Robin

Das Two-Face-Double-Feature

DC Comics

Titel: The Crimes of Two-Face/The Man Who Led a Double Life

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #66, 68), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„… the most bizarre criminal of all time … a twentieth century Jekyll-Hyde …“

Einer der interessantesten von Batmans Erzfeinden ist Two-Face. Nicht nur wegen seines Doppellebens, das er mit Batman gemeinsam hat, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs zu ihm, weil er einst ein Freund gewesen ist, sondern vor allem wegen seiner tragischen Vorgeschichte. Die wird gleich in der ersten Ausgabe ausführlich ausgebreitet. Ganze vier Seiten bekommt Harvey Kent (!), um zu Two-Face zu werden. So viel hat nicht einmal Batmans Entstehungsgeschichte bekommen.

Es ist bemerkenswert, wie gut die Figur durchdacht ist, von Anfang an ist alles da: der Staatsanwalt, der vom Gangster Moroni im Gerichtssal Säure ins Gesicht geschüttet bekommt, die Entfremdung von seiner Frau Gilda, der Doppelkopf-Dollar, die für ihn die Entscheidungen trifft. Die Münze ist zunächst ein Beweisstück gegen den Moroni. Weil Two-Face sie für sein Unglück verantwortlich macht, zerkratzt er sie mit einem Skalpell und widmet sein Leben einer Obsession für die Dualität: Sein Versteck ist zweigeteilt, seine Verbrechen haben stets mit der Zahl zwei zu tun: ein Doppeldecker-Bus, ein Double-Feature-Kino. Doch wenn die Münze auf die unversehrte Seite fällt, spendet er seine Beute auch für wohltätige Zwecke. Es ist noch Gutes in ihm …

Zunächst soll Kent von einem plastischen Chirurgen aus Deutschland behandelt werden – aber der wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager gesteckt. Und Kent entscheidet sich, nicht auf dessen mögliche Befreiung zu warten. Interessant ist auch, dass seine Frau Künstlerin ist, die Skulpturen anfertigt. Nachdem sie sich vom entstellten Gesicht ihres Mann erschüttert zeigt, zerschlägt er eine Büste, die ihn darstellt, mit zwei Hammern. Früher, sagt er, sei er Apollo genannt worden, aber die Büsten zeigten nicht mehr sein wahres Gesicht. Er kommt in eine Persönlichkeitskrise: „Who … what am I? I’m not a man! I’m half a man … beauty and beast … good and evil! I’m a living Jekyll and Hyde!“ Seine Spaltung wird schon beim ersten Blick in den Spiegel deutlich: schon da ist sein Anzug zweifarbig.

Der Showdown wird zum Kammerspiel: Batman versucht, Kent zum Guten zu bewegen, Two-Face wirft seine Münze – und sie landet auf der Kante. Mit diesem Cliffhanger endet der erste Teil, zwei Ausgaben später geht es weiter. Two-Face entkommt durch den übereifrigen Einsatz der Polizei. Als nächstes entführt er das Double eines alten Unternehmers, dann versucht er ein Wohltätigkeits-Baseball-Spiel zwischen der Polizei und der Feuerwehr auszurauben. Auch Batman, da Ehrenmitglied der Polizei, spielt mit.

Der Höhepunkt ist allerdings ein emotionaler: Nachdem Two-Face feststellen muss, dass seine Frau mittlerweile Trost bei einem anderen Mann gefunden hat, stellt er sein Gesicht mit Wachs wieder her und besucht sie. Zunächst scheint alles wieder gut zu werden, Harvey will sich sogar der Polizei ausliefern, um wieder gut zu werden. Aber als sie bei Kerzenschein beisammen sitzen, sein Gesicht schmilzt und dann auch noch Batman reinplatzt, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Armer Harvey. Der perfekte Schurke ist geboren – aus dem Geist der Tragödie.

>> Liste der Two-Face-Comics

Lesetipps:

Robin liest Fanpost vor – und singt

Nicht nur Adam West hat 1966 als Batman gesungen, auch Robin-Darsteller Burt Ward ließ sich dazu hinreißen. Auf der Single „Boy Wonder I Love You“ liest er zunächst nur Fanpost vor, unterlegt von einem Stück, das Frank Zappa geschrieben hat. Warum er nicht singt, wird auf der B-Seite deutlich: Da versucht er sich an „Orange Colored Sky“. Hätte er das mal lieber sein gelassen … Denn damit hat er seinen Fans keinen Gefallen getan.

>> Liste der Batman-66-Episoden

Der seltsame Fall des Jonathan Crane

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DC Comics

Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

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Jonathan Cranes zweifelhafte Angst-Vorlesung. (DC Comics)

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Clayface feiert Premiere

DC Comics

DC Comics

Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)


„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)

Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.

Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.

Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.

Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.

Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Triumph für Lego-Batman

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: The Lego Batman Movie

Regie/Drehbuch: Chris McKay/Seth Grahame-Smith u.a.

Erschienen: 2017 (Kinofilm)


„Life doesn’t give you seat belts!“ (Batman)

Als im Jahr 2014 The Lego Movie herauskam, war nicht viel davon zu halten: ein Kinofilm über Spielzeug? Warum sollte man für diesen anderthalbstündigen Werbeblock auch noch bezahlen? Doch dann war der Animationsfilm die Überraschung des Jahres: ideenreich und witzig. Und dass es um Lego ging, war sogar elegant gelöst.

Der beste Charakter der bunten Klötzchenwelt war der draufgängerische und liebenswert tollpatschige Batman. Folgerichtig hat er jetzt seinen eigenen Kinofilm bekommen. Und The Lego Batman Movie enttäuscht nicht. Im Gegenteil: er funktioniert hervorragend als Komödie für Kinder und Erwachsene, aber auch als Parodie und Hommage an die lange Batman-Tradition. Ein Fest für Fans, die ganzen Anspielungen auszumachen.

Warner Bros.

Warner Bros.

Der Film dekonstruiert aber auch den Mythos: Batman ist ein absurd hochgerüsteter Angeber, der sich für den Größten hält, unfehlbar, der aber nach Dienstschluss einsam in seinem überdimensionierten Anwesen herumhängt, Hummer verschlingt und Schnulzen („Beziehungsfilme“) im Heimkino anschaut. Diese relativ langen Szenen, die ruhigsten des Films, gehören zugleich zu den witzigsten. Wenn Batman sich auf der Mikrowelle vertippt oder den falschen HDMI-Kanal seines Fernsehers anwählt, wirkt sein dekadentes Leben plötzlich ganz vertraut.

Alfred ist mal wieder die Stimme der Vernunft: nachts Schurken verdreschen und sonst allein rumhängen kann nicht gesund sein. Doch Batman hat Bindungsängste. Er hat Angst, wieder eine Familie zu haben. Die bekommt er mit dem Waisenkind und Fanboy Dick Grayson, der zu Robin wird. Zugleich versucht der Joker mit einem teuflischen Plan, Batmans Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn der Held behauptet, der Joker sei für ihn nicht wichtig …

Atemlos geht die Handlung voran, überwältigend fallen die Actionszenen aus, die detailreichen Bilder überfordern zuweilen. Aber das Ganze ist so liebevoll gemacht und steckt voller Details und zündender Gags, dass man anderthalb Stunden lang bestens unterhalten wird. Damit macht der Lego-Film vieles wieder wett, was bei Batman v Superman verbockt wurde: der Film macht im Gegensatz zu Zack Snyders bierernstem Getöse einfach großen Spaß.

Nur zwei Punkte sind zu bemängeln: die Überfülle an Schurken, vor allem die aus anderen Film- bzw. Lego-Spielzeugwelten hätte es nicht gebraucht. Das ist der einzige Aspekt, der den Film dann doch in die Nähe von Werbung rückt. Und die deutsche Synchronstimme des Jokers (YouTube-Star Erik „Gronkh“ Range) überzeugt nicht. Da hat man sich wieder vom Promifaktor hinreißen lassen statt von Ausdruckskraft. (Im Original spricht Zach Galifianakis.) Das ist insofern schade, als dass der Charakter sonst ungewöhnlich menschlich dargestellt ist. Der Joker will eigentlich auch nur geliebt, bzw. von ganzem Herzen gehasst werden. Was er aber nicht erträgt, ist Gleichgültigkeit. Und darum geht es in dem Film eigentlich: alles buhlt um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Man sollte sie dem Werk gönnen, er hat es verdient.

Alter schützt vor Torheit nicht

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Dynasty

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Scott Hampton, Gary Frank, Scott McDaniel

Erschienen: 1997 (One-shot)


„I win again. But then, I always do.“ (Vandal Savage)

2300 Jahre Waynes, drei Generationen von Batmen: als Kreuzritter im Mittelalter, als Dunkler Ritter in der Gegenwart, als High-Tech-Kriegerin in ferner Zukunft. Und alle drei müssen sich mit Vandal Savage rumschlagen, jenem unsterblichen Schurken, der einem mysteriösen Meteorit nachjagt. Dafür tötet er sogar Bruce Waynes Eltern. Wozu der ganze Ärger, das erfährt man erst am Ende: auch der Böse hat einfach nur das grundmenschliche Bedürfnis zu wissen, was ihn zu dem gemacht hat, das er ist. Der Aufwand wirkt dann doch etwas übertrieben, vor allem gegen Ende, wenn er einen ganzen Kult um sich begründet. Gastauftritte haben eine Art Catwoman des Mittelalters und eine weibliche Scarecrow, Scarecrown genannt.

