Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Two-Face gegen Two-Face

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DC Comics

Titel: Double Image/One out of Two… Isn’t Bad…

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jim Baikie

Erschienen: 1987 (Detective Comics #580-581), Paperback 2018 (Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1)


Ein Mann mit bandagiertem Gesicht erwacht in einem Hotelzimmer und wirkt ganz erstaunt, wie er da hin gekommen ist. Eine Gesichtshälfte ist entstellt, ein geteilter Anzug hängt im Schrank, einen Münzwurf später steht der Entschluss: Na gut, bin ich halt Two-Face …

Und so lässt der nächste Raubzug in der High Society nicht lange auf sich warten, zusammen mit eineiigen Zwillingen als Komplizen. (Wo kriegt man die eigentlich her?) Batman und Robin greifen ein, Two-Face entkommt, man sieht sich wieder in einer Spiegelfabrik – weil Spiegel bekanntlich Doppelgänger erschaffen. Da stellt sich heraus: Dieser Two-Face ist nicht Harvey Dent, sondern ein anderer, aber alter Bekannter: der Schauspieler Paul Sloane, der zweite Two-Face des Golden Age!

Sloane hat einst Harvey Dent in einem Film gespielt, bis ihm in der Gerichtsszene echte Säure ins Gesicht geschüttet wurde und sich die Geschichte wiederholte (Batman #68, 1951). Sein Gesicht wurde wiederhergestellt, doch nun hat Dent es ihm wieder zerstört, weil er ihm sein Glück nicht gönnt.

Mit Säure gegen die Verfassung

Als Batman und die Polizei Sloane mit einem Zug voller Zwei-Dollar-Noten in eine Falle locken, taucht Harvey auf – ebenfalls mit Zwillingen als Handlangern. Er überwältigt die Polizei mit Schallkanonen, schießt Sloane, Batman und Robin mit Betäubungspfeilen bewusstlos und die Münze entscheidet für einen doppelten Tod durch Feuer und Eis: in einem Kühlwaggon mit Zeitbombe. Doppelt hält bekanntlich besser. Entweder die Helden erfrieren in zwei Minuten oder werden in die Luft gejagt. Batman reißt die Leitungen von der Wand und das Trio entkommt.

Nächster Halt: „Noah’s Park“, ein Freizeitpark mit einem Fahrgeschäft, in dem paarweise Tiere das Thema bilden. Two-Face trifft wieder auf Two-Face, doch dank Sloanes Frau verbündet sich Sloane mit Batman und Robin gegen Dent. Der versucht schließlich, die Verfassung der USA zu stehlen, die wird im Jahr 1987 nämlich 200 Jahre alt und in Gotham ausgestellt. Two-Face geht amphibisch vor (was „Doppelleben“ bedeutet), bricht also als Taucher ins Ausstellungsgebäude, und kippt dann Säure auf das wertvolle Dokument. Da wirft Sloane den Silberdollar und schlägt ihm die Säureflasche aus der Hand, um Schlimmeres zu verhindern.

Two-Face geht wieder auf Two-Face los – doch wer ist der echte? Batman entscheidet per Münzwurf: Beiden schnippt er je einen Silberdollar entgegen. Der eine fängt mit links, der andere mit rechts, letzterer kriegt einen rechten Haken verpasst, Sloane eine zweite Gesichts-OP – und eine zweite Chance.

Wie auch schon die anderen Storys von Mike W. Barr aus dem Jahr 1987 ist auch diese eine Over-the-Top Hommage ans Golden Age mit absurden Wendungen, riesigen Requisiten und allen möglichen Wortspielen mit „two“, „double“ etc. Leider kann Zeichner Jim Baikie mit seinem sperrigen Stil aber nicht mit einem wunderbaren Künstler wie Alan Davis mithalten, der die früheren Geschichten elegant illustriert hat.

