Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Als Batman Gorbatschow rettete

Cover zu Batman #445-447 von Brian Bolland (DC Comics)

Titel: When the Earth Dies (dt. Im Schatten der Bestie)

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Jim Aparo

Erschienen: 1990 (Batman #445-447), erschienen in: Batman: The Caped Crusader Vol. 3 (2019), dt. Hethke 1992 (Batman Album 14/15)


Wenn man sich die Nachrichten anschaut, muss man leider feststellen: Es gibt Probleme auf der Welt, bei denen selbst Batman machtlos wäre. Trotzdem kann unser Lieblingsheld ein Hoffnungsträger sein, um zu zeigen, dass man als Einzelner dennoch seinen Beitrag leisten kann.

Anfang 1990 durfte sich Batman in der Sowjetunion nützlich machen. Seit 1986 wurden im Zuge von Michail Gorbatschows Glasnost-Reformen Meinungs- und Pressefreiheiten gewährt, unter dem Schlagwort Perestroika setzte ein Umbau des kommunistischen Staates ein. In Ten Nights of the Beast (1988) bekämpfte Batman mit KGBEast einen ehemaligen KGB-Agenten, der es auf US-Politiker abgesehen hatte, kurz nach dem Fall der Mauer hilft der Dunkle Ritter nun der Sowjetunion gegen den Killer Demon (oder NKVDemon, nach der Abkürzung des Innenministeriums), der sich gegen die eigenen Genossen richtet.

Make USSR great again: NKVDemon. (DC Comics)

Demon ist ein überzeugter Kommunist, für den die Glasnost-Reformen die Ideale von Marx und Lenin zerstören. Deshalb tötet der ewiggestrige Profikiller mit der roten Dämonenmaske jetzt die angeblichen Volksverräter. Seine Rhetorik nimmt Putin (und auch Trump) vorweg: „It is up to me to return our country to the greatness that Lenin foresaw. And it is in his name that I will once again make us great!“

Nachdem ein Mitglied des Politbüros halbiert in Moskau aufgefunden wird, bitten die Sowjets Batman um Hilfe. Bruce Wayne reist also nach Moskau, unter dem Vorwand, sich Fabriken ansehen zu wollen. Dabei wird er ständig von Aufpassern begleitet und trifft auf Reporterin Vicky Vale, die mit ihrer Fotokamera Russland unter Glasnost dokumentiert.

Gemeinsam gegen Umweltkrisen

Als Batman muss er eine Reihe sehr ausgefuchster Attentate verhindern. Das interessanteste findet bei einem Eishockey-Turnier statt: Demon verkleidet sich als Spieler und schießt mit explosiven Pucks ins Publikum, um einen bestimmten Menschen zu treffen. Kollateralschäden nimmt er in Kauf, aber besonders effektiv ist diese Methode nicht. Trotzdem hat es Batman gegen Demon schwer. Dabei setzt er sein Cape auf kreative Weise ein: Als er einmal aus einer fahrenden U-Bahn springen muss, rollt er sich im Flug darin ein, später hängt er sich damit an einen Fahnenmast. Am Ende nimmt Demon dann Gorbatschow ins Visier – analog zu KGBeast, der es auf Ronald Reagan abgesehen hatte – und färbt dabei den Fluss Moskwa rot …

When the Earth Dies ist also ein direkter Kommentar zum politischen Weltgeschehen, aber nicht nur historisch interessant, denn es weist aber auch auf die Zukunft voraus. Vicky Vale sieht in der Annäherung der beiden Weltmächte eine Chance für globale Herausforderungen, daher der Titel: „All of us are slowly destroying the earth“, sagt sie. „We’re destroying the environment. The rain forests. The ozone layer. We’ve got to be one planet again.“ Später spricht ein russischer Redner auch die Tschernobyl-Katastrophe als Beispiel für die Umweltzerstörung an.

