beschränkt sich auf ein Thema: Nach einem Jahr Abwesenheit (nachzulesen im Event 52, das auf Infinity Crisis folgt) sind Batman und Robin (Tim Drake) wieder zurück in Gotham. In der Zwischenzeit hat Harvey Dent, der chirurgisch und psychologisch von Two-Face befreit wurde, auf die Stadt aufgepasst. Doch kaum ist Batman wieder da, tötet ein Unbekannter Superschurken – und alles spricht dafür, dass Dent wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Obwohl wir einen Gang durch die Rogues Gallery bekommen (Poison Ivy, Scarecrow, Scarface, Killer Croc), bleiben diese Figuren nebensächlich und die Geschichte verliert nie ihren Fokus: das Verhältnis zwischen Batman und Dent. Wir sehen, wie mit jedem neuen Mord und Indiz der Zweifel an der Rechtschaffenheit des Geläuterten wächst – und man wünscht sich, dass Dent doch noch die Kurve kriegt, auch wenn man ahnt, dass der Wandel zum Guten nicht von Dauer sein kann. Der Zweifel sät aber Misstrauen und daraus erwächst das Böse. Der eigentliche Höhepunkt ist Dents Kampf gegen den eigenen Dämon, den er in jedem Spiegel sieht. (Die Rehabilitation von Two-Face ist übrigens eine sehr alte Idee, die schon 1943 in The End of Two-Face durchgespielt wurde, 1996 erneut in Batman Black and White.)

Robinson gibt den Charakteren und der Handlung genug Raum, sich zu entfalten, jedoch ohne Seiten zu schinden. Ihm ist es wert, auch mal die Panels für sich sprechen zu lassen. Auch wenn in einer Sequenz mal nichts passiert. Oder so gut wie. Da wird zum Beispiel eine Seite für eine Sequenz aufgewendet, um zu zeigen, wie Tim Drake einen Bleistift zerbricht – und es wird klar, wie sehr er um seinen toten Vater trauert (siehe Identity Crisis). Ohne Worte wird hier die Tragik der Figur deutlich, was die spätere Adoption durch Bruce Wayne emotional vorbereitet. Auch der Polizei wird die nötige Aufmerksamkeit zuteil: Der wieder als Commissioner eingesetzte James Gordon kann aus Sorge um seine Stadt nicht schlafen, Harvey Bullock bekommt eine zweite Chance, nachdem er der Korruption überführt wurde.

Trotz verschiedener Zeichner wirkt das Werk auch visuell wie aus einem Guss. Es geht nicht allein um ausdrucksstarke Panels mit dynamischen Figuren und überwältigende Bildarrangements, sondern vor allem um eine düstere Grundstimmung, wie man sie von Gotham erwartet. Auch wenn es an Action nicht mangelt: Was Batman ausmacht, wird hier im Stillen zelebriert.

Seit Jahren war Face the Face vergriffen – und es war eine Schande, dass DC es nicht neu aufgelegt hat. Das wurde jetzt mit einer Hardcover-Deluxe Edition nachgeholt. Es war längst überfällig. Denn diese Story gehört zu den besten Batman-Comics der 2000er Jahre. Deswegen liest man überhaupt Batman.

Mehr zum Thema:

Wenn Opfer zu Tätern werden

DC Comics

Titel: The Victim Syndicate (dt. Das Opfer-Syndikat)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Eddy Barrows

Erschienen: 2016-2017 (Detective Comics #943-949), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 2); dt. Panini 2018 (Paperback)


„Of course I’m not happy!“ (Batman)

Normalerweise geht es bei Batman um Helden gegen Schurken. Um die dazwischen, die Opfer, geht es selten. Entweder werden sie gerettet oder sie gehen drauf. Was ist aber mit denen, die überleben, aber fürs Leben gezeichnet sind? Darum geht es in The Victim Syndicate. Fünf Menschen, die von Batmans Schurken gezeichnet wurden, schließen sich zusammen; jeder von ihnen hat irgendwelche Kräfte gewonnen oder Missbildungen erlitten. Weil sie davon ausgehen, dass Batman mehr schadet als hilft, wollen sie Batman zum Aufhören zwingen. Andernfalls fügen sie denen Leid zu, die Batman unterstützen.