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Mad Hatter hat Leichen im Keller

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DC Comics

Titel: Tea Time

Autor/Zeichner: Landry Q. Walker/Keith Giffen, Bill Sienkiewicz

Erschienen: 2010 (Joker’s Asylum II: The Mad Hatter #1), Paperback 2011 (Batman: Joker’s Asylum Vol. 2)


Der Joker erzählt uns eine etwas andere Geschichte über den Mad Hatter. Jervis Tetch wohnt im Keller eines Hauses in Gothams Lower East Side und schreibt ein Buch über eine Welt ohne Regeln, in der die Farben leuchten und der Sonne immer scheint, es ist ein Buch über ein Mädchen namens Alice. Allerdings, so betont er, sei es kein Buch über ihn oder Hüte.

Da hockt also der kleine Mann mit dem Überbiss in seiner Wohnung und denkt über sein Leben nach, während ihn unzählige kleine Zettel davor warnen, bloß keinen Tee zu trinken. Früher sei er ein Neurowissenschaftler gewesen, dann hat er herausgefunden, dass es keinen freien Willen gibt – und das hätte alles geändert.

Tetch ist einsam. Er schwärmt für eine junge Kassiererin, die ihn an seine Alice erinnert. Jeden Tag beobachtet er sie durchs Schaufenster und fragt sich, wie sie heißt. Er hofft, dass sie die Frau sein könnte, die ihn glücklich macht und ihn von Tee und Hüten fernhält. Als er erfährt, dass sie Cathryn heißt, ist er so enttäuscht, dass er rückfällig wird: Er zieht sich sein altes Kostüm an, trinkt den Tee und wird wieder zum Mad Hatter.

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Cathryn ist leider nicht Alice: Mad Hatters Teestunde. (DC Comics)

Er entführt Cathryn, macht sie sich unterwürfig mit seiner Gedankenkontrolltechnik, doch dann ist er so enttäuscht von ihr, dass er sie mit einem Hackbeil umbringen will. In dem Moment schreitet Batman ein. Als der Hatter fliehen will, öffnet er eine Schranktür, aus der einige tote Frauen im Alice-Kostüm herausfallen. Später wird er in einem Krankenwagen fortgebracht und er verspricht, sich zu bessern. Doch dann geht die Erzählung von vorne los …

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Jervis Tetch wird zum Mad Hatter – und der hat Leichen im Keller. (DC Comics)

Diese höchst verstörende Kurzgeschichte, gezeichnet in einem rauen Stil orientiert sich an dem Mad Hatter aus Batman: The Animated Series und überspitzt ihn zu einem Psychogramm des Grauens. Der Tee wird zur Droge, die genauso wie die Hüte eine Transformation ermöglichen. Jervis Tetch und der Mad Hatter sind zwei Persönlichkeiten: Die eine sehnt sich nach Gesellschaft, die andere will die Realität nach der Vorstellung einer Fantasiewelt formen – und geht dabei über Leichen. Es ist eine Geschiche, die zeigt, dass die Suche nach dem Ideal einen nur weiter von ihm wegführen kann, bis hin zum Wahn.

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Mad Hatter und die Glücksdroge

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DC Comics

Titel: The Blank Generation, Part 1-2: Corporate Nightmares/A Favorable Wind (dt. Generation Null)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Mark Buckingham

Erschienen: 1998 (Shadow of the Bat #78-79), erschienen in: Road to No Man’s Land Vol. 1 (2015), dt. Auf dem Weg ins Niemandsland Bd. 1 (2017)


Gotham nach dem Beben: Die Stadt ist verwüstet, viele sind tot, andere obdachlos, arbeitslos, mittellos. In dieser Verzweiflung streift der Schurke Narcosis umher und versetzt Menschen durch ein Gas in Glückszustände. Bald will er ganz Gotham beglücken. Der Mad Hatter hat seine eigene Agenda: Er lässt in dem Chaos von zwei Lakaien seine wertvolle Hutsammlung aus den Trümmern bergen und geht dabei über Leichen. Als Narcosis auftaucht, verbündet er sich mit ihm, um an dessen Kopfbedeckung (ein Tuch) heranzukommen.