Wohlgemerkt: Schon 1990 war man sich all der Umweltprobleme bewusst – das sind die wahren Herausforderungen, die man nach dem Kalten Krieg stemmen musste. Leider scheint sich diese Uralterkenntnis immer noch nicht durchgesetzt zu haben. Seit Jahren machen nationalistische und Tendenzen und wirtschaftliche Interessen die gemeinsame Anstrengungen zunichte, nach dem Motto: Wir zuerst. Der Ukraine-Krieg könnte zumindest in Europa die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen beschleunigen. Aber vielleicht wird jemand in 30 Jahren auch diesen frommen Wunsch nur belächeln …

>> Batman 1990-1999


Unterstütze das Batman-Projekt

1,00 €

Pinguin bekommt Serie auf HBO Max

penguin-hbo2.jpg

Colin Farrell als Pinguin (DC Comics/HBO Max)

Es gehörte sicher zu den überraschenden Entscheidungen, Colin Farrell als Pinguin im Film The Batman zu casten. Allerdings erkennt man ihn unter der Maske auch kaum. Er wirkt eher wie ein aufgedunsener Robert De Niro aus Wie ein wilder Stier. Als rechte Hand von Kingpin Carmine Falcone macht „Oz“ jedenfalls eine gute Figur, auch wenn die Iceberg Lounge äußerlich nicht viel hermacht.

Nun soll der Pinguin seine eigene Miniserie auf HBO Max bekommen. The Batman-Regisseur Matt Reeves soll mitproduzieren, Lauren LeFranc soll als Showrunner dienen. Die Autorin hat bereits für Serien wie Chuck, Impulse und Marvel’s Agents of SHIELD geschrieben. Details zur Handlung sind nicht bekannt. Selbst die Pressemitteilung von DC spekuliert darüber, ob es sich bei dem Spin-off um ein Prequel oder Sequel handeln könnte. „The Penguin“ soll auch nur ein Arbeitstitel sein.

Im Jahr 2020 war bereits eine Spin-off-Serie zu The Batman über die Polizei von Gotham angekündigt. Aus der ist aber nie etwas geworden, da der vorgesehene Showrunner Terence Winter das Projekt verlassen hat. Nun soll es stattdessen eine TV-Serie rund um Arkham Asylum und seine Insassen geben, wie Matt Reeves enthüllt hat.

>> Pinguin-Comics

Batmans mörderischer Doppelgänger

batman-imposter-1-3.jpg

DC Comics

Titel: Batman: The Imposter (dt. Die Maske im Spiegel)

Autor/Zeichner: Mattson Tomlin/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022, dt. Panini 2021 (Dreiteiler)/2022 (Sammelband)


„Do you think Gotham will be better off without me?“ (Bruce Wayne)

Nach drei Jahren im Einsatz als Batman taucht ein Nachahmer auf, der verurteilte Kriminelle tötet. Das Original versucht, den Betrüger zu finden, doch das erweist sich als schwierig, denn es scheint kein Muster zu geben. Er gerät dabei ins Visier der Polizei. Detective Blair Wong sucht nach ihm und kommt dabei schnell Bruce Wayne die Spur. Doch man kommt sich auch privat näher …

Die Geschichte ist erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Ein Großteil der Erzählung nehmen Therapiegespräche zwischen Bruce Wayne und Leslie Thompkins ein, die zufällig von seinem Doppelleben erfährt, als er eines nachts bei ihr ins Haus kracht. Sie stellt fest, dass Bruce ein Problem hat, und zwingt ihn in die Therapie, sonst gibt sie sein Geheimnis preis. Ob das ethisch korrekt ist, sei dahingestellt, wirksam ist es auf jeden Fall. Doch wirksam findet Batman auch sich selbst: Dank ihm soll Gotham die erste Nacht ohne Gewaltverbrechen seit 54 Jahren erlebt haben. Wieder mal stellt sich die Frage, ob Gotham einen Batman braucht.

Wie ein Comic zum Film The Batman

Autor Mattson Tomlin war ursprünglich als Co-Autor des Films The Batman angekündigt, wurde dann im Abspann aber nicht mehr genannt, weil sein Beitrag anscheinend gestrichen oder auf ein nicht mehr nennenswertes Maß geschrumpft worden ist. Dafür durfte er ein Comic machen, der stilistisch an einigen Stellen an den Film erinnert: zum einen wäre da das Kostüm, zum anderen ein junger Bruce Wayne, der mit seinem verwischtem Mascara an Robert Pattinson erinnert, zum dritten ist The Imposter auch sehr darauf bedacht, glaubwürdig zu sein. Batman hat zum Beispiel mehrere Motorräder in der Stadt geparkt, benutzt ein Netz von Ziplines, die er zwischen Häusern gespannt hat. All das widerspricht dem typischen Comic-Batman, der aus dem Nichts kommt und dorthin wieder zurück verschwindet – es ist auf Realismus angelegt, wie die Filme seit Batman Begins.

