Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Auf der Couch von Doktor Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: Cycle of Violence (Batman: The Dark Knight Vol. 2) (dt. Angst über Gotham)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/David Finch u.a.

Erschienen: 2012 (Batman: The Dark Knight #10-15)


„Gott, diese Stadt — sie hält einem ständig den Zerrspiegel vor und zeigt uns unsere schlimmsten Ängste.“ (Gordon)

„Das ist Vigilanten-Kriminalität. Wenn du mich verklagen willst … lass mich vorladen.“ (Batman)

„Was wenn ich gar kein Mensch sein will?“ (Bruce Wayne)

Hat einer der Leser den britischen Film Peeping Tom (dt. Augen der Angst, 1960) gesehen? Da spielt Karlheinz Böhm (alias Carl Boehm) einen psychopatischen Voyeur und Frauenmörder, der seine Geisteskrankheit seinem Vater verdankt. Dieser hat seinen Sohn als Versuchskaninchen für Angstexperimente missbraucht. Der Film war damals etwa so provokant wie Hitchcocks Psycho (ebenfalls 1960), fiel bei der Kritik aber wegen seiner Drastik durch und brachte Böhm einen Karriereknick ein.

Wie dem auch sei: Die gleiche Idee hat Gregg Hurwitz für seine erste Dark Knight-Story verwendet. Dort entführt Scarecrow Mädchen, um ihnen die Angst mit Angst auszutreiben – und wiederholt damit Experimente, derer sein Vater ihn einst aussetzte. Wir lernen dabei aber nicht nur Cranes mitleiderregende Vorgeschichte kennen (und was wären Comichelden ohne?), sondern Hurwitz lässt Crane auch in Batmans psychische Abgründe absteigen. So wird der Irre zu Batmans Psychiater.

Durch seine Ermittlungen bei den Kindesentführungen kommt erst Gordon, dann Batman in Scarecrows Gefangenschaft. Batman wird gefesselt, dem Angstgas ausgesetzt (die Maske kriegt der Schurke natürlich nicht ab) und mit unangenehmen Fragen konfrontiert. War seine Entscheidung für die Dunkelheit wirklich unausweichlich? Oder war sie einfach nur der Angst geschuldet? „Was du wirklich fürchtest, ist das Licht“, sagt Scarecrow. Batman oder vielmehr Bruce Wayne wird als ein Mann dargestellt, der Angst vor Nähe und Bindungen hat, weil er fürchtet, erneut jemanden zu verlieren – wie einst seine Eltern. „Batman zu sein ist nicht heldenhaft, es ist eine Krücke“, sagt Scarecrow. „Die Rüstung schützt deine dünne Haut, dein zartes Gemüt.“

Das Niveau steigt

Diese Szenen, eingefangen in albtraumhafte Bilder von David Finch, gehören zu den stärksten dieser Geschichte. Hurwitz lässt sich Zeit, die Charaktere der Figuren auszubauen. Bruce Wayne bekommt mal wieder ein Privatleben, in dem auch eine Frau eine Rolle spielen darf (das war seit dem Reboot von Detective Comics nicht mehr der Fall) und er darf mal wieder als Kind in den Abgrund der Angst stürzen. Dafür schwächelt die Geschichte an anderen Stellen: Dass ein Satz wie „aktiviere Handgelenk-Laser“ ausreicht, um einen entkleideten Batman von Stahlketten zu befreien, nur weil seine Rüstung im gleichen Raum liegt – da hinkt die Glaubwürdigkeit gewaltig. Und dass am Ende Batman die Stadt vor dem Angstgas rettet, indem er sein eigenes Blut (wegen der Antikörper) über den Vergifteten versprüht – auch das ist weit hergeholt.

Dennoch geht mit dem Autorenwechsel auch eine Qualitätssteigerung einher. Nachdem dem Autor/Zeichner David Finch zunächst ein Co-Autor zur Seite gestellt wurde, darf er nur noch zeichnen. Dadurch, dass er auch noch die Tusche selbst erledigen muss, wirken die Zeichnungen wilder als bisher – was die Scarecrows Schrecken gerecht wird. Cycle of Violence ist eine klassische Batman-Story ohne unnötigen Figuren-Ballast mit außerordentlich viel Tiefe. Bisher die beste Leistung in der jungen Serie.