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Mad Hatter und Narcosis haben verschiedene Interessen. (DC Comics)

Tetch will die Stadt mit dem berauschenden Gas erpressen, doch Narcosis interessiert sich nicht für Geld, sondern nur für Glück. Da knockt ihn Tetch kurzerhand aus, schnappt sich das Tuch und lässt das Gas los, um Gotham einen Vorgeschmack darauf zu geben. Batman taucht mit einem Bat-Monstertruck auf und zerstört den Schornstein, aus dem das Gas entweicht. Narcosis kommt wieder zu sich, geht auf Batman los und bekommt sein eigenes Gas zu spüren. Dann versucht Tetch, Batman mit einem Hut zu kontrollieren, aber der scheint immun dagegen zu sein. Reine Willensstärke scheint zu reichen.

Am Ende lässt man das Gas in einer großen Explosion verschwinden, die den Himmel in bunte Lichter taucht. Als alles vorbei ist, zieht Batman Tetch seinen Zylinder über die Augen und verpasst ihm einen völlig überflüssigen Haken zur Strafe – wohl als Vorgeschmack auf den Knast, den er ihm verspricht.

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Neu aufgelegt: JLA/Avengers

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DC Comics/Marvel

Die Zeit der DC/Marvel-Crossover ist lange vorbei. Zwar gab es seit den 70ern immer wieder Aufeinandertreffen der Helden aus den beiden Comic-Universen (Superman/Spider-Man, Batman/Hulk), doch das letzte ist bereits fast 20 Jahre her: Der Vierteiler JLA/Avengers bzw. Avengers/JLA erschien 2003 bis 2004. Allerdings sind die Verlage seitdem ziemlich geizig, was Nachdrucke all dieser Geschichten angeht.

Nun hat DC eine Neuauflage von JLA/Avengers für März 2022 angekündigt: 288 Seiten im Softcover für 29,99 US-Dollar – allerdings limitiert auf 7000 Exemplare. Der Erlös soll der Hero Initiative zugute kommen, einer Organisation, die prekär lebenden Comic-Künstlern finanziell hilft, etwa bei der Krankenversicherung. (2020 versteigerte die Hero Initiative bereits von Künstlern bemalte Batman-Ausgaben.)

Der Band soll nur über Comic-Shops vertrieben werden. Bei etwa 2000 Comicläden in den USA macht das etwa Exemplare drei pro Laden. Selbst wenn für der Rest der Welt auch etwas abfallen sollte, dürfte es schwierig werden, eine Ausgabe zu bekommen. Bleibt nur: Fragen, vorbestellen, vor dem Laden des Vertrauens campieren oder am besten gleich dort einziehen. (Aber bitte auch dann vorher fragen, sonst könnte es rechtliche Konsequenzen geben.)

64 Extra-Seiten

JLA/Avengers hat eine lange Geschichte: Ursprünglich sollte das Crossover bereits Anfang der 80er herauskommen. Gerry Conway schrieb den Plot, Roy Thomas das Skript, George Pérez soll 1981 bereits 21 Ausgaben gezeichnet haben, doch dann wurde das ganze Vorhaben wegen Differenzen zwischen den Redakteuren gestoppt. Erst 20 Jahre später wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Diesmal schrieb Kurt Busiek (Marvels) das Skript,  George Pérez fing noch mal von vorn an zu zeichnen. Die Serie erschien in vier Teilen (auch in Deutschland bei Panini als JLA/Die Rächer), bekam einen Sammelband und wurde seit 2008 nicht mehr nachgedruckt.

Die Neuauflage soll 64 Extra-Seiten enthalten, darunter auch die Vorworte von Stan Lee und Julius Schwartz sowie ein neues Nachwort von Kurt Busiek. Und wer weiß, vielleicht könnten sogar die 21 unveröffentlichten Seiten von Pérez dabei sein – wenn man ein wenig träumen darf.

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Neue Comicserie: „Batman: Fortress“

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DC Comics

Ein unbekanntes Alien-Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein und stürzt den Planeten ins Chaos: Stromausfälle, Zusammenbruch der Kommunikation, Unruhen. Wo ist Superman, wenn man ihn braucht? Nicht da. Batman muss zunächst das Verbrechen in Gotham aufhalten, das der Blackout verursacht hat, dann trommelt er die Justice League zusammen.

Batman: Fortress heißt die Geschichte, die uns Gary Whitta (Rogue One: A Star Wars Story) und Darick Robertson (The Boys) erzählen wollen. Die Miniserie soll acht Ausgaben umfassen und am 24. Mai 2022 starten. DC verspricht „a brutal and shocking 8-issue adventure that will challenge everything you think you know about Superman“.