batman-imposter3

Doppelseite aus „The Imposter“ von Andrea Sorrentino. (DC Comics)

Daher gibt es hier auch keine Superschurken. Figuren wie Ratcatcher und Arnold Wesker (Bauchredner) tauchen nicht als Gegner auf, sondern als Außenseiter, die helfen wollen bzw. Hilfe brauchen. Dadurch bekommt die Geschichte eine menschliche Tiefe. Da verzeiht man es der Story, dass ihre Grundidee nicht neu ist (vgl. Batman Special #1, 1984) und es auch gar nicht so wichtig ist, wer sich am Ende als Doppelgänger herausstellt. Es wirkt alles rund und stimmig. Man kann The Imposter also ohne Voraussetzungen lesen und bekommt eine in sich abgeschlossene Story.

Meisterhafte Comic-Kunst

Das Wichtigste an all dem ist aber: Gezeichnet wird das Ganze von Andrea Sorrentino. Von daher kann man sich alles Weitere sparen, denn der Meister, dem wir Joker: Killer Smile zu verdanken haben (neben Gideon Falls, Green Arrow und Old Man Logan), beeindruckt auch hier mit seiner einzigartigen Stimmung, die Labels wie „düster“ und „atmosphärisch“ eine einzigartige Qualität verleiht. Außerdem überrascht er wieder mit gewagten Layouts: Panels in Fledermausform, Puzzlestücken und anderen collage-artigen Anordnungen, für die wahrscheinlich noch die Begriffe erfunden werden müssen.

Daher besteht die Spannung beim Umblättern nicht so sehr darin, was als nächstes passiert, sondern was als nächstes mit dem Medium Comic veranstaltet wird. Sorrentinos Werk bleibt große Kunst, die eine tiefgreifende Analyse verdient. Doch fürs Erste sei einfach nur empfohlen: lesen und genießen. Dieses Buch ist wow, wow, wow.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Pitch Meeting für Batman (1989)

batman-1989-batsignal-keaton

Warner Bros.

Nach über 30 Jahren dürfte auch jedem Nostalgiker klar sein, dass der erste ernsthafte Batman-Film nicht so ernstzunehmen ist, wie es scheint. Tim Burtons Batman war mehr ein Hype, der von geschicktem Marketing angefacht wurde, als ein Film mit einer nennenswerten Story. Aus heutiger Sicht wirkt vieles überdreht und albern.

Ryan Georges Pitch Meeting lässt den Blockbuster noch fragwürdiger erscheinen: Batmans Methoden der Verbrechensbekämpfung, seine Affäre mit einer Reporterin und der intime Umgang mit ihr lassen erhebliche Zweifel aufkommen, ob es sich hier wirklich um einen Helden handelt. Ryan George versteht es, Filme auseinanderzunehmen. Desillusionierend? Mag sein, aber selten sind Kindheitserinnerungen so witzig zerstört worden.

Und wer davon nicht genug bekommen kann: Pitch Meetings gibt es auch zu Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie sowie zu Batman Forever und Batman & Robin.

>> Batman-Filme und -Serien

Matt Reeves erklärt das rätselhafte Ende von „The Batman“

Wenn das mal keine Klickbait-Überschrift ist! Ich dachte, was andere können, das kann ich auch. Worum geht’s? Um die vorletzte Szene von The Batman, in der der Riddler auf einen anderen Arkham-Insassen trifft. Wer Angst vor Spoilern hat, lese bitte erst weiter, wenn er den Film gesehen hat.

Die naheliegende Frage ist: Trifft der Riddler auf den Joker? Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Matt Reeves stellt in einem Video von IGN klar: Ja, aber nicht ganz. Dieser unbenannte Arkham-Insasse (gespielt von Barry Keoghan, bekannt aus The Killing of a Sacred Deer, Dunkirk und Eternals) ist nur eine Vorstufe des Schurken, der aber schon als Mörder aufgetreten ist und von Batman geschnappt wurde. Ursprünglich war noch eine weitere Szene im Film, in der Batman auf ihn trifft. Die Szene wurde jedoch rausgeschnitten und soll bei anderer Gelegenheit veröffentlicht werden.