Halten wir kurz inne, um uns der Logik dahinter gewahr zu werden: Menschen, die sich darüber beklagen, unter Batman zu leiden, verbreiten noch mehr Leid, um das Leiden zu beenden. Inwiefern unterscheidet sich dieses Vorgehen von dem Batmans? Egal, Schurkenlogik muss man nicht unbedingt nachvollziehen können. Batman und seine Spießgesellen (Batwoman, Spoiler, Orphan, Clayface, Batwing) müssen sich angesichts von Tim Drakes „Tod“ allerdings die Frage gefallen lassen, welchen Sinn ihr Tun hat. Es ist die klassische Frage des modernen Superhelden, vielfach durchdekliniert, prominent ausgeführt in Kingdom Come. Hier aber bekommt sie eine interessante Wendung, indem Spoiler sich gegen Batman wendet.

In The Victim Syndicate wird zu viel geredet. Aber abgesehen davon, tut ein nachdenkliches Comic auch mal gut zur Abwechslung. Der Höhepunkt ist nämlich kein actionlastiges Finale, sondern ein emotionales. Ebenso nachdenklich gerät der Abschluss des Bandes, in dem sich eine zweiteilige Story Batwoman und ihrem Verhältnis zu Batman und ihrem Vater widmet. Auch wenn die Zeichnungen durchweg überzeugen, das alles macht den Band zu keinem Meisterwerk, aber zu einer lohnenden Lektüre.

>> Batman 2011-2019

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

>> Batman 2000-2011

Riddlers erste Schnitzeljagd

Detective Comics #140-142 (DC Comics)

Titel: The Riddler/Crime’s Puzzle Contest

Autor/Zeichner: Bill Finger/Dick Sprang

Erschienen: 1948 (Detective Comics #140/142), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


„Why don’t I commit puzzling crimes?“ (Riddler)

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum: Edward Nigma wird nicht zum Riddler, weil er besonders schlau wäre, besonders gut im Lösen von Rätseln, sondern weil er gut im Schummeln ist. So ist es zumindest am Anfang. Der Riddler sieht sein Talent im Betrug. Also beschließt er, ein Superschurke zu werden: er legt sich ein Versteck mit der passenden Einrichtung zu, und dann noch ein grünes Kostüm mit Fragezeichen. Und so wird er zum Widersacher für Batman, um sich mit ihm zu messen. Er gibt ihm eine Reihe von Rätseln auf, die Batman immer wieder zum Mitspieler machen.

Batman und Robin lösen riesige Probleme: Riesen-Kreuzworträtsel, Riesen-Puzzles, Riesen-Drahträtsel. (Der unverkennbare Stil von Dick Sprang.) Ein Riesen-Maiskolben später führt der Riddler sie in ein Labyrinth aus Glas – und da laufen sie auch ohne nachzudenken rein. Wie gut, dass Batman besser darin ist, Probleme zu lösen, als sie zu vermeiden.

Da der Riddler entkommt, geht es im zweiten Teil munter weiter: ein Riesen-Rebus an einem Zeppelin, ein absurder Rebus im Fernsehen, auf dessen Lösung niemand außer Batman je gekommen wäre. Die Schnitzeljagd endet im Spiegelkabinett, aber Batman kennt da einen ganz tollen Trick, um sie ganz schnell zu beenden.

