Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Es geht auch ohne Superman

Justice League: Another Nail

Titel: Justice League: Another Nail (dt. Noch ein Nagel)

Autor/Zeichner: Alan Davis

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-3, dt. Panini 2004, DC Premium 34)


„I know that’s what you want … to die! To stop the pain.“ (Joker zu Batman)

Was wäre wenn … Superman bei Amish aufgewachsen wäre? Dann wäre er ein noch größerer Langweiler geworden: Introvertiert, wortkarg, wehmütig. Wie gut, dass es da noch den Rest der Justice League gibt. Und noch gefühlte 1000 weitere Superhelden, Superschurken, New Gods und Green Lanterns gibt. Die Fortsetzung von The Nail wird zwar dafür genutzt, einige offene Fragen des ersten Teils zu beantworten und Episoden wie den Krieg zwischen Apokolips New Genesis sowie die Beteiligung des Green Lantern Corps nachzutragen, dafür erstickt die eigentliche Story in einer Fülle von Figuren, Schauplätzen, Irrungen und Wirrungen. Kurzum: Das übliche Gewusel eines Mega-Crossovers.

Ein Jahr nach den Ereignissen von The Nail passieren wieder seltsame Dinge: Eine unbekannte Kraft saugt Energie von der Erde. Green Lantern ist betroffen, auch Superman. Die meiste Zeit sieht man die JLA wieder mal im Dunkeln tappen und irgendwelchen Energiesignaturen folgen. Das ist langweilig. Und dann sind da noch die vielen Szenenwechsel und Nebenhandlungen, die alles nur unnötig in die Länge ziehen. Wen interessieren zweit- bis drittklassige Helden wie die Doom Patrol, die Outsiders oder die Metal Men? Und dann sind da noch andere Expendables mit blöden Namen, bescheuerten Kostümen und handlungsbremsenden Funktionen, New Gods, Gestalten aus dem Multiversum, die üblichen Verdächtigen der Transzendenz wie Phanton Stranger, Spectre, Etrigan und Deadman, ja sogar der Joker kehrt als Höllendämon wieder. Der Oberschurke ist nichts als eine öde Riesenamöbe, die sinnlos durchs Weltall treibt und nur frisst, was ihr unterkommt. Fader geht’s nicht. Und am Ende ist es nicht Superman, der das Multiversum rettet, sondern ein plötzlich geläuterter Oliver Queen.

Hätte es dafür diese zähe Fortsetzung gebraucht? Nein. Für diese Story wäre weder ein Elseworlds-Label nötig gewesen noch die Anwesenheit von Superman. Das ist das Hauptproblem der Geschichte: Sie verliert ihren roten Faden. Wenn man zuerst ein Riesentheater um eine Welt ohne Superman veranstaltet und dann diese Welt bzw. Story auch ganz gut ohne auskommt, kann man das nur inkosequent nennen.

Mehr zum Thema:

Fast eine Welt ohne Superman

JLA: The Nail

Titel: JLA: The Nail (dt. Der Nagel)

Autor/Zeichner: Alan Davis

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-3, Paperback 1999), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband)


„So it was a kingdom was lost – – all for the want of a nail.“

Was wäre wenn … ein einziger Nagel verhindert hätte, dass Kal-El von den Kents gefunden wird?

Dann gäbe es eine Welt ohne Superman. Das wäre an sich noch kein Verlust, weil alle anderen Superhelden trotzdem entstanden wären. Aber sie hätten keine Galionsfigur, keinen Botschafter für ihre Sache, keinen Vermittler zwischen Metawesen und Menschen. Und so ist die Elseworld von The Nail eine fremdenfeindliche: Lex Luthor ist nicht nur Bürgermeister von Metropolis, er ist auch Anführer einer Hexenjagd gegen Superhelden, Aliens und andere Metawesen. Nach und nach werden sie gefangen genommen oder anderweitig ausgeschaltet. Die Justice League sieht dem Treiben ziemlich machtlos zu bis sie den Urheber des Komplotts entdecken …