Dass sein hohes Alter Vandal Savage aber nicht unbedingt weiser macht, zeigt auch ein Plot-Element, das immer wiederkehrt: In jedem der drei Kapitel lässt er den Helden in einer Todesfalle zurück und lässt ihm damit jedesmal die Gelegenheit zur Flucht – im zweiten Kapitel sogar zweimal. Okay, das ist nicht unbedingt ein Klischee mehr, es ist einfach ein Topos von Heldengeschichten. Aber gleich viermal den gleichen Fehler zu begehen, lässt dann doch am Verstand des angeblich superschlauen Superschurken zweifeln und wird zum Running Gag, der die Story unfreiwilligen komisch macht. Noch lächerlicher ist nur noch ein Affe, der in der Zukunft zu Robin wird (warum nur, warum?).

Visuell macht Dark Knight Dynasty wenigstens zu zwei Dritteln etwas her: Die gemalten Seiten von Scott Hampton (Night Cries) im Mittelalter-Teil und die von Gary Franks (Batman: Earth One, Superman: Secret Origin) Gegenwarts-Teil sind wahre Hingucker. Dagegen ist das Finale von Scott McDaniel und Bill Sienkiewicz nicht nur sperrig gezeichnet, sondern lässt auch schwer der Handlung folgen.

Insgesamt ist Dark Knight Dynasty zwar episch angelegt, aber kann seinen Anspruch nicht ganz erfüllen, weil es dann doch bloß in Banalitäten abdriftet.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Was der Joker Batman zu Weihnachten schenkt

Titel: Christmas with the Joker (dt. Weihnachten mit dem Joker)

Drehbuch: Eddie Gorodetsky

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series S01E02)


„Jingle bells, Batman smells, Robin laid an egg, the Batmobile lost a wheel, and the Joker got away!“ (Joker)

An Heiligabend bricht der Joker aus Arkham aus – mit einem fliegenden Weihnachtsbaum. Eigentlich wollen sich Bruce Wayne und Dick Grayson einen schönen Abend machen und „Ist das Leben nicht schön?“ gucken (ein Film, den Bruce nie gesehen hat, weil er nie über den Titel hinausgekommen ist), doch dann ist plötzlich der Joker auf Sendung: er hat James Gordon, Harvey Bullock und die Reporterin Summer Gleeson gefangen genommen. Jokers-Ersatzfamilie sozusagen. Batman und Robin haben Zeit bis Mitternacht, um sie zu finden, sonst werden es tödliche Weihnachten. „It’s never easy with the Joker“, stellt Batman fest.

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Unsere Helden müssen einen Zug davor bewahren, eine gesprengte Brücke hinabzustürzen, dann treten sie gegen schießende Joker-Roboter an, beim Finale wehren sie tödliches Spielzeug ab – unter anderem mit einem Baseball-Schläger. Hier funktioniert Robins Kalauer vom „Bat-Man“ nur im Original. Aber auch sonst ist die deutsche Fassung ziemlich daneben, wenn sie den Filmtitel „It’s a Wonderful Life“ wörtlich mit „Das Leben ist wundervoll“ übersetzt, obwohl der deutsche Titel offiziell „Ist das Leben nicht schön?“ lautet.

Ansonsten ist Weihnachten mit dem Joker eine schön irre Episode, die ihre lustigsten Momente in den Dialogen zwischen Batman und Robin hat. Und was in Jokers Päckchen für Batman steckt, diese Überraschung will ich euch nicht verderben.

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Jokers Spritztour mit Robin

DC Comics

DC Comics

Titel: Slayride

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2007 (Detective Comics #826), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„… I couldn’t have planned this.“ (Joker)

Man soll nicht zu Fremden ins Auto steigen. Nicht mal, wenn sie Hilfe in der Not anbieten. Nicht mal, wenn man Erwachsen ist. Nicht mal, wenn man Robin ist. Diese Erfahrung muss Tim Drake machen. Während eines Einsatzes tut er nämlich genau das und bereut es sofort, denn im Auto sitzt der Joker. Der betäubt und fesselt ihn an den Beifahrersitz und fährt mit ihm planlos durch die Gegend.

Es geht zu wie bei GTA: Joker überfährt ein paar Fußgänger, erschießt den Manager eines Fast-Food-Ladens. Robin versucht, sich mit einem Spielzeugauto zu befreien. Der Joker nimmt es ihm zwar weg, aber er kommt doch frei (irgendwie, ist auch egal), vermöbelt ihn und die Fahrt endet mit einem Unfall.

Ach ja, eines noch: der Joker trägt eine Weihnachtsmann-Mütze, es ist Vorweihnachtszeit, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Und es beschert der ziemlich willkürlichen Story auch nicht unbedingt mehr Sinn. Immerhin is sie ganz ansehnlich gezeichnet. Aber ansonsten: geschenkt.