Mehr zum Thema:

Elseworlds: Batman – Holy Terror

DC Comics

DC Comics

Titel: Holy Terror

Autor/Zeichner: Alan Brennert/Norm Breyfogle

Erschienen: 1991 (One-shot)


„Now I find out that the God I’ve thought I loved is responsible for my parents‘ deaths!“ (Bruce Wayne)

Was wäre wenn … die USA ein Commonwealth-Staat unter der britischen Krone geworden wären? Dann gäbe es dort ein theokratisches Regime, in dem unliebsame Minderheiten im Namen Gottes unterdrückt werden. Doch eine Sache bliebe gleich: Die Waynes würden ermordet werden und Bruce würde zu Batman werden, um sie zu rächen.

Das ist die Prämisse von Holy Terror, dem zweiten Elseworlds-Abenteuer, aber dem ersten, das das Logo trägt. Es ist nicht irgendeine Geschichte. Für ein Superhelden-Comic geht es darin sehr politisch und kirchenkritisch zu. Waynes Eltern sind nicht zufällig gestorben, sondern wurden von einem geheimen Gericht verurteilt, weil sie Menschen medizinisch geholfen haben, die von der Kirchen diskriminiert und verfolgt werden: Homosexuelle, die man misshandelte, um sie umzupolen, verzweifelt Frauen, die sich bei Selbstabtreibungsversuchen umbringen, Prostituierte.

Was Bruce Wayne später entdeckt, ist ebenso schauderthaft: Die Kirche macht Menschenversuche, um eine Superarmee zu generieren, mit der sie den Rest der Welt unterjochen will. Doch die Opfer gehen dabei drauf oder nehmen anderweitig Schaden. Wir sehen gebrochene Versionen von Flash und Aquaman, am Ende muss ein kryptonitverseuchter Superman als gekreuzigter Märtyter herhalten. Und der Schurke, der die Versuche aus Spaß an der Freude durchführt, ist auch noch ein konvertierter Jude – holy shit!

Da verzeiht man es dem Autor, dass er sich nicht um eine plausible Erklärung kümmert, warum Bruce Wayne ausgerechnet ein Fledermauskostüm anzieht, und auch das überraschend versöhnliche Ende, das eine Mission als Kompromiss zwischen Friedenspredigt und Jihad (so wörtlich!) vorschlägt. Holy Terror ist gewagt. Es hat eine klare Botschaft: die Trennung zwischen Gott und Religion, zwischen Staat und Kirche. Und allein deshalb ist es bemerkenswert.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Spendenaufruf für Batman-Zeichner Norm Breyfogle

Sechs Jahre lang, von 1987 bis 1993, hat Norm Breyfogle Batman gezeichet. Neben den Hauptserien Batman und Detective Comics auch die 1992 gestartete Serie Shadow of the Bat. Mit dem Autor Alan Grant schuf er Charaktere wie den Bauchredner (Ventriloquist), Szasz und Anarky. Im Dezember 2014 jedoch erlitt der 54-jährige Künstler einen Schlaganfall, ist seitdem linksseitig gelähmt (er ist übrigens Linkshänder) und dazu noch pleite, weil er seine Ersparnisse für die Behandlung aufgebraucht hat (er hat nämlich keine Krankenversicherung).

Deswegen jetzt die Fans aufgerufen, Breyfogle finanziell zu unterstützen. 200.000 Dollar müssen zusammenkommen, damit der Zeichner buchstäblich wieder auf die Beine kommen kann. Rund 85.000 Dollar hat die Familie schon beisammen. Hier geht’s zur Crowdfunding-Seite. Außerdem wird bis Freitag bei Ebay ein Cover zugunsten des Künstlers versteigert.