Natürlich wäre die Story nichts ohne bekannte Gesichter der Superman-Familie: Lois Lane, Lana Lang, die Kents und vor allem Jimmy Olsen kommen wichtige Rollen zu. Und natürlich bedeutet dieses Szenario nicht, dass es keinen Kal-El und keine Rakete von Krypton gibt. So ist The Nail nur zunächst eine Welt ohne Superman. Im Grunde sehen wir seiner Entstehung mit einem großen Umweg über viele Katastrophen zu. Wir sehen auch eine der grausamsten Szenen, die Batman widerfährt: Der Joker ermordet brutal Robin und Batgirl und zwingt Batman zuzusehen, daraufhin wird der Dunkle Ritter zum Mörder und infolgedessen zu einem gebrochenen Mann.

Trotz des durchgängig ernsten Tones, der Armut an Humor und des schnellen Erzähltempos ist Alan Davis (Batman: Year Two, Full Circle) eine der besten Elseworlds-Stories gelungen. The Nail ist actionreich ohne zu unterfordern oder gar anzustrengen, die Grundidee ist gut durchdacht und bis zur letzten, noch so schlimmen Konsequenz ausgeführt, weil sie die Bedeutung Supermans für das DC Universum hervorhebt und vor nichts zurückschrecht – außer natürlich, den Lesern Superman ganz vorzuenthalten. Schließlich ist die Story auch für einige überraschende Wendung gut. Der Schurke ist der, von dem man es am wenigsten erwartet. Vor allem aber erweist sich Davis mit seinem dynamischen, geschmeidigen und klaren Zeichenstil als einer der talentiertesten Künstler. Er zeichnet Bilder, die sich einprägen – ebenso wie die Geschichte, die sie erzählen.

Mehr zum Thema:

Der unbesiegbare Gegner

batman beyond joker

Humor ist ein ernstes Geschäft.

Titel: Batman Beyond – Return of the Joker (dt. Batman of the Future – Der Joker kommt zurück)

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Paul Dini

Erschienen: 2000 (Direct-to-Video)


„It’s funny. I know about all your other major enemies, but you never mentioned him.“ (Terry McGinnis)

„I thought the Joker always wanted to make Batman laugh!“ (Terry McGinnis)

Batman ohne Joker? Das geht gar nicht. Auch wenn die Geschichten von Batman Beyond in ferner Zukunft spielen, auch wenn Bruce Wayne nur noch die graue Eminenz ist, auch wenn ein Jungspund im Kostüm steckt. In der Serie hat es bisher nur die Jokers, eine nichtsnutzige Bande von Chaoten gegeben. Im Batman Beyond-Spielfilm machen Paul Dini und Co. endlich wahr, was niemand für wahrscheinlich gehalten hat: sie bringen den Joker zurück. Während für Fans ein Traum wahr wird, macht die Batman-Familie einen Albtraum durch.

[ACHTUNG SPOILER!]

Denn die Macher fahren für einen angeblichen Kinderfilm schwere Geschütze auf. Der Joker wurde animiert noch nie so skrupellos und gruselig inszeniert, es fließt Blut, es sterben Menschen. Gleich zu Beginn knallt der Joker einen seiner Schergen ab, in einer Rückblende muss er selbst dran glauben. Weil die Szenen für das junge Publikum zu krass waren, wurden sie zunächst zensiert und durch eine mildere Version ersetzt. Die Urfassung findet sich auf der Blu-ray.

batman beyond joker

Es geht also doch: Bruce Wayne lernt das Lachen.

Es geht hart zur Sache: Der Joker foltert Robin (Tim Drake), erfährt dadurch Batmans Geheimidentität, er führt bei Robin eine Gehirnwäsche durch und formt ihn nach seinem Bilde, daraufhin erschießt ihn Robin. Tim Drake ist traumatisiert fürs Leben, zieht sich zurück – und wird dann wieder für die Zwecke des zurückgekehrten Schurken instrumentalisiert. Abgesehen von der schwachen Erklärung für die Wiederkehr des Jokers hat die Story all das Drama, das eine gute Batman-Geschichte ausmacht. Damit reiht sich der Film ein in die großen Batman-Traumata: als der Joker Jason Todd (Robin II) ermordete und Barbara Gordon (Batgirl) verkrüppelte. Bislang waren der (Kinder-)Serie solche grausigen Momente erspart geblieben oder wurden als Illusionen aufgelöst.