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Mad Hatter in Batman: The Animated Series

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Jervis Tetch als Mad Hatter mit Alice. (Warner Bros.)

Jervis Tetch war ein Räuber, ein Hutsammler, ein Hobby-Neurologe und IT-Techniker, aber eins war er nicht: ein Hutmacher. Vor allem ging schnell der Bezug zum Vorbild aus Alice im Wunderland verloren, der nur beim ersten Auftritt des Mad Hatters 1948 vorhanden war. Das ändert sich in Batman: The Animated Series. Gleichzeitig wird zum ersten Mal ein Charakter aus der bisher eindimensionalen Figur.

Tetch ist hier zunächst ein (britischer) Wissenschaftler, der für Bruce Wayne arbeitet (Episode Mad as a Hatter/Der Verrückte Hutmacher S01E27). Von seiner direkten Vorgesetzten wird er unter Druck gesetzt, Resultate zu liefern. Mittels seiner Geräte bringt er Ratten Manieren bei, dann überträgt er die Gedankenkontrolle auf Menschen.

Auslöser ist die Liebe: Tetch schwärmt für seine Sekretärin, die junge Alice. Doch die ist bereits vergeben und interessiert sich nicht für ihren älteren Chef mit dem Überbiss, sondern hat einen Verehrer in ihrem Alter. Kurz überlegt Tetch, ihre Liebe mit seiner Technik zu erwirken, aber er lässt es, denn er will keine seelenlose Marionette.

Als Alice von ihrem Freund sitzen gelassen wird, wittert Jervis seine Chance und führt sie aus. Um sie zu beeindrucken, zieht er sich an wie der Mad Hatter aus Alice im Wunderland, weil es sein Lieblingsbuch ist und ein Plakat vom Hutmacher in seinem Labor hängt. Eine seltsame Masche, aber er setzt dabei auch seine Karten zur Gedankenkontrolle ein, sodass Jervis und Alice etwa im Restaurant vorzugsweise behandelt werden. Als ihn zwei Räuber angreifen, steckt er ihnen zwei seiner Karten in die Stirnbänder und befiehlt ihnen, von der Brücke zu springen – was Batmans Aufmerksamkeit erregt.

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Batman im Wunderland: Grinsekatze und Kaninchen. (Warner Bros.)

Alle Mühe ist jedoch vergebens, als Alice und ihr Freund wieder zusammenfinden. Dann entführt er Alice und bringt sie in einen Vergnüngspark im Wunderland-Stil. Dabei macht er aus ihr dann doch die Marionette, indem er sie in die Titelrolle zwingt. Batman kämpft gegen lauter willenlosen Menschen in Rollen aus dem Wunderland: Walross, Zimmermann, Kaninchen, Grinsekatze und die Herzkönigin. Durch die Gedankenkontrolle haben sie Superkräfte.

Mit dieser Episode erhält der Mad Hatter erstmals eine Vorgeschichte und Persönlichkeit – wie auch andere bis dato unterbelichtete Batman-Schurken (Two-Face, Clayface und Mister Freeze).

Alternative Traumwelt für Bruce Wayne

In Perchance to Dream erschafft der Mad Hatter eine Traumwelt für Bruce Wayne, in der seine Eltern noch leben und er nicht mehr Batman ist. Was es damit auf sich hat, wird erst am Ende klar, als die Illusion zerbricht und Bruce Wayne gegen Batman kämpft. Der Hatter erscheint, als Bruce Batman die Maske vom Gesicht reißt, und erklärt ihm, er sei auch nur eine Konstruktion. Indirekt zitiert er aus Alice Hinter den Spiegeln, als er die Meta-Frage stellt: „Are you the dreamer, or merely part of somebody else’s dream?“

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Hinter Batmans Maske steckt der Mad Hatter. (Warner Bros.)

Bruce befreit sich aus dem Traum, indem er sich von einem Turm stürzt. Nachdem er erwacht, offenbart ihm der (wahre) Hatter, er habe Batman ein perfektes Leben erschaffen wollen, damit er sich aus seinem heraushält. Eine überraschende Wendung: Statt Rache will der Hatter eine Win-Win-Situation schaffen.