[UPDATE: Hier ist die Szene:]

Reeves erklärt, dass sein Joker an den Stummfilm The Man Who Laughs angelehnt ist, der ohnehin den Joker inspiriert hat. Conrad Veidt spielt darin einen Mann, der von Kindheit an ständig ein Grinsen im Gesicht trägt. Dieser neue Noch-nicht-Joker soll durch eine Krankheit gezeichnet sein. Aus dieser Erfahrung soll er auch seine nihilistische Weltsicht haben: „From his birth life has been a cruel joke on him and this is his response“, sagt Reeves.

Ob das bedeutet, dass der Joker im nächsten Film auftaucht, lässt Reeves offen. Er weiß angeblich noch nicht, auf wen Batman treffen wird. Geplant ist – wie üblich – eine Trilogie mit Robert Pattinson in der Hauptrolle. Auch wenn sich Reeves Mühe gibt, eine neue Sicht auf den Joker zu zeigen, täte es gut, den Schurken eine Weile ruhen zu lassen. Es gab mit Jared Leto und Joaquin Phoenix zuletzt zwei Joker kurz hintereinander und Heath Ledger ist auch noch gut in Erinnerung. Zudem gibt es noch eine Reihe anderer, die noch nie in einem Batman-Film zu sehen waren oder eine zweite Chance verdienen: Mister Freeze, Man-Bat, Mad Hatter, Killer Croc, Poison Ivy etc.

Aber ohne den Joker scheint es heutzutage nicht mehr zu gehen.

Filmkritik: „The Batman“

the-batman-werbung-berlin.jpg

„No More Lies“: Batman-Werbung in Berlin. (Foto: LG)

HINWEIS vorab: Diese Kritik setzt voraus, dass man den Film „The Batman“ gesehen hat, und verrät einige Details zur Handlung. Die betreffenden Absätze sind mit einer Spoiler-Warnung versehen. Wer nur wissen will, worum es grob geht und ob sich das Schauen lohnt, sollte nur Anfang und Ende des Textes lesen.

Ein Film, der sich „The Batman“ nennt, macht bereits zwei Aussagen. Erstens: Zurück zum Ursprung, denn der Dunkle Ritter hatte anfangs noch den bestimmten Artikel (und sogar noch einen Bindestrich). Zweitens: Das ist der wahre Batman.

Zurück zum Ursprung bedeutet hier kein Origin, denn Matt Reeves verschont sein Publikum dankenswerterweise mit der Entstehungsgeschichte, sondern zurück zum düsteren Rächer, der irgendwo zwischen Verbrechen und Gesetz steht. Aber ist „The Batman“ auch wirklich „THE Batman“?

Die Messlatte, die Christopher Nolan mit seiner Dark-Knight-Trilogie gelegt hat, ist hoch. Auch wenn der dritte Teil deutlich schwächer war als die ersten beiden, hat Nolan es geschafft, einen Realismus und eine Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit in den Mythos zu bringen. Zack Snyders Batman war mit seinem hohen Alter und in seiner Brachialität eher eine Liga für sich, um es mit Superwesen aufzunehmen.

Matt Reeves greift auf, was Nolan begonnen hat, und steigert es. Sein Gotham ist zutiefst korrupt. Auch nach zwei Jahren im Einsatz konnte Batman nichts dagegen ausrichten – es ist alles nur schlimmer geworden: Die Verbrechensrate steigt. Batman hat sich zwar seinen Ruf erarbeitet, aber bei der Polizei vertraut man ihm noch nicht, nur in James Gordon hat er einen Fürsprecher, auch wenn dieser sein Batsignal lieber nicht auf dem Polizeigebäude aufstellt.