Batman Beyond: Joker und Tim Drake

Der Joker foltert Robin.

Doch es bleibt nicht nur beim Sensationsgeheische, es wird auch dem Joker-Mythos eine neue Komponente hinzugefügt: „The real reason you kept coming back was you never got a laugh out of the old man“, sagt Terry McGinnis zum Joker. „Get a clue, clowny! He’s got no sense of humor! He wouldn’t know a good joke if it bit him in the cape… not that you ever had a good joke.“ Der Joker erscheint als lächerliche Figur, deren Tragik darin besteht, sich vergeblich an seinem renitentesten Zuschauer abzuarbeiten. Batman ist sein Fluch. Und so wird der Joker zu seinem.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

Gefällt dir dieser Beitrag? Was ist er dir wert? Lass es mich wissen und hilf mir, die Kosten für diese Seite zu decken (8 Euro im Monat, 96 Euro pro Jahr). Vielen Dank.

€1,00

Legends of the Dark Knight: Gothic

DC Comics

DC Comics

Titel: Gothic (dt. Der Mann ohne Schatten)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Klaus Janson

Erschienen: 1990 (Legends of the Dark Knight #6-10), dt. Carlsen 1991, Panini 2014


„Gotham City is hell. We are in hell. And I am the king of hell!“ (Batman)

„The kingdom of hell is within us.“ (The abbot)

Bruce Waynes ehemaliger Schulleiter, der ein Faible für Lyrik hat, dezimiert die Bosse in Gothams Unterwelt, weil er sich für einen missglückten Mordversuch rächen will. Dieser Mr. Whisper ist zudem ein über 300 Jahre alter ehemaliger Mönch, der nicht sterben kann, weil er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Nun will er das Haltbarkeitsdatum seiner Seele verlängern, indem er Gothams Einwohner mit der Pest tötet und ihre Seelen mithilfe einer gotischen Kirche einfängt. Batman reist mit dem Bat-Flugzeug nach Österreich, lässt sich Legenden von einem Mönch erzählen, und findet heraus, was das alles mit seinen Alpträumen zu tun hat, die ihn verfolgen.

(mehr …)

Legends of the Dark Knight: Shaman

DC Comics/Panini Comics

DC Comics/Panini Comics

Titel: Shaman (dt. Der Schamane)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Ed Hannigan

Erschienen: 1989-90 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 1993), dt. Carlsen 1991, Panini 2014


 „Aber du kannst nicht wirklich glauben, dass Geschichten und Masken wirklich Heilkräfte innewohnen.“ (Bruce Wayne)

„Du musst zur Maske werden.“

Bruce Wayne wurde nicht zu Batman, nur weil eine Fledermaus durchs Fenster flog. Die Fledermaus erinnerte ihn an ein Erlebnis in Alaska, als er im Sterben lag und ein Schamane ihn mit einer Geschichte über eine Fledermaus und einer passenden Maske heilte. Davon erzählt Dennis O’Neil in seiner Story Shaman. Die erste Storyline der Serie Legends of the Dark Knight spielt in Batmans erstem Jahr und erzänzt Frank Millers Origin um einen neuen Sub-Plot.

Dieser ist allerdings ziemlich wirr und wenig einnehmend. Es geht um Ritualmorde, die irgendwas mit Drogengeschäften zu tun haben, um einen Banker und um einen mysteriösen Mörder, der die Fledermausmaske eines Schamanen trägt. Der frischgebackene Batman spielt Detektiv, kommt schnell zu den richtigen Schlüssen und wie er dazu kam, wird in Gedankenboxen nachgereicht. Zwei Mal darf er noch nach Alaska reisen, wo er sich einbildet, die Tochter des Schamanen abschleppen zu können. Aber das Glück mit den Frauen ist ihm eben nicht vergönnt.