Interessanterweise haben sich die Autoren von der Comicstory  Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991) inspirieren lassen (wo die Auflösung aber eine ganz andere ist), die ist wiederum inspiriert von Alan Moores For the Man Who Has Everything. Hier hat man Mad Hatter also neue Fähigkeiten angedichtet, die in die Richtung von Matrix und Inception vorausweisen (wobei diese vom Roman Simulacron-3 inspiriert sind, der später als Welt am Draht und als The 13th Floor verfilmt wurde).

Hatters Sorgenpüppchen

In The Worry Men (Die Sorgenpüppchen, S01E65) arbeitet der Hatter ebenfalls zunächst hinter den Kulissen: Er verteilt an die High Society Gothams kleine Puppen, die Sorgen vertreiben sollen, wenn man sie sich unters Kopfkissen legt. Tatsächlich aber brachte er die Reichen damit nur dazu, ihm ihr Geld zu geben.

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Mad Hatter verkauft Sorgenpuppen. (Warner Bros.)

Am Ende erklärt Tetch, er habe danach dem Verbrechen abschwören wollen: Er wollte sich eine Insel kaufen, um dort einen Laden für Sonnenhüte aufzumachen: „Aber Inseln, selbst die kleinsten kosten Geld! Sehr viel Geld!“ Und so manipulierte er einen „Eingeborenen“, der die kleinen Figürchen herstellte, um sie mit seinen Mikrochips auszustatten. Dieser treibt dann in einem „Eingeborenen“-Kostüm mit Lendenschurz etc. das Geld ein und kämpft mit Batman.

Im Finale schickt der Hatter noch eine Reihe Roboter auf Batman los, die wie seine klassischen Gegner aussehen: Riddler, Pinguin, Harley Quinn und Joker.

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Albtraum für Schurken: Batman als Sorgenpuppe. (Warner Bros.)

Als Tetch wieder in Arkham ist, liegt ein Batman-Püppchen unter seinem Kopfkissen, das ihn von einem ehrlichen Lebenswandel träumen lässt – es scheinen sehr unruhige Träume zu sein.

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Bruce Waynes mörderische Nachbarn

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DC Comics

Titel: The Neighborhood (Detective Comics Vol. 1)

Autorin/Zeichner: Mariko Tamaki/Dan Mora, Viktor Bogdanovic u.a.

Erschienen: 2021 (Detective Comics #1034-1039), Hardcover 2022


Zwischen Joker War und Future State versucht Bruce Wayne sich als Mittelloser durchzuschlagen. Statt Wayne Manor muss der verarmte Milliardär nun in ein Reihenhaus in der Stadt ziehen, allerdings ein sehr schönes Reihenhaus, ein Altbau, mitten in einer gutsituierten Nachbarschaft. Doch kaum hat er seine Nachbarn kennenlernt, wird eine von ihnen –  Sarah Worth – entführt und ermordet. Bruce gerät unter Verdacht. Und ihr Vater, Roland Worth, ein Schwergewicht, dem halb Gotham gehört, sinnt auf brutale Rache …

Während Batman, Huntress und Oracle den wahren Mörder jagen und dabei auf Lady Clayface treffen, wird Bruce Wayne zwischenzeitlich festgenommen und Mr. Worth jagt die Polizeiwache in die Luft. Spätestens hier ist jegliches Verständnis für den trauernden Vater ebenfalls vernichtet. Erst recht verblüfft es, als er nach seiner Festnahme wieder freigelassen wird. Aber wir wissen ja: Geld gewinnt immer – wenn es auch verrückt macht. Intelligenter wird die Story dadurch aber nicht.

ACHTUNG SPOILER!

Und leider bringt Worths fanatischer Kampf gegen Batman weder Mehrwert noch Erkenntnis. Der Mörder ist ein bloß ein x-beliebiges Monster, das von Menschen Besitz ergreift und aus reiner Bosheit tötet. Wie öde. Aus der potenziellen Gesellschaftskritik an der High Society wird eine banale Horrorstory.