Aus diesem Anlass will das BATMAN-PROJEKT das Werk des Zeichners würdigen. Seine Batman-Story The Last Arkham habe ich hier schon besprochen, nun werde ich mir in den nächsten Tagen auch Anarky und das Elseworlds-Szenario Holy Terror (übrigens das erste unter diesem Logo) vornehmen.

 

Wiedersehen mit Joe Chill

Batman: The Dark Knight #0

Titel: Chill in the Air (dt. Schuld in der Luft)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Tom DeFalco

Erschienen: 2012 (Batman: The Dark Knight #0), Paperback 2013 (Batman: The Dark Knight Vol. 2)


„Wir wissen, wo es anfängt … aber wissen wir, wo es endet?“

Bruce Wayne sucht den Mörder seiner Eltern. Er glaubt an einen geheimen Sinn dahinter, eine Verschwörung von Feinden der Familie Wayne, an den Rat der Eulen – doch am Ende ist es nur ein armer Säufer, Joe Chill, der nur die Perlenkette von Martha Wayne haben wollte, um sich eine Flasche Schnaps zu kaufen.

Wir sehen den jungen Bruce zornig, besessen auf ein Ziel hin arbeitend, seine ganze Ausbildung durchläuft er, um sich am Mörder seiner Eltern zu rächen, er ist zum Mord bereit. Schließlich aber hat er Mitleid und zieht Erbarmen aus dem Anblick der Erbärmlichkeit.

Die Kurzgeschichte ist eine solide Ergänzung zum Batman-Origin und Bindeglied zwischen Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie dem Jahr Null. Besonders gelungen sind die ersten Seiten, auf denen die herabfallenden Perlen zu Regentropfen werden und der junge Bruce vor den leeren Kleidern seiner Eltern auf dem Boden kniet. Man hat die Szene ähnlich schon (zu) oft gesehen, so eindrücklich aber selten.

>> Batman 2011-2019

Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019

Die Geburt der Fledermaus aus dem Geist toter Eltern

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Titel: Batman: Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom)

Regie/Drehbuch: Eric Radomski, Bruce Timm/Alan Burnett, Paul Dini, Martin Pasko, Michael Reaves

Erschienen: 1993


„I didn’t count on being happy.“ (Bruce Wayne)

Bevor man mit The Animated Series beginnt, sollte man sich den Kinofilm Mask of the Phantasm schauen. Hier wird die Entstehung von Batman nachgetragen, eine Art Year One des Animated Universe. In Rückblenden sehen wir Bruce Wayne beim Training und als maskierter Vigilant gegen Verbrecher antreten – allerdings noch ohne richtiges Kostüm. Die Eingebung dazu kommt ihm nicht durch die Fledermaus, die durch sein Fenster bricht, sondern durch einen Fledermausschwarm, der aus einer Höhle geflogen kommt, als Bruce gerade mit seiner Freundin kuschelt. Womit wir schon bei der Rahmenhandlung wären.

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Jugendliebe, Höllenärger

DC Comics

DC Comics

Titel: The Dark Knight: Golden Dawn (dt. Dunkle Dämmerung)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Jason Fabok

Erschienen: 2011 (Batman: The Dark Knight #1-5, Vol. 1; Paperback 2012)


 „Da wo ich herkomme, Lady — kommt Macht aus einem selbst!“ (Batman)

Kurz vor dem DC-Reboot „The New 52“ wurde die Serie The Dark Knight gestartet. In den ersten fünf Ausgaben muss Batman einen Fall lösen, der ihn mal wieder mit der Hölle selbst konfrontiert. Batman sucht nach seiner verschwundenen Jugendfreundin Dawn Golden. Dabei bekommt er Ärger mit Killer Croc, der auf Entzug von einem Venom-Verschnitt ist, sowie dem Pinguin. Richtig brenzlig wird es allerdings, als noch der Dämon Etrigan, Ragman und die Höllenfürstin Blaze dazu kommen. Denn Dawns Vater hat, wie sich herausstellt, mit der Hölle zu tun gehabt …