Ganz nebenbei sehen wir, wie Batman sein von Alfred genähtes Kostüm zum ersten Mal anzieht und wie er beginnt, die Höhle unter dem Anwesen zu seinem neuen Arbeitszimmer zu machen. Bruce erzählt Alfred bei der Besichtigung der Höhle, wie er einmal als Kind hineingefallen ist. Batmans Maske bekommt heilende und schützende Kräfte zugesprochen, sodass der Batman-Mythos mit einem mystischen Hintergrund aufgeladen wird.

Die Zeichnungen von Ed Hannigan sind ziemlich schwach, die Figuren wirken steif und ihre Mimik ausdruckslos, nur Batman bekommt einige ansehnliche Panels. Ansonsten sind die Farben – nun ja – wie die Farben Ende der 90er nun mal waren. Shaman ist also weder ein großes Lesevergnügen noch eine Augenweide, aber immerhin eine Ergänzung für Freunde von Batmans Anfangszeit.

>> Batman: Legends of the Dark Knight

Batman Beyond: Wachablösung für Bruce Wayne

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Titel: Rebirth (Part 1 & 2)

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Alan Burnett, Paul Dini, Stan Berkowitz

Erschienen: 1999 (Batman Beyond, S01E01-02, dt. Batman of the Future)


„Das war’s. Nie wieder.“ (Bruce Wayne)

Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist. Aber für jemanden, der so besessen von seiner selbstgewählten Aufgabe ist wie Batman, gilt diese Weisheit nicht. Ein gealterter Bruce Wayne in einem hochtechnisierten Kostüm vergeigt einen Routineeinsatz, bekommt einen Herzinfarkt und greift in seiner Not zu einer Schusswaffe. Obwohl er nicht abdrückt, nimmt er die Verzweiflungstat zum Anlass, sich zur Ruhe zu setzen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

20 Jahre später trifft Bruce Wayne auf den jungen Terry McGinnis, als dieser vor Wayne Manor gerade von einer Bande Jokerz angegriffen wird. Der Alte vermöbelt die Taugenichtse und überanstrengt sich dabei, Terry hilft ihm nach Hause. Dabei entdeckt der Junge die Bathöhle inklusive der Anzüge der Bat-Familie. Nachdem er von Wayne vertrieben wird, muss Terry feststellen, dass sein Vater auf Befehl des Industriellen Derek Powers ermordet wurde. Damit soll verdeckt werden, dass der Konzern Wayne/Powers Nervengas als Waffe herstellt und an Menschen testet. Terry ersucht Wayne um Hilfe, doch der weigert sich, den alten Anzug wieder anzuziehen. Als Terry sich dann selbst bedient, wird Wayne sauer und sabotiert zunächst den Anzug per Fernsteuerung, doch schließlich kann der neue Batman seine erste Aufgabe meistern und bekommt sogar eine Festanstellung bei Wayne …

(mehr …)

JLA Earth 2: Auf der anderen Seite des Spiegels

DC Comics

Titel: JLA: Earth 2 (dt. JLA: Erde 2)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quitely

Erschienen: 2000 (One-shot); dt. Dino 2000, Panini 2014


„No one tries too hard to make the world better. You can never shout too loudly in the name of freedom.“ (Batman)

Das Antimaterie-Universum ist eine Welt, in der stets das Böse triumphiert. Die Superwesen sind zumeist keine Helden, sondern Schurken. Es gibt Typen wie Ultraman, Owlman und Superwoman, die an Superman, Batman und Wonder Woman erinnern, aber sie bilden nicht die Justice League, sondern das Crime Syndicate. Von ihrer Mondstation aus beherrschen sie die Welt, die der Gewalt, dem Verbrechen und der Korruption anheim gefallen ist. In dieser Welt ist es Alexander Luthor, der in einer grün-violetten Rüstung allein gegen die Bösen antritt. Auf der Suche nach Verstärkung tritt er ins Materie-Universum ein und bittet die Justice League um Hilfe. Doch obwohl der Plan ausgeklügelt ist und zunächst funktioniert, hat der gute Luthor nicht damit gerechnet, dass er einen großen Haken übersehen hat …