Bemerkenswert: der Riddler ist kein Krimineller aus Gier oder reiner Bosheit. Er ist ein Spieler, der bloß seinen Spaß haben will. Die Rätsel sollen gelöst werden, damit Batman ihm hinterherrennen kann. Wie die meisten anderen klassischen Schurken (Hugo Strange, Clayface, Scarecrow, Two-Face) verschwindet der Riddler nach diesem Zweiteiler für lange Zeit aus den Comics. Erst 17 Jahre später kehrt er zurück (Batman #171, 1965), im Jahr 1966 dann auch in der Batman-TV-Serie.

Mehr zum Thema:

Zweite Chance für Two-Face

DC Comics

DC Comics

Titel: The End of Two-Face

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #80), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„I’m going straight!“ (Two-Face)

Two-Face bricht aus dem Knast aus. Und macht weiter wie bisher: tut mal Böses, mal Gutes, je nachdem, wie die Münze entscheidet. Als es zur Konfrontation mit Batman und Robin kommt, gerät Harvey Kents Frau, Gilda, in die Schusslinie. Nachdem sie ihm seine Liebe gesteht, trifft er den Entschluss, sein Leben zu ändern. Doch die Mitglieder seiner Gang lassen ihn nicht so leicht davonkommen.

Das Besondere an dieser Story ist der Optimismus: die tragische Geschichte von Kent, die Mitgefühl erregt hat, kommt hier zu einem (vorläufig) guten Ende. Harvey wird bekehrt, er rettet sogar Batman das Leben und lässt sich sein Gesicht wieder reparieren (just in dem Moment ist der besagte plastische Chirurg aus Nazi-Deutschland entkommen). Etwas zu naiv und märchenhaft? Mag sein. Aber es zeigt auch Batman von einer menschenfreundlichen Seite. Er ist froh, dass er nicht – wie sonst üblich – einen Bösen in den Knast stecken must, sondern dass Besserung möglich ist.

Two-Face ist kein Schurke, der als Dauergast konzipiert war. Genauso wie Clayface, Scarecrow oder der Riddler. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten taucht er kaum in den Comics auf. Erst in den 70ern wird er zu einem von Batmans Erzfeinden. Doch er bleibt einer der interessantesten Charaktere, nicht nur wegen der Tragödie seiner Entstehung, sondern auch, weil er ein zerrissener Charakter ist – wie Batman auch.

>> Liste der Two-Face-Comics

Mehr über Two-Face:

War Games: Tausend Seiten Langeweile

Titel: War Games Vol. 1-2 (früher: War Drums, War Games, War Crimes)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2004-2005; Paperbacks 2004-2006 (5 Bände), 2015-2016 (2 Bände); dt. Panini 2005 (diverse Hefte)


„War is not a game. It’s an abomination. And this must be stopped.“ (Batman)

Die Kurzfassung: Ein Bandenkrieg bricht in Gotham aus, Black Mask übernimmt die Unterwelt.

SPOILER: Stephanie Brown wird zu Robin, wird aber schnell gefeuert und stirbt bald darauf, nachdem sie von Black Mask gefoltert wird.

Bilanz: Zwei Bände mit über 1000 Seiten, auf denen zu wenig Spannendes passiert – verschwendete Lesezeit.

Die ausführliche Fassung:

Tim Drake hat keine Lust mehr. Er hat als Robin hingeschmissen. Ein Ersatz muss her, da steht auch schon die erste Aspirantin auf das Amt des Wunderknaben bereit: Stephanie Brown, Tochter des Schurken Cluemaster, ehemals als Spoiler unterwegs. Kaum bricht sie in die Bathöhle ein und steht im selbstgenähtem Kostüm vor Batman, ist sie engagiert. Bei Tim hat Batman noch gezögert und mit sich gehadert, immerhin war gerade erst Jason Todd im Einsatz draufgegangen. Aber beim ersten Mädchen in der Rolle scheint er keine Skrupel zu haben. Warum, erfährt man später: sie ist bloß Kanonenfutter.