Autorin Mariko Tamaki (die erste Frau seit Devin Grayson, die über längere Zeit an einer Batman-Serie schreiben darf und die erste für Detective Comics) legt eine sympathisch erzählte Geschichte vor, die zwar Detective Comics ihrem Namen wieder gerecht werden lässt, aber leider hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Verdächtig ist es immer, wenn so verschwenderisch mit Platz umgegangen wird wie hier. Zwar freut es das Auge, wenn die Zeichner Dan Mora und Victor Bogdanovic (dessen Stil sehr an Greg Capullo erinnert) sich mit prächtigen Splash Pages austoben dürfen, aber es bestätigt auch den Eindruck, dass hier nicht viel zu erzählen ist.

Etwas mehr Tiefe gewinnt das Ganze durch die Backup-Storys, mit denen wieder an die alte Anthologie-Tradition von Detective Comics angeknüpft wird. Hier bekommen Nebenfiguren wie Huntress, Pinguin aber auch Lucius Fox ihre kleine Bühne, am Ende wird dann die Vorgeschichte des Monsters nachgereicht, was niemand braucht.

Doch auch das rechtfertigt keinen Preis von 30 Euro. Nicht mal 20. Und schon gar nicht zwei kostbare Stunden Lebenszeit.

>> Batman 2020-2029


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Vier Todesfälle und zwei Hochzeiten

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DC Comics

Titel: Double Jeopardy/Twice Dies the Batman

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Irv Novick

Erschienen: 1980 (Batman #328-329), erschienen in Tales of the Batman: Marv Wolfman Vol. 1 (2020)


Ein Mann namens Carl Ternion schickt Batman einen Film, indem er seinen Prozess nachstellt, in dem er vom Mord an einem gewissen Anton Karoselle freigesprochen wird. Dann behauptet Ternion, er sei aber schuldig – er habe Karoselle sogar zweimal ermordet. Batman könne nichts dagegen tun. („Ha! Ha! Ha!“)

Batman ist genauso irritiert wie wir es sind. Es stellen sich die üblichen Fragen: Wer ist das? Was soll das? Und was wäre Batman ohne prahlerische Schurken, die ihm alles unter die Nase reiben?

Wer immer noch keinen Plan hat, wohin die Reise geht, dem sei gesagt, dass Ternion mit Gilda Dent anbandelt, der ehemaligen Frau von Harvey Dent alias Two-Face. Sie hat in der Zwischenzeit noch einmal geheiratet, einen gewissen David, Harveys ehemaligen Assistenten, der aber ermordert wurde. Ternion hat beide gekannt, hat sogar Davids Mörder aufgespürt (Karoselle) und ihn angeblich versehentlich getötet. Gilda heißt das zwar nicht gut, aber es war ja keine Absicht – und sie ist nicht gern allein.

Ternion hat es aber auch auf Batman abgesehen. Zwischendurch tötet er noch einen Handlanger, der eine Frau ins Krankenhaus gebracht hat, weil sie Informantin für Batman gespielt hat. Dann tötet er den plastischen Chirurgen Ekhart, der Ternion das Gesicht operiert hat, aber ihm nur temporär helfen konnte, weil nun die Fassade zerfällt.

Der ewige Münzwurf

Ich spare mir hier die übliche SPOILER-Warnung, denn mittlerweile dürfte jeder kapiert haben, wer hinter Ternion steckt. Die Geschichte hält damit aber sehr lange, länger als nötig, hinterm Berg, selbst als das zweite Kapitel schon den Schurken auf dem Cover hat: Two-Face!

Harvey Dent will also seine Gilda zum zweiten Mal heiraten, wenn auch unter falscher Identität. Aber vorher muss noch Batman dran glauben, denn der kommt ihm immer wieder in die Quere. Doch Batman hat auch die lästige Angewohnheit, Mordanschläge zu überleben, hier etwa Wasserfluten, eine fliegende Granate und ein Feuer. Selbst als Two-Face Batman im Visier eines Gewehres hat, kann er nicht abdrücken, weil er vorher eine Münze werfen muss und das Glück auf Batmans Seite ist. Dann ist da noch das Problem mit dem entstellten Gesicht. Und als könnte es nicht schlimmer kommen, sieht er noch zu, wie Gilda von „Boss“ Maroni entführt wird – dem Mann, der ihn einst entstellt hat und den er zweimal getötet hat.