Öh … war noch was? Ach ja, Gordon muss sich mit einem internen Ermittler herumschlagen, der es – warum auch immer – auf den Comissioner abgesehen hat. Sonst war’s das aber. In Golden Dawn tummeln sich zu viele Figuren, sodass keine zu ihrem Recht kommt. Die Beziehung zwischen Bruce und Dawn wirkt erzwungen, aber kommt ohne Tiefe aus, sodass einem das Schicksal der Frau nicht unbedingt nahe geht. Und letztlich sind Dämonen eindeutig nicht Batmans Fachbereich – deshalb gehören Stories über Höllentypen meistens zu den schwächeren … So reiht sich auch der Auftakt von The Dark Knight in die Tradition der Entbehrlichen ein.

>> Batman 2000-2011

Der Mythos ist Teil des Konzepts

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Titel: Legends of the Dark Knight (dt. Die Legende lebt)

Regie/Drehbuch: Dan Riba/Robert Goodman, Bruce Timm

Erschienen: 1998 (The New Batman Adventures S01E19)


„Die Geschichte ist doch faul.“

Wer oder was ist Batman? Ein Mensch oder ein Flugsaurier? Ist er etwa schon alt und ist Robin ein Mädchen? Mit diesen Fragen setzt sich Legends of the Dark Knight auseinander. In dieser Episode der New Batman Adventures diskutieren drei Kinder über Batman. Zwei von ihnen erzählen eine Geschichte, die sie über Batman gehört haben: Eine entspricht im Stil dem farbenfrohen Golden Age, in dem Batman und Robin noch lächelnd eine Spaßmacher-Version des Jokers mit spielerischer Leichtigkeit in einem Setting von überdimensionalen Musikinstrumenten bekämpfen. Die andere ist eine Dystopie, in der Batman mit einem Panzer gegen die Mutantenbande vorgeht und sich dann in einem Schlammloch mit ihrem Anführer prügelt. Diese Szene stammt aus Frank Millers The Dark Knight Returns – sogar die Sprüche sind aus dem Comic übernommen. Am Ende werden die Kinder mit dem Batman ihrer Gegenwart konfrontiert, der Firefly zur Strecke bringt.

Diese Hommage an die vielen Batman-Inkarnationen zeigt nicht nur, dass jeder eine andere Vorstellung von diesem Helden hat und sich seine Lieblingsversion aus einer langen Tradition aussuchen kann, sondern auch, dass zum Konzept des Dunklen Ritters auch die Mythenbildung gehört. Batman ist ein Mysterium – und als solches profitiert er auch davon, dass die Leute ihn nicht kennen, sodass sie ihn entweder bewundern oder fürchten. Geschichten verselbständigen sich zu Legenden, das Konzept Batman wächst über Maske, Kostüm und Logo hinaus. Auch als Pop-Ikone ist Batman keine feste Größe, sondern der Mode (und auch dem Markt) unterworfen, er macht viele Veränderungen durch, wird immer wieder neu erfunden und der Zeit angepasst. Diese bescheidene Serien-Episode macht das deutlicher als alle bisherigen. Man muss den Machern der Serie hoch anrechnen, dass sie sich auch immer wieder selbstreflexiv mit ihrem Helden auseinandergesetzt haben.

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>> Liste der Batman: The Animated Series-Episoden

Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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Angriff der Langeweile

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Batman: Assault on Arkham

Regie/Drehbuch: Jay Oliva, Alan Spaulding/Heath Corson

Erschienen: 2014


Bei dem Erfolg der Arkham-Games lag es nahe, einen darauf basierenden Film zu machen. Anders ist nicht zu erklären, warum es Assault on Arkham gibt. Denn eine leitende Idee hat der Animationsfilm nicht. Die Story ist simpel: Sechs Superschurken (darunter Harley Quinn und Deadshot) werden dazu verdonnert, in Arkham einzubrechen, um den Stab des Riddlers zu klauen. Darin soll sich irgendein geheimes Dokument befinden. Also zieht die Gruppe, die sich im Original Suicide Squad nennt (und im Deutschen „Himmelfahrtskommando“), los und tut wie geheißen. Natürlich läuft dabei einiges schief …

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