Ja, ich weiß: strenggenommen ist Stephanie nicht der erste weibliche Robin. Vor ihr gab es Carrie Kelley, allerdings nur im alternativen Universum von The Dark Knight Returns (auch wenn sie kürzlich Eingang in den Kanon fand, aber das ist eine andere Geschichte). Spoiler-Robin ist aber die erste in der regulären Continuity. Es ist allerdings bezeichnend: Wenn Robin ein Mädchen wird, dann nur für kurze Zeit. So geht Stephanie Brown leider nur als Fußnote in die Comic-Geschichte ein. Alfred Pennyworth kommentiert das so:

„One has difficulty adjusting to the recurrent personnel changes, what with Robin, and the Robin before her …“

Die Handlung von War Games lässt sich Zeit. Das erste Drittel (ursprüglich War Drums genannt) baut nur allmählich die Geschichte in Gang. Ein Gang-Krieg hier, Mr. Freeze da, eine Pest frisst Menschen auf, der Pinguin macht Waffendeals, Robin darf sich beweisen und wird nach ein paar Tagen gefeuert, während Tim Drake Liebeskummer hat und sich woanders Trost sucht. Kurz gesagt: ziemlich schleppend und belanglos.

Nach diesem zähen Auftakt geht die eigentliche War Games-Story los. Nachdem es bei einem Treffen der Gangster-Bosse zu einer Schießerei kommt, bei der die meisten getötet werden, bricht ein Bandenkrieg in der ganzen Stadt aus. Das Treffen hat Stephanie Brown einberufen, um Batman zu beweisen, das sie das Verbrechen in Gotham beseitigen kann. Falsch gedacht, es endet in einer Katastrophe. Auch für sie. Und auch narrativ. So wird das Lesen selbst zum Kampf.

Der erste Akt von War Games, mit dem der erste Band (500 Seiten!) schließt, ist nichts als eine große Prügelei:

  • Batman vermöbelt Gangster
  • Nightwing vermöbelt Gangster
  • Catwoman vermöbelt Gangster
  • Robin vermöbelt Gangster
  • Batgirl vermöbelt Gangster
  • neue Heldinnen wie Onyx und Tarantula vermöbeln Gangster

Eintönig? Ja, so ging es mir auch. Aber so geht es im zweiten Band (600 Seiten!) weiter. Bis irgendwann endlich der Hauptschurke auftaucht: Black Mask. Zu lange hält man mit ihm hinterm Berg, dann ist er plötzlich da, ohne großen Auftritt – und als Batman dahinterkommt, ist es keine Überraschung mehr, weil der Leser es längst weiß, ohne dass er selbst rätseln musste. Das hätte man eleganter lösen können. Aber immerhin ist Black Mask, ein grausamer, sadistischer wie wortgewandter Schurke, das Einzige an dieser Story, das Interesse weckt.

Alles weitere ist entbehrlich. Zu viele Charaktere tummeln sich da (Hush! Deadshot! Scarecrow!), die die dünne Story mehr mit unnötigen Schlägereien ausbremsen als sie voranzubringen. Batman wirkt mal wieder sehr unsympathisch, weil herrisch, als er auch noch der Polizei vorschreiben will, was sie zu tun hat, und danach bei ihr in Ungnade fällt. Dabei ist die eigentlich spannende Prämisse, dass der Mann, der an alles gedacht hat, unfreiwillig zum eigentlichen Auslöser der Krise wird. Aber hier wird die Idee verschenkt.

Der Schlussteil, War Crimes, ändert an dem Gesamteindruck wenig: er liest sich wie ein Epilog, der sich noch mehr zieht als das Ende von Herr der Ringe III. Das Finale enttäuscht, Black Mask und Joker gehen in einer Seitengasse wegen einer Nichtigkeit aufeinander los, Batman mischt sich ein, es geht kindisch zu wie auf dem Pausenhof. Da kann auch die überraschende Wendung am Ende nicht mehr helfen. Sie braucht uns ebenso wenig zu jucken wie die über 1000 Seiten davor.

>> Batman 2000-2011