Kurz und knackig erzählt Großmeister Grant Morrison eine Story über eine Parallelwelt, die ihre eigenen Grundgesetze hat. Das zeigt sich vor allem in Gotham: Dort herrscht Boss Gordon, während Comissioner Thomas Wayne versucht, das Übel einzudämmen und sein Sohn als Owl Man einen auf kostümierter Superverbrecher macht. Nachdem Gotham befreit ist, errichtet Wayne einen Polizeistaat. In einer Welt des Bösen wird das Böse immer triumphieren.

Die Geschichte hat zwei Schwächen: Abgesehen davon, dass sich die Justice League zu schnell auf das Abenteuer einlässt, ohne groß nachzufragen oder über ihre Taten zu reflektieren, nimmt sich Morrison zu wenig Zeit, um die Parallelwelt darzustellen. Stattdessen macht er es sich einfach, indem er ihre Verkommenheit nur behauptet und am drastischsten darin zeigt, dass ein Mann einen Hund tritt (der anschließend überfahren wird). Ansonsten ist Earth 2 ein netter, kurzweiliger Ausflug ins Was-wäre-wenn mit Rückfahrkarte.

Hinweis: Besonders empfehlenswert ist die Deluxe Edition (siehe Bild), in der auf vielen Extra-Seiten Frank Quitelys Skizzen und Grant Morrisons Skript dokumentiert werden.

Mehr zum Thema:

Einsamer, grausamer Vogel

DC Comics

DC Comics

Titel: Penguin: Pain and Prejudice (dt. Schmerz und Vorurteil)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Szymon Kundranski

Erschienen: 2012 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012, dt. Panini Sonderband 2012)


„People hate what is ugly. What is weak. It is a mirror of their own worst fears.“ (Penguin)

Anders als der Titel vermuten lässt, hat dieses Buch nicht viel mit Jane Austen zu tun. Vielmehr sind Schmerz und Vorurteil die beiden Komponenten, aus denen der Pinguin hervorgegangen ist. Erzählt wird die Vorgeschichte des Schurken mit der üblichen monokausalen Erklärung und küchenpsychologischen Klamottenkiste: hässlich geboren, gehasst vom Vater, gemobbt von den Brüdern – aber geliebt von der Mutter. Wir erfahren, dass Oswald Cobblepot als Junge das Morden gelernt hat. In der Gegenwart sehen wir, wie er sich um seine alte Mutter kümmert und sogar morden lässt, um ihr Schmuck zu besorgen. Dann verliert er sie und findet Trost bei einer blinden Frau, die ihn für seine inneren Werte schätzt. Doch weil der Pinguin immer noch mit Widerständen zu kämpfen hat, schickt er einen Schwarm mordender Vögel auf die Kinder Gothams los – Hitchcock lässt grüßen.

Das klingt nicht gerade einfallsreich, um nicht zu sagen: klischeebehaftet. Doch Gregg Hurwitz erzählt seine Geschichte einfühlsam und Szymon Kudranski (der neben Lee Bermejo und Alex Ross zu den größten Künstlern unter den Comic-Zeichnern gehört) findet ausdrucksstarke wie stimmungsvolle Bilder mit vielen Schatten. Eine der besten und rührendsten Sequenzen zeigt, wie der Pinguin am Sterbebett seiner Mutter kauert und immer wieder eine Schneekugel schüttelt. Von solchen Momenten lebt die Geschichte. Doch verharmlost wird die Figur dadurch nicht: Denn zugleich wird der Pinguin auch als grausamer Herrscher dargestellt, der Menschen wegen der kleinsten Unachtsamkeit bestraft, indem er ihre Leben zerstört. Bei aller Tragik und Drastik gibt es allerdings auch ein paar witzige Stellen.