An Halloween wird der Bürgermeister brutal ermordet, am Tatort bleibt eine rätselhafte Nachricht an Batman zurück. Der Riddler hat zugeschlagen. „No more lies“ ist sein Motto und er hat es auf die abgesehen, die in Gotham das Sagen haben. Es beginnt eine Schnitzeljagd, die Batman in Gothams Unterwelt führt, zum Pinguin und zu Selina Kyle, die beide für Kingpin Carmine Falcone arbeiten. Selina hilft ihm als (inoffizielle) Catwoman, die persönlich mit Falcone verbunden ist. Doch dann führt die Spur auch zur Familiengeschichte der Waynes …

(mehr …)

Pinguin: Wie alles begann

 

secret-origins-special-peng.jpg

Pinguin auf dem Cover von Secret Origins Special #1 (1989)

40 Jahre lang blieb der Pinguin unter den Batman-Schurken der große Unbekannte. Im Gegensatz zum Joker wusste man zwar, wie er mit wahrem Namen hieß, doch erst 1981 erfuhren die Leser, wie Oswald Chesterfield Cobblepot zum Pinguin wurde.

In The Origin of the Penguin (The Best of DC #10) erzählt Autor Michael Fleisher von einem Jungen, der nach dem Tod seines Vaters von einer kranken Mutter aufgezogen wird. Die Mutter hat eine Tierhandlung für Vögel und besteht drauf, dass Oswald jederzeit einen Regenschirm dabei hat – auch wenn draußen die Sonne scheint, denn der Vater soll sich einst in einem Gewittersturm seine tödliche Lungenentzündung geholt haben.

penguin-origin.jpg

Vögel sind die besseren Menschen, findet Oswald Cobblepot. (DC Comics)

Oswald tut seiner Mutter den Gefallen, aber sich selbst keinen, denn er wird dafür von anderen Jungs gehänselt, auch wegen seines Watschelgangs und seines Aussehens. Oswald sucht Zuflucht unter den Vögeln der Zoohandlung, studiert nach der High School Ornithologie und übertrumpft sogar das Wissen seiner Professoren. Nach dem Tod seiner Mutter bleibt Oswald allein zurück mit Schulden, die sie gemacht hat, um ihre Behandlung zu bezahlen. Die Zoohandlung wird gepfändet und er verliert seine Vögel.

Verbittert beschließt Oswald, sich dem Verbrechen zu widmen, doch er wird von einer Bande abgelehnt. Oswald baut einen Schirm zu einer Schusswaffe um, legt sich einen Frack zu und knallt den Anführer kaltblütig ab. Die anderen Gangster folgen ihm sofort und damit beginnt seine Karriere als Schurke mit Schirm, Charme und Zylinder.

The Killing Peck

Acht Jahre später (nach dem DC-Reboot der Crisis) wird die Entstehungsgeschichte etwas anders nacherzählt. Mit dem Titel, The Killing Peck (Secret Origins Special #1, 1989), orientiert sich Autor Alan Grant an dem ein Jahr zuvor erschienenen The Killing Joke, allerdings ohne sich in Form und Ausmaß damit messen zu wollen.

penguin-birds-origin

Am schönsten ist es unter Vögeln. (DC Comics)

Der Pinguin entführt einen Mann namens Sharkey. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit: Sharkey war einst sein Klassenkamerad, der ihn gemobbt und geschlagen hat. Er drückte Oswald das Gesicht ins Essen und verpasste ihm seinen Rufnamen: „Penguins just love fish!“ Bei einem Kostümball, als Oswald als Hamlet kam, hat ihn Sharkey sich zum Pinguin umziehen lassen.

penguin-training.jpg

Training mit Monokel: Oswald plant seine Rache. (DC Comics)

Oswald begann dann zu trainieren: Gewichteheben und Kampfsport. Nach einigen Monaten verprügelte er Sharkey, dieser rächte sich dann an Oswald, indem er alle seine Vögel tötete. Nach Jahren spürt der Pinguin ihn wieder auf und rechnet mit ihm ab, indem er in dazu zwingt, Fisch zu essen. Schließlich will er ihn im Zoo Tigern zum Fraß vorwerfen, doch dann kommt Batman dazwischen.

Unerwiderte Liebe

In den folgenden Jahren werden die Motive in den Origins immer wieder variiert. Im Film Batman Returns wird der Pinguin zu einem Ausgestoßenem, der sich nach Liebe sehnt. Wegen seiner Missbildung wird er von seinen reichen Eltern in einem Korb in einen Fluss geworfen und von Pinguinen aufgezogen. Das Motiv wird ähnlich auch in Penguin Triumphant (1992) aufgegriffen. Auch hier geht es um unerfüllte Liebe und um Mobbing als Kind. Doch der Pinguin wandelt sich zu einem von Anfang an ruchlosen Charakter.