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Weihnachten mit Batman: Ein Vater als Geschenk

DC Comics

DC Comics

Titel: Christmas

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1942 (Batman #9)


„The Batman is going to play Santa Claus!“ (Bruce Wayne)

Heiligabend. Bei einem Besuch im Waisenhaus trifft Bruce Wayne den kleinen Timmy Cratchit, der sich vom Weihnachtsmann wünscht, er möge ihm seinen Vater wiederbringen. Doch der Vater steckt im Knast – lebenslänglich wegen Mordes. Batman macht sich daraufhin auf zum Gefängnis, wo er sich von dem Insassen Bob Cratchit erzählen lässt, er säße zu Unrecht ein. Batman und Robin glauben ihm und nehmen sich den Gauner Hal Fink vor, der schuldig sein soll. Obwohl sich das Dynamische Duo mit Fäusten, Tintenfässern und Kleiderhaken gegen seine Bande wehrt, wird es überwältigt.

Aber weil Gangster einen im Comic nicht einfach abknallen können, sondern das Töten meist dramatisch inszenieren müssen, bekommen die Helden noch eine Überlebenschance. Die Gauner schleppen die bewusstlosen Körper von Batman und Robin aufs Dach und werfen sie in einen Wassertank. Sie entkommen, werden von einem falschen Weihnachtsmann verraten, wehren sich mit Schneebällen.

Batman #9: Christmas

DC Comics

Am Ende holt Batman ein Geständnis von Fink heraus, indem er sich als Geist des Mordopfers verkleidet. Dickens lässt grüßen. Und nachdem der falsche Santa Claus gezwungen wird, im Waisenhaus aufzutreten, wird er zum Guten bekehrt – und kommt auf Bewährung frei.

Trotzdem kommt bei Robin keine Weihnachtsstimmung auf. Er beneidet die Waisenkinder um ihre Weihnachtsfeier. Batman gibt sich zunächst hartherzig: „Sorry, Robin! But we crimefighters don’t have time for that sort of thing! That’s our penalty, I guess!“ Doch dann führt Batman ihn zu Commissioner Gordons Haus, wo er mit Linda Page schon auf sie wartet. Moral: Santa Claus gibt es wirklich, wenn wir das, wofür er steht, in unser Herz lassen. Nein, gemeint sind nicht Kapitalismus und Coca-Cola, sondern Selbstlosigkeit und Nächstenliebe.

So endet die erste Batman-Weihnachtsgeschichte.

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Batman auf dem Mond

DC Comics

DC Comics

Titel: Public Luna-Tic Number One

Autor/Zeichner: John Broome/Bob Brown, Joe Giella

Erschienen: 1969 (Detective Comics #388)


„Maybe there’s an idea behind my lunacy!“ (Joker)

„That was to be his greatest — and ghastliest jest!“ (Batman)

Warum begeht der Joker in jüngster Zeit Verbrechen bei Vollmond? Was macht er im Planetarium? Warum stiehlt er eine Maschine, die die Gravitation aufhebt, um die Kassen im Hauptbahnhof zu plündern? Alles ist Bestandteil eines größeren Plans. Der Joker nennt sich „Public Luna-Tic Number One“. Für alle, die das Wortspiel nicht kapieren, gibt es einen Erklärkasten: Luna = Mond. Das liegt nahe für eine Story aus dem Jahr 1969, dem Jahr der ersten Mondlandung. Also muss auch Batman auf den Mond. – Auf Teufel komm raus.

Kurz nachdem das Dynamische Duo von Jokers Handlangern überwältigt wurde, findet es sich plötzlich auf dem Mond wieder. Sie tragen Raumanzüge mit Batman- und Robin-Logo. Und plötzlich erscheint ihnen auch das Gesicht des Jokers, das ihnen klarzumachen versucht, sie seien wirklich im Weltall. Robin ist skeptisch, aber es bleibt nicht viel Zeit für Detektivarbeit, weil sich der Schatten der Erde über den Mond zieht und die beiden Helden angeblich vom Kältetod bedroht werden. Es müssen wohl ziemlich miese Raumanzüge sein, in die der Joker sie gesteckt hat. Doch dann findet Batman heraus, dass die Kulisse Fake ist: denn auf dem Mond gibt es keine Stalagmiten …

Scharf geschlossen – wie immer, Batman. Aber das erklärt noch immer nicht, was das ganze Theater soll. Auch dafür hat Batman am Ende eine Erklärung: „The Joker tried to frighten us to death!“ Wie teuflisch! Wie ausgebufft! Welch Ausdruck von Wahnsinn! Und von hanebüchener Einfallslosigkeit. Kein Wunder, dass der Joker für die nächsten vier Jahre ausrangiert wurde.

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