Batman hat in diesem Buch nur eine Nebenrolle. In den ersten zwei Kapiteln ist er kaum zu sehen, nicht einmal sein Gesicht wird gezeigt. Trotzdem vermisst man ihn nicht. Oswald Cobblepot macht als Protagonist eine gute Figur.

Mehr zum Thema:

Die ewige Katzenjagd

Titel: Chase Me

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Paul Dini, Alan Burnett

Erschienen: 2003


Alle Frauen wollen mit Bruce Wayne tanzen, der arme Playboy kann sich kaum noch vor Zuspruch retten. Doch als er Catwoman beim Diebstahl erwischt, ist es er, der als Batman einer Frau hinterherrennt – und nicht nur irgendeiner. Chase Me, ein Kurzfilm als Zugabe zu Mystery of the Batwoman (2003), erzählt in sechs Minuten von einer Verfolgungsjagd zwischen Batman und Catwoman durch Gotham – und zwar ganz ohne Worte. Es ist wohl kein Zufall, dass dabei eine Menge – ähem – Milch fließt. Am Ende landen die beiden im Zoo bei den wilden Tieren und es endet sogar mit einem Kuss und Fesselspielchen. Batman bleibt dennoch der Alte – und Bruce Wayne der ewige einsame Playboy, der mit anderen Frauen vorlieb nehmen muss.

Trotz Frauenquote keine Führungsposition

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman: Mystery of the Batwoman (dt. Rätsel um Batwoman)

Regie/Autor: Curt Geda/Michael Reaves, Alan Burnett

Erschienen: 2003 (Direct-to-video)


 „Herrje, was kommt denn als nächstes? Ein Bat-Hund?“ (Harvey Bullock)

Ursprünglich wurde Batwoman erfunden, um den Vorwurf auszuräumen, Batman und Robin seien ein schwules Pärchen. Das war 1956, zwei Jahre nachdem Fredric Wertham diese steile These aufgestellt hat. Später schlossen sich auch Batgirl, Bat-Mite und Bat-Hound der Familie an. 1964 war dann für eine Weile Schluss mit dem Quatsch, doch irgendwann kamen sie alle in der einen oder anderen Form wieder. Auch Batwoman – als Lesbe und sogar mit einer eigenen Serie.

Neuer Look in grau und pink: Batwoman.

In der Animated-Serie wuchs die Batman-Familie zwar stetig an, doch Batwoman kam darin nicht vor. Das Konzept haben die Macher erst für den dritten und letzten Film ausgekramt. Immerhin verpassten sie Batwoman aber auch einen neuen Touch. Die Figur tritt zunächst als Mysterium auf: als eine Unbekannte in grauem Kostüm und High-Tech-Gleiter, die beim Hochnehmen böser Buben auch nicht vor drastischen Mitteln zurückschreckt. Batman gefällt das natürlich gar nicht. Barbara Gordon hat damit nichts zu tun, dafür kommen drei andere Frauen infrage: eine Gangster-Tochter, eine Polizistin und eine Wissenschaftlerin. Wer ist sie? Und warum hat sie es auf den Pinguin und Rupert Thorne abgesehen?

Batwoman und Robin kämpfen zusammen.

Trotz hoher Frauenquote belegt der Film leider keine Führungsposition. Auch wenn es Spaß macht, nach der Serie Batman mal wieder in diesem kantigen Animated-Stil zu sehen, ist Mystery of the Batwoman der schwächste der drei Langfilme geworden. Das Drehbuch ist nicht frei von witzigen Dialogzeilen, aber bleibt in Sachen Action und Dramaturgie eher durchschnittlich interessant. Leider hat man auch bei der Filmmusik an der falschen Stelle gespart, die kalten Klänge sorgen für eine sterile Atmosphäre.

Batwoman trifft Pinguin, Bane und Thorne.

>> Batman: The Animated Series