Die Sache mit dem Regenschirm kehrt wieder in Joker’s Asylum: Penguin (2008). Die schwere Kindheit bleibt die Standarderklärung für sein menschenverachtendes Verhalten. Gesteigert wird die Grausamkeit in Penguin: Pain and Prejudice (2012). Hier wird er vom Vater und seinen Brüdern für sein Aussehen gehasst, allerdings von der kranken Mutter geliebt. Später schreckt er nicht davor zurück, einen Schwarm mordender Vögel auf die Kinder vom Gotham loszulassen …

>> Pinguin-Comics

Wie der Pinguin zu seinem Namen kam

penguin-sunday-1.jpg

Der Pinguin bedient sich im Postamt selbst. (DC Comics)

Von 1943 bis 1946 erschien Batman nicht nur in Comicheften, sondern auch in Zeitungen. Täglich ein Strip in Schwarzweiß, der am Tag darauf fortgesetzt wurde, sonntags kamen farbige Ganzseiter heraus, die eigene Geschichten erzählten. Bemerkenswerterweise kamen in diesen Strips die klassischen Schurken kaum vor. In den Dailies gab es nur einen Auftritt des Joker. Ansonsten behielt man sich die bunten Schurken für die bunten Seiten vor: Joker, Catwoman, Two-Face und sogar zweimal der Pinguin.

Im ersten Abenteuer (The Penguin’s Crime-Thunderstorms, #1-6, 1943) verkauft der Pinguin Regenschirme auf der Straße, für fünf Cent das Stück. Da greift sogar der reiche Geizhals Amos Q Pinchbeck beherzt zu. Doch der Schirm hat es in sich: Über einen Lautsprecher darin gibt der Pinguin Amos den Befehl, seine Diener und Wachen loszuwerden, damit der Schurke ihn ausrauben kann.

Dazu seilt er sich mit seinen Pinguinen zu Amos‘ Penthouse ab und bringt ihn um dessen Juwelen. Batman und Robin versuchen, ihn zu schnappen, kriegen aber nur seine zwei Pinguine zu fassen, dann rutschen sie auf einer Ölspur aus und fallen vom Dach. Aber zum Glück  die Polizei unten ein Netz gespannt. In dem fängt sie schließlich auch den Pinguin, der auf einem Regenschirm heruntergeglitten kommt.

Oswald Chesterfield Cobblepot

Interessanter ist aber das zweite Abenteuer (Oswald Who?, #119-123, 1946). Denn da erfahren wir erstmals, wie der Pinguin mit bürgerlichem Namen heißt: Oswald Chesterfield Cobblepot. Batman und Robin finden es heraus, als er gerade für Unruhe in einem Postamt sorgt. Eigentlich will er nur eine Postkarte abholen, die für ihn hinterlegt ist, doch der Beamte erkennt ihn auf einem Fahndungsplakat und will die Polizei rufen. Der Pinguin verschießt dann Tränengas und bedient sich selbst. Da schnappt das Dynamische Duo zu.

penguin-sunday-2.jpg

Stadtrundfahrt mit Pinguin, Tante, Batman und Robin. (DC Comics)

Die Karte stammt von Pinguins Tante Miranda. Sie will ihn heute – an seinem Geburtstag – besuchen kommen, um zu sehen, wie er lebt. Da Batman und Robin ihn einbuchten wollen, wäre das eine Schande für ihn. Also tun sie ihm einen Gefallen und geben ihm den Tag Aufschub, begleiten ihn und spielen das falsche Spiel mit, Tante Miranda von Oswalds Ehrlichkeit zu überzeugen.