Zweimal? Ja, denn den ersten Mordversuch hat Maroni überlebt, musste danach aber im Rollstuhl sitzen, dann wurde er zu Anton Karoselle und Two-Face ging durch all die Mühen eines überkomplizierten Plans, um ihn endgültig zu erledigen. Der jetzige Moroni ist natürlich Batman in Gummimaske. Beim Showdown in einem Gerichtsgebäude zeigt ihm Batman einen Film, der ihm die traumatischen Szenen seines Lebens wieder durchleben lässt. Verständlicherweise wird es Gezeichneten zu viel und er will seinen Feind dafür endlich töten. Doch dann sagt Batman tatsächlich schon wieder: Lass die Münze entscheiden! Und Two-Face will es tatsächlich wieder tun! – Wie unzählige Male davor, obwohl er längst eingesehen hat, wie dumm das ist.

Das Klischee wird nur dadurch gebrochen, dass Gilda auftaucht und Harvey ins Gewissen redet. Er solle selbst entscheiden. Schließlich lässt er die Waffe fallen und wird nach Arkham gebracht. Küsschen für Batman, trotz seiner höchst zweifelhaften Methoden.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Zuletzt ist Two-Face in den sicheren Tod gesprungen (Batman #314, 1979). Wie hat er das überlebt? Doch darüber fällt kein Wort mehr, als wär’s nie passiert.

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DCs nächste Krise: „Dark Crisis“

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Cover zu Dark Crisis #1 (DC Comics)

Jedes Jahr verbünden sich alle Superhelden des DC-Universums, um eine ultimative Gefahr abzuwenden,  und alle paar Jahre kommt es zu einer „Crisis“, die das ganze Universum auf den Kopf stellt, Helden oder Schurken sterben lässt, was aber meistens nur zu kleinen Änderungen in der Continuity führt. Nach Crisis on Infinite EarthsIdentity CrisisInfinite Crisis, Final Crisis, Heroes in Crisis kommt in diesem Jahr Dark Crisis.

Der Siebenteiler beginnt nach Death of the Justice League (in Justice League #75 im April) und knüpft an an die erste Crisis, indem sie Pariah zurückholt. Diese Figur (Kell Mossa) ist ein Wissenschaftler, der dazu verdammt war, die Zerstörung der Welten durch den Anti-Monitor mitanzusehen, darunter auch seine eigene. Nun will mit der Great Darkness (einer Macht, die Alan Moore in Swamp Thing eingeführt hat) Earth-0 vernichten.

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Cover zu Dark Crisis #0 und Justice League Road to Dark Crisis #1 (DC Comics)

Autor des Events ist Joshua Williamson, der auch schon das Event Infinite Frontier schrieb und derzeit die Batman-Serie verantwortet, Zeichner ist Daniel Sampere. Williamson versichert, dass es in Dark Crisis nicht darum geht, das DC-Universum zu rebooten oder die Geschichte wieder umzuschreiben. Vielmehr sollen die Charaktere und ihre Beziehungen im Vordergrund stehen. Was aber nicht heißt, dass es keine gigantischen Schlachten geben wird, denn das dürfte der Hauptgrund sein, Events zu lesen: viel Superhelden-Action fürs Geld.

Los geht es am Free Comic Book Day (am 7. Mai) mit Dark Crisis #0 FCBD Special Edition, gefolgt vom One-shot, Justice League: Road to Dark Crisis #1 am 31. Mai (48 Seiten, 5,99 US-Dollar). Im Juni 2022 soll dann Dark Crisis #1 erscheinen.

>> Mehr Infos bei DC

Mad Hatters tödliche Hüte

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DC Comics

Titel: The Mad Hatter Flips His Lids

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis

Erschienen: 1987 (Detective Comics #573), enthalten in: Batman: The Dark Knight Detective Vol. 1 (2018)


Der Mad Hatter ist wieder da – doch was ist das? Da ist ja wieder dieser Rothaarige mit dem Schnauzbart. Eigentlich ist dieser vom Original ersetzt und zum Hochstapler erklärt worden (Detective Comics #510), doch nun tut man so, als wäre das nie passiert. Zurück in den 50ern?

Dazu muss man wissen: Obwohl diese Geschichte offiziell nach der Crisis spielt und zeitgleich mit Frank Millers Year One Batman neu erfunden wird, funktioniert sie nach eigenen Regeln. Wie auch schon Catch as Catscan/The Last Laugh (Detective Comics #569/570) und Fear For Sale (Detective Comics #571) sind die Storys von Mike W. Barr und Alan Davis in einem Retro-Stil konzipiert, der sich als Hommage ans Golden Age versteht.

Wir sehen riesige Requisiten, eine Schnitzeljagd mit extrem weit hergeholten Lösungen und auch wenn Jason Todd hier Robin ist, haut er nach alter Dick-Grayson-Manier einen Hut-Kalauer nach dem anderen heraus. Im Grunde ist die gesamte Geschichte mit dem Wörterbuch geschrieben worden: Hier steckt so ziemlich jede Redewendung drin, die mit Hüten zu tun hat.

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Tip to the hat: Batman und Robin empfangen den Hatter – und klauen ein Auto. (DC Comics)

Anfangs wird Jervis Tetch aus dem Knast entlassen, ein Fahrer aus der Strafanstalt soll ihn zu einer Wunschadresse bringen (gibt es so einen Service wirklich?), doch im Auto sitzen Batman und Robin, die ihm einschärfen, er solle seine zweite Chance nutzen. Kaum setzen sie ihn irgendwo ab, kauft Tetch eine Zeitung und bastelt sich einen neuen Hut (allerdings nur ein Provisorium, um den ersten Hut-Jieper zu stillen). Kurz darauf trifft eine Hutschachtel bei Gordon ein und es beginnt ein neuer Beutezug.

Interessanterweise trägt der Hatter dann erstmals den 10/6-Hut des Hutmachers aus Alice im Wunderland, den bereits sein Vorgänger getragen hat. Dabei hatte Tetch sich vorher nie auf das Vorbild bezogen, nur der Name war gleich. Dann wechselt er die Kopfbedeckung gegen einen Feuerwehrhelm aus, der Feuer schießt. Dieser Hatter macht keine Gefangenen.

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Neuer Hut steht ihm gut: Mad Hatter. (DC Comics)

Beim zweiten Mal gibt es ein Gefecht in der „Hall of Sports“ mit riesigen Billard-Kugeln. Im Finale kandidiert Bruce Wayne scheinbar als Stadtverordneter, um Tetch anzulocken. Wie das? Damit die Schlagzeile aus der Floskelwolke lauten kann: „Wayne throws hat in political ring“ – da wird der Hatter nicht widerstehen können, beim Kampagnenauftakt aufzukreuzen.

Bei der Party werden Strohhüte verteilt, die Bruce nicht bestellt hat. Kurz darauf machen die Hüte sich selbständig, indem sie als Kreissägen durch die Luft fliegen, gesteuert vom Mad Hatter. Wie durch ein Wunder kommt dabei niemand zu Schaden, bis auf einen Polizisten, der am Arm verletzt wird. Was die Aktion soll, bleibt ohnehin schleierhaft, denn der Hatter will niemanden umbringen, sondern hat es nur auf Wertgegenstände abgesehen. Der Gesellschaft nur zu drohen wäre effektiver, als sie in Panik vor Killerhüten fliehen zu lassen.

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Hut ab vor dieser Hutabwehr: Batman mit Schrotflinte. (DC Comics)

Sei’s drum. Batman kann die Hüte mit einer Schrotflinte abwehren (ohne feuern zu müssen), der Hatter haut ab mit einem fliegenden Raketenzylinder, doch dann steuert Batman die Kreissägenhüte so, dass sie den Schurken zu Fall bringen. Als sich der Hatter am Ende mit einer Pistole wehren will, trifft der Schuss zufällig Robin.

Keine Sorge: Jason geht es bald wieder besser. In der nächsten Ausgabe bringt Batman ihn zu Leslie Thompkins und gibt sich die Schuld. Ein Grund für eine kleine Retrospektive. Hier wird dann Batmans Origin noch einmal in Kurzfassung nacherzählt – ergänzend zum Year One.

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