Miranda sieht ihrem Neffen sehr ähnlich, nur dass sie eine Brille statt eines Monokels trägt. Zuerst unternehmen sie eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus. Der Pinguin will die Gelegenheit nutzen, um zu türmen, doch Batman fängt ihn wieder ein.

penguin-sunday-3.jpg

Schirme, die es in sich haben: Pinguin gerät in Erklärungsnot. (DC Comics)

Später führt er seiner Tante seinen Regenschirmladen vor, der mehr einem verstaubtem Waffenarsenal gleicht. Ahnungslos ballert Miranda mit einem der Schirme los. Den habe er für die Armee entwickelt, lügt der Neffe. Miranda bringt daraufhin den Laden wieder in Schwung, um ihrem Neffen mit seinem Geschäft zu helfen.

Als Gauner sehen, dass der Pinguin mit Batman und Robin rumhängt, halten sie ihn für einen Verräter und wollen ihn erledigen. Doch sie haben nicht mit seiner Tante gerechnet. Sie geht mit ihrem Schirm auf die Gauner los, gefolgt von Pinguin, Batman und Robin. Zum Glück greift keiner zu einem Schirm, der Kugeln verschießt, sonst gäbe es Tote. Und zum Glück lassen sich die harten Kerle mit Netzen, Haken und Wasserfontänen überwältigen.

penguin-sunday-4.jpg

Mit vereinten Schirmen gegen das Verbrechen: Pinguin, Tante, Batman und Robin. (DC)

Am Ende, als Tante Miranda wieder heimfährt, nehmen Batman und Robin den Schurken wieder fest – ungeachtet seiner Hilfe. Aber das scheint kein Problem zu sein: Er habe noch 237 Fluchtmöglichkeiten in petto, sagt er, nun bekommt er die Gelegenheit, eine weitere auszuprobieren.

Eine wunderbare Geschichte. Wie Autor Alvin Schwartz darauf kam, erklärt er im Kommentar: Er habe Spaß daran gehabt, sich lustige Namen auszudenken, sagt er. Außerdem verarbeitet er darin ein eigenes Erlebnis, als es ihm peinlich war, anderen seinen Ring zu zeigen, den er von seiner Mutter bekommen hat und in dem sein Name eingraviert war.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Tod den Geretteten

batman-the-detective-cover.jpg

DC Comics

Titel: Batman: The Detective (dt. Equilibrium)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Andy Kubert

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2022


Es zeugt nicht gerade von Kreativität, eine Serie Batman: The Detective zu nennen. Dass sie ursprünglich „The Dark Knight“ heißen sollte, macht es nicht besser. Zum einen weil das nun mal die Allerweltsbezeichnungen für den Caped Crusader sind, zum anderen weil es bereits ähnlich klingende Serien gibt. Allen voran Detective Comics, die zuletzt allerdings selten ihrem Namen gerecht geworden ist.

Nun gut, jetzt also soll der Detektiv in Batman betont werden. Tom Taylors Batman ist aber ein anderer: deutlich gealtert, vom Leben gezeichnet, allein. Außerdem trägt er einen Mantel mit Stehkragen und Schutzbrille im Stil von Post-Apokolips-Batfleck aus dem Snyderverse, was zugegebenermaßen ziemlich cool aussieht.

Wiedersehen mit Henri Ducard

Dann wird ein Passagierflugzeug in England zum Absturz gebracht und eine Botschaft für Batman hinterlassen. Batman fliegt nach Europa, kommt nach London und Paris – und trifft dabei seinen alten Mentor Henri Ducard wieder. Weitere Menschen werden ermordet und hinter den Anschlägen steckt Equilibrium, eine Frau in einem weißen Batman-Kostüm, die zusammen mit Gleichgesinnten Menschen ins Grab bringt, die Batman einst gerettet hat, denn diese dürften eigentlich gar nicht mehr leben. Equilibrium will die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen.

ACHTUNG: SPOILER!

Der Hintergrund ist fragwürdig: Batman hat einst einem Mann das Leben gerettet, der später einen Autounfall verursacht hat, bei dem Mann und Kind der Frau gestorben sind. Nun soll Batman einsehen, dass seine noblen Taten auch Konsequenzen haben können. Dummerweise hat Batman auch einmal ganz London vor einer Atombombe gerettet – und das soll ebenfalls „wiedergutgemacht“ werden.

batman-the-detective-5-cover

DC Comics

Wem die Absurdität dieser Logik noch nicht klar genug wird, der sei daran erinnert, dass Batman (zusammen mit der Justice League und unzähligen anderen Superhelden) auch schon mehrfach den gesamten Planeten vor dem Tod gerettet hat. Demnach dürfte kein Mensch mehr existieren – aber ist Batman deshalb für all das Leid in der Welt verantwortlich? Da hilft es auch nicht, den Joker als schlechtes Beispiel heranzuziehen. Nach Equilibriums Ansicht dürfte es weder Polizei noch Ärzte noch Sanitäter geben. Es dürfte niemand mehr irgendwem helfen, weil jeder Mensch eine potenzielle Gefahr darstellt …

Abgesehen von dieser höchst fragwürdigen Grundidee (ganz zu schweigen von der Frage, warum sich jemand, der Batman hasst, wie Batman kleiden sollte) liefert Tom Taylor (Injustice, DCeased) eine kurzweilige Geschichte ab, die zumindest auf der Ebene Bruce Wayne und Ducard gut funktioniert. Lieber hätte man mehr über das Verhältnis der beiden gelesen. Ducard erinnert Batman daran, dass er nicht alle Probleme alleine lösen kann – und dieser lernt seine Lektion. Dass er vorher bereits mit Alfred, diversen Robins und anderen Helden zusammengearbeitet hat, lässt jedoch auch diese Lektion etwas hinken.

Mobile Batcave im Bat-Truck

Hier helfen ihm unter anderem die britischen Pendants Knight & Squire. Dann kommt noch eine mobile Batcave zum Einsatz (samt Mini-Dino und Mini-Riesenpenny, als wäre ein einfacher Penny nicht Miniatur genug), die in einem riesigen Bat-Truck über Europas Autobahnen und dann in ein belgisches Comicmuseum brettert. Wie so oft läuft am Ende für Batman alles super easy. Auch für gute alte Detetektivarbeit bis dahin bleibt zwischendurch nicht viel Gelegenheit, die findet meist zwischen den Kapiteln statt.

Doch auch diese Schwächen verzeiht man dem Comic, weil es von Meister Andy Kubert gezeichnet wurde (Batman and Son, Whatever Happened to the Caped Crusader, Dark Knight III). Er inszeniert Batman sehr klobig, aber sehr expressiv und voller kraftstrotzender Eleganz. Kuberts Actionsequenzen und Splash Pages sind Augenweiden wie seine Cover. Er bleibt einer der ganz Großen und hebt diese Geschichte etwas über den Durchschnitt.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Chip Zdarsky und Jorge Jimenez übernehmen Batman-Serie

batman-125-cover.jpg

DC Comics

Nach dem abrupten Abschied von James Tynion IV von DC und Batman sind Autor Joshua Williamson nur sechs Ausgaben vergönnt, bis er wieder abgelöst wird. Williamson war also nur ein Übergangsautor für einen noch größeren Namen: Chip Zdarsky soll laut DC im Juli ab Batman #125 übernehmen, gemeinsam mit Zeichner Jorge Jimenez, der bereits einige Batman-Ausgaben gestalten durfte.

In der ersten Storyline, Failsafe, hat Bruce Wayne Albträume über eine Zukunft, die er nicht aufhalten kann. Allerdings könnte er selbst die Zukunft nicht mehr erleben, denn ein alter Feind aus seiner Vergangenheit trachtet ihn nach dem Leben. Also schon wieder eine Verschwörungs- bzw. Rachegeschichte … Aber dieser Sechsteiler soll natürlich nur der Auftakt zu noch Größerem sein: „really wild places“, verspricht der Autor.

Zdarsky durfte sich bereits mit Detective Comics #1027Batman: Urban Legends und Batman Black and White warmschreiben. Außerdem erscheint gerade seine zehnteilige Serie Batman: The Knight über die Anfänge von Bruce Wayne. Zdarsky ist parallel noch bei Marvel mit seiner grandiosen Daredevil-Serie beschäftigt, die nach dem Event Devil’s Reign im Juni mit einer neuen Nummer 1 startet.

Das Multitalent erhielt bereits mehrere Eisner-Awards, darunter als Autor für Peter Parker: The Spectacular Spider-Man und als Zeichner der Serie Sex Criminals, geschrieben von Matt Fraction. Ebenfalls empfehlenswert ist seine Miniserie Spider-Man: Life Story.

>> Mehr zum Thema: